{"id":1627,"date":"2017-06-13T00:00:00","date_gmt":"2017-06-12T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/kulturrelativismus\/alte-klischees-aber-das-eigentliche-problem-nicht-erkannt\/"},"modified":"2020-07-08T19:07:21","modified_gmt":"2020-07-08T17:07:21","slug":"alte-klischees-aber-das-eigentliche-problem-nicht-erkannt","status":"publish","type":"kulturrelativismus","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/kulturrelativismus\/alte-klischees-aber-das-eigentliche-problem-nicht-erkannt\/","title":{"rendered":"ALTE KLISCHEES \u2026 ABER DAS EIGENTLICHE PROBLEM NICHT ERKANNT"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1627?pdf=1627\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1627?pdf=1627\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p>Es liegt nun schon ein gutes Dreivierteljahr zur\u00fcck, dass Christian Weber seinen Ethnologie-kritischen Artikel in der SZ ver\u00f6ffentlicht hat, und zahlreiche KollegInnen haben bereits mit sehr interessanten und gut geschriebenen Stellungnahmen reagiert. Insbesondere die Beitr\u00e4ge von <a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/kulturrelativismus\/on-noble-anthropologists-and-ignoble-journalists\/\">Chris Hann<\/a>,<a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/autor\/bernhard-streck\/\"> Bernhard Streck<\/a> und<a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/kulturrelativismus\/how-can-we-not-compare-with-cultural-relativism\/\"> Franz Krause<\/a> m\u00f6chte ich hervorheben, ohne damit die \u00fcbrigen abwerten zu wollen. Die Diskussionen habe ich zum Teil verfolgen k\u00f6nnen, dachte mir aber, dass es nicht n\u00f6tig sei, einen weiteren Beitrag zu schreiben, da die KollegInnen bereits kompetent und souver\u00e4n auf Webers Provokationen geantwortet haben, vor allem was das Thema Kulturrelativismus betrifft.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\">\n<p><!--more--><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Umfassende Diskussionen losgetreten zu haben, ist der wichtigste \u2013 und wahrscheinlich sogar der einzige \u2013 Verdienst des Artikels. Ja, Jimmy Nelsons Bilder sind unzweideutig klischeehaft. Und wenn es bei dieser Kritik geblieben w\u00e4re, dann h\u00e4tte es auch sehr viel weniger Reaktionen von Seiten der Ethnologie gegeben.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Vor wenigen Tagen erhielt ich eine E-Mail von Christoph Antweiler mit der Bitte, einen Beitrag f\u00fcr diesen Blog zu schreiben. Christoph stellte mir indirekt die Frage, ob die Diskussionen um den SZ-Artikel vielleicht sehr charakteristisch f\u00fcr die Situation in Deutschland seien. Aus meiner Sicht \u201avon der anderen Seite des Atlantiks\u2018 her lautet die Antwort: Nein. Aber die Diskussionen w\u00e4ren in Brasilien mit Sicherheit politisch sehr viel aufgeladener. Und vor allem w\u00fcrden sich auch Indigene selbst an ihnen beiteiligen.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>W\u00e4re der Artikel hier erschienen, z.B. in der landesweit gelesenen Tageszeitung <em>Folha de S\u00e3o Paulo<\/em> oder etwa in der Wochenzeitschrift <em>Veja<\/em>, dann w\u00e4re der Autor sehr schnell mit dem reaktion\u00e4ren anti-indigenen Klima, welches seit mehreren Jahren in der Politik grassiert, in Verbindung gebracht worden. Und au\u00dferdem mit den vielfachen Versuchen, die Anthropologie als Berufspraxis zu diskriminieren.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Weber kritisiert Klischees \u00fcber indigene V\u00f6lker, baut aber ein neues auf. N\u00e4mlich dasjenige einer Ethnologenzunft, die mehrheitlich blindlings und verantwortungslos einem naiven Kulturrelativismus fr\u00f6nt und damit Stereotype in anderen Gesellschaftskreisen bedient. Und indirekt sogar zur Legitimation von Menschenrechtsverletzungen beitr\u00e4gt. Dabei ist dieses Klischee \u00fcberhaupt nicht neu, sondern, wie man in Brasilien sagt, <em>um disco bem velho e arranhado<\/em> \u2013 eine ziemlich alte und zerkratzte Schallplatte.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Meine Hauptkritik an Webers Artikel ist: Ein Klischee wird durch ein neues (altes) ausgetauscht, aber gleichzeitig wird gro\u00dfz\u00fcgig dar\u00fcber hinweggesehen, dass Indigene nicht nur f\u00fcr Menschenrechtsverletzungen (aus welcher Sicht auch immer) verantwortlich sein k\u00f6nnen, sie aber vor allem ihre Opfer sind.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Das l\u00e4sst sich \u00fcbrigens auch sehr sch\u00f6n an den von Weber zitierten kulturpolitischen Praktiken rund um die Ideen von Authentizit\u00e4t illustrieren. In Brasilien gibt es immer noch etwa <a href=\"https:\/\/loja.socioambiental.org\/povos-indigenas-no-brasil-2011-2016.html?utm_medium=email&amp;utm_source=transactional&amp;utm_campaign=manchetes%40socioambiental.org\">252 indigene V\u00f6lker<\/a>. Obwohl die Mehrheit der BrasilianerInnen angibt, noch nie in ihrem Leben Kontakt mit Indigenen gehabt zu haben, ist das je nach Wohnort eigentlich gar nicht so schwer. Von Recife aus kann ich etwa einen Bus nach \u00c1guas Belas im Landesinneren Pernambucos nehmen und nach f\u00fcnf bis sechs Stunden Fahrt zu den <a href=\"https:\/\/pib.socioambiental.org\/en\/povo\/fulni-o\">Fulni-\u00f4<\/a> gelangen. Noch einfacher geht es in Recife selbst, wo, wie auch in anderen Gro\u00dfst\u00e4dten Brasiliens, viele Indigene im st\u00e4dtischen Milieu leben. Von meinem Stadtviertel, Madalena, aus kann ich einen Bus zur Avenida Conde da Boa Vista, im Zentrum Recifes, nehmen und nach etwa 15 Minuten Fahrt dort auf Indigene treffen, die am Stra\u00dfenrand Kunsthandwerk verkaufen, was sie manchmal auch auf dem Hauptcampus meiner Universit\u00e4t, der UFPE, machen. W\u00e4hrend die verkauften Objekte gew\u00f6hnlich Klischees bedienen, trifft dies viel weniger auf die Verk\u00e4ufer zu.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Die Indigenen in Nordost-Brasilien haben n\u00e4mlich ein Problem: sie sehen meistens wie die nicht-indigenen BrasilianerInnen aus. Der Nordosten ist eine der ersten Regionen des Landes, die kolonisiert wurden, und viele indigene V\u00f6lker haben \u00fcber Jahrhunderte hinweg flexible Strategien entwickelt, um kulturell zu \u00fcberleben, wozu auch Formen sozialer und kultureller Dissimilation geh\u00f6rten, um nicht aufzufallen.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>In den letzten Jahrzehnten haben sich immer mehr Bev\u00f6lkerungsgruppen zu ihrer indigenen Vergangenheit bekannt und entsprechende Landrechtsforderungen an den brasilianischen Staat gestellt. Man kann sich ziemlich leicht vorstellen, dass diese Forderungen von den verschiedensten Teilen der Gesellschaft als illegitim betrachtet und dargestellt werden. Wegen angeblich fehlender sichtbarer kultureller Verschiedenheit wird die Authentizit\u00e4t vieler indigener V\u00f6lker in Frage gestellt:<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>\u201efantasiam-se de \u00edndios\u201c \u2013 \u201esie verkleiden sich als Indianer\u201c. Schlie\u00dflich sprechen im Nordosten nur die Fulni-\u00f4 noch eine indigene Sprache, aber selbst die \u201eEchtheit\u201c dieses Indianervolkes wird hinterfragt, und nicht nur von den <em>haters<\/em> im Internet, die sich schlimmer als das Dengue-Fieber ausbreiten.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Wie reagieren viele Indigene auf solche Hinterfragungen? Meistens durch bewusstes Investieren in Kennzeichen kultureller Verschiedenheit, wie z.B. K\u00f6rperbemalung und Federschmuck, welche als \u201eTraditionen\u201c \u201eerfunden\u201c werden, weil es das soziale Umfeld gewisserma\u00dfen so verlangt. Und das hat fast gar nichts mit Kommerzialisierung zu tun, weil es ohnehin wenig Tourismus bei Indigenen in Brasilien gibt (etwa im Vergleich mit anderen lateinamerikanischen L\u00e4ndern). Dies hat hingegen viel mit der Einforderung von Menschenrechten zu tun. Etwa mit dem Recht auf Andersartigkeit. Aber auch mit dem Recht auf sicheres Land, um in Frieden leben zu k\u00f6nnen. Indigenes Land wird n\u00e4mlich in Brasilien in der g\u00fcltigen Verfassung von 1988 als unver\u00e4u\u00dferlich und dem Staat geh\u00f6rend definiert (\u201ebens inalien\u00e1veis da Uni\u00e3o\u201c) und wird somit den Kr\u00e4ften des Marktes entzogen.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Obwohl Indigene vor allem Opfer der verschiedenartigsten Menschenrechtsverletzungen sind (die Nachrichten \u00fcber den brutalen Angriff auf eine Gruppe von <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/world\/2017\/may\/01\/brazilian-farmers-attack-indigenous-tribe-machetes\">Gamela- Indianern<\/a> im Bundesstaat Maranh\u00e3o am 30. April dieses Jahres gingen beispielsweise um die Welt) \u2013, sind sie auch Ziele der Anklagen von Menschenrechtsverletzungen.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>2007 beispielsweise wurde im Nationalkongress ein Gesetzesprojekt vorgelegt, um den Infantizid unter Indigenen strafrechtlich zu verfolgen (<a href=\"http:\/\/www.camara.gov.br\/proposicoesWeb\/prop_mostrarintegra;jsessionid=DBCACC1C1F0542CD371642B810C01DD4.node1?codteor=462697&amp;filename=Avulso+-PL+1057\/2007\">Lei n.\u00ba 1.057\/2007<\/a>, auch bekannt als \u201eLei Muwaji\u201c). Nun wird jegliche Form von Kindest\u00f6tung bereits durch das brasilianische Strafrecht (<em>C\u00f3digo Penal<\/em>) verfolgt, ob nun von Indigenen oder Nicht- Indigenen begangen. Warum dann also ein neues Gesetz? Und ist Infantizid unter Indigenen \u00fcberhaupt noch eine g\u00e4ngige Praxis?<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Nun, die sehr wenigen und meistens recht ungenauen ethnologischen Informationen \u00fcber Infantizid bei Indigenen in Brasilien deuten darauf hin, dass es nicht nur um pragmatische Erw\u00e4gungen geht (etwa: Kann ein viertes Kind unter bestimmten schwierigen Lebensbedingungen durchgebracht werden?), sondern auch um Konzeptionen des Lebens, die von unseren radikal verschieden sein k\u00f6nnen. Wie dem auch sei, es gibt kaum noch Gruppen, bei denen Infantizid praktiziert wird, w\u00e4hrend die sehr hohen Selbstmordraten bei einigen V\u00f6lkern wie den Zuruah\u00e1 im Bundesstaat Amazonas oder den Guarani-Kaiow\u00e1 im S\u00fcden des Landes unter quantitativen Gesichtspunkten andere Todesursachen vielfach in den Schatten stellen.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Das Gesetzesprojekt hat aber nicht nur zum Ziel, V\u00e4ter und M\u00fctter, die Infantizid praktizieren, strafrechtlich zu verfolgen, sondern auch die Bediensteten der Indianerbeh\u00f6rde FUNAI, die in den entsprechenden D\u00f6rfern arbeiten und angeblich Zeugen sein k\u00f6nnten, und sogar AnthropologInnen, die dort zuf\u00e4llig Feldforschung betreiben und nicht verhindernd eingreifen.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Der Autor des Gesetzesprojektes, Henrique Afonso, ist Mitglied der Presbyterianischen Kirche Brasiliens und der Frente Parlamentar Evang\u00e9lica (oder bancada evang\u00e9lica) im Nationalkongress. Die Verabschiedung des Projektes w\u00fcrde alle indigenen V\u00f6lker Brasiliens unter einen Allgemeinverdacht stellen und sie zu potenziell Kriminellen machen. Das Projekt erhielt aber nicht nur breite Unterst\u00fctzung der protestantischen Parlamentsfraktion sowie der mit ihr verbundenen Missionsgesellschaften, die bereits einen sch\u00f6nen Adoptionsmarkt wittern, sondern vor allem auch seitens der <em>bancada ruralista<\/em>, also der Vertretung der Gro\u00dfgrundbesitzer im Kongress. Die Motive sind einleuchtend: Sobald das Bild der Indigenen allgemein besch\u00e4digt wird, l\u00e4sst sich leichter gegen die sie sch\u00fctzende Gesetzgebung vorgehen. Und gleichzeitig wird ein Angriff gegen wichtige Verb\u00fcndete wie etwa Anthropologen geritten.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Als eine Kollegin der Universidade de Bras\u00edlia, Rita Laura Segato, eingeladen wurde, um vor der entsprechenden Parlamentskommission eine anthropologische Sicht auf das Gesetzesprojekt vorzustellen, verzichtete sie explizit darauf, ihre Argumente auf dem Kulturrelativismus aufzubauen, da die Parlamentarier f\u00fcr diesen ohnehin nicht empf\u00e4nglich seien. Sie betonte hingegen die Notwendigkeit, in Brasilien zu einem Rechtspluralismus zu gelangen, um den Indigenen zu gestatten, die F\u00e4den ihrer eigenen Geschichte wieder in die H\u00e4nde zu nehmen und nicht ewig einem repressiven Staate untergeordnet zu bleiben.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Die <em>Lei Muwaji<\/em> ist Ausdruck eines allgemeinen politischen Klimas, welches Brasilien bereits seit Jahren vergiftet, und nicht nur erst seit dem Amtsenthebungsverfahren gegen Dilma Rousseff. Ein ganzes B\u00fcndel der schlimmsten reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte bildet die verschiedensten B\u00fcndnisse, um die Rechte ethnischer und sozialer Minderheiten einzugrenzen und nach M\u00f6glichkeit sogar ganz abzuschaffen. Zu diesen Strategien geh\u00f6rt auch eine parlamentarische Untersuchungskommission gegen die FUNAI und die f\u00fcr die Landreform zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde INCRA sowie gegen den Berufsverein der brasilianischen Anthropologen, die ABA (<em>Associa\u00e7\u00e3o Brasileira de Antropologia<\/em>), und die Anthropologenzunft im Allgemeinen mit dem Ziel einer umfassenden Kriminalisierung.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Der Gipfel des Zynismus: die Mehrheit der hieran beteiligten Parlamentarier wird von der brasilianischen Justiz der Korruption und anderer Verbrechen angeklagt und kann sogar jeden Moment verhaftet werden.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Diese kurzen Anmerkungen lassen vielleicht erahnen, dass Idealisierungen des Lebens indigener V\u00f6lker im Vergleich mit dem, was ihnen h\u00e4ufig angetan wird, ein absolut zweit- oder drittrangiges Problem darstellen.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Unter einem Gesichtspunkt f\u00e4llt es allerdings leicht, Christian Weber recht zu geben: Ja, es gibt sie unter den EthnologInnen, die VertreterInnen eines radikalen, bisweilen naiven Kulturrelativismus. Aber ist das der Mainstream? Hat sich die Anthropologie nicht seit Jahrzehnten kritisch mit ihren eigenen Varianten des Kulturrelativismus auseinandergesetzt?<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Sind diese Diskussionen vielleicht nicht in die Welt jenseits der Fachgrenzen vorgedrungen? Den anthropologischen Kulturrelativismus mit einem verallgemeinerten moralischen Liberalismus gleichzusetzen, ist jedoch ein grobes Vorurteil.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>\u00c0 propos, Menschenrechte sind l\u00e4ngst zu einem wichtigen Thema der Rechtsethnologie geworden. Dort stellen sie vielleicht sogar eines der wichtigsten Querschnittsthemen dar. Und sie werden keineswegs durch kulturrelativistische Moralvorstellungen schnell abgewickelt. Die ABA hat in diesem Jahr bereits den <a href=\"http:\/\/www.aba.abant.org.br\/administrator\/product\/files\/104_00182950.pdf\">siebten Sammelband ihrer Reihe zu Anthropologie und Menschenrechten<\/a> (<em>Antropologia e Direitos Humanos<\/em>) herausgegeben.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Der erste Aufsatz im ersten Band dieser Reihe wurde von Debora Diniz verfasst: \u201c<a href=\"http:\/\/www.aba.abant.org.br\/administrator\/product\/files\/4_00194491.pdf\">Antropologia e os limites dos direitos humanos: o dilema moral de Tashi<\/a>\u201d (2001). Die Autorin diskutiert das Thema Genitalverst\u00fcmmelung anhand des fiktiven Schicksals von Tashi, Protagonistin des Romans <em>Possessing the Secret of Joy<\/em> (1992) von Alice Walker. Diniz problematisiert genau das, was Christian Weber nicht sieht oder nicht sehen will, dass n\u00e4mlich sowohl ein radikalisierter Kulturrelativismus als auch ein kulturell unsensibles Pochen auf die Allgemeine Erkl\u00e4rung der Menschenrechte einer umfassenden T\u00e4uschung, oder sogar einer Utopie, aufsitzen. Und zwar der, dass es m\u00f6glich sei, dass die Menschheit eines Tages ohne moralische Konflikte leben k\u00f6nnte.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>Die Beschr\u00e4nktheit dieses polarisierenden Denkens aufzuzeigen, zu hinterfragen und m\u00f6gliche Auswege aufzuzeigen, genau das ist gute anthropologische Reflektion. Das scheint aber nicht das zu sein, was Christian Weber denkt, was EthnologInnen tun. Und deswegen ist sein Artikel auch so entt\u00e4uschend.<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> SEGATO, Rita Laura. Que cada pueblo teja los hilos de su historia: El pluralismo jur\u00eddico en di\u00e1logo did\u00e1ctico con legisladores. In: CHENAUT, Victoria et al. (coord.). Justicia y diversidad en Am\u00e9rica Latina: Pueblos ind\u00edgenas ante la globalizaci\u00f3n. M\u00e9xico, D.F.: Centro de Investigaciones y Estudios Superiores en Antropolog\u00eda Social; Ecuador: Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales, 2011, p. 357-381.(<a href=\"http:\/\/www.flacsoandes.edu.ec\/libros\/digital\/53378.pdf\">http:\/\/www.flacsoandes.edu.ec\/libros\/digital\/53378.pdf)<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> CARDOSO DE OLIVEIRA, Roberto &amp; CARDOSO DE OLIVEIRA, Lu\u00eds Roberto. Ensaios Antropol\u00f3gicos sobre Moral e \u00c9tica. Rio de Janeiro: Tempo Brasileiro,1996<\/p>\n<div align=\"justify\">\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[127],"kulturrelativismus_category":[],"class_list":["post-1627","kulturrelativismus","type-kulturrelativismus","status-publish","hentry","autor-peter-schroder"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1627","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kulturrelativismus"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1627\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5076,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus\/1627\/revisions\/5076"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1627"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=1627"},{"taxonomy":"kulturrelativismus_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/kulturrelativismus_category?post=1627"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}