{"id":1649,"date":"2019-01-08T00:00:00","date_gmt":"2019-01-07T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/warumethnologie\/meine-zerrissenheit-zwischen-selbstaufgabe-und-egozentrismus\/"},"modified":"2019-09-23T17:44:21","modified_gmt":"2019-09-23T15:44:21","slug":"meine-zerrissenheit-zwischen-selbstaufgabe-und-egozentrismus","status":"publish","type":"warumethnologie","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/warumethnologie\/meine-zerrissenheit-zwischen-selbstaufgabe-und-egozentrismus\/","title":{"rendered":"Meine Zerrissenheit zwischen Selbstaufgabe und Egozentrismus."},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1649?pdf=1649\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1649?pdf=1649\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p>Kultur- und Sozialanthropologie (KuSA) vereint zwei F\u00e4cher, die sich geschichtlich einiges zu Schulden kommen lie\u00dfen. Die in Zusammenarbeit mit verschiedenen Regimen und Kolonialregierungen Werkzeug und treibende Kraft wurden f\u00fcr Hass, Ausgrenzung und Gewalt. Die sich irgendwann zur\u00fcckzogen, ihre logischen Widerspr\u00fcche erbarmungslos offenlegten und seitdem versuchen, ehrlich an die Tiefen des Menschseins heranzutreten. KuSA treibt mich an, im Kleinen eine \u00e4hnliche Entwicklung vollziehen zu wollen. Mir bewusst zu werden, wo ich die bequemen L\u00f6sungen suche, wo ich ich-zentriert denke und dann unnachgiebig daran zu arbeiten, Andere in den Fokus zu r\u00fccken, bis ich sie besser verstehen kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich liebe die KuSA daf\u00fcr, dass sie allem mit derselben Neugier entgegentritt. Geisterbeschw\u00f6rung, rituelle Trance, Beschneidung, Schmucknarben verlieren ihren Schrecken, werden Teil des Menschseins. Der Tischkickerverein die Stra\u00dfe runter wird zum faszinierendsten Erlebnis des Semesters. Ich lerne, dass jeder eine Geschichte hat, die es wert ist, geh\u00f6rt zu werden und dass kein Geheimnis unaussprechlich sein sollte. KuSA gibt mir den Mut, an Menschen, an Welten heranzutreten, die ich f\u00fcr unerreichbar, zu fremd hielt und erinnert mich daran, Menschen und Welten, die mir unendlich vertraut erscheinen, mit neuen Fragen zu locken. Immer, wenn die Welt in den Nachrichten so gro\u00df wirkt, so undurchdringbar, ertappe ich mich dabei, wie ich denke: \u201eDa hat doch bestimmt ein Anthropologe, eine Anthropologin Jahre damit verbracht, es zu erforschen &#8211; Was schreibt er, sie dar\u00fcber?\u201c Immer, wenn ich etwas lese, das ich nicht verstehe, sagen Lehrende und Fachliteratur: \u201eGeh\u2019 doch hin.\u201c KuSA ist f\u00fcr mich der Drang, mit den Menschen zu sprechen, die von einem Thema direkt betroffen sind. Seite an Seite mit ihnen zu arbeiten, zu beten, zu leben. Eine Grundhaltung, die ich in einer Zeit, in der sehr viel ungefragt \u00fcber andere gesprochen wird, als absolut unabdingbar wahrnehme. Beide Institute an meiner Universit\u00e4t scheinen zun\u00e4chst etwas unscheinbar, doch jede Person, der man auf den Fluren begegnet, hat gro\u00dfartiges erlebt und erforscht. Jeder fordert mich auf, mein Studium selbst in die Hand zu nehmen, die Studienordnung auf den Kopf zu stellen, wenn mich etwas brennend interessiert. Im letzten Semester lie\u00df mich eine unbenotete Studienleistung einfach nicht los, sodass ich vier Wochen nur in der Bibliothek verbrachte und f\u00fcnf Tage in die Schweiz fuhr, um dort einen sudanesischen Konvertitenpastor bei Tagungen evangelikaler Missionare und Gemeindeleiter zu begleiten. Ist KuSA ein geradliniger Karriereweg? Nein, f\u00fcr mich nicht. Aber aufrichtiger k\u00f6nnte ich meiner Neugier nicht folgen, als hier. Solche Spirenzchen werden nicht nur toleriert, sie werden diskutiert, kritisiert, weitergetrieben.<\/p>\n<p>KuSA ist Gift f\u00fcr jeden Smalltalk. Sie macht mich durchsetzungsschwach in Debatten \u00fcber aktuelle Politik, weil ich immer noch die andere Meinung dazu h\u00f6ren will. Sie macht mich angreifbar, weil ich viel Zeit damit verbringe, \u00fcber meine Befangenheit, meine Schw\u00e4chen nachzudenken. Sie bringt mich in Erkl\u00e4rungsnot, weil kaum jemand wirklich verstehen will, wie man diesen scheinbar ungreifbaren Studiengang w\u00e4hlen, wie man sich diesen Themen Woche f\u00fcr Woche freiwillig stellen kann. Und trotzdem macht sie mich stark, weil ich lerne, mich mit sanftem Tatendrang jedem Tabu aufs Neue zu stellen. Inzest, Kannibalismus, Tod.KuSA sucht immer die allumfassende Perspektive, aber nicht die universal g\u00fcltige Erkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>Mich, eine notorische Klugschei\u00dferin, macht sie dem\u00fctig im Angesicht der geballten Sammlung so vieler Menschheitserfahrungen.<\/p>\n<p><strong><em>Edda Sofie Schwarzkopf<\/em><\/strong> studiert Kultur- und Sozialanthropologie im Zweifach-Bachelor an der WWU in M\u00fcnster. Auch im Zweitfach Kommunikationswissenschaft interessiert sie sich besonders f\u00fcr die Untiefen und Abgr\u00fcnde des Menschseins, f\u00fcr Machtspiele in der Datenverarbeitung, virtuelle Vernetzung analoger lokaler Kontexte. Die anthropologische, systemzerst\u00f6rerische Perspektive auf Konfliktbeilegung hat sie im letzten Jahr besonders gefesselt. Da erst im dritten Fachsemester, steht ihr noch viel zu lernen und entdecken bevor, sie ist jedoch bereits brennende Advokatin f\u00fcr die Spannungsfelder der Disziplin, die sie in vielen nichtanthropologischen, nichtakademischen Kontexten wieder erkennt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[168],"warumethnologie_category":[],"class_list":["post-1649","warumethnologie","type-warumethnologie","status-publish","hentry","autor-edda-sofie-schwarzkopf"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1649","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/warumethnologie"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1649\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1874,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1649\/revisions\/1874"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1649"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=1649"},{"taxonomy":"warumethnologie_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie_category?post=1649"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}