{"id":13817,"date":"2026-08-18T06:37:37","date_gmt":"2026-08-18T04:37:37","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=waterworlding&#038;p=13817"},"modified":"2026-08-18T11:52:50","modified_gmt":"2026-08-18T09:52:50","slug":"multiple-ontologies-of-waste-water","status":"publish","type":"waterworlding","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/waterworlding\/multiple-ontologies-of-waste-water\/","title":{"rendered":"Multiple Ontologies of Waste Water"},"content":{"rendered":"<p><strong>Abstract<\/strong><\/p>\n<p>This paper takes the conceptualization and use of water in religious rituals of the Catholic Church as an example to demonstrate the coexistence of different water ontologies. It is argued that the regulations governing the disposal of consecrated water and Eucharistic wastewater point not only to a plurality of knowledge systems and corresponding practices, but also to the coexistence of fundamentally different ontological conceptions of water. Drawing on Philippe Descola\u2019s conception of four basic ontologies, the paper discusses the existence of separate wastewater systems \u2013 for ordinary and for holy water \u2013 as indicative of two incommensurable conceptions of water: a naturalistic and an analogist understanding of water.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Was wir in den Ausguss unseres Waschbeckens sch\u00fctten oder in der Toilette heruntersp\u00fclen, gelangt f\u00fcr gew\u00f6hnlich in eine Kanalisation, durch die es zusammen mit anderen Abw\u00e4ssern in eine Kl\u00e4ranlage bef\u00f6rdert wird. Dort wird das Wasser in mehreren Schritten aufwendig gereinigt und schlie\u00dflich in einen sogenannten Vorfluter, zumeist ein Flie\u00dfgew\u00e4sser, eingeleitet. Von dort aus flie\u00dft es weiter, vermischt sich mit anderem Wasser, verdunstet oder gelangt ins Grundwasser. Aber Abwasser ist nicht gleich Abwasser, und nicht jedes Wasser kann, darf oder sollte nach seiner Benutzung in den gew\u00f6hnlichen Ausguss oder in die Toilette gesch\u00fcttet werden. Das gilt f\u00fcr private Abw\u00e4sser, die mit Abf\u00e4llen oder Schadstoffen verunreinigt sind oder bestimmte Medikamentenr\u00fcckst\u00e4nde enthalten (Umweltbundesamt 2021). Es gilt aber auch f\u00fcr verunreinigte oder belastete industrielle und gewerbliche Abw\u00e4sser (Umweltbundesamt 2025). In beiden F\u00e4llen gelten strenge Regeln daf\u00fcr, was in die Kanalisation eingeleitet werden darf und was nicht.<\/p>\n<p>Daneben existiert aber noch eine weitere Kategorie von Abw\u00e4ssern, f\u00fcr deren Entsorgung es mitunter besondere Vorschriften gibt: als heilig erachtetes oder in bestimmten religi\u00f6sen Ritualen verwendetes Wasser. Regeln f\u00fcr den Umgang mit religi\u00f6s genutztem Wasser und Abwasser gibt es in verschiedenen Religionen und Konfessionen. Ich werde mich im Folgenden auf den christlich-katholischen Glaubenskontext konzentrieren und exemplarisch zu zeigen versuchen, dass die dort existierenden Wasserentsorgungsverbote und -gebote nicht nur auf eine Pluralit\u00e4t von Wissensordnungen und damit korrespondierenden Praktiken verweisen, sondern als Ausdruck eines Nebeneinanders grundverschiedener Bestimmungen von Wasser gesehen werden k\u00f6nnen. Der Umgang mit Abwasser in der katholischen Kirche scheint mir in dieser Hinsicht besonders ergiebig, da sich hier zwei voneinander (ontologisch) getrennte Abwassersysteme finden lassen, ein gew\u00f6hnlicher Ausguss f\u00fcr gew\u00f6hnliches Abwasser und eine Art \u201eheiliger Ausguss\u201c (Glenz 2020) f\u00fcr sakrale Abw\u00e4sser.<\/p>\n<h3><b>Modernes Wasser<\/b><\/h3>\n<p>Was Wasser ist und in welcher Beziehung es zu uns Menschen und zu anderen Dingen in der Welt steht, ist eine Frage, auf die sich je nach Kontext, Kultur und Epoche unterschiedliche Antworten finden lassen. Die Vorstellung, der die meisten in den westlichen Industrienationen lebenden Menschen intuitiv anh\u00e4ngen d\u00fcrften, betrachtet Wasser als eine nat\u00fcrliche Substanz, die unabh\u00e4ngig von ihrem jeweiligen Aggregatzustand, den Stoffen, mit denen sie verbunden ist, dem Ort, an dem sie sich befindet, oder den sozialen Praktiken, in die sie verwoben ist, im Grunde immer identisch bleibt. Jamie Linton (2010, 8) bezeichnet die Vorstellung von Wasser als einer im Kern unver\u00e4nderlichen, kontextunabh\u00e4ngig existierenden Substanz (H\u2082O) als \u201emodern water\u201c. Damit verkn\u00fcpft ist die Idee eines Wasserkreislaufs, in dem dasselbe Wasser in wechselnden Zust\u00e4nden und Erscheinungsformen unabl\u00e4ssig zirkuliert. Aber auch das Konzept der Abwasserkl\u00e4rung basiert letztlich darauf: Weil Wasser eben \u201enur\u201c Wasser ist, kann es, ungeachtet seiner Herkunft oder seiner bisherigen sozialen oder \u00f6kologischen Einbindung, in einer Kanalisation zusammengef\u00fchrt, in einer Kl\u00e4ranlage von unerw\u00fcnschten Stoffen befreit und anschlie\u00dfend in (m\u00f6glichst) reiner Form wieder in den Wasserkreislauf eingespeist werden.<\/p>\n<p>Diese Vorstellung von Wasser korrespondiert mit einer typisch \u201emodernen\u201c Weltkonzeption, die auf einer strikten Trennung von nat\u00fcrlichen Dingen und allem Geistigen, Kulturellen und Moralischen beruht (Latour 2008). Die Natur wird dabei als \u201eBereich autonomen Gesetzen unterliegender Gegenst\u00e4nde\u201c (Descola 2022, 11) angesehen, wodurch es m\u00f6glich und legitim erscheint, Wasser als einen von sozialen und moralischen Angelegenheiten prinzipiell unabh\u00e4ngigen Sachverhalt und entsprechend als uneingeschr\u00e4nkt nutzbare Ressource zu behandeln.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch andere M\u00f6glichkeiten, Wasser und dessen Verh\u00e4ltnis zu Menschen und Dingen zu konzipieren. So zeigen etwa Yates et al. (2017) am Beispiel der Trinkwasserversorgung in der kanadischen Provinz British Columbia, wie unterschiedliche \u201ewater realities and ways of being-with-water\u201c (Yates et al. 2017, 798) miteinander in Konflikt geraten k\u00f6nnen. Der typisch modernen Vorstellungen von Wasser als einer nutzbaren Ressource (\u201ewater-as-a-ressource\u201c) steht hier die indigene Konzeption von Wasser als lebendiger und mit zahlreichen anderen Wesen in einer vitalen Beziehung stehender Entit\u00e4t (\u201ewater-as-lifeblood\u201c) gegen\u00fcber (Yates et al. 2017, 802). Yates et al. betonen, dass es sich dabei nicht einfach um divergierende Perspektiven oder Wissensformen handelt, sondern um grundverschiedene \u201eontologies of water\u201c. Nach Ansicht der Autor:innen stehen die ontologischen Bestimmungen von \u201ewater-as-a-ressource\u201c und \u201ewater-as-lifeblood\u201c exemplarisch f\u00fcr eine Vielzahl prinzipiell m\u00f6glicher Wasserontologien (Yates et al. 2017, 802).<\/p>\n<p>Aber auch wenn die von Yates et al. dargestellten ontologischen Bestimmungen von Wasser kontingent sein m\u00f6gen, zuf\u00e4llig sind sie nicht. Folgt man Philippe Descola, einem der Referenzautoren der sogenannten ontologischen Wende in den Kulturwissenschaften, so lassen sich vier \u00fcbergeordnete Weisen unterscheiden, die Welt und ihre menschlichen und nicht-menschlichen Bewohner bzw. deren Verh\u00e4ltnis zueinander sinnhaft zu ordnen. Diese vier von ihm ebenfalls als \u201eOntologien\u201c bezeichneten Weltkonzepte nennt er <i>Naturalismus, <\/i><i>Animismus, <\/i><i>Totemismus <\/i>und <i>Analogismus <\/i>(Descola 2022, 189-190). Nach Descola handelt es sich dabei um anderen Sinnformen \u00fcbergeordnete Schemata, \u201edie es erm\u00f6glichen, die Flut der Wahrnehmungen und die Beziehungen zu anderen auf selektive Weise zu strukturieren\u201c (Descola 2022, 346). Folgt man dieser Konzeption, so wird schnell deutlich, dass die von Yates et al. (2017) dargestellten Wasserontologien auch als Erscheinungsformen jeweils \u00fcbergeordneter ontologischer Bestimmungen im Sinne Descolas verstanden werden k\u00f6nnen. W\u00e4hrend n\u00e4mlich ein Verst\u00e4ndnis von \u201ewater-as-a-ressource\u201c einer <i>naturalistischen<\/i> Weltkonzeption entspricht, folgt die indigene Konzeption von \u201ewater-as-lifeblood\u201c einer <i>animistischen<\/i>.<\/p>\n<p>Ontologien in diesem Sinne lassen sich hinsichtlich ihrer je spezifischen Behandlung von Physikalit\u00e4ten (Materie, Erscheinungen) und Interiorit\u00e4ten (nicht-sichtbare Eigenschaften, Geist, Bewusstsein) unterscheiden (Descola 2022, 189-190). So zeichnet sich der Naturalismus \u201edurch eine Kontinuit\u00e4t der Physikalit\u00e4t der Entit\u00e4ten der Welt und eine Diskontinuit\u00e4t ihrer Interiorit\u00e4ten\u201c (Descola 2022, 260) aus. Das hei\u00dft, es wird eine gemeinsame materielle Grundbeschaffenheit aller menschlichen und nicht-menschlichen Wesen angenommen, wobei Geist, Kultur und echte Sozialit\u00e4t aber nur den Menschen zuerkannt wird (Descola 2022, 260-261). Der Animismus funktioniert seiner inneren Struktur nach genau umgekehrt: Die Vorstellung einer Diskontinuit\u00e4t der \u00e4u\u00dferen Erscheinungsformen (Physikalit\u00e4ten) menschlicher und nicht-menschlicher Wesen wird mit der Idee einer Kontinuit\u00e4t bestimmter innerer Eigenschaften (Interiorit\u00e4ten) verbunden (Descola 2022, 197). Animistisches Denken \u00e4u\u00dfert sich dementsprechend darin, dass einigen nicht-menschlichen Entit\u00e4ten ein dem menschlichen \u00e4hnliches Innenleben zugestanden wird. Sie werden als beseelte und \u00fcber Kultur verf\u00fcgende Wesen betrachtet und besitzen dementsprechend auch einen besonderen moralischen Status (Descola 2022, 197-218). Die Konflikte, die Yates et al. (2017) beschreiben, verlaufen also genaugenommen nicht zwischen singul\u00e4ren Wasserontologien, sondern zwischen \u00fcbergeordneten ontologischen Weisen, die Welt, die Dinge in der Welt sowie die Beziehungen zwischen ihnen sinnhaft zu ordnen.<\/p>\n<p>Wie ich im Folgenden zeigen m\u00f6chte, eignet sich Descolas Ontologiekonzeption auch dazu, die besonderen Entsorgungsregeln f\u00fcr bestimmte religi\u00f6s genutzte W\u00e4sser in der katholischen Kirche verst\u00e4ndlich zu machen. Auch hier treffen unterschiedliche ontologische Bestimmungen von Wasser zusammen.<\/p>\n<h3>Zwei Arten von Wasser, zwei Arten von Ausguss<\/h3>\n<p>In der katholischen Glaubenspraxis spielen im Wesentlichen zwei Varianten von Wasser eine Rolle: geweihtes und nicht-geweihtes (gew\u00f6hnliches) Wasser. Diese beiden Formen von Wasser unterscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer religi\u00f6sen Funktion als auch in Bezug auf bestimmte Eigenschaften oder Wirkungsweisen, die ihnen zugeschrieben werden. Ich beginne zun\u00e4chst mit geweihtem Wasser.<\/p>\n<p><i>Geweihtes Wasser:<\/i><\/p>\n<p>Geweihtes Wasser wird in der katholischen Kirche haupts\u00e4chlich zur Taufe, f\u00fcr bestimmte Rituale \u2013 etwa f\u00fcr das sonnt\u00e4gliche Taufged\u00e4chtnis, bei dem die Gemeindemitglieder vom Priester damit besprengt werden \u2013 sowie f\u00fcr verschiedenste Segnungen verwendet. Die Verwendung von Weihwasser geh\u00f6rt in der katholischen Kirche zu den sogenannten Sakramentalien. Dabei handelt es sich um Handlungen und Rituale, die an die Sakramente (Taufe, Eucharistie, Firmung, Beichte usw.) angelehnt sind, aber nicht von Christus selbst, sondern von der Kirche eingesetzt wurden und mit deren Hilfe auf der Grundlage kirchlicher F\u00fcrbitte eine Teilhabe an der g\u00f6ttlichen Gnade bewirkt oder zumindest beg\u00fcnstigt werden sollen (Katechismus der Katholischen Kirche 1997, Abs. 1667).<\/p>\n<p>Geweihtes Wasser wird \u201ehergestellt\u201c, indem von einem Bischof, Priester oder Diakon ein spezielles Segensgebet \u00fcber eine Menge von Wasser gesprochen wird. Damit bittet der Geistliche um Gottes Segen. Der Ursprung des verwendeten Wassers ist daf\u00fcr nicht entscheidend. Ob Leitungswasser, Flusswasser oder Quellwasser \u2013 es kommt nur darauf an, dass es sich wirklich um Wasser (und nicht um eine andere Art von Fl\u00fcssigkeit) handelt. Durch den Segen wird das Wasser auf die Beziehung zum Transzendenten (zu Gott) hin ausgerichtet. Das hei\u00dft, auch wenn das Wasser in seiner chemischen Zusammensetzung und seiner physischen Erscheinungsform unver\u00e4ndert bleibt, wird es durch die Segnung in eine besondere Relation zum G\u00f6ttlichen gestellt. Dadurch wird es dem gew\u00f6hnlichen, allt\u00e4glichen Gebrauch entzogen und einer besonderen religi\u00f6sen Funktion gewidmet (geweiht).<\/p>\n<p>Die durch die Weihung erwirkte Ver\u00e4nderung und religi\u00f6se Zweckbestimmung des Wassers ist dabei von Dauer. Weder verliert die Weihung mit der Zeit ihre Wirkung \u2013 auch dann nicht, wenn das geweihte Wasser in biologischer Hinsicht verdirbt oder verunreinigt wird \u2013, noch kann es nach dem Gebrauch einfach wieder entweiht werden. Weihwasser bleibt Weihwasser. Eine sogenannte \u201eProfanierung\u201c, wie sie zuweilen bei nicht mehr genutzten Kirchengeb\u00e4uden durchgef\u00fchrt wird, ist f\u00fcr geweihtes Wasser nicht vorgesehen. Das macht die Entsorgung von geweihtem Wasser allerdings zu einer heiklen Angelegenheit. Was soll man mit gebrauchtem Weihwasser tun, wenn daf\u00fcr keine Verwendung mehr besteht oder wenn es biologisch verdorben ist?<\/p>\n<p>Ein eleganter und naheliegender Weg, der in vielen Kirchen gegangen wird, besteht darin, mit geweihtem Wasser so umzugehen, dass keine oder m\u00f6glichst wenige entsorgungsw\u00fcrdige Reste entstehen. Gesegnetes Taufwasser wird z.B. oft f\u00fcr die Weihwasserbecken am Kircheneingang weiterverwendet, oder die Gemeindemitglieder nehmen das Weihwasser f\u00fcr den privaten Gebrauch mit nach Hause. Allerdings l\u00e4sst es sich nicht in jedem Fall v\u00f6llig vermeiden, dass Weihwasser \u00fcbrigbleibt und entsorgt werden muss. Auch wenn es f\u00fcr die Herkunft des geweihten Wassers keine besonderen Vorgaben gibt, f\u00fcr dessen Entsorgung gibt es sie sehr wohl. Der gew\u00f6hnliche Ausguss ist daf\u00fcr n\u00e4mlich tabu. Aber wohin mit dem heiligen Abwasser?<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es zwei konkrete M\u00f6glichkeiten, hinter denen sich dasselbe Prinzip verbirgt: Heiliges zu Heiligem. Im Fall des geweihten Wassers (aber auch anderer heiliger Substanzen und Gegenst\u00e4nde, die entsorgt werden m\u00fcssen) bedeutet dies, dass es nicht einfach auf profanem Wege entsorgt werden darf, sondern geweihtem Boden zugef\u00fchrt werden muss. In einem Handbuch f\u00fcr den K\u00fcsterdienst liest man dazu beispielsweise Folgendes: \u201eDie Entsorgung der gebrauchten Weihwasserreste (sowie gebrauchtes Taufwasser) erfolgt entweder im vorhandenen Sakrarium oder im Pfarrgarten, Blumenstock o.\u00e4., jedoch nicht im Ausguss des Waschbeckens\u201c (Mesnerverband der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart 2006, 38). Die elaborierteste Methode der Weihwasserentsorgung ist die Verwendung eines sogenannten \u201eSakrariums\u201c. Dabei handelt es sich um einen speziell f\u00fcr derartige Abw\u00e4sser vorgesehenen \u201eheiligen Ausguss\u201c (Glenz 2020), der sich in vielen \u2013 vor allem \u00e4lteren \u2013 katholischen Kirchengeb\u00e4uden finden l\u00e4sst. Das Sakrarium kann in Form einer schlichten \u00d6ffnung im Boden im Altarraum oder der Sakristei oder als eine Art Waschbecken, eingelassen in der Wand des Kirchengeb\u00e4udes, vorkommen (Glenz 2020; Mesnerverband der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart 2006, 42). Seine Form ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist, dass die darin versenkten Fl\u00fcssigkeiten nicht in die gew\u00f6hnliche Kanalisation gelangen, sondern in die durch die Kirchweihe geheiligte Erde unter dem Gotteshaus geleitet werden. Da aber nicht alle Kirchengeb\u00e4ude \u00fcber ein Sakrarium verf\u00fcgen, ist es alternativ auch zul\u00e4ssig, das Wasser auf anderem Wege in gesegneten Boden zu bringen, z.B. indem Pflanzen auf dem Kirchengel\u00e4nde damit gegossen werden. Auch kann der geweihte Boden eines Friedhofs daf\u00fcr genutzt werden (Glenz 2020).<\/p>\n<p><i>Nicht-geweihtes Wasser:<\/i><\/p>\n<p>Neben geweihtem Wasser spielt in der katholischen Kirche aber auch gew\u00f6hnliches, also nicht speziell geweihtes Wasser eine wichtige Rolle. Zum einen wird es f\u00fcr bestimmte Rituale wie etwa die symbolische H\u00e4ndewaschung des Priesters in der Messe (Lavabo), f\u00fcr rituelle Fu\u00dfwaschungen, die Beimischung einer geringen Wassermenge in den Messwein (vor der Konsekration) usw. verwendet. Zum anderen kommt es f\u00fcr die Reinigung von Kirchenr\u00e4umen und deren Einrichtungen sowie zum S\u00e4ubern ritueller Gegenst\u00e4nde zum Einsatz. Das so verwendete \u201egew\u00f6hnliche\u201c Wasser kann zumeist auch \u00fcber den gew\u00f6hnlichen Ausguss entsorgt werden. Aber auch hier gibt es Ausnahmen. Denn es ist keineswegs so, dass nur geweihtes Wasser einer speziellen Entsorgung bedarf. Noch heikler als die Entsorgung von Weihwasser ist die Entsorgung von Wasser, das mit den eucharistischen Gestalten \u2013 also Brot (Hostie) und Wein, in denen nach katholischer Vorstellung Leib und Blut Christi real gegenw\u00e4rtig sind \u2013 in Ber\u00fchrung gekommen ist. W\u00e4hrend geweihtes Wasser durch seine Segnung \u201elediglich\u201c auf Gott hin ausgerichtet und dem allt\u00e4glichen Gebrauch entzogen wird, enth\u00e4lt dieses Wasser Anteile der Gestalten, in denen Jesus Christus leibhaftig pr\u00e4sent ist oder war. Deshalb wird im Normalfall darauf geachtet, dass die eucharistischen Gestalten m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig von den Gl\u00e4ubigen konsumiert werden. \u00dcbriggebliebene oder auf den Boden gefallende Hostienteilchen werden nach M\u00f6glichkeit verspeist, \u00fcbriger Messwein getrunken. Auch f\u00fcr die Purifikation (Reinigung liturgischer Gef\u00e4\u00dfe) genutztes Wasser muss im Anschluss an die Prozedur durch den Priester oder Diakon selbst getrunken werden.<\/p>\n<p>Es gibt aber auch Situationen, in denen \u00dcberbleibsel von Wein und Hostien nicht mehr so einfach konsumiert werden k\u00f6nnen \u2013 jedenfalls nicht in zumutbarer Weise. Das gilt z.B. f\u00fcr auf den Boden, die Kleidung oder das Altartuch versch\u00fctteten Messwein, aber auch f\u00fcr Hostienreste, die Gl\u00e4ubigen aus dem Mund gefallen sind, ausgespuckt oder sogar erbrochen wurden. Auch in diesen F\u00e4llen m\u00fcssen alle \u00dcberreste der eucharistischen Gestalten sorgf\u00e4ltig ausgewaschen, aufgewischt oder aufgesammelt werden (Glenz 2020; Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz 2007, Abs. 278-280). Diese aufgenommenen Reste werden mit Wasser vermischt und darin aufgel\u00f6st. Durch das vollst\u00e4ndige Aufl\u00f6sen der eucharistischen Gestalten in Wasser endet nach katholischer Vorstellung auch die damit verbundene Pr\u00e4senz Christi (Glenz 2020). Dennoch darf das so entstandene Abwasser nicht einfach in den gew\u00f6hnlichen Ausguss gesch\u00fcttet werden, schlie\u00dflich befinden sich die \u00dcberreste der zuvor als Leib und Blut Christi verehrten Substanzen noch immer darin \u2013 wenn auch in gel\u00f6ster Form. Zwar wird Christus darin nicht mehr als leibhaftig pr\u00e4sent angenommen. Dennoch kann das Wasser damit als in einer gewissen Beziehung zum G\u00f6ttlichen stehend angenommen werden. F\u00fcr die Entsorgung dieses Wassers kommt deshalb nur das Sakrarium infrage bzw. ist es, falls kein Sakrarium vorhanden ist, geweihter Erde zuzuf\u00fchren (Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz 2007, Abs. 280).<\/p>\n<h3>\u201aHoly\u2018 vs. \u201aSacred\u2018<\/h3>\n<p>Bei den beschriebenen Entsorgungsvorschriften handelt es sich nicht nur um Symbolik (obwohl diese selbstverst\u00e4ndlich auch eine Rolle spielt). Die Beziehung, die zwischen dem G\u00f6ttlichen und geweihtem Wasser bzw. den aufgel\u00f6sten R\u00fcckst\u00e4nden der eucharistischen Gestalten besteht, geht \u00fcber eine blo\u00df symbolische hinaus. Eine profane Behandlung, wie sie das Entsorgen \u00fcber den gew\u00f6hnlichen Ausguss darstellen w\u00fcrde, w\u00e4re dieser Beziehung nicht angemessen und w\u00fcrde sie gewisserma\u00dfen entwerten.<\/p>\n<p>Ganz anders verh\u00e4lt es sich hingegen im evangelischen Glaubenskontext, der hier als Kontrast herangezogen werden kann. Auch dort spielt Wasser z.B. f\u00fcr das Taufritual eine zentrale Rolle. Aber anders als in der katholischen Kirche, existiert im evangelischen Glauben kein geweihtes Wasser. Die Vorstellung, Wasser k\u00f6nne durch einen Segen irgendwie ver\u00e4ndert (etwa auf das G\u00f6ttliche hin ausgerichtet) werden, wird abgelehnt. Dem verwendeten Wasser wird stattdessen eine prim\u00e4r symbolische Bedeutung zuerkannt. Entsprechend finden sich dort auch keine festen Vorschriften f\u00fcr die Entsorgung von rituell verwendetem Wasser. Es kann also ohne weiters in den gew\u00f6hnlichen Ausguss gegeben werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass etwa f\u00fcr die Taufe verwendetes Wasser nicht dennoch oftmals mit besonderer W\u00fcrde behandelt und z.B. zum W\u00e4ssern von Pflanzen im Kirchgarten genutzt wird, statt es in den Ausguss zu sch\u00fctten. Diese Form der Piet\u00e4t bezieht sich dann aber nicht auf den heiligen Status des Wassers, sondern vielmehr auf seine W\u00fcrde als Symbol.<\/p>\n<p>Eine begriffliche Differenzierung, die diesen unterschiedlichen Formen der religi\u00f6sen Bezugnahme auf Wasser zu entsprechen scheint, ist die zwischen \u201eholy\u201c und \u201esacred\u201c (Oestigaard 2011, 24).<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a> W\u00e4hrend \u201eholy\u201c auf eine tats\u00e4chliche Verbindung einer Sache mit den G\u00f6ttlichen verweist (z.B. in Form einer \u00dcbertragung von g\u00f6ttlichen Eigenschaften), bezieht sich \u201esacred\u201c auf ihre rituelle oder symbolische Bedeutung (d.h. der Sache werden keine \u00fcber das Weltliche hinausgehenden Eigenschaften zugeschrieben) (Oestigaard 2011, 24-25). Nach katholischem Ritus gesegnetes oder im Rahmen der Eucharistiefeier verwendetes Wasser kann demnach als \u201eholy\u201c gelten, denn es wird geglaubt, dass es mit den G\u00f6ttlichen in einer tats\u00e4chlichen Beziehung steht. In Gegensatz dazu ist das im Taufritus genutzte Wasser nach evangelischem Glauben \u201enur\u201c \u201esacred\u201c, da es prim\u00e4r als ein Symbol fungiert. Es ist wenig \u00fcberraschend, dass man f\u00fcr Gegenst\u00e4nde und Substanzen, die als \u201eholy\u201c gelten, in der Regel strengere Entsorgungsvorschriften findet als f\u00fcr solche, die sich als \u201esacred\u201c klassifizieren lassen. Im erstgenannten Fall geht es um das Heilige selbst, das als in dem zu entsorgenden Ding gegenw\u00e4rtig angenommen wird, im zweiten Fall lediglich um ein Symbol der menschlichen Verehrung des Heiligen.<\/p>\n<h3>Zwei Ontologien des Wassers<\/h3>\n<p>Wir finden also in der katholischen Kirche zwei voneinander vollst\u00e4ndig getrennte Abwasserwege \u2013 die Entsorgung \u00fcber die gew\u00f6hnliche Kanalisation und das Versenken in geweihter Erde (z.B. \u00fcber das Sakrarium). W\u00e4hrend die Versorgung mit Wasser f\u00fcr die verschiedenen Zwecke noch problemlos aus derselben Quelle erfolgen kann, hat man es nach der Verwendung mit zwei inkommensurablen Arten oder Zust\u00e4nden von Wasser zu tun, die nicht (mehr) in gleicher Weise behandelt und entsorgt werden k\u00f6nnen bzw. d\u00fcrfen. Aus naturwissenschaftlicher Sicht bleibt die chemisch-physikalische Beschaffenheit des Wassers unver\u00e4ndert. Aus einer Perspektive aber, die unterschiedliche Ontologien vorstellbar macht, wandelt sich der ontologische Status des geweihten oder mit den eucharistischen Gestalten in Ber\u00fchrung gekommenen Wassers. Wir haben es hier also \u2013 zumindest ist das meine These \u2013 mit unterschiedlichen ontologischen Bestimmungen von Wasser zu tun. Auf der einen Seite finden wir eine \u2013 in den Kategorien Descolas ausgedr\u00fcckt \u2013<i>naturalistische<\/i> Konzeption von Wasser, auf der anderen eine <i>analogistische<\/i> (geweihtes oder mit dem G\u00f6ttlichen in Kontakt gekommenes Wasser).<\/p>\n<p>Anders als unsere vorherrschende naturalistische Ontologie, die an einer strikten und un\u00fcberwindbaren Trennung zwischen der kalten, unbeseelten materiellen Welt und der Sph\u00e4re des Geistigen und Sozialen festh\u00e4lt, zeichnet sich der Analogismus dadurch aus, dass er eine sich zun\u00e4chst als unzusammenh\u00e4ngend darstellende Welt durch eine Vielfalt an Entsprechungen und Referenzen zwischen den Dingen (dem Materiellen und dem Geistigen, dem Immanenten und dem Transzendenten) zu ordnen versucht (Descola 2022, 301-344). Die katholische Vorstellung heiligen (\u201eholy\u201c) Wassers entspricht einer solchen analogistischen Vorstellung (Mabille 2025). Im Unterschied zur animistischen Vorstellungswelt, wird Wasser dabei nicht als lebendige oder irgendwie beseelte Entit\u00e4t betrachtet. Es steht vielmehr durch seine Ausrichtung auf das G\u00f6ttliche hin damit in einer besonderen Verbindung (Mabille 2025).<\/p>\n<p>Die katholischen Wasserentsorgungspraktiken verweisen also letztlich auf eine institutionalisierte Form des Analogismus, die sich, trotz der in der Moderne dominierenden naturalistischen Ontologie<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a>, in der katholischen Vorstellungswelt und Glaubenspraxis erhalten hat.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\"><sup>3<\/sup><\/a> Anders als etwa die von Yates et al. (2017) beschriebenen ontologischen Differenzen, besitzt die hier zutage tretende allerdings nur ein geringes Konfliktpotenzial \u2013 wenn man von theologischen Unstimmigkeiten (vor allem zwischen den Konfessionen) einmal absieht. Im Grunde ist der im katholischen Umgang mit Wasser partiell hervorscheinende Analogismus recht gut mit einer sonst prim\u00e4r naturalistischen Weltkonzeption vereinbar. Denn erstens bilden naturalistische und analogistische Vorstellungswelten, auch wenn sie keineswegs miteinander \u00fcbereinstimmen, keine direkten Gegenentw\u00fcrfe, wie es nach Descolas Schema etwa bei der Differenz von Naturalismus und Animismus der Fall ist.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\"><sup>4<\/sup><\/a> Zweitens beschr\u00e4nkt sich das analogistische Denken nur auf einen fest umgrenzten rituellen Bereich. Die meisten alltagspraktischen Belange bleiben davon v\u00f6llig unber\u00fchrt. Ein derart <i>partieller Analogismus<\/i> verlangt somit niemandem ab, seine naturalistische mentale Grundausstattung abzulegen oder grundlegend infrage zu stellen. Vielmehr bietet er eine durch spezielle Anl\u00e4sse und Rituale gerahmte Ausnahme, die sich relativ unproblematisch in eine sonst naturalistisch gepr\u00e4gte Weltsicht integrieren l\u00e4sst. So l\u00e4sst sich rituell genutztes Wasser als heilig (\u201eholy\u201c), anderes Wasser hingegen nach naturalistischer Ma\u00dfgabe behandeln. Die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gute Integrierbarkeit beider ontologischer Bestimmungen von Wasser ist dabei vermutlich auch eine Besonderheit des religi\u00f6sen Bereichs. Ob und inwieweit die Existenz solcher religi\u00f6sen nicht-naturalistischen Refugien auch Einfluss auf das generelle Verh\u00e4ltnis von Menschen und Wasser haben kann, w\u00e4re eine interessante Forschungsfrage.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>Descola, Philippe. 2022. <i>Jenseits von Natur und Kultur<\/i>. Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p>Glenz, Tobias. 2020. \u201eDer heilige Ausguss.\u201c Zugriff 06.05.2026. https:\/\/katholisch.de\/artikel\/13098-der-heilige-ausguss.<\/p>\n<p>Katechismus der Katholischen Kirche. 1997. Libreria Editrice Vaticana. https:\/\/www.vatican.va\/archive\/DEU0035\/__P5E.HTM.<\/p>\n<p>Latour, Bruno. 2008. <i>Wir sind nie modern gewesen: Versuch einer symmetrischen Anthropologie<\/i>. Suhrkamp Verlag.<\/p>\n<p>Linton, Jamie. 2010. <i>What Is Water?: The History of a Modern Abstraction<\/i>. UBC Press.<\/p>\n<p>Mabille, Fran\u00e7ois. 2025. \u201cFrom safeguarding creation to integral ecology: Catholic thought put to the test by Philippe Descola&#8217;s anthropology\u201d. IFCU Publication. https:\/\/www.wcu.academy\/en\/news\/from-safeguarding-creation-to-integral-ecology-catholic-thought-put-to-the-test-by-philippe-descola-s-anthropology-51<\/p>\n<p>Mesnerverband der Di\u00f6zese Rottenburg-Stuttgart. 2006. \u201eGottes Haus anvertraut: Handreichung f\u00fcr den Mesnerdienst\u201c. https:\/\/mesnerverband.drs.de\/fileadmin\/user_files\/95\/Dokumente\/Handbuch\/Handbuch_Mesner_0406.pdf.<\/p>\n<p>Oestigaard, Terje. 2013.<i>Water, Christianity and the Rise of Capitalism<\/i>. I. B. Tauris.<\/p>\n<p>Oxtoby, Willard G. 1987. \u201eHoly, Idea of the.\u201d In <i>The Encyclopaedia of Religion<\/i>, herausgegeben von Mircea Eliade, 6:431\u2013438. Macmillan.<\/p>\n<p>Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Hg. 2007. \u201eGrundordnung des R\u00f6mischen Messbuchs: Vorabpublikation zum Deutschen Messbuch.\u201c Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. https:\/\/www.dbk.de\/fileadmin\/redaktion\/veroeffentlichungen\/arbeitshilfen\/AH_215.pdf.<\/p>\n<p>Umweltbundesamt. 2021. \u201eWas darf nicht in die Toilette?\u201c Zugriff 15.05.2026. https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/was-darf-nicht-in-die-toilette.<\/p>\n<p>Umweltbundesamt. 2025. \u201eAnforderungen an das Einleiten von Abwasser \u2013 Abwasserverordnung.\u201c Zugriff 15.05.2026. https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/themen\/wasser\/abwasser\/anforderungen-an-das-einleiten-von-abwasser.<\/p>\n<p>Yates, Julian S., Leila M. Harris und Nicole J. Wilson. 2017. \u201eMultiple Ontologies of Water: Politics, Conflict and Implications for Governance.\u201d<i>Environment and Planning D: Society and Space<\/i> 35 (5): 797-815. https:\/\/doi.org\/10.1177\/0263775817700395.<\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Die Unterscheidung wurde urspr\u00fcnglich von Oxtoby (1987) vorgeschlagen und wird von Oestigaard (2011, 24) explizit auf die religi\u00f6sen Bestimmungen von Wasser bezogen.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Auch wenn Descola davon ausgeht, dass in verschiedenen Kulturen und Epochen jeweils unterschiedliche Ontologien das Denken der Menschen dominieren, sieht er keine evolution\u00e4re Abfolge und kein hierarchisches Verh\u00e4ltnis zwischen ihnen. Es handelt sich lediglich um unterschiedliche Weisen, die Welt zu ordnen und ihre Bestandteile miteinander in Beziehung zu setzen (vgl. Descola 2022, 346-347).<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> Descola weist auf eine Reihe von weiteren Analogismen hin, die trotz der vorherrschenden naturalistischen Ontologie, z.B. in Form esoterischer Praktiken wie der Astrologie oder der alternativen Medizin, \u00fcberdauert haben. <span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\">Das europ\u00e4ische Mittelalter und insbesondere die Renaissance bilden f\u00fcr ihn eine Art Hochphase des analogistischen Denkens, welches im \u00dcbergang zur Moderne allerdings in weiten Teilen durch eine naturalistische Weltkonzeption abgel\u00f6st wurde (vgl. Descola 2022, 306).<\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> Die Vorstellung einer beseelten Natur ist im Grunde das genaue Gegenst\u00fcck der Konzeption einer von allem Geistigen und Kulturellen strickt getrennten materiellen Welt (vgl. Descola 2022, 259).<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<p><strong>Stefan Brachat<\/strong> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Soziologie der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t Jena. Derzeit arbeitet er im vom BMFTR gef\u00f6rderten Th\u00fcringer Wasser-Innovationscluster in den Projekten HaVe und VerNetzT. 2021 wurde er mit einer Arbeit zum Strukturbegriff in der Systemtheorie Niklas Luhmanns promoviert. Zu seinen Forschungsschwerpunkten geh\u00f6ren u.a. soziologische Systemtheorie, Akteur-Netzwerk-Theorie, Fallrekonstruktion und soziologische Wasserforschung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abstract This paper takes the conceptualization and use of water in religious rituals of the Catholic Church as an example to demonstrate the coexistence of different water ontologies. It is argued that the regulations governing the disposal of consecrated water and Eucharistic wastewater point not only to a plurality of knowledge systems and corresponding practices, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":28,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[821],"class_list":["post-13817","waterworlding","type-waterworlding","status-publish","hentry","autor-stefan-brachat"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/waterworlding\/13817","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/waterworlding"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/waterworlding"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/28"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/waterworlding\/13817\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13831,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/waterworlding\/13817\/revisions\/13831"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13817"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=13817"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}