{"id":1650,"date":"2019-01-22T00:00:00","date_gmt":"2019-01-21T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/warumethnologie\/warum-ethnologie-aus-einer-fast-aussenperspektive\/"},"modified":"2019-09-23T17:44:03","modified_gmt":"2019-09-23T15:44:03","slug":"warum-ethnologie-aus-einer-fast-aussenperspektive","status":"publish","type":"warumethnologie","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/warumethnologie\/warum-ethnologie-aus-einer-fast-aussenperspektive\/","title":{"rendered":"Warum Ethnologie ? Aus einer Fast-Au\u00dfenperspektive"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1650?pdf=1650\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1650?pdf=1650\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p>Als ich mein Zeugnis mit dem Abschluss \u201eEthnologie (B.A.)\u201c in die Hand gedr\u00fcckt bekommen habe, konnte ich nicht sagen, was ich in vier Jahren Ethnologie eigentlich gelernt habe. Wie in so vielen Geistes- und Sozialwissenschaften ist es eher diffus und sehr individuell, was man aus dem Studium mitnimmt. Aber das hei\u00dft auf keinen Fall, dass ich nichts mitgenommen habe.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich wollte schon immer Journalistin werden und bin dann irgendwie bei der Ethnologie gelandet. Irgendwas mit Kultur und anderen L\u00e4ndern fand ich schon interessant, aber mehr davon, warum ich mich vor \u00fcber f\u00fcnf Jahren f\u00fcr das Studium entschieden habe, wei\u00df ich nicht mehr. Davon abgehalten, Journalistin zu werden, hat mich das Studium nicht, aber gerade jetzt, wo ich etwas anderes studiere, mehr als Journalistin arbeite und aus der Ethnologieblase raus bin merke ich, wie viel ich aus der Ethnologie mitgenommen habe.<\/p>\n<p>Nach meinem Bachelorstudium in Ethnologie habe ich einen internationalen Master in Journalismus. In vielen Seminardiskussionen fange ich jetzt S\u00e4tze an mit: \u201eAlso in der Ethnologie&#8230;\u201c, und meine Mitstudierenden, Freundinnen und Freunde aus anderen F\u00e4chern sind schon genervt, wenn ich sage, \u201edas kommt darauf an, wie man es definiert.\u201c Ich aber finde diesen f\u00fcr mich typischen Ethnologie-Satz ungeheuer wichtig \u2013 gerade auch f\u00fcr andere Disziplinen.<\/p>\n<p>Selbst das Fach Ethnologie w\u00fcrden wir wahrscheinlich alle unterschiedlich definieren.<\/p>\n<p>Ja, als Ethnologiestudentin muss man immer eine Erkl\u00e4rung parat haben, denn die wenigsten wissen, was genau man studiert oder was man dann damit machen kann. Aber das ist auch gut, denn so hinterfragt man das auch selbst, und ist sich viel sicherer, was man macht und warum.<\/p>\n<p>Ich habe es in einem Satz immer als \u201edie Wissenschaft der fremden Kulturen\u201c erkl\u00e4rt, aber je mehr ich studiert habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass sowohl \u201eWissenschaft\u201c, als auch das, was als \u201efremd\u201c und was als \u201eKultur\u201c gilt, andauernd hinterfragt wird. In der Ethnologie lernt man eben, alles zu hinterfragen und kritisch zu betrachten \u2013 besonders das traditionelle, allt\u00e4gliche, das \u201enormale\u201c und insbesondere sich selbst und die eigene Disziplin.<\/p>\n<p>Nein, die Ethnologie hat keine sch\u00f6ne Geschichte. Sie ist entsprungen aus der Kolonialherschafft mit rassistischen Perspektiven auf \u201efremde V\u00f6lker\u201c und Begr\u00fcndungen, warum wei\u00dfe Europ\u00e4er diese schlecht behandeln d\u00fcrften. Nat\u00fcrlich ist es gerade bei dieser Geschichte besonders wichtig, das Fach immer wieder zu hinterfragen und zu kritisieren. Aber deshalb sollte es sich nicht aufl\u00f6sen. Denn gerade mit dieser selbstkritischen Perspektive kann die Ethnologie viel erreichen.<\/p>\n<p>Man lernt in der Ethnologie nicht nur, das eigene Fach, den eigenen Beruf zu hinterfragen, sondern auch die eigene Rolle darin und was Objektivit\u00e4t \u00fcberhaupt hei\u00dft und bringt: Kann man als Mensch mit eigenen Perspektiven \u00fcberhaupt komplett objektiv berichten? W\u00e4re es nicht viel wichtiger, wie in Ethnographien mittlerweile \u00fcblich, die eigene Rolle darzustellen, damit Leser\/innen wissen aus welcher Sichtweise, mit welchem Wissen und etwaigen Vorurteilen man recherchiert und beschreibt?<\/p>\n<p>Und beides hilft nicht nur in der Ethnologie: Auch andere Disziplinen sollten davon lernen, dass die festgefahrene Modernisierungstheorie und die Globalisierungsdefinitionen absolut nicht aktuell oder gut sind. Auch im Journalismus ist es hilfreich, gerade in Zeiten von mangelndem Medienvertrauen die eigene Rolle als Journalistin und den Versuch von Objektivit\u00e4t kritisch zu betrachten.<\/p>\n<p>Ich habe aus der Ethnologie eine Offenheit f\u00fcr alles Unbekannte und einen neuen Blick f\u00fcr alles, was man immer f\u00fcr \u201enormal\u201c und \u201etraditionell\u201c gehalten hat, mitgenommen. Familie hei\u00dft eben nicht immer, Vater, Mutter, Kind und hie\u00df es auch nie \u00fcberall. Und manchmal ist mir deutsches Dorfleben sehr viel fremder als das Stadtleben auf einem anderen Kontinent.<\/p>\n<p>Im Journalismus habe ich dadurch ganz konkret \u00fcber Migrationsthemen, andere Religionen und Sprachen und Ethnologie geschrieben. Aber auch abseits davon habe ich f\u00fcr meine Arbeit \u00a0als Journalistin mitgenommen, dass Objektivit\u00e4t nicht gleich Objektivit\u00e4t ist und die eigene Erfahrung, die eigene Beschreibung nicht gleich die von allen ist.<\/p>\n<p>Darum Ethnologie.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;\"><strong>Jelena Malkowski<\/strong> hat von 2013 bis 2017 Ethnologie an der Universit\u00e4t Hamburg studiert. Mittlerweile macht sie einen Erasmus Mundus Master in \u201eJournalism, Media and Globalisation\u201c mit der Spezialisierung in \u201eJournalism across Cultures\u201c in Aarhus und Hamburg, gemeinsam mit Studierenden aus 40 verschiedenen L\u00e4ndern. Nebenbei schreibt sie als Journalistin f\u00fcr Print- und Onlinemedien und wenn noch Zeit \u00fcbrig bleibt, auf ihrem eigenen Blog. Dort will sie in Zukunft noch mehr auf Ethnologie einbringen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[167],"warumethnologie_category":[],"class_list":["post-1650","warumethnologie","type-warumethnologie","status-publish","hentry","autor-jelena-malkowski"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1650","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/warumethnologie"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1650\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1872,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1650\/revisions\/1872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1650"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=1650"},{"taxonomy":"warumethnologie_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie_category?post=1650"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}