“Wenn man an einem neuen Ort kaum vernetzt ist und dann so etwas geschieht, fühlt man sich doppelt abgekapselt”

Niederlande, Amsterdam, 16. März - 16. Juni 2020

Anthropologist, postdoctoral researcher, University of Amsterdam. In January 2020, my family and I moved from Switzerland to the Netherlands with a postdoctoral mobility fellowship (for two years) to start a new research project entitled ‘Doing Fatherhood in the 21st Century: Connecting the Global North and the Global South’. The project’s aims are to find out how fatherhood is being done in everyday life by researching two urban settings, namely Amsterdam in the Netherlands and Kankan in Guinea. My partner (here called Numa) quit his job in Switzerland and wanted to find a new one in Amsterdam, once settled down. Our two daughters, here called Mali (6,5 years old) and Alma (4,5 years old), started school in a local Dutch school. After nine weeks of learning a new language and trying to integrate into a new class, the schools closed. In the following weeks and months, we were pretty much on our own. Thus, this diary deals with the daily struggles of trying (and constantly failing) to be a ‘good’ mother and partner, beginning a new research project, and doing fieldwork while feeling lonely and isolated in a foreign country during what is locally referred to as an ‘intelligent’ lock-down.

 

3.16.2020: Corona-Isolation Tag 1

So, hier sind die Zeiten sehr aussergewöhnlich und speziell. Seit Donnerstag sind alle Universitäten, Theater, Museen etc. geschlossen. Sprich, mein holländisch Sprachtest fiel ins Wasser. Und seit gestern sind auch alle Bars und Restaurants, Sporteinrichtungen etc. geschlossen. Und für uns sehr einschneidend: Die Schulen machen für mind. 3 Wochen dicht. Ich finde das ziemlich schwierig. Jetzt wo wir hier so langsam angekommen wären, die Mädchen es so gut machen, sich am Integrieren sind, die Sprache lernen, wirklich auch Anschluss finden, gerne in die Schule gehen. Aber ab sofort wieder nur noch wir als Familie, keine sozialen Kontakte mehr zu anderen Kindern, die sie kennen, nur die beiden Geschwister (zum grossen Glück haben wir kein Einzelkind), die gemeinsam spielen und sich ewig streiten und provozieren können…Das tut mir unglaublich leid für sie.

Ich war die ganze letzte Woche krank, daher nicht an der Uni. Heute fuhr ich kurz hin, um meine Dinge zu holen. Habe bemerkt, wie ich mich dort schon wohl fühle und wie schade ich es finde, mich dort nicht weiter integrieren zu können. Ist schon ein grosser Witz: Wir sollen ins Ausland, um neue Inputs zu kriegen, uns zu vernetzen und so weiter, aber nichts von all dem ist nun möglich. Und meine Forschung hätte auch so langsam Fahrt aufgenommen. Diese Woche hätte ich vier Interviews gehabt, das eine morgen findet nun spazierend statt. Mal gucken, wie das läuft. Und es ist ja nicht so, dass nun alle nichts anderes im Kopf hätten. Wenn man da einen Flyer sieht: Fathers wanted, hahaha. Sich treffen und Freunde machen in Zeiten von social distancing, so ein Witz. Meine einzige Hoffnung ist, dass sie uns nicht das Rausgehen komplett verbieten und dass die Menschen (also Väter) ev. etwas mehr Zeit haben und vielleicht auch mehr über ihre Rolle nachdenken (vielleicht arbeitet ja ihre Partner_innen in einem sogenannt wichtigen Beruf, also in der Pflege) und dann kommt doch noch etwas zustande, inch’Allah. Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Jahren extrem viele Artikel zu online Forschung od. mit online Daten publiziert werden. Teilnahme und Beobachtung in real time ist ja gerade etwas schwierig geworden…

Habe mir auch schon überlegt, wie ich in meinem SNF-Antrag argumentiert habe, was für mögliche challenges auf mich zukommen und wie ich auf die zu reagieren gedenke. Eine Kollegin schrieb: A pandemia might come and conducting interviews might no longer be possible. So viel zu Vorhersehbarkeit, Planbarkeit und vor allem Teilhabe und Beobachtung…

Numa hat heute also am Morgen Homeschooling gemacht, die Mädchen fanden es toll. Am Nachmittag habe ich übernommen. Die Sonne schien und es hing so etwas wie Frühling in der Luft. Es ist zwar noch lange nicht so warm wie in der CH, aber die Magnolien stehen in Blüten und die Blätter der Bäume wachsen. Allgemein die Stimmung sehr speziell. Die Trams beinahe leer, viele einzelne Menschen auf Velo unterwegs, aber doch viel weniger als normalerweise. Andere zu Fuss, in den Bars um die Ecke waren sie am Dichtmachen: Putzen, Lebensmittel wegtransportieren und so. Grossstadt ohne Grossstadt, total komisch irgendwie. Es gibt nur noch ein Thema, für alle.

Ich habe dann am Nachmittag die Schule übernommen. Es geht uns vor allem darum, dass die Kids (und wir) möglichst viel Struktur haben und nicht jeder Tag Sonntag ist. Mali fand es super (obwohl sie ihre Kolleg_innen schon auch vermisst hat), für Alma war er so streng, dass sie heute nach dem Abendessen am Tisch auf meinem Schoss eingeschlafen ist. Konnten sie so ins Bett transportieren). Ich war froh, dass die Sonne schien und wir überhaupt noch nach draussen dürfen. Will mir gar nicht vorstellen, wie das wäre (sein wird?), wenn wir in der Wohnung eingesperrt sind. Numa hat mal Sachen zum Pflanzen und so gekauft – schöner Dachterasse quasi.

 

3.17.2020: Notizen – Isolation Tag 2

Heute mein zweites Interview. Anstatt in Café in der Nähe der Uni, haben wir einfach vor dem Café abgemacht und führten ein walking interview, resp. eher Gespräch durch. Gingen quer durch den Osten des Zentrums, im jüdischen Viertel, hatte auch ein Widerstandsmuseum dort. Die Strassen waren relativ leer. Nicht ausgestorben und gespenstisch, aber doch ganz anders als normalerweise. Auch bei der Hinfahrt. Keine Touristen, die bei der ‘Heineken Experience’ Schlange stehen und unbedarft über den Fahrradweg purzeln. Und da ich die Stadt noch nicht so gut kenne, kann ich natürlich kaum vergleichen. Auffallend war für mich wieder, dass viele Leute mit ihren Kindern mit Velos und Kinderwagen unterwegs waren – auch Väter. Das ist an einem Dienstagmorgen sonst eher unüblich.

Fand das Walkinginterview eine sehr angenehme Sache, fand ja schon immer, man könne besonders gut nachdenken und sprechen/sich austauschen während des Gehens. Man muss sich nicht die ganze Zeit angucken, ich muss nicht immer auf einem doofen Stuhl hin- und her bewegen, nicht wissen wohin mit meinen Händen. Und die Gedanken fliessen einfach besser. Erleichternd war heute sicher auch, dass der Forschungsteilnehmer gerne sprach, interessante Dinge erzählte.

Und natürlich überlegt man sich, ob das jetzt eine gute Idee war in Zeiten von Corona, weil ich ja immer noch ein wenig am Husten und er hat zwei Mal ziemlich in meine Richtung ‚gespuckt’, mais bon, c’est la vie, wahrscheinlich bin ich eh schon lange angesteckt und werde jetzt gerade immun… War auf jeden Fall glücklich, dass ich ein nächstes Interview führen konnte. Und weil wir nun auch die Spielplätze meiden, lerne ich ganz bestimmt keine Väter kennen. Egal, Hauptsache wir überleben die Isolationszeit ohne dass wir vier uns nicht mehr sehen können. Die Kinder sind schon ziemlich oft am Streiten, ist ja klar.

Wir haben unser Gästezimmer leergeräumt – so gut das in dieser Wohnung ohne Stauraum möglich ist – und nun daraus mein Homeoffice-Büro gemacht. Hier können wir wenigstens heizen. Licht hätte es im Gang natürlich mehr, das wäre schöner, aber dort erfriere ich. Plus kann keine Türe schliessen, was mit den Kindern zu Hause nicht wirklich praktisch ist. Obwohl ich so natürlich auch alles höre, wenn sie schreien, weinen und streiten.

Habe heute nach dem Mittag noch in der Schule die Sachen für die Kinder geholt. Die Lehrerin von Alma war dort, herzlich wie immer. Es waren ziemlich viele Menschen auf engem Raum, auch wenn sie die abholende Elternschaft in drei Gruppen aufgeteilt haben. Der Raum im Eingang ist begrenz und die Leute standen nahe beieinander. Nichts von 1,5m Abstand (was ja hier in den NL empfohlen wird – im Gegensatz zu der CH, wo es 2m sind). Die Kinder haben je einige Werkblätter erhalten und etwas Erde mit Samen, die sie pflanzen sollen. Dann beim Wachsen zusehen und Fotos machen. Irgendwie habe ich mich der Lehrperson (und der Schule) sehr nahe gefühlt, als ich durch den Park zurückgefahren bin. Vielleicht weil ich sonst kaum mehr Austausch habe, vielleicht weil ich hier sowieso noch nicht viele Leute kenne.

Ich weiss, dass wir uns auf einem sehr hohen Niveau beklagen. Ich darf gar nicht daran denken, was in Guinea und anderen Ländern in nächster Zeit abgehen könnte. Social distancing kaum möglich und weil keine staatlichen Auffangnetze und viele von Tag zu Tag überleben, da bin ich nicht gerade hoffnungsvoll. Im Gegensatz zu Ebola kann man sich auch ohne Körperflüssigkeit (Kot, Urin, Kotze) anstecken… und die Leute wohnen zum Teil so dicht beieinander… vom Gesundheitssystem gar nicht zu sprechen.

 

18.3.2020: Corona-Isolation Tag 3

Ich hoffe, wir haben die Nerven für Almas Jammern und Weinen. Als wir hierherkamen und noch keine Schule hatten, meine Numa, er könne die Kids gut sechs Wochen zu Hause/in der Stadt beschäftigen/beschulen. Ich fand das eine sehr schlechte Idee, aus verschiedenen Gründen (zu eng, zu wenig Struktur, zu nerventötend, zu wenig neue Sprache, zu wenig Integration,…) und als die Schule dann gestartet war und die Mädchen es so gut machten, waren wir beide überglücklich, dass wir uns so und nicht für die andere Variante entschieden. Im Rückblick muss man darüber lachen, da wir nun genau das machen. Immerhin gibt es eine Art virtueller Bond mit der Schule. Almas Lehrerin hat ein Video mit ihrer Tochter gepostet, in dem sie aufzeigen, warum das Händewaschen für die Krankheitsbekämpfung so wichtig ist. Die Mädchen haben es geliebt und würden es sicher 10x am Stück sehen wollen.

Wir verfolgen hier via Handy die News-Seiten aus der CH und gucken am Abend noch die TV Nachrichten von hier. Zum Glück verstehen wir ziemlich viel, u.a. dank Untertitel, auch wenn die zeitlich etwas verschoben sind. Und die Themen sind ja an beiden Orten relativ ähnlich. Spannend und irgendwie auch etwas scary ist der andere approach hier in den NL: Premierminister Mark Rutte will eine ‚geordnete Infizierung’ von 60-70% der Bevölkerung, um so einen Herdenschutz aufbauen zu können. Das macht sonst in Europa kein anderes Land. In der Praxis frage ich mich aber, ob es überhaupt so grosse Unterschiede gibt. In der CH sind mehr Läden geschlossen als hier, aber an beiden Orten sind die Schulen, Bars, Restaurants, Fitness- und alle weiteren Freizeitangebote zu. Ich glaube, in der CH sind auch viele draussen am Spazieren. Und da die Amsterdammer_innen eh nicht so stark auf den lokalen ÖV angewiesen sind, macht das keinen so grossen Unterschied – auf jeden Fall wenn das Wetter so bleibt. Es ist zwar (leider!!!) nicht so schön frühlingshaft wie in der CH, aber immerhin nicht zu viel Wind und schon einige Tage ohne Regen.

Gestern Abend war ich gerade am Telefon, als ich plötzlich (genau um 20 Uhr) Klatschen, Musik und das Tönen von Feuerwerken hörte. Ich öffnete die Türe zum Balkon und dort standen viele Menschen im grossen Innenhof (in den einzeln abgetrennten ‚Gärten’ natürlich und auf den Balkonen) und haben wohl inspiriert durch Italien und Spanien den im Dauereinsatz stehenden Personal (v.a. in Spitälern) gedankt. War schöne Stimmung und hat auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl hervorgerufen, obwohl ich diese Leute ja alle nicht kenne und noch nie mit jemandem von dort ein Wort gewechselt habe. Vielleicht wird das im Sommer schön, wenn dieser Innenhof belebt ist. Schon jetzt grünt es und zwischendurch veranstalten die Vogelschwärme ein abendliches Ballett – sehr schön. Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man an einem neuen Ort so wenig vernetzt ist und dann so etwas Krasses geschieht. Man fühlt sich doppelt abgekapselt, weil keine WhatsApp-Gruppen, in denen News und lustige Videos zirkulieren… fucke.

Bin gespannt, ob Politik und Wirtschaft aus dieser Pandemie lernen? Z. B. welche Berufe systemrelevant sind, jedoch seit Jahren schlecht bezahlt werden, mit einem Mangel konfrontiert sind und ein schlechtes Image haben. Allen voran die Betreuungsberufe (Kita und Co.) und in der Pflege, typische Frauenberufe. Das sind neben der Ärzteschaft, der Lebensmittelproduktion, Feuerwehr, Polizei, Verkauf (Lebensmittel), der Logistik und so weiter diejenigen, welche momentan den Betrieb, resp. die Versorgung noch aufrechterhalten. Und im SRF Corona-Live-Ticker habe ich gelesen, dass über die Möglichkeit eines Elternurlaubs diskutiert wird. Ist auch schon fast ironisch. Da muss zuerst eine Volksinitiative für vier Wochen Vaterschaftsurlaub zusammenkommen, bevor sich das Parlament zusammenrafft und einen Gegenvorschlag von zwei Wochen unterbreitet – selbstverständlich heftig bekämpft von den rechten und liberalen Parteien, sogar Teilen der CVP. Viel zu teuer, nicht umsetzbar, würde die Wirtschaft zu stark belasten, seien individuelle Fragen, keine Gesellschaftliche (wie etwa das Militär, bei dem es nie ein Problem ist, dass eine Person für 16 Wochen weg ist und alle zwei Jahre drei Wochen Wiederholungskurs). Von Elternzeit, die eine viel bessere Gleichberechtigung und Gleichstellung zwischen den Geschlechtern herstellen würde, wird gar nicht erst gesprochen – höchstens in sehr linken Kreisen. Dann kommt Covid-19 und plötzlich wird über eine Art Elternzeit diskutiert…in der Tat ironisch. Plötzlich sind wir auch froh, dass all die Grenzgänger_innen unsere Systeme aufrechterhalten. Und all das Personal im Gesundheitssektor, das im Ausland ausgebildet wurde und ohne das unsere Spitäler und Pflegeeinrichtungen nicht mehr überleben könnten…

Habe einen Beitrag im Echo der Zeit über das Spital gehört, in dem ich geforscht habe. Einzelne Personen, die vorgekommen sind, kenne ich. Denke oft an sie. Gerade an den Notfall und die Anästhesie. Die leisten eine gewaltige Arbeit!!!

 

19.3.2020: Corona-Isolation Tag 4

Gestern Abend fanden Numa und ich, die Kids machten es bis jetzt ganz gut. Alma hat zwar ihre regelmässigen Krisen, vor allem wenn es ums An- oder Ausziehen, Händewaschen (ist momentan nicht soooo praktisch) oder Essen geht. Und natürlich sind wir nun mehr mit ihnen zusammen, so dass wir auch mehr Krisen durchstehen müssen. Aber sie hat eine ‘normale’ Phase, also aushaltbar. Mali geniesst zwar einerseits das Homeschooling, aber ich bin sicher, dass sie ihre Freund_innen mehr vermisst als Alma. Sie hat auch immer wieder Phasen, in denen sie traurig ist und nicht erklären kann warum. Es tut mir sehr leid für die beiden.

Da wir den Schlafrhythmus der beiden etwas nach hinten verschieben wollen und Alma gestern am Mittag geschlafen hat und Mali sich ausruhte, bin ich gestern mit den beiden nach dem Abendessen nochmals nach draussen gegangen, um Flyers (fathers wanted) aufzuhängen. Sie haben das Trottinett genommen und wir haben eine Tour hier im Quartier und im Park gemacht. Die momentane Situation schränkt natürlich den Radius bezüglich Flyer aufhängen ein. Aber ich sage mir, dass 1. im Park viele verschiedene Personen vorbeikommen und 2. ich den Bias bezüglich wer sich meldet, sowieso habe. Auf jeden Fall hat sich gestern Abend spät wieder ein Vater gemeldet. Er hat nur ein Foto des Flyers geschickt und im Betreff gefragt, ob ich immer noch Väter suche. Es scheint zu funktionieren. Die Kids waren müde, aber es war doch schön, nochmals draussen zu sein nach einem Tag in der Wohnung. In der Luft liegt ein Frühlingsgeruch, der glücklich macht. Und so schliefen die Kinder tatsächlich später ein und sind heute auch nicht um 6:30 erwacht. Ziel erreicht.

Für Alma ist es besonders schwierig, dass ich zu Hause bin, aber im oberen Zimmer arbeite und sie mich eigentlich nicht stören sollte. Eben kam sie und machte Krise. Wenn ich sie so oft wieder die Treppe heruntertrage, habe ich meine Portion Sport gehabt ;-/ Sie hat dann unten geweint (nur kurz), wie wenn ich sie in der Kita abgeben würde und sie das nicht möchte. Jetzt ist aber alles wieder in Ordnung und die Homeschool hat begonnen. Heute backen sie einen Kuchen. Am Nachmittag übernehme ich, weiss gerade noch nicht, was wir bei diesem leichten Regen machen wollen. Am Wochenende müssen wir unbedingt einen Ausflug machen – solange wir das noch können. Damit die Kids etwas Abwechslung haben. Seele baumeln lassen quasi.

 

20.3.2020: Corona-Isolation Tag 5

Gestern hatte ich voll schlechte Laune. Total unmotiviert bei der Arbeit. Hatte sicher damit zu tun, dass ich gerade nichts Dringendes zu tun hatte. Also hätte ich eigentlich ganz viel Zeit für Feldforschung. Nur: Participation nicht möglich, observation aus der Ferne (ja, hat immer noch viele Väter in den Parks und auf den Spielplätzen, aber wir halten alle möglichst Abstand) auch nur beschränkt. Heute habe ich ein nächstes Interview vereinbart, via Skype. Mal gucken, ob das stattfindet. Ansonsten bin ich gerade daran, an einer neuen Methode rumzudenken: distanced walking talk in times of Covid-19…

Habe gestern das Interview mit einem Forschungsteilnehmer aus Guinea transkribiert und am Abend hat er mir eine Sprachnachricht gesendet. Die Krankheit scheint nun auch in diesen Weltgegenden endgültig angekommen zu sein – ich wage gar nicht daran zu denken. Habe auch die online Newspapers, die ich zwischendurch zu Guinea lese, noch nicht angeguckt. Ertrage irgendwie nicht zu viele schwierige Nachrichten aufs Mal und habe (schon vor Corona) bemerkt, dass es mir schwerfällt, mich gleichzeitig auf GN und die NL zu fokussieren. Und um meine zwei guineischen Freundinnen mache ich mir natürlich auch Sorgen. Sind Schwangere eine zusätzlich gefährdete Gruppe? Ich weiss es nicht, gehe aber davon aus.

Bin allgemein ziemlich emotional in diesen Tagen: Wenn ich online Solidaritätskundgebungen höre oder die auf unserem Balkon live erlebe, kommen mir die Tränen. Wenn ich meine Eltern via Skype sehe und weiss, dass ich sie noch ewig nicht umarmen werde, dann auch. Heute wäre meine Schwester in den Nachtzug gestiegen, morgen wäre sie angekommen. Ich hadere damit, dass wir so wenig sozialen Kontakte haben.

Gestern Nachmittag habe ich ‚die Schule’ übernommen. Haben gesungen, eine kleine Schatzsuche gemacht, waren im Park etwas am Spielen und danach noch zu Hause. Die beiden mögen natürlich das Arbeiten am Computer oder auf dem Tablet – das dürfen sie bei uns ja ansonsten selten. Sogar Alma kann sich relativ lange konzentrieren, wobei sie noch Mühe hat, wenn etwas nicht klappt. Frustrationstoleranz muss geübt werden. Das Abendessen war dank selber gemachten Lasagne von Numa für einmal friedlich. Danach habe ich Musik angeschaltet und Mali hat im Badezimmer getanzt. Da war die allgemeine Stimmung schon wieder etwas besser.

Ich frage mich auch, wann es meinem Husten dann endlich wieder bessergeht. Ich muss mich unbedingt bald bewegen können. Meine Laune hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich schon die letzte Woche zu Hause war. Der Husten ist zwar in die Lunge gegangen, also nicht mehr so trocken. Aber mittlerweile schmerzt auch der Hals, fühlt sich alles sehr offen an. Hoffentlich ändert sich das schnell. Gestern Abend haben wir zum NL-Tagesschau gucken Übungen gemacht. Nicht zu viele, damit ich nicht zu sehr atmen musste, aber das ging ganz gut. Vielleicht sollten wir das nun allabendlich machen. Und dann will ich bald wieder joggen. Ich fürchte, dass sie uns einsperren, bevor ich wieder joggen war. Jetzt wäre wahrscheinlich die Zeit, um eine Jogamatte zu kaufen – auch solange die Geschäfte noch offen haben.

 

23.3.2020: Corona-Isolation Tag 8

Zum Glück ist der Mensch relativ anpassungsfähig. Man vergisst schon, wie es war, als man noch in Beizen, Konzerte und Museen gehen konnte. Und daran, dass man nie jemanden sieht, gewöhnt man sich auch fast, wenn auch nur halbherzig. Noch vor drei Wochen hätte das niemand für möglich gehalten, wie das öffentliche Leben vielerorts auf dieser Welt nun ist. Es ist aber nicht die beste Zeit, um weniger am Handy zu sein. Dies vermittelt wenigstens Aussenkontakte.

Am Samstag haben wir ein Mietauto gemietet und sind in die Dünen gefahren. Ist gar nicht so weit, vor allem wenn man den direkten Weg wählen würde. Und die Autobahnen sind relativ leer. Um Amsterdam herum sind die sehr breit, mind. immer vier Spuren. Gibt eine noch viel gigantischere Schneise ins Land als bei uns. Es gab schon relativ viele Leute in den Dünen, aber die blieben alle brav auf den Wegen, im Gegensatz zu uns. Habe aber erst bei der Rückkehr zum Parkplatz gesehen, dass man eigentlich auf den Wegen hätte bleiben sollen. Auf jeden Fall war es sehr schön, der Sand zwischendurch so fein und hell wie ich mir die Karibik vorstelle. Wir (resp. die Kinder) sind auf Bäume geklettert, haben fangen und Pferd gespielt, sind die Dünen runtergesprungen und gekullert, haben gegraben, in den Sand gezeichnet. Kurz, die Sonne (es war aber relativ frisch, mit bisschen Wind), die Natur und uns genossen. Nun befürchten wir aber, dass sie diese Naturschutzgebiete sperren. Gestern Abend haben sie in den News gesagt, dass es an vielen Orten zu viele Leute hatte. Sie wollen nun z. B. an Stränden die Parkplätze streichen. Als wir am Samstag zurück auf dem Parkplatz waren, war dieser schon sehr voll. Unsere Lehre daraus: Früh los und lieber früh wieder zurück. Jemand meinte, den Strand könnten sie nicht sperren. Ich glaube auch nicht, die Parks auch nicht, aber sehr wohl die Spielplätze und Fitnessbereiche. Dort sind sowieso viel zu viele Menschen auf engem Raum und die meisten tragen keine Handschuhe. Der Virus kann bis zu drei Stunden auf diesen Stangen überleben, habe ich gehört…

Zum Glück scheint in diesen Tagen die Sonne, das rettet uns bisher. Wir können lekker nach draussen gehen (solange die Ausgangssperre nicht kommt. Vor der fürchte ich mich wirklich sehr! In Belgien wurde sie verhängt, in D wurde gestern nur noch ein Treffen unter 2 Menschen od. innerhalb Familien/Wohngemeinschaften zugelassen) und für die Moral ist sie sowieso gut.

Gestern Vormittag ging ich joggen, Mali kam mit dem Velo mit. Konnte etwas mit ihr bezüglich der Einsamkeit sprechen. Sie weinte nämlich am Samstagabend lange, nachdem wir mit Freunden telefoniert hatten. Sie gab zwar Alma die Schuld, aber für mich war ziemlich klar, dass sie einfach traurig war und nicht sagen konnte, warum. Habe ihr erklärt, dass ihre Freundinnen, die sie vermisst, auch nicht mit anderen abmachen dürfen, dass sie auch nur bei ihnen in den Garten gehen dürfen. Ich glaube, das hat sie verstanden. Sagte ihr auch, es sei normal, dass man in solchen Situationen traurig sei. Man dürfe auch weinen. Und sich immer wieder überlegen, was das eigene Herz gerade benötige, was ihm guttut. Und dann versuchen wir, das zu machen. Sie dürfe auch immer mit Vorschlägen kommen. Und den Freunden und allen Leuten, die man vermisst, Briefe schreiben oder Zeichnungen schicken. Es tut mir so leid für sie. Und fühle mich auch schuldig, irgendwie. Aber momentan haben wir noch keine andere Option als hier zu bleiben. Mal gucken, wie die Situation in 1,5 Wochen ist.

Das war gut, die beiden einmal zu trennen. Alma war hier anscheinend die ganze Zeit für sich am Basteln. Wir haben uns vorgenommen, das nun mind. 2x die Woche für 2 Stunden zu machen. Einmal ich mit Mali und einmal mit Alma. Es ist so ein Stress für die beiden (und für uns), dass sie immer zusammen sein müssen. Natürlich sind wir alle froh, ist keine alleine, aber die Dynamik zwischen den beiden ist schwierig.

Gestern Nachmittag kam ein Kollege mit uns in den Park spielen. Der Sicherheitsabstand wurde nicht immer eingehalten. Ist mit den Kids auch schwierig. Muss aber auch sagen, dass ich den eher eingehalten hätte als er. Beim Fangen nahm er Alma auf den Rücken. Die Kids waren glücklich über die Abwechslung, auch wenn sie nicht mit ihm sprechen konnten. Mali hat es auf Holländisch versucht, so härzig. Am Ende gingen wir noch ein Eis um die Ecke essen und danach Bräteln auf unserer Dachterrasse. Die Sonne schien bis 18:20 dort hin, so toll. Aber zum draussen Essen war es dann schon zu kalt.

So vergehen die Tage. Ich telefoniere oft abends mit jemandem, wir gucken Tagesschau in den NL und gestern auch von der CH. Manchmal machen wir dazu einige Kraft- und Dehnungsübungen. Numa sucht Melodien auf dem neu gekauften ePiano und ich lerne ein wenig Holländisch. Mein heutiges distanced walking Interview wurde auf morgen verschoben. Ein weiterer Vater hat sich am Samstag gemeldet, habe ihm gestern den Projektbeschrieb geschickt. Heute will ich wieder etwas Flyer aufhängen gehen. Und muss mir überlegen, ob ich mich bei denen melden, die mir mal geschrieben haben, dann aber auf meine Antworten nicht mehr reagiert haben. Heute muss ich versuchen, motiviert zu arbeiten, weiss aber gerade noch nicht, was ich mir vornehmen soll… wird nicht so einfach…

 

24.3.2020: Corona-Isolation Tag 9

Wer hätte gedacht, dass wir in den ersten 2,5 Monaten in den NL folgende Begriffe auf Holländisch lernen? Besmetting (Kontamination), klachten (Beschwerden), koorts (Fieber), afstand houden vaan elkar (Abstand halten voneinander), maatregelen (Massnahmen), overleden (gestorben)… ein ganzes Vokabular wird aufgebaut und wenn ich die abendlichen Nachrichten um 20 Uhr gucke (https://www.npostart.nl/nos-journaal-2000-uur/NOSjnl2000), habe ich schon das Gefühl, alles zu verstehen. Gestern wurden die nächsten verschärften Massnahmen durchgegeben, die sind bis zum 1. Juni in Kraft: Nicht mehr als drei Personen dürfen einander treffen (drinnen oder draussen), ausser sie wohnen im selben Haushalt. Ich hatte innerlich gleich die totale Krise, als ich das gehört habe. Weitere mehr als 2 Monate keinen Unterricht?!? Weitere mehr als 2 Monate keine Kontakte für unsere Kinder?!? Und für uns?!?

Das halten wir nicht aus, wir müssen nach Hause!!! Da könnten wir uns wenigstens mit einer Familie fix treffen oder so. Aber: Wir haben keine Wohnung (unsere mit Garten ist untervermietet), zu meinen Eltern können wir nicht, zu gefährlich (obwohl ich irgendwie immer noch denke, dass wir vier den Virus bald durchhaben und dann immun sind, aber ohne Tests wissen wir das nicht. Mein Husten ist fast weg, die Schleimhaut im Mund fühlt sich nicht mehr so offen an. Nuima ist eh schon über eine Woche wieder fit. Der hatte ja die Geschmacklosigkeit als wir in Belgien waren und das ist gefühlt schon Jahre her) und wohl auf die Dauer auch mit zu vielen Spannungen verbunden.

Numa hat mich dann beruhigt, es werde sich für uns momentan nicht wirklich was ändern. Es könne auch sein, dass die Schulen und andere Einrichtungen früher wieder öffnen. Es gehe vor allem darum, dass Grossanlässe mit vielen Leuten etwas Planungssicherheit haben (wobei Sicherheit unter diesen Umständen natürlich ein grosses Wort ist), dass alle Events bis Ende Mai mal abgesagt sind. Wir halten uns ja schon länger an diese eben erlassenen Regeln: Wir treffen uns schon nicht mehr mit anderen Personen, ausser einer einzelnen. Zu den anderen halten wir Abstand. Und die Kinder sind gemäss NOS-journaal von den Massnahmen ausgenommen. Sie können also immer noch ein ungerades Mal auf den Spielplatz, wenn dort gerade kaum andere Kinder sind. Habe zu Numa auch gesagt, dass wir halt ansonsten unser Verhalten weiter anpassen müssen. Wenn die Tage noch länger werden (Zeitumstellung dieses WE), gehen wir nach dem Abendessen nach draussen und versuchen, dass sie am Mittag schlafen oder sich zumindest ausruhen. So hätten wir vielleicht auch weniger Krisen vor dem Essen.

Gestern musste Mali wieder total weinen. Meistens läuft es ähnlich ab: Sie hat Streit mit Alma, ist müde und hungrig und dann merkt sie, dass sie ihre Freund_innen vermisst, und dann beginnt sie unglaublich zu weinen. Gestern gingen wir kurz nach draussen, das half. Leider hatte dann aber Alma Totalkrise, weil sie ‚verlassen wurde’ (sie wollte auch mit mir sein) und es für sei eine Art Schuldzuweisung war, dass ich mit Mali ging. Bin dann mit ihr auch noch gegangen und dann konnten wir essen. Für die Zukunft haben wir uns vorgenommen, dass sie ihre halbe Stunde holländische Kinderfilmpjes vor dem Abendessen gucken können, in der Hoffnung, dass dies die Situation etwas entschärft.

Aber es ist schon so, nach gut einer Woche ohne Schule mögen die beiden eigentlich schon nicht mehr mit uns zu Hause sein. Und das soll nun noch ewig so weitergehen…Ich muss versuchen, Tag für Tag zu nehmen. Und daran denken, dass es allen ähnlich geht. An einigen Orten ist das Isolieren etwas einfacher (finnische Wälder), an anderen Orten noch viel schwieriger als hier.

Eine Freundin aus Guinea hat geschrieben, dass ihre ältere Schwester gestorben ist. Ich weiss nicht woran. Fucke. Ihre Eltern sehr alt, ihr Vater war schon im November/Dezember, als ich dort war, sehr schwach. Und nun wird sicher ein Begräbnis stattfinden, alle werden kondolieren gehen, sich umarmen, gemeinsam weinen. Ich mag gar nicht daran denken. Das wird die Leute dahinraffen. Und sie können ja nicht einfach sagen, dann bleibe ich etwas zu Hause, weil sie dann alle vor Hunger sterben werden. Ich weiss nicht, wie das gehen wird. Herdenimmunität mit gaaaaaanz vielen Toten vorher und währendem. Glaube auch nicht, dass wir nächstens wieder dorthin gehen können. Zum guten Glück habe ich zwei Feldorte. Sonst wäre ich jetzt busy, mir ein neues Projekt auszudenken. Vielleicht werde ich am Ende auf die CH als zweiter Forschungsort ausweichen müssen – nichts mehr mit global perspective und Global North and Global South…aber irgendwie bringt die momentane Situation und deren immensen Folgen, die wir uns noch gar nicht ausmalen können, alle möglichen (Lebens-, Forschungs-, Arbeits-,…)Pläne durcheinander. Und alle werden Geld benötigen, für alles. Ich bin leider überzeugt, dass dieses Virus die Schere zwischen denjenigen, die haben und denjenigen, die kaum was haben, weiter vergrössern wird. Alle Leute in diesen superprekären, kurzfristigen Jobs, die haben keine Chance. Ohne Krankenversicherung, ohne andere sozialen Netze. An Orte wie Idlib oder Lesbos will ich nicht denken… Die langfristigen (indirekten) Toten, welche diese Krise verursacht, können kaum abgeschätzt werden und sind vielleicht um einiges höher, als die direkten Opfer.

Ob und wie ich online-Forschung machen kann, will, soll, habe ich noch nicht herausgefunden. Auf den stark frequentierten Chats auf Facebook, machen fast nur Frauen mit. Habe zwar schon einige Gruppen gefunden, die viel mehr zu meinem Thema wären, aber die sind kaum frequentiert, resp. nehmen sie mich (als Frau) in geschlossene Gruppen, in welche nur Männer zugelassen sind, nicht auf. Und ich finde es unethisch, wenn ich es z. B. mit Numas Name machen würde. Es fehlt mir definitiv die Erfahrung, leider keine Digital Native – und es hat mich lange Zeit auch gar nicht interessiert – weder privat noch beruflich. Ich hätte auch nie so viele Interviews machen wollen, wie das wohl nun der Fall sein wird. Ich wollte viel mehr mittels Teilnahme und Beobachtung arbeiten. Mais bon, die Wahl habe ich nicht. Auch dass die Forschungsteilnehmer sicherlich extrem biased sein werden. Es wird eine Forschung zu white, educated, urban middle class in the Netherlands sein. Die Unterschiede werden vielleicht bezüglich Familiensituation sein (Anzahl Kinder, mit Mutter zusammen, Patchwork, Alleinerziehende,…), das Alter und vor allem auch das Alter, in denen die Männer Väter wurden. Aber es hat keinen Sinn, mir momentan darüber den Kopf zu zerbrechen, es wird so sein wie es sein wird. Und vielleicht werde ich ja später Zugang zu Milieus erhalten, die mir in der momentanen Situation nicht möglich sind, on verra.

 

25.3.2020: Corona-Isolation Tag 10

Ich verfolge ja auf Facebook allerhand Gruppen. Muss sagen, dass mir dieses Online-Forschen nicht leichtfällt – bin definitiv keine digital native…. Bis jetzt fand ich aber noch nichts so belangreich, dass ich das als Datenmaterial speichern wollte. Bei der einen Gruppe geht es viel um schulische Sachen. In der momentanen Situation läuft natürlich extrem viel. Die Leute tauschen sich aus, wie es ihnen geht mit Homeschooling (schwierig, schlecht, viele Diskussionen, müde), tauschen Pläne und Tipps aus etc. Auffallend ist, dass es auch viele arabisch klingende Namen hat, die schreiben. Aber ich sehe NUR Frauennamen. Es wäre spannend zu erfahren, was diese Mütter für einen sozialen Background haben. Sicher mit relativ guter Schulbildung, sonst würden sie hier nicht schreiben.

Schon jetzt weinen hier zwei Kinder, wenn ich nach oben (!) arbeiten gehe oder wenn ich für eines meiner raren Interviews aus dem Haus gehe. Ich glaube, es ist für sie nicht gut, 24h mit den Eltern (beiden!) zusammen zu sein, gar nicht! Das mag für Ferien toll sein, aber dann habe ich es auch wiedergesehen. Heute war es gerade ganz schlimm. Beide weinten, weil ich nach oben arbeiten ging. Dann gab es unten Streit, Numa wurde (für einmal) sehr laut, gleich weinten wieder zwei. Mali kam nach oben, hat hier Trost gesucht. Ich kann nicht mehr weiterarbeiten. Muss sie beruhigen. Nach auf Dachterrasse die schöne Morgensonnenstimmung angucken, Zähneputzen und kämmen, geht es besser, aber als sie nach unten gehen sollte, ‚Schulbeginn’, steht sie wieder neben mir und weint…

Ich glaube, alle machen nun einen Corona-Blog. Wann konnte das letzte Mal etwas von abertausenden in real time dokumentiert werden – und die Leute (auf jeden Fall diejenigen, die nicht krank sind und Hunger leiden) haben Zeit dafür…? Sehr oft auch multi und interdiziplinär, was ich toll finde. Manchmal geht mir – wie wahrscheinlich ganz vielen anderen auch – dieses nur-noch-ein-Thema-haben aber ehrlich gesagt schon auf die Nerven. Und das wird sich ja noch Monate so hinziehen. Alle haben etwas zu sagen, from the everyday to politicians to academics (for the latter see e.g.

https://www.leidenanthropologyblog.nl/articles/covid-19-a-conversation-about-cultural-differences-nationalism-and-care

https://www.sonar-global.eu/?topic=coronavirus

https://medanthucl.com/2020/03/19/consciously-quarantined-a-covid-19-response-from-the-social-sciences/

Initiative der Uni in Cape Town: https://www.coronatimes.net/about/?fbclid=IwAR3-MRBZ-kS1CqiF_xGIESP_skMnxG_ZN-c7fkOWbMTtsXSvvGxx1b1P6aA

Oder the latest call by the EASA-Journal (URGENT FORUM – CALL FOR CONTRIBUTIONS COVID-19: URGENT ANTHROPOLOGICAL REFLECTIONS Social Anthropology/Anthropologie Sociale, the journal of European Association for Social Anthropologists (EASA); 500-words contributions. Deadline 10 April)

Es ist einerseits natürlich zu befürworten, wenn Anthropolog_innen (und andere (Sozial)Wissenschaftler_innen) sich so früh schon zu Wort melden. Ich fürchte aber anderseits, wir werden von nun an bis auf weiteres nur noch eines hören: Covid-19. Nicht, dass wir Wissenschaftler_innen nichts zu sagen hätten, aber manchmal nervt mich dieses jump-on in times of crisis, habe das Gefühl, dass alle in der Krise auch gleich eine Chance sehen – oder aus der Krise eine karrieretechnische Chance kreieren (seid kreativ, das Credo der Stunde, nicht?!?). Beim so-called Arabischen Frühling war das auch so (will nicht die implications der beiden vergleichen, ist nur so ein Bsp, dass mir immer wieder in den Sinn kommt). Catchy and trendy, huge issues, darüber ist es einfacher zu schreiben als über die Banalitäten und Belanglosigkeiten des Alltags. Und weil dieses Ereignis so weltumspannend ist wie schon seit ewig keines mehr, verstärkt sich diese Tendenz. Vielleicht geht es ja auch nur mir so und ich mag schon kaum mehr Covid-19-News hören. Selbstschutz? Zu viele negative Informationen? Zu krasse Auswirkungen auf alle die prekären Leben?

Vielleicht bin ich es auch einfach nicht mehr gewöhnt, Nachrichten im TV zu sehen, also mit Bild. Seit vielen Jahren mache ich das quasi nie. Ich höre Echo der Zeit (Podcast) und lese Zeitung (auf Papier bis vor kurzem). Mit der Folge, dass ich oft sehr bekannte Gesichter nicht kenne. Und nun gucken wir hier holländische Nachrichten. Oftmals finde ich die kurzen TV-Beiträge zu oberflächlich, u.a. darum mag ich sie nicht. Aber für tiefgründige Analysen in einer Zeitung fehlen mir noch die Sprachkenntnisse – Obwohl ich gestern begonnen habe, einen report on fatherhood auf Holländisch zu lesen. Das geht, aber ist super anstrengend, komme kaum vorwärts.

Und langsam kommen auch immer mehr Berichte zu afrikanischen Ländern hinzu, nicht immer mit derselben Grundstimmung, einige optimistischer, andere das Gegenteil. Vielen nicht sonderlich demokratischen Regierungen kommt die momentane Krise nicht ungelegen – quer über den Globus. Ich habe gehört, dass sie in Guinea immer noch am Protestieren und ihn ihren politischen (und ethnischen) Machtkämpfen gefangen seien. Und in Kankan gehen sie wohl auf die Strasse wie immer.

https://roape.net/2020/03/26/out-of-control-crisis-covid-19-and-capitalism-in-africa/?fbclid=IwAR0qW0EAODK6SRQynpekP38vWE2JIh-xt0l-vjgSrFOaaOnrtJsaNj7H1qw

https://nai.uu.se/news-and-events/news/2020-03-27-peoples-science-instrumental-when-ebola-was-contained.html

 

27.3.2020: Corona-Isolation Tag 12

Hier ist das Wetter zum grossen Glück immer noch so schön, wie noch nie seit unserer Ankunft. Das erleichtert unglaublich viel. Wenn diese Krise schon mit denselben Massnahmen wie jetzt im Februar bekämpft worden wäre, dann wäre es schrecklich gewesen. Anscheinend war der Februar einer der nassesten Monate seit Jahren. Es will zwar noch heute sehr schön und bis 14 Grad und danach stark abkühlen, aber die Sonne bleibt uns erhalten, immerhin. Gestern habe ich nur am Morgen gearbeitet, danach ‚Schule mit den Kids’ und unser ‚Trennungsprogramm’

Mali wollte einen neuen Park und einen neuen Spielplatz entdecken. Ich sagte schon, dass es eben momentan mit den Spielplätzen so eine Sache sei. Dann guckte ich auf der Karte und sah, dass es im Süden, gleich ausserhalb des Autobahnringes eine Grünfläche am See gibt, die wir noch nicht kennen. Schon der Weg dorthin war schön, links der See, rechts Moor und relativ wilder Wald. Dazu die Sonne. Wir kamen dann an einen Ort, gleich bei der Segelschule, wo wir uns an den See setzten, Mali die Füsse badete, sie von Baumstamm zu Baumstamm sprang, wir Fussball spielten, Zvieri assen,…

Bei der Rückfahrt nahmen wir einen etwas anderen Weg und bei den vielen wunderschönen Hausbooten lag ein toller Spielplatz. Ich wollte Flyer für meine Forschung aufhängen und Mali wollte kurz spielen gehen. Da lediglich eine Mutter mit ihren zwei Söhnen dort war, war ich einverstanden. Die Mutter sprach Deutsch (sie fragte mich, was ich aufhänge – ich suche Väter für meine Forschung – sie geht zu Flyer und liest. Ich kann es meinem Mann sagen – das wäre super!), sprich Mali konnte mit dem 5-jährigen Jungen sprechen und spielen. Die Mutter zu mir: So viel zum Thema 1,5m Abstand. Die beiden Kinder standen auf dem Netz ca. 2m in der Luft und wir warfen ihnen den Ball zu. Mali lachte, kicherte und kreischte vor Freude. Es war so offensichtlich, dass sie es unglaublich genoss, endlich wieder einmal mit jemandem zu spielen. Auf dem letzten Teil der Rückfahrt habe ich ihr dann gesagt, dass ich sie so sehr verstehe und dass mir die sozialen Kontakte auch sehr fehlen würden. Und dass es mir unglaublich leid tue für sie. Das kam gut an, glaube ich.

Ich war auf jeden Fall gerade wieder sehr guten Mutes. Fand es toll, ein neues Quartier und neue Orte dieser Stadt zu entdecken, auch wenn sie momentan ganz anders aussieht als zu ‚normalen’ Zeiten. Gerade auch dem Kanal entlang war die Stimmung sehr schön und gemütlich. Überall Leute schön in Abstand zueinander auf Bänken, auf Denken am Boden, am Sport treiben,… Wenn die Sonne und die Wärme da sind, ist diese Stadt wirklich toll! In den Parks ist die Polizei viel präsenter, aber ich frage mich schon, warum sie die ‚Aussensportanlagen’ nicht einfach schliessen. Dort sind so viele Leute eng beieinander und an den Stangen ohne Schutz.

Die Nachrichten aus den NL sind auch nicht gerade ermutigend (https://www.npostart.nl/nos-journaal/26-03-2020/POW_04508292). Die Spital- und v.a. intensive care-Betten sind sich unglaublich schnell am Füllen und dies nicht mehr nur im Süden, sondern im ganzen Land. Sie erwarten, dass diese ab dem 1. April, sprich Mitte nächster Woche, voll sein werden. Der Verantwortliche für die Intensivmedizin im Land meinte sogar, man sei froh, wenn die IPS erst Mitte nächster Woche voll sei und nicht schon früher. Natürlich wird die Kapazität mit allen Mitteln heraufgefahren, aber die Mittel sind beschränkt. Was ich mich frage und was ich nicht ganz verstanden habe ist die Frage, ob hier die vorhandenen Mittel (Schutzanzüge, Beatmungsgeräte und co) das Problem sind oder nicht viel eher das Personal – so wie in der CH. Wenn ich daran denke, dass im von uns untersuchten Spital bei der Anästhesie eine ganze Gruppe von Pflegern aus den NL kommt und das sicher kein Einzelfall ist, dann sieht es so aus, als wären viele aus in der NL-ausgebildeten Gesundheitsbranche in anderen Ländern tätig und würden nun hier fehlen – mit der CH einmal mehr als Nutzniesserin.

Gestern waren Mali und ich joggen, resp. sie velofahren. Auch da haben wir wieder brav Flyers aufgehängt. (Mali meinte: Man, ig ma nid immer ahaute, so chöme mir nie vorwärts. Der Ort ist eigentlich ideal für die Flyer, es hat so viele Leute, die sich da täglich bewegen. Haben auch beim grossen Spielplatz aufgehängt. Aber in den letzten Tagen habe ich keine neuen Personen gehabt, die sich gemeldet haben. Gestern habe ich auch allen, die sich einmal gemeldet hatten und dann nicht mehr, nochmals via Mail od. Whatsapp geschrieben, keine Reaktion. Vielleicht kommt die noch bei einigen. Vielleicht sind die Leute noch mehr mit Covid-19 beschäftigt und wollen noch weniger mit fremden Kontakt aufnehmen. Wie auch immer, meine Forschung vereinfacht es nicht.

Vielleicht kriege ich Covid-19 sei Dank ganz andere Einblicke in das Thema Vaterschaft. Ganz viele Väter werden nun wohl (vielleicht zum ersten Mal überhaupt) einen Familienalltag erleben, den sie so normalerweise nicht haben, wenn sie kein Homeoffice machen. Und wer weiss, vielleicht führt das zu Veränderungen in den Beziehungen zu den Kindern, zu Partner_innen und auch bezüglich der Aufgabenverteilung zu Hause. Der Interviewpartner vom Dienstag meinte, er sehe gerade bei seiner Freundin (sie haben die Beziehung geöffnet), dass der Kindsvater plötzlich etwas mit den Kindern unternehme und aktiv zu Hause/anwesend sei, was vorher nie der Fall gewesen sei. Vielleicht sehe ich da auch eine zu grosse Veränderung. Kommt sicher auch darauf an, wie lange wir noch möglichst zu Hause sein sollten.

 

31.3.2020: Corona-Isolation Woche drei

Woche drei für die Kinder und für mich schon Homeoffice-Woche vier. Die beiden letzten Tage waren nicht ganz einfach. Die Nerven aller etwas angespannt. Mali ist nicht so stabil, nahe am Wasser gebaut in dieser Zeit. Dann ist sie traurig und weint und kann nicht sagen warum. Gestern ging das am Morgen so. Man darf sie nicht kritisieren und gleichzeitig provoziert sie, insbesondere das Thema ich-will-alles-entscheiden in Bezug auf Alma nimmt zurzeit viel Raum ein. Manchmal nervt mich das dermassen. Gestern hatte sie diesen Konflikt mit Numa während des ‚Unterrichts’. Mehrere Male kam sie heulend zu mir. Hat sich dann hier mit Bücher angucken beruhigen können und fand nach einiger Zeit, sie versuche es nochmals, nach unten zu gehen und wenn es ihr nicht gelänge, dann komme sie wieder. Das fand ich stark. Der Nachmittag ging besser. Da habe ich übernommen, Numa ging einkaufen, was momentan leider keine kurze Angelegenheit ist. Da haben wir Bücher erzählt, ein Spiel gespielt und anschliessend konnten sie auf dem Computer, resp. Tablet Übungen machen. Danach ich wieder an die Arbeit und die Kids mit Numa nach draussen.

Ich bin leider schon wieder nicht fit. Sieht so aus als hätte ich dieselben Symptome wie vor über zwei, nein drei Wochen gerade nochmals. Husten, laufende Nase, etwas Gliederschmerzen. Und das sieht man ja bei mir immer daran, dass ich zwischen den Augenbrauen und an der Stirn rot werde. Haben andere Personen auch solche farblichen Hautveränderungen, wenn sie nicht fit sind? Ich hatte das früher nicht. Nun ist das immer gleich die Bestätigung, dass ich was am Ausbrüten bin. Sprich: Bleibe den ganzen Tag brav zu Hause. Gestern ging ich lediglich die Briefe einwerfen, was knapp eine Minute frische Luft bedeutete. Es nervt unglaublich, schon wieder nicht fit zu sein. Dabei dachte ich, das sei nun durch. Ich war wieder fit, habe kaum mehr gehustet und wieder Sport gemacht. Tja. Meine Schwester findet, ich solle mich testen lassen. Wäre schon praktisch, zu wissen, ob es Covid-19 ist. Anderseits nun nach draussen gehen und in eine Praxis ist sicher auch nicht die beste Idee. In der CH richten sie in diesen Tagen gerade mobile Teststationen ein. Da kann man nach der Anmeldung durch den Hausarzt hingehen. In Bern ist das auf dem BEA-Gelände in einem Bus. Aber ich habe gehört, dass es in einem anderen Kanton auch sogenannte drive-in-Tests gebe. So haben die Personen noch weniger Kontakt und das Risiko einer Ansteckung ist geringer.

In den NL sagten sie vor zwei Tagen, dass zurzeit 1100 IPS-Betten vorhanden seien, in zwei Wochen rechnen sie mit 2500 benötigten IPS-Betten. Sie haben schon erste Patient_innen nach Deutschland in grenznahe Spitäler verfrachtet. D hat anscheinend die höchste Anzahl IPS-Betten pro Einwohner_innen. Aber das Problem nimmt dort auch massiv zu. Gestern haben sie in den Abendnachrichten (https://www.npostart.nl/nos-journaal/30-03-2020/POW_04508294) hier dann gesagt, dass sie nun die 2500 IPS-Betten schon in einer Woche benötigen. Krass. Alle arbeiten mit Hochdruck daran, weiteren Platz zu schaffen, zum Beispiel in dem aus einer anderen Abteilung eine IPS wird. Und die ‚normalen’ Patient_innen werden dann in eine Messehalle gebracht. Hier hätte in nächster Zeit der Eurovisionsongcontest stattfinden sollen, ich glaube in Den Haag. Nun wird in dieser Halle ein Spital aufgebaut, resp. eingerichtet. Ist schon noch imposant, da werden mobile Wände, Vorhänge, Toiletten und alles einfach so aus dem Boden gestampft und innert wenigen Tagen sollte das betriebsfähig sein.

Am Meisten frage ich mich ja, ob sie hier genügend Personal haben. Diese Frage wurde zwar in den gestrigen Nachrichten (https://www.npostart.nl/nos-journaal/30-03-2020/POW_04508294) behandelt, aber es wurde viel weniger darüber gesprochen, als das z. B. in der CH der Fall wäre. Sie haben darüber berichtet, dass nun auch Personen aus dem Militär aufgeboten wurden (Spitalsoldat_innen, Sanität_innen, Ärzteschaft), um das Spitalpersonal zu entlasten. Und es wurde gesagt, dass die ausgebildeten IPS-Pflegenden nun anstatt 2, 4 Patient_innen gleichzeitig betreuen müssen – natürlich mit Unterstützung von anderem Pflegepersonal, aber halt nicht IPS-geschult. In der CH benötigt das IPS-Personal eine zweijährige Zusatzausbildung. Wie das wohl hier ist? Und von wo sie hier wohl das Pflegepersonal ‚importieren’? Aus den ehemaligen Kolonien?

Und frage mich, was diese Krise auf längere Frist mit dem Gesundheitspersonal, insbesondere der Pflege, respektive ihren politischen Forderungen macht. Würde über die Pflegeinitiative morgen abgestimmt werden, dann würde sie sicher mit überwältigender Mehrheit angenommen, sogar von der bürgerlichen Mitte. Momentan hat sich das Image der Pflege schon massiv verbessert, aber hat das eine längerfristige Auswirkung? Werden die Arbeitsbedingungen so werden, dass nicht die Hälfte der Ausgebildeten nach 7 Jahren wieder aus dem Beruf ausgestiegen ist? Werden sie wieder mehr Zeit haben, um mit den Patient_innen zu sprechen, sprich wird das menschliche wieder mehr in den Vordergrund rücken? Kein ‚Abspritzen’ mehr, wie das Mascha Madörin beklagt? Und was wird mit den Löhnen geschehen? Und der Migration von Gesundheitspersonal? Fankreich zum hat ja unter anderem jetzt schon riesige Probleme, weil in FR ausgebildetes Pflegepersonal in der CH, in D, in Luxemburg oder Belgien arbeitet, weil dort die Löhne viel höher sind. Die Gewerkschaften sagen dort (Beitrag im Echo der Zeit vom 30.3.), dass als erster Schritt die Arbeitsbedingungen verbessert werden müssen und erst in einem zweiten Schritt die Löhne. Will das dann wieder niemand mehr bezahlen???

Gestern Abend hatte ich noch das Interview, das eigentlich schon am Freitag hätte stattfinden sollen. Damals sass er im Auto und ich verstand fast nichts. Gestern klappte es mit der Videotelefonie nicht, so haben wir einander nicht gesehen. Das war auch nicht ganz einfach. Optimal finde ich das so sicher nicht. Man kann viel weniger gut aufeinander eingehen, weil man das Gesicht nicht sieht, sich nicht lesen kann, nicht weiss, ob die andere Person noch am Sprechen ist oder nicht und so. Mais bon, es ging auch so relativ gut. Obwohl ich mich schon unglaublich konzentrieren muss, dass ich alles verstehe. Die Leitung und dann noch einen englischen Akzent, den ich mir nicht gewohnt bin. War aber dann doch ein gutes Gespräch, spannend. Auch wieder sehr offen. Hat von der schwierigen Beziehung zu seinem Vater erzählt, der ein schlechter Vater gewesen sei. Anwesend physisch, aber sonst nicht. Und weiss nicht, ob auch Alkohol oder irgendeine Form von Missbrauch im Spiel war.

Habe gestern nach dem Gespräch zu Numa gesagt, dass es mir in dieser Situation viel einfacher falle, Interviews zu führen als noch im Spital. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass sich momentan die Personen freiwillig melden und nicht von der Spitalleitung mehr oder weniger dazu verpflichtet werden, mit mir zu sprechen. Im Spital hatte ich zwar auch einige sehr gute, spannende und angenehme Gespräche, aber ich war doch bei der Hinreise immer ein wenig nervös. Auch beim Shadowing. Wohl auch, weil ich die Personen noch nicht gekannt habe, der Ablauf in den einzelnen Abteilungen war mir zu Beginn fremd, ich war ein Eindringling.

Heute wird das Parlament hier die Entscheidung treffen, wie lange die momentane Situation mit den geschlossenen Schulen, Bars, Restaurants und Co. noch weitergeführt wird. Ich rechne leider bis zu den Maiferien. Das würde bedeuten, dass die Kids im Anschluss noch ca. 6 Wochen Schule hätten, bevor die Sommerferien beginnen. Ob wir in den Sommerferien nach Italien und ins Tessin fahren können, liegt natürlich auch in den Sternen, wahrscheinlich eher nicht. Und ob wir dann in der CH andere Leute besuchen können, wissen wir auch nicht. Im schlimmsten Fall können wir nicht einmal bei den Grosseltern sein, dann weiss ich gar nicht, wo wir wohnen könnten. Darf gar nicht so weit in die Zukunft denken, das ist sehr ungesund gerade. Tag für Tag. Und momentan scheint die Stimmung unten friedlich, habe heute auf jeden Fall noch kein einziges Geschrei gehört. Gestern kam ich hingegen schon nicht so viel zum Arbeiten. Mais bon, part of the game.

Vor zwei Tagen habe ich endlich wieder einmal mit Guinea telefoniert. Er hat mit taximoto gestartet, was gut ist, weil er so wieder etwas Geld verdient. Anscheinend legt er das Geld, das er am Morgen verdient zur Seite, macht eine Pause (um mit seinem Sohn zu sein und weil die Sonne momentan so krass ist). Am Nachmittag ‚il cherche l’argent pour le manger’, für das Benzin und wenn er noch etwas mehr verdient, dann legt er das für allfällige Motorradreparaturen zur Seite. Ein guter Plan, bin stolz auf ihn. Und gleichzeitig denke ich natürlich halb panisch: NEIN!!! So hast du täglich ganz viel engen Kontakt mit Kund_innen, ihr werdet alle Corona haben. Und viele werden sterben. Aber was soll ich schon sagen, die zu Hause nett Homeoffice machen und sich isolieren kann. Wer Hunger hat, der geht raus. Die Bilder von all den Wanderarbeiter aus den grossen Metropolen in Indien, die nun zurück in ihre Dörfer wollen, aber keine Busse mehr fahren, sind sehr krass. Von wegen social distancing, das ist Luxus!

Habe also meinem Freund gesagt, er solle sich bitte jedes Mal gaaaaanz gut und lange die Hände waschen, wenn er nach Hause kommt. Seine Frau ist ja schwanger und sie habe Beschwerden gehabt. Ist mit ihr ins Spital gegangen. Es sei nichts Grosses, Vitamine und so habe sie erhalten. Und eine Impfung für das Kind. WAS? Eine Impfung für das Kind während der Schwangerschaft? Noch nie davon gehört. Und sowieso will ich gar nicht wissen, was sie in GN den Schwangeren alles für Medikamente geben, ach. Er freut sich auf jeden Fall sehr, das kam in seiner Stimme und seinen Worten deutlich hervor. Er ist gespannt, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Und er denkt, dass es für den grossen Bruder schwierig sein wird, wenn er dann nicht mehr die volle Aufmerksamkeit hat. Das ist interessant, das sind Überlegungen, die wir uns hier ja immer machen und ich dachte nicht, dass die in GN ähnlich sind. Aber vielleicht ist das auch eine Besonderheit meines Freundes und absolut nicht repräsentativ. Muss mal nachfragen.

Ich frage mich, wie ich mich an die Forschungsteilnehmende erinnern soll. In Guinea habe ich mit über 100 Personen gesprochen, aber ich habe bis heute kein Problem, mich an diese zu erinnern. Natürlich weiss ich die Namen nicht. Erstens ist das sowieso schon nicht meine Stärke und zweitens habe ich beim Schreiben jeweils Pseudonyme benutzt. Aber ich kann mich jeweils noch sehr gut daran erinnern, wo ich mit Leuten gesprochen habe, wie es dort aussah und roch, was für Bilder an den Wänden hing, wer wo sass etc. Wie soll das nun hier gehen? Ich sitze in unserem umfunktionierten Gästezimmer, mit zwei Pullis und einer Decke um die Beine, damit ich nicht erfriere und die andere Person guckt mich durch den Computer an und ich sehe mich selber auch noch. Vielleicht werde ich mich nun daran erinnern, wie die Person aussah, wie ihre Mimik war, ob sie die ganze Zeit ähm gesagt hat (wie der heute Morgen) oder an den Inhalt unseres Gesprächs. Aber ich finde schon, dass sehr viel vom Appeal der Feldforschung verloren geht, naja.

Wenn ich mir so überlege, dass ich nun 7 Interviews gemacht habe, dann fällt auf, dass alle Väter in heterosexuellen Beziehungen sind, alle weiss und gut ausgebildet. Das alles erstaunt mich nicht. Eigentlich auch nicht die Tatsache, dass alle ziemlich überzeugt davon sind, wie sie ihre Vaterrolle leben. Nur der eine, dessen Situation wirklich sehr herausfordernd ist, bei dem sah ich Zweifel. Alle anderen, egal wie alt deren Kinder sind, waren total überzeugt. Ist das eine Gender-Frage?

 

2.4.2020: Corona-Isolation Woche drei

Der Husten ist nun wieder ok, aber seit einigen Tagen habe ich wieder Halsweh, vor allem beim Schlucken, die Mandeln beginnen sich zu belegen. Habe gestern etwas Schmerzmittel genommen, benötige nicht so viel, also bis jetzt auch nicht so schlimm. Aber konnte mich noch nicht überwinden, zum Arzt zu gehen. Wir haben zwar seit ca. 3 Wochen endlich einen (zum grossen Glück konnten wir das noch vor dem Lockdown organisieren), aber ich war noch nie bei ihm. Und anrufen, um auf Englisch zu erklären, was ich habe, da müsste ich zuerst einige Wörter nachgucken. Ist irgendwie bisschen anstrengend. Dann weiss ich auch nicht, ob Angina nicht auch ein Symptom von Corona ist, macht es also Sinn in eine Praxis zu gehen. Meine momentane Strategie ist also, abwarten und ein bisschen Schmerzmittel nehmen, damit es einfacher geht. Und hoffen, dass es von selber vorbeigeht. Die Ärzteschaft hat hier ja den Ruf, dass sie meistens nichts verschreiben, ausser man sterbe fast. Die Leute gehen anscheinend auch erst dann zum Arzt. Der eine research participant dessen Frau aus NY ist, hat mir erzählt, dass er und sie diesbezüglich total unterschiedliche Herangehensweisen haben. Sie renne wegen jedem Bobo zum Arzt und er das Gegenteil.

Die Nachrichten hier sind schon scary (https://www.npostart.nl/nos-journaal/01-04-2020/POW_04508296): Die NL hat die dritthöchste Corona-Mortalitätsrate nach Italien und Spanien im Vergleich zur Bevölkerung. Man hat zwar die IC-Bettenzahl hochfahren können, aber nun muss eine Pflegeperson 4 Patient_innen betreuen, normalerweise sind es 2. Da spricht der oberste IPS-Arzt (immer der (nicht die Ärztin!) Arzt, nie die Pflege, altbekanntes Muster!!!) davon, dass in solchen Situationen auch Fehler geschehen können, die tödliche Folgen haben. Und es wird immer noch befürchtet, dass die IPS-Betten voll sein werden. Was dann? Auch wenn Deutschland einige Patient_innen übernimmt, wird das nicht reichen. Immerhin gehen die Zahlen der Ansteckungen und der IPS-Aufnahmen langsam zurück. Die Verantwortlichen sprechen also davon, dass die Massnahmen erfolgreich seien, ist einfach die Frage, ob sich erstens alle auch in den nächsten Wochen so gut daranhalten werden und zweitens, ob das Gesundheitswesen den Peak zu halten vermag.

Am Dienstagabend wurde bekannt, dass die vorhandenen Massnahmen bis und mit Maiferien (für uns Mitte erste Maiwoche) verlängert werden. Wir haben natürlich schon damit gerechnet und mein Down nach diesen Infos hielt sich in Grenzen. Ich glaube, die Kinder haben sich auch schon einigermassen gut mit der Situation angefreundet. Wir haben immer wieder ganz tolle Momenten, etwa als wir alle am Dienstagabend tanzend zu Musik aufgeräumt haben. Oder wenn sie ganz glücklich von der Schatzsuche nach Hause kommen, die ich ihnen gestern gemacht habe. Ich glaube auch, dass sie ein bisschen was Holländisch lernen in dieser Zeit. Natürlich nie so viel, wie wenn sie zur Schule gehen würden, aber immerhin kann Mali einige Stellen von Peter Konijn schon fast auswendig. Und solange ich einige (online) Interviews führen kann, habe ich das Gefühl, dass es einen Grund hat, dass wir hier sind, dann geht alles einfacher.

Gestern habe ich mit Guinea telefoniert. Mein Freund hat ja mit Taximoto angefangen. Er arbeitet weiter, auch wenn nun die Regierung auch Massnahmen ergriffen hat. Die Schulen sind zu, die Hotels auch. Aber die Märkte sind noch offen. Auch logisch, sonst würden alle Hunger leiden. Aber es ist ja genau dort, wo die Leute dicht an dicht sind. Er erzählte, dass alle seine Kund_innen nur über Covid-19 sprechen würden, er sieht also schon, dass die Leute Angst haben. Er selber fährt den ganzen Tag mit einer Gesichtsmaske umher (wie viel die nützt, sei dahingestellt). Er wasche sich immer sehr gut und gründlich, wenn er nach Hause komme und auch unterwegs in der Stadt wasche er wo immer möglich die Hände und das Gesicht. Sprich: Die Regierung hat wohl – ähnlich wie zu Ebolazeiten – an verschiedenen Orten Wasserkübel mit Seifen aufgestellt. Habe nach dem Telefon mit Numa die Situation in GN diskutiert. Es klingt sehr makaber, aber dort müssen sie wohl durch die Herdenimmunität gehen, kann mir gar nicht vorstellen, wie es sonst gehen sollte. Dass sich das Virus auch in GN verbreitet hat, ist klar. Dass es keine medizinische Unterstützung für die Erkrankten gibt, ist auch klar. Also muss dort gar nicht unbedingt das Ziel sein, keinen Peak zu haben, sondern dass der möglichst schnell vorbei ist, so dass viele immun sind und die andere, verletzlicheren Gruppen schützen können. Das ist vielleicht die naive Sicht einer Nichtwissenden, keine Ahnung?

Spannend ist auch, dass mein Freund vor 1,5 Wochen wählen und abstimmen ging. Er habe ja zum Referendum (Verfassungsreform) gesagt – warum? – Weil das Resultat eh klar ist, die Regierung hat beschlossen, es solle ein ja geben, also macht es keinen Sinn, nein zu stimmen. Spannende Argumentation. Ob es so für ihn persönlich auch besser ist, habe ich mich gefragt.

 

3.4.2020: Corona-Isolation Woche drei

Schon krass, wie die Zeit vergeht…Homeschooling Woche drei ist auch schon fast durch. Habe das Gefühl, dass sie sich nun besser an die neue Situation gewöhnt haben. Vor allem am Morgen spielen die beiden meistens sehr friedlich zusammen. Wir, resp. Numa lässt sie nun weiterspielen, bis sich ein Streit anbahnt. Erst dann beginnt er offiziell mit dem ‚Unterricht’. Gestern Nachmittag haben wir die Kids wieder getrennt. Ich war mit Mali unterwegs. Habe einige Vorschläge gemacht, die kamen nicht so gut an. Sie war müde, weil sie die Nacht zu wenig geschlafen hatte. Wollte also nicht Rollerblade üben oder Fahrrad fahren. Fuhren dann zur neuen Wohnung von einer Kollegin und haben ihr eine Zeichnung von Mali in den Briefkasten gelegt. Ich habe eine neue Route kennengelernt.

Gleich dort ist ein Platz, auf dem viele Kinder und junge Leute am Spielen waren. Es gibt dort eine kleine Halfpipe, waren also viele auf Rollerblades oder mit Rollbrett unterwegs. Ich war beeindruckt, wie selbstverständlich sich auch noch relativ junge Kinder auf diesen bewegen. Mali war natürlich Feuer und Flamme wie immer. Es lief etwas, andere Kinder, sie konnte zugucken und selber spielen. Mir war es wieder einmal zu kalt und ich wollte Abstand halten und möglichst nichts berühren. Interessant war für mich die Gegend: Spielstrasse, kleine offene Vorplätze vor den Häusern mit Tischen, wohl viele linksurbane Familien. Es ist generell noch spannend, wie ich jetzt die Stadt nochmals anders kennenlerne. Nun stehen nicht die Restaurants, Cafés, Museen oder andere kulturelle Lokale im Fokus, sondern die Häuser, die Atmosphäre des Wohnens. Und es ist auch viel einfacher, alles aus Kinderaugen und Elternperspektive anzugucken, weil die Dinge für Erwachsene zu sind. Ist also für meine Forschung gerade gar kein Nachteil.

Bin immer wieder glücklich, wenn ich etwas Neues sehe und kennenlerne. Von da her denke ich schon, dass es uns hier gut geht, nach wie vor. Dieses Entdecken hat etwas Befriedigendes. Und vielleicht hat mir das in Bern doch stark gefehlt. Aber wenn ich daran denke, dass wir ‚nur’ bis Sommer 21 da sind und gefühlt schon bald Sommer ist, ohne dass wir neue Leute kennengelernt haben, dann ist das schon irgendwie ein ‚verlorenes’ halbes Jahr. Die Kinder hatten auch nicht die Möglichkeit, Freunde zu machen.

Gestern haben sie in den Nachrichten (https://www.npostart.nl/nos-journaal/02-04-2020/POW_04508297) ganz klar gesagt, dass ein Mangel an Pflegespezialist_innen vorhanden sei, vor allem für die IPS. Eine IPS-Chefin (ja, von der Pflege eine Frau!) kam zu Wort. Sie meinte, es sei illusorisch zu denken, dass die Anzahl IPS-Betten weiter hochgefahren werden können. Momentan sind sie schon auf 1900, am Sonntag sollten es 2400 sein. Besetzt sind zurzeit über 1200. Die Zunahme sei eigentlich in einem erwarteten Rahmen, das Problem sei, dass die Leute so lange dortbleiben. Es konnten also erst sehr wenige (glaube weniger als 100) ihre IPS-Betten (lebendig) wieder freigeben. Das scheint das grösste Problem zu sein. Momentan haben drei Krankenhäuser in Deutschland zugesichert, dass sie NL Patient_innen übernehmen, mit weiteren sei man im Gespräch. Schockierend finde ich nach wie vor die Anzahl Toten, die ist sehr hoch. Und dann können die Menschen nicht einmal richtig Abschied nehmen, man darf sich nicht trösten und und und, das ist schon sehr schwierig. Meine Tante hatte eigentlich Glück, dass sie noch vor dieser Krise starb. Eine ordentliche Beerdigung war möglich, alle durften ihren Sohn und seine Familie umarmen.

Mir geht es besser, die Halsschmerzen sind auch zurückgegangen, habe kein Schmerzmedikament mehr nehmen müssen. Hoffe ganz fest, dass ich um eine Angina herumgeschlittert bin. Momentan sitzt alles noch in den Stirnhöhlen. Und ich fühle mich generell wieder fitter. Hoffe also, dass ich auch schon bald wieder Sport machen kann. Das ist für mich als Ausgleich eh schon extrem wichtig und in der momentanen Situation noch viel mehr. Wir wissen noch nicht genau, was wir am Wochenende machen wollen. Eigentlich würde uns ein Ausflug guttun, z. B. zu einem See im Naturschutzgebiet. Aber ich bin unsicher, ob das in der aktuellen Situation nicht zu egoistisch ist. Wir haben uns auf der Homepage schlau gemacht. Dort heisst es, alles sei offen, abgesehen natürlich von den Besucherzentren. Wir würden wieder ein Auto mieten und nicht mit dem Zug hinfahren. Unser Ziel wäre es, früh loszufahren und nach dem Mittag, wenn wahrscheinlich die Mehrzahl der Leute kommt (die sind hier in der Tat keine early birds) wieder zurückfahren.

 

6.4.2020: Corona-Isolation Woche vier

Krass, schon Woche vier…Und gestern nach den NL (https://www.npostart.nl/nos-journaal/05-04-2020/POW_04508575) und CH-Nachrichten war ich ganz optimistisch, dass die Schule in einem Monat wieder öffnet. Der Trend ist positiv, nun sollte sich der noch bestätigen. Das wäre wunderbar für die Kinder – und uns. Vor allem für die soziale Seite. Am Freitag ging Numa mit den Kids am Nachmittag nach draussen Sport machen, in der Nähe des Spielplatzes. Beim Hingehen meinte Mali, sie hoffe, dass sie auf dem Spielplatz wieder eine Freundin finden werde… Wenn ich das höre, zerreisst es mir das Herz und ich möchte gleich zu weinen beginnen.

Am Samstag ging Numa aufs Velo und ich mit den Mädchen in den Park. Die Sonne schien. Schon bald waren die Kids im T-Shirt (…). Sie haben irgendwas im Gras zu zweit gespielt, ganz harmonisch, und ich lag auf der Decke, genoss die Wärme (kein Wind, keine Jacke!) und habe gelesen – wunderbar! Am Nachmittag ein Eis und dann nochmals Park, dieses Mal Fussballspielen, Kubb-spielen und co. Gestern wollten wir eigentlich in ein Naturschutzgebiet gehen. Am Donnerstag hiess es auf deren Homepage noch, man könne kommen, solle sich einfach an die Abstandsregeln halten. Am Samstagabend, bevor wir ein Auto reservieren wollten, guckten wir nochmals. Nun rieten sie von einem Besuch ab. Die Wege seien zu eng und das Gebiet zu voll, als dass man die gebotenen Vorsichtsmassnahmen einhalten könne. Schade. Wir haben dann gestern die Velos genommen und fuhren an einen kleinen See gleich beim Amsterdamse Bos. Dort war ich mit Mali schon einmal, als wir getrenntes Programm gemacht haben. Krass ist, wie ruhig es war, obwohl Schipol gleich dort liegt. Toll für uns und die Luft.

Da wir früh unterwegs waren, hatte es noch genügend Platz um sich niederzulassen. Über dem See war der Wind wieder stark und relativ frisch, aber die Sonne wärmte. Mir ist aufgefallen, dass sie hier vielerorts die Wälder sein lassen und nicht so krass ‚sauberhalten’ wie in der CH. Sprich, es hat ganz viel umgefallene Bäume (super zum Balancieren und Klettern mit den Kids), überall Unterholz, Moos, Wasser, Moor. Unglaublich schön. Und fast keine Häuser in Sicht. Ich bin dann jeweils ganz glücklich, weil mir die Natur hier schon fehlt. Gestern war auch die Stimmung unter uns gut. Und wir sind kurz baden gegangen. War vielleicht nicht wie weiseste Entscheidung für mich, in Anbetracht meiner nun schon über 4 Wochen anhaltenden nicht-Gesundheit. Aber der Husten ist quasi weg, der Schnupfen auch fast und ich fühlte mich wieder fit. Es tat einfach so gut, etwas ‚spinnerig’ zu sein, so wie in ganz normalen Zeiten. Habe gestern beschlossen, dass ich mir Rollerblades kaufe. Hier ist alles flach, an so vielen Orten asphaltiert und das macht das Joggen etwas schwierig.

Aber was wir über die Ostertage machen werden und in den Maiferien, das frage ich mich schon. Wir hätten nun die ganze Zeit Besuch. Wenn ich daran denke, werde ich traurig und fühle mich alleine. Ganz klar rettet mich meine Forschung (neben dem Wetter und dem Frühling). Letzte Woche hatte ich vier Interviews. Drei Mal online und einmal sass ich auf der einen Bank und der Forschungsteilnehmer auf der Mitte der anderen Bank. Er ist schon über 60 und sagte gleich nach meiner Präsentation und Infos zum Projekt, dass ich Fragen zu stellen habe, sonst würde er nichts sagen. Er sei es nicht gewohnt, über sich zu sprechen. Das half, weil ich wusste, woran ich war. Gleichzeitig finde ich es immer schwierig, wenn die Leute nicht von sich aus erzählen. Das war schon in Guinea so. Dort oft mit gebildeten Personen, vor alle auch Frauen, die schon von ihrer Position her irgendwie etwas skeptisch und auf der Hut waren. Ich bin dann jeweils viel vorsichtiger, um nichts ‚Falsches’ zu fragen, nicht dass sie plötzlich das Gespräch abbrechen. Am Freitag war es für mich eine Herausforderung, weil ich oftmals persönliche Themen anspreche und mit einer absolut unbekannten Person darüber Auskunft gibt. Es hilft aber, dass ich mir immer bewusst bin, dass sich diese Person freiwillig bei mir gemeldet hat und mit mir sprechen will. In diesem Fall war es seine Frau, die den Flyer gesehen hat und meinte, das wäre doch etwas für ihn. Es ist nicht das erste Mal, dass es so lief – und ich habe erst acht Gespräche geführt. Toll war, dass er mir gestern noch eine Mail schrieb und sich für das Gespräch bedankte, sowie weitere Überlegungen beisteuerte. Normalerweise melde ich mich einen Tag später und bedanke mich nochmals für den interessanten Talk und das sharen von experiences.

Endlich habe ich mir in den letzten Tagen die Zeit genommen, den Sammelbank von Women Researching in Africa erste Artikel zu lesen. Und da habe ich natürlich auch über meine Positionalities hier nachgedacht. Darum will ich in Zukunft die Leute am Ende fragen, was sich geändert hätte, wenn ich ein Mann/Vater wäre, ansonsten mit denselben Identitäten. Ich hoffe, dass so noch einiges bezüglich Gender zutage kommt, zB in Bezug auf mit wem sie über welche Sachen (nicht) sprechen. Mal gucken. Versuche das heute zu testen, bei meinem ersten Gespräch auf Holländisch (bin schon ganz nervös). Habe mir auch Gedanken darüber gemacht, welchen Einfluss es hat, dass ich nun die Gesprächspartner im Voraus googeln kann und daher schon einiges über sie weiss (und sie auch über mich – auch wenn man von mir wohl vor allem Berufliches erfährt. Auf Facebook habe ich nicht einmal ein Foto von mir). Natürlich gibt es manchmal mehrere Personen mit denselben Namen, aber ich habe bisher schon immer einige Dinge, meist berufliche aber manchmal auch private, über die research participants gewusst. Das war in Guinea natürlich ganz anders.

Am Freitag haben sich hier besorgte Kardiologen in den Nachrichten geäussert (https://www.npostart.nl/nos-journaal/03-04-2020/POW_04508298). Sie hätten einen massiven Rückgang an Patient_innen und würden sich Sorgen machen, dass die Leute nicht mehr kommen, weil sie eine Covid-19-Infektion im Krankenhaus befürchten. Der interviewte Arzt sagt, die Patient_innen mit Brustschmerzen sollten sich unbedingt melden. Und ich dachte, dass die Gendermedizin noch viel Arbeit leisten muss. Ist es nicht so, dass vor allem Männer bei einem Herzinfarkt Schmerzen in der Brust haben, dass sich ein solcher bei Frauen aber oft anders manifestiert? Gerade diese Krise sollte uns die Wichtigkeit von Gendermedizin einmal mehr vor Augen führen. Vielleicht wäre dann klarer, warum so viel mehr Männer als Frauen an Corona sterben…

Immer wenn ich Nachrichten höre, lese oder sehe, frage ich mich, wie krass die Langzeitfolgen dieser Krise sein werden. Wie viele werden an den indirekten Folgen von Covid-19 in den kommenden Monaten und Jahren sterben. An Hunger? Und da müssen wir nicht nach Lagos gehen, wir können in Italien beginnen, bei den Millionen von Arbeitslosen in den USA weiterfahren bis zu den nun auf den Stassen stehenden Näherinnen in Bangladesch. Diese Krise ist eine Krise für alle, aber es trifft mich Privilegiert so krass viel weniger als die nicht Privilegierten dieser Welt – also die ganz grosse Mehrheit. Und wurden die Massnahmen nicht von den Privilegierten ausgedacht?

Ich will damit nicht sagen, dass die falschen Massnahmen ergriffen wurden, das kann ich nicht beurteilen. Ich frage mich einfach, ob die Langzeitfolgen gerechtfertigt sind. Wahrscheinlich ist die Hoffnung vorhanden, dass schon bald medizinische Durchbrüche helfen werden, die Pandemie einzudämmen und zu ‚besiegen’. Aber lange kann das so nicht weitergehen. Der Hunger wird die Leute auf die Strassen treiben – irgendwann und irgendwo. Dann werden sie in autoritären Staaten von Polizisten oder vom Militär getötet. Und es werden mehr kommen. Diese Toten werden nicht gezählt. Auch die an Hunger sterbenden nicht. Oder die Geschwächten, die dann einer anderen Krankheit zu Opfer fallen. Oder alle diejenigen, die sowieso schon auf Unterstützung angewiesen wären, die diese aber nun nicht haben, weil die Aufmerksamkeit nicht mehr gegeben ist, das Geld nicht mehr fliesst und so. Gestern wurde gemeldet, dass einige Flüchtlingslager in Griechenland nun abgeschottet werden, weil es erste Patient_innen mit Covid-19 gegeben hat.

Als wir hierherzogen, meinte Numa, es sei krass, wir könnten uns gar nicht mehr vorstellen, wie es war, als man bei jeder Grenze noch alle seine Dokumente zeigen musste. Man habe sich so schnell an die offenen Grenzen gewöhnt. Und nun ist das in kürzester Zeit anders geworden. Grenzkontrollen überall, die Grenzen teilweise ganz zu, Drohnen, welche grüne Grenzen überwachen. Schon krass. Und wenn wir irgendwann, hoffentlich spätestens im Sommer in die CH fahren, müssen wir uns überlegen, was wir für Dokumente benötigen, damit wir wieder hierher zurückkommen können. Ist auch spannend und irgendwie tragisch, dass überall etwas andere Massnahmen gelten, und vor allem, dass alle zuerst für sich selber gucken: Kriegen wir für uns (und unser Spital) genügend Beatmungsgeräte, genügend Schutzkleidung, genügend mundkapjes?

Am Nachmittag, nach dem Interview: Heute wieder nicht walking interview, sondern auf einer Bank sitzend. Er hat das so gewünscht, dann könne man sich auch angucken, sei nicht wie beim Abwaschen, wenn die Gespräche auch sehr spannend seien, gerade weil man sich nicht in die Augen guckt. Er hat mit Englisch begonnen und meinte auch, dass er schon Englisch sprechen könne. Habe dann insistiert, dass ich froh sei, wenn ich Englisch sprechen könne, er aber sich bitte in Holländisch ausdrücken solle. So haben wir das dann auch gemacht. Er hat schwierige Wörter gleich selber erklärt, bei einigen habe ich nachgefragt. Aber generell lief das gut. Hatte das Gefühl, ich hätte alles verstanden. Beim Zurückgehen habe ich ihn gefragt, wie das war. Er fand gut. Er habe absichtlich langsam und einfach gesprochen, das sei für ihn auch gut gewesen, normalerweise spreche er viel schneller. Dadurch habe er seine Worte bedächtiger wählen müssen. Ich will nun den research participants das als Möglichkeit geben. Und vielleicht werde ich in einigen Monaten auch selber holländisch fragen können, inch’Allah.

 

7.4.2020: Corona-Isolation Woche vier

Ich finde es spannend, wie schnell sich Verhaltensmuster ändern. Zum Beispiel das Abstandnehmen und sich-aus-dem-Weg-gehen. Kürzlich haben wir einen Dok-Film geguckt, der natürlich vor der Corona-Zeit gedreht wurde. Meine erste Reaktion war: Nein, das dürfen die nicht, die dürfen nicht so nahe beieinander sein. Also innert kürzester Zeit schon total embodied…! Und habe von andern gehört, dass es ihnen genau gleich geht.

Gestern haben wir die Kinder wieder getrennt, weil ich heute Nachmittag nicht kann. Ich war mit Alma unterwegs. Sie wollte gucken, ob die ‚Streicheltiere’ gleich hier im Park noch offen haben – natürlich nicht. Also fuhren wir mit den Trottinetts weiter auf den Spielplatz im Norden des Parks. Dort war ich schon lange nicht mehr. Das einzige Mal war zu Beginn unserer Zeit hier, es hatte kaum Kinder und es war bitter kalt, so dass ich nach kurzer Zeit schon wieder nach Hause gehen wollte. Gestern aber waren ganz viele dort, Kinder am Spielen, Jugendliche am Skaten und Erwachsene am Tennis spielen. Ist wohl ein Ort, an dem man das (eher inoffiziell) noch machen kann. Auffallend war für mich, dass die Leute rein äusserlich gemischter waren als an anderen Orten, zB auf dem Kletterspielplatz. Numa fand zwar, auch dort seien allerlei Leute anzutreffen, die allerlei Sprachen sprechen. Aber ich finde den Kletterspielplatz uniformer im Sinn, dass mehr Leute dort sind, die wie wir aussehen.

 

8.4.2020: Corona-Isolation Woche vier

Gestern habe ich wieder mit Guinea telefoniert. Die Regierung hat neben den Schulen auch die grossen Kaffees, Moscheen, Kirchen, Bars und Restaurants geschlossen. Nur der Markt ist noch offen: C’est le pire, mais ils ne peuvent pas le fermer. Und ich denke einmal mehr, dass die Lage in Kankan schon unter normalen Umständen für viele prekär ist. Sobald auch nur etwas Kleines – oder auch Grosses wie jetzt – dazu kommt, dann haben viele nicht mehr genügend zu essen, oder auf jeden Fall nicht mehr genügend ‚Abwechslung’, sprich ihnen fehlen Dinge, welche sie wiederum anfälliger auf Krankheiten machen. Ob die Boutiques noch offen sind? Ich nehme es an. Habe sowieso nicht das Gefühl, dass die Regierung die Macht hätte, um z.B. die Boutiques und den Markt für mehr als einige Tage zu schliessen, weil früher oder später die halbe Stadt auf die Strasse gehen würde, sogar in einer Stadt, die sehr für den Präsidenten ist. Mein Freund hat auch erzählt, dass die Regierung allen Leuten die Strom- und Wasserkosten für die nächsten drei Monate erlasse. Hilft ihr wohl extrem, um ihre Massnahmen durchzusetzen. Und ja, bald sind wieder Wahlen, dann ist es einfacher, wenn man dem Volk etwas gegeben hat (oder es gekauft hat, wie auch immer).

Ich habe mittlerweile wieder so viel Boden unter den Füssen, dass ich auch Covid-19-Artikel zum afrikanischen Kontinent lesen kann – zwischendurch. Einige sind sehr düster (https://www.watson.ch/!249433340?utm_source=whatsapp&utm_medium=social-user&utm_campaign=watson-app-ios) vielleicht auch einfach nur realistisch (https://nai.uu.se/news-and-events/news/2020-04-03-africa-needs-tailored-responses-to-coronavirus.html?utm_medium=email&utm_source=newsletter&utm_campaign=apr+20) und gerade der Guinea-Bezug ist für mich schwierig auszuhalten. Ist ja immer so. Wenn es sich um konkrete Menschen handelt, die wir kennen, werden Schicksale greifbar und wir können die sonst aufgebaute Wand, mit der wir uns schützen und hinter der wir uns verstecken, nicht mehr aufrechterhalten. Von anderen Orten tönt es ein bisschen anders (https://roape.net/2020/04/07/out-of-the-ruins-and-rubble-covid-19-and-the-fightback-in-africa/?fbclid=IwAR1TxISuzz2LkQIL1DDmF2G8wWl1B-LstVkFa49h7eWtlv36xkS5FydjoX4). Ist ja klar, macht einen grossen Unterschied, ob wir über Guinea, Nigeria, Tansania oder Südafrika sprechen. Wobei die IPS in Südafrika natürlich auch nur für die Reichen offenstehen. Und ja, wie in anderen Ländern (USA…) öffnet das natürlich Tür und Tor für noch mehr racial profiling und weitverbreitete Vorurteile gewissen Gruppen gegenüber. Very true what Issa Shivji says: The social is political!

Ich habe mir gestern Rollerblades gekauft, quasi verfrüht zum Geburtstag geschenkt. Hatte gerade eine riesengrosse Freude. Bin mit Mali zum Geschäft in der Nähe gejoggt. War ja seit Wochen nicht mehr einkaufen, quasi meine erste Corona-Einkaufserfahrung hier. Sehr kleines Geschäft. Wir wollten reingehen, der Verkäufer meinte, wir sollten draussen warten, es sei schon voll (das habe ich auf jeden Fall verstanden). Habe dann die letzten Blades in meiner Grösse ergattert. Sind jetzt nicht die bequemsten, aber die musste ich nehmen! Er könne momentan auch keine neuen bestellen. Wohl sind da auch die Fabriken mit der Produktion runtergefahren worden oder wie auch immer. Bin dann am späteren Nachmittag (war gestern so was von unproduktiv und unmotiviert bei der Arbeit…) damit um den Sloterplas gefahren. Dauerte ca. 30 Minuten, war schon Sport, aber musste nicht schwitzen und joggen finde ich immer noch um einiges anstrengender. Wobei ich zugeben muss, dass ich heute gewisse Stellen an meinem Körper schon spüre. Morgen wird es zudem blaue Flecken hinten an den Waden haben. Ist vielleicht vergleichbar mit den ersten beiden Tagen auf dem Snowboard in einer Saison, da sind die Stellen, wo die Boots drücken, auch immer blau.

Gestern haben wir das erste Mal im Park abendgegessen. Ich kam direkt vom Rollerbladen, war also doch etwas verschwitzt und sobald die Sonne nur noch flach schien und sich teilweise hinter einem Baum versteckte, musste ich zurückgehen. Aber war schön, diese Sommervorfreude. Gleichzeitig frage ich mich schon, wie es die Leute hier mit dem physical distancing nehmen. Es gab bei den grossen Parkbänken zwei Personen von der Gemeinde, die trugen so rote Shirts mit der Aufschrift Gemeinde Amsterdam und den drei Kreuzen drauf. Aber ich sah sie nicht mit anderen Personen interagieren. Habe sie aber auch relativ spät entdeckt und danach hatten sie wahrscheinlich schon Feierabend. Auf jeden Fall waren sehr viele Leute unterwegs und teilweise auch nicht ganz so weit voneinander… Die Zahlen hier lassen langsam optimistisch sein (https://www.npostart.nl/nos-journaal/07-04-2020/POW_04508300), vor allem die Kurve der Aufnahmen von Corona-Patient_innen auf der IPS ist enorm abgeflacht. Gestern nur 15 weitere Aufnahmen. Gleichzeitig können auch immer mehr wieder entlassen werden oder sie sterben, daher werden auch wieder neue Betten frei. Die Anzahl Tote sind meiner Meinung nach immer noch sehr hoch. Gestern gab es einen riesen Peak, der sich aber dadurch erklären lässt, dass einige Personen schon in den vorangegangenen Tagen gestorben sind, aber erst gestern in die Statistik aufgenommen wurden. Wenn die Zahlen weiterhin rückläufig sind und das trotz den vielen Leuten draussen (das Osterwochenende steht ja erst noch an…!!!) und den weiterhin teilweise offenen Geschäften, dann lässt das langsam positiv stimmen. Und an gewissen Orten hat es so viele Kinder, dass ich mich schon gefragt habe, ob es denn sinnvoll ist, dass Kinder von den Massnahmen ausgeschlossen und gleichzeitig die Schulen zu sind.

Gestern wollten beide Kinder wissen, wie lange wir noch in Amsterdam sind. Numa hat ihnen das dann mit Hilfe unserer Monatsübersicht versucht aufzuzeigen. Mali habe sich anschliessend beklagt, dass wir ja noch viel zu lange da seien. Das finde ich immer noch sehr schwierig auszuhalten. Und wir wissen natürlich, dass es viel mit der momentanen Situation zu tun hat. Zu Hause wäre es nicht per se einfacher, auch wenn wir vielleicht etwas mehr sozialen Kontakt hätten. Ich höre auch von immer mehr Personen, dass z. B. die Situation im Haus sehr schwierig sei, weil die Familien die Situation unterschiedlich handhaben. Oder das sich das Paar nicht einig ist, was für sie als Familie noch erlaubt ist und was nicht. Von diesen Fragen sind wir hier mehr oder weniger verschont. Ich frage mich hier: Darf ich an meinem Geburtstag mit jemandem ausserhalb meiner Familie anstossen, wenn ich weiss, dass die Kinder absolut keine Distanz halten werden…???

Ob wohl gewisse Eltern (und auch Väter?!?) eine Art Corona-Tagebuch führen. Wäre super spannend für mich, solche in meine Forschung einzubeziehen. Vielleicht wäre Tagebuch schreiben, resp. diese dann erhalten eine tolle Art von Daten. Aber: Das ist nochmals um einiges intimer als so ein Gespräch mit mir. Ich glaube, da müsste ich die Leute zuerst gut kennen und eine Art Vertrauensverhältnis aufgebaut haben, bevor ich es überhaupt wagen würde, so etwas zu fragen. Und im Gespräch müssten die Väter schon viel über die momentane Situation erzählt haben…

 

9.4.2020: Corona-Isolation Woche vier

In der CH haben sie gestern die Massnahmen um eine weitere Woche bis zum 26.4. verlängert und danach Lockerungen in Aussicht gestellt, jedoch ohne zu sagen, wie diese auszusehen haben. Während einige Parteien, allen voran die SVP und die FDP, und die Wirtschaftsverbände seit einigen Tagen massiv Druck auf den Bundesrat ausüben (https://www.srf.ch/play/radio/sendung/echo-der-zeit?id=28549e81-c453-4671-92ad-cb28796d06a8 ). Dies veranlasst andere, vor einer zweiten, noch krasseren Welle zu warnen (https://www.medinside.ch/de/post/oggier-findet-eine-lockerung-problematisch). In den NL sind die aktuellen Zahlen, resp. insbesondere deren Trend ähnlich erfreulich. Der Verantwortliche der IPS habe ich zum ersten Mal lachen sehen. Die Anzahl IPS-Patient_innen hat gestern zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Krise abgenommen (https://www.npostart.nl/nos-journaal/08-04-2020/POW_04508301). Die Betriebe machen sich Gedanken darüber, wie ein Leben mit mind. 1,5m Abstand in den nächsten Monaten gelebt werden könnte.

Ich habe Tage, resp. besser Momente in Tagen, an denen es mir ganz gut geht. Da bin ich überglücklich über den Frühling, das warme Wetter (sei atypisch und deutlich zu warm für den April hier – ich habe gerade nichts dagegen) und finde eigentlich alles noch ziemlich gemütlich. Dann wiederum finde ich es schwer aushaltbar, immer mit den Kindern, immer dasselbe Gstürm, nie Abwechslung, immer dieselben Abende, nie jemanden zum real Austauschen, nicht selber entscheiden können, wohin wir wann fahren wollen, kein ‚Ausgang’, keine Aare, keine Familie, niemanden zum Umarmen, Homeoffice mit schreienden Kinder unten, kein Fahrradfahren um ins Office zu gehen,…. Das Anstrengende finde ich, dass es so rasch wechselt. Momentan finde ich es auch gerade wieder schwieriger, dass die Rollen bei uns so ungleich verteilt sind. Ich freue mich wirklich sehr darauf, wenn dann wieder Schule ist und Numa ev. auch noch was ausserhalb des Hauses machen kann. Einfach ‚Normalität’ in der für uns eh schon neuen Situation, die anders ist, als wir ‚Normalität’ von zu Hause aus gewohnt sind.

 

14.4.2020: Corona-Isolation Woche fünf

Ich bin langsam etwas verwirrt, was die Tage anbelangt. Die Homeoffice-Wochenstruktur ist irgendwie schwierig einzuhalten, resp. verwechsle ich ständig, welchen Tag wir nun haben. Und nun noch mit Ostern, wo ich vier Tage nicht gearbeitet habe. Habe auch gerade etwas Mühe, wieder in die Gänge zu kommen. Zudem will ich morgen freimachen (Geburi ;-). Am liebsten würde ich wieder ein Auto mieten und in die Dünen fahren. Es wird zwar nicht mehr so schön warm wie an den ersten Ostertagen, aber die Sonne soll scheinen. Nur weiss ich nicht, ob es unter der Woche auch so ein Problem ist, in die Naturparks zu gehen und ob die Parkplätze da auch abgeschlossen sind. Wir müssen uns heute Abend mal schlau machen. So ein wenig Dünen wäre einfach zu schön!

Gearbeitet habe ich abgesehen von einigen wenigen Mails (an mögliche research participants) nicht. Aber Flyer habe ich ziemlich viele aufgehängt. Am Samstag fuhren wir alle zu einem Spielplatz am Rand des Jordaans. Obwohl es schon relativ spät war, waren dort kaum Leute. Von dort aus machten wir eine Schnitzeljagd durch den Jordaan. An einigen Orten waren die Strassen leer, an anderen Orten waren doch relativ viele auf den Beinen. Im Gegensatz zu ‚normalen’ Zeiten jedoch keine Touristen, vor alle Holländisch sprechende. Ich hatte gar das Gefühl, es würden sich sehr viele auch kennen. Ältere Leute, die vielleicht schon ihr Leben lang dort wohnen. Dazu einige Familien. Und viele sassen auch einfach vor der Tür auf Bänken und Stühlen an der Sonne. Das fällt mir hier überall auf. Jetzt wo der Frühling da ist, haben viele einfach einen Stuhl, eine Bank oder ein kleines Tischchen vor ihre Haustüre gestellt. Besonders schön finde ich es bei der Orteliuskade, wo die Bewohner_innen quasi den Rembrandtpark als Garten haben. Dort würde ich sofort hinziehen. Am Sonntag fuhr ich mit den Skates durch Strassen im Oud Zuid, in denen ich noch nie war.

Im Jordaan und auf dem Spielplatz habe ich wieder Flyer aufgehängt. Dann ganz viele am Sonntag, als ich meine paar Stunden familienfrei hatte und mit den Skates zuerst Richtung Sloterplas und dann zwei verschiedenen Grachten entlang Richtung Nieuwe Meer fuhr. Habe absichtlich Orte gewählt, an denen ich noch nie war. Und vor allem auch der Nieuw West, weil dort die Einwohner_innen doch ziemlich anders sind als an anderen Orten. Bin aber ehrlich gesagt immer noch nicht sehr zuversichtlich, dass sich auch nicht gut ausgebildete Väter melden. Ich muss mal in meiner Excel-Tabelle gucken, aber ich glaube, alle der bisherigen research participants haben entweder die Uni oder eine andere Höhere Schule besucht. Mit den Skates lässt sich super flyeren, weil ich dann nicht immer noch das Fahrrad abstellen muss, das sowieso meistens zu kippen droht, angesichts der Tatsache, dass ich ein ‚Körbli’ vorne drauf befestigt habe. Das nächste Mal kurve ich um den Sloterplas, dort sah ich das letzte Mal ganz viele Väter und Familien, die mir etwas mehr Diversität geben würden. Lustig ist auch, dass sich nun viele Leute an joggen versuchen. Kürzlich ein Vater (nehme ich an) mit seinem Sohn. Beide leicht übergewichtig, der Stil wunderbar zum Zugucken.

Letzte Woche habe ich wieder ziemlich viele Interviews führen können. Am Tollsten finde ich, wenn ich die Leute live treffen kann. Der Spaziergang durch den Park war toll. Ich mag das gehende Sprechen einfach. Aber auch das sich Gegenübersitzen, resp. nebeneinander auf zwei verschiedenen Parkbänken ist gut. Feldforschung sollte doch möglichst oft draussen stattfinden. Ich bin ja sonst schon viel zu viel zu Hause und vor dem Compi. In GN war das natürlich so, im Spital natürlich nicht. Momentan fällt ja die tägliche Velofahrt an die Uni weg. Wenn ich dann nur drinnen bin, werde ich grumpy. Eine grosse Herausforderung war ein Gespräch letzte Woche, das wir per Telefon ohne Video geführt haben. Es ging ganz ok, aber wenn man die andere Person nicht sieht, keine Ahnung von deren Mimik hat, ist das schwierig. Und die Fremdsprache kommt noch dazu. Netterweise hat er im Anschluss gesagt und geschrieben, dass es toll gewesen sei, wie ich die Fragen offen und unvoreingenommen gestellt habe. Das freut mich, gerade weil es durchaus einige Dinge gegeben hätte, bei denen ich anderer Meinung war. Ist ja schon noch spannend. In GN war der Kontext so klar anders, dass die Abgrenzung in gewissen Dingen einfacher fiel. Hier ist das Thema natürlich auch viel mehr mit mir persönlich verbunden. Habe mit Numa diskutiert, wann ich meine Meinung kundtue. Versuche das möglichst nicht zu tun, ausser ich werde gefragt. Aber ich versuche generell schon, so greifbar wie möglich zu sein, auch als Person. Einige stellen zu Beginn mehr Fragen, andere wollen gar nichts zusätzliches wissen. Dieses sich ‚Beschnuppern’ ist deutlich einfacher, wenn man sich live sieht als per Telefon. Ich mache manchmal auch einen Witz oder sage, dass etwas bei uns genau gleich gewesen sei. Oder einen mitfühlenden Kommentar (so à la: ja, erste Jahre sind sehr streng, vor allem wenn beide Kinder noch klein sind).

Wir hoffen ganz fest, dass wir nur noch zwei Wochen Homeschooling plus eine Woche ‚Ferien’ haben werden und danach die Schulen hier wieder öffnen. Ich habe von irgendwo gehört, dass die Kitas und die Schulen von den ersten seien, die wieder öffnen werden. Im Gegensatz z. B. zu Deutschland, wo die Kitas bis zu den Sommerferien zu sind und die Schulen nur gestaffelt aufgehen werden. In der CH sagen sie, dass die Schulen so etwa in der Mitte kommen werden. Momentan habe ich das Gefühl, dass es Mali bessergeht. Sie hat nicht mehr so oft traurige Phasen. Einfach das immer-alles-bestimmen-müssen gegenüber Alma hat ein unglaublich mühsames Level erreicht. Sie ist schon nur betupft, wenn sie nicht als erste Zähneputzen kann.

Alma hingegen ist ziemlich streng. Vielleicht ist das aber nur, weil wir die ganze Zeit mit ihr sind. Gestern als ich joggen ging (eine knappe Stunde!), klammerte sie sich wieder weinend an mein Bein: Mamaaaaa, nid gaaaaa! Ist wirklich nicht gut, so viel mit den Eltern zusammen zu sein, finde ich. Abend als sie bis zum Einschlafen noch trotzig war und weinte. Und ich dachte zurück an die Literatur, die ich gelesen habe, als die Kinder noch Babys waren, die Elternbriefe, die man monatlich zugeschickt erhielt. Da hiess es, die Babys müssten weinen, weil das würde ihre Spannungen lösen würde. Genau so kam es mir bei Alma gestern vor. Bis zum Schluss noch nein nein nein. Und sie ist nun 4,5 Jahre alt…Das An- und Ausziehen, Händewaschen, Zähneputzen etc.: Jedes Mal ein Kraftakt. An gewissen Tagen, ist meine Zündschnur so dünn, dass ich mich zu oft über Dingen nerve, die ganz normal sind bei Kindern. Und dann denke ich, dass es wirklich nicht mehr gut ist mit mir. Ich darf mich doch nicht darüber aufregen, dass Kinder Kinder sind. Alma hat das einmal sogar in Worte packen können. Mali schlug Alma, weil diese Post öffnen wollte. Ich wurde sehr wütend, weil ich so oft das Gefühl habe, dass es mühsam wir, wenn eigentlich etwas Tolles anstehen würde (wie ein Eis essen, Post erhalten etc). Wir sassen dann zu dritt oben und Alma meinte: Sie sei noch keine Frau, sie könne sich nicht anders verhalten.

Und dann bin ich auch immer mal wieder hin- und hergerissen zwischen viel arbeiten (z. B. denke ich gerade jetzt, dass diese Arbeitswoche für mich ja nur aus drei Tagen besteht) und Numa möglichst entlasten, resp. die Kinder zwei Mal die Woche auseinandernehmen.

 

16.4.2020: Corona-Isolation Woche fünf

Wenn unten einmal mehr alle rumschreien oder weinen (es ist schon unglaublich, zu welchen Krisen anziehen, Händewaschen und Zähneputzen führen können…!!!), dann finde ich es hart an der Grenze, hier oben arbeiten zu müssen. Leider kann ich mich null abgrenzen und werde selber nervös oder verärgert. Überlege mir, ob ich nicht morgen einfach an die Uni gehen will, um zu arbeiten. Dann könnte ich mich vielleicht und hoffentlich wieder einmal so richtig konzentrieren. Und dann würde auch nicht die Türe aufgehen, und schon wieder ein Kind reinkommen. Es ist momentan extrem schwierig, die Ruhe zu bewahren. Ich bin ja eh leider schon keine geduldige Person und die aktuelle Situation vereinfacht das nicht. Ich bin es sooooo satt, immer dieselben Dinge zu sagen, Tag für Tag, Stunde für Stunde. Nennt man das dann regretting motherhood syndrom…? Abends beim ins-Bett-bringen versuche ich viel Nähe zu geben (natürlich auch schon tagsüber) und fühle mich sehr schlecht.

Gestern hielten sie sich aber verhältnismässig gut. Wir haben am Dienstagabend spontan entschieden, dass wir ein Auto mieten und versuchen, in die Dünen zu gehen. Auf der Homepage des Nationalparks war die Meldung wieder anders, als noch vor zwei Wochen, als die Leute gebeten wurden, nicht zu kommen. Nun haben sie Orte, an denen sich besonders viele Menschen ansammeln, geschlossen, so etwa die beiden Seen. Und die Kapazitäten der Parkplätze um die Hälfte reduziert. Sie bitten die Leute, zu Fuss oder mit dem Fahrrad zu kommen – was für uns leider nicht möglich ist. Wir dachten, wir würden an einen neuen Ort gehen, fanden eine leeren Parkplatz vor, aber dann gab es keinen Weg, der ins Gebiet geführt hätte, alles via Zaun abgeschlossen. Am Ende haben wir uns dafür entschieden, in einem Quartier in der Nähe zu parkieren, auch wenn unser Mietauto natürlich sehr auffällig ist. Schon während dem Rumfahren hatte ich die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen, weil unser Ausflug selbstverständlich nicht nötig war, sondern ‚lediglich’ für unsere Psychen. Wäre einfach ein wenig traurig gewesen, an meinem Geburtstag wieder in den Rembrandtpark zu gehen. Ist mir aber auch klar, dass dies egoistisch ist.

Später haben wir dann endlich wieder einmal eine uns bekannte Person gesehen. Ich habe spontan eine Kollegin gefragt, ob sie auf ein Distanzapero in den Park kommen mag. Sie nahm dann gleich noch eine Freundin mit. Tat gut, endlich wieder einmal jemanden zu sehen und anzustossen. Und die Sonne schien, ich erhielt Blumen.

In den Parks und auf den Spielplätzen sehe ich hier viele mit Inlineskates und Rollbrettern. Väter dürfen Corona sei Dank mehr mit Kinder sein. Oder fällt mir das hier nur auf, weil es anders ist als in der CH? Oder bin ich bisher in der CH nicht an den entsprechenden Orten gewesen? Ich möchte auf jeden Fall auch skaten können – und skatende Töchter haben. Besonders schön fand ich die Szene, die ich im Westernpark beim Warten beobachtet habe. Ein Vater und seine Tochter, beide mit Rollbrettern, er hat ihr gezeigt, wie man sein Rollbrett mit dem Fuss nach oben nimmt, ohne sich bücken zu müssen. Ich fand, man sehe die Begeisterung des Vaters förmlich, dass er mit seiner Tochter solche Dinge machen kann. Er fühlte sich wieder selber jung.

Heute sind meine Kinder das erste Mal alleine auf den Spielplatz vorausgegangen, ich kam erst 5-10 Minuten später nach. Ich war stolz auf sie und ich glaube, sie waren auch stolz. Nur das alleine Zurückkommen ist leider immer noch nicht möglich. Zwar kann Mali nun die Türe öffnen (resp. es ist ihr auch schon gelungen), aber ich möchte ihr lieber nicht den Schlüssel mitgeben, falls sie ihn verliert. Zu wenig Vertrauen? Und wenn sie die Türe nicht öffnen können, dann können sie sich auf keine Art und Weise bemerkbar machen, weil ja die Klingel immer noch nicht funktioniert (easy, ist ja erst seit Januar so). Die beiden haben sich auf dem Kletterspielplatz wieder ein Mädchen geschnappt, sie hat auch gerne den Ton durchgegeben. Sie hatte eine Barbiepuppe bei sich, vielleicht deshalb. Diese Rabeneltern, die den Kindern einfach keine Barbiepuppen schenken… ist spannend, Sprache scheint null Hürde zu sein, beide sprechen einfach. Was wohl die anderen Kinder denken? Was merken sie in diesem Alter von schlechtem Dutch? Auf Spielplatz ist es lustig, Eltern zu beobachten, wie sie versuchen, Abstand zu halten, aber das ist nur beschränkt möglich, wenn ihr kleines Kind fast von der Rutschbahn fällt.

Finde auch diese (teils hippen) Jungväter amüsant. Ein Kind im Tragi, das andere noch ein Kleinkind, dabei immer noch gut aussehen und cool sein. Klappt nicht immer natürlich. Ich bin einmal mehr sehr froh, dass unsere nun älter sind.

 

20.4.2020: Corona-Isolation Woche sechs

Ich habe das Gefühl, als würde meine Forschung langsam Fahrt aufnehmen. Aber irgendwie so, wie wenn ich nicht im Führerstand des Zuges wäre. Und es ist auch sehr unklar, wohin die Zugreise führt, wo der anhalten wird, wer alles an Bord des Zuges sitzt, und wo die Zugfahrt endet ist noch viel unklarer. Einfach die Schienen sind Voraussetzung, die dürfen nicht verlassen werden. Auch wenn vielleicht irgendeinmal die Möglichkeit besteht, dass wir auf einen Bus, ein Tram oder sogar aufs Velo umsteigen mögen. Der Einfluss von Corona… Mit wie vielen Personen will ich sprechen? Mit wem und wann ein zweites Mal? In welche Milieus werde ich (zufälligerweise) gelangen? Nächste Woche werde ich ein Gespräch mit einem Fotografen haben. Wollte unbedingt, dass er mitmacht und war daher ganz glücklich, als er sich wieder gemeldet hat. Nun hat er gefragt, ob er unser Gespräch filmen könne, weil er einen Dokumentarfilm über seinen Vater und sein eigenes Vatersein dreht. Hmm, looks like very interesting, aber irgendwie werde ich dann wohl auch in einer Rolle kommen oder mich so verhalten, wie das normalerweise nicht der Fall ist. Und anderseits: Wenn alle beide davon profitieren, ist das super! In diesen Momenten, wenn man das Gefühl hat, dass in der Forschung gerade etwas Wichtiges passiert, wird wahrscheinlich Adrenalin oder so ausgeschüttet. Dieses Gefühl im Bauch, wenn sich Türchen öffnen, sich interessante Personen melden, man gemeinsam mit anderen neue Projekte ausdenkt, dafür mache ich den ‚Job’ und dann ist es eben viel mehr als ein Job, auch wenn ich nie von einer Berufung sprechen würde, eher von acting anthropologically im Sinne von Andrea Cornwall (2019).

Ein Forschungsprojekt ist ja immer auch eine Reise, eine berufliche und eine private Reise. Ich denke auch jetzt noch, fast zehn Jahre nach der Aussage, an eine Kollegin, die mir vor dem ersten Feldaufenthalt gesagt hat, man solle sich nicht täglich überlegen, ob was, was man gerade am Tun sei, sinnvoll sei oder nicht. Das war einer meiner wichtigsten und hilfreichsten Ratschläge. Und gleichzeitig muss man als Forschende so viele Entscheidungen treffen, die alle eine grosse Auswirkung auf das Projekt und die daraus sich ergebenden Resultate haben. In Guinea war der Einfluss meiner research collaborators riesig – hier bin ich auf mich alleine gestellt. Wobei hier vielleicht meine Familienmitglieder diese Rolle ein wenig einnehmen. Mit Numa bespreche ich die Interviews und Gespräche. Während den Gesprächen denke ich auch oft an ihn und seine Tipps bezüglich Gesprächsführung. Letzte Woche kam Mali das erste Mal mit auf ein Treffen, morgen Nachmittag nehme ich beide mit. Keine Ahnung, ob wir dann irgendwie zum Schwatzen kommen. Der research participant hat vorgeschlagen, dass wir uns an einem Nachmittag im Park treffen sollen, er sei dort jeweils mit seinen Knaben. Da habe ichgedacht, ich könne ja auch gleich meine Töchter mitnehmen. Bin sehr gespannt darauf, wie das funktionieren wird. Ob wir überhaupt irgendwas zum Reden kommen oder ob wir nur den Kindern nachspringen. Ist ein Versuch wert und war ja ursprünglich auch mein Plan, bis Corona alles ein wenig verändert hat…

Mir wurde folgenden Artikel gesendet: Minello_The pandemic and the female academic_2020: https://www.nature.com/articles/d41586-020-01135-9. Kurz zusammengefasst: Wer in dieser Zeit keine care obligations hat, wird seinen output steigern können, die anderen werden eine Lücke aufweisen. Und das sind halt immer noch hauptsächlich Frauen. Sie schlägt u.a. vor, dass an diese Zeit als career breaks in den CV schreiben solle, auch wenn das wohl leider nichts ändert. Ich bin ja sehr privilegiert, habe einen Partner, der zurzeit nicht arbeitet und die Hauptlast der Kinderbetreuung trägt und gleichzeitig arbeite ich natürlich nie so viel wie in normalen Zeiten.

 

21.4.2020: Corona-Isolation Woche sechs

Es stellt sich schon die Frage, was geschehen wird, wenn nun in vielen europäischen Ländern die Corona-Massnahmen langsam gelockert werden. Klar ist, dass die Leute schon eine ganze Weile immer mehr nach draussen gehen. Natürlich werden von den meisten die Abstandsregeln eingehalten, aber ich denke (und lese), dass es auch immer mehr Verstösse gibt – und zwar nicht nur von fünf Jugendlichen, die auch nach mehrmalige Auffordern der Polizei, immer noch nicht weiter auseinandergehen, sondern auch von Erwachsenen. Am Sonntag wurde in den hiesigen Nachrichten berichtet, dass ein Pokerturnier mit über 50 Teilnehmenden aufgehoben wurde (https://www.npostart.nl/nos-journaal/19-04-2020/POW_04508577). Hier warten wir heute um 19h gespannt auf die Entscheidungen der Regierung. Allgemein wird erwartet, dass es lediglich eine leichte Lockerung der Massnahmen geben wird, insbesondere dass auf irgendeine Art und Weise die Basisschoolen wieder geöffnet werden. Das entsprechende Ministerium hat diesen Rat der Regierung erteilt (inch’Allah!!!)

http://content10c3b.omroep.nl/urishieldv2/l27m4c2dba2f283a7898005e9ec842000000.b17416a288ffe59b6102d8b5ee45c7ea/nos/docs/210420_omt.pdf

Für uns persönlich wäre das ja die wichtigste Aufhebung. Ich denke, es würde uns allen extrem guttun, wenn die Kinder wieder etwas in die Schule gehen können – sei es nur für zwei Tage die Woche mit der halben Klasse oder so. Aber ganz ehrlich, kleine Kinder zwischen 4 und 6 halten keine Abstände ein, sie wollen getröstet werden, wenn sie traurig sind. Stellt sich also die Frage, inwiefern sich Kinder selber anstecken und ob sie das Virus auch an andere weitergeben. Ein Problem ist natürlich, dass viele der Lehrkräfte selber schon älter sind. Dann sind sie bei ihrer Arbeit in Kontakt mit ganz viele Kinder, dürfen aber ihre eigenen Grosskinder nicht sehen. Das wird absurd. Und gleichzeitig lassen sich solche Absurditäten nicht umgehen, denke ich. Warum sollten Blumenzentren und Coiffeursalons in der CH wieder öffnen dürfen, die Märkte aber nicht? Ein Freund hat erzählt, dass in Deutschland die Märkte die ganze Zeit offenblieben, obwohl es dort ja ansonsten ziemlich streng war, keine Läden waren offen, nur mit einer anderen Person auf 2m (oder waren es 1,5m wie hier?) Abstand treffen etc. Ich verstehe die Kritik gut und gleichzeitig gibt es keine one-fits-it-all Lösungen, alle, die nun nicht von den Lockerungen profitieren, fühlen sich benachteiligt und übergangen.

Auf Facebook habe ich gesehen, wie viele jeunes filles leaders in Kankan Masken an die Marktfrauen verteilen – sie werden verständlicherweise als besonders verletzliche Gruppe gesehen. Ich bin zwar überzeugt, dass diese Masken absolut nichts bringen, weil die Handhabung nicht richtig ist und die Leute sich immer noch an den Händen berühren und so. Aber sie machen auch Aufklärung, z.B. häufiges Händewaschen und so. Vielleicht auch, dass sie zu Hause bleiben sollen, wenn sie Symptome haben. Ich weiss es nicht genau, muss mal nachfragen. Irgendwie habe ich schwer das Gefühl, ich komme zu absolut nichts. Mit der Konzentration im home office ist es ja eh schon so eine Sache, aber mit den Kindern auch noch zu Hause, ist es noch viel schwieriger. Wenn ich dann morgens neben dem ganzen Beantworten von Mails und Organisieren meiner Woche und der Interviews, noch die ganze Zeit solche News und Analysen lese, dann komme ich überhaupt nirgends mehr hin.

In der Praktik sieht meine Realität so aus: Arbeitsbeginn mit Birchermüesli und Kaffee neben mir auf dem Schreibtisch um 7:45, früher oder später zwei Kinder, die reinplatzen. Alma will meistens auf meinen Schoss sitzen, weil sie eine grosse Faszination für Bildschirme aufweist. Dann drückt sie auf irgendwas rum…irgendwann kommt Numa sie holen. Manchmal geht es dann ohne weinen und schreiben, manchmal nicht. Etwas später höre ich von hier oben: Mama, Füdli putze. Dann wird die Arbeit unterbrochen, ich ins Bad helfen, Händewaschen, wieder zurück an den Compi. Wenig später höre ich Numa, wie er mit Mali schimpft, weil es für diese kaum aushaltbar ist, dass Alma selber entscheidet, welches Hörbuch sie (für sich selber) hören will (ist schon krass und macht als Eltern auch machtlos. Ich weiss schon, dass diese Dynamik 1. zwischen Geschwistern normal ist, 2. in der momentanen Situation noch viel mehr, 3. andere Eltern alle auch kleinere und grössere Sorgen haben und sich fragen, ob das mit diesem Verhalten gut kommt, aber es nervt einerseits unglaublich und gibt anderseits schon auch zu denken… Dann ist schon bald Zeit fürs Znüni und Kaffee, dann gefühlt schon wieder Mittag, danach noch 1-3h arbeiten und schon übernehme ich die Kinder. Da kommen dann wirklich nicht so viele Stunden zusammen und schon gar nicht konzentriert gearbeitete Stunden.

Gestern Abend hatte ich ein Interview mit einem Vater in einem Park. War toll, um diese Uhrzeit noch draussen zu sein, die Sonne schien noch fast, wir sind durch den nun relativ leeren Park spaziert und haben uns am Ende noch auf eine Bank gesetzt. Er hat sich getrennt und es scheint alles super zu laufen: Mit der Mutter im Co-parenting, mit seiner neuen Freundin (und den Kindern), mit den beiden Zwillingsmädchen, mit der Arbeit, alles gut. Fand ich das Gespräch deswegen etwas langweilig und hatte das Gefühl, ich würde nicht so viel Neues lernen? Bin ich (unbewusst) nach Drama aus? Oder beunruhigt mich die Tatsache, dass andere Eltern das Elternsein so easy finden und so selten an ihre Grenzen stossen, weil das bei mir etwas anders ist? Oder denke ich dann (so arrogant!): Nochmals so gut situierte, weisse, gut gebildete Mittelschichtsväter, die ihre Kinder die Welt selber entdecken lassen und alles rund läuft? Interessant fand ich hingegen, dass sie den co-parenting-Plan auf einer Regierungsseite heruntergeladen haben. Krass, in der CH habe ich noch nie von so etwas gehört. Numa meinte, dass sie bei der KESB und so schon solche übereinkommen haben, aber keine ausgeklügelten Pläne, in denen alles geregelt ist, sogar wer welchen Weihnachtstag wann mit welchem Elternteil verbringt (und was ist mit Menschen, die keine Weihnachten feiern? Gibt es auch Fastenbrechen-Pläne?). Ich muss das gerade mal ergoogeln (was ja bekannterweise nicht ganz so einfach ist, weil das Googeln auf einer noch sehr fremden Sprache doch mit einigen Tücken verbunden ist).

 

22.4.2020: Corona-Isolation Woche sechs

Am Dienstagabend hat Premierminister Rutte informiert (https://www.npostart.nl/nos-journaal-persconferentie-coronamaatregelen/21-04-2020/POW_04663088) (ich frage mich, wie die Entscheidungsfindung in diesem Land bei Corona vonstattengeht… Kann das Rutte alles selber entscheiden? Am Montag gab es in den Nachrichten ein schönes Bild: Rutte kam mit dem Fahrrad zur Beratung mit seinen Ministern. Ob er das wohl öfters so macht? Scheint, als würden die Bundesräte nicht nur in der Schweiz mit dem ÖV fahren. Muss mal die Leute fragen): Sehr ähnlich wie in der CH gibt es keine grossen Lockerungen, aber erste Schritte. Hier sind es nicht zuerst die Coiffeure, Physios und ähnliche ‚Kontaktberufe’, die ihre Arbeit wiederaufnehmen dürfen, sondern die Kinder, welche zuerst profitieren. Nach den Maiferien sollen sie in kleinen Gruppen wieder zur Schule gehen dürfen. Das wird wohl heissen, dass an einigen Wochentagen die einen Kinder gehen, an den anderen die anderen. Wir hoffen natürlich, dass die Schule bei der Einteilung dieser Gruppen nach Nachnamen vorgeht, sprich unsere beiden Kinder an denselben Tagen gehen können. Wenn sie aber die Gruppen berücksichtigen, könnte es anders kommen. Für uns wäre das jetzt keine Katastrophe, weil wir in der extrem privilegierten Situation sind, dass Numa zu Hause ist, aber es wäre doch sehr mühsam. Für uns ist klar, dass wir dann die Kinder über Mittag in der Schule lassen. Erstens damit sie länger dort sind, wir länger Pause haben, zweitens dass sie so mehr mit ihren Kamerad_innen spielen können, drittens dass sie noch mehr Sprachbad haben, viertens weil das Holen und Bringen einen weiteren Aufmarsch von Eltern verursacht. Weiter hat die Regierung beschlossen, dass die Kinder (draussen) auch in Gruppen wieder Sport treiben dürfen. Alles Weitere ist noch offen, am 14.5. will die Regierung über nächste Schritte ab dem 20.5. informieren.

Ich bin immer mehr zur Überzeugung gelangt, dass die ergriffenen Massnahmen einer kleinen Gruppe von sehr privilegierten Weltbürger_innen hilft (und auch von diesen ausgedacht wurde; also wir), für die grosse Mehrheit der wenig privilegierten Personen werden sie jedoch desaströse Folgen haben. Wenn ich höre (https://www.srf.ch/play/radio/sendung/echo-der-zeit?id=28549e81-c453-4671-92ad-cb28796d06a8), das zB in Südafrika passiert, wie die Polizei und das Militär dort gegen die Ärmsten vorgeht und welche schmerzhafte Erinnerungen das an die Vergangenheit weckt, dann ist das zum Kotzen. Diese Staaten werden noch mehr Schulden aufnehmen, für dessen Bewirtschaftung dann mehr als die Hälfte des Staatshaushaltes draufgeht. Die Strukturen sind unglaublich ungerecht. So viel zum Thema moral anthropology (Didier Fassin 2012), das gerade in unserer reading group ansteht.

Gestern fuhr Numa mit den Kindern in den Wald und hat dort gegessen. Sprich, ich hatte ab ca. 11 Uhr Ruhe und konnte am Nachmittag auch in aller Ruhe ein online Gespräch führen. Mali hat am Morgen viel geweint und sich über Kopfschmerzen beklagt. Am Abend dann nochmals. Sie konnte auch nicht einschlafen und ich musste neben ihr liegen. Finde es immer schwierig einzuschätzen, was sie genau hat: Einen schlechten Tag mit viel Traurigkeit oder wirklich körperliche Beschwerden? Wenn letzteres, wie stark sind sie? Oftmals vergisst sie ihre Leiden während des Spielens. Sie waren im Bos bei einem der Seen, wo es eine Art Spielinsel hat. Es war auf der einen Seite fast windstill und das Wasser anscheinend gut 15 Grad. Also bestes Badekleidwetter. Und Spielplätze mit Wasser können sie hier. Mit einer Seilbahn kann man übers Wasser fahren, auf sich bewegbaren Flossen von der einen Seite zur anderen kommen etc. Als Mali bei Numa eine kurze Pause machte, habe sich Alma bei einer Familie angeschlossen, die in der Nähe sass. Die Mutter habe mit dem jüngsten Kind mit dem Ball gespielt. Alma ging einfach dazu und hat gefragt, ob sie mitspielen kann. Stark!

Ich bin überzeugt, dass sie in dieser Zeit sehr viel lernen. Es gibt die Momente, in denen ich mich nach unserem Bett zu Hause sehne, oder nach der Aare, aber meistens bin ich ganz glücklich, hier zu sein. Obwohl wir ja kaum jemanden kennen und immer nur zu viert sind. Und ja, es ist oft anstrengend und gerade wegen dieser Pandemie noch viel mehr. Aber ich bin überzeugt, dass wir diese Zeit in einmaliger Erinnerung halten werden. Wir haben so viel Zeit mit den Kindern, können ihnen zugucken, mit ihnen Neues entdecken, viel draussen sein, sie so spielen und lernen lassen. Gestern waren wir nach dem Abendessen im Park kurz Kubb spielen. Alma war zwar schon ‚hinüber’, hat fast die ganze Zeit geweint und fand, sie sei die Ärmste auf der Welt, sie haben viel weniger Puppen als Mali,… und dann hat sie bei Spiel auch noch verloren, ganz schwierig. Ich betrachte den Park wirklich schon ein wenig als unseren Garten. Um 21 Uhr wird es hier momentan erst langsam dunkel. Das wird nun noch knapp vier Monate so sein – extrem toll und macht grosse Lust, noch mehr zu entdecken, z.B. mal mit den Kindern unter freiem Himmel zu übernachten und so. Hoffentlich wird diese Zeit noch kommen, lieber früher als später.

Gestern hatte ich ein sehr interessantes und langes Gespräch. Eine Gruppe von Freunden hat eine WhatsAppGruppe, nur unter Väter und nur zu Kinder-related issues. Sehr spannend! Am liebsten hätte ich gefragt, ob ich nicht in den Chat aufgenommen werden könnte, aber mir ist schon klar, dass das too much wäre. Aber vielleicht ist eine Gruppendiskussion nach Corona mal möglich. Vielleicht wenn ich koche und Bier serviere oder so. Muss mir mal etwas überlegen. Oder mit ihm besprechen. Dem Research Participant hat es nicht an Selbstvertrauen gemangelt, er war witzig und reflektiert, total angenehm und easy für ein solches Gespräch. Hat auch mehrmals nach meiner Meinung gefragt, daher war auch ein gewisser Austausch vorhanden. Gleichzeitig finde ich es schon spannend, dass Männer oftmals den Eindruck erwecken, als hätten sie kaum Zweifel. Es ist schwer in Worte zu fassen, es ist vielleicht auch lediglich eine Art zu kommunizieren, weniger abwartend, abtastend, nicht jemandem zu nahetreten wollen. Ich weiss von mir, dass ich extrem so bin, irgendwie auch ziemlich konfliktscheu. Anscheinend seien sie hier viel direkter. Mir ist noch nicht so viel davon aufgefallen, aber eben, hatte auch noch nicht so viele Gelegenheiten, um das festzustellen. In den Gesprächen sagen die Väter schon, dass sie lieber direkt etwas ansprechen würden.

 

4.5.2020: Corona-Isolation Woche acht

So, back to work. Kann zwar nicht behaupten, ich hätte die letzte Woche gar nicht gearbeitet, aber doch deutlich weniger als normalerweise. Es ist auch nicht so einfach, Ferien zu machen, wenn sich am Alltag äusserst wenig ändert. Dazu kam, dass das vorfrühlingshafte Wetter uns leider verliess. Gut für die Bauern und die Natur im Allgemeinen, schlecht für alle, die nun Maiferien hatten. Zuerst, oder vielleicht auch einfach im Vorfeld, hatte ich etwas den Koller. Es wäre schon toll, wir könnten hier die neue vorübergehende Heimat entdecken, in den Dünen wandern gehen und am Strand herumtollen, resp. ins Wasser gehen. Die Kinder sind eh schon immer im Wasser, egal bei welchem Wetter. Dann war die Woche doch irgendwie gut, auch wenn sehr unspektakulär. Wir haben keinen einzigen Ausflug gemacht. Wann immer es das Wetter zuliess, gingen wir nach draussen. Mehrere Male haben wir die Kinder auch wieder getrennt, was einfach immer gut ist. Ich kann dieses ewige Streiten wegen nichts manchmal kaum mehr aushalten. Gestern Abend habe ich wieder einmal total überreagiert, weil Mali Alma schon wieder schlug. Ich weiss, meine Reaktion hilft leider auch nicht. Manchmal kann ich leider nicht anders. Genau dasselbe, wenn Alma quengelt, grundlos (für mich). Dann habe ich bemerkt, dass es doch nicht grundlos ist, sie hatte Hungers. Leider bemerkt sie das selber mit 4,5 Jahren (noch) nicht.

Mit Alma habe ich einmal ein Kreidenbild gemacht. Wir haben die Kreide geraspelt und dann mit Wasser zu einer Farbe angemacht. Zuerst am Boden mit Klebeband Rechtecke und Quadrate abgesteckt, dann diese ausgemalt. Sie war ziemlich lange bei der Sache (natürlich abgelenkt von einer Gruppe älterer Kinder, die im Park auf 1,5 Meter Abstand mit einer Lehrerin Sport gemacht haben. Yeah, seit letzter Woche dürfen die Kinder wieder draussen in Gruppen spörtlen!) und am Ende sah es super aus. Immer wieder kamen Leute vorbei, die etwa beim Kaffee gekauft haben und haben uns gratuliert oder sonst einen Kommentar gemacht. Im Anschluss hatte ich schon fast das Gefühl, ich hätte an diesem Morgen Leute getroffen und mich mit ihnen unterhalten. Schon spannend, wie sich so die Dimensionen verschieben, wenn man während Corona an einem fremden Ort ohne Freunde ist.

Ich habe täglich zwischen 1-2 Stunden gearbeitet, vor allem Emails, Kommunikation und Organisation mit (hoffentlich zukünftigen) Research Participants. Und dazwischen etwas für die Reading Group gelesen. Das war furchtbar, konnte mich kaum konzentrieren und hatte das Gefühl, ich würde nichts verstehen. Das habe ich immer mal wieder, aber nun noch mehr. Ich sage mir, das habe mit dem Homeoffice zu tun, aber ist vielleicht auch nur eine Ausrede. Am Freitag habe ich dann voll gearbeitet und bin nach Harlem gefahren für ein Interview. Das erste Mal Zug fahren seit sicher zwei Monaten. Es fühlte sich gut an, so normal. Der Zug war sehr leer und daher war das Abstand halten auch einfach. Zudem war das Interview extrem spannend. Mit einem Fotografen. Schon im Vorfeld hatte ich ein gutes Gefühl und habe mich sehr gefreut, dass er mich kontaktiert hatte. Ist aber auch klar, dass ich Künstler per se spannender finde als ein Mitarbeiter bei einer Fluggesellschaft (so viel zu meinem Bias!). Und wenn man bei jemanden zu Hause ist, habe ich doch auch das Gefühl, mehr über diese Person erfahren zu haben, sie besser ‚zu spüren’, sie gibt viel mehr von sich preis. In einer nicht-Corona-Welt würde ich research participants (sofern das erwünscht ist und es passt) auch gerne mal zum Essen zu uns einladen. Einerseits natürlich, weil wir hier kaum Leute kennen, anderseits aber auch, weil das eine schöne Art des Austausches/mehr Erfahrens wäre und ich so auch etwas zurückgeben könnte. Hoffentlich wird das irgendwann noch möglich sein!

Dies ist die letzte vollständige Zu-Hause-Unterrichten-Woche für uns. Ab dem 11.5. werden die Kinder wieder zur Schule gehen, wenn auch stark reduziert. Weil sie zwei Gruppen machen, wir Mali (als Schulstufe 2) am Montag und Donnerstag gehen, Alma am Dienstag und Freitag. Als wir das erfahren haben, hat es mich zuerst sehr genervt. Wir haben auch besprochen, ob wir nicht bei Almass Lehrerin anfragen sollten, ob Alma nicht doch bei der Gruppe 2 gehen könne. Ich meine, für Numa wird sich kaum etwas ändern, er wird nicht mehr Zeit haben und sich auch nicht nach einer neuen Arbeit umgucken können, wenn er noch jeweils ein Kind zu Hause unterrichten muss, am Mittwoch sogar beide. Wir haben aber dann davon abgesehen, sind ja eigentlich Luxusprobleme. Numa hat Zeit, er arbeitet nicht, also was soll’s. Und für Alma ist es doch besser, wenn sie mit den Kleinen von Gruppe 1 ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie bei Mali und der Gruppe 2 etwas Gas geben werden, weil nun so lange quasi Pause war und sie dann nach den Sommerferien in die 3. Klasse kommen, wo es ernsthafter ums Lesen, Schreiben und Rechnen geht. Ist vorerst für drei Wochen (wobei noch Auffahrt dazwischen ist, das ist dann nur eine halbe Woche), dann sehen wir weiter. Hoffentlich ändert sich das dann.

Ansonsten haben wir hier (leider) noch nicht viele Veränderungen, im Gegensatz zu der CH. Sprich: Noch keine Wiedereröffnung der Restaurants, Museen und Co. Das wäre zu schön. Hätte auch grosse Lust, mich wieder etwas mit Leuten zu treffen oder einige Tage an der Uni zu arbeiten. Morgen muss ich eh hingehen und werde gleich den ganzen Tag dort sein. Muss neue Flyer ausdrucken (überlege mir, ob ich noch etwas zu Covid-19 hinzuschreiben soll). Ich wäre auch sehr glücklich, wir könnten unsere Kinder mal jemandem zum Hüten geben – auch wenn es nur für zwei Stunden wäre. So ganz wenig Zeit zu zweit und ein Bier im Park wäre zu schön!

Gestern haben wir dann doch eine Art Ausflug gemacht – mit der Metro. Habe mich etwas schlecht gefühlt. War das erste Mal, dass ich (neben der Zugfahrt von Freitag für die Arbeit, das ist erlaubt) wieder den ÖV benutzt habe, gleich mit der ganzen Familie. Sie war ziemlich leer und da wir nicht zu einer der ‚Stosszeiten’ unter der Woche gefahren sind, fand ich es vertretbar. Anderseits überlege ich mir natürlich auch, dass wir nicht die einzigen sind, die nun etwas herunterfahren mit der Strenge zu sich selber und den sich auferlegten Vorsichtsmassnahmen. Anscheinend zeigen Studien aus Dänemark, dass schon die Ankündigung einer Lockerung das Verhalten der Menschenmassiv verändert, sprich, dass sie sich weniger an die (Abstands-)Regeln halten. Erstaunt mich gar nicht. Wir haben wohl alle immer mal wieder diese hört-das-denn-nie-auf-Momente, in denen wir verzweifeln wollen. Wie dem auch sei, auf jeden Fall waren wir mit der Metro unterwegs und sind in den Südosten der Stadt gefahren, wo wir seit dem Beginn unseres Aufenthaltes noch nie waren. Natürlich nahm ich das auch als Anlass, um dort Flyer aufzuhängen.

Wir haben Geocaching gespielt, eine Premiere und bin total Fan, weil so sogar Alma, die ansonsten immer mault, wenn sie auch nur wenige Meter gehen muss, total viel zu Fuss spaziert ist. Drei Verstecke gefunden, auf drei Spielplätzen gespielt, im See Gaasperplas gebadet und um fast 2/3 des Sees spaziert. Ist sehr schön dort und eigentlich von uns aus auch gut zu erreichen. Mit Velo zur Metrostation und dann 30 Minuten fahren. Wäre also durchaus was für die wärmeren Jahreszeiten, wobei natürlich unsere beiden Mädchen in den Unterhosen im See gespielt haben (ich trug dabei einen Pulli). Ich war ganz glücklich, dass so etwas nun möglich ist. Und dieses Geocaching ist eigentlich ideal, um mit den beiden zu wandern/spazieren und gleichzeitig etwas Neues zu entdecken.

Letzte Nacht habe ich irgendwas von Ausgang geträumt. Und im Verlauf des Traumes bin ich mir bewusstgeworden, dass wir ja die Abstandsregeln alle kaum beachten…Corona verfolgt nun also schon bis in die Träume. Lustig war auch, als Mali vor zwei Tagen meinte, wenn sie die Chefin des Landes wäre, dann würde sie zuerst erlauben, dass die Coiffeur_sen wieder an die Arbeit gehen und dann erst die Zahnärzt_innen, denn erstere würden ja vor allem hinter dem Kopf arbeiten während zweitere direkt in den Mund gucken, das sei doch für die Ansteckung viel gefährlicher. Ich musste lachen, noch krass die Überlegungen, die sich eine 6,5-Jährige zur momentanen Situation macht.

 

5.5.2020: Corona-Isolation Woche acht

Heute wollte ich wieder einmal an die Uni gehen. Ich habe keine Flyer mehr, da wollte ich neue, leicht abgeänderte drucken. Und hätte auch gleich den ganzen Tag dort arbeiten wollen. Wieder einmal einen ganzen Tag vor dem Computer ohne Gespräche und vor allem ohne Ablenkung durch Kindergeschrei. (Falls das meiner Konzentration nicht geholfen hätte, wäre ich mit dem Latein am Ende gewesen). Nun stand ich also etwas früher als nun in Corona-Zeiten auf, weil ich einen Arbeitsweg hatte. Kurz vor 8 Uhr bei der Uni angekommen, will ich dieses Mal alles richtigmachen: Ich desinfiziere mir die Hände und will mich brav auf der Liste einschreiben. Aber der Mann hinter dem Desk hat etwas dagegen. Was ich denn hier mache: Ich will etwas ausdrucken, weil ich zu Hause keinen Drucker habe. – Die Uni ist geschlossen, da kannst du auch nichts ausdrucken. Ich gucke ihn verdutzt an. Habe ich diese Info nicht mitgekriegt, weil ich die Newsletter der Uni jeweils nur überfliege? Schnell klärt mich jemand auf: Wegen dem Gedenken an die Befreiung durch die Alliierten vor 75 Jahren ist heute ein allgemeiner Feiertag, also Sonntag und daher die Uni geschlossen. Ach diese Ausländer_innen, die aus einem sogenannt neutralem Land kommen und diesen Tag nicht feiern…keine Ahnung haben sie. Dabei habe ich gestern die Nachrichten und das Kranzablegen vor einem absolut leeren Platz in Amsterdam gesehen (durch den König, die spinnen die Niederländer_innen!). Aber ich habe natürlich nicht gecheckt, dass heute ein Feiertag ist, ich Idiot. Tja, ein netter morgendlicher Veloausflug war das.

Gestern habe ich wieder einen walking talk geführt. Obwohl ich seinen Beruf (spannend finde und er auch sonst ganz nett war, plus nicht ganz alles rosig an seinen Erzählungen war, fand ich das Gespräch irgendwie etwas langweilig. Ich frage mich warum. Weil er (zu) ähnliche Einstellungen und Ansichten wie ich habe? Will mit der Familie reisen, damit die Kinder merken, dass nicht alle so leben wie die Leute hier? Beginnt mich dieses individualistische, weisse middle-class Getue zu nerven, weil es mir zu ähnlich ist? Eine innerliche Abscheu, weil mit dem eigenen Spiegelbild konfrontiert quasi? Toll war hingegen, dass es wunderbar lief mit der Sprache: Ich fragte auf Englisch, er antwortete holländisch. Bin ehrlich gesagt ziemlich stolz, dass ich das in so kurzer Zeit so hingekriegt habe. Vielleicht gerade, weil das nicht Erlernen der Sprache einer meiner grössten Probleme/Enttäuschungen in Guinea war? Ich glaube, für die Forschungsteilnehmenden macht es schon einen Unterschied, ob sie sich in der Muttersprache ausdrücken können oder nicht. Wobei hier einige ja auch so gut und gerne E sprechen, dass dies kein Problem ist.

Ein Grund, warum wir nicht ausserhalb Europas gehen wollten, war, dass uns die Grosseltern (und Freunde) rasch besuchen können. Nun werden Nurs Eltern (im besten Fall) uns ein halbes Jahr nicht gesehen haben, wenn wir denn im Juli in die CH zurückkönnen. Bei meiner Schwester und meinen Eltern sind es knapp fünf Monate…

Und was für eine Folge hat Covid-19 für Frauen in der Wissenschaft: https://www.thelily.com/women-academics-seem-to-be-submitting-fewer-papers-during-coronavirus-never-seen-anything-like-it-says-one-editor/

 

6.5.2020: Corona-Isolation Woche acht

Heute habe ich einen weiteren walking talk, wahrscheinlich wiederum zweisprachig. Wir treffen uns im Norden bei der NDMS-Anlegestelle und spazieren dann dort. Darauf freue ich mich. Ist ein spannendes Quartier, in dem sich gerade viel bewegt. Hat tolle Restaurants und Bars, viel ehemalige Industrie und spezielle Neubauten, daneben kleine ehemalige Arbeiterhäusschen, einmal mehr Gentrifizierung pur. Unsere ehemaligen Nachbaren von unten haben beispielsweise ein Haus im Norden gekauft und ihre Wohnung hier verkauft. Gleichzeitig hat es auch unschöne Blöcke, eine wilde Durchmischung. Numa geht mit den Mädels wohl auch in den Norden. Die Sonne ist zurückgekommen und sie fahren an den Naturspieltuin, bei dem wir schon mal waren und werden wohl am nahegelegenen See picknicken. Dort hat es auch einen Bootsverleih, der immer noch offen ist. Müssen das unbedingt bald mal alle gemeinsam machen. Das sind unsere Ausflüge momentan – wenn wir schon nicht in die Dünen und an den Strand können.

Gestern war ja ein Feiertag, 75 Jahre ‚Freiheit’ hahaha, kleine Ironie der Geschichte. Ich habe das im Verlauf des Tages schon wieder vergessen. Habe draussen auch keine Zeichen davon gesehen, war aber auch nicht in der Stadt, sondern lediglich in den Parks. Wenn es um solche WWII-Erinnerungstage mit Kranzniederlegungen vor den Denkmälern oder um die Feier des Königs geht, dann merke ich schon sehr, dass ich hier fremd bin. Ich bin mir das nicht gewohnt und beobachte das auch mit einer gewissen Befremdung. Ich weiss, dass viele in den NL die Monarchie als unnötig betrachten und eigentlich abschaffen möchten (wie viele?), anderseits sind doch dann alle in orange gekleidet und singen ‚hoch soll er leben’. Ist wahrscheinlich nicht nur die Monarchie, mit der ich Mühe habe, sondern auch der gelebte Nationalismus.

 

8.5.2020: Corona-Isolation Woche acht

Langsam, langsam mehren sich die positiven Meldungen. Vor zwei Tagen hat Rutte angekündigt, dass es weitere Lockerungsmassnahmen geben wird (https://www.npostart.nl/nos-journaal/06-05-2020/POW_04508321). Ab Juni gehen die Mittelschulen wieder auf, Museen, Bäder, Theater, Konzerte etc. ebenfalls. Auch die Restaurants und Bars sollen auf den Terrassen wieder bedienen dürfen. Alles natürlich unter strengen Vorlagen und nur, wenn sich die Zahlen weiterhin so positiv entwickeln. Eine Woche vorher wird definitiv entschieden. Die Kontaktberufe sollen schon früher wieder an die Arbeit können. Numa war gestern beim Zahnarzt. Da hat er im Vorfeld per Mail eine lange Liste mit Sicherheitsmassnahmen studieren müssen, aber vor Ort sei das dann gut gegangen. Ich selber habe auch absolut keine Bedenken für meine Kinder oder für mich, wenn nun die Schulen wieder öffnen. Sie waren all die Wochen (mit einer kurzen Pause von zwei Wochen) mit anderen Kindern auf den Spielplätzen am Spielen. Sie zählen die Nächte rückwärts, bis sie wieder in die Schule gehen können. Bin überzeugt, dass es für beide ganz wichtig sein wird und auch eine positive Auswirkung auf ihre Beziehung, resp. auf den gegenseitigen Nerv- und Streitfaktor haben wird. Wir sind ja mittlerweile so weit, dass Numa ein Schild machen musste, auf dem Klar ist, wem er am Morgen zuerst die Zähne putzt. Finde ich schon etwas krass. Wir sind damit sicher nicht alleine, gerade am Mittwoch hat mir ein Vater erzählt, dass sein 16-jährigerSohn den 14-jährigen total unter der Knutte hat, ihn mehrmals pro Woche schlägt und ihn bei jeder Gelegenheit klein macht. Somit hoffentlich auch auf unsere Gesamtfamilienatmosphäre.

 

11.5.2020: Corona-reopening week one

Habe heute Morgen Mali zur Schule gebracht. Sie hat sich im Vorfeld so darauf gefreut, aber dann gestern beim Abendessen musste sie plötzlich weinen (müde…). Sie hatte Angst und war wohl nervös und unsicher, weil sie normalerweise (was heisst das schon, normalerweise. Das war in den ersten paar Wochen, Januar & Februar) am Mittag durch Numa abgeholt wurde und zu Hause ass. Nun essen alle Kinder in der Schule und werden erst um 15h abgeholt, damit es kein Kommen und Gehen durch die Eltern gibt. Sie meinte, dass sie es nicht gewöhnt sei, so lange in der Schule zu sein. Numa hat sie dann super beruhigt, sie habe das auch schon zwei Mal getan, als sie einen Ausflug mit der Klasse gemacht haben. Zudem sei es früher für sie schwierig gewesen, in die Schule zu gehen, wenn sie wusste, dass Alma zu Hause mit Numa sein darf. Das sei nun zwar auch so, aber am Dienstag wechsle das dann und sie sei alleine mit ihm. Das hat sie rasch beruhigt. Heute Morgen war sie positiv aufgedreht, kein kritisches Wort mehr.

Ich fuhr sie mit dem Fahrrad hin. Dort angekommen standen einige Mütter verstreut vor dem Eingang. Am Boden war eine Zone gezeichnet, über die die Eltern nicht kommen dürfen. Dahinter stand eine Frau (kenne sie nicht), welche den Müttern Anweisungen gab (nicht hierhin kommen) und den Kindern, welche in den Pausenhof kamen, die Hände desinfiziert hat. Die Kleinen hat sie dann nach hinten zu zwei Frauen gebracht. Ich kannte beide nicht, also nicht eine der beiden Lehrerinnen von Mali. Zum grossen Glück hat Mali absolut nicht reagiert. Sie ging zur Frau mit dem Desinfektionsmittel, als diese sie rief, liess sich zu der Gruppe Kinder nach hinten bringen und winkte mir zu, als sie in das Schulhaus gingen. Wenn sie Mühe gehabt hätte (, wie das oft der Fall gewesen ist), wäre das schwierig geworden. Sie pflegte sich an unseren Beiden festzukrallen oder zumindest mussten wir ihre Hand nehmen und sie der Lehrerin direkt geben. Aber nichts dergleichen, grosses Mädchen, bin stolz und erleichtert. Es ist so toll, zu sehen, wenn sie ihre Schritte machen. Zu meinem Erstaunen waren sie nur sechs Kinder – und das von zwei Klassen. Sie waren ja eh schon kleine Klassen (zum Glück!), aber dass nun so wenig Kinder kamen, hat mich schon erstaunt. Das Abholen findet dann auf der Rückseite der Schule statt.

Alma ist zu Hause auch ganz glücklich. Sie kriegt die ganze Aufmerksamkeit von Numa, hört Musik, spielt mit dem Bär Biberbande, darf auf dem Handyapp mit der Einkaufsliste helfen und geht nun einkaufen. Kein Geschwisterstreit mehr. Vielleicht findet sie es mit der Zeit langweilig, alleine mit Numa zu sein ohne ihre Schwester, aber gerade heute scheint es eine tolle Abwechslung zu sein.

Am Samstag haben wir einen tollen Ausflug in den Norden gemacht. In der Nähe des Naturspielpatzes, bei dem wir mal waren, hat es einen Bootsverleih bei einem kleinen See. Um 9:20 fuhren wir los, um 9:50 auf der Fähre (im T-Shirt, kein Wind, Vorsommergefühl), um 10:30 hatten wir unser Ruderboot. Die Kinder waren zu Beginn etwas nervös, aber dann hat es ihnen (und auch uns) super gefallen. Die Umgebung ist so schön, um diese Zeit auch noch relativ ruhig, Taucherentenbabys auf ihren Nestern im Schilf, das Wasser klar, die Sonne schien. Das Rudern hat auch Spass gemacht. War streng und ich bin nicht so begabt, was das Steuern anbelangt, musste schwer fluchen. Danach noch etwas an einem der vielen Strände, auch schön. Nur die vielen frei umherrennenden Hunde haben mich genervt. Pissen irgendwo an den Strand, rennen über Tücher, fressen das Essen und jagen den Kleinen Angst ein. Wir hätten wohl an einen Strand gehen sollen, wo Leinenpflicht besteht, die gibt es auch. Da wir so frühgegangen sind, waren wir antizyklisch unterwegs. Bei der Rückfahrt kamen ganz viele Velofahrer_innen entgegen und bei der Fähre über den IJ gab es auf der Seite im Süden eine Warteschlange. Da nur ca. 55 Personen auf eine Fähre dürfen (normalerweise sind es 240), stand einer vom Personal dort und hat die Leute gezählt, resp. dann gestoppt, als die Fähre voll war. Sie fuhr auch die ganze Zeit hin und her, nicht mehr gemäss Fahrplan wie normalerweise. Ob sie das immer anpassen, wenn schönes Wetter und so viel Andrang ist?

Ist allgemein krass, kaum werden Lockerungsmassnahmen beschlossen, werden die Leute wieder super lasch. Am Freitagabend war ich mit den Rollerblades in der Stadt unterwegs, wollte neue Nachbarschaften entdecken. Überall waren Menschen. Der Vondelpark war voll. An den Ufern der Grachten sassen Leute und waren am Aperölen. Ich fand das erstens etwas verantwortungslos und zweitens hatte es mir schon wieder viel zu viele Leute. Diagnose: Eindeutig kein Grossstadtmensch.

Meine Mutter hat erzählt, sie sei bei ihrer Ärztin gewesen und habe nach einem Test gefragt, um herauszufinden, ob sie Corona gehabt habe. Die Ärztin riet ihr an, noch zu warten. Die momentan verfügbaren Tests seine noch zu unzuverlässig, aber bald würde Roche (?) einen auf den Markt bringen, dann könne sie sich testen lassen. Ob die hier auch erhältlich sein werden? Ob sich dann alle, die wollen, testen lassen können, oder muss man dann eine Verordnung vom Hausarzt_in haben? Gerade bei Numa bin ich neugierig, ob der Geschmacksverlust Corona war.

In Bern und anderen CH-Städten gab es am Samstag anti-Corona-Massnahmen-Demos (https://www.derbund.ch/hunderte-gehen-gegen-corona-diktatur-auf-die-strasse-425487657630). Bin nicht ganz schlaugeworden, wer da genau auf die Strasse ging. Kann ganz gut verstehen, wenn man mit den Massnahmen nicht einverstanden ist. Momentan werden kurzzeitfolgen (wie viele direkten Corona-Tote) gemessen und keine Langzeitfolgen (wirtschaftlich, sozial, individuell, …) – wie das eigentlich sehr oft der Fall ist – und das ist durchaus kritisierbar. Die Konsequenzen mögen in der CH um einiges weniger krass sein als in Ländern mit viel mehr Armen und einem schwächeren Sozialstaat (z. B. USA), aber auch in der CH (https://www.watson.ch/schweiz/coronavirus/932528009-coronavirus-menschen-stehen-in-der-schweiz-stundenlang-fuer-essen-an) und in den NL (z. B. https://www.houtensnieuws.nl/deeljenieuws/lokaal/340709/de-voedselbank-hard-nodig-tijden-van-corona-702208) nehmen beispielsweise die Anfragen für gratis Essen massiv zu. Wie sich in der momentanen Situation Impfgegner_innen bestärkt fühlen können, ist mir hingegen ein Rätsel. Wie naiv kann man sein, um so schnell Verschwörungstheoretiker_innen auf den Grund zu gehen? Hier und in der CH scheinen Theorien über einen Zusammenhang von 5G und Covid-19 verbreitet zu sein. Hier kommen mehrmals die Woche Nachrichten über abgebrannte Sendemasten.

 

12.5.2020: Corona-reopening week one

Mali kam gestern glücklich und müde aus der Schule zurück. Ich war natürlich die superinteressierte und neugierige Mutter, die alles genau wissen wollte. Mali war das ziemlich egal, sie mochte nicht wirklich viel von ihrem Schultag erzählen. Komischerweise waren beide Halbklassen zusammen bei Malis Lehrerin. Ich nerve mich ein wenig darüber. Die Idee sollte sein, dass es kleinere Gruppen sind (das wurde auf jeden Fall so kommuniziert). Wenn nun zwei Halbklassen zusammengenommen werden, dann ändert sich an der Gruppengrösse nichts. Es kann gut sein, dass nicht alle Lehrpersonen einsetzbar sind, aber dann sollen sie das so kommunizieren. Für uns Eltern ist es einfach nur mühsam, dass wir die Kinder nicht die ganze Zeit schicken können und in unserem Fall, dass mind. immer eine der beiden zu Hause ist.

Heute beim Bringen von Alma ging es auch super, bin stolz! Bei ihr hatte ich mehr Bedenken. Sie hat gerade vor der Schulschliessung erst das fast volle Schulprogramm absolviert. Und das Tschüss-sagen war jeweils noch schwierig. Wir kamen an, die Frau mit den rot gefärbten Haaren war dieses Mal am Kinderhände desinfizieren. Sie sah Alma zuerst nicht. Im zweiten Anlauf getraute sich Alma, sich ihr zu nähern, Hände wurden desinfiziert und dann kam die Schulleiterin und Turnlehrerin und hat Alma hinüber zu ihrer Gruppe gebracht. Ich habe erst etwas später bemerkt, dass Alma ziemlich verloren alleine dastand, weil die Schulleiterin irgendwas mit den grösseren Kindern, die auf dem Pausenplatz am Spielen waren, geregelt hat. Alma stand in dieser Zeit verloren umher. Wir denken, sie wollte ja nichts Falsches tun. Die Schulleiterin ging also wieder zu ihr und brachte sie zwei Meter weiter, wo die anderen Kinder aus der Gruppe 1 waren. Ich glaube, die Lehrerin war auch dabei. Mali hat erzählt, sie hätten gestern keinen Abstand halten müssen. Zwischendurch hätten einige Kinder was gesagt. Sie haben draussen auf dem Pausenplatz Sport gehabt, mit dem Sportlehrer.

Als wir am Samstag am Strand lagen, lag Numa in einem Buch von Jester Juul zum Thema Aggressivität. Er fand ein Zitat, wonach viele Väter ihre Söhne (und einige wilden Töchter) vor einer psychologischen Diagnose bewahren würden, indem sie viel mit ihnen kämpfen. Ich habe mich zwar gleich wieder über sein antiquiertes und stereotypisches Bild von Müttern und Vätern geärgert, aber der Aussage kann ich grundsätzlich zustimmen. Ist etwas, was Numa in Kampfesspielausbildung immer wieder besprochen hat. Und bei uns zu Hause ist kämpfen schon immer und momentan noch mehr hoch im Trend. Insbesondere Mali fordert ihre tägliche Portion, manchmal auch mehrmals täglich. Eine Mischung aus kämpfen und kitzeln, viel lachen, eigenen Körper besser kennenlernen, Stärke dosiert einsetzen, Körperkontakt, sich messen.

Ich habe mich nun entschlossen, dass ich momentan keine Flyer mehr ‚vaders gezocht’ aufhänge. Wenn sich noch welche melden, dann führe ich gerne weitere Interviews. Gestern habe ich mich auch bei einem Vater wieder gemeldet, der sein Interesse mehrmals kundgetan hat, sich aber dann nicht mehr gemeldet hat. Es ist ihm untergegangen und er will gerne mitmachen. Habe mich auch heute noch bei einem gemeldet, der für ein Unimagazin mit mehreren Wissenschaftler_innen aus den unterschiedlichsten Disziplinen zum Thema Vaterschaft gesprochen hat und das mit seinen eigenen Erfahrungen verbunden hat. Aber ansonsten habe ich mir vorgenommen, dass ich konkret nach Personen suche, die bezüglich mind. einer Identität nicht meinem bisherigen ‚Beuteschema’ entsprechen. Habe also zwei gay fathers angeschrieben, deren Kontakte ich organisieren konnte. Der eine hat sich gemeldet, mit ihm spaziere ich am Donnerstag dem Sloterplas entlang. Aber es ist nicht ganz einfach, an diese Zielgruppe heranzukommen – wohl auch, weil sie zahlenmässig eher klein ist. Einer von der Uni hat mir geschrieben, es wäre viel einfacher, mir Kontakte von lesbischen Müttern zu vermitteln als von homo Väter. Hier spielt die Biologie definitiv eine Rolle.

 

14.5.2020: Corona-reopening week one

Bei Alma schienen sie in Halbklassen unterrichtet zu haben: Ihre Klasse mit der einen Lehrerin, die andere mit der Schulleiterin. Heute, als ich Mali in die Schule gebracht habe, waren die Schulleiterin und ihre Lehrerin anwesend. Zu Hause hat Mali noch geweint, sie wolle nicht zur Schule gehen, das Abgeben sei schwierig für sie, dort lief es aber problemlos. Ich glaube, sie hat zu wenig geschlafen und war dadurch schneller traurig. Seit wir an diesem Morgen die Polizei vor dem Nachbarhaus angetroffen haben, das viele Glas und Blut am Boden, hat sie wieder vermehrt Ängste und Mühe beim Einschlafen. Kann ich gut verstehen, auch wenn natürlich etwas mühsam, wenn wir noch 2 Stunden Zeit für uns haben möchten. Wird hoffentlich wieder vergehen.

Gestern waren wieder beide Kinder zu Hause. Mali war am Nachmittag im Monkey Moves (Sport). Das findet bis im September nicht mehr in einer Turnhalle, sondern auf einem Spielplatz statt. Gestern haben sie anscheinend die grösseren und kleineren Kinder zusammengenommen, so dass Alma auch hätte mittun können. Sie hatte aber gleich Krise. Numa verstand zuerst nicht warum. Erst später konnte sie sagen, dass sie Angst hatte, dass sie die Sachen nicht so gut kann. Krass, wie sie sich da noch selber im Weg steht. Und auch verständlich, immer mit der grösseren Schwester zusammen, welche die Sachen besser kann. Dann die eigene Erwartung, ja nichts falsch zu machen. Mali hätte auch gar keine Freude gehabt, wenn Alma mitgemacht hätte

Als wir gestern Abend der Nachbarin Muffins gebracht haben und zu ihr in die Wohnung gebeten wurden, war Alma total aufgedreht und hat non-stopp geplappert, wirklich non-stopp und selbstverständlich in ihrer gewohnt lauten Stimme. Ich musste so lachen, weil der Mix aus holländischen, schweizerdeutschen und hochdeutschen Wörtern wunderbar war. Man versteht bei ihr die Sachen, die sie erzählt schon auf Berndeutsch nicht, wenn der Kontext nicht klar war, die arme Nachbarin hatte nicht nur den Kontext nicht, sondern verstand auch die Hälfte der Wörter nicht. Zwischendurch habe ich etwas erklärt und Mali hat auch mal ein Wort auf Holländisch ergänzt oder richtig ausgesprochen. Für mich war es einmal mehr sehr frustrierend. Da hat man das Gefühl, sehr viel zu verstehen, aber das Sprechen geht einfach überhaupt nicht. So habe ich halt auf Englisch gewechselt, sie aber gebeten, auf Holländisch zu antworten.

Ich frage mich schon, ob ich das mal noch besser lerne. Wo und mit wem kann ich sprechen? Eigentlich sollte ich gerade solche Gelegenheiten nutzen, um es zu üben, aber ich bin erstens zu ungeduldig, zweitens nerve ich mich über meine schlechte Aussprache (keine Ahnung, warum ich das nicht besser kann), drittens kommen mir die Wörter nicht in den Sinn. Grrrr, so ein Frust. Natürlich kann man jetzt sagen, wir seien noch nicht so lange da, aber die Zeit rennt irgendwie auch. Wenn wir aus den Sommerferien in der CH zurückkommen, ist schon bald Herbst und dann ist für uns eigentlich schon Halbzeit. Manchmal denke ich eh, dass die Zeit hier derart fliegen wird (insbesondere, weil hier ja drei Monate abgeschottet gelebt haben), kaum lernen wir Leute kennen, werden wir schon wieder nach Hause gehen.

 

15.5.2020: Corona-reopening week one

Auch heute ist Alma problemlos in die Schule gegangen. Bei ihr sind an den beiden Tagen unterschiedliche Lehrpersonen. Gestern, als Alma und ich Mali am Nachmittag abholen gingen, kam noch ihre Lehrerin nach draussen und meinte, sie habe Mali 8 Wochen wegen Corona nicht gesehen, aber in dieser Zeit habe sie grosse Fortschritte in der Sprache gemacht. Schon vorher habe ich sie gut verstanden, weil ich ein wenig Deutsch verstehe und sie die Sprachen mischt, aber für die anderen Kinder war das schwierig. Nun verstehen sie aber auch die anderen Kinder viel besser, weil sie viel mehr holländisch spricht. Das ist auch für sie toll. Wie ist ein solcher Fortschritt möglich? – Mit anderen Kindern auf Spielplätzen gespielt, kikker en zijn vriendjes geguckt, und die Sachen von der Schule (gut, das habe ich vergessen zu sagen, auch die vielen Kinderbücher, wie wir mittlerweile haben. Und ich denke, die vorgelesenen Bilderbücher sind super diesbezüglich). Wie es ihr gegangen sei und gehe – Ich will eigentlich unterrichten und nicht die ganze Zeit putzen, das ist mühsam. Aber wir müssen das halt so machen. Die Zeit war für uns auch nicht einfach. Sobald es zu viele Leute auf dem Spielplatz gab, mussten wir zurückgehen. Und nur drinnen sein, das haben die Kinder gar nicht verstanden. Zudem alle dierentuin zu. – Die sind ja jetzt wiedereröffnet worden – Genau, man kann online einen slot reservieren, damit nicht zu viele Leute gleichzeitig dort sind. Ich frage mich, für welche das wohl gilt. Der grosse Zoo ist meines Wissens noch zu. Die Kleinen bei den Spielplätzen haben wohl kaum die Kapazität, um eine solche online Präsenz zu haben und beim Eingang zu kontrollieren.

Die Sache mit der freien Schulwahl ist für uns schon sehr ungewohnt. Das GB-System mit öffentlichen und privaten Schulen und die Effekte auf die soziale Durchmischung, resp. Segregation sind so einigermassen bekannt. Hier sind zwar alle vom Staat unterstützt, aber in der Realität hat das Schulsystem doch zur Folge, dass die einzelnen Milieus stark unter sich bleiben. Der gestrige research participants hat erzählt, dass sie im Süden der Stadt gewohnt haben, also in einem sogenannt ‚reichen’ Teil. Sie waren aber sehr ‚politisch korrekt’ (seine Worte), so dass sie ihre Tochter in eine ‚schwarze Schule’ in de Pijp geschickt haben. Damals war natürlich de Pijp noch nicht mit heute vergleichbar, Gentrifizierung war wohl noch kaum ein Thema. Nach einiger Zeit haben sie aber dann die Schule gewechselt, u.a. weil ihre Tochter ‚zu clever’ für diese Schule war.

Vorher eben habe ich auf Facebook einen Post in der Gruppe ‚Amsterdam Mamas’ gelesen (eine Gruppe von Expads, vor allem Mütter und die meisten wohl eher gut betucht). Eine Mutter, die gleich bei uns um die Ecke wohnt, muss ihr Kind in eine Schule einschreiben. Sie hat eine Liste mit möglichen Schulen erstellt und bei einigen ‚priority’ hingeschrieben, so bei den beiden Montessori-Schulen, die in der Nähe sind. Sie wollte dann von anderen Eltern wissen, wo sie ihre Kinder haben und wie die Erfahrungen so sind. Drei Mütter haben geantwortet, sie hätten gute Erfahrungen gemacht mit ihren Schulen. Die eine Mutter gab als Tipp, sie solle doch mal die Eltern anschauen gehen, wenn diese ihre Kinder holen und bringen ob man dieselben Vibes habe. Für mich heisst das: gleiches gesinnt sich zu gleichem. Ich verstehe das einerseits total, bin die erste, die ihr Anderssein in der Schule unserer Töchter bemerkt. Anderseits frage ich mich, was die Idee hinter dieser freien Schulwahl ist. Ist das eine FDP-free-choice-Idee? Wie lange ist das hier schon so? Was sind die Erfahrungen damit? Ich meine, natürlich ist eine Schule in Bern Bümpliz nicht dieselbe wie eine im Kirchenfeld, weil ein anderes ‚Publikum’ in diesen Gegenden wohnt. Wenn aber dann innerhalb einer Gegend noch freie Schulwahl besteht, dann sind die Mittelschichtskinder alle in derselben Schule und die Unterschichtskinder alle in derselben. Kann das der Sinn sein? Man überlege sich das mal für Muri, wo in Nähe Bern wohl die extremsten Unterschiede zu beobachten sind…

 

18.5.2020: Corona-reopening week two

Momentan geht keines der Kinder alleine in den oberen oder unteren Stock, wenn nicht mind. eine erwachsene Person dabei ist. Hey, sie sind 4,5 und 6,5!!! Soviel zum Thema Selbständigkeit. Ich träume von unserer autofreien Siedlung zu Hause, wo immer Kinder klingeln kommen oder unsere einfach mal nach draussen gehen und gucken, welche Kinder auch am Spielen sind. Schon als Alma noch nicht drei war, liessen wir sie gemeinsam mit Mali alleine nach draussen. Und hier zwei Jahre später: Nichts, nicht einmal in den unteren oder oberen Stock alleine. Und wenn eine auf die Toilette geht (oder wir), muss die Tür zum Wohnzimmer ganz offen sein – egal wieviel Kälte da reinkommt (stört ja eh nur mich). Einmal oder zweimal sind sie alleine auf den Spielplatz gegangen und ich fünf Minuten später nach…hätten sie doch nur Freunde hier im Quartier, zu denen sie gehen könnten oder bei denen sie klingeln könnten, um mit ihnen im Park zu spielen. Oder Grosseltern oder eine Kita, welche die Kinder für einige Stunden hüten.

Gestern Abend haben sie in den Nachrichten (https://www.npostart.nl/nos-journaal/17-05-2020/POW_04508581) einen Beitrag gezeigt von einer Frau, die seit Wochen krank ist wegen Corona. Zwar nicht so krass, dass sie ins Krankenhaus muss, aber einfach ewig sehr schlecht bis nicht fit und jedes Mal, wenn sie sich ein wenig besser fühlt, kommt ein Rückschlag. Numa meinte zu mir, das sei uns ja auch so gegangen. Nicht ganz so lang, aber seine total verstopfte Nase dauerte für seine Verhältnisse ewig (er ist ansonsten höchstens so drei Tage etwas mudrig, das ist bei ihm schon krank). Mir ist auch aufgefallen, dass er Abend für Abend Nasenspray nahm – das sollte man nicht, macht abhängig (glaube ich) und kann der Schleimhaus schaden. Und bei mir war es ja auch zwei Mal so, dass ich mich wieder besser fühlte, das Joggen wiederaufnahm und dann begann es wieder von vorne.

 

19.5.2020: Corona-reopening week two

Eigentlich wollte ich heute Nachmittag an die Uni gehen. Bin dann doch zu Hause geblieben, weil 1) Numa und Mali um 14:40 die Wohnung verlassen haben, um Alma von der Schule abzuholen, ich also ungestört arbeiten konnte (es geht eh schon viel besser, wenn nur ein Kind zu Hause ist, das Gstürm hat abgenommen); 2) Meine Beine seit einigen Tagen wieder schmerzen, super mühsam. Fühlt sich wie Gliederschmerzen an und ich dachte, es sei nun vielleicht nicht der Moment, um in dieses öffentliche Gebäude zu gehen, wenn ich daran denke, dass ich mich während dieser Corona-Zeit schon mehrmals ähnlich gefühlt habe – wenn auch damals jeweils mit Halsschmerzen verbunden. Nun fühle ich mich ansonsten gut; 3. In einem Newsletter der Uni explizit stand, dass die Anzahl Leute welche in den letzten Tagen (wohl seit gut einer Woche) an der Uni gearbeitet hat, stark zunahm. Das sei nicht die Idee. Bis wir nicht neue Infos erhalten (wohl heute Abend wieder soweit) sollten wir bis zum 15.5. zu Hause arbeiten und nur in Ausnahmefällen an die Uni kommen.

Mein Schwiegervater hat heute Geburtstag, am Mittag haben sie mit ihm telefoniert. Anscheinend meinten die beiden, dass sie im Juni hierher fahren wollen – falls Züge fahren und sich die Situation in der CH und den NL nicht verschlechtere. Ich persönlich finde das eher etwas mutig, sie sind beide über 70. Aber am Ende sind es nicht meine Eltern und erwachsene Personen, denen ich nichts verbieten will. Selbstverständlich würden wir uns sehr freuen, sie hier bei uns zu haben.

Heute Mittag haben Numa und ich diskutiert, was für ein Glück es sei, dass die Kinder nun so gut in die Schule gehen. Vor der Pause, als wir jeweils (wie die meisten anderen Eltern) noch einige Zeit mit den Kindern in den Klassenzimmern waren, war es für beide viel schwieriger, uns Tschüss zu sagen. Jetzt haben sie manchmal gar keine Zeit mehr dafür. Sie gehen gleich zur Lehrperson durch, die ihnen die Hände desinfiziert und dann weiter zu ihren Lehrerinnen. Wir haben M darauf angesprochen und gefragt, ob es einfacher sei, wenn wir nicht mehr ins Klassenzimmer kommen. Sie ist gar nicht darauf eingegangen (oder hat die Frage nicht verstanden), sondern fand einfach, dass dies nun wegen der Krankheit so sei.

Gestern habe ich mich mit einem Journalisten getroffen, der einen Artikel über die Schwierigkeiten des Vaterseins schrieb – ist natürlich auf grosses Echo gestossen. Als wir miteinander sprachen, rief jemand vom TV an und hat ihn für eine Talkshow am selben Abend eingeladen. Da waren wir dann alle auf dem Sofa und haben uns die Talkshow angesehen. Die beiden Mädchen waren super aufgeregt, weil siewussten, dass jemand zu sehen war, mit dem ich am selben Tag ein Interview geführt habe. Sie haben die ganze Zeit den Bildschirm berührt (weiss nicht, wie oft ich nicht anfassen gesagt habe gestern – und wie oft schon in meinem ganzen Leben…!!!) und voller Aufregung geschrien: Das ist er?!? Ich hatte natürlich grösste Mühe, so etwas zu verstehen. Sie haben auch ziemlich schnell gesprochen und manchmal auch durcheinander.

Mit dem Journalisten von gestern habe ich abgemacht, dass ich ihm schreiben, wenn wir mal (an einem WE) im Erasmuspark sind, seine Töchter sind 2 und 5. Er meinte am Ende des Gesprächs auch, es sei sehr schwierig, hier in der grossen Stadt neue Leute kennenzulernen. Erstens wegen der grossen Stadt und zweitens auch wegen der individualistischen holländischen Gesellschaft. Es würde drei Wochen dauern, bis man mit jemandem fürs Essen abmachen könne-im Gegensatz zu anderen Orten (ich glaube, er meinte mehr die Länder im Süden), wo man immer und überall gleich eingeladen werde und sich auch noch an den Tisch setzen könne. Und momentan in dieser Covid-19-Zeit ist natürlich alles noch schwieriger. Ich lerne keine Personen im Yoga kennen, treffe keine Eltern mehr im Klassenzimmer. Und ja, ich bin nicht die grosse Smalltalkerin und auf dem Spielplatz habe ich noch nie viele Freunde gemacht.

Numa meinte gestern Abend, dass wir seiner Meinung nach bisher sehr gut durch diese Krise gekommen sind. Dass er viel grössere Befürchtungen gehabt habe, als es hiess, die Kinder dürften nicht mehr zur Schule, alles sei dicht, wir erhalten keinen Besuch und und und. Das stimmt. Im Grossen und Ganzen haben wir das alle vier und auch alle gemeinsam bisher gut gemeistert.

Am Freitag haben wir mit einigen aus der Guinea-Gruppe gespielt und am Sonntag habe ich mit meinem research collaborator telefoniert. Tat gut, wieder etwas aus Kankan zu hören. Gerade habe ich meine Sachen von meinem Feldaufenthalt im November/Dezember auf den UvA-Surfer hochgeladen… und wurde nostalgisch. Ich versuche mir zwar einzureden, dass es viel einfacher sei, wenn ich nur hier eine case study mit mehreren Milieus habe, aber das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Ich würde nur zu gerne möglichst bald wieder nach Kankan gehen und dort meine Forschung zum Thema Vaterschaft weiterfahren.

 

20.5.2020: Corona-reopening week two

Es sieht also ganz so aus, als ob die Schulen nach der zweiten Juni-Woche wieder ganz offen wären. Auf jeden Fall hat das Rutte gestern so kundgetan, von der Schule haben wir noch nichts gehört. Die lassen sich vielleicht über diese Tage Zeit, bis sie einen Elternbrief herausgeben. Numa und ich haben beschlossen, dass die Kinder dann auch über den Mittag gehen werden. Ist für ihn viel angenehmer und wird die Kinder weniger herausreissen. Zudem gibt es nochmals mehr Sprachbad. Als wir ihnen das heute Mittag gesagt haben, hatte Mali voll Krise. Sie wolle am Mittag mit uns essen, nicht in der Schule. Dort gebe es nie etwas Warmes. Stimmt, hier essen die Leute am Mittag oft ein belegtes Brot. Das geben wir nun auch den Mädchen in die Schule mit. Aber Mali hatte sowieso Krise, wahrscheinlich weil sie müde war. Gestern konnte sie wieder überhaupt nicht einschlafen. Resp. hatte ich das Gefühl, dass sie schlief (tief geatmet), als ich aber dann (extrem leise) die Türe geöffnet habe, sass sie wieder panikerfüllt im Bett. Sie ist total getriggert. Hat Angst vor einem Dieb und ich konnte mir nicht einmal das Essen wärmen, ohne dass sie weinend oben auf der Treppe sass. Habe dann im Gespräch herausgefunden, dass der grösste Stress davonkommt, dass sie Angst hat, nicht einschlafen zu können und sich über ihr eigenes Nicht-Können masslos aufregt. Alles normal soweit, aber trotzdem mühsam, wenn man endlich etwas Feierabend haben möchte.

An die Uni dürfen wir zwar etwas mehr (gerade PhDs und Postdocs, die zu Hause schlecht arbeiten können und am Abschliessen sind), aber wir sollten immer noch, wenn irgendwie möglich, von zu Hause aus arbeiten. Mit nur einem Kind zu Hause (ausser am Mittwoch), ist das zwar einfacher, weil weniger Geschrei, aber immer noch schwierig. Einerseits bin ich zwar mehr anwesend, vor allem immer am Mittag, anderseits fühle ich mich wie die abwesende anwesende Mutter. Am Morgen, wenn sie aufstehen, will ich meistens gerade mit der Arbeit beginnen.

Morgen fahren wir für vier Tage in ein Häusschen in Friesland – mit dem Zug. Ja, schlechtes Gewissen. Immerhin hat Numa gerade Mundschutz gekauft. Gebe zu, dass ich einen grossen Widerwillen habe, diesen anzuziehen, mais bon. Wir fahren auch relativ früh, damit wir möglichst in leeren Zügen fahren können.

Als ich von meinem Interview mit dem Journalisten am Montag zurückkam, hat mich Numa gefragt, ob es spannend war. Naja, einerseits schon, weil halt extrem viel, dass er erzählt hat, anknüpfbar ist, gerade auch das Jahr in Portugal mit der Familie. Anderseits ist es auch nicht so spannend, weil sehr viel nicht sehr anders ist als mein Leben.

Bei allen Interviews finde ich es eine Herausforderung, wie viel ich von mir erzähle. Manchmal habe ich den grossen urge, manchmal sage ich, dass ich das verstehe, manchmal erzähle ich etwas. Aber vor einer Woche meinte der Research Participant nach dem Gespräch, als wir noch etwas off record geplaudert haben, dass es für ihn gut war, nicht mehr über mich und meinen Background zu wissen, das hätte ihn zu stark beeinflusst. Fand ich eine sehr wichtige Anmerkung. Und muss wohl immer in der Situation entscheiden. Einige frage auch Dinge, wenn ich mich zu Beginn des Gesprächs vorstellen, andere gar nichts. Hoffentlich bin ich sensibel genug, um das mitzukriegen.

 

25.5.2020: Corona-reopening week three

Wir waren vier Tage weg – das erste Mal seit dem Aufenthalt in Gent. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es war, als ich dauernd (oder auf jeden Fall immer wieder) an Konferenzen gereist bin. Dauernd diese Paper und Vorträge vorbereitet habe, dann reisen, weg sein, small-talken und so. Es überrascht mich immer wieder, wie schnell ich mich an das neue Normal anpasse (und der Mensch allgemein), zum Glück. Ähnlich ist es wohl auch mit dem Homeoffice. Meine Diss habe ich mehr oder weniger zu Hause geschrieben. Danach hatte ich an der Unibe einen Arbeitsplatz und war mir sicher, ich würde mind. einen Tag von zu Hause aus arbeiten. Das habe ich dann aber nie getan. Kaum hatte ich mein Plätzchen, war ich nie mehr zu hause. Und sehr froh darüber. Nun seit vielen Wochen wieder zu Hause. Die Uni hat eine Mail geschrieben, dass in Ausnahmen (wenn z.B. von zu Hause aus nicht gut gearbeitet werden kann und man als PhD am Abschliessen sei) wieder von der Uni aus gearbeitet werden könne. Die anderen dürfen Dinge wie Bürostühle oder einen zweiten Screen nach Hause nehmen. Ich muss morgen mal ausdrucken gehen, dann werde ich vielleicht gleich den ganzen Tag dort arbeiten, mal gucken, wie das sein wird.

Wir waren also vier Tage in Friesland. Die friesländische Seenplatte ist also sehr zu empfehlen. Gestern auf der Rückfahrt meinte ich zu Numa, dass ich doch langsam den Reiz der hiesigen Landschaft verstehe. Auch wenn ich immer noch absolut nicht auf dieses flache Land stehe, dass es immer überall Wasser hat, ist für mich als Wasserratte doch sehr toll. Und auch, dass oftmals den Tieren viel Raum gelassen wird (meine Laienmeinung). Die Wasseradern sind sehr oft nicht verbaut. Am Samstag haben wir ein kleines Motorboot gemietet und sind damit durch ein Naturschutzgebiet getuckert. Manchmal kam es mir vor wie in einem Mangrovenwald, einfach ohne Mangroven, dafür mit anderen Bäumen, die manchmal im Wasser gewachsen sind. Wir hatten das Gefühl, ganz Friesland besitzt ein Segelboot. Ob die alle derart viel Geld haben? Gerade im Naturschutzgebiet war es super gemacht: Anlegestellen, grosse Abfallcontainer, bewegen auf den Wegen erlaubt.

Weil wir mit dem Zug hin- und zurückgefahren sind, hatte ich doch etwas ein schlechtes Gewissen. Aber wir fuhren am Donnerstag um 7:30 los. Die Züge (mussten 2x umsteigen) waren sehr leer. Auch bei der Rückfahrt. Gestern war es windig, regnerisch und kalt, daher beschlossen wir, nach dem Packen und Putzen zurückzufahren. So waren wir am frühen Nachmittag wieder hier. Es war schon ein Nach-Hause-Kommen, irgendwie. Habe versucht, den Kindern diese Frage zu stellen, ob sie dieses Gefühl auch hatten, aber sie haben nicht ganz verstanden, was ich meinte. In diesen vier Tagen sind meine Bein-Gliederschmerzen (oder was es auch immer war) verschwunden, fühlte mich fit und ging auch 2x joggen.

Nun fällt es mir etwas schwer, mich wieder auf die Arbeit einzulassen. Die hat mir in diesen Tagen gar nicht gefehlt. Zum Glück fällt nochmals ein verlängertes Wochenende an. Und das Wetter wird wunderbar werden. Wir wollten ja erst eine mini Velotour unternehmen und bei frienden op de fiets übernachten. Aber das lassen wir coronabedingt wohl sein.

 

26.5.2020: Corona-reopening week three

Habe gerade einen Text von Saba Mahmood gelesen und frage mich im Anschluss einmal mehr, was unsere Forschungsthemen über uns als Forschende aussagen. Warum sollten wir uns nur für linksliberale Projekte interessieren? Eine Kollegin meinte während eines Reading Group Meetings kürzlich, dass Kolleg_innen von ihr krass angefeindet werden, weil ihre Forschung zu far right movements ist. Ich hatte in den letzten zwei Jahren eher das gegenteilige Gefühl, nämlich dass es ganz viel Forschung und Konferenzen zu der sogenannt Neue Rechte gibt. Für mich stellt sich nun bei der aktuellen Forschung die Frage, inwiefern ich als Frau/Mutter Forschung zu Männern/Väter machen kann. Ich kann selbstverständlich, aber mit welchen Implikationen. Und wenn die Väter homosexuell sind?

Numa hat gestern begonnen, sich zu überlegen, was er machen wird, wenn die Kinder wieder die ganze Woche zur Schule gehen werden. Wird spannend, wie das wird für uns, ‚back to normal’. Wie ich mich fühlen werde, wenn er nicht die ganze Zeit um und mit den Kindern sein wird. Vielleicht habe ich mich schon so daran gewöhnt, dass sich gar nicht so viel ändern wird. Vielleicht etwas mehr Stress, weil dann wieder mehr alleine mit den Kids und mehr alleine Verantwortung übernehmen für Kochen, Putzen, Essen und und und. Es hat ja schon auch sehr viel Positives, dass wir in dieser Zeit so wenig (eigentlich keine) soziale Verpflichtungen haben. Wenn mal was ist, habe ich schon das Gefühl von: Was, kann ich an diesem Abend nicht selber entscheiden, was ich machen will, gemütlich chillen und so?

Ein Forschungsteilnehmender hat mir die Mailadresse eines möglichen weiteren Interessierten gegeben. Mehr weiss ich nicht. Habe also gegoogelt und als erstes kommen Schlagzeilen einer Person mit demselben Namen, die angeblich eine Frau öffentlich geschlagen haben soll,. Was macht das dann mit mir? Ich weiss ja gar nicht, ob das dieselbe Person ist. Einerseits finde ich es sehr lustig, in welche ‚Kreise’, resp. an welche Leute man bei der Feldforschung immer gelang. War ja in Benin und Guinea auch schon so. Wenn ich äusserlich einen auf voll professionell mache, aber innerlich total lachen muss, ob der Absurdität von gewissen Situationen. Nach dem Managementguru, dem Fotografen und dem Journalisten nun also der Schauspieler, vielleicht. Interessant. Ich finde es auch ganz toll, dass ich ziemlich ohne Vorwissen an solche Personen herangehe. Natürlich kann ich Homepages angucken, aber ich habe keine (einseitige) jahrelange Beziehung zu öffentlichen Personen hier, weil ich absolut keine kenne. Da kann ich total unverkrampft und ohne grosse Vorurteile herangehen (hoffe ich zumindest).

 

28.5.2020: Corona-reopening week three

Gestern Vormittag war ich mit den Kindern. Alma hatte eine grosse Traurigkeit, die sie überkam. Dann hat sie das Gefühl, dass sie keine Spielzeuge hat, dass es noch viel zu lange dauert, bis sie Geburtstag hat und dass sie nie alleine Post erhält. Sie weinte herzzerreissend und sagte: I wott hei id Schwyz. Das hat sie bisher noch nicht so oft gesagt. Jetzt können wir versuchen, sie zu beruhigen, indem wir sagen, es dauere nur noch einen Monat, bis sie wieder in der Schweiz sei – wenn auch nur für fünf Wochen, aber immerhin. Wir waren dann shoppen. Mit Alma ist das immer etwas nervenaufreibend, weil sie dann alles kaufen will (vor allem die hässlichen Glitzersachen) und anschliessend noch auf einem Spielplatz. Auf der Fahrt vom Geschäft dorthin fuhren wir wieder durch mir noch unbekannte Strassen, die alle so schön nach heile Welt aussehen. Schöne Häuser, oft mit Blumen (Rosen!) auf der Strasse oder an der Hausfassade. Und mehrere ältere Leute (etwas Hippie) auf Bänken vor den Türen. In mir verursachte dieser Blick ein Gefühl des Ausgeschlossen-sein, komisch. Dann wird mir schmerzhaft bewusst, dass ich nicht mit einer anderen Familie mit Kindern im Alter unserer Kinder auf einem Spielplatz abmachen kann. Dass wir auch niemanden haben, um Wochenendpläne zu schmieden.

Die Unterschiede in dieser Stadt werden mir dann auch immer sehr bewusst. Abends fuhr ich in den Neuen Westen. An einem Ort fiel mir auf, dass sich viele Junge (Paare?) in oder mit ihren Autos treffen. Ganz in der Nähe kamen mir zwei sehr Junge händchenhaltend entgegen, sie mit Kopftuch. Als sie mich sahen, liessen sie die Hände gleich los. Ob sich an diesen Orten die muslimische (ältere) Jugend weg vom Eltern/Familienblick trifft? Ich bin auch an einem Sportplatz entlanggekommen, der total voll mit Kindern und Jugendlichen war, die ein Kickboxtraining absolviert haben. Es war total beeindruckend, wie die teils noch jungen Kinder die ganze Zeit ‚getänzelt’ sind und zu zweit auf Abstand verschiedene Übungen gemacht haben. Einige Mädchen trugen Kopftücher. Allgemein habe ich das Gefühl, dass hier die Kinder etwas später ins Bett gehen als bei uns. Wobei das ‚bei uns’ sich wohl eher auf unsere Kinder bezieht. Gerade wenn sie nicht schlafen tagsüber und Schule haben, sind sie abends fix und foxi.

 

2.6.2020: Corona-reopening week four

Schon Woche vier der Öffnungen, die Zeit verfliegt wirklich. Gestern um 12h gingen hier die Terrassen wieder auf. Anscheinend waren sie überall sehr gut besetzt. Kein Wunder, wenn sich alle so freuen, endlich wieder mit Freunden ‚eis ga z zie’. Als wir von der Amstel zurückführen, waren überall die Leute draussen, gute Stimmung. Das tolle Wetter hat sicherlich das Seine dazu beigetragen.

Ende letzte Woche haben wir via Schulchat erfahren, dass diese Woche noch alles wie bisher läuft, also reduzierter Betrieb, es sich nächste Woche aber ändern könnten. Sie müssten noch auf die Richtlinien der Gemeinde warten. Heute beim Bringen von Alma meinte aber die eine Lehrerin, dass Mali ab nächster Woche wieder normal in die Schule gehen könne – hoffen wir es. Dann hätten die beiden immerhin noch vier Wochen voll Unterricht (wobei wir Alma wohl am Mittwoch noch zu Hause lassen würden, dafür an drei Tagen inkl. dort Mittagessen bis um 15h). Ich glaube, das wäre für alle gut. Danach haben sie ja sechs Wochen wieder kein holländisch mehr, auch nicht auf den Spielplätzen. Wir sehen nun, wie die Spielsprache bei gewissen Themen (Schule) langsam zu switchen beginnt. Alma wechselt mitten im Satz mehrere Male die Sprache, wenn sie uns etwas von der Schule erzählt – nicht immer einfach zum Folgen. Und auch kleine Wörter ändern sie.

 

4.6.2020: Corona-reopening week four

Es ist offiziell, die Kinder gehen nächste Woche wieder voll in die Schule. Sie müssen alle auch über Mittag dortbleiben. Wir hätten das eh so gemacht, aber ist trotzdem einfacher, nicht zuletzt, weil wir es ihnen einfacher erklären können. Alma behalten wir am Mittwoch noch zu Hause, damit sie eine Pause hat. Ist wohl schon so streng genug für sie, vor allem weil sie meistens an den Schultagen bis 15h nicht schläft. Dann muss sie das jeweils am folgenden Tag nachholen. Bin auch froh, dass ich dann ruhiger hier zu Hause arbeiten kann. Und dass es hoffentlich wieder weniger Streit gibt zwischen den beiden. Am WE haben wir drei Tage alle gemeinsam etwas unternommen. Ein tolles Programm, fand ich, aber war wohl etwas zu viel zusammen, gerade Mali war sehr auf Konfrontation.

War gestern Morgen mit den beiden in der Bibliothek bei den Hallen. Dort war ich erst einmal. Nicht zuletzt dank den nun endlich wiederoffenen Cafés in der Nähe, fühlte es sich super gut an. In der Biblere sind die beiden Kinder total euphorisch, können sich fast nicht zwischen den Büchern entscheiden. Bei Mali sind Bücher über Tiere und Fussball ganz hoch im Kurs. Das ist nicht immer einfach zum Vorlesen, vor allem mit unserer bescheidenen Aussprache. Es gab auch einige Väterdort (mehr als Mütter) mit ihren Kindern. Zwei fielen mir auf, weil sie sehr bewusst und in kindlicher Stimme zu ihren kleinen Kindern sprachen. Ich dachte: Die werden bestimmt nie laut, nicht so wie ich. Und die machen sicher alles sehr bewusst, damit sich das Kind möglichst optimal entfalten kann. Typische Teilnehmende an meiner Forschung. Und irgendwie ein Graus. Da sind mir solche Typen wie der schwule Schauspieler am Dienstag viel lieber. Wahrscheinlich auch weil sie mir weniger einen Spiegel vorhalten.

 

8.6.2020: Corona-reopening week five

Heute hat die Schule für beide wieder voll begonnen. Mali war am Morgen sehr ruhig und etwas traurig. Wir denken, sie mit ihrer sensiblen Art hat sich schon genau überlegt, dass sie nun viel mehr in der Schule sein wird und weniger mit Numa. Vor allem dass sie über Mittag auch in der Schule bleiben muss, findet sie schwierig. Wir glauben, momentan akzeptiert sie es, aber der Ausblick, dass dies nach den Sommerferien so weitergehen wird, behagt ihr nicht. Mal gucken, wie das nun anläuft. Sie werden sicher wieder total müde und erschöpft nach Hause kommen. Die beiden haben nicht dieselben Anfangs- und Endzeiten, aber Numa konnte heute doch beide schon um 8:30 bringen, Almas Lehrerin war auch schon dort. Beim Abholen werde ich eben merken, wie es organisiert ist.

Morgen haben sie einen Schularzttermin. Anscheinend sei es hier so eine Sache mit diesen offiziellen Untersuchungen, die seien sehr diskriminierend. Allgemein ist der Staat hier eingreifender als in der CH (abgesehen von der Schulwahl). Der eine Forschungsteilnehmende hat mir erzählt, dass eine Art Hebamme/Haushälterin eine Woche lang nach der Geburt eines Kindes täglich vorbeikommt und dann auch viele Stunde bleibt. Ich verstehe, dass es um Unterstützung geht und in dieser speziellen Zeit, ist es natürlich toll, wenn jemand putzt und einkauft und vor allem bei Fragen rund um das Neugeborene berät. Aber ich hätte es als extrem störend erachtet, wenn immer jemand bei uns zu Hause gewesen wäre, uns dauernd beobachtet hätte. Das ist doch die Zeit, in der sich die neue Familie suchen muss, aneinander gewöhnen, da benötigt man nicht noch eine Aussenstehende, die die ganze Zeit in deiner Wohnung ist – finde ich zumindest. Also, der Schularzttermin steht morgen an. Numa hat eben eine Erinnerung erhalten mit der Frage, ob auch alle gesund seien. Er musste lachen, weil er genau solche Erinnerungsnachrichten oder Mails seinen Klient_innen jeweils geschickt hat. Es wird als Frage formuliert, aber eigentlich geht es darum, sicherzustellen, dass die entsprechenden Personen dann auch wirklich auftauchen. Und wir fragen uns, ob das wohl eine Besonderheit der Schulen in ‚Brennpunkten’ wie dem Nieuw West ist oder ob das in anderen Schulen ähnlich gehandhabt wird. Morgen Nachmittag kann ich der Schulleiterin anrufen. Muss mich sehr überwinden, ich hasse telefonieren, vor allem auf Holländisch.

Dieses WE hatten wir das erste Mal wieder Besuch, resp. waren auf Besuch. Das hat sehr gut getan, soziale Kontakte haben mir doch sehr gefehlt. Und online ist es einfach nicht dasselbe. Ich bin schon im Alltag so viel vor dem Computer. Am Freitag waren wir bei Freunden im Pijp. Früher war es noch eine total heruntergekommene Gegend, nun the place to be. Ist sicher toll, wenn man keine Kinder hat: Überall Bars, Restaurants, und so, aber mit Kind wäre es mir schon zu sehr im ‚Züg’, wahrscheinlich auch ohne Kind. Es hat zwar einen Park, aber der ist doch ziemlich klein. Toll ist, dass man vom Pijp aus überall rasch ist, weil es so zentral ist. Nicht so wie ich letzte Woche, als ich von uns zum IJBurg fuhr, das ist wirklich eine halbe Weltreise, vor allem mit diesem schlechten und unbequemen Velo.

Gestern Abend hatten wir dann eine Nachbarin bei uns zu Besuch. War auch heel gezellig. Die Kinder haben es sichtlich genossen. Wir haben zuerst holländisch gesprochen, für uns um zu üben und damit die Kinder mitsprechen können. Ging gar nicht mal so schlecht. Als die Kinder aber dann im Bett waren, haben wir auf Englisch über alles Mögliche weiterdiskutiert. Am Ende hatten wir es noch über News. Wir haben gesagt, dass wir täglich das NOS journaal gucken. Sie fand das etwas komisch. Verständlicherweise. Schon vor einigen Tagen meinte ich zu C, dass wir langsam alt und konservativ werden. Würde jemand in unserem Alter jeden Abend Tagesschau gucke, fände ich das etwas spiessig. Während Corona war das gut und wichtig für uns, abgesehen von der Sprache, aber nun ist es doch sehr oberflächlich. Sie haben schon vor einiger Zeit die aktuellen RIVM-Ziffernmeldungen abgeschafft. Sprich, man weiss nicht mehr, wie viele Krankenhausaufnahmen es wegen Corona gab, wie viele Todesfälle und wie viele Coronapatient_innen noch auf der IC liegen. Wir gucken das manchmal auf der App nach, die Numa auf seinem Handy hat. Die Sendung M, die wir einmal gesehen haben, sei empfehlenswert und auch Een Vandaag sei gut (https://eenvandaag.avrotros.nl/). Müssen wir mal gucken nächstens.

 

9.6.2020: Corona-reopening week five

Gestern wurde in den Nachrichten gemeldet (https://www.npostart.nl/nos-journaal/08-06-2020/POW_04508344), dass die Leute je länger je mehr Mühe hätten, die Abstandsregeln von 1,5 Metern einzuhalten. Das Verkaufspersonal fühle sich nicht mehr sicher und erwarte Massnahmen von ihren Chefs. Wenn der Mensch nicht versteht, warum er in ein volles Flugzeug gepfercht werden kann und gleichzeitig an anderen Orten Abstand halten sollte, dann hält er sich nicht mehr an die Regeln. Mir ist schon mit. Zwei Wochen lang aufgefallen, dass ich die ganze Zeit sehe, wie sich Menschen umarmen. Unter anderem an dem Tag, als ich an die Uni ging. Wir machen nun sicher auch Dinge, die wir noch vor zwei oder auch einem Monat nicht getan hätten: Leute einladen, zu Leuten zu Besuch gehen. Und dort haben wir sicher nicht immer genügend Abstand. Aber umarmt habe ich noch niemanden. Mais bon, wenn wir dann in die CH zurückfahren, werde ich (hoffentlich) einige umarmen können.

Bis jetzt gab es weder in der CH noch in den NL grosse Spreader-Events. Doch, die Fleischverarbeitende Industrie hier, dort mussten mehrere Betriebe geschlossen werden, weil bis zu einem Fünftel der Belegschaft angesteckt war. Ist aber hauptsächlich auf die sehr engen Wohnverhältnisse dieser sogenannten Arbeitsmigrant_innen zurückzuführen. Oft werden die Leute dann auch in einem grösseren Bus zum Arbeitsort gebracht. Natürlich ein gefundenes Fressen für das Virus. Die beiden Länder tun auch vieles in einem ähnlichen Tempo, wenn auch mit einigen Unterschieden. So wurden z. B. diese Woche die Mittelschulen in der CH wieder geöffnet (und die Abstandsmassnahmen nur noch ‚wo möglich’ nötig), in den NL war das eine Woche früher. Dafür dürfen sich in der CH wieder bis zu 300 Menschen zum Feiern oder ähnlichem treffen, solange die Menschen ihre Kontaktdaten angeben. Wie hoch hier die Obergrenze liegt, weiss ich gar nicht. Auf jeden Fall hat in keinem der Länder die Wiederöffnung zu einer Erhöhung der Fallzahlen geführt, und diese ist nun doch schon über vier Wochen her.

Gestern war endlich wieder einmal ein ruhiger und angenehmer Tag mit den Kindern. Sicher weil sie in der Schule waren. Mali hat etwas geweint beim Hingehen, was seit der Wiedereröffnung nicht mehr vorgekommen ist. Am Abend im Bett erklärte sie, es sei ihr alles gerade etwas zu viel gewesen. Das sind eher unsere Worte, mit denen sie ihren Seelenzustand im Nachhinein erklärt. Gleichzeitig fand sie, dass die Schule ihr sehr gefallen habe. Sie haben zwei neue Klassenkameraden, der eine aus Amerika, der spreche Englisch, die andere spreche Holländisch, könne aber auch arabisch. Ist toll zu hören, wie das Sprechen anderer Sprachen für sie absolut normal geworden ist. Alma hat gestern beim Abholen auch was Tolles gesagt. Leider habe ich es nicht aufgeschrieben und konnte es mir nicht merken. Es ging um eine Frau, welche mit ihnen am Mittag ass, damit die Lehrerin eine halbe Stunde Pause machen konnte. Sie hat Alma etwas gezeichnet. Ich fragte nach der Frau, Alma sagte etwas so Lustiges, um zu beschreiben, dass sie ein schwarzes Kopftuch trug.

Ich habe die Kinder von der Schule abgeholt, danach sassen wir noch etwas dort und guckten dem Treiben zu, die beiden assen noch ihr Sandwich vom Mittag. Im Anschluss wollten sie noch auf den roten Kletterspielplatz. Mali spielte für sich, resp. mit anderen Mädchen, Alma und ich haben Blödsinn gemacht und viel gelacht. Einmal kletterte sie aufs Gerüst und wollte auch auf der Aussenkante nach unten kommen, so wie sie Mali es hat machen sehen. Aber sie ist noch zu klein dafür. Auf mind. 2/3 Höhe begann sie zu weinen, anstatt mich ruhig um Hilfe zu rufen. Ich kletterte möglichst schnell nach oben, um ihr zu helfen. Und dann irgendwie gemeinsam wieder nach unten. Nicht so angenehm für mich, mit meiner Höhenangst und auch dauernd die Angst, dass eine runterfallen könnte.

 

11.6.2020: Corona-reopening week five

Als ich gestern an unserem Artikel zu den Guineischen First Ladies gearbeitet habe, habe ich erst erfahren, dass die eine dieser Frauen vor gut drei Wochen verstorben ist. Hat mich nachdenklich gemacht. Als ich im November/Dezember in Kankan war, kam ich voll enthusiastisch zurück, hätte gerne gleich meinen nächsten Feldforschungsaufenthalt dort geplant. Ich erinnere mich, dass ich im Januar und wohl auch noch im Februar regelmässig die News von Guinea verfolgt habe und auch mit einigen in regem Kontakt und Austausch stand. Aber das hat extrem schnell abgenommen. Nun vergehen viele Tage, wenn nicht Wochen, in denen ich meinen Forschungsmitarbeitenden nicht schreibe, geschweige denn telefoniere. Und jedes Mal wenn ich ihn dann wieder höre, freue ich mich enorm und bin sicher, dass ich sehr bald wieder anrufen werde. Es hat sicher damit zu tun, dass ich einfach ungerne telefoniere. Nicht nur Telefonate an mir unbekannte Personen, sondern auch mit anderen Personen. Meine Erklärung für diese Schwierigkeit ist, dass es eben doch mehr Energie benötigt, sich hier in Amsterdam einzuleben und hier etwas aufzubauen. Der Anfang war gemacht, das Administrative erledigt, dann kam Corona. Und auch hier habe ich das Gefühl, dass wir erst im Nachhinein merken, wie streng das eigentlich war und wie kräftezehrend.

Neben dem Einleben kommt auch das Einlesen, die Sprache, das Kontakte knüpfen (nun gut, das war jetzt wirklich nicht mein Fokus in den letzten drei Monaten). Es benötigt viel Zeit, täglich den hiesigen Nachrichten zu folgen. Mit dem täglichen NOS-Journal haben wir etwas aufgehört. Am Montag gucken wir das erste Mal Een Vandaag, eine Vertiefungssendung. Wir haben etwas zum Thema Rassismus geguckt, das war gut. Gestern und vorgestern dann wieder Papadag. Da kann ich sagen, es seien zwei Fliegen auf einen Streich: Holländisch und etwas zu einer Forschung.

 

16.6.2020: Corona-reopening week six

Am So sind wir das erste Mal Zug mit Mundschutz gefahren, sehr unangenehm und gewöhnungsbedürftig. Dauerte zum Glück nur 20 min. Die Rückreise in die CH wird hart. Hoffentlich wird der Zug nicht so voll sein, so dass wir sie auch mal etwas länger abziehen können, weil wir ja dauernd am Essen sind. Numa hat sich noch bei der Schule gemeldet. Wir wissen nun, dass Alma in derselben Klasse, resp. mit derselben Lehrerin bleibt, das finde ich gut für sie. Und Mali freut sich eh darauf, dass sie dann in group 3 ist, als Grosse. Und auch, dass ihr Alma nicht mehr nachgehen kann, in der Pause oder so. Wir werden auch ein Elterngespräch haben, finde ich super. Plus haben wir ehrlich gesagt, dass die Kids am letzten Schultag nicht mehr kommen, weil wir dann schon in die CH fahren. Der Vater am Freitag hat das vorgeschlagen: Warum nicht ehrlich sein. Ich fand, er hatte Recht. Gerade auch wegen der Covid-19-Situation macht es Sinn, nicht am Samstag Zug zu fahren, wo alle fahren. Glücklicherweise endet die Schule schon am Mittwoch, dem 1.7, also können sie mit allen anderen den letzten Schultag vor den Ferien bestreiten.