Zwischen Sichtbarkeit und Verantwortung
Ethnologische Perspektiven auf ORCID

Foto: Kathleen Heft, Bildbearbeitung: Lea Farah Heiser, CC BY-SA 4.0.
ORCID (Open Researcher and Contributor ID), ist ein eindeutiger Identifikator für Forschende und gilt als zentrales Instrument der Open-Science-Infrastruktur. Es wurde entwickelt, um Forschende zu identifizieren, ihre wissenschaftlichen Outputs sichtbar zu machen und administrative Prozesse zu vereinfachen. Auch der Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA) empfiehlt die Nutzung von ORCID – insbesondere im Hinblick auf die Langzeitverfügbarkeit und Verzeichnung ethnologischer Forschung. Gleichzeitig zeigt sich aus ethnologischer Perspektive ein vielschichtiges Bild: Zum einen werfen die Struktur und Logik von ORCID grundlegende Fragen nach dem zugrunde liegenden Wissenschafts- und Autor*innenschaftsverständnis auf. Zum anderen ergeben sich spezifische Chancen und Herausforderungen für ethnologische Forschungspraktiken, die in diesem Beitrag näher beleuchtet werden sollen.
Publikationsnachweise im Wandel: ORCID als Lösungsansatz für Sichtbarkeit und Eindeutigkeit
Publizieren und Rezipieren sind zentrale Bestandteile der wissenschaftlichen Arbeitspraxis. Publikationen sind ein wichtiger Indikator zur Messung des wissenschaftlichen Outputs und deren Nachweis ist für die eigene Wissenschaftskarriere bedeutsam. In diesem Zusammenhang spielen auch verschiedene Publikationsformate jenseits von Monografien und Zeitschriftenartikeln eine wichtige Rolle.
Die Auffindbarkeit und der Nachweis von Publikationen geht mit einigen Herausforderungen einher, wobei manche grundsätzlicher Natur, andere hingegen beeinflusst von der Fachspezifik der ethnologischen Fächer sind.
Forschende durchlaufen innerhalb ihrer Forschungslaufbahn oftmals zahlreiche unterschiedliche Stationen. Dies führt dazu, dass Homepages, beispielsweise von Arbeitsstätten, oftmals nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt gepflegt werden und dann veralten oder gar nach einer umfassenden Aktualisierung in Gänze gelöscht werden. Das Betreiben einer eigenen Homepage zum Nachweis der eigenen Publikationen und Arbeitsstationen kann eine Lösung für dieses Problem darstellen, geht aber mit viel Arbeit einher. Außerdem müssen Forschende jegliche Inhalte komplett eigenständig einpflegen, eine (automatisierte) Fremddatenübernahme ist nicht möglich. Kommerzielle Plattformen wie ResearchGate bieten zwar die Möglichkeit, die eigenen Publikationen abzulegen und so einen Nachweis zu ermöglichen, allerdings sind die Publikationen nur nach Anmeldung zugänglich und die kommerziellen Plattformen operieren mit problematischen Lizenzrechten.
Ein Ansatz, um auf diese Probleme zu reagieren ist ORCID. Es zielt darauf ab, das Problem der eindeutigen Identifikation von Personen in der wissenschaftlichen Forschung zu bearbeiten. Der vergebene Identifikator, ORCID-iD, ist eine Kennziffer, die dauerhaft verfügbar und Personen individuell zugeordnet ist, um diese eindeutig identifizieren zu können. Mit ORCID ist es für Forschende möglich, ihre eigenen Publikationen selbstständig gebündelt nachzuweisen und darüber hinaus die eigene wissenschaftliche Biografie in Form von beruflichen Stationen, Mitgliedschaften in Organisationen, Forschungsförderungen etc. niedrigschwellig und übersichtlich zu dokumentieren. Je nachdem welche Informationen hinterlegt werden, kann das ORCID-Profil als ausführlicher Publikationsnachweis und Lebenslauf in Antrags- und Bewerbungsverfahren verwendet werden. Dadurch, dass ORCID in 15 verschiedenen Sprachen angeboten wird, ist es auch auf internationaler Ebene einfach möglich, gebündelt Informationen über Personen und ihre Publikationen zu erhalten. Ziel ist, dass Informationen einmalig erfasst werden und diese auf verschiedene Weisen nachgenutzt werden können.
ORCID ist im Rahmen der Open Researcher Contributor Identification Initiative entstanden, die ersten ORCID-iDs werden seit 2012 vergeben. An der Gründung waren große Verlagsgruppen (bspw. Elsevier und Springer) beteiligt, aber auch Forschungsorganisationen wie das Schweizer CERN. Derzeit betreibt eine gemeinnützige Initiative in Delaware (USA) die technische Infrastruktur. Deutschland verfügt über ein eigenständiges ORCID-Konsortium, das als Ansprechpartner für Forschungseinrichtungen zuständig ist. Die Arbeit zielt insbesondere auf die Vernetzung (u.a. mit anderen Nachweissystemen) und Vermittlung von Informationen ab. Die Nutzung von ORCID ist kostenlos.
Die Anwendung von ORCID hat fünf zentrale Vorteile:
- Zeitersparnis: Bei ORCID ist es unkompliziert, die eigenen Publikationen aus verschiedenen Quellen in das Profil zu übertragen. Teilweise geschieht dies, z.B. in Form der Übertragung der bibliografischen Angaben, durch die Verknüpfung mit anderen Nachweissystemen bereits automatisch (vgl. Hartmann & Pampel 2017: 577). Trotzdem ist eine manuelle Kuration weiterhin möglich. Die zeitraubende Eingabe von Publikationsdaten an verschiedenen Stellen kann so jedoch reduziert werden. Die Informationen sollen an vielen Stellen erneut nutzbar sein, z. B. durch automatische Übertragung der ORCID-Daten bei der Einreichung von Bewerbungen. Sofern die Einwilligung erteilt wurde, können auch andere Personen die Informationen bearbeiten.
- Sicherstellung von Eindeutigkeit: ORCID ermöglicht die eindeutige Identifikation von Wissenschaftler*innen. Besondere Relevanz hat dies bei häufigen Namen aber auch beim Namenswechsel z.B. bei Heirat. Die eindeutige Zuordnung ist nicht nur für Menschen bedeutsam, wobei diese sich durch Kontextwissen und etwaige zusätzliche Recherchen oftmals erschließen können, um welche Person es sich handelt. Für computerbasierte Anwendungsverfahren ist eine eindeutige Zuordnung ausschließlich aufgrund von Namen mitunter nicht möglich. Die Folge ist, dass es zu keiner bzw. zur falschen Zuordnung in Datenbanken und anderen Suchsystemen kommen kann.
- Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Das eigene Profil ist flexibel anpassungsfähig, sodass Namenswechsel oder eine veränderte berufliche Situation sich schnell nachvollziehen lassen. Das Profil ist nicht an eine spezifische Arbeitsstätte gebunden, wenn Institutshomepages veralten oder gelöscht werden, bleibt das ORCID-Profil bestehen und aktuell.
- Erhöhte Auffindbarkeit und Sichtbarkeit: Die Nutzung von ORCID erleichtert den gebündelten Nachweis von Publikationen und macht diese sichtbarer. Publikationen lassen sich unmittelbar verlinken, was besondere Relevanz für Publikationen (Artikel, Blogbeiträge, Forschungsdatenpublikationen etc.) hat, die mitunter nicht explizit in größere Suchsysteme eingespeist worden sind. Außenstehende können ORCID nutzen, um die berufliche Biografie und Projektbeteiligungen von Personen nachzuvollziehen.
- Kontrolle über Daten: Forschende entscheiden eigenständig, was sie an Informationen zur Verfügung stellen möchten und legen fest, was davon öffentlich einsehbar sein soll. Für jede Angabe existiert ein Spektrum der Sichtbarkeit: von allgemein öffentlich einsehbar, zur Sichtbarkeit für definierte Dritte z.B. die eigene Einrichtung bis hin zur exklusiven Sichtbarkeit für die Person, die das Profil angelegt hat. Immer sichtbar ist nur der Name und die ORCID-iD. Das Profil kann zu jeder Zeit deaktiviert und gelöscht werden.
ORCID in den ethnologischen Fächern: Zwischen infrastruktureller Spannung und disziplinärer Anschlussfähigkeit
Die Nutzung von ORCID bietet für Forschende aus den ethnologischen Fächern zahlreiche Vorteile, geht jedoch auch mit spezifischen Herausforderungen einher, die sich aus den Besonderheiten ethnografischer Wissensproduktion ergeben. In diesem Abschnitt sollen Nutzungspotenziale für Ethnolog*innen dargestellt sowie kritische Perspektiven auf die strukturelle Logik von ORCID diskutiert werden.
ORCID: Autor*innenschaft, Identität und Infrastruktur
„Infrastrukturen existieren auch als Formen, die über ihre rein technische Funktion hinausgehen, und sie müssen als konkrete semiotische und ästhetische Vehikel analysiert werden, die sich an bestimmte Adressat*innen richten. […] Die Auseinandersetzung mit der Form – oder der Poetik – von Infrastrukturen ermöglicht es uns zu verstehen, wie das Politische auf unterschiedlichen Wegen hervorgebracht werden kann.“ (Übers. d. Verf., Larkin 2013: 329)
Im Zuge der zunehmenden Etablierung von Open Access betonten Kim Fortun und Mike Fortun bereits 2015 (421), dass wir uns in einem „infrastructural moment“ befinden – einem Moment, in dem sich die infrastrukturellen Bedingungen ethnologischer Wissensproduktion grundlegend wandeln. Digitale Plattformen, Identifikatoren und technische Systeme fungieren dabei nicht als neutrale Werkzeuge, sondern nehmen aktiv Einfluss auf die Sichtbarkeit, Strukturierung und Bewertung von Forschung.
Infrastrukturen, so Larkin (2013), sind nicht nur technische Systeme, sondern auch politische und semiotische Formen, die bestimmte Formen von Adressierbarkeit, Teilhabe und Ausschluss erzeugen. Auch ORCID lässt sich als Teil dieses infrastrukturellen Moments verstehen: Als Plattform, die die eindeutige Identifikation von Forschenden ermöglichen soll, beeinflusst sie, wer als Forscher*in gilt, welche Outputs sichtbar gemacht werden und wie Autor*innenschaft verstanden wird. Für Personen, die mit fluiden Rollen, Anonymität oder kollektiven Identitäten arbeiten – etwa Aktivist*innen, indigene Wissenschaftler*innen oder Co-Forschende aus Community-Kontexten – kann die Logik persistenter Sichtbarkeit daher unpassend oder gar riskant sein. Das trifft allerdings auf viele digitale Systeme zu, die auf dauerhafte Identifizierbarkeit und globale Zugänglichkeit ausgelegt sind.
Ethnologische Debatten über Offenheit und Zugänglichkeit sind stets auch mit Fragen relationaler Verantwortung verknüpft. Wie Kathleen Heft (2025, Übers. d. Verf.) betont, ist „jede Veröffentlichung aus dem Bereich der Sozial- und Kulturanthropologie – ob im Open oder Closed Access – untrennbar mit disziplinären ethischen Prinzipien verflochten“. Ethnografische Wissensproduktion ist häufig eingebunden in informierte Zustimmung, den Schutz lokaler Wissenssysteme und Formen geteilter Autor*innenschaft. Diese „grundlegend kollaborative Natur und Co-Autor*innenschaft ethnografischer Wissensproduktion“ (ebd.) wird im Kontext digitaler Infrastrukturen erneut virulent – etwa, wenn Plattformen wie ORCID kollektive, nicht-standardisierte oder nicht-textuelle Beiträge nur unzureichend erfassen können.
So lassen sich etwa Beitragende an community-basierten Forschungsprozessen, nicht-schriftliche Wissensformen wie Erzählungen, Rituale oder materielle Praktiken sowie geteilte Urheber*innenschaft ohne klare Einzelzuschreibung nur schwer in die Logik individueller Wissensorganisation übersetzen. Ähnliche Spannungen beschreiben Xinyao Liu und Daniel Burnett (2022) für kollaborative interkulturelle Forschung, in der Rollen fluid, Beziehungen hochsensibel und Verantwortlichkeiten geteilt sind – Konstellationen, die durch standardisierte individuelle Autor*innenschaftsmodelle nur unzureichend abgebildet werden. Luther Blissett (2024) verweisen zudem auf die Bedeutung „dividualer“ Autor*innenschaft in der Anthropologie, also auf Formen geteilter oder relationaler Urheber*innenschaft, die mit der auf Einzelidentitäten fokussierten Logik digitaler Identifikatoren schwer vereinbar sind. Dabei ist Luther Blissett nicht als eindeutig identifizierbare Einzelperson zu verstehen, sondern als kollektives Pseudonym, das von mehreren Anthropolog*innen für kollaborative, anonyme Veröffentlichungen genutzt wird. Ausgerechnet ein Text, der die Grenzen individualisierter Autor*innenschaft in der Anthropologie problematisiert, ist über eine ORCID-iD mit einem Profil verknüpft, das die Logik eindeutiger Identifikation zugleich nutzt und unterläuft. Damit wird ORCID selbst zum Schauplatz der im Aufsatz verhandelten Frage: Wie lassen sich Formen geteilter, dividualer oder pseudonymer Autor*innenschaft in einer Infrastruktur abbilden, die grundsätzlich auf persistente Identifizierbarkeit, individuelle Profile und zurechenbare wissenschaftliche Outputs ausgerichtet ist?
Dass das Problem der eindeutigen Identifizierung über Namen, welches ORCID zu lösen versucht, nicht universell als Problem verstanden wird, zeigt schließlich Marcel LaFlamme (2016) anhand des Namenssystems der Orokaiva in Papua-Neuguinea. Die dortige Praxis, Namen nicht zur eindeutigen Identifikation, sondern relational und kontextabhängig zu verwenden, stellt das westlich-europäische Konzept von Autor*innenschaft und Identität infrage, auf dem ORCID basiert. Zudem verweist LaFlamme auf feministische Wissenschaftskritik (vgl. Gibson-Graham 2006), in der kollektive Autor*innenschaft oder das Schreiben unter Pseudonym als Strategien genutzt werden, um individualisierte Zuschreibungen gezielt zu unterlaufen. Auch die Redaktion von Cultural Anthropology, die ORCID bereits 2014 eingeführt hat, plädiert für eine kritische Auseinandersetzung mit der Plattform im Sinne einer „critical anthropology of scholarly communication“ (Jackson & Anderson 2014: 236).
Ein alternatives Modell bietet das Indigenous Data Network (IDN), das indigenen Gemeinschaften ermöglicht, kollektive epistemische Rechte geltend zu machen und ihre Daten nach eigenen Prinzipien zu verwalten – etwa durch gemeinschaftsbasierte Zugriffskontrollen, kontextbezogene Metadaten oder die Anerkennung nicht-textlicher und relationaler Wissensformen. Sichtbarkeit wird hier nicht primär über Zitation oder standardisierte Identifikation erzeugt, sondern über epistemische Selbstbestimmung, kuratierte Datenräume und alternative Modi des Teilens. Wissensobjekte werden nicht allein durch bibliografische Kategorien erfasst, sondern über Beziehungsstrukturen, lokale Kontexte und spezifische Verantwortungsformen definiert.
Das Beispiel des IDN zeigt, dass digitale Infrastrukturen unterschiedlich gestaltet sein können – nicht nur als Werkzeuge zur Vereinheitlichung und Identifizierbarkeit, sondern auch als relationale Commons, die diverse Wissensformen und Autor*innenschaften anerkennen. Für die ethnologische Fachcommunity eröffnet dies die Möglichkeit, bestehende Infrastrukturen wie ORCID kritisch zu reflektieren und gegebenenfalls durch ergänzende Modelle zu erweitern, die stärker auf kollektive, kontextgebundene und nicht-textuelle Wissenspraktiken eingehen. Gleichzeitig finden sich im wissenschaftlichen Alltag auch spielerische oder kreative Formen, die autor*innenzentrierte Logiken digitaler Identifikatoren unterlaufen. So existieren ORCID-iDs, die – augenzwinkernd, aber zugleich pointiert – nicht menschlichen „Co-Autor*innen“ zugewiesen werden, etwa einem Forschungshund in einem experimentellen Schreibprojekt.
Doch wie verbreitet ist ORCID tatsächlich in ethnologischen Fachkontexten – und wo zeigen sich konkrete Anwendungsbeispiele jenseits der infrastrukturellen Kritik? Bislang gibt es nur wenige umfassende Daten zur Nutzung von ORCID. In einer großen Umfrage an US-amerikanischen Hochschulen analysieren Stephen Porter, Paul Umbach und Christopher Willis (2025) die Verbreitung von ORCID unter akademischen Mitarbeitenden: Während 72 % der US-Professor*innen angaben, eine ORCID-iD zu besitzen, gab es eine erhebliche Spannweite zwischen den Disziplinen. In den biomedizinischen Wissenschaften nutzten 93 % der Befragten eine ORCID-iD, die Rate bei den Visual and Performing Arts lag lediglich bei 17 %. Auch in den Area Studies ist die Nutzung vergleichsweise niedrig: Nur 38 % der Befragten aus diesem Feld gaben an, eine ORCID-iD zu verwenden (Porter et al. 2025: 2789).
Potenziale und Anwendungsbeispiele
Trotz dieser strukturellen Spannungen bietet ORCID gerade für ethnologische Forschung auch spezifische Potenziale, die bislang nur punktuell ausgeschöpft werden. Die Plattform erlaubt es, auch weniger sichtbare Publikationsformen wie Beiträge in Sammelbänden, kleineren Fachzeitschriften, Ausstellungskatalogen oder Graue Literatur systematisch zu erfassen und miteinander zu verknüpfen. Neben klassischen Textformaten können auch audiovisuelle Materialien, Forschungsdaten, Ausstellungen oder Feldnotizen als „Works“ in ein ORCID-Profil aufgenommen werden – insbesondere dann, wenn sie mit einem DOI versehen sind. Für Forschende, deren Arbeiten sich über verschiedene Medien und Publikationskontexte erstrecken, eröffnet ORCID damit einen zentralen Ort zur Bündelung ihrer Outputs.
Zudem kann ORCID insbesondere für interdisziplinär arbeitende Forschende den Anschluss an bestehende wissenschaftliche Infrastrukturen erleichtern. Da ORCID in zahlreiche Publikations-, Repositorien- und Forschungsinformationssysteme eingebunden ist, lassen sich verstreute Publikationen (z.B. in fachfremden Publikationsformaten), institutionelle Zugehörigkeiten und Projektbeteiligungen über unterschiedliche Kontexte hinweg zusammenführen. Gerade für ethnologische Projekte, die häufig zwischen Fächern, Institutionen und Kontexten vermitteln, bietet ORCID damit eine wichtige infrastrukturelle Anschlussfähigkeit.
Auch konkrete Anwendungsfelder innerhalb der Ethnologie belegen den praktischen Nutzen: So verlangt das Open Anthropology Research Repository (OARR) die Einreichung mit ORCID, um Preprints, Konferenzpapiere und Lehrmaterialien dauerhaft mit Autor*innen und DOIs zu verknüpfen. Gleiches gilt für die Journals der American Anthropological Association, die ORCID als Voraussetzung für die Veröffentlichung eingeführt haben. Die Zeitschrift Cultural Anthropology nutzt ORCID bereits seit 2014 und hebt sowohl die technischen Vorteile als auch die ethischen Herausforderungen hervor. Auch Plattformen wie SocioHub oder Repositorien wie peDOCS binden ORCID als Teil ihrer Anmelde- und Sichtbarkeitslogik ein und erleichtern damit den Zugang zur Fachcommunity. Schließlich eröffnet auch die Verknüpfung mit Normdaten wie der Gemeinsamen Normdatei (GND) neue Perspektiven für die langfristige Auffindbarkeit ethnologischer Werke – auch in mehrsprachigen oder bibliothekarischen Kontexten.
Insgesamt zeigt sich, dass die Plattform sinnvolle Anschlüsse für das Fach bieten kann, insbesondere dann, wenn sie kritisch reflektiert, kontextsensibel genutzt und durch ergänzende Modelle erweitert wird.
Literaturverzeichnis
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LaFlamme, Marcel. 2015. “On the Problem of the Namesake.” Cultural Anthropology 31 (1): 1–3. https://doi.org/10.14506/ca31.1.01
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Porter, Stephen R., Paul D. Umbach, und Christopher Willis. 2025. “Understanding ORCID Adoption among Academic Researchers.” Scientometrics 130: 2783–97. https://doi.org/10.1007/s11192-025-05300-7
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Saskia Köbschall (https://orcid.org/0009-0007-0375-0199) studierte Sozial- und Kulturanthropologie an der Freien Universität Berlin sowie als Fulbright-Stipendiatin an der New School for Social Research in New York. Sie promoviert am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin zu kolonialen Wissensordnungen sowie zu Körper- und Naturkonzepten im Kontext der deutschen Lebensreformbewegung. Von 2024 bis 2025 war sie Mitarbeiterin im Fachinformationsdienst Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA). Seit 2026 ist sie die interne Leitung der Hochschulbibliografie an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.
Moritz Strickert (https://orcid.org/0000-0001-9626-5932) studierte Soziologie und Ethnologie an der Universität Bremen und Bibliotheks- und Informationswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Derzeit ist er Mitarbeiter des Fachinformationsdienstes Sozial- und Kulturanthropologie (FID SKA). Er arbeitet in einem Projekt zur Gemeinsamen Normdatei (GND) aus ethnologischer Perspektive und ist in der Arbeitsgruppe Thesauri des Netzwerks für nachhaltige Forschungsstrukturen in kolonialen Kontexten aktiv.

