{"id":8866,"date":"2021-06-11T11:00:39","date_gmt":"2021-06-11T09:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=witnessingcorona&#038;p=8866"},"modified":"2021-06-10T14:32:47","modified_gmt":"2021-06-10T12:32:47","slug":"your-life-is-data","status":"publish","type":"witnessingcorona","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/witnessingcorona\/your-life-is-data\/","title":{"rendered":"Your Life is Data"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/witnessingcorona\/8866?pdf=8866\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/witnessingcorona\/8866?pdf=8866\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p>Mein Leben als Material f\u00fcr meine anthropologische Forschung? Genau diesen Ansatz verfolgt die sogenannte Autoethnographie. Dabei bilden die autobiographischen Beobachtungen der Forschenden die Grundlage des Datenmaterials. Diese Herangehensweise wird von den Sozialwissenschaftler:innen Roy und Uekusa (2020: 384) als pandemie-konforme Methode der Wissensproduktion vorgeschlagen, da sie lediglich die Forschenden selbst erfordert. Ich m\u00f6chte mithilfe dieser Technik einen Blick auf Studierende in der Pandemie richten und frage, wie sie ihren Studienalltag erleben.<\/p>\n<p>Vor etwas mehr als einem Jahr, als sich die erste Welle der Corona-Pandemie in Europa ausbreitete, war das Virus noch fremdartig. Besorgte Neugier und Aufregung waren mit dem Thema verkn\u00fcpft. Noch immer befindet sich die Welt in einer Ausnahmesituation, das steht au\u00dfer Frage. Der krisenhafte Zustand wird schlie\u00dflich auch durch die t\u00e4glichen Nachrichtenmeldungen vor Augen gef\u00fchrt. Mittlerweile hat sich jedoch ein individueller Pandemiealltag eingependelt. Ich beobachte, dass sich die Neugier und das Mitteilungsbed\u00fcrfnis bez\u00fcglich Corona in meinem Bekanntenkreis etwas gelegt haben. Diese Beobachtung zeigt sich auch auf dem Blog \u201eWitnessing Corona\u201c: Zwischen M\u00e4rz und April letzten Jahres erschienen fast t\u00e4glich neue Beitr\u00e4ge. Die Autor:innen behandelten Themen wie die Ungewissheit im Umgang mit der neuen Situation, die ungewohnte Erfahrung von Isolation oder die neue Erfahrung in Bezug auf Abstandsregelungen oder das Tragen von Masken. Seit Anfang des Jahres 2021 sind dagegen lediglich vier Blogbeitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht worden. F\u00fcr Kultur-und Sozialanthropolog:innen ist jedoch auch das unspektakul\u00e4re, vermeintlich irrelevante Alltagsleben in der Pandemie von Interesse. Schlie\u00dflich hat sich die Fachdisziplin schon lange von dem Gedanken abgekehrt, nur \u201edas Exotische\u201c oder \u201edas Fremde\u201c zu erforschen (vgl. z.B. Kapferer 2013: 813). Genau deshalb richte ich den Blick gezielt auf das Alltagsleben von Studierenden in der Pandemie. Die Frage nach dem aktuellen Alltag von Studierenden wurde Teilnehmer:innen eines Seminars im BA-Studiengang Kultur-und Sozialanthropologie (KuSa) der WWU M\u00fcnster gestellt. Um diese Frage zu beantworten, wurde eine kollaborative Methode angewandt, welche nach den subjektiven Eindr\u00fccken der angehenden Wissenschaftler:innen fragte. Die genaue Aufgabe war, die pers\u00f6nlichen Symbolbilder zum derzeitigen Studium fotographisch festzuhalten. Mithilfe der sogenannten <em>Photovoice<\/em>-Technik entstand eine Collage aus den autoethnographischen Erfahrungen der Studierenden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8867 aligncenter\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild1.JPG-920x920.jpg\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild1.JPG-920x920.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild1.JPG.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8869\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild2.JPG-920x920.jpg\" alt=\"\" width=\"326\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild2.JPG-920x920.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild2.JPG.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 326px) 100vw, 326px\" \/><\/p>\n<p>Als erstes fiel auf, dass fast alle ein Bild von ihrem Schreibtisch mit einem Computer einsendeten. In der Diskussion der Ergebnisse kam heraus, dass die meisten ein solches Bild erwartet hatten, da es die unverzichtbaren Begleiter im Studium darstellt. Auf den vielen Bildern lassen sich zudem kleine \u201eAufmunterer\u201c wie Blumen, Kaffee oder eine Flasche Wein erkennen. Auf zwei Bildern werden auch Gegenst\u00e4nde gezeigt, die auf den ersten Blick nichts mit dem KuSa-Studium zu tun haben: Ein Controller und ein Puzzle. M\u00f6glicherweise ein Hinweis darauf, dass neben dem Verfolgen der Online-Veranstaltungen gerne auch anderen Aktivit\u00e4ten nachgegangen wird. Insgesamt erinnerten uns die Bilder noch einmal daran, dass wir uns alle aktuell in einer \u00e4hnlichen Situation befinden. Wir verbringen die meiste Zeit Zuhause, loggen uns in Zoom-Sitzungen der Uni ein und machen zwischendurch einen Spaziergang. So k\u00f6nnte man die alltagsstrukturierenden Aktivit\u00e4ten \u00fcberspitzt zusammenfassen. In gewisser Weise bewegte uns diese Feststellung, <em>gemeinsam<\/em> in der Situation festzustecken. Wir wurden daran erinnert, dass wir mit der Situation nicht allein sind. Es lie\u00df ein spontanes Gef\u00fchl der Verbundenheit auftreten, das ohne die derzeitigen Gegebenheiten vielleicht nicht aufgekommen w\u00e4re. Im normalen Alltag (ohne Corona-Beschr\u00e4nkungen) haben alle die eigenen Abl\u00e4ufe, Termine, Freizeitaktivit\u00e4ten und Freundeskreise. Das Studium wird auf unterschiedliche Weise in den Alltag integriert, der sich von Person zu Person stark unterscheidet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-8871\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild3.JPG-920x920.jpg\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild3.JPG-920x920.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild3.JPG.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8873\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild4.JPG-920x920.jpg\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild4.JPG-920x920.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild4.JPG.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><\/p>\n<p>Um den Bilderpool zu erweitern, habe ich weitere Kommiliton:innen gebeten, mir Fotos zu derselben Fragestellung zu schicken. Interessant waren zun\u00e4chst die R\u00fcckfragen, die ich erhielt: \u201eIch glaube da habe ich kein interessantes Foto f\u00fcr dich.\u201c Oder: \u201eWie? Einfach ein Bild von meinem Schreibtisch?\u201c Das zeigte mir bereits, wie unspektakul\u00e4r sich der aktuelle studentische Alltag anf\u00fchlt. Auf den Fotos sind \u00e4hnliche Ausschnitte wie aus der ersten Bilderrunde zu sehen. Sie zeigen erneut das Studium in Isolation, das derzeit unseren Alltag darstellt.<\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chte ich eines dieser Bilder \u2013 meines \u2013 mit mehr Leben f\u00fcllen. Denn hinter diesem Foto steht ein Jahr Online-Studium. Was das bedeutet und dass diese Form des Studierens drei Semester meines Uni-Daseins ausmacht, h\u00e4tte ich mir Anfang des letzten Jahres nicht ausmalen k\u00f6nnen. Ich erinnere mich an eine Mensa-Mittagspause mit einer Kommilitonin im Februar 2021. Zu diesem Zeitpunkt erreichten die deutschen Medien die ersten Bilder des Covid-19 Ausbruchs in Italien. Wir witzelten noch, was passieren w\u00fcrde, wenn in Deutschland alles lahmgelegt und die Uni \u201edicht machen\u201c w\u00fcrde. Es dauerte nicht lange bis uns klar wurde, dass wir in diesem Semester keine Nachmittage in der gem\u00fctlichen Ethnologie-Bibliothek verbringen, keine Vorlesungsr\u00e4ume betreten und auch keine KuSa-Partys feiern w\u00fcrden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-8875\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild5.JPG-920x920.jpg\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"327\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild5.JPG-920x920.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/Siebert_Bild5.JPG.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><\/p>\n<p>Nach anf\u00e4nglichen technischen Schwierigkeiten in den ersten Wochen des Onlinesemesters pendelte sich der Uni-Alltag langsam ein: Seminare in Jogginghose, Kaffeetrinken w\u00e4hrend der Vorlesung und Zoom-Kacheln als t\u00e4glicher Anblick geh\u00f6rten bald zum Alltag. Ich sch\u00e4tzte die M\u00f6glichkeit, mich von jedem beliebigen Ort mit Internetverbindung einzuloggen, sodass ich auch mal f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit in die Heimat fahren konnte. Mit der Zeit fehlte mir der Austausch mit den anderen Studierenden jedoch immer mehr. Auch eine noch so gut konzipierte Online-Veranstaltung kann den sonst oft spontan entstehenden Austausch in Seminaren in meinen Augen nicht ersetzen. Da so vieles, was sonst zu meinem Alltag als Studentin geh\u00f6rte, wegf\u00e4llt, habe ich manchmal das Gef\u00fchl, gar nicht mehr richtig zu studieren. Es gibt nur mich in meinem Zimmer und meinen Wegbegleiter \u2013 den Laptop. Inzwischen hat sich auch bei mir die Zoom-Fatigue eingestellt, die das ersch\u00f6pfende Gef\u00fchl der Videokonferenzen beschreibt. Diese Art von M\u00fcdigkeit wird durch die Konfrontation mit den vielen Gesichtern auf dem Bildschirm erzeugt \u2013 eine Situation, die in analogen Meetings so nie gegeben ist (vgl. Khazaleh 2021). Es sollte eigentlich <em>die<\/em> Zeit des Lebens sein. Denn neben dem Studieren an sich fallen auch so viele andere Veranstaltungen weg, die sonst das studentische Leben pr\u00e4gen. Stattdessen gibt es immer \u00f6fter die Momente der Trostlosigkeit, isoliert im Zimmer vor sich hin zu studieren. Ich habe mich bei meinem <em>Photovoice<\/em>-Bild bewusst daf\u00fcr entschieden, eine ungesch\u00f6nte Szene zu zeigen, wie sie aktuell h\u00e4ufiger den Studienalltag pr\u00e4gt. Trotz der ungl\u00fccklichen Situation m\u00f6chte ich nicht den Eindruck vermitteln, mich \u00fcber meine Gegebenheiten zu beschweren, da ich mich trotzdem in einer sehr privilegierten Position befinde und mir bewusst ist, dass viele Menschen mit ganz anderen herausfordernden oder gar prek\u00e4ren Situationen konfrontiert sind.<\/p>\n<p>In einem vorhergien Beitrag dieses Blogs griff Simona Bianchi (2020) die kollektive Erfahrung des Lockdowns und der Verzweiflung in Italien auf und brachte sie mit Benedict Andersons Nationstheorie in Verbindung. Bianchi beschreibt, wie die gemeinsamen Erfahrungen in Bezug auf Corona als italienische Erfahrungen gedeutet werden. Der Beitrag l\u00f6ste bei mir die \u00dcberlegung aus, ob man ebenfalls von einer kollektiven Erfahrung von Studierenden im Onlinesemester sprechen k\u00f6nnte. Zumindest gibt es einen Aspekt, der sich neben den Schreibtischen und Laptops auf den Fotos durch alle Bilder zieht: Das Zimmer. Der Ort, an dem wir uns haupts\u00e4chlich aufhalten ist auch der Ort, an dem die autoethnographischen Schnappsch\u00fcsse entstanden sind. Knapp 30 Prozent der Studierenden leben in Wohngemeinschaften (Statista 2019). Dort steht ihnen neben einer gemeinschaftlich genutzten K\u00fcche meist ein eigener Raum zur Verf\u00fcgung, in dem Aktivit\u00e4ten stattfinden, die sonst an unterschiedlichen Orten stattfinden: z.B. Schlafen, Freizeitbesch\u00e4ftigungen, Lernen und Freunde treffen. Im Onlinesemester kommt nun das komplette Uni-Leben hinzu. Somit ist das Zimmer zum Dreh- und Angelpunkt des Studierens geworden. Die ungewohnte Situation, Lehrenden und Kommiliton:innen einen Einblick in das eigene Zimmer zu gew\u00e4hren, macht deutlich, wie privat diese Fl\u00e4che normalerweise ist. F\u00fcr m\u00fcndliche Online-Pr\u00fcfungen m\u00fcssen Studierende ihren Pr\u00fcfer:innen alle Winkel des Raumes mit der Webcam zeigen. Das ist nat\u00fcrlich unumg\u00e4nglich, um T\u00e4uschungsversuche ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Das unangenehme Gef\u00fchl, anderen den privaten R\u00fcckzugsort zu zeigen, bleibt jedoch. Das Schlafzimmer bildet einen sogenannten <em>private space<\/em>: Ein Ort, der Ruhe und Frieden vermittelt, der zur Entspannung und zum Zur\u00fcckziehen einl\u00e4dt (vgl. Lincoln 2012: 41). Lincoln macht au\u00dferdem auf den wichtigen Stellenwert von Schlafzimmern in Bezug auf die Identit\u00e4t von jungen Menschen aufmerksam: \u2018Bedrooms are also important identity spaces, spaces in which young people can \u201abe themselves\u2018 away from the pressures of life in other realms such as school, colleges or work\u2019 (Lincoln 2012: 8). Durch die Pandemie wird dieser <em>private space<\/em> in zweierlei Hinsicht umgeformt: Zum einen wird die Funktion des Schlafzimmers ver\u00e4ndert, da dieses verst\u00e4rkt als Ort des Studiums genutzt wird. Da mit dem Studium eher Aspekte wie Arbeit und Konzentration als Entspannung und Ruhe verbunden werden, muss der Raum vielen Zwecken gleichzeitig dienen. Die Nutzung des Zimmers f\u00fcr das Studieren mag vor der Pandemie auch schon der Fall gewesen sein, jedoch hat sie mit dem Online-Studium ein massives Ausma\u00df angenommen. Zum anderen l\u00e4sst das Onlinesemester den privaten Raum zunehmend \u00f6ffentlicher werden. Durch Webcams erlangen Lehrende sowie andere Studierende einen Blick in den Raum, der unter \u201enormalen Umst\u00e4nden\u201c nur den vertrautesten Personen zug\u00e4nglich ist. Kommiliton:innen erz\u00e4hlten mir zum Beispiel, wie merkw\u00fcrdig es war, dass ihre Dozierenden einen Blick auf ihr Bett im Hintergrund werfen konnten. Damit wird die Privatsph\u00e4re von Studierendenzimmern ein St\u00fcck weit \u201eangegriffen\u201c.<\/p>\n<p>L\u00e4sst sich also von einer kollektiven Studiums-Erfahrung im Rahmen der Pandemie sprechen? Selbstverst\u00e4ndlich ist es eine Verallgemeinerung, wenn man von <em>einem<\/em> kollektiven Pandemie-Alltag von Studierenden sprechen w\u00fcrde. W\u00e4hrend die eine ihren Alltag isoliert in einer Einzimmerwohnung bestreitet, mag ein anderer zur\u00fcck zur Familie gezogen und dort st\u00e4ndig von Menschen umgeben sein. Eine Kommilitonin lebt in einer 7-er WG, in der ein Corona-Alltag deutlich geselliger vonstattengeht als in anderen Wohnformen. F\u00fcr eine solche Verallgemeinerung sind die Erfahrungen und Lebenswirklichkeiten viel zu divers. Jedoch gibt es einzelne kollektive Momente, wie wir sie zum Beispiel im Seminar erlebten, als wir bildhaft sehen konnten, wie \u00e4hnlich einige Grundvoraussetzungen sind. Zu diesen \u00c4hnlichkeiten geh\u00f6rt zum Beispiel allgemein die Erfahrung der Isolation, die vielen Stunden vor dem Bildschirm und auch die ver\u00e4nderte Nutzung und Wahrnehmung des privaten Raums. Bis es wieder in ein analoges Studieren \u00fcbergeht, bleiben die individuellen Bew\u00e4ltigungsstrategien sowie der kleine Trost, dass wir uns alle in einer \u00e4hnlichen Grundsituation befinden.<\/p>\n<p><em>Verfasst am 30. April 2021, aktualisiert am 18.05.2021<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Laura Siebert<\/strong> studiert Kultur- und Sozialanthropologie (KuSa) an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t (WWU) in M\u00fcnster. Unter der Leitung von Annika Strauss wurden Studierende des Bachelors KuSa im Wintersemester 2020\/21 im Rahmen eines Seminars zur Angewandten Ethnologie mit dem Blog Witnessing Corona vertraut gemacht. Der Blogartikel wurde von Laura Siebert als Bestandteil einer Modulabschlussarbeit zum Thema \u201ePublic Anthropology\u201c verfasst.<\/p>\n<p><strong>#Witnessing Corona<\/strong><\/p>\n<p>This article was simultaneously published on\u00a0the\u00a0<a href=\"https:\/\/www.medizinethnologie.net\/\">Blog Medical Anthropology<\/a><a href=\"https:\/\/www.medizinethnologie.net\/aktuelles\/\">. Witnessing Corona<\/a>\u00a0is a joint blog series by the\u00a0<a href=\"https:\/\/www.medizinethnologie.net\/\">Blog Medical Anthropology<\/a>,\u00a0<a href=\"http:\/\/agem.de\/curare\/\">Curare: Journal of Medical Anthropology<\/a>, the\u00a0<a href=\"http:\/\/gssc.uni-koeln.de\/\">Global South Studies Center Cologne<\/a>, and\u00a0<a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/witnessingcorona\/\">boasblogs<\/a>.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Bianchi, Simona. 2020. The Awakening of a new Nationalistic Sentiment in Facing the Covid-19 Pandemic\u2019. Witnessing Corona. https:\/\/boasblogs.org\/witnessingcorona\/learning-medical-anthropology-through-the-coronavirus\/ (letzter Zugriff: 23.04.2021).<\/p>\n<p>Kapferer, Bruce. 2013. How anthropologists think: configurations of the exotic\u2019. Journal of the Royal Anthropological Institute 19 (4), pp. 813-836. https:\/\/doi.org\/10.1111\/1467-9655.12066<\/p>\n<p>Khazaleh, Lorenz 2021. Anthropologist counters Zoom-fatigue: Your next video conference might resemble a video game. https:\/\/www.antropologi.info\/blog\/anthropology\/2021\/zoom-video-conference-video-game (letzter Zugriff 30.04.2021)<\/p>\n<p>Lincoln, Si\u00e2n. 2012. Youth Culture and Private Space. Basingstoke: Palgrave Macimillan.<\/p>\n<p>Roy, Rituparna &amp; Shinya Uekusa. 2020. Collaborative autoethnography: \u201cself-reflection\u201d as a timely alternative research approach during the global pandemic. In: Qualitative Research Journal 20 (4), pp. 383-392. DOI10.1108\/QRJ-06-2020-0054<\/p>\n<p>Statista. 2019. Ein Viertel der Studierenden wohnt noch bei den Eltern. https:\/\/de.statista.com\/infografik\/19250\/wohnformen-von-studierenden\/ (letzter Zugriff: 21.04.2021)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":6,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[568],"class_list":["post-8866","witnessingcorona","type-witnessingcorona","status-publish","hentry","autor-laura-siebert"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/witnessingcorona\/8866","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/witnessingcorona"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/witnessingcorona"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"version-history":[{"count":20,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/witnessingcorona\/8866\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8903,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/witnessingcorona\/8866\/revisions\/8903"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8866"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=8866"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}