04/04/20
 
Über diesen Blog
Unter dem Titel „Dschungelmärchen“ erschien am 15. Oktober 2016 in der Druckausgabe der Süddeutschen Zeitung (online als „Die Mär vom edlen Wilden“ am 17.10.2016) eine Polemik gegen die Ethnologie. Der Autor Christian Weber zeichnet darin ein Bild der Ethnologie, das diese als unheilbringende und gefährliche Verklärerin barbarischer Verhaltensweisen erscheinen lässt, rechtfertige der von der Ethnologie […]

STANLEY, NICHT JARED
“Civilized men are more discourteous than savages because they know they can be impolite without having their skulls split, as a general thing.” – Robert E. Howard, The Tower of the Elephant “It is always useful—even necessary—to understand non-A in order to understand A.”- Alain Testart, What is a Gift (2013: 256) Herr Weber hat […]

VON UNTERSCHIEDEN, UNTERSCHEIDUNGEN UND POLITISCH MOTIVIERTEN RELATIVIERUNGEN
Worum geht es hier und warum lohnt es sich, darüber zu diskutieren? Ein uninformierter Wissenschaftsjournalist, der an anderer Stelle[1] von sich behauptet, den akademischen Betrieb als eine Art Dolmetscher kritisch zu beobachten, und gerne „große, tiefe Geschichten“ schreiben möchte, wie sie bei der Süddeutschen Zeitung noch möglich seien, veröffentlicht einen oberflächlichen, uninformierten und verquasten Artikel. […]

DENN ALLES FLEISCH, ES IST WIE GRAS!
Anmerkung der Redaktion: Marpurg uff Fastnacht 2017  Dieser Blog verdankt sein Entstehen einem Feuilleton-Aufsatz, doch um den geht es hier inzwischen kaum noch, sondern allgemein um ethnologischen Kulturrelativismus. Den möchte ich aber auch noch einmal auf jenen Aufsatz anwenden. Ich nehme ihn zum Beispiel einer von vielen widersprüchlichen Facetten unserer uneinheitlichen Kultur: Der Feindschaft gegen […]

ETHNOLOGIE UND ÖFFENTLICHKEIT: ODER DIE KUNST, ZWISCHEN DEN STÜHLEN ZU SITZEN
Warum reagieren deutsche Ethnologinnen und Ethnologen derart dünnhäutig auf ein paar journalistische Seitenhiebe auf ihr Fach? Auf die Gefahr hin, als Nestbeschmutzer zu gelten: Der Journalist, dessen Artikel diesen gelehrten ‚Shitstorm‘ auslöste, hat einen wunden Punkt getroffen, sonst würden sich nicht so viele von uns bemüßigt fühlen, Repliken zu verfassen. Er trifft das Fach und […]

WE’VE GOT A BIGGER PROBLEM NOW
Runde 1.  Ist es wirklich notwendig, einen Blog zum Kulturrelativismus ins Leben zu rufen, weil ein Wissenschaftsjournalist grobschlächtig über unser Fach generalisiert? Nein, wahrscheinlich nicht. Aber zugegeben: Weber ist kein Einzelfall. Auch in der „Zeit“ konnte man vor einiger Zeit einen Artikel lesen, der den Begriff Kulturrelativismus mit moralischer Indifferenz gleichsetzte. Demnach fliegen hier gleich […]

WAS TUN MIT „KETZERISCHEN FRAGEN“? EIN PLÄDOYER FÜR DEN PRAKTISCHEN HUMANISMUS
Der Artikel Die Mär des edlen Wilden erscheint heute wie eine Polemik, doch zur Hochzeit des Kolonialismus würde Christian Webers Argumentation die gängige Geisteshaltung widerspiegeln. Kolonialismus definierte sich nicht nur durch die Landnahme oder die Ausbeutung von Arbeitskräften, sondern auch durch die Beherrschung des Bewusstseins und Denkens. Die Mittel hierfür waren nicht physische Gewalt, sondern […]

MIMETISCHE PRAKTIKEN IN DER BEGEGNUNG VON EIGENEM UND FREMDEM. HEGEMONIALE IMAGINATIONEN UND IHRE SUBVERSION
Die Selbstvergessenheit von “Kulturkritikern”  Immer wieder einmal wird der Ethnologie vorgeworfen, sie idealisiere abstruse kulturelle Praktiken bei “indigenen” nichteuropäischen Gesellschaften. Impliziert wird in der Kritik, dass Ethnographien in ihrem Methodenkanon in der Tat die Logik der Praxis anderer Kulturen durch ethnographisches Schreiben autorisieren und legitimieren, indem sie vor allem die Stimmen der Beteiligten und deren […]

ALLE KULTUR IST PREKÄR. DIE RELATIVISTISCHE ETHNOLOGIE ALS AUFKLÄRUNG
Nichts ist wahr ohne sein Gegenteil, sagt der junge Alte Martin Walser. Also: Aufklärung ist immer auch Verklärung, insbesondere wo sie sich dem alles beanspruchenden Fortschrittsmythos verpflichtet zeigt. Und Kulturrelativismus verabsolutiert die kulturelle Kreativität, gerade wo diese, wie so oft, in Wahn und Grauen ausschlägt oder, wie noch öfters, fremdbestimmt ist. Die beiden im Widerstreit […]

VÖLLIG LOSGELÖST, NICHTS GELERNT UND NICHT GEWILLT ZU LERNEN!
„Okay, okay – an einigen unwirtlichen Orten dieses Planeten mag es immer noch angebracht sein, fremde Menschen, die einem unangemeldet über den Weg laufen, vorsichtshalber zu erschlagen …“ Mit diesen Worten leitet Christian Weber seinen Artikel über die „edlen Wilden“ ein, an dessen Ende eine generalisierende Diskreditierung der Ethnologie steht, mit herausgepickten angeblichen Argumenten verschiedener […]

ANTWORT AUF DEN OFFENEN BRIEF DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR VÖLKERKUNDE AN DIE SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
Anmerkung der Redaktion: Die Stellungnahme von Christian Weber findet sich auf der Homepage der DGSKA (ehem. DGV) DGV:  https://www.dgska.de/offener-brief-an-die-sueddeutsche-zeitung/ Erstaunt habe ich die Stellungnahme zu meinem Artikel ‘Dschungelmärchen’ in der Süddeutschen Zeitung vom 15. Oktober 2016 gelesen. Ihr zugrunde liegt ein Missverständnis. In dem kritisierten Beitrag geht es gar nicht um die Ethnologie als Wissenschaft, […]