{"id":1634,"date":"2017-08-01T00:00:00","date_gmt":"2017-07-31T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/kulturrelativismus\/soziologische-anmerkungen-zum-problem-des-fremdverstehens\/"},"modified":"2020-07-08T21:16:29","modified_gmt":"2020-07-08T19:16:29","slug":"soziologische-anmerkungen-zum-problem-des-fremdverstehens","status":"publish","type":"kulturrelativismus","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/kulturrelativismus\/soziologische-anmerkungen-zum-problem-des-fremdverstehens\/","title":{"rendered":"SOZIOLOGISCHE ANMERKUNGEN ZUM PROBLEM DES FREMDVERSTEHENS"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1634?pdf=1634\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1634?pdf=1634\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p><em><strong>Anmerkung der Redaktion: Mit diesem Beitrag verabschiedet sich der Blog in die Semesterpause. Wir w\u00fcnschen einen sch\u00f6nen Sommer und sind Anfang Oktober zur\u00fcck.<\/strong><\/em><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Das Problem des Fremdverstehens interessiert mich in zweierlei Hinsicht. Zum einen besch\u00e4ftigt mich seit Langem die Frage nach dem deutenden Verstehen der Handlungen eines menschlichen Gegen\u00fcbers generell. Alfred Sch\u00fctz (1971, 1974) hatte sich im Anschluss an die \u00dcberlegungen von Max Weber (1968, 1980) sehr grundlegend mit diesem handlungstheoretischen Problem besch\u00e4ftigt. Seine Antwort auf die Frage, wie im t\u00e4glichen Miteinander die Motive des anderen verstanden und dessen Intentionen in der Interaktion durch eigenes Handeln sozial und subjektiv passend \u201abeantwortet\u2018 werden k\u00f6nnten, l\u00e4sst sich in f\u00fcnf Leits\u00e4tzen zusammenfassen (Schetsche u.a. 2009: 476\u2013477):<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li>Der Sinn, den ein Mensch seinem Handeln zuweist (= subjektiv gemeinter Sinn) kann von anderen Menschen deutend verstanden werden.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"2\">\n<li>Menschen k\u00f6nnen auch die Motive des Handelns verstehen (= erkl\u00e4rendes Verstehen), solange es sich entweder um rationale Motive handelt oder um irrationale Motive, die dem Beobachter selbst kognitiv-emotional zug\u00e4nglich sind.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"3\">\n<li>Da fraglich ist, ob und inwieweit das unterstellte Motiv auch dem subjektiv gemeinten Sinn entspricht, tritt alltagspraktisch an die Stelle des subjektiv gemeinten ein intersubjektiver \u2013 \u201eobjektiver\u201c \u2013 Sinn, der auf \u00fcbereinstimmenden kollektiven D eutungsschemata beruht.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"4\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"4\">\n<li>Der \u201aobjektive Sinn\u2018 basiert auf der Fiktion, dass mein Gegen\u00fcber meine Deutungsschemata teilt; Fremdverstehen ist mithin Selbstauslegung des Beobachters.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"5\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"5\">\n<li>Voraussetzung f\u00fcr die unterstellte Kongruenz von Motiven (an Stelle des Anderen w\u00fcrde ich aus eben denselben Motiven handeln) sind eine angenommene strukturelle Gleichheit von Bewusstseinsverl\u00e4ufen und eine Erlebnisn\u00e4he zwischen Alter und Ego.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<p>Praktisch bedeutsam sind solche \u00dcberlegungen nicht nur f\u00fcr die Analyse interkultureller Missverst\u00e4ndnisse, sondern auch intrakulturell, etwa in der Kriminalsoziologie, wo es um den Umgang der Gesellschaft mit normverletzenden Handlungen Einzelner geht. In diesem Feld ist die Frage des intersubjektiven Verstehens so zentral, weil das in Deutschland geltende Schuldstrafrecht bei der Feststellung von Schuld und insbesondere bei der Zumessung der Strafe mehr oder weniger apodiktische Festlegungen des Gerichts hinsichtlich der Motive des T\u00e4ters (der T\u00e4terin) verlangt.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Ohne die gerichtliche Feststellung der Tatmotive, so das generelle juristische Konstrukt, ist eine angemessene Bestrafung unm\u00f6glich.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Sp\u00e4testens in den Grenzf\u00e4llen des menschlichen Handelns erweist sich diese Grundidee des Schuldstrafrechts allerdings eher als Fiktion \u2013 wenn auch als eine kulturell notwendige und psychohygienisch wohltuende. Im Rahmen eines DFG-Projekts (\u201eWille und Trieb\u201c) hatten wir vor vielen Jahren unter anderem die Strafverfahren zur Ahndung eines guten Dutzends so genannter Serienmorde in Deutschland im gesamten 20. Jahrhundert minuti\u00f6s rekonstruiert. Unsere Analysen zeigten, dass die vom Gericht schlie\u00dflich festgestellten Motive f\u00fcr jene \u201eLustmorde\u201c (ein Deutungsmuster, dass die Strafrechtspraxis des gesamten zwanzigsten Jahrhunderts dominierte) wenig mit den urspr\u00fcnglichen Motiven der T\u00e4ter zu tun haben, vielmehr prozessorale Konstruktionen mit dem Ziel darstellen, zu einer vermeintlich gerechten Beurteilung der Schuld der Angeklagten zu kommen. Falls die Konstruktionen gelingen, sind sich zum Schluss alle Beteiligten \u2013 Juristen, psychiatrische Gutachter, \u00d6ffentlichkeit und sogar die Angeklagten selbst \u2013 dar\u00fcber einig, dass sich motivational alles genauso zugetragen haben \u201amuss\u2018, wie es vom Gericht schlie\u00dflich festgestellt wurde. Wenn der wohl bekannteste Kinderm\u00f6rder der Bundesrepublik, J\u00fcrgen Bartsch, an die Wand seiner Zelle kritzelt \u201eIch habe mich gewehrt, aber \u201aEs war st\u00e4rker\u2018!\u201c, sagt dies wenig \u00fcber die urspr\u00fcnglichen Tatmotive des Explorierten aus \u2013 aber viel \u00fcber das Deutungsmuster seines tiefenpsychologischen Gutachters. Der im Sinne der \u00d6ffentlichkeit wie des Justizsystems \u201agute Serienm\u00f6rder\u2018 ist jener, der die Motivzuschreibung von Gutachtern und Juristen anerkennt und zum Schluss seines Verfahrens hinsichtlich seiner damaligen Gr\u00fcnde gesteht: Ja, so muss es gewesen sein! (Siehe Hoffmeister\/Schetsche 2005).<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<p>Um nicht missverstanden zu werden: Die Kritik am Konzept des deutenden Verstehens (im Sinne von Weber und Sch\u00fctz) in intrakulturellen Ausnahmesituationen bedeutet nicht, dass eine auf diese Weise fundierte Handlungstheorie empirisch unzutreffend w\u00e4re. Ganz im Gegenteil: Im Alltag liefert sie \u2013 vermittelt \u00fcber eine Vielzahl kulturell geltender Deutungsmuster (vgl. Pla\u00df\/Schetsche 2001) \u2013 als funktionierende intersubjektive Fiktion den sozialen Kitt f\u00fcr Gro\u00dfgesellschaften, die aus Menschen bestehen, die sich sozial fremd sind und es auch in der Interaktion in aller Regel bleiben. Die wechselseitige Unterstellung der Gleichheit von Bewusstseinsverl\u00e4ufen und Motivstrukturen zwischen Alter und Ego erm\u00f6glicht im Alltag eine schier unendliche Zahl erfolgreicher Interaktionen zwischen Personen, die konkret nichts weiter \u00fcber sich wissen m\u00fcssen, als dass sie Mitglieder der gleichen Kultur sind \u2013 eben weil sie bestimmte Grundgewissheiten und die alltagspraktisch relevanten Deutungsmuster teilen. Dieser Zusammenhang macht auch deutlich, warum das Fremdverstehen in der interkulturellen Interaktion h\u00e4ufig so schnell an seine Grenzen st\u00f6\u00dft: Wenn kulturelle Grundgewissheiten und alltagspraktische Deutungsmuster nicht geteilt werden, kann die Fiktion der Gleichheit der Motivlagen und Bewusstseinsverl\u00e4ufe in der Interaktion schnell zusammenbrechen. Missverst\u00e4ndnisse sind die Folge \u2013 triviale und schwerwiegende.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Noch komplizierter wird das Problem des Fremdverstehens, wenn wir es in der Interaktion mit Akteuren zu tun haben, die unterschiedlichen Spezies angeh\u00f6ren. Dies ist der zweite (und, nachdem ich mich nur noch selten mit kriminalsoziologischen Problemlagen besch\u00e4ftige, inzwischen auch prim\u00e4re) Grund f\u00fcr mich, dieser Frage theoretische Aufmerksamkeit zu schenken. Die \u201aInterspezies-Kommunikation\u2018, wie sie mich interessiert, basiert nicht auf einem biologischen, sondern auf einem akteurstheoretischen Begriff von \u201aSpezies\u2018, was die Gruppe der hier gemeinten Wesenheiten als Gegen\u00fcber des Menschen nachhaltig vergr\u00f6\u00dfert (vgl. Schetsche 2014). Es geht mir in meinen Forschungen nicht nur um die Interaktion des Menschen mit Wild-, Haus- und Nutztieren, sondern auch um jene mit Robotern und netzwerkbasierter KI, mit hypothetischen Akteuren (etwa au\u00dferirdischen Intelligenzen, von deren Existenz wir sicher noch nichts wissen, sie aber zumindest prognostizieren k\u00f6nnen) und sogar um die Begegnung mit Entit\u00e4ten wie G\u00f6ttern und Geistern, Engeln und D\u00e4monen, die nach unserem kulturellen Verst\u00e4ndnis eher imagin\u00e4r anzusehen scheinen \u2013 nach der Weltsicht einer Vielzahl anderer Kulturen jedoch h\u00f6chst real und wirkm\u00e4chtig sind. (Die Ethnologie wei\u00df dies genau, mag nach meinem Eindruck nur nicht immer die analytisch richtigen Konsequenzen ziehen.)<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Um die Interaktion zwischen Menschen und solchen nonhumanen Akteuren wissenschaftlich rekonstruieren, die M\u00f6glichkeiten und insbesondere die Grenzen des deutenden Verstehens zwischen den \u201aSpezies\u2018 (in dem genannte Sinne) ausloten zu k\u00f6nnen, hatte ich vor etlichen Jahren (Schetsche 2004) die Kategorie des maximal Fremden in die sozialwissenschaftliche Debatte eingef\u00fchrt. Dieses theoretische Konzept schlie\u00dft an die in der Fremdheitsforschung \u00fcbliche Unterscheidung zwischen sozialer und kultureller Fremdheit (siehe exemplarisch Stagl 1997 und Waldenfels 1997) an, erweitert dieses Schema allerdings um einen weiteren Fremdheitsgrad. An anderer Stelle hatte ich diese neue theoretische Kategorie \u2013 zusammen mit einer Kollegin und zwei Kollegen \u2013 etwas systematischer bestimmt (Schetsche u.a. 2009). Danach geh\u00f6rt zur Kategorie des maximal Fremden jedes Gegen\u00fcber, das gem\u00e4\u00df der Situationsdefinition der beteiligten menschlichen Akteure nichtmenschlich ist, aber trotzdem in seinem Subjektstatus akzeptiert und als Kommunikations- bzw. Interaktionspartner adressiert wird. Dabei kann das realisierte (oder auch nur das hypothetische) Ausma\u00df der tats\u00e4chlichen Interaktion extrem schwanken und die weiteren (empirisch oder theoretisch fassbaren) Qualit\u00e4ten des Gegen\u00fcbers k\u00f6nnen zun\u00e4chst oder auch dauerhaft mehr oder weniger ungewiss bleiben.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Es handelt sich beim \u201amaximal Fremden\u2019 um eine relationale Kategorie, die das Verh\u00e4ltnis zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Akteuren in sozialen Situationen beschreibt. Mit dieser Kategorie ist der \u00e4u\u00dferste Bereich dessen markiert, was in als sozial definierten Situationen als kommunikatives Gegen\u00fcber und Interaktionspartner lebensweltlich denkbar und handlungspraktisch realisierbar ist (jenseits davon lauert nach Waldenfels das \u201eschlechthin Fremde\u201c, das \u2013 zumindest von den Kultur- und Sozialwissenschaften \u2013 schlicht nicht untersucht werden kann). Ein Zusammentreffen unter Beteiligung eines oder mehrerer solcher maximal Fremden stellt eine kommunikative Grenzsituation dar, in der ein Gro\u00dfteil jener Gewissheiten entf\u00e4llt, die wir bei allen Interaktionen unter Menschen fraglos zugrunde legen (k\u00f6nnen). Die folgende \u2013 lediglich exemplarische \u2013 Liste solcher, anthropologisch mit gutem Recht, unterstellbaren Gewissheiten markieren, negativ gewendet, gleichsam die im Einzelfall \u00fcberpr\u00fcfbaren Problemlinien in der Interaktion mit jenem maximal Fremden:<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<ol>\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol>\n<li>die biologische Herkunft und Leiblichkeit mit einem entsprechend umweltangepassten Wahrnehmungsapparat;<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"2\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"2\">\n<li>die wechselseitige Kompatibilit\u00e4t von Sinnes- und Kommunikationskan\u00e4len sowie der kognitiven Umweltrepr\u00e4sentation;<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"3\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"3\">\n<li>eine kommensurable F\u00e4higkeit zur Gestaltwahrnehmung in r\u00e4umlicher Hinsicht sowie ein \u00e4hnliches zeitliches Aufl\u00f6sungsverm\u00f6gen des Wahrnehmungsapparates;<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"4\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"4\">\n<li>die Existenz lebensnotwendiger k\u00f6rperlicher Bed\u00fcrfnisse (Essen, Trinken, Schlafen usw.) und einer entsprechend angepassten K\u00f6rpersensorik;<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"5\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"5\">\n<li>die Tatsache von Natalit\u00e4t und Mortalit\u00e4t sowie das Wissen darum;<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"6\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"6\">\n<li>eine \u201asoziale Natur\u2018, also die Abh\u00e4ngigkeit von anderen Wesen der gleichen Art sowie die mit ihr notwendig einhergehende grunds\u00e4tzliche Kommunikationsf\u00e4higkeit und Kommunikationsbereitschaft;<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"7\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"7\">\n<li>die Weltoffenheit aufgrund der starker Entbundenheit von biologischen oder vorgegebenen \u201aDenk- und Handlungsprogrammen\u2018;<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<ol start=\"8\">\n<li style=\"list-style-type: none;\">\n<ol start=\"8\">\n<li>die prinzipielle F\u00e4higkeit zur Selbstauslegung und Selbstreflexivit\u00e4t.<\/li>\n<\/ol>\n<\/li>\n<\/ol>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">\n<p>Zun\u00e4chst einmal, und dies macht meine \u00dcberlegungen vielleicht auch f\u00fcr das ethnologisch relevante Fremdverstehen unter Angeh\u00f6rigen unterschiedlicher menschlicher Kulturen bedeutsam, markieren solche Faktoren das Grundger\u00fcst zwischenmenschlicher Verst\u00e4ndigungsm\u00f6glichkeiten, die unabh\u00e4ngig von differierenden sozialen Deutungsmustern und sogar von den Grundgewissheiten der jeweiligen Kulturen sind.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>F\u00fcr mich selbst sind diese \u00dcberlegungen aktuell in meiner futurologischen Forschung zu den m\u00f6glichen sozialen Auswirkungen eines realen (explizit im Gegensatz zum fiktionalen der phantastischen Literatur) Erstkontakts der Menschheit mit einer au\u00dferirdischen Intelligenz von Bedeutung. Die abgesch\u00e4tzte Wahrscheinlichkeit eines solchen Zusammentreffens hat aufgrund der Befunde der Astrophysik und Astrobiologie der letzten zwanzig Jahre deutlich zugenommen. Der Bestimmung dieser Wahrscheinlichkeit, der irdischen Folgen eines solchen Kontakts und insbesondere auch seiner prognostizierbaren existenziellen Risiken gehen wir seit Kurzem im Forschungsnetzwerk Extraterrestrische Intelligenz nach, in dem fast ein Dutzend ganz unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen (von der Astrophysik bis hin zur Soziologie) vertreten sind.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<hr \/>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Hoffmeister, Maren; Schetsche, Michael (2005): M\u00f6rderische Motive. Kriminalpsychologische Sinnsuche und die soziologischen Grenzen des Verstehens. In: Kriminologisches Journal 37, S. 268\u2013284.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<p>Pla\u00df, Christine; Schetsche, Michael (2001): Grundz\u00fcge einer wissenssoziologischen Theorie sozialer Deutungsmuster. In: sozialer sinn. Zeitschrift f\u00fcr hermeneutische Sozialforschung, Heft 3\/2001, S. 511\u2013536.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<p>Schetsche, Michael (2004): Der maximal Fremde \u2013 eine Hinf\u00fchrung. In: M. Schetsche (Hg.): Der maximal Fremde. W\u00fcrzburg: Ergon, S. 13\u201321.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Schetsche, Michael (Hrsg.) (2014): Interspezies-Kommunikation. Voraussetzungen und Grenzen. Berlin: Logos.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Schetsche, Michael; Gr\u00fcnder, Ren\u00e9; Mayer, Gerhard; Schmied-Knittel, Ina (2009): Der maximal Fremde. \u00dcberlegungen zu einer transhumanen Handlungstheorie. In: Berliner Journal f\u00fcr Soziologie 19 (3), S. 469\u2013491.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Sch\u00fctz, Alfred (1971): Das W\u00e4hlen zwischen Handlungsentw\u00fcrfen: In: A.Brodersen (Hg.): Gesammelte Aufs\u00e4tze, Band 1: Das Problem der sozialen Wirklichkeit. Den Haag: Nijhoff, S. 77\u2013110.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<p>Sch\u00fctz, Alfred (1974): Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt: Eine Einleitung in die verstehende Soziologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Stagl, Justin (1997): Grade der Fremdheit. In: H. M\u00fcnkler (Hg.): Furcht und Faszination \u2013 Facetten der Fremdheit. Berlin: Akademie Verlag, S. 85\u2013114.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Waldenfels, Bernhard (1997): Topographie des Fremden. Studien zur Ph\u00e4nomenologie des Fremden, Band 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Weber, Max (1968): \u00dcber einige Kategorien der verstehenden Soziologie. In: J. Winckelmann (Hg.): Gesammelte Aufs\u00e4tze zur Wissenschaftslehre, dritte, erweiterte und verbesserte Auflage. T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, S. 427\u2013474.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Weber, Max (1980): Wirtschaft und Gesellschaft. Grundri\u00df der verstehenden Soziologie, f\u00fcnfte revidierte Auflage, Studienausgabe. T\u00fcbingen: Mohr Siebeck.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[137],"kulturrelativismus_category":[],"class_list":["post-1634","kulturrelativismus","type-kulturrelativismus","status-publish","hentry","autor-michael-schetsche"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kulturrelativismus"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1634\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5090,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1634\/revisions\/5090"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=1634"},{"taxonomy":"kulturrelativismus_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus_category?post=1634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}