{"id":12599,"date":"2025-09-30T12:08:52","date_gmt":"2025-09-30T10:08:52","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=uncommoning&#038;p=12599"},"modified":"2025-09-30T13:43:47","modified_gmt":"2025-09-30T11:43:47","slug":"schwangerschaft-und-ethnologische-feldforschung","status":"publish","type":"uncommoning","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/uncommoning\/accompanied-research\/schwangerschaft-und-ethnologische-feldforschung\/","title":{"rendered":"Schwangerschaft und ethnologische Feldforschung"},"content":{"rendered":"<p><em>Paper proposal for the planned handbook \u201cAccompanied Fieldwork in Anthropology\u201d, edited by Julia Koch-Tshirangwana, Judit Tavakoli &amp; Sophia Thubauville, cp. <a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/uncommoning\/accompanied-research\/gaa-working-group-family-in-the-field-handbook-project-accompanied-fieldwork-in-anthropology\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GAA Working Group \u201eFamily in the Field\u201d &amp; Handbook Project \u201cAccompanied Fieldwork in Anthropology\u201d<\/a><\/em><\/p>\n<p>Ethnologische Feldforschung ist eine verk\u00f6rperte Praxis, die nicht losgel\u00f6st von forschenden K\u00f6rpern und intersektionalen Identit\u00e4ten der Forschenden stattfindet. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Schwangerschaften und Geburten den Ablauf ethnologischer Feldforschung und der dabei angewandten Methoden beeinflussen. Die oftmals neu zugeschriebene Identit\u00e4t und soziale Rolle der (werdenden) Mutter hat beispielsweise Auswirkungen auf soziale Interaktionen und den Forschungsprozess. Ver\u00e4nderter, teils erleichterter Beziehungsaufbau zu bestimmten Gespr\u00e4chspartner*innen oder aber auch ver\u00e4nderte Verhaltensweisen in Interviews von interviewender und interviewter Person sind Aspekte, die in der Literatur zum Thema Schwangerschaft und Feldforschung hervorgehoben werden. Diese thematisiert auch, dass Schwangerschaften und Geburten die Planung und Strukturierung von Forschungsaufenthalten beeinflussen, welche mit Aufenthalten an anderen Orten verbunden sein k\u00f6nnen, und somit der Gestaltung und Durchf\u00fchrung von Forschungsprojekten. Medizinische Routinen und Abl\u00e4ufe werden in diesen Planungen oftmals ber\u00fccksichtigt, jedoch h\u00e4ufig auch umgedeutet und hinterfragt. Risiko-Diskurse, die auch im Kontext der Medikalisierung von Schwangerschaft zentral sind, beeinflussen nicht nur die Planung der Forschung, sondern auch Verhaltensweisen, Erwartungen und Einsch\u00e4tzungen der sozialen Akteur*innen w\u00e4hrend der Feldforschung.<\/p>\n<p>Dieser Beitrag bietet einen \u00dcberblick \u00fcber Publikationen zum Themenbereich Schwangerschaft und Feldforschung und fasst zentrale Themen zusammen, die schwangere Feldforschende in ihren Beitr\u00e4gen hervorgehoben haben. Ferner besch\u00e4ftigt sich der Beitrag auf allgemeinerer Ebene mit grundlegenden Fragen zur Schwangerschaft, die ebenfalls einen Einfluss auf die Feldforschungspraxis haben: was wird in verschiedenen soziokulturellen Kontexten als Schwangerschaft verstanden und wer kann potenziell schwanger werden? Ist es ein weibliches Individuum, ein Paar, oder im Falle einer Couvade ein (co-)schwangerer Mann? Ebenfalls wird thematisiert, dass Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett h\u00e4ufig als Phasen eines einzelnen, untrennbaren Prozesses empfunden und definiert werden. Diese Phasen oder Prozesse k\u00f6nnen in verschiedenen soziokulturellen Kontexten auf unterschiedliche Art \u2013 als zusammenh\u00e4ngend, untrennbar oder separat \u2013 interpretiert werden. Eine Geburt kann zwar als Prozess der k\u00f6rperlichen Trennung von Mutter und Kind verstanden werden, jedoch ist dieser nicht zwangsl\u00e4ufig mit der Entbindung gleichzusetzen. Schwangerschaften und Geburten haben neben k\u00f6rperlichen immer auch soziale Dimensionen, und k\u00f6nnen so beispielsweise erst nach einem \u00dcbergangsritual als abgeschlossen gelten. H\u00e4ufig werden Mutter und Kind so lange als eine Einheit betrachtet, bis sie bestimmte Trennungsriten vollziehen oder bis ein Kind nicht mehr gestillt wird.<\/p>\n<p>Derartige unterschiedliche Verst\u00e4ndnisse und Definitionen von Schwangerschaft und Geburt beeinflussen auch ethnologische Feldforschungen, insbesondere dann, wenn die forschende Person schwanger ist, stillt und\/oder ein noch sehr junges Kind hat. Normative Vorstellungen und Erwartungshaltungen an schwangere Personen (z.B. hinsichtlich ihrer Mobilit\u00e4t, sozialen Interaktion und Nahrungsaufnahme) werden auch auf Forscher*innen \u00fcbertragen, k\u00f6nnen von diesen \u00fcbernommen oder infrage gestellt werden, mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Forschung. Feldforschung als verk\u00f6rperte Praxis muss daher auch als von diesen Prozessen und Verst\u00e4ndnissen beeinflusst verstanden werden, eine Tatsache, die jedoch h\u00e4ufig nicht ausreichend reflektiert wird.<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Sinah Theres Klo\u00df<\/strong> hat in Ethnologie an der Universit\u00e4t Heidelberg promoviert. Seit 2020 ist sie Forschungsgruppenleiterin am Bonn Center for Dependency and Slavery Studies der Universit\u00e4t Bonn. Ihre aktuelle Forschung befasst sich mit der sensorischen Geschichte der K\u00f6rpermodifikation und konzentriert sich auf die Wechselbeziehung von Religion und Biomacht im hinduistischen Surinam, Guyana und Trinidad. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Konzepte von Schwangerschaft und Geburt aus ethnologischer und feministischer Perspektive.<\/p>\n<p><strong>Kontakt<\/strong><\/p>\n<p>Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universit\u00e4t Bonn<\/p>\n<p>Bonn Center for Dependency and Slavery Studies<\/p>\n<p>Dr. Sinah Klo\u00df<\/p>\n<p>Niebuhrstr. 5<\/p>\n<p>D-53113 Bonn<\/p>\n<p><a href=\"mailto:s.kloss@uni-bonn.de\">s.kloss@uni-bonn.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":29,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[772],"blog":[720],"class_list":["post-12599","uncommoning","type-uncommoning","status-publish","hentry","autor-sinah-theres-klos","blog-accompanied-research"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/uncommoning\/12599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/uncommoning"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/uncommoning"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/29"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/uncommoning\/12599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12630,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/uncommoning\/12599\/revisions\/12630"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=12599"},{"taxonomy":"blog","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/blog?post=12599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}