{"id":1589,"date":"2018-05-29T00:00:00","date_gmt":"2018-05-28T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/whatsinaname\/die-geschichtsverdraengung-der-ethnologen-als-gesellschaftliches-problem\/"},"modified":"2020-01-21T20:24:30","modified_gmt":"2020-01-21T19:24:30","slug":"die-geschichtsverdraengung-der-ethnologen-als-gesellschaftliches-problem","status":"publish","type":"whatsinaname","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/whatsinaname\/die-geschichtsverdraengung-der-ethnologen-als-gesellschaftliches-problem\/","title":{"rendered":"Die Geschichtsverdr\u00e4ngung der Ethnologen als gesellschaftliches Problem"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/whatsinaname\/1589?pdf=1589\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/whatsinaname\/1589?pdf=1589\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p style=\"text-align: right;\">Nomen est omen \/ Der Name ist Programm (contra Stocking 1971)<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p><span lang=\"EN-GB\">Die Umbenennung der <a href=\"https:\/\/www.dgv-net.de\/\">Deutschen Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde<\/a> (DGV) in <em>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Sozial- und Kulturanthropologie<\/em> (DGSKA) erscheint mir undemokratisch, un\u00fcberlegt und unhistorisch. Als relativer Au\u00dfenseiter, in den Niederlanden ausgebildeter Ethnologe, der sich mit der Geschichte der Ethnographie, Ethnologie und Anthropologie besch\u00e4ftigt und seit 1991 in Deutschland forscht, war ich immer beeindruckt vom demokratischen Gehalt des deutschen Vereinslebens. Am 6. Oktober 2017 wurde in Berlin zwar konform der Satzung gew\u00e4hlt, und das Quorum erreicht, aber die Art und Weise, in dem es zu dieser Wahl kam und das Ergebnis sind unbefriedigend. Ich schliesse mich <a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/de\/whatsinaname\/warum-die-umbenennung-der-dgv-in-dgska-ein-fehler-war\/\">Thomas Bierschenk<\/a> und seiner Analyse an, der bemerkt, dass nur 30 % der DGV-Mitglieder bei der Wahl anwesend waren (216 von 731) und dass damit nur \u201e15 % der Mitglieder der DGV die Umbenennung herbeigef\u00fchrt\u201c haben. (Zum Vergleich: Die SPD brauchte im M\u00e4rz 2018 ein Mitgliedervotum, um die erw\u00fcnschte Mehrheit f\u00fcr die Teilnahme an der vierten Gro\u00dfen Koalition zu erreichen. Ungef\u00e4hr 400.000 Mitglieder, auch im Ausland, wurden per Post oder Mail angeschrieben und das Ergebnis, 66,6 % f\u00fcr Teilnahme, war aussagekr\u00e4ftig.)<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Auch das Prozedere, die Umbenennung in den Rahmen einer Wahl ohne M\u00f6glichkeit zur Diskussion zu setzen, war unbefriedigend. Wie ich erst dem Protokoll der Versammlung entnahm, hatte der DGV-Vorstand beim Versenden der Einladungen zur Mitgliederversammlung vom 29. August 2017 eine zweij\u00e4hrige Kampagne zur Mobilisierung der Unterst\u00fctzung eines Namenswechsels in beschr\u00e4nkten Kreisen hinter sich: Gespr\u00e4che in Bonn (Juni 2016) und Hamburg (Juni 2017) mit den Direktoren der ethnologischen Institute und in Leipzig (Juli 2016) und K\u00f6ln (Juli 2017) mit neuberufenen Professoren der Ethnologie. Bei diesen Gelegenheiten wurden die Teilnehmer aufgefordert, die Diskussionen an ihren Instituten weiter zu f\u00fchren und eine Debatte anzuregen (DGV Vorstand 2018: 13). Kein Wunder, dass es im H\u00f6rsaal der FU zu einer Durchbruchstimmung von vor allem jungen DGV-Mitgliedern kam, die Namens\u00e4nderung zu vollziehen, gleichg\u00fcltig welche Gegenargumente Kollegen h\u00e4tten oder welche Folgen sie sehen w\u00fcrden. Denn wie die Reaktionen nach der Umbenennung zeigen, waren in dem vorab gef\u00fchrten Diskurs eine Vielzahl etablierter EthnologInnen nicht einbezogen oder davon nicht in Kenntnis gesetzt worden. Es ging nur darum, gen\u00fcgend Quorum und die erforderliche \u201eMehrheit\u201c zu erreichen.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Obwohl die DGV eine AG \u201eFachgeschichte: Geschichte der Ethnologie\/History of Anthropology\u201c hat, wurden Historiker der Ethnologie nicht zu der Namens\u00e4nderung konsultiert. Das ist signifikant. Offensichtlich zeigt die aktuelle Generation von PositionsinhaberInnen in Deutschland nur wenig Interesse an der Geschichte ihres Faches und m\u00f6chte sich so weit wie m\u00f6glich von der Vergangenheit distanzieren.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Die Motivation zur Umbenennung war nur teilweise nachvollziehbar. Im \u201eDenkansto\u00df zur Umbenennung\u201c der DGV gab der Vorstand zwei Argumente: es sei 1) auf die \u201ckomplexen Verkn\u00fcpfungen zwischen v\u00f6lkerkundlicher Theoriebildung und Forschung mit rassenideologischem und v\u00f6lkisch-nationalistischem Gedankengut des 19. und fr\u00fchen 20. Jh.\u201d zu verweisen; und 2) zu bemerken, dass FachvertreterInnen \u201cheute nicht mehr klar abgrenzbare soziale und kulturelle Kollektive, die bis zur Mitte des 20. Jh. als \u00b4V\u00f6lker\u00b4 und seitdem vorrangig als Ethnien bezeichnet wurden\u201d erforschen, sondern sich Fragestellungen widmen, \u201cdie Menschen in ihren \u2026 kulturellen, sozialen, \u00f6konomischen und politischen Bez\u00fcgen in den Fokus r\u00fccken, wobei ethnische Zugeh\u00f6rigkeit nur noch <em>eine<\/em> Kategorie neben anderen wie sozialer Status, Geschlecht, Alter oder religi\u00f6se Selbstverortung darstellt, die menschliches Handeln pr\u00e4gen\u201d (DGV-Vorstand 2017b: 12).<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Das zweite Argument ist korrekt: die Ethnologie, oder sociocultural anthropology, wie man das Fach oft zusammenfasst, um schulische Unterscheidungen zwischen der britischen \u201cSocial Anthropology\u201d und US-amerikanischen \u201cCultural Anthropology\u201d zu vermeiden, hat ihren Fokus seit 1945 in der Tat erweitert und ist breiter orientiert als die fr\u00fchere V\u00f6lkerkunde. Hier\u00fcber besteht kein Zweifel und diese Annahme st\u00f6\u00dft offensichtlich auf eine breite Zustimmung, auch in der deutschsprachigen Ethnologie.<\/span><\/p>\n<p><strong>Unterstellungen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Von der Richtigkeit des ersten Arguments bin ich weniger \u00fcberzeugt. Stimmt es, dass es zwischen v\u00f6lkerkundlicher Theoriebildung und Forschung im 19. und fr\u00fchen 20. Jh. \u201ckomplexe Verkn\u00fcpfungen\u201d mit rassenideologischem und v\u00f6lkisch-nationalistischem Gedankengut gegeben hat? Auch wenn der Begriff \u201ckomplexe Verkn\u00fcpfungen\u201d bewusst vage ist, und es stimmen w\u00fcrde, dass es solche Verkn\u00fcpfungen gegeben hat, sollte man das der Gesamtethnologie unterstellen? W\u00e4re das ein ausreichender Grund, das Fach umzubenennen?<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">In seinem Buch <em>In Defense of Anthropology<\/em> (2014) argumentiert Herbert S. Lewis, dass die Annahme, dass \u201eEthnologen oft im Dienste der Kolonialstaaten arbeiteten\u201c wenigstens f\u00fcr Nordamerika und Gro\u00dfbritannien nicht g\u00fcltig ist. Bereits Talal Asad hat darauf hingewiesen: \u201ethe role of anthropologists in maintaining structures of imperial domination has, despite slogans to the contrary, usually been trivial\u201c (Asad 1991: 314). Lewis erinnert uns daran, dass die Mehrheit der kleinen aber wachsenden Gruppe von \u201canthropologists\u201d vor 1940 in den USA arbeitete und als sie nach dem Zweiten Weltkrieg in anderen Teilen der Welt forschte, die L\u00e4nder bald unabh\u00e4ngig wurden (India 1947, Indonesien 1949, in Afrika 1958-1963), so dass sie zu sp\u00e4t kamen \u201cto guide the imperialists in their misrule\u201d. US-\u201canthropologists\u201d erf\u00fcllten nicht das Profil des f\u00fcr den Kolonialisten arbeitenden Wissenschaftlers und ihre Ideen, vor allem der Studenten von Boas, waren nicht diejenigen \u201cthat are usually cited as products of, or facilitating, colonialism\u201d (Lewis 2014: 80-81). Das gleiche gilt f\u00fcr Gro\u00dfbritannien. Obwohl das Land ein riesen Kolonialreich exploitierte, und es unbezweifelbar ist, dass professionelle, in Gro\u00dfbritannien ausgebildete \u201canthropologists\u201d in den Kolonien geforscht haben, vor allem in Afrika und Ozeanien, gab es vor etwa 1930 keine \u201cprofessional anthropologists \u2026 and when they did come upon the scene they were not supported by grants from colonial treasuries nor, with rare exceptions, were they employed by colonial governments\u201d (Lewis 2014: 81). Lewis analysierte sie alle, vor und nach Malinowski und Radcliffe-Brown, und folgerte, dass Asad Recht hatte: \u201eThe role of British anthropology in maintaining colonialism has been trivial at best. The same is even truer for American anthropology\u201c (Lewis 2014: 102). Der Grund warum viele Ethnologen annehmen, dass \u201eanthropology the child of colonialism\u201c war, ist, dass dieser Trope in den Zeitgeist der Protestbewegungen der sp\u00e4ten 1960er Jahre passte (ibid.) und von deren Sch\u00fclern unkritisch \u00fcbernommen wurde. Seitdem herrscht eine \u201eculture of accusation\u201c.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Diese Thesen sollte man f\u00fcr andere Kolonialm\u00e4chte, wie Frankreich, Portugal, Spanien, Belgien, den Niederlanden, Russland, usw. testen. Und nat\u00fcrlich auch f\u00fcr Deutschland. Obwohl das deutsche Kolonialreich kurzlebig war (1884-1919), war es 1914 nach dem britischen und franz\u00f6sischen \u00dcberseekolonialreich fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig das drittgr\u00f6\u00dfte, und gemessen an der Bev\u00f6lkerungszahl nach den niederl\u00e4ndischen Kolonien das viertgr\u00f6\u00dfte. Arbeiteten dort Ethnologen im Dienste der Kolonialisten? Haben Ethnologen als Berater oder Gutachter f\u00fcr die Kolonialverwaltung gearbeitet und wurden sie daf\u00fcr bezahlt? Wenn ja, was haben sie genau gemacht, erforscht, beschrieben und berichtet? Das alles ist kaum erforscht. Zwar analysierte Hans Fischer (1981) die Verbindungen zwischen Ethnographie und Kolonialismus w\u00e4hrend der Hamburger S\u00fcdsee-Expedition, erforschte Volker Harms (1984, 1988) die Beziehungen zwischen ethnographischen Sammlungen und Kolonialismus, Thomas Theye (1989) die ethnographische Photographie in der Kolonialzeit, Beatriz Heintze (1999) deutsche Forschungsreisende in Afrika und gibt es die Fallstudien von Susanne Zantop (1997), Andrew Zimmerman (2001), Glenn Penny (2002) und Rainer Buschmann (2009). Aber ein Gesamtbild steht noch aus und das Thema fehlt z.B. in der Ausstellung \u201eDeutscher Kolonialismus\u201c im Deutschen Historischen Museum in Berlin (2017).<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Die \u201eVerkn\u00fcpfungen\u201c zwischen V\u00f6lkerkunde und \u201crassenideologischem und v\u00f6lkisch-nationalistischem Gedankengut\u201d w\u00e4hrend der Nazizeit (1933-1945) sind weit besser erforscht. Seit etwa 30 Jahre wird das Thema Ethnologie und Nationalsozialismus intensiv erarbeitet (z. B. Braun, Bohm, Dostal, Fischer, Geisenhainer, Gingrich, Harms, Kreide-Damani, Kulick-Aldag, Linimayr, Mende, Michel, Mischek, Preu\u00df, P\u00fctzst\u00fcck, Rohrbacher, Sp\u00f6ttel, Voges). Es gab Sammelb\u00e4nde (Gerndt 1987, Hauschild 1995, Streck 2000), manche Protagonisten wurden sehr gut erforscht (Geisenhainer 2002), und es war wiederum Hans Fischer der am tiefsten gegraben hat (Fischer 1990 gibt Listen von Ethnologen die belastet, beteiligt oder verfolgt waren). Aber es fehlt ein Gesamtbild und zu allgemeinen Aussagen, wie \u201ebelastet\u201c die deutschsprachige Ethnologie <em>in toto<\/em> war, kann man deswegen kaum kommen.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Deshalb gibt es auch keinen Grund f\u00fcr eine gesicherte Einstufung der Ethnologie in beide Perioden und hat man blo\u00df eine Vermutung \u00fcber die \u201cVerkn\u00fcpfungen\u201d. Eine Vermutung taugt jedoch nicht als Grund f\u00fcr eine wissenschaftliche Profil\u00e4nderung.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">In seinem Handout nennt der DGV-Vorstand nur 3 Argumente f\u00fcr das Beibehalten des Namens V\u00f6lkerkunde, und 7 dagegen. <a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/de\/whatsinaname\/warum-die-umbenennung-der-dgv-in-dgska-ein-fehler-war\/\">Bierschenk<\/a> nennt diese Stellungnahme mit Recht \u201eparteiisch zugunsten DGSKA\u201c. Als Pluspunkte des Namens V\u00f6lkerkunde wurden betont: \u201eHistorische Kontinuit\u00e4t: Begriff \u201aV\u00f6lkerkunde\u2018 ist seit 1771 in Gebrauch, d.h. lange vor dem sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert; [der] Begriff war pr\u00e4gend f\u00fcr fr\u00fche Debatten \u00fcber <em>ethnographia<\/em> und <em>ethnologia<\/em>\u201c und [die] \u201eDebatte \u00fcber \u201aindigene V\u00f6lker\u2018 zeigt, dass der Begriff \u201aV\u00f6lker\u2018 heute auch positiv konnotiert &amp; an Fachdebatten anschlussf\u00e4hig sein kann\u201d (DGV-Vorstand 2017c). Der dritte Pluspunkt (\u201eAufarbeitung der eigenen \u2013 hochdiversen \u2013 Fachgeschichte ist unabh\u00e4ngig vom gew\u00e4hlten Namen\u201c) gilt f\u00fcr alle Namensvarianten, ist also nicht spezifisch f\u00fcr oder gegen die V\u00f6lkerkunde einzusetzen.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Wenn man bedenkt, dass die <em>V\u00f6lkerkunde<\/em> oder <em>Ethnologie <\/em>bereits im 18. Jahrhundert, also lange vor dem Nationalsozialismus und lange vor der Begr\u00fcndung der Social und Cultural Anthropology, von deutschsprachigen Historikern, Naturwissenschaftlern, Linguisten und Geographen gepr\u00e4gt und praktiziert wurde und sich im 19. Jahrhundert zu einer breiten Tradition entwickelte (Vermeulen 2006, 2008, 2015), ist diese Argumentation unhistorisch.<\/span><\/p>\n<p><strong>Ethnographie und Ethnologie im 18. und 19. Jahrhundert<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Die Ethnographie wurde im fr\u00fchen 18. Jahrhundert von dem Historiker und Forschungsreisende <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerhard_Friedrich_M%C3%BCller\">Gerhard Friedrich M\u00fcller<\/a> (1705-1783) als ethnographisches Programm f\u00fcr die Beschreibung aller sibirischen V\u00f6lker formuliert (<em>V\u00f6lker-Beschreibung<\/em>, 1740) und von ihm und anderen ausgef\u00fchrt. Viele V\u00f6lker Sibiriens wurden beschrieben, ihr Kulturgut wurde gesammelt und an die Kunstkamera in St. Petersburg geschickt. Diese umfassende und vergleichende Ethnographie geschah im Rahmen einer zunehmenden Kolonisierung der russischen Teile Nordasiens, aber die Forscher waren nicht im Dienst der Kolonialverwaltung, sondern der Akademie der Wissenschaften, und das Forschungsprogramm wurde nicht zum Nutzen dieser Art Beschreibung f\u00fcr die Kolonialverwaltung betrieben, sondern um einen Vergleich dieser V\u00f6lker untereinander wie auch mit den V\u00f6lkern anderer Erdteilen zu erreichen. M\u00fcller sah diese Forschung als Beitrag an einer \u201eganz allgemeinen V\u00f6lker-Beschreibung\u201c aller V\u00f6lker des Erdkreises (M\u00fcller 2010: 5, 2018).<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-197 size-large\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/08_Vermeulen_Umbenennung_DGV-Karte-1024x557-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"326\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Die Reiseroute durch Sibirien von Gerhard Friedrich M\u00fcller w\u00e4hrend der Zweiten Kamtschatka Expedition (1733-1743). (Karte aus: Vermeulen 2015)<\/em><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Als der Historiker <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/August_Ludwig_von_Schl%C3%B6zer\">August Ludwig Schl\u00f6zer<\/a> (1735-1809), der bei M\u00fcller Assistent war und in G\u00f6ttingen Professor f\u00fcr allgemeine und nordische Geschichte wurde, 1771-1775 die V\u00f6lkerkunde als Wissenschaftszweig in den akademischen Diskurs einf\u00fchrte, platzierte er sie neben Weltkunde (Chorographie), Erdkunde (Geographie) und Staatenkunde (Statistik). Es ist undeutlich, welche Rolle Schl\u00f6zer bei der Pr\u00e4gung des Begriffs \u201eethnographia\u201c (1767 belegt) spielte, aber klar ist, dass er die V\u00f6lkerkunde mit der Ethnographie gleichsetzte und (wie M\u00fcller) ein Programm vorlegte, um alle V\u00f6lker der Erde zu beschreiben und miteinander zu vergleichen (Vermeulen 2006, 2008, 2015).<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Als der slowakische Historiker <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Adam_Franti%C5%A1ek_Koll%C3%A1r\">Adam Franti\u0161ek Koll\u00e1r<\/a> (1718-1783) 1781 in Wien den Begriff Ethnologie einf\u00fchrte und 1783 die \u201eethnologia\u201c zum ersten Mal definierte, erweiterte er Schl\u00f6zers Programm, so wie Schl\u00f6zer dies mit M\u00fcllers Programm getan hatte, und schloss nicht nur \u201edie Urspr\u00fcnge, Sprachen, Sitten und Institutionen verschiedener V\u00f6lker\u201c in seine Definition ein, sondern auch \u201e[deren] Vaterland und die alten Wohnsitze mit der Absicht \u2026, die Volksst\u00e4mme und V\u00f6lker ihrer [eigenen] Zeit richtiger beurteilen zu k\u00f6nnen\u201c (Vermeulen 2015: 315-316).<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Das Objekt dieser V\u00f6lkerkunde oder Ethnologie, das nicht \u201edas Volk\u201c oder \u201edas v\u00f6lkische\u201c, sondern die V\u00f6lkervielfalt, die Pluralit\u00e4t der V\u00f6lker, <em>aller<\/em> V\u00f6lker, wiederspiegelte, war ein v\u00f6llig anderes Objekt als das der etwa gleichzeitig gepr\u00e4gten \u201eMenschenrassen\u201c, die von der naturhistorischen Forschung (Buffon, Blumenbach, Cuvier, usw.) thematisiert wurden. Die Ignoranz \u00fcber die Wurzeln der Ethnographie und Ethnologie im deutschsprachigen Raum herrscht nicht nur in Deutschland. Auch <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/George_W._Stocking_Jr.\">George W. Stocking Jr.<\/a> (1928-2013), der bekannteste \u201ehistorian of anthropology\u201c, wusste bis kurz vor seinem Tod nichts von der deutschen Tradition und ihrer internationalen Bedeutung. Obwohl geboren in Berlin, fokussierte Stocking in seiner Forschung vor allem auf englische und franz\u00f6sische Quellen. Sein Artikel \u00fcber die Umbenennung der Ethnological und Anthropological Societies in das Anthropological Institute (Stocking 1971) ist einseitig, weil er die Beitr\u00e4ge der deutschen Quellen f\u00fcr Tylor c.s. au\u00dfer Acht gelassen hatte \u2013 sowohl aus Mangel an Sprachkenntnissen, als auch, weil die Fr\u00fchgeschichte der deutschen Ethnologie noch zu wenig bekannt war \u2013 trotz Beitr\u00e4ge von u. A. Hans Fischer, Justin Stagl und Britta Rupp-Eisenreich, teilweise auch auf English (Stagl 1995).<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Der Relativismus von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Forster\">Georg Forster<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Johann_Gottfried_Herder\">Herder<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Boas\">Franz Boas<\/a>, der Anti-Rassismus von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adolf_Bastian\">Adolf Bastian<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Boas\">Boas<\/a> in Berlin und New York, Bastians Konzept der \u201egeistigen Einheit der Menschheit\u201c, bis hin zu der Tatsache, dass Fritz Kramer et al. eine reflexive Ethnologie formulierten, bevor dies Clifford und Marcus (1986) taten, sind alles Ereignisse der Ethnologie, die nicht mit dem Verdacht \u201ekomplexer Verkn\u00fcpfungen mit rassenideologischem Gedankengut\u201c abgetan werden k\u00f6nnen. Die universalistischen <em>und <\/em>relativistischen Ans\u00e4tze im 18. und 19. Jahrhundert werden von den Gegnern der \u201cV\u00f6lkerkunde\u201d ignoriert.<\/span><\/p>\n<p><strong>Ethnologie im gesellschaftlichen Rahmen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Der DGV-Vorstand l\u00e4sst sich von diesen Gegnern intimidieren und benutzt ihre Argumente unreflektiert als Grundlage f\u00fcr Wissenschaftspolitik! Zugegeben, der Vorstand hat <em>de bon coeur<\/em> gehandelt. Kurzsichtig aber gut gemeint. W\u00e4hrend er in dem Denkansto\u00df die \u201epositiven Konnotationen\u201c der Ethnologie im deutschen \u00f6ffentlichen Leben erw\u00e4hnte (DGV Vorstand 2017b), betonte er in dem Handout die \u201estark negativen Assoziationen\u201c von V\u00f6lkerkunde in den Medien, insbesondere in Verbindung zu Diskussionen \u00fcber das <a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.com\/en\/\">Humboldt Forum<\/a> (DGV Vorstand 2017c). Die Sammlungen des unter <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Adolf_Bastian\">Bastian<\/a> im Zentrum Berlins zwischen 1869 und 1886 gegr\u00fcndeten und nach dem Zweiten Weltkrieg in Dahlem wiederer\u00f6ffneten <a href=\"http:\/\/www.smb.museum\/en\/museums-institutions\/ethnologisches-museum\/home.html\">Ethnologischen Museums<\/a> werden ein zentraler Bestandteil dieses Forums sein, zusammen mit Sammlungen des <a href=\"http:\/\/www.smb.museum\/en\/museums-institutions\/museum-fuer-asiatische-kunst\/home.html\">Asiatischen Museums<\/a>. Der f\u00fcr 2019 geplante Umzug hat politische Aktivisten veranlasst, die Ethnologie wegen ihrer Rolle im deutschen \u00dcberseekolonialismus und Nationalsozialismus zu kritisieren und die V\u00f6lkerkunde insgesamt als eine \u201ekoloniale Wissenschaft\u201c abzustempeln, die \u201edekolonisiert\u201c werden muss.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Dazu kommt der j\u00fcngste Aufschwung von Populismus in Deutschland, \u00d6sterreich, Ungarn usw., in dem die Ideen vom \u201ceigenen Volk\u201d und von \u201cv\u00f6lkischen Bewegungen\u201d zunehmend von politisch Rechten instrumentalisiert werden. Der Vorstand erw\u00e4hnte diesen Faktor erst in seinem Handout: \u201cErstarken nationalistischer und v\u00f6lkischer Ideologien in Deutschland &amp; Europa, die den \u201aVolks-\/V\u00f6lker\u2018-Begriff \u2026 unhaltbar machen\u201d (DGV Vorstand 2017c).<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Um sich von solchen Verbindungen zu distanzieren, gefangen zwischen Anschuldigungen der politisch Linken und Aneignungen der politisch Rechten, mobilisierte der DGV-Vorstand eine vorwiegend junge Gruppe von deutschsprachigen EthnologInnen, um f\u00fcr \u201eSozial- und Kulturanthropologie\u201c zu stimmen: \u201eWir m\u00fcssen das Quorum erreichen\u201c. (Der Widerstand der \u00f6sterreichischen Mitglieder gegen\u00fcber der Tatsache, dass der erst im Nationalsozialismus eingef\u00fchrte Begriff \u201edeutsch\u201c im neuen Namen beibehalten wurde, wurde ignoriert.)<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Obwohl diese Kombination von Fremdw\u00f6rtern auf Deutsch sperrig klingt, folgten die Mitglieder in Berlin dem Vorschlag, V\u00f6lkerkunde durch <em>beide<\/em> angels\u00e4chsische Begriffe zu ersetzen und britische Sozialanthropologie mit amerikanischer Kulturanthropologie zu kombinieren. Das war eine Weiterf\u00fchrung der Universit\u00e4tspolitik an der FU in Berlin, wo das Institut f\u00fcr Ethnologie am 15. Juli 2015 seinen Namen in <a href=\"http:\/\/www.polsoz.fu-berlin.de\/ethnologie\/\">Institut f\u00fcr Sozial- und Kulturanthropologie<\/a> \u00e4nderte. Nach fast 250 Jahren wurde der Begriff V\u00f6lkerkunde, 1771-1775 in G\u00f6ttingen eingef\u00fchrt, 2015-2017 in Berlin abgeschafft.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">W\u00e4hrend Namens\u00e4nderungen politische Ideologien widerspiegeln und nicht nur in Deutschland eine nationale Praxis sind, scheinen sie in Berlin endemisch zu sein. Der Literaturhistoriker <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Victor_Klemperer\">Victor Klemperer<\/a> erw\u00e4hnte im M\u00e4rz 1946 Pl\u00e4ne, \u201emehr als 1.000 der 8.000 Stra\u00dfennamen Berlins\u201c umzubenennen, z. B. die Umbenennung des Carola-Platzes \u00fcber Adolf-Hitler-Platz zum Karl-Liebknecht-Platz (Klemperer 2003: 88). Dieser Wandel reflektiert die Wende vom Liberalismus zum Nationalsozialismus und Kommunismus. Heute, im Zeitalter des Neoliberalismus, der Globalisierung und des radikalen Nationalismus, scheint es unter der jungen Generation der deutschen Ethnologen einen starken Drang zu geben, die Idee einer V\u00f6lkerkunde loszuwerden und sich von der Geschichte des Faches zu distanzieren.<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Man versteht, dass es nicht leicht ist, sich professionell in einer sich schnell ver\u00e4ndernden Welt, voller gravierender Probleme, mit den Menschen und ihren Gruppierungen zu besch\u00e4ftigen. Die Tagung in Berlin wies auch klar aus, dass die deutschsprachige Ethnologie momentan weitgehend auf soziokulturelle Identit\u00e4ten ausgerichtet ist. Das ist kein Wunder, weil die Neuorientierung der deutschsprachigen Ethnologie ab 1945 begann und die Umbenennung der Ethnologie in den Niederlanden bereits 1953 erfolgte (Vermeulen 2002: 109).<\/span><\/p>\n<p><span lang=\"EN-GB\">Dennoch wird mit SKA nicht das ganze Feld abgedeckt und hat die Namens\u00e4nderung unerw\u00fcnschte Nachteile. Erstens werden deutsche Medien und Verlage den Begriff Ethnologie weiterhin gerne benutzen wollen: Ethnographie und Ethnologie sind in der deutschsprachigen Wissenschaftslandschaft etablierte Begriffe, wie auch in vielen Teilen Europas, Asiens, Amerikas usw. Zweitens l\u00e4sst die Umbenennung die ethnologischen Museen in der Luft h\u00e4ngen. Das ist ein wichtiges Thema f\u00fcr das <a href=\"https:\/\/www.humboldtforum.com\/en\/\">Humboldt Forum<\/a>, das Diskussionen \u00fcber Kolonialismus und Dekolonialisierung, dialogische Kommunikationsformen, Provenienzforschung, die R\u00fcckgabe von kulturellem Erbe usw. anregt (Kohl 2017a-b; Blog <a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/dcntr\/\">How to Move on With Humboldt\u2019s Legacy? Rethinking Ethnographic Collections<\/a>). Drittens hat die Abschaffung des Begriffs V\u00f6lkerkunde und der damit verbundenen Vorstellung von \u201eindigenen V\u00f6lkern\u201c Konsequenzen f\u00fcr angewandte Ethnologen und NGOs, die mit indigenen V\u00f6lkern arbeiten, um deren Rechte zu sch\u00fctzen. Viertens wird der neue Name nicht der historischen Ethnologie gerecht, die im 20. Jahrhundert zu den Kennzeichen der deutschsprachigen V\u00f6lkerkunde geh\u00f6rte (Haller 2012) und eine noch bestehende Forschungstradition andeutet. F\u00fcnftens wird die Bedeutung der Ethnographie nicht ber\u00fccksichtigt. Und schlie\u00dflich ist es unhistorisch und unethisch, nur diese eine gegenwarts- und zukunftsgerichtete Orientierung zu f\u00f6rdern, die viele andere Forschungsfragen nicht abdeckt, und eine 280 j\u00e4hrige Wissenschaftstradition als \u201ebelastet\u201c auszuklammern.<\/span><\/p>\n<p><strong>Historizit\u00e4t und Pluralismus<\/strong><\/p>\n<p>Meine These: es ist unhistorisch und unn\u00f6tig. Eine alternative Strategie w\u00e4re es, den Namen aus historischen Gr\u00fcnden beizubehalten, mehr und noch intensivere Versuche zu unternehmen, die Beteiligung von Anthropologen und Ethnologen in kolonialen und nationalsozialistischen Praktiken zu untersuchen (das hei\u00dft, bei der DFG auch Forschung zuzulassen, die nicht nur auf Feldforschung gr\u00fcndet!), und vor allem gegen\u00fcber sowohl radikalen Nationalisten als auch politischen Aktivisten deutlich zu machen, was es ist, das Ethnologen heutzutage tun: Untersuchung der sozio-kulturellen Diversit\u00e4t <em>und <\/em>Einheit (siehe z.B. Antweiler 2016).<\/p>\n<p>Die Gesellschaft wird seit einiger Zeit in inoffizieller \u00dcbersetzung als \u201eGerman Anthropological Association\u201c (GAA) gef\u00fchrt \u2013 nach dem Vorbild der American Anthropological Association (AAA) und der European Association of Social Anthropologists (EASA). Grund ist die Hervorhebung ihrer Identit\u00e4t als <em>Fachverband<\/em>, der sie werden sollte, im Kontrast zu einer gelehrten Gesellschaft, die sie nicht mehr ist. Genauso kann man den Namen \u201cDeutsche Gesellschaft f\u00fcr Ethnologie\u201d beibehalten und im Englischen die \u00dcbersetzung zwischen Klammern: \u201eGerman Association for Social and Cultural Anthropology\u201c stellen. Im Inland: Ethnologie und EthnologInnen, im Ausland: Social and Cultural Anthropology.<\/p>\n<p>Noch besser w\u00e4re die Idee einer Gesamtanthropologie (Bierschenk et al. 2016: World Anthropology) und das Programm der International Union of Anthropological and Ethnological Sciences (IUAES). Begr\u00fcndet in Br\u00fcssel 1948, zur\u00fcckgehend auf internationale Tagungen in London 1934 und Kopenhagen 1938, stellt die IUAES ganz klar anthropologische und ethnologische Wissenschaften <em>neben<\/em> einander. Aus historischer Sicht sollte man sich die Anthropologie oder Ethnologie auch nicht als ein Fach vorstellen, sondern als eine Fakult\u00e4t von F\u00e4chern, <em>a bundle of disciplines<\/em>. Anthropologie <em>und<\/em> Ethnologie sind hier angesagt, auch um die unheilvolle Trennung von Volks- und V\u00f6lkerkunde, von Europ\u00e4ischer und au\u00dfereurop\u00e4ischer Ethnologie auf einer h\u00f6heren Ebene aufzul\u00f6sen. Deshalb w\u00e4re ich daf\u00fcr, die DGV\/DGE\/DGSKA in eine umfassende Gesellschaft f\u00fcr Ethnologie und Anthropologie (GEA) umzugestalten. <a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/de\/kulturrelativismus\/vielstimmigkeit-differenzpolitik-und-konflikte\/\">Carola Lentz<\/a> hatte am 3. Oktober 2017 v\u00f6llig Recht damit, die \u201eVielstimmigkeit\u201c in der anthropologischen und ethnologischen Fachwelt zu betonen.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Ethnologie und Anthropologie zeigt, dass Namens\u00e4nderungen oft Paradigmenwechsel andeuten. Wie das Forschungsprogramm im vorliegenden Fall aussieht, wurde nicht bekannt gegeben. Die Beitr\u00e4ge des Vorsitzender der in DGSKA umbenannten DGV, Hansj\u00f6rg Dilger, an <a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/de\/whatsinaname\/von-menschen-und-ethnischen-gruppen\/\">diesem<\/a> und am dem Blog \u00fcber das Humboldt-Forum (Dilger 2018a-b) enthalten eher Ans\u00e4tze eines solchen Programms.<\/p>\n<p><strong>Nachwort (19. November 2019)<\/strong><\/p>\n<p>Anderthalb Jahre nach der Online-Fassung dieser kritischen Stellungnahme denke ich noch immer, dass die Umbenennung der DGV in DGSKA in Berlin im Oktober 2017 ein Fehler war \u2013 genauso wie Thomas Bierschenk in seinem Beitrag zum BoasBlog \u201cWhat\u2019s In A Name?\u201d schrieb. Ausserdem war sie unn\u00f6tig, unhistorisch und nur halbdemokratisch. Man h\u00e4tte locker den Namen Ethnologie beibehalten k\u00f6nnen \u2013 und damit die L\u00f6sung des MPI in Halle (Saale) \u00fcbernehmen: Max-Planck-Institut f\u00fcr ethnologische Forschung auf Deutsch und Max Planck Institute for Social Anthropology auf Englisch. Das war eine gute Entscheidung im Jahr 1999. Die Ethnologie ist eine Gruppenwissenschaft, ob man das Objekt nun V\u00f6lker, Nationen, Ethnien oder Gesellschaften nennt. Eine Umbenennung \u00e4ndert an der Sache nichts.<\/p>\n<p>Es geht mir auch nicht um den Namenswechsel an sich. In der Geschichte des Faches hat es Dutzende solcher \u201ename changes\u201c gegeben. Der Putsch, den der damalige DGV-Vorstand vor zwei Jahren in Berlin durchf\u00fchrte, zuerst die Institutsleiter*innen zu engagieren, danach die Mitglieder zu informieren und dann die Doktorand*innen zur Wahl zu mobilisieren, ist nur eine weitere und relativ sp\u00e4te Entwicklung im breiten Feld der anthropologischen und ethnologischen Wissenschaften (wie sich die IUAES mit recht sieht). Abgesehen von diesem nur scheinbar demokratischen Verfahren st\u00f6rt mich vor allem die Respektlosigkeit gegen\u00fcber der Tradition der Ethnographie\/Ethnologie\/V\u00f6lker- und Volkskunde, die \u00fcber 280 Jahre hinweg konstant empirische Forschung, das hei\u00dft Ethnographie, betrieb \u2013 auch wenn das manchmal oder sogar regelm\u00e4\u00dfig zu zweifelhaften oder sogar kriminellen \u201eVerkn\u00fcpfungen &#8230; mit rassenideologischem und v\u00f6lkisch-nationalistischem Gedankengut\u201c f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Mit solchen Argumenten das <em>ganze<\/em> Fach anzuklagen und die V\u00f6lkerkunde bzw. Ethnologie ihren Gegnern zu \u00fcberlassen, ist kurzsichtig und verantwortungslos. Ich habe damals die Vermutung ge\u00e4u\u00dfert, dass der Berliner Vorstand die Umbenennung aus der Angst heraus ankurbelte, sich konstant gegen \u201eAnschuldigungen der politisch Linken und Aneignungen der politisch Rechten\u201c verteidigen zu m\u00fcssen; und ich meine immer noch, dass die Umbenennung in dem Wunsch beseelt war, sich von solcherlei Druck zu befreien. Ja, der Vorstand hat auch positive Motive genannt, man wolle das Feld erweitern und neben der \u201eethnischen Zugeh\u00f6rigkeit\u201d auch den \u201csozialen Status, Geschlecht, Alter oder religi\u00f6se Selbstverortung\u201d erforschen (DGV 2017b: 12). Das ist jedoch eine scheinbare Gegen\u00fcberstellung: in der vornationalistische Periode war die Ethnographie\/Ethnologie eine umfassende Wissenschaft aller Aspekte aller V\u00f6lker und Nationen der Erde. Man sollte sich das mal vergewissern: es hat sehr viele Ans\u00e4tze im breiten Feld dieser Wissenschaft gegeben, sowohl gute als auch schlechte, und das Gesamte macht die Forschungstradition aus. Versuche, das Negative auszuklammern, f\u00fchren zu einer Verdr\u00e4ngung, niemals zu einer Aufarbeitung.<\/p>\n<p>Nun hat die DGSKA vor zwei Jahren einen Sprung nach vorn gemacht. Prima, kurzsichtig aber mutig. Man versteht den Wunsch vieler Institutsleiter*innen, ihr Fach zu erneuern. Das ist wichtig, ohne Zweifel. Aber kann man erneuern, ohne die Tradition zu kennen? Meine Einsicht, dass Namenswechsel meist auch Programmwechsel beinhalten, und mein Aufruf, dass die Anreger dieses Paradigmenwechsels sich mit so einem Programm erkennbar machen sollten, sind bislang nicht aufgegriffen worden. Wenigstens ist klar, dass der Bedarf an historischer Aufarbeitung der Geschichte der Ethnologie, der Anthropologie und der SKA durch diese Umbenennung nicht weniger geworden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Han F. Vermeulen<\/strong> studierte <em>culturele antropologie<\/em> und promovierte an der Fakult\u00e4t der Sozialwissenschaften der Universit\u00e4t Leiden, Niederlande. Er ist assoziiert am Max-Planck-Institut f\u00fcr ethnologische Forschung in Halle (Saale) und forscht seit 1982 \u00fcber die Geschichte der Ethnographie, Ethnologie und Anthropologie. Sein letztes Buch <em>Before Boas: The Genesis of Ethnography and Ethnology in the German Enlightenment<\/em> wurde von der <em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em> zu den wichtigsten B\u00fcchern des Jahres 2016 gerechnet und von der International Convention of Asia Scholars mit dem ICAS Book Prize 2017 Social Sciences ausgezeichnet.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Literaturhinweise<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Antweiler, Christoph (2016) <em>Our Common Denominator: Human Universals Revisited<\/em>. Oxford\/New York: Berghahn Publishers. Paperback 2018.<\/p>\n<p>Asad, Talal (1991) \u201eAfterword: From the History of Colonial Anthropology to the Anthropology of Western Hegemony.\u201c In: George W. Stocking, Jr. (ed.) <em>Colonial Situations<\/em>. Madison, WI: University of Wisconsin Press, pp. 314-324.<\/p>\n<p>Bierschenk, Thomas (2018) \u201e<a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/de\/whatsinaname\/warum-die-umbenennung-der-dgv-in-dgska-ein-fehler-war\/\">Warum die Umbenennung der DGV in DGSKA ein Fehler war<\/a>\u201d. In: Blog <em>What\u2019s in a name \u2013 Wof\u00fcr steht die Umbenennung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde?<\/em> Zugegriffen 08.05.2018.<\/p>\n<p>Bierschenk, Thomas, Matthias Krings and Carola Lentz (2016) \u201eWorld Anthropology with an Accent: The Discipline in Germany since the 1970s.\u201c <em>American Anthropologist<\/em> 118(2): 364-375.<\/p>\n<p>Buschmann, Rainer F. (2009) <em>Anthropology\u2019s Global Histories: The Ethnographic Frontier in German New Guinea, 1870-1935<\/em>. Honolulu: University of Hawai\u2019i Press.<\/p>\n<p>Clifford, James and George E. Marcus (eds.) 1986 <em>Writing Culture: The Poetics and Politics of Ethnography<\/em>. Berkeley, CA: University of California Press.<\/p>\n<p>DGV-Vorstand (2017a) \u201eEinladung zur Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde 2017.\u201c Berlin, 29. August. Mit Anlage: \u201eVorl\u00e4ufige Tagesordnung zur DGV-Mitgliederversammlung 2017\u201c.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2017b) \u201e<a href=\"https:\/\/www.dgv-net.de\/dgv\/mitteilungen-pdf-archiv\/\">V\u00f6lkerkunde ad acta? Ein Denkansto\u00df zur Umbenennung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde e.V.<\/a>\u201c <em>Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde<\/em> 49: 12-14.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2017c) \u201eAbstimmung zur Umbenennung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde e.V. Handout f\u00fcr Mitgliederversammlung am 6.10. an der Freie Universit\u00e4t Berlin.\u201c Nachdruck in <em>Mitteilungen der deutschen Gesellschaft f\u00fcr Sozial- und Kulturanthropologie<\/em> 50, 2018: 19-20.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2018) \u201e<a href=\"https:\/\/www.dgv-net.de\/dgv\/mitteilungen-pdf-archiv\/\">Protokoll der Mitgliederversammlung der DVG e.V. am 6.10.2017<\/a>.\u201c <em>Mitteilungen der deutschen Gesellschaft f\u00fcr Sozial- und Kulturanthropologie<\/em> 50: 5-18.<\/p>\n<p>Deutsches Historisches Museum (2017) (Hrsg.) <em>Deutscher Kolonialismus. Fragmente seiner Geschichte und Gegenwart<\/em>. Berlin: Deutsches Historisches Museum.<\/p>\n<p>Dilger, Hansj\u00f6rg (2018a) \u201e<a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/de\/dcntr\/mehr-ethnologie-ins-humboldt-forum\/\">Mehr Ethnologie ins Humboldt Forum! Zeit f\u00fcr eine sozial- und kulturanthropologische Intervention<\/a>.\u201c In: Blog <em>Wie weiter mit Humboldts Erbe? Ethnographische Sammlungen neu denken<\/em> (23.01.2018).<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2018b) \u201e<a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/de\/whatsinaname\/von-menschen-und-ethnischen-gruppen\/\">Von Menschen und (ethnischen) Gruppen. Die Entscheidung f\u00fcr \u201eSozial- und Kulturanthropologie\u201c wirft \u00fcberf\u00e4llige Fragen an unsere Diszipline neu auf<\/a>\u201d. In: Blog <em>What\u2019s in a name \u2013 Wof\u00fcr steht die Umbenennung der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde?<\/em> (22.05.2018).<\/p>\n<p>Fischer, Hans (1970) \u2018V\u00f6lkerkunde\u2019, \u2018Ethnographie\u2019, \u2018Ethnologie\u2019. Kritische Kontrolle der fr\u00fchesten Belege. <em>Zeitschrift f\u00fcr Ethnologie <\/em>95(2): 169-182.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (1981) <em>Die Hamburger S\u00fcdsee-Expedition. \u00dcber Ethnographie und Kolonialismus<\/em>. Frankfurt am Main: Syndikat.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (1990) <em>V\u00f6lkerkunde im Nationalsozialismus. Aspekte der Anpassung, Affinit\u00e4t und Behauptung einer wissenschaftlichen Disziplin<\/em>. Berlin\/Hamburg: Dietrich Reimer Verlag.<\/p>\n<p>Gerndt, Helge (1987) (Hrsg.) <em>Volkskunde und Nationalsozialismus<\/em>. M\u00fcnchen: M\u00fcnchner Vereinigung f\u00fcr Volkskunde.<\/p>\n<p>Geisenhainer, Katja (2002) \u201e<em>Rasse ist Schicksal<\/em>\u201e. <em>Otto Reche (1879-1966) \u2013 ein Leben als Anthropologe und V\u00f6lkerkundler<\/em>. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt.<\/p>\n<p>Haller, Dieter (2012) <em>Die Suche nach dem Fremden. Geschichte der Ethnologie in der Bundesrepublik 1945-1990<\/em>. Frankfurt am Main: Campus Verlag.<\/p>\n<p>Harms, Volker (1984) \u201eDas historische Verh\u00e4ltnis der deutschen Ethnologie zum Kolonialismus\u201c. <em>Zeitschrift f\u00fcr Kulturaustausch<\/em> 34(4): 401-416.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (1988) \u201eKolonialhandel und V\u00f6lkerkundemuseum\u201c. In: Volker Plagemann (Hrsg.) <em>\u00dcbersee. Seefahrt und Seemacht im deutschen Kaiserreich<\/em>. M\u00fcnchen: C.H. Beck.<\/p>\n<p>Hauschild, Thomas (1995) (Hrsg.) <em>Lebenslust und Fremdenfurcht. Ethnologie im Dritten Reich<\/em>. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p>Heintze, Beatrix (1999) <em>Ethnographische Aneignungen. Deutsche Forschungsreisende in Angola<\/em>. Frankfurt am Main: Verlag Otto Lembeck.<\/p>\n<p>Klemperer, Victor (2003) <em>Das Tagebuch 1945-1949<\/em>. Hrsg. von Harald Roth. Berlin: Aufbau Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p>Kohl, Karl-Heinz (2017a) \u201e<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2017\/37\/humboldt-forum-exponate-herkunft\">Dies ist Kunst, um ihrer selbst willen<\/a>.\u201c <em>Die Zeit<\/em> 37, 6. September.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2017b) \u201e<a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/dcntr\/collateral-damage-a-polemic\/\">Kollateralsch\u00e4den. Eine Polemik<\/a>.\u201c In: Blog <em>Wie weiter mit Humboldts Erbe? Ethnographische Sammlungen neu denken \/ How to Move on With Humboldt\u2019s Legacy? Rethinking Ethnographic Collections<\/em>. Zugegriffen 08.05.2018.<\/p>\n<p>Lentz, Carola (2017) \u201e<a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/de\/kulturrelativismus\/vielstimmigkeit-differenzpolitik-und-konflikte\/\">Vielstimmigkeit, Differenzpolitik und Konflikte \u2026<\/a>\u201c In: <em>Blog<\/em><em> Kulturrelativismus und Aufkl\u00e4rung<\/em> (3. M\u00e4rz 2017). Zugegriffen 08.05.2018.<\/p>\n<p>Lentz, Carola und Silja Thomas (2015) \u201e<a href=\"https:\/\/www.dgv-net.de\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Carola_Lentz__Silja_Thomas_ZfE\">Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr V\u00f6lkerkunde. Geschichte und aktuelle Herausforderungen<\/a>.\u201c <em>Zeitschrift f\u00fcr Ethnologie<\/em> 140(2): 225-253.<\/p>\n<p>Lewis, Herbert S. (2014) <em>In Defense of Anthropology: An Investigation of the Critique of Anthropology<\/em>. New Brunswick, NJ: Transaction Publishers.<\/p>\n<p>M\u00fcller, Gerhard Friedrich (2010) <em>Ethnographische Schriften <\/em>I. Bearbeitet von Wieland Hintzsche und Aleksandr Christianovi\u010d Elert. Halle: Verlag der Franckeschen Stiftungen zu Halle (Quellen zur Geschichte Sibiriens und Alaskas aus russischen Archiven VIII).<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2018) <em>Ethnographische Schriften II<\/em>. Bearbeitet von Wieland Hintzsche und Aleksandr Christianovi\u010d Elert. Halle: Verlag der Franckeschen Stiftungen zu Halle, Harrassowitz Verlag in Kommission (Quellen zur Geschichte Sibiriens und Alaskas aus russischen Archiven XI).<\/p>\n<p>Penny, H. Glenn (2002) <em>Objects of Culture: Ethnology and Ethnographic Museums in Imperial Germany<\/em>. Chapel Hill, NC: University of North Carolina Press.<\/p>\n<p>Stagl, Justin (1995) <em>A History of Curiosity: The Theory of Travel 1550-1800<\/em>. Chur\/New York: Harwood Academic Publishers.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 2002 <em>Eine Geschichte der Neugier. Die Kunst des Reisens 1550-1800<\/em>. Wien\/K\u00f6ln\/Weimar: B\u00f6hlau Verlag.<\/p>\n<p>Stocking, George W. Jr. (1971) \u201eWhat\u2019s in a Name? The Origins of the Royal Anthropological Institute, 1837-1871.\u201c <em>Man<\/em> (n.s.) 6(3): 369-390.<\/p>\n<p>Streck, Bernhard (2000) (Hrsg.) <em>Ethnologie und Nationalsozialismus<\/em>. Gehren: Escher Verlag.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2001) \u201e<a href=\"https:\/\/www.dgv-net.de\/dgv\/mitteilungen-pdf-archiv\/\">V\u00f6lkerkunde oder Ethnologie. Stellungnahme zur geplanten Abstimmung \u00fcber eine Umbenennung der DGV in DGE<\/a>.\u201c <em>DGV Mitteilungen<\/em> 32: 27-29.<\/p>\n<p>Theye, Thomas (1989) (Hrsg.) <em>Der geraubte Schatten. Die Photographie als ethnographi\u00adsches Dokument<\/em>. M\u00fcnchen\/Luzern: C.J. Bucher.<\/p>\n<p>Vermeulen, Han F. (2002) \u201eContingency and Continuity: Anthropology and Other Non-Western Studies in Leiden, 1922-2002.\u201c In: Han Vermeulen and Jean Kommers (eds.) <em>Tales from Academia: History of Anthropology in the Netherlands<\/em>. Part 1, pp. 95-182. Nijmegen: NICCOS\/Saarbr\u00fccken: Verlag f\u00fcr Entwicklungspolitik.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2006) \u201eThe German Invention of V\u00f6lkerkunde: Ethnological Discourse in Europe and Asia, 1740-1798.\u201c In: Sara Eigen and Mark Larrimore (eds.) <em>The German Invention of Race<\/em>. Albany, NY: State University of New York Press, pp. 123-145.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2008) \u201eG\u00f6ttingen und die V\u00f6lkerkunde: Ethnologie und Ethnographie in der deutschen Aufkl\u00e4rung, 1710-1815.\u201c In: Hans Erich B\u00f6deker, Philippe B\u00fcttgen und Michel Espagne (Hrsg.) <em>Die Wissenschaft vom Menschen in G\u00f6ttingen um 1800. Wissenschaftliche Praktiken, institutionelle Geographie, europ\u00e4ische Netzwerke<\/em>. G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht (Ver\u00f6ffentlichungen des Max-Planck-Instituts f\u00fcr Geschichte 237), pp. 199-230.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2015) <em>Before Boas: The Genesis of Ethnography and Ethnology in the German Enlightenment<\/em>. Lincoln\/London, NE: University of Nebraska Press. 746 pp. 10 images, 6 maps, 12 tables. <a href=\"http:\/\/www.nebraskapress.unl.edu\/nebraska\/9780803255425\/\">Published July 2015<\/a>. Paperback 2018.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2016) \u201e<a href=\"https:\/\/unpblog.com\/2016\/10\/18\/from-the-desk-of-han-vermeulen-the-origins-of-ethnography\/\">The Origins of Ethnography<\/a>.\u201c Weblog, posted by the University of Nebraska Press in <a href=\"https:\/\/unpblog.com\/category\/guest-blogs\/\">Guest blogs<\/a> (online 18. Oktober).<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2018a) \u201e<a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1111\/1467-8322.12407\">German Ethnological Society changes its name during a highly contested vote<\/a>.\u201c <em>Anthropology Today<\/em> 34 (1): 19-20.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (2018b) \u201e<a href=\"http:\/\/histanthro.org\/news\/history-of-anthropology-and-a-name-change-at-the-german-ethnological-society-meeting-in-berlin-conference-report\/\">History of Anthropology and a Name Change at the German Ethnological Society Meeting in Berlin: Conference Report<\/a>,\u201c <em>History of Anthropology Newsletter<\/em> 42 (online 22. Februar).<\/p>\n<p>Zantop, Susanne (1997) <em>Colonial Fantasies: Conquest, Family, and Nation in Precolonial Germany, 1770-1870<\/em>. Durham, NC: Duke University Press. Deutsche \u00dcbersetzung 1999.<\/p>\n<p>\u2014\u2014\u2014 (1999) <em>Kolonialphantasien im vorkolonialen Deutschland (1770-1870)<\/em>. Berlin: Erich Schmidt Verlag (Philologische Studien und Quellen 158).<\/p>\n<p>Zimmerman, Andrew (2001) <em>Anthropology and Antihumanism in Imperial Germany<\/em>. Chicago and London: University of Chicago Press.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":1590,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[130],"whatsinaname_category":[],"class_list":["post-1589","whatsinaname","type-whatsinaname","status-publish","hentry","autor-han-f-vermeulen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/whatsinaname\/1589","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/whatsinaname"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/whatsinaname"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/whatsinaname\/1589\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2650,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/whatsinaname\/1589\/revisions\/2650"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1590"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1589"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=1589"},{"taxonomy":"whatsinaname_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/whatsinaname_category?post=1589"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}