{"id":1646,"date":"2018-12-04T00:00:00","date_gmt":"2018-12-03T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/warumethnologie\/ethnologie-in-einem-karton\/"},"modified":"2019-09-23T17:45:02","modified_gmt":"2019-09-23T15:45:02","slug":"ethnologie-in-einem-karton","status":"publish","type":"warumethnologie","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/warumethnologie\/ethnologie-in-einem-karton\/","title":{"rendered":"Ethnologie in einem Karton"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1646?pdf=1646\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1646?pdf=1646\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p>Ethnologie ist schon eine eigenartige Disziplin. Sie ist eine jener, die immer ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt werden muss, weil Freunde und Familie im Normalfall keine treffende Vorstellung davon haben. Die perfekte Chance, um ein bisschen schlau daherzureden. Aber da macht uns das Fach einen Strich durch die Rechnung! Warum das so ist, lernt man ganz fix.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte sich das Fach als gro\u00dfen, magischen Karton vorstellen. Wenn man ihn \u00f6ffnet, muss man auf eine unglaubliche F\u00fclle an Elementen sto\u00dfen. Viele Teile, also Begriffe, Theorien und Konzeptionen, h\u00e4lt man in der Hand. Wenn man darin w\u00fchlt, wei\u00df man oft nicht, was diese Teile sollen, was sie meinen oder wie man sie verwendet. Man w\u00fchlt und w\u00fchlt und findet keinen Boden, nur noch mehr Teile. Einige davon gefallen einem auch gar nicht, sie passen gar nicht so gut in den Karton. Sagt wer? Auch die Perspektive auf den Karton ist nicht unwichtig. Man kann ihn aus unterschiedlichen Blickwinkeln beobachten \u2013 die Teile des Kartons k\u00f6nnen je nach Blickwinkel unterschiedlich aussehen und in ihrer Bedeutung oder Verwendung variieren. Magisch eben! F\u00fcr Menschen, die keinen sch\u00e4tzenden Blick auf den Karton erlangen k\u00f6nnen, ist dieser nicht mehr als ein Gegenstand im Raum. Manche sto\u00dfen und \u00e4rgern sich. Andere nehmen ihn gar nicht wahr. Wenn man anf\u00e4ngt Ethnologie zu studieren, dann hat man sich f\u00fcr diesen Karton entschieden und er ist jetzt irgendwie Teil des Lebens: wie man ihn ansieht, wie tief man darin w\u00fchlt und wie man die Teile zusammensetzt, liegt an einem selbst. Manchmal will man den Karton auch einfach wieder wegr\u00e4umen.<\/p>\n<p>Wie jede meiner universit\u00e4ren Pflichten, schreibe ich auch diesen Text kurz vor knapp! Mit der Metapher des Kartons kann man bei ahnungslosen Familienmitgliedern wohl eher nicht punkten \u2013 also wie macht man deutlich, warum man sich f\u00fcr diese herrliche Disziplin entschieden hat? Eigentlich gar nicht. Ein Professor hat mir bereits im ersten Semester davon abgeraten, zu versuchen, andere davon zu \u00fcberzeugen. Das scheint mir aber glatt ein bisschen zu arrogant, so als h\u00e4tten andere keinen Zugang dazu. Was mache ich also, wenn ich mich mal wieder darlegen muss? Einer der wohl universellsten Gr\u00fcnde, wieso dieses Fach sinnvoll ist, ist die simple Tatsache, dass es den eigenen Horizont ungemein erweitert. Oft erwidern Leute auf mein Wissen nur ein Lachen, von wegen es g\u00e4be wichtigere Dinge, die man studieren k\u00f6nne. Das sehe ich anders: wer seinen Horizont erweitern m\u00f6chte, muss sein Auge auch auf \u201ekleine\u201c Dinge richten. Zum Beispiel Afrikanische Comics! Wenn man sich dann ein wenig damit befasst, merkt man rasch, dass viele Dinge gar nicht so \u201eklein\u201c sind, wie man erst dachte. ZACK! Etwas Neues gelernt, einen neuen Blickwinkel eingenommen! Wenn ich zur\u00fcckschaue auf drei Semester totale Verwirrung einerseits, dem Durst nach Wissen und Verst\u00e4ndnis andererseits, ist der goldene Preis mein neuer Blickwinkel. Das merkt man, wenn man wie ich, mit Familienmitgliedern \u00fcber Br\u00e4uche und Riten in Afrika spricht. Erstere schnappen so etwas in mittelm\u00e4\u00dfigen Dokumentationen auf, ich behandele das wissenschaftlich. Was Opa als \u00e4u\u00dferst komisch und r\u00fcckschrittlich wahrnimmt, ist f\u00fcr mich eben einfach so, wie es ist: Menschen haben unterschiedliche Wege, ihr Zusammenleben so zu gestalten, dass es funktioniert. Was man dadurch gewinnt? Es ist sch\u00f6n. Es ist einfach sch\u00f6n zu wissen, dass es so viele unterschiedliche Lebensweisen auf der Welt gibt. Dabei m\u00f6chte ich nicht die eine idealisieren oder die andere als weniger entwickelt betrachten. Um genau zu sein, gibt mir diese Gewissheit fast so etwas wie Trost. Nicht alle Gesellschaften der Welt verfolgen den gleichen Optimierungswahn und solch einen Leistungsdruck, wie unsere. Es gibt Systeme, die v\u00f6llig anders sein k\u00f6nnen. Ganz pl\u00f6tzlich macht es also \u201eklick\u201c und man findet Hexerei und Magie nicht mehr so schr\u00e4g wie Opa das tut. Das Wissen, das ich mir aneigne, erm\u00f6glicht es mir Kritik zu \u00fcben. Viele versuchen das Fach auf den Gegenstand \u201eAfrika\u201c zu reduzieren. Ich mag das nicht. Es ist auf der einen Seite unzutreffend, da die Ethnologie sich auch durch ihre Interdisziplinarit\u00e4t auszeichnet. Manchmal befasst man sich auch einfach nur mit Autobahnrastst\u00e4tten vor dem Hintergrund philosophischer Sichtweisen. Nein, keine afrikanische Gesellschaft. Und Kultur? Ein Begriff der so inflation\u00e4r gebraucht wird, dass man ihn bereits anhand unserer Gesellschaft eingehend untersuchen und hinterfragen kann. Wenn man Ethnologie studiert, dann kann pl\u00f6tzlich vieles (oder alles?) im Leben ethnologisch relevant werden. Andererseits sind afrikanische Gesellschaften, deren politische und wirtschaftliche Systeme, Riten, Symbole und Strukturen etc.\u00a0 immer eine hervorragende Grundlage, um die Welt besser zu verstehen und sie im Zuge dessen zu hinterfragen. F\u00fcr mich geht es in erster Linie nicht konkret um das Wirtschaftssystem einer afrikanischen Gesellschaft. Man muss nur verstehen, was einem das Wissen \u00fcber dieses f\u00fcr die eigene Gesellschaft mitgibt. Also sollte man tunlichst vermeiden, Ethnologie auf Afrika zu reduzieren. Man lernt vieles \u00fcber die Welt, \u00fcber einzelne Teile von ihr und \u00fcber die Menschen selbst. Wie unterschiedlich sie leben, ohne, jemanden auf negative Weise als anders darstellen zu wollen.<\/p>\n<p>..Dieser Text k\u00f6nnte eine lange Rede werden, warum dieses Fach so herrlich ist. Das w\u00fcrde den Rahmen aber sprengen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend w\u00fcrde ich sagen, dass der Wille zum Wissen die Quintessenz ist. Man muss sich vor diesem Hintergrund auf den magischen Karton einlassen: man muss darin w\u00fchlen, sich diverse Teile aus unterschiedlichen Blickwinkeln ansehen. Und nach dem Boden sollte man gar nicht erst suchen, denn es gibt keinen. Viele st\u00f6ren sich daran. \u00dcbersetzt: Man muss sich Begriffe, Konzepte und Theorien ansehen und sich auf sie einlassen. Man verwendet sie, dekonstruiert sie oder legt sie einfach beiseite. Man wird im Laufe der Zeit immer tiefer im Karton w\u00fchlen und immer mehr Teile aneinandersetzen k\u00f6nnen, wie bei jeder Wissenschaft. Und man wird merken, dass einem die Ethnologie und relevante Bausteine und Gegenst\u00e4nde dieser tagt\u00e4glich begegnen. Und man versteht alles ein bisschen anders, ein bisschen besser und ein bisschen offener. Offenheit ist ein guter Preis f\u00fcr das viele W\u00fchlen im Karton.<\/p>\n<p><strong>Theresa Vollweiter<\/strong> studiert im vierten Semester an der Johannes-Gutenberguniversit\u00e4t Mainz. Ihr Kernfach ist Soziologie und ihr Beifach Ethnologie. Theresa wollte niemals Ethnologin werden oder gar in die Schublade der Ethnologieklischees hineingesteckt werden. Bis sie sich mehr und mehr in der Thematik sah und sich bei Gespr\u00e4chen immer wieder auf im Studium Gelerntes st\u00fctzte. Da merkte sie schnell, dass sie in ihrem Fach angekommen ist. Am besten gefiel ihr das philosophisch gepr\u00e4gte Seminar zum Aspekt des Raumes in der Ethnologie. Im Einklang mit ihrem Hauptfach, kann sie sich f\u00fcr allt\u00e4gliche Praktiken begeistern und diese vor ethnologischen Hintergr\u00fcnden betrachten. Pl\u00f6tzlich sah sie, dass Ethnologie \u00fcberall ist, und sie war begeistert davon<em>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[170],"warumethnologie_category":[],"class_list":["post-1646","warumethnologie","type-warumethnologie","status-publish","hentry","autor-theresa-vollweiter"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1646","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/warumethnologie"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1646\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1876,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie\/1646\/revisions\/1876"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1646"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=1646"},{"taxonomy":"warumethnologie_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/warumethnologie_category?post=1646"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}