{"id":8396,"date":"2021-02-23T17:14:00","date_gmt":"2021-02-23T16:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=detours&#038;p=8396"},"modified":"2023-02-06T22:48:28","modified_gmt":"2023-02-06T21:48:28","slug":"die-geister-der-berliner-republik-2","status":"publish","type":"detours","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/detours\/die-geister-der-berliner-republik-2\/","title":{"rendered":"Die Geister der Berliner Republik:"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/8396?pdf=8396\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/8396?pdf=8396\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<div style=\"text-align: right!important; padding-left: 3em;\">\u00bbF\u00fcr mich ist das eben das Sch\u00f6ne an Wagner: Ich verstehe ihn genauso wenig, wie ich Afrika verstehe.\u00ab<\/div>\n<div style=\"text-align: right!important; padding-left: 6em; padding-bottom: 16px;\">(\u00bbEin Kaktus f\u00fcr Richard Wagner. Schlingensiefs <em>Ring des Nibelungen<\/em> in Afrika\u00ab (16. Mai 1999), in: Alexander Kluge, <em>Facts &amp; Fakes 2\/3<\/em>, S. 5)<\/div>\n<p>Man kennt Christoph Schlingensief (1960\u20132010) als Regisseur von Filmen, Theateraktionen und Opern, die die Grenzen der von ihm als Rahmen gew\u00e4hlten (medialen, politischen, theatralen) Formate (Talkshow, Bahnhofsmission, Partei, Boulevardkom\u00f6die etc.) sprengen. Er inszeniert nicht Texte oder St\u00fccke, sondern Inszenierungen. Seine h\u00e4ufig auf den blo\u00dfen Gestus der \u00bbProvokation\u00ab reduzierten Theaterarbeiten benutzen das Theaterspiel als Medium, um Formen und Muster sozialer Interaktion zu erforschen und, wie er gerne sagte,\u00a0 \u00bb\u00fcberpr\u00fcft\u00ab werden k\u00f6nnen. Damit lassen sich Christoph Schlingensiefs Arbeiten in einer Tradition der Aktionskunst verorten, die sich allgemein fassen l\u00e4\u00dft als Um-, Neu-, Nach- oder Gegeninszenierung bereits vorhandener sozialer, medialer oder politischer Inszenierungen.<\/p>\n<p>2002 wurde er in einem Radiointerview gefragt, \u00bbwelche gesellschaftliche Funktion dem Theater heute noch zu[kommt]\u00ab. In seiner Antwort spricht er unvermittelt \u00fcber die \u00bbHauka\u00ab. Er pr\u00e4sentiert sie neben den Herero als Beispiele f\u00fcr die rituelle \u00bbAbarbeitung\u00ab von \u00bbSch\u00e4den aus der Kolonialzeit\u00ab durch Mimikry an die T\u00e4ter und postuliert den Vorbildcharakter dieser Rituale f\u00fcr das, was er sich idealerweise unter Theater und Kunst vorstellt. Im Wortlaut:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbWir sollten das Theater zu einem Punkt f\u00fchren, an dem wir uns treffen, um Sch\u00e4den wie den Antisemitismus und den Holocaust zu verarbeiten. In anderen Kulturkreisen passiert das bereits. Das kann allerdings nicht dadurch geschehen, dass wir blo\u00df eine B\u00fchnensituation simulieren. Der Zuschauer muss vielmehr mit in einen rituellen Kreis eintreten. Orte, an denen wir unsere Sch\u00e4den der Gesellschaft spielerisch ausleben k\u00f6nnen, gibt es leider nicht mehr. Ich erinnere an V\u00f6lker wie die Hauka in Ghana oder die Hereros in Namibia, die beispielsweise Sch\u00e4den der Kolonialzeit abarbeiten. Das geschieht dadurch, dass sie selbst Kost\u00fcme der Kolonialherren \u00fcberstreifen, deren Namen br\u00fcllen und rituelle Handlungen vollziehen. Sie arbeiten Sch\u00e4den ab und erscheinen am n\u00e4chsten Tag wieder bei der Arbeit und setzen ihr normales Leben fort. Wenn das Theater helfen kann, dass wir uns in \u00e4hnlicher Weise reinigen, dann w\u00e4re das f\u00fcr mich der ideale Kunst- und Theaterbegriff.\u00ab<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Christophs Schlingensiefs Referenz auf Afrika in dem Gespr\u00e4ch von 2002 liest sich wie ein sp\u00e4tes Beispiel f\u00fcr den modernen Primitivismus, den uns Erhard Sch\u00fcttpelz in <em>Die Moderne im Spiegel des Primitiven<\/em> (2005) neu erkl\u00e4rt hat. Dabei gew\u00e4hren Erhards mikrologische Lekt\u00fcren Einblicke in \u00bb\u00dcbersetzungsketten\u00ab und Praktiken der Vermittlung, \u00fcber die Wissen aus anderen Kulturen inklusive der \u00bbfremden Fremderfahrungen\u00ab<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> in europ\u00e4ische Texte, Kunstwerke und Theaterauff\u00fchrungen gelangt ist. \u00bb\u00dcbersetzungsketten\u00ab werden hier verstanden als \u00bbSerie von Zuf\u00e4llen und Wechself\u00e4llen\u00ab.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Sie funktionieren gerade nicht so linear und sauber, wie es die \u00fcblichen heroischen Narrative im R\u00fcckblick behaupten und lassen sich nicht umstandslos in Genialit\u00e4t umdeuten. Wu\u00dfte Antonin Artaud mehr \u00fcber das balinesische Theater, das er 1931 auf der Internationalen Kolonialausstellung in Paris entdeckt hatte, als Schlingensief \u00fcber die Hauka, deren Kenntnis er Jean Rouchs Dokumentarfilm <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> (1954\/55) verdankte? Vielleicht ist der Unterschied zwischen der primitivistischen Aneignung nichteurop\u00e4ischer Artefakte zu Beginn des 20. Jahrhunderts \u2013 z.B. im Rahmen der \u00bbLaienethnographie\u00ab (Denis Hollier) in der Zeitschrift <em>Documents<\/em> oder des \u00bbethnographischen Surrealismus\u00ab (James Clifford) bei Michel Leiris \u2013 und Schlingensiefs Afrikafaszination geringer als man normalerweise annehmen w\u00fcrde. Aus den blinden Flecken dieser Transferprozesse kann man, so habe ich es von Erhard gelernt, viel \u00fcber Kulturkontakte, \u00bbBumerangeffekte\u00ab und Verflechtungsgeschichten erfahren. Nicht zuf\u00e4llig hatte er sich noch vor seinen Primitivismusstudien mit dem Dilettanten und dem Dilettantismus befa\u00dft (und war davor bei Kosmonautentraum Teil der \u00bbGenialen Dilletanten\u00ab)<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. \u00bb\u00dcbersetzungsketten\u00ab sind letztlich auch \u00bbdilettantisch\u00ab: Vermittlung geschieht in unperfekten Situationen von Kulturkontakt, die immer auch von Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen, Fehllekt\u00fcren und Fehlleistungen gepr\u00e4gt werden, wo Laien oder Pseudoprofis im Gewand scheinbarer Informiertheit und Interesselosigkeit Unwissen oder Halbwissen weitergeben und die Empf\u00e4nger sich am Ende aus dem bestenfalls halbverstandenen Material etwas zusammenbasteln, um es in eigene und am Ende gegen\u00fcber den \u00bbOriginalen\u00ab eigenwertige \u2013 dennoch folgenreiche und symptomatische \u2013 Referenzsysteme zu \u00fcbertragen. In dem Ma\u00df, in dem das \u00bbdichte\u00ab Wissen \u00fcber die kontingenten und konkreten Vermittlungssituationen historisch schwindet, setzen sich abstrakte Rekonstruktionen durch, beginnen Expert*innen ihr eigenes heutiges Wissen oder ihre Belesenheit im historischen Gegen\u00fcber zu spiegeln.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr die inzwischen stark professionalisierte und Handb\u00fccher produzierende Forschung \u00fcber den bekennenden \u00bbpositiven Dilettanten\u00ab Christoph Schlingensief.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Sein Dilettantismus wird gerade dadurch \u00bbgenial\u00ab, da\u00df er sich das Material nicht schon entlang fertiger Kategorien, \u00bbrichtiger\u00ab Beurteilungen oder anerkannter Sinnzuschreibungen zu eigen gemacht hat, es dadurch gem\u00e4\u00df seiner Devise \u00bbDie Befreiungs des Ausdrucks vom Zwang des Sinns\u00ab<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> f\u00fcr unbeabsichtige Sinneffekte ge\u00f6ffnet hat. Auch Rouchs Film <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> und die Hauka waren f\u00fcr ihn \u00bbMaterial\u00ab in diesem Sinn. Interpretinnen wie Anna Teresa Scheer informieren sich nun aber beispielsweise mit dem Buch von Paul Stoller <em>Embodying Colonial Memories \u2013 Spirit Possession, Power, and the Hauka in West Afrika<\/em> (1995) \u00fcber <em>Les ma\u00eetres fous<\/em>, um dann Stollers Formel von einer \u00bbelectroshocking appropriation of European power through the mimetic faculty\u00ab und Michael Taussigs Rede von dem \u00bbmimetischen Exzess\u00ab auf <em>Die Berliner Republik oder Der Ring in Afrika<\/em> (1999) und Bernhard Sch\u00fctz\u2019 Performance von Gerhard Schr\u00f6der zu \u00fcbertragen.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Auf diese Weise entsteht der Eindruck, Christoph Schlingensiefs Umgang mit Rouchs Film habe sich auf der H\u00f6he des von Experten wie Stoller ausgebreiteten Wissens bewegt bzw. dessen Analyse von <em>Les m\u00e2itres fous<\/em> k\u00f6nnte auch f\u00fcr den in seine Volksb\u00fchneninszenierung von 1999 <em>Die Berliner Republik oder Der Ring in Afrika<\/em> integrierten Film zutreffen.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnlicher Effekt nachtr\u00e4glicher Koh\u00e4renzprojektion und damit Einhegung des Verst\u00f6renden \u2013 mehr von Interessenlagen des aktuellen Postkolonialismus als von der Kontinuit\u00e4t primitivistischer Projektionen her gelesen \u2013 ist in dem Handbuchbeitrag zum Thema \u00bbAfrika\/Interkulturalit\u00e4t\u00ab zu beobachten: Johanna Zorn deutet hier Schlingensiefs 1993 mit den Dreharbeiten f\u00fcr <em>United Trash<\/em> in Simbabwe<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> einsetzende, auf den Reisen nach S\u00fcdafrika und Namibia 1998\/99 und 2005<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> fortgesetzte und 2010 in die Gr\u00fcndung des \u00bbOperndorf Afrika\u00ab in Burkina Faso m\u00fcndende \u00bbk\u00fcnstlerische Auseinandersetzung mit Afrika\u00ab als \u00bbVerhandlung von Kolonialismus, Exotismus und Eurozentrismus\u00ab, in deren Rahmen er eine \u00bbperformative Amalgamierung von rituellen Elementen unterschiedlichen Ursprungs\u00ab betreibe. Indem er z.B. die Gralsenth\u00fcllung in seiner Bayreuther Parsifal-Inszenierung (2004\u20132007) mit einem \u00bbVoodoo-Ritual\u00ab assoziiert, \u00bb\u00fcbermale\u00ab er \u00bbWagners kunstreligi\u00f6sen Kosmos mit afrikanischen Mythen und Ritualen\u00ab. Etwas Unwohlsein angesichts dieser beruhigend konsensf\u00e4higen Rekonstruktion und Entstellung durch \u00bbVerstehen\u00ab artikuliert der letzte Satz des Beitrags f\u00fcr das <em>Schlingensief-Handbuch<\/em>, wo es hei\u00dft: \u00bbDie umfassende Erforschung des skizzierten Wechselspiels zwischen subversiver Wiederholung und problematischer Idealisierung des Anderen in Schlingensiefs Afrikabezug ist bislang Desiderat geblieben.\u00ab<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Dieses Desiderat \u00fcberlasse ich gerne der zuk\u00fcnftigen Schlingensief-Forschung. Ich m\u00f6chte mich hier stattdessen auf die Frage konzentrieren, wie Jean Rouch und die Hauka zu Schlingensief kamen, wie er sich <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> angeeignet hat und wie die Kette von \u00dcbertragungen von der Universit\u00e4t ins Theater, von Konstanz nach Berlin, von Rouchs Hauka-Film zu Schlingensiefs \u00bbBerliner Republik\u00ab aussah, welche \u00dcbersetzungskette u.a. zu Interview\u00e4u\u00dferungen wie der oben zitierten gef\u00fchrt hat. Da ich selbst Teil dieser Kette bin, kann ich nur anekdotische Evidenz in Form einer Fallgeschichte liefern: m\u00f6gliches Material f\u00fcr zuk\u00fcnftige Fortschreibungen der Moderne im Spiegel des Primitiven.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Les ma\u00eetres fous<\/em> in Konstanz<\/strong><\/p>\n<p>Universit\u00e4t Konstanz, 16. Mai 1997: In einem B\u00fcro der Medienwissenschaft (H 116) sitze ich mit Erhard Sch\u00fcttpelz, seit dem Sommer 1996 Postdoc-Stipendiat des Graduiertenkollegs \u00bbTheorie der Literatur und der Kommunikation\u00ab, und Peter Braun, seit April 1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Gerhart v. Graevenitz, vor einem Fernseher. Der Videoplayer aus dem Reich von Joachim Paech erm\u00f6glicht es, Jean Rouchs <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> im Modus der \u00bbSchneidetisch-Rezeption\u00ab<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Standbild f\u00fcr Standbild, Schnitt f\u00fcr Schnitt, Untertitel f\u00fcr Untertitel von der Einfahrt des Zuges am Anfang bis zu dem in Gro\u00dfaufnahme in die Kamera l\u00e4chelnden Guerba vor dem \u00bbMental Hospital\u00ab am Ende zu sichten. Den genauso ber\u00fchmten wie r\u00e4tselhaften Film hatte ich vorher h\u00f6chstens einmal gesehen, vielleicht bei dem Arte-Themenabend \u00bbAfrikanische Impressionen\u00ab (1995\/96). Peter Braun und ich sa\u00dfen jedenfalls nicht ohne Grund mit Erhard vor dem Videoplayer: Peter hatte die afrokaribischen und afrobrasilianischen Religionen in Hubert Fichtes Texten und Leonore Maus Photographien im Gep\u00e4ck, die Gegenstand seiner Dissertation waren und \u00fcber die er Mitte Februar direkt nach der wilden Konstanzer Fasnacht einen Vortrag gehalten hatte<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a>, ich Michel Leiris und seine Ethnographie des \u00e4thiopischen Zar-Besessenheitskultes. Meine Auseinandersetzung mit <em>L\u2019Afrique fant\u00f4me<\/em> hatte Anfang 1996 begonnen und m\u00fcndete zun\u00e4chst im Juni 1996 in eine Diskussionsvorlage f\u00fcr das von Renate Lachmann geleitete \u00bbBasiskolleg\u00ab (des oben genannten Graduiertenkollegs) zum Thema \u00bbDie Grenze\u00ab.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Ende Oktober 1997 sprach ich dann \u00fcber \u00bbDie Besessenheit des Surrealisten: Michel Leiris\u2019 Schreiben an den Grenzen der Ethnographie\u00ab bei der Tagung \u00bbInterkulturalit\u00e4t \u2013 zwischen Archiv und Inszenierung\u00ab<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> des SFB \u00bbLiteratur und Anthropologie\u00ab, an deren Vorabend sich alle Tagungsg\u00e4ste, darunter neben Erhard auch Heike Behrend und Thomas Hauschild im Konstanzer Zebra Kino versammelt hatten, um (eingef\u00fchrt von Peter Braun) <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> anzuschauen.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Da\u00df ich mich schlie\u00dflich so lange \u2013 bis heute \u2013 mit Leiris\u2019 Werken besch\u00e4ftigen sollte, habe ich damals nicht geahnt. Ohne die Impulse, die von Erhard ausgingen, w\u00e4re das wahrscheinlich nicht passiert. Hatte ich mir Leiris\u2019 Tagebuch der Mission Dakar-Djibouti zun\u00e4chst noch \u00fcber die Writing Culture-Debatte und die Lekt\u00fcren von James Clifford erschlossen, gab er den Ansto\u00df, Leiris\u2019 Begegnung mit den Zar-Besessenen im Zeichen der Umkehrung des Blicks (wie sehen und repr\u00e4sentieren die Ethnographierten die Ethnographen?) in der \u00bbinversen Ethnologie\u00ab Fritz Kramers und Michael Taussigs zu lesen. Die Rouch-Session auf H1 hatte daran einen gro\u00dfen Anteil.<\/p>\n<p>Meine bescheidene Aufgabe bei unserer Sichtung der \u00bbWahnsinnigen Meister\u00ab (oder \u00bbMeister des Wahnsinns\u00ab) war es, den aus dem Off eingesprochenen franz\u00f6sischen Originalkommentar von Rouch, den die Untertitel nicht immer w\u00f6rtlich und vollst\u00e4ndig wiedergeben, m\u00f6glichst genau zu \u00fcbersetzen und bei der Transkription des Franz\u00f6sischen zu assistieren. Ich erinnere mich gut daran, wie uns Erhard bei diesem gemeinsamen <em>close watching<\/em> und <em>reading<\/em> des in vielen Szenen schwer zu ertragenden Films \u00fcber den Hauka-Kult seine im Grunde bereits fertige oder beim Reden verfertigte Analyse vortrug. Rouchs \u00bbcin\u00e9-trance\u00ab l\u00f6ste bei ihm eine Art Trance des detailversessenen (-besessenen) Kommentierens und Assoziierens aus. Wie es Peter Braun erging (der in Hamburg schon Vorlesungen von Fritz Kramer an der Hochschule f\u00fcr Bildende Kunst geh\u00f6rt hatte und damit \u00bbeingeweihter\u00ab war als ich), kann ich nicht sagen, aber ich war auf jeden Fall von der Dichte an Referenzen und Reflexionen heillos \u00fcberfordert. Es f\u00fchlte sich an wie eine Initiation, weniger in die Geheimnisse des Hauka-Kultes als in diejenigen einer verschworenen Gemeinschaft von Ethnolog*innen, in die Erhard trotz seiner literaturwissenschaftlichen Herkunft erfolgreich vorgedrungen war. Der Kult hatte seine eigenen Geister: Mir schwirrte in dem fahlen Licht des ebenerdigen B\u00fcros schnell der Kopf vor lauter mir bis dahin nur zum Teil und kaum aus eigener Lekt\u00fcre bekannten Namen aus Erhards Pantheon: Robertson Smith, Godfrey Lienhardt, Maya Deren, Fritz Kramer, Michael Taussig, Heike Behrend (die 1977 die erste Rouch-Retrospektive in Berlin organisiert hatte), Paul Stoller. Die Leseliste war ziemlich lang.<\/p>\n<p>Mit dem Stipendiaten aus K\u00f6ln, den wir zuerst f\u00fcr einen medienwissenschaftlich versierten Germanisten gehalten hatten, und seinem Projekt \u00fcber die \u00bbModerne im Spiegel des Primitiven\u00ab war unverhofft ein Fach nach Konstanz gekommen, das man dort bei der Gr\u00fcndung 1966 trotz des sozialwissenschaftlichen Schwerpunkts vergessen hatte: die Ethnologie. Sie wurde zun\u00e4chst in der Gestalt von Erhard schnell zum Faszinosum f\u00fcr die der Dekonstruktion und Diskursanalyse m\u00fcden Literaturwissenschaftler*innen. Statt von Unentscheidbarkeit und Wissensarch\u00e4ologie war die Rede von Mimesis und Alterit\u00e4t, Exotismus und Besessenheit, Kolonialismus und Fremdgeistern: verlockende Aussichten f\u00fcr ein Fach, das sich in dem seit 1996 gef\u00f6rderten, von Gerhart v. Graevenitz geleiteten Sonderforschungsbereich \u00bbLiteratur und Anthropologie\u00ab ab 1997 aufmachte, die noch von der sp\u00e4ten Konstanzer Schule geerbte und als eher altbacken empfundene \u00bbliterarische Anthropologie\u00ab f\u00fcr die Beantragung der 1999 beginnenden zweiten F\u00f6rderperiode um die Ethnologie und um nicht mehr nur allein auf Europa gerichtete Perspektiven zu erweitern. Das kam bis dahin allenfalls bei Anglist*innen und Amerikanist*innen vor, die begonnen hatten, <em>postcolonial theory<\/em> \u2013 Edward Said, Homi Bhaba, Gayatri Spivak, Clifford Geertz und James Clifford \u2013 zu rezipieren, und hatte nur insofern mit Ethnologie zu tun, als diese das unter Kolonialismusverdacht stehende Objekt kritischer Demontage war. Wie Erhard die deutsche Ethnologie mit ihrer Tradition der \u00bbinversen Ethnologie\u00ab von Julius Lips bis zu Fritz Kramer und seinen Sch\u00fcler*innen auch erst \u00fcber Michael Taussig 1994\/95 an der Columbia University in New York entdeckt hatte, kann man im Vorwort von <em>Die Moderne im Spiegel des Primitiven<\/em> nachlesen.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Auch wenn sein Vorsprung selbstverst\u00e4ndlich nicht einzuholen war, stellte diese Konstellation einer mit dem Umweg \u00fcber Amerika reimportierten kritischen Schule der deutschen Ethnologie f\u00fcr die Konstanzer Literaturwissenschaftler*innen, unter denen sich schnell eine eigene Kultgemeinde um Erhard bildete, jedenfalls einen Gl\u00fccksfall dar. Literatur, so eine Erkenntnis, stellte nicht nur wie im Kontext von Writing Culture eine \u00bbmetakritische Instanz\u00ab f\u00fcr die Reflexion der Ethnologie dar; sie konnte selbst \u00bbzum Gegenstand kulturanthropologischer Forschung\u00ab werden, so da\u00df der (europ\u00e4isch-westliche) \u00bbLiteratur-Begriff\u00ab als solcher zur Disposition stand.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Bald wurde vermittelt \u00fcber Erhard \u2013 gleichsam der Trickster zwischen Ethnologie und Literaturwissenschaft \u2013 ein Sch\u00fcler von Fritz Kramer, Thomas Hauschild aus T\u00fcbingen, den Erhard aus dessen K\u00f6lner Hauptseminaren in den fr\u00fchen 1990er Jahren kannte, mit dem Projekt \u00bbTakt und Tabu. Ethnologie als Selbst- und Fremdgestaltung in Deutschland\u00ab Mitglied des SFB. Auch mein eigenes Projekt f\u00fcr den 1997\/98 vorbereiteten Fortsetzungsantrag \u2013 \u00bbFremde Landschaften: Afrika-Diskurse in der franz\u00f6sischen Literatur und Ethnographie des 20. Jahrhunderts\u00ab \u2013 ging aus diesem von Erhard initiierten Zusammenhang hervor. Bald kamen Fritz Kramer (im Mai 1998 und Sommer 1999), Heike Behrend (im Oktober 1997 zur Tagung \u00fcber Interkulturalit\u00e4t und im Oktober 1999 zur Tagung \u00bbAuge und Apparatur\u00ab) und Tobias Wendl (im Juli 1998 und Oktober 1999) wie auch Tullio Maranhao (Mai 1997) oder Vincent Crapanzano (Juni 1999) zu Vortr\u00e4gen an den Bodensee. Die Leseliste wurde bei den sich anschlie\u00dfenden Runden mit Erhard in der Seekuh und anderswo immer l\u00e4nger. Gut, da\u00df seine Analyse von <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> bald nachzulesen war.<\/p>\n<p>Mir liegt noch die offenbar im Anschlu\u00df an unsere Sichtung verfa\u00dfte Manuskriptversion vom Juni 1997 mit dem Titel \u00bbTrooping the Colour: Besessenheit und Erinnerung in Jean Rouchs <em>Les Ma\u00eetres Fous<\/em>\u00ab vor. Aus dieser 34seitigen Langfassung kondensierte Erhard unter der gleichen \u00dcberschrift seinen Beitrag f\u00fcr das aus einer SFB-Tagung (Mai\/Juni 1996) hervorgegangene Themenheft \u00bbMedien des Ged\u00e4chtnisses\u00ab der <em>Deutschen Vierteljahresschrift f\u00fcr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte<\/em>.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Anders als in der sp\u00e4teren Version im Kapitel \u00bbDie Einfahrt des Zuges (1954)\u00ab von <em>Die Moderne im Spiegel des Primitiven<\/em><a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a>, lag der Fokus auf der Analyse des Kults als einer Form von \u00bbErinnerungsarbeit\u00ab. Mein Eindruck beim Wiederlesen: Es ist mir nie gelungen, den wie alle Texte von Erhard den Leser\/die Leserin in eine ganz eigene Reflexionsbewegung involvierenden Text als handliche These abzuspeichern. Zugleich ist der Film f\u00fcr mich offenbar seit der intensiven Sichtung im Mai 1997 mit Erhards spezifischer Lekt\u00fcre im Lichte der Theorie der \u00bbfremden Fremderfahrungen\u00ab verschmolzen. Viele Einzelheiten, die f\u00fcr mich den Film bis heute ausmachen, als w\u00e4ren sie selbstverst\u00e4ndlicher Teil des Films, entstammen eigentlich seiner Analyse. Zugleich erkenne ich die Gedanken wieder, die mich damals beeindruckt haben und die ich dann (h\u00f6chstens halb verdaut) in den Schlingensief-Kosmos mitgenommen habe. Dazu geh\u00f6rte die Analyse des Hauka-Kultes als Form von \u00bbhistorischer Erinnerungsarbeit\u00ab. Der Aufsatz beginnt mit folgender \u00dcberlegung:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbJean Rouch dokumentierte 1954\/55 im Film <em>Les Ma\u00eetres Fous<\/em> einen Besessenheitskult von Wanderarbeitern der Songhay in der britischen Kolonie Gold Coast, den \u203aHauka\u2039-Kult. Die Inhalte seines Rituals sind einerseits das, was man den \u203aGeist\u2039 der europ\u00e4ischen Kolonisatoren nennen k\u00f6nnte und in Gestalt von \u203aGeistern\u2039 sich im Film manifestieren sieht, andererseits in diesen Geistern etwas, das an einem europ\u00e4ischen Ort als historische Erinnerungsarbeit aufgefa\u00dft w\u00fcrde, \u203awhat for us would be memories of experience\u2039 (G. Lienhardt, <em>Divinity and Experience. The Religion of the Dinka<\/em>, Oxford 1961, S. 149). Die Bilder dieser historischen \u203aErinnerungen\u2039 verk\u00f6rpern sich in der Trance von Medien, die selbst keine Erinnerungen an den Ablauf ihrer Trance besitzen sollen und auch die Genealogie der Geister oder G\u00f6tter keineswegs als Erinnerung begreifen w\u00fcrden \u2013 bewu\u00dfte Erinnerung und Trancebesessenheit bleiben inkompatibel. Wie konnte ein Film dieser f\u00fcr uns paradoxen Gestalt afrikanischer Geister und ihrer historischen (Nicht-)Erinnerungen gerecht werden?\u00ab<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Mit dem Verst\u00e4ndnis des Kults als einem Medium der \u00bbEnt\u00e4u\u00dferung von Erinnerungen\u00ab, das es erlaubt, \u00bbhistorische Abspaltungen\u00ab oder \u00bbAbspaltungen des historischen Bewu\u00dftseins\u00ab hervorzubringen, griff Erhard auf Fritz Kramers Aufsatz \u00bbAus der Zeit der Sklaverei. Historische Abspaltungen in afrikanischen Riten\u00ab (1997<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a>) zur\u00fcck. Auch wenn in Konstanz im Kreis von Renate Lachmann und Aleida Assmann schon l\u00e4nger \u00fcber Ged\u00e4chtnis, Memoria, Mnemotechnik und kulturelle Erinnerung diskutiert wurde, waren solche ethnologischen \u00dcberlegungen nie vorgekommen, so da\u00df Erhards Anliegen, die Kategorien der eigenen Kultur in denen anderer Kulturen zu spiegeln und dabei koloniale Verflechtungsgeschichten einzubeziehen, aufgrund einer gewissen kollektiven Ersch\u00f6pfung durch die immergleichen Referenzen von Platon bis Derrida nachhaltiges Erstaunen ausl\u00f6sen konnte (zumindest bei mir). Die \u00bbMedien des Ged\u00e4chtnisses\u00ab (sowohl das \u00bbMedium\u00ab als auch das \u00bbGed\u00e4chtnis\u00ab) erschienen pl\u00f6tzlich in einem anderen nicht mehr allein europ\u00e4ischen Licht, lange bevor die neuere Globalgeschichte solche Fragen zum Thema gemacht hat (falls sie es \u00fcberhaupt je getan hat). Bei ihrem vermutlich ersten Auftritt in der DVjS standen die Hauka auf einer Ebene u.a. mit Petrus von Ravenna, Shakespeare, Adorno, Freud und Anselm Kiefer, als w\u00e4re zumindest denkbar, da\u00df auch die europ\u00e4ischen \u00bbGeister\u00ab des Erinnerungsdiskurses Objekte des afrikanischen Besessenheitskultes werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Dabei stellte Erhard Rouchs Verfahren des Schnitts und der Montage, also die \u00bbPost-Production\u00ab am Schneidetisch in den Vordergrund: Erst durch Rouchs Montage (\u00bbFlashback\u00ab, \u00bbunbewu\u00dft bleibende Tonsignale\u00ab, \u00bbFilmri\u00df\u00ab, \u00bbSchnitt vom Vorbild zum Abbild\u00ab usw.) als filmisches Analogon der Besessenheit<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a>, so seine Argumentation, werden das \u00bbJahresritual der Hauka\u00ab und das \u00bbJahresritual der britischen Monarchie\u00ab (die Zeremonie namens \u00bbTrooping the colour\u00ab zur offiziellen Geburtstagsfeier der K\u00f6nigin, bei der die britische Flagge pr\u00e4sentiert und von der Truppe abgeschritten wird) aufeinander bezogen. Rouch unterbricht die Szenen des Besessenheitsrituals bekanntlich mit der Frage, \u00bbWarum ein Ei?\u00ab (auf dem Kopf der Statue, die den \u00bbGouverneur\u00ab repr\u00e4sentiert, wird ein Ei zerschlagen) und zeigt die Hauka-Besessenen als Zuschauer der Zeremonie, die allj\u00e4hrlich in Accra vor dem Palast des Gouverneurs \u2013 in der Szene mit einem wei\u00df-gelben Federbusch an seiner Kopfbedeckung zu sehen \u2013 stattfand. Damit leiste Rouch eine \u00bbdoppelte Ethnographie\u00ab (des Hauka-Rituals und des britischen Rituals) und mit dem Begriff Fritz Kramers eine \u00bbumgekehrte Ethnographie\u00ab (des \u00bbTrooping the Colour\u00ab im Spiegel des Hauka-Kultes). Die \u00bbSpiegelung\u00ab \u2013 das \u00bbjeu violent\u00ab des Hauka-Ritual als \u00bbreflet de notre civilisation\u00ab (Vorspann) \u2013 werde indes mit dem tabubrechenden und verst\u00f6renden Hundeopfer in dem Moment zerbrochen, als das blutige Fell des Hundes und der Union Jack gekoppelt werden, womit der Hund, seine Opferung und sein Verzehr als das \u00bbDrau\u00dfen\u00ab, auch das \u00bb\u00e4u\u00dferste europ\u00e4ische \u203aDrau\u00dfen\u2039\u00ab<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> sichtbar werde.<\/p>\n<p>Das zweite Thema von Erhards Aufsatz, das mir sp\u00e4ter f\u00fcr Christoph Schlingensief relevant erschien, war das des Hauka-Kults als einem therapeutischen Kult und als \u00bbHeilmittel\u00ab: Am Ende des Films kehrt das Bild, wie sich Guerba, die \u00bbLokomotive\u00ab, in Trance \u00bbdas Blut des Hundes von den Lippen leckt\u00ab<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> in Form eines Flashbacks wieder, bevor der gleiche Guerba in die Kamera l\u00e4chelt und Rouch im letztes Satz seines Kommentars die Frage stellt: \u00bben comparant ces visages avec les visages horribles de la veille, on ne peut s\u2019emp\u00eacher de se demander si ces hommes d\u2019Afrique ne connaissent pas certains rem\u00e8des qui leur permettent de ne pas \u00eatre des anormaux mais d\u2019\u00eatre parfaitement int\u00e9gr\u00e9s \u00e0 leur milieu, des rem\u00e8des que nous, nous de connaissons pas encore.\u00ab<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Dabei entschied sich Erhard gegen die (zu einfache) kritische Lekt\u00fcre des letztes Satzes als \u00bbpaternalistisch\u00ab und f\u00fcr eine komplizierte Lesart: \u00bbdiese Menschen k\u00f6nnen sich, durch ihr Ritual, durch ein Opfer, durch ihre Heilmittel, befreien \u2013 wovon? Nicht nur von ihrem Alltag, der Fremdheit der Arbeitsmigration, sondern auch von dem, was sie zur Darstellung bringen [&#8230;], wovon sie besessen sind: von den Fremdgeistern oder fremden G\u00f6ttern, von der kolonialen Macht und den \u203aBildern\u2039 der Fremdherrschaft, der \u203aforce\u2039 der Hauka, der \u203aMeister des Wahnsinns\u2039 und \u203awahnsinnigen Meister\u2039. Wir hingegen, die Europ\u00e4er, kennen (1954, 1955) diese Heilmittel, die uns durch die \u203aforce\u2039 der Hauka von der \u203aforce\u2039 heilen k\u00f6nnten \u2013 noch \u2013 nicht.\u00ab<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Insofern gehe es um eine Katharsis jenseits der historischen und kulturellen Trennung von Psychologie und Kosmologie, der Therapie des \u00bbMental Hospital\u00ab und derjenigen des Besessenheitsrituals. Auf diese Weise l\u00f6ste Erhard das \u00bbR\u00e4tsel\u00ab, das der Schluss des Films aufgibt, gerade nicht in die \u00bbeurop\u00e4ischen Spiegelungen und Erinnerungen\u00ab auf<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a>, die suggestive Begriffe wie Katharsis, \u00bbDissoziation\u00ab (Lienhardt) oder Rouchs eigener Verweis auf die \u00bbGeburt der Trag\u00f6die\u00ab postulieren. Wenn die Hauka ein Spiegel sind, dann einer, der solche Theorien zerbreche, eben tats\u00e4chlich auf \u00bbHeilmittel\u00ab (<em>rem\u00e8des<\/em>) verweise, \u00bbque nous, nous ne connaissons pas encore.\u00ab Als \u00bbVorbild\u00ab f\u00fcr europ\u00e4ische Theaterrituale, wie es sich Jean Genet dachte, als er <em>Les n\u00e8gres<\/em> schrieb, sei Rouchs Film damit nicht geeignet.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von Konstanz nach Berlin, von der Wissenschaft ins Theater<\/strong><\/p>\n<p>Auf Christoph Schlingensief war ich durch die n\u00e4chtliche Ausstrahlung im Herbst 1997 von \u00bbTalk 2000\u00ab (RTL) aufmerksam geworden. Statt so zu tun, als k\u00f6nne man als \u00bbLaie\u00ab Perfektion simulieren, erzeugte der \u00bbLaien-Talkmaster\u00ab Schlingensief bewu\u00dft Chaos, Unstimmigkeiten, Planlosigkeit und Streit bis zu Pr\u00fcgeleien. Als bekennender Dilettant konnte er sichtbar machen, was die perfekten TV-Inszenierungen ausgrenzten, und zwar nicht durch diskursive Repr\u00e4sentations- oder Medienkritik, sondern durch Imitieren und Nachspielen eines Fernsehformats, nicht durch eine \u00bbParodie\u00ab der Talkshowkultur, sondern durch \u00dcberidentifikation als subversiver Strategie. Mein Blick auf Christoph Schlingensief war dabei von Anfang an von der im gleichen Jahr von Erhard angesto\u00dfenen Auseinandersetzung mit Rouch und Leiris, mit Besessenheitskulten als \u00bbFremdgeistkulten\u00ab (Kramer, <em>Der rote Fes<\/em>), \u00bbmimetischem Exze\u00df\u00ab (Taussig) sowie \u00bbgelebtem Theater\u00ab (Leiris, <em>La possession et ses aspects th\u00e9\u00e2traux chez les \u00c9thiopiens de Gondar<\/em>) gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Als ich Anfang 1998 im Jahr des Bundestagswahlkampfs, der zur Abl\u00f6sung von Helmut Kohl durch Gerhard Schr\u00f6der f\u00fchrte, die Semesterferien in Berlin verbrachte, war ich dabei, als am 12. M\u00e4rz bei der Premiere des \u00bbWahlkampfzirkus\u00ab die Partei \u00bbChance 2000\u00ab gegr\u00fcndet wurde. Chance 2000 (\u00bbW\u00e4hle Dich selbst!\u00ab, \u00bbScheitern als Chance!\u00ab, \u00bbMacht Fehler!\u00ab) war ein bis heute einzigartiges soziales und politisches Experiment, weit mehr als eine \u00bbSpa\u00df-\u00ab, \u00bbKunst-\u00ab oder \u00bbTheaterpartei\u00ab und wurde schlie\u00dflich in mehreren Bundesl\u00e4ndern zur Wahl zugelassen. Ich trat noch am Premierenabend in die Partei ein, besuchte anschlie\u00dfend fast jede Vorstellung des \u00bbWahlkampfzirkus\u00ab und wurde zu einer Mitwirkenden bei Unterschriftensammlungen, bei Aktionen wie dem Besuch des KaDeWe (am 27. M\u00e4rz), \u00bbHotel Prora\u00ab (im Prater der Volksb\u00fchne, Mitte Mai), beim Baden im Wolfgangsee (2. August) und im Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg (der dann knapp an den 2000 Unterschriften scheiterte, die zur Wahlzulassung ben\u00f6tigt wurden). Dabei interessierte ich mich vor allem f\u00fcr die \u00bbTheorie\u00ab der \u00bbMetapartei\u00ab, diskutierte mit dem f\u00fcr Schlingensiefs Produktionen zust\u00e4ndigen Volksb\u00fchnen-Dramaturgen Carl Hegemann, mit dem \u00bbOberstaatsanwalt\u00ab Dietrich Kuhlbrodt, der Theaterwissenschaftlerin Sandra Umathum und anderen \u00fcber die Grenzen von Theater und Politik und die \u00bbKunst des Krisenexperiments\u00ab, wie das von dem Dramaturgen und Philosophen Carl Hegemann aus der Ethnomethodologie von Harold Garfinkel \u00fcbernommene Konzept lautete.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> War das eine Form von \u00bbteilnehmender Beobachtung\u00ab? Dazu fehlte mir als Literaturwissenschaftlerin das methodische R\u00fcstzeug. Ein Selbstversuch war es auf jeden Fall. Im Gegensatz zu anderen empfand ich mich mit meiner universit\u00e4ren Verortung in Konstanz bei dem Unternehmen eher als Gast und Beobachterin, da ich weder aus der Theaterwelt noch aus der Theaterwissenschaft kam, auch keine Journalistin war und mich ja eigentlich in Berlin aufhielt, um meine Dissertation \u00fcber \u00c9mile Zola voranzubringen. Zugleich habe ich offenbar wie viele, die damals dabei waren, eine aktive Rolle in dem Parteispiel gesucht, welche f\u00fcr mich nicht darin bestehen konnte, z.B. als Landesvorsitzende zu einer \u00bbechten\u00ab Parteifunktion\u00e4ren zu werden.<\/p>\n<p>In der Gr\u00fcndungsphase der Partei kam es zu turbulenten Szenen, die mit Auszug und Spaltung endeten: So verlie\u00df Christoph Schlingensief am Ende des Gr\u00fcndungsparteitags am 22. M\u00e4rz die Veranstaltung, um die \u00bbSchlingensiefpartei\u00ab zu gr\u00fcnden, w\u00e4hrend die Zur\u00fcckgebliebenen sich zu \u00bbPartei der letzten Chance\u00ab umbenannten. Viele der Beteiligten tauschten sich damals \u00fcber das G\u00e4stebuch auf der Internetseite der Partei aus oder schrieben dem Regisseur direkt. Nach der Spaltung schrieb ich ihm \u00bbDie beste Partei ist die Partei, die sich andauernd gr\u00fcndet und aufl\u00f6st\u00ab. Da ihm die Idee permanenter Gr\u00fcndung und Aufl\u00f6sung offenbar gefiel, bat er um weitere Kommentare. In meinen Unterlagen aus dieser Zeit finde ich noch eine Mail an Christoph Schlingensief, die ich irgendwann zwischen April und Juli geschrieben habe mu\u00df. Dort versuchte ich, mein von der gleichzeitigen Besch\u00e4ftigung mit Besessenheitskulten gepr\u00e4gtes Verst\u00e4ndnis der Parteiaktion zu formulieren: Indem Chance 2000 alle zu Mitspieler*innen mache, alle Kritiken, Hoffnungen und Projektionen Teil des \u00bbSt\u00fcckes\u00ab werden, bringe Christoph Schlingensief etwas hervor, das mich an Leiris\u2019 Begriff des \u00bbgelebten Theaters\u00ab erinnere. Die mit Chance 2000 praktizierte \u00bbMimesis ans System\u00ab sei eine Form der \u00bbsubversiven Affirmation\u00ab, um sich das System einzuverleiben und ihm dadurch einen Zerrspiegel vorzuhalten. Am Ende des Briefes bot ich dann Christoph Schlingensief noch Rouchs Film <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> als ein m\u00f6gliches Interpretament f\u00fcr das von ihm initiierte \u00bbNachspielen\u00ab des Partei- und Politikbetriebs an. Ich probierte offenbar, mehr schlecht als recht, die mir von Erhard vermittelte Interpretation des Films in \u00bblokale\u00ab Theorie (des Theaters, der Performance von Schlingensief, der dramaturgischen Konzepte von Carl Hegemann) zu \u00fcbersetzen: Die \u00bbMitglieder der Hauka-Sekte\u00ab seien in ihrem Kult, so schrieb ich an Christoph Schlingensief, \u00bbbesessen von den M\u00e4chten, die sie beherrschen und ausbeuten\u00ab, besessen von den \u00bbGeistern\u00ab der englischen Kolonialgesellschaft. Und: \u00bbIndem sie sich die Rollen aneignen und nachspielen, befreien sie sich von der Macht.\u00ab<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> F\u00fcr den Zweck reduzierte ich den auf diese Weise aus seinen spezifischen kulturellen Kontexten herausgel\u00f6sten Film auf den Gedanken der Umkehrung in der theatralen Mimesis und der damit verbundenen \u00bbheilenden\u00ab Katharsis. F\u00fcr die schwierigeren Aspekte des Films \u2013 die Besessenheit, die Geister, das Hunde-Opfer, die doppelte Adressierung, die nicht assimilierbaren \u00bbfremden Fremderfahrungen\u00ab und die historische Verortung \u2013 war kein Platz. Der unmittelbare Funktionskontext bestimmte die Aspekte, die ich weitergab: Die Analogie zum Parteitheater sollte Christoph Schlingensief in einer Situation, in der das Experiment immer wieder in ein blo\u00dfes Theaterst\u00fcck oder in anstrengende Parteivereinsarbeit abzugleiten schien, darin best\u00e4rken, da\u00df Chance 2000 weder als \u00bbSatire\u00ab noch als \u00bbechte\u00ab Partei zu verstehen war, sondern als Experiment, in dem die aus dem, was im Parteisprech \u00bbSystem 1\u00ab hie\u00df \u2013 \u00bbMedien und Parteien, die eine Realit\u00e4t eigener Art schaffen, fern der wirklichen Wirklichkeit\u00ab (Mark Siemons<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a>) \u2013 Ausgeschlossenen (quasi \u00bbKolonisierten\u00ab: die Arbeitslosen, Behinderten und Nicht-Politiker), den sie beherrschenden Politikbetrieb mimen. Dieses Nachspielen diente der kritischen \u00bb\u00dcberpr\u00fcfung\u00ab des Systems (Wer repr\u00e4sentiert wen? Was ist \u00bbpolitische Repr\u00e4sentation\u00ab?) und zugleich einem \u00bbKrisenexperiment\u00ab mit den politischen Ritualen des Wahlkampfs, das Carl Hegemann als performative Ethnographie des Politikbetriebs verstand.<\/p>\n<p>Ob Christoph Schlingensief <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> auf meine Mail hin angeschaut hat, wei\u00df ich nicht. Er hatte als Parteivorsitzender und Regisseur bis zur Wahl am 27. September 1998 wahrscheinlich kaum einen Kopf daf\u00fcr und erhoffte von mir auch eher Material f\u00fcr Wahlkampfreden, das ich mangels politisch-rhetorischer Begabung nicht liefern konnte. Vielleicht habe ich ihm meine VHS-Kassette kopiert oder ausgeliehen. Zum ersten Mal zum Einsatz kam der Film dann jedenfalls erst bei einem \u00bbStaatsbankett\u00ab in Basel zur Er\u00f6ffnung der Botschaft des von dem Regisseur nach der Wahl bei der Berlin Biennale am 3. Oktober 1998 als \u00bbStaat ohne Territorium\u00ab gegr\u00fcndeten \u00bbChance-Staates\u00ab. Die vom Theater Basel unter dem damaligen Intendanten Michael Schindhelm organisierte Veranstaltung fand vom 30. Oktober bis zum 2. November 1998 im Badischen Bahnhof Basel unter dem Motto \u00bbAbschied von Deutschland \u2013 Exil in der Schweiz\u00ab statt. Zwei Mal sa\u00df ich mit einem roten \u00bbDiplomatenpa\u00df\u00ab ausgestattet als \u00bbStaatsgast\u00ab-Statistin auf der B\u00fchne am festlich eingedeckten Tisch, an dem andere G\u00e4ste Reden hielten. Peter Gross, Professor f\u00fcr Soziologie in St. Gallen, sprach \u00fcber den \u00bbFremden\u00ab und die \u00bbInversion der Fremdheit\u00ab in einer \u00bbWelt, die sich der planetarischen Politik verschrieben hat\u00ab und in der \u00bbdie auf Territorien gegr\u00fcndeten Identit\u00e4ten br\u00f6ckeln\u00ab: Utopie einer von \u00bbWelteinheimischen\u00ab gepr\u00e4gten Zukunft, in der die \u00bbFremden\u00ab \u00fcberall zuhause und \u00bbdie zu Hause bleiben\u00ab \u00fcberall fremd sind.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> Auf einer Leinwand liefen w\u00e4hrend des Banketts Filme, darunter auch <em>Les ma\u00eetres fous<\/em>. \u00bbInversion des Fremden\u00ab? Die Filmausschnitte wurden nicht n\u00e4her eingef\u00fchrt oder kommentiert, es ging um das f\u00fcr Christoph Schlingensief charakteristische Spiel mit den Effekten (gerade auch den unkalkulierbaren von \u00bbEmergenz\u00ab<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a>) der \u00dcberlagerung von B\u00fchnengeschehen, Redetexten, Musikeinspielungen und Filmbildern. Die \u00c4sthetik der Collage, der Kollision und der Verdichtung von heterogenem Material entzog das Gezeigte systematisch sowohl der verstehenden Aneignung wie der Funktionalisierung. Entsprechend reagierte die Presse: Der Kritiker der <em>Baseler Sonntagszeitung<\/em> nannte Rouchs Film einen \u00bbFilm \u00fcber die Mi\u00dfhandlung schwarzer Sklaven\u00ab.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a> Die <em>Baseler Zeitung<\/em> wurde etwas ausf\u00fchrlicher: \u00bbAls Appetitz\u00fcgler werden w\u00e4hrend des Essens Dokumentarfilme auf die Gro\u00dfleinwand projiziert: aus dem Zweiten Weltkrieg und aus Afrika, wo Eingeborene einen Hund schlachten und ihm das Blut direkt aus der Kehle trinken. Was aber der allgemeinen fr\u00f6hlichen Stimmung wenig Abbruch tut.\u00ab<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> Vielleicht h\u00e4tte ich auch einfach eine Rede halten sollen, um den Film zu erkl\u00e4ren? Raum daf\u00fcr w\u00e4re gewesen (und der Produktionsleiter Henning Nass gab mir zu meinem Schreck im Scherz einen Einsatz), aber ich war zu sch\u00fcchtern. Und ich wollte nicht etwas sagen, das Rouchs Film letztlich mehr instrumentalisiert h\u00e4tte als die offene und fragmentarische Form der Einspielung, welche die Zuschauer*innen wenigstens mit einer nicht assimilierbaren \u00bbFremderfahrung\u00ab konfrontierte.<\/p>\n<p>F\u00fcr Christoph Schlingensief war die Aktion in Basel die letzte Station vor einer zweimonatigen Reise mit seiner damaligen Freundin, der Kost\u00fcmbildnerin Nina Wetzel, nach S\u00fcdafrika und Namibia.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> Er brach am 5. November auf. Auch wenn weitere \u00bbBotschaftsgr\u00fcndungen\u00ab auf dem offiziellen Programm standen, ging es f\u00fcr ihn bereits um die Vorbereitung des n\u00e4chsten Projektes: die Auff\u00fchrung von Wagners Ring des Nibelungen zum Milleniumswechsel in Namibia (\u00bbder gr\u00f6\u00dfte Coup nach Fitzcarraldo\u00ab). Auf seinen Internetseiten publizierte Christoph Schlingensief in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden ein Reisetagebuch.<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> Die Lekt\u00fcre erinnerte mich an Motive der Reisetexte, die ich im Rahmen meines Projektes \u00fcber \u00bbAfrika-Diskurse in der franz\u00f6sischen Literatur und Ethnographie des 20. Jahrhunderts\u00ab und im Wintersemester 1998\/99 auch in einem Proseminar und einer Sektion des Romanistentages bearbeitete.<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> \u00c4hnlich wie Leiris notierte Schlingensief unverbl\u00fcmt surreale Impressionen: \u00bbDurban selber ist so wie Hamburg. Alle reden von gro\u00dfer Gefahr ab 17 Uhr und die Inder sind die Sklaven der Neger.\u00ab (5.-7. November). \u00c4hnlich wie Leiris war er au\u00dferhalb Europas auf der Suche nach einer transformativen Erfahrung: \u00bbWerde ich mich ver\u00e4ndern? Wird mich der Abstand zu Deutschland [&#8230;] befreien?\u00ab (ebd.) Er betonte in der avantgardistischen Tradition der Aufhebung der Grenze von Kunst und Leben, da\u00df sein \u00bbAbschied aus Deutschland\u00ab nicht ein \u00bbkunstgewerblicher Gedanke\u00ab sei, sondern aus einem \u00bbinneren Zwang\u00ab heraus geschehe (10. November). Eindringlich protokollierte er Szenen, in denen er \u00bbTodesangst\u00ab erlebte. Nach einer n\u00e4chtlichen Autofahrt durch Johannesburg und der \u00bbRettung durch Sicherheitskr\u00e4fte\u00ab hie\u00df es: \u00bbJetzt wei\u00df man ungef\u00e4hr, was Todesangst ist\u00ab (8. November). Und nach einem Besuch im Zoo von Pr\u00e4toria, wo die Besucher mit einer bauf\u00e4lligen alten Seilbahn \u00fcber die Gehege schwebten: \u00bbWeshalb sich nat\u00fcrlich die Frage stellt, warum wir \u00fcberhaupt nach Afrika gefahren sind, wenn nur noch alles aus Todesangst besteht. Ist es etwa die Sehnsucht sich endlich vollst\u00e4ndig aufzul\u00f6sen [&#8230;]\u00ab (11.\/12. November). Das Fazit lautete: \u00bbJedenfalls (!) haben uns der Zoo in Pr\u00e4toria und die Flucht aus der Stadt \u00fcberzeugt, da\u00df Afrika das richtige Land ist, um sich selber nicht nur zu erleben, sondern auch, um sich selber endlich aufzugeben und die Eitelkeit der letzten Monate, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, im Angesicht der Todesangst, zuzugeben.\u00ab (ebd.) \u00bbAfrika\u00ab wird hier f\u00fcr den Europ\u00e4er, so damals meine Lekt\u00fcre, wie in den klassischen Reisetexten von Joseph Conrad (<em>Heart of Darkness<\/em>), Andr\u00e9 Gide (<em>Voyage au Congo<\/em>), Louis-Ferdinand C\u00e9line (das Afrika-Kapitel aus <em>Voyage au bout de la nuit<\/em>) und Leiris\u2019 <em>L\u2019Afrique fant\u00f4me<\/em> zum Schauplatz von nicht ohne Angstlust ersehnten Grenzerfahrungen und Transgressionen, d.h. zum Schauplatz einer Selbstbegegnung des Europ\u00e4ers. Dazu geh\u00f6rte die Erfahrung, bei einer Safari eine Waffe zu tragen: \u00bbBuschm\u00e4nner zeigen uns Schlangenspuren und eine L\u00f6wenspur [&#8230;]. Besitze eine eigne Pistole. Unangenehm. (W\u00e4re aber besser, sagen die Tr\u00e4ger.)\u00ab (27. November).<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt des Tagebuchs ist aber sicher die Schilderung der Begegnung mit dem \u00bbgro\u00dfen J\u00e4ger\u00ab Klaus Gr\u00e4ber. Als \u00bbzynischer Menschenverachter\u00ab ist er eine Figur aus der Typologie von Kolonialisten, die mich an Conrad oder C\u00e9line erinnerte (vgl. 1. Dezember). Dem \u00bbGrauen\u00ab, wie es hei\u00dft, als w\u00fcrde hier tats\u00e4chlich <em>Heart of Darkness<\/em> zitiert, begegnete Schlingensief dann auf der Suche nach einem geeigneten Ort f\u00fcr die Auff\u00fchrung von Wagners Ring in Namibia. Bei dem Besuch der Robbenkolonie in Cape Cross mit besagtem Klaus Gr\u00e4ber ereignete sich eine Szene, in der kolonialistischer Zynismus und Rassismus, ekelerregende Grausamkeit und Gewalt sich zu der Evokation eines besessenen Europ\u00e4ers im \u00bbWahn\u00ab mit Speichel vor dem Mund verbinden:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbGegen 15 Uhr treffen wir endlich auf Klaus Gr\u00e4ber, den gro\u00dfen J\u00e4ger, von dem alle sprechen und der sich schon nach 10 Minuten als zynischer Menschenverachter outet. [&#8230;] Wir m\u00fcssen fast kotzen. Am Nachmittag geht es dann zum Cape Cross, der gr\u00f6\u00dften Robbenkolonie der Welt. [&#8230;] Was uns erwartet ist unglaublich, ungef\u00e4hr 70 km n\u00f6rdlich von Swakopmund leben auf einer problemlos betretbaren Landzunge unz\u00e4hlige Robben mit ihren Kindern. Schon 100 Meter vor Erreichen des Platzes stinkt es bestialisch. \u203aWas ist das?\u2039 fragt Nina: \u203aDas sind die toten Robbenbabys\u2039, antwortet Gr\u00e4ber und z\u00fcckt seinen Kn\u00fcppel. Vor uns das Grauen. Das sind mehr als 100.000 Robben [&#8230;], bis zum Horizont ist der Strand und die Klippe belagert von schreienden, k\u00e4mpfenden und geb\u00e4renden Robben. Pl\u00f6tzlich ein schwarzer Fleck, direkt neben einem Warnschild. Gr\u00e4ber rennt hin. Wir hinterher. neben dem Schild liegen ungelogen 40-50 neugeborene Robbenbabys, viele davon bereits tot, aufgedunsen, geh\u00e4utet, zerbissen. Der Anblick ist unbeschreiblich, wir m\u00fcssen w\u00fcrgen und suchen Schutz. \u203aNix da\u2039, br\u00fcllt Gr\u00e4ber, \u203adas ist die Schule Afrikas. Die Robbenm\u00fctter bleiben eine Woche nach der Geburt unfruchtbar, dann gehts wieder los. Die ficken, fressen, schlafen, geb\u00e4ren. Das Baby, das da noch wahrgenommen wird, hat Gl\u00fcck und \u00fcberlebt, die anderen kann man nur erl\u00f6sen!\u2039 Gr\u00e4ber geht los, holt aus und drischt auf die schreienden Babys ein. Immer und immer wieder zerschl\u00e4gt er ihnen die K\u00f6pfe, kn\u00fcppelt auf die R\u00fccken der wehrlosen Tiere und tritt mit dem Stiefel (Camelboots) nach. Ich schreie ihn an und fordere ihn auf, damit unverz\u00fcglich aufzuh\u00f6ren. Nina mu\u00df kotzen. Ich mu\u00df weinen. Gr\u00e4ber ist wie im Wahn. Seine Augen funkeln. Aus seinem Mund l\u00e4uft Glibber. Ein Teil der schwarzen Tr\u00e4ger lacht. Nur unser schwarzer Dolmetscher ist wie versteinert. Ich gehe auf ihn zu und will mit ihm sprechen, doch da st\u00f6\u00dft er mich zur Seite. Ich falle direkt auf 10 von Gr\u00e4ber geschlachtete Robben. Ein Alptraum. Die schwarzen Tr\u00e4ger lachen. Unser Dolmetscher hat sich mittlerweile ein Holzst\u00fcck genommen und rast auf Gr\u00e4ber zu, schl\u00e4gt zu. Gr\u00e4ber fa\u00dft sich an den Kopf, blickt sich um, versteht nicht und bricht dann zusammen. Unser Dolmetscher will noch mal zuschlagen, wird aber von den Schwarzen zur Seite gerissen und gnadenlos zusammengepr\u00fcgelt. Ich greife Nina. \u203aNichts wie weg hier. Die drehen durch, Das ist die Hitze, der Gestank.\u2039 Nach kurzer Zeit erreichen wir die Fahrzeuge. Alle verschlossen. Wir warten, was anderes bleibt uns nicht \u00fcbrig. Nach 30 Minuten kommt Gr\u00e4ber mit Kopfverband und unsere Tr\u00e4ger. Vom Dolmetscher fehlt jede Spur. \u203aWo ist Chatto?\u2039 Keine Antwort. Ich stelle Gr\u00e4ber zur Rede, Gr\u00e4ber starrt mich grinsend an \u203aDr. Chatto geht es nicht gut. Er kommt nach.\u2039 Die Gruppe besteigt den Jeep. Ich will zur\u00fccklaufen. \u203aWenn Sie das tun, kommen Sie hier nicht mehr weg. Die Sonne geht gleich unter. Ich lasse Chatto morgen abholen, eine Nacht bei den Robben hat noch keinem geschadet, das Leben ist grausam. Chatto hat das vergessen. Morgen ist wieder alles in Ordnung.\u00ab Wir steigen ein und fahren ab. Mir ist gar nicht gut. So eine Schei\u00dfe.\u2039\u00ab (1. Dezember)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie andere Reisende vor ihm, so schien es mir, hatte Christoph Schlingensief bei seiner Afrikareise mehr \u00fcber Europa, den europ\u00e4ischen \u00bbWahn\u00ab und \u00fcber sich als \u00fcber ein letztlich imagin\u00e4res Afrika gelernt. Er hatte die Europ\u00e4er als das erkannt, was sie aus der Sicht der Hauka in <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> waren: die eigentlichen \u00bbWilden\u00ab und Besessenen. Ich schilderte Christoph Schlingensief meine Leseeindr\u00fccke in einer Mail, formulierte, da\u00df \u00bbdas Herz der Finsternis\u00ab, das er in Afrika gesucht hatte, vielleicht in Europa und in der Berliner Republik liege, empfahl ihm die Lekt\u00fcre von <em>Herz der Finsternis<\/em> und <em>Reise ans Ende der Nacht<\/em>. Au\u00dferdem bot ich ihm an, Tobias Wendl nach den \u00bbHorrorfilmen aus Ghana\u00ab zu fragen, die er im Sommer 1998 in Konstanz gezeigt hatte.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a> Daraufhin antwortete Christoph Schlingensief am 6. Januar 1999:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbSubject \u00bbChristoph sucht afrikanische Obsessionen\u00ab: \u00bbafrika war unglaublich. die filme bitte ganz schnell!!! [&#8230;] wir m\u00fcssen an die obsessionen ran. das ist der letzte schatz und lieferant f\u00fcr \u00fcberlebenstechniken. ab 15.1. hab ich eine ganz einfache, aber sch\u00f6ne internetsache vor. da gibt es auch eine abteilung: ethno.. kannst du die nicht einfach \u00fcbernehmen und aus deinem repertoire einfach ab und zu ein paar skurrile texte zu afrikanischen obsessionen raustun, scannen oder abschreiben. mu\u00df nicht viel sein. so in etwa: kochrezepte, wodoomittel, rituale, aufgabenstellungen zum nachspielen, mythologisches (der mond ist \u00fcbrigens vom hasen zerkratzt worden, &#8230;sagen die buschm\u00e4nner). und ab und zu ein ekliges foto \u00fcber geschlachtete afrikaner oder rituale oder figuren, etc&#8230;was du willst!\u00ab<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt hatte Christoph Schlingensief begonnen, seine n\u00e4chste Inszenierung an der Volksb\u00fchne vorzubereiten: einerseits das \u00bbSeven X-Theater\u00ab (Produktionsleitung: Henning Nass) im Foyer mit \u00bbSeminaren\u00ab \u00fcber \u00bbObsessionen\u00ab und einer eigenen (wegen Pornographie und Nazi-Symbolen kurz nach dem Start eine Weile gesperrten) interaktiven Internetseite, andererseits das in der Spielzeitvorschau seit Herbst angek\u00fcndigte St\u00fcck \u00bbDie Berliner Republik oder Der Ring in Afrika\u00ab (Dramaturgie: Carl Hegemann und Bettina Masuch, B\u00fchnenbild: Anna Viebrock, Kost\u00fcme: Nina Wetzel, Soundtrack: Uwe Altmann<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a>). Die Spielzeit 1998\/99, in der Frank Castorf Tim Staffels \u00bbTerrordrom\u00ab, \u00bbRosenkriege 1\u20138\u00ab nach Shakespeare und \u00bbD\u00e4monen\u00ab nach Dostoiewskij inszenierte, stand unter dem an die slowenische Gruppe N.S.K. und ihre Strategie der \u00bbsubversiven Affirmation\u00ab erinnernden Motto \u00bb\u00dcberassimilation statt Widerstand\u00ab.<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a> Im Rahmen dieser Strategie wurde der Slogan \u00bbDas neue Berlin\u00ab durch eine von Bert Neumann gestaltete Plakatserie bebildert, die scheinbar harmlose, wie aus einer RTL-Vorabendserie oder einem Werbeprospekt f\u00fcr Eigenheime stammende Photos nutzte. Auf dem Plakat f\u00fcr \u00bbDie Berliner Republik\u00ab war im Stil der deutschen TV-\u00bbHeimatfilme\u00ab mit afrikanischem Schauplatz das Photo eines Massai (?) und eines wei\u00dfen Entwicklungshelfers zu sehen, Arm in Arm und den Betrachter\/die Betrachterin anl\u00e4chelnd (sp\u00e4ter war das auch die Illustration des M\u00e4rz- Leporello und Coverbild des Programmheftes). \u00dcber Schlingensiefs geplantes St\u00fcck hie\u00df es in der Vorank\u00fcndigung: \u00bb[I]n diesem Kontext untersucht Christoph Schlingensief in seinem ersten Boulevardst\u00fcck <em>Die Berliner Republik<\/em> im Vorhinein das Wohnen und Wirken des neuen Bundeskanzlers Schr\u00f6der in Berlin.\u00ab<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a> Carl Hegemann hat die Entstehung der Grundidee geschildert:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbWir hatten vorher <em>Chance 2000<\/em> gemacht, zehn Monate lang Theater in der freien Wildbahn. Was Bertolt Brecht \u00fcber den Abriss der vierten Wand geschrieben hat, haben wir in einem derart ma\u00dflosen Extrem betrieben, dass wir selbst nie wussten, ob es Theater oder Politik war. Wir ertrugen diese ambivalenten Situationen nicht mehr. [&#8230;] Christoph und ich waren uns einig: Wir mussten wieder zur\u00fcck ans Theater. Christoph hatte die Idee, unsere Erfahrungen als Parteivorsitzender, Parteigr\u00fcnder und als Kanzlerkandidat in einer Boulevardkom\u00f6die, der <em>Berliner Republik<\/em>, zu verarbeiten. Gerhard Schr\u00f6der war zu diesem Zeitpunkt bereits gew\u00e4hlt, hatte sein Amt jedoch noch nicht angetreten. Schr\u00f6ders Obsession, ein Opernhaus in Afrika zu bauen, um dort Wagners <em>Ring des Nibelungen<\/em> aufzuf\u00fchren, war bekannt. So entschieden wir uns, dem Herrschenden noch vor Amtsantritt zu zeigen, wie es mit ihm enden w\u00fcrde. Christoph hat ein tolles Buch geschrieben, die Schauspieler waren hoch motiviert, und auch Anna Viebrock, eine der bedeutendsten B\u00fchnenbildnerinnen, war in das Projekt involviert.\u00ab<a href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Premiere war f\u00fcr den 17. M\u00e4rz 1999 angesetzt. Ich sollte die Produktion ab Mitte Februar als Dramaturgiehospitantin begleiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Die Berliner Republik oder Der Ring in Afrika<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u00bbNat\u00fcrlich war die <em>Berliner Republik<\/em> das Beste und Schlechteste, was Schlingensief je gemacht hat\u00ab, res\u00fcmierte Diedrichsen Ende 1999 im Jahrbuch von <em>Theater heute<\/em>.<a href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\">[46]<\/a> In Christoph Schlingensiefs Werk markiert die (auch durch den Mangel an Dokumenten und Aufzeichnungen) eher wenig beachtete und kommentierte Inszenierung den Beginn seiner theatralischen Auseinandersetzung mit Afrika einerseits und mit Wagner andererseits. Aus heutiger Sicht ist bemerkenswert, von welchen Geistern der deutschen Geschichte Christoph Schlingensiefs Kanzler und die \u00bbBerliner Republik\u00ab heimgesucht wurden: Wagner und die Nibelungen, Leni Riefenstahl und General von Trotha, KZ-Aufseher und \u00bbHerero-Schl\u00e4chter\u00ab. Auf diese Weise brachte das St\u00fcck den zu diesem Zeitpunkt im allgemeinen Geschichtsbewu\u00dftsein (wie der deutsche Kolonialismus insgesamt) weitgehend ausgeblendeten Genozid an den Herero und Nama in eine historische Verbindung mit dem Nationalsozialismus.<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a> Auf welcher deutschen B\u00fchne fiel damals ein solcher Satz wie dieser: \u00bbDie Bundesregierung hat sich bis jetzt noch nicht daf\u00fcr entschuldigt\u00ab<a href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a>? Kurz vor Abschlu\u00df der Debatte \u00fcber das Holocaust-Mahnmal und mitten in der Euphorie \u00fcber das \u00bbneue Berlin\u00ab konfrontierte das St\u00fcck seine Zuschauer*innen mit der \u00bbkolonialen Amnesie\u00ab. Dabei vermittelte das St\u00fcck die Themen Kolonialismus und Nationalsozialismus \u00fcber den Wagner-Komplex (sowohl \u00fcber die Figur Wagners als auch \u00fcber die Nibelungenmythen)<a href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\">[49]<\/a> und imaginierte einen Umgang mit den Geistern, der sich (neoprimitivistisch) an fremdkulturellen Modellen \u2013 dem Besessenheitskult der Hauka \u2013 orientierte. Ein Kritiker sprach treffend von einer \u00bbGeschichtsgeisterstunde\u00ab.<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\">[50]<\/a> Der gerade gew\u00e4hlte Kanzler und seine Zeitgenossen selbst erschienen in dem St\u00fcck zugleich so, als w\u00e4ren sie in einer fiktiven Zukunft, die auf die Berliner Republik und Schr\u00f6der-Deutschland zur\u00fcckblickt aus der Vergangenheit auferstanden: als Geister, die ihre \u00bbPferde\u00ab (die Schauspieler*innen) reiten. Bazon Brock hatte daf\u00fcr das Label \u2013 \u00bbTheater aus der Zukunft!\u00ab eingebracht.<a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\">[51]<\/a><\/p>\n<p>Auch wenn es so aussah, als w\u00fcrde Christoph Schlingensief mit <em>Die Berliner Republik<\/em> aus der Welt der Politik in die Welt des Theaters zur\u00fcckkehren, handelte es sich auch hier um eine f\u00fcr ihn und seinen Dramaturgen Carl Hegemann charakteristische Versuchsanordnung: Wenn man nach der Parteiaktion und ihrer Aufl\u00f6sung des Theaters in Politik erneut das Theater aufsuchte und die \u00bbunsichtbare vierte Wand\u00ab wieder aufbaute, dann gerade nicht, um nun ein \u00bbSt\u00fcck\u00ab aufzuf\u00fchren und jeden Abend zu wiederholen, sondern um den Theaterraum als solchen zum Gegenstand der Reflexion und der \u00bb\u00dcberpr\u00fcfung\u00ab zu machen. Das hie\u00df die Grenzen, die man abschaffen wollte, noch einmal zu besichtigen und im \u00dcbrigen weiter mit der Verwirrung, ob es sich um Theater oder Politik handelt, zu spielen. Das gelang durch einen gl\u00fccklichen Zufall, den man gar nicht h\u00e4tte inszenieren k\u00f6nnen, noch w\u00e4hrend der Proben, als am 9. M\u00e4rz eine Wahlkampfveranstaltung der Berliner SPD f\u00fcr Neuberliner und Neumitglieder in der Volksb\u00fchne stattfand, bei der Oskar Lafontaine im bereits aufgebauten, von Anna Viebrock erdachten B\u00fchnenbild des St\u00fccks \u2013 die Wohnung des Kanzlers \u2013 als Gastredner auftrat.<a href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\">[52]<\/a> Bernhard Sch\u00fctz und Irm Hermann \u2013 \u00bbGerhard\u00ab und \u00bbDoris\u00ab \u2013 schmuggelten sich in den Saal. Christoph Schlingensief photographierte nach der Veranstaltung sein falsches Kanzlerpaar mit dem echten Lafontaine.<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\">[53]<\/a> Bernhard Sch\u00fctz lud bei dieser Begegnung den Politiker zur Premiere ein: Er w\u00fcrde sich freuen \u00bbda\u00df Sie uns dabei helfen, die Grenzen zwischen Theater und Politik weiter zu verwischen.\u00ab Lafontaine antwortete: \u00bbWir sind ja alle bew\u00e4hrte Darsteller.\u00ab Zwei Tage sp\u00e4ter (am 11. M\u00e4rz) trat er \u2013 als w\u00e4re das eine Folge seiner Begegnung mit Christoph Schlingensief und Bernhard Sch\u00fctz \u2013 als SPD-Parteivorsitzender und als Bundesfinanzminister zur\u00fcck, distanzierte sich damit von Schr\u00f6ders wirtschafts- und sozialpolitischem Kurs. Die Berliner Republik erlebte eine erste Krise. Christoph Schlingensief bezeichnete Lafontaines Auftritt in der Volksb\u00fchne sp\u00e4ter als \u00bbersten Teil seiner Inszenierung\u00ab und zeigte Videoaufnahmen mit Lafontaine in den Auff\u00fchrungen.<a href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\">[54]<\/a> Die zweite Krise, die schlie\u00dflich zur fr\u00fchzeitigen Absetzung des St\u00fccks f\u00fchrte, war der Beginn des Kosovo-Krieges.<\/p>\n<p><em>Die Berliner Republik oder Der Ring in Afrika<\/em> wurde nur neun Mal aufgef\u00fchrt. Jeder Abend verlief anders. Nur bei der General- oder Fotoprobe wurde das St\u00fcck so gezeigt, wie es geprobt worden war.<a href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\">[55]<\/a> Nach den letzten Proben initiierte Christoph Schlingensief einen in seinem Internettagebuch<a href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\">[56]<\/a> t\u00e4glich kommentierten Proze\u00df der Demontage und Zerst\u00f6rung des von ihm als \u00bbR\u00fcckfall ins Stadttheater\u00ab empfundenen St\u00fccks, der zu diversen Schauspielerr\u00fccktritten und Krisen im Verh\u00e4ltnis zur Intendanz der Volksb\u00fchne f\u00fchrte. Der dritten Vorstellung blieb er einfach fern. Es gab einen Versuch der Wiederaufnahme als \u00bbPremiere\u00ab von \u00bbTeil II der Berliner Republik\u00ab mit einem neuen Konzept am 31. M\u00e4rz, welches das St\u00fcck (w\u00e4hrend Jugoslawien schon bombardiert wurde) in Richtung der Kontrafaktur eines Passionsspiels mit Weihrauch, Me\u00dfdienern, Predigten und F\u00fcrbitten und einem Kirchenchor ver\u00e4nderte (gezeigt wurden u.a. eine \u00bbOpferung\u00ab von Joschka Fischer und ein \u00bbInitiationsritual\u00ab mit einem Ei, das man sich auf dem Kopf zerschlagen sollte) und Kommentare von Bazon Brock integrierte. Nur von diesem \u2013 wegen der Pr\u00e4senz von Bazon Brock untypischen und einmaligen \u2013 Abend gibt es eine Videoaufzeichnung.<a href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\">[57]<\/a> Angesichts des Kosovo-Krieges erkl\u00e4rte der Regisseur die Berliner Republik (mit und ohne Anf\u00fchrungszeichen) dann f\u00fcr beendet<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\">[58]<\/a>, verweigerte sich einer Fortsetzung des \u00bbFronttheaters\u00ab und nutzte stattdessen die f\u00fcr das St\u00fcck angesetzten Abende am 11. und 12. April, die in eine Diskussion mit Kriegsgegnern umfunktioniert wurden, um \u00fcber Telefon von seiner Reise in die Fl\u00fcchtlingslager zu berichten. Der Plan, Fl\u00fcchtlinge in der Volksb\u00fchne unterzubringen, das Theater in ein (tempor\u00e4res) Fl\u00fcchtlingslager umzuwandeln, stellte eine Provokation der Institution und ihrer Mitarbeiter*innen dar (die bei einer Abstimmung dagegen votierten) und mu\u00dfte scheitern. Nachdem Belegschaft, Intendanz und Senatsverwaltung ihm die Aufnahme von 50 Gefl\u00fcchteten verwehrt hatten, obwohl Frank Castorf den Brief an Joschka Fischer noch mitunterzeichnet hatte, verk\u00fcndete Christoph Schlingensief am 19. April, da\u00df er die Volksb\u00fchne verl\u00e4\u00dft. Seine Position war klar: \u00bbDas St\u00fcck begann vor dem Krieg als zweifelhafte Kom\u00f6die, ver\u00e4nderte sich dann jeden Abend und ist nun aktueller und konsequenter, als wir uns es jemald vorstellen konnten. Ich kehre doch nicht nach 15 Monaten Freilandhaltung ans Theater zur\u00fcck, um dort in einem unver\u00fcckbaren B\u00fchnenbild zu krepieren.\u00ab<a href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\">[59]<\/a> Und: \u00bbSchr\u00f6derdarsteller Sch\u00fctz ist mittlerweise besser als Kanzlerdarsteller Schr\u00f6der; denn Sch\u00fctz ist an humanit\u00e4ren L\u00f6sungen interessiert und nicht wie es unser Kanzlerdarasteller Schr\u00f6der ausdr\u00fcckt an humanit\u00e4ren Katastrophen.\u00ab<a href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\">[60]<\/a> <em>Die Berliner Republik<\/em> wurde schlie\u00dflich nach der Vorstellung vom 17. April fr\u00fchzeitig abgesetzt.<a href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\">[61]<\/a> Vor allem Carl Hegemann bedauerte das. Christoph Schlingensief, habe das Gelingen nicht ertragen k\u00f6nnen: \u00bbW\u00e4hrend der Proben zur <em>Berliner Republik<\/em> zeigte sich aber, da\u00df die Sache bedrohlich gut funktionierte. Alle waren begeistert davon, wie schnell und hintergr\u00fcndig das Theater auf politische Vorg\u00e4nge reagieren kann, auf den R\u00fccktritt Lafontaines etwa. Die Inszenierung schien also zu gelingen, und dieses Gelingen konnte Schlingensief offenbar nicht ertragen. [&#8230;] Er h\u00e4tte auch, als der Krieg ausbrach, sagen k\u00f6nnen: In meiner Inszenierung kommt schon alles vor. Das Nibelungenhafte der Berliner Republik. Schr\u00f6ders Sehnsucht nach der Katastrophe. Die moralische Begr\u00fcndung barbarischer Aktionen am Beispiel der KZs und Massenmorde im sogenannten Deutsch-S\u00fcdwestafrika.\u00ab<a href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\">[62]<\/a> Die Textb\u00fccher und Konvolute mit den Szenen, die Christoph Schlingensief, anders als bei fr\u00fcheren Theaterprojekten, geschrieben hat, die aber immer nur zum Teil in den Auff\u00fchrungen vorkamen, und die sich im Archiv der Akademie der K\u00fcnste befinden<a href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\">[63]<\/a>, best\u00e4tigen diesen Eindruck und w\u00fcrden eine kritische Edition verdienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auftritt \u00bbHauka\u00ab: \u00bbDeutscher Besessenheitskult\u00ab, \u00bbAbarbeitung von Zivilisationssch\u00e4den\u00ab, Erinnerungsrituale<\/strong><\/p>\n<p>Noch einmal zur\u00fcck zu den Vorbereitungen: Als im Februar 1999 der Text f\u00fcr den M\u00e4rz-Leporello zu schreiben war, scheint mich Carl Hegemann, der diese Texte als eigenes philosophisches Genre perfektioniert hatte<a href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\">[64]<\/a>, um einen Formulierungsvorschlag oder um die Erg\u00e4nzung eines von ihm abgefa\u00dften ersten Entwurfs gebeten zu haben. Ermutigt von Heike Behrend, die mir erz\u00e4hlt hatte, wie sie Rouchs Film Peter Stein empfohlen hatte, als dieser 1983 in der Schaub\u00fchne Jean Genets <em>Les n\u00e8gres<\/em> inszenierte, versuchte ich <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> in das zu diesem Zeitpunkt noch kaum fixierte Konzept des geplanten Boulevardschwanks \u00fcber den neuen Kanzler hineinzuschreiben.<a href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\">[65]<\/a> Auf der Festplatte meines Computers findet sich noch heute der folgende Textbaustein vom 11. Februar 1999<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\">[66]<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbDie Auff\u00fchrung des <em>Ring des Nibelungen<\/em> in Afrika ist das Gro\u00dfprojekt, von dem er [Gerhard Schr\u00f6der] tr\u00e4umt, seitdem er in den siebziger Jahren Zugang zur Kunst gefunden hat, und das seine Energien bindet. Die Rationalisierung der Politik ist gescheitert, die Suche nach wirksamen Ritualen f\u00fchrt nach Afrika. Schr\u00f6der hat erkannt, da\u00df Wagners Opern in Wahrheit ein deutscher Besessenheitskult sind und die Nibelungen die deutschen Geister, die die Deutschen immer noch heimsuchen. Von dem afrikanischen Hauka-Kult will er den Umgang mit den Geistern im Ritual lernen, um mit Trance, Tanz, Gesang und Opfern die Meister aus Deutschland zu beschwichtigen. Doris findet das unverantwortlich und m\u00f6chte den Schwarzen auf andere Weise helfen.\u00ab<a href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\">[67]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Ohne Rouchs Film als Referenz zu nennen oder eine genauere Erl\u00e4uterung zu geben, wovon \u00fcberhaupt die Rede ist, wird der \u00bbHauka-Kult\u00ab hier zum Bestandteil der als Boulevardkom\u00f6die ironisch gerahmten theatralen Fiktion, die Gerhard Schr\u00f6der die id\u00e9e fixe zuschreibt, von einem \u00bbafrikanischen\u00ab Kult ein \u00bbwirksames\u00ab Ritual f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der deutschen Vergangenheit, speziell des Holocaust (\u00bbdie Meister aus Deutschland\u00ab) zu lernen. Das primitivistische Motiv der Suche nach einer \u00dcberschreitung der wirkungslosen Kunst durch das wirksame afrikanische Ritual als Reaktion auf ein Scheitern von \u00bbRationalisierung\u00ab wird auf diese Weise an spezifisch deutsche Interessenslagen und Funktionszusammenh\u00e4nge \u2013 die im St\u00fcck dann aufgegriffene und damals kurz vor dem Bundestagsbeschluss (Ende Juni 1999) virulente Diskussion \u00fcber das \u00bbHolocaust-Denkmal\u00ab \u2013 gekoppelt. Hier mag Erhards Analyse des Hauka-Rituals als einer Form von \u00bbhistorischer Erinnerungsarbeit\u00ab hineingespielt haben. Diese \u00bb\u00dcbersetzung\u00ab erm\u00f6glichte es, die Hauka in die fiktive Berliner Republik zu holen, als w\u00e4re ihr Ritual ein m\u00f6glicher Kommentar zur deutschen Erinnerungspolitik, ein m\u00f6gliches Vorbild f\u00fcr eine andere (performative) Praxis historischer Einnerung. So wie die Charaktere des St\u00fccks zwar die (Vor-)Namen realer Politiker und Zeitgenossen trugen \u2013 neben \u00bbGerhard\u00ab und \u00bbDoris\u00ab traten \u00bbBodo Hombach\u00ab (Michael Klobe), \u00bbMartin Walser\u00ab (Winfried Wagner), \u00bbMichael Naumann\u00ab (Klaus Mertens\/Joachim Tomaschewsky), \u00bbHelmut Schmidt\u00ab (Ralf F\u00fctterer) und \u00bbJoschka Fischer\u00ab (Werner Brecht) auf \u2013 zugleich aber \u00bbfrei erfundene\u00ab Ebenbilder waren<a href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\">[68]<\/a>, wurden die \u00bbHauka\u00ab zu einem diffusen (primitivistischen) Signifikanten f\u00fcr ein \u00bbafrikanisches Ritual\u00ab, \u00bbRitual\u00ab wiederum zum Gegenbegriff von \u00bbKunst\u00ab und \u00bbRationalit\u00e4t\u00ab. Dabei wurde Schr\u00f6der, dem lose an den Schwank <em>Der Raub der Sabinerinnen<a href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\">[69]<\/a><\/em> angelehnten Plot zufolge, zugeschrieben, mit Hilfe des Schmierentheaterdirektors Emanuel Striese (=Christoph Schlingensief) Wagners Ring nach Afrika zu bringen (hier spiegelte Schlingensief sein eigenes Projekt in dem des fiktionalisierten neuen Bundeskanzlers), und zwar als \u00bbdeutschen Besessenheitskult\u00ab. Es ging mir offenbar darum, eine mir aus dem Werk von Leiris (der hier seinerseits von Marcel Mauss\u2019 Vorlesungen inspiriert war) vertraute Figur der R\u00fcckspiegelung und Redefinition europ\u00e4ischer Begriffe \u2013 das Besessenheitsritual als Form von Theater und das europ\u00e4ische Theater bzw. die Oper als Besessenheitsritual<a href=\"#_ftn70\" name=\"_ftnref70\">[70]<\/a> \u2013 in die geplante B\u00fchnenfiktion zu \u00fcbertragen. Die Formel von den \u00bbwirksamen Ritualen\u00ab hatte ich aus Thomas Hauschilds Rezension von Leiris\u2019 gerade ins Deutsche \u00fcbersetztem <em>Tagebuch 1922\u20131989<\/em> geklaut. Dort hei\u00dft es unter der \u00dcberschrift \u00bbForschungsreisen im wilden wei\u00dfen Kontinent. Zivilisation und Barbarei bei Michel Leiris\u00ab: \u00bbVon den Surrealisten hat Leiris gelernt, das \u203aWissen um das Ritual\u2039 (137) zu sch\u00e4tzen. Aber er hat die qu\u00e4lende Suche nach den wahrhaft wirksamen Ritualen der anderen Kulturen \u2013 der Afrikaner, der Alchemisten, der spanischen Corrida \u2013 aufgegeben. Genau in diesem Moment der Umkehr erf\u00e4hrt er eine mystische Dimension ausgerechnet in einer der konservativsten Institutionen seiner eigenen Kultur [der Oper].\u00ab<a href=\"#_ftn71\" name=\"_ftnref71\">[71]<\/a><\/p>\n<p>Teile meines Entwurfs, auch der Satz \u00fcber den Hauka-Kult, fanden sich schlie\u00dflich in Carl Hegemanns Text auf dem M\u00e4rz-Leporello in dem Abschnitt wieder, der dem \u00bbInhalt\u00ab des St\u00fccks gewidmet war.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10663\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-711x920@2x-1-711x920.jpg\" alt=\"\" width=\"711\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-711x920@2x-1-711x920.jpg 711w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-711x920@2x-1-1113x1440.jpg 1113w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-711x920@2x-1-1187x1536.jpg 1187w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-711x920@2x-1.jpg 1422w\" sizes=\"auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10665\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-920x675@2x-1-920x675.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"675\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-920x675@2x-1-920x675.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-920x675@2x-1-1440x1057.jpg 1440w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-920x675@2x-1-1536x1127.jpg 1536w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-920x675@2x-1.jpg 1840w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb.1 &amp; 2: Leporello R\u00fcckseite, Ausschnitt<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Da Christoph Schlingensief die meisten Szenen erst w\u00e4hrend der laufenden Proben schrieb, lagen zu diesem Zeitpunkt zwar Skizzen und Konzepte vor, aber noch kein fertiger St\u00fccktext (den es auch nie geben w\u00fcrde):<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbSchr\u00f6ders (Bernhard Sch\u00fctz) fixe Idee, die ihn mehr besch\u00e4ftigt als Kanzlerschaft und Regierungsverantwortung, wird dechiffriert. Die Auff\u00fchrung des <em>Ring des Nibelungen<\/em> in Afrika zur Jahrtausendwende ist das Gro\u00dfprojekt, von dem er tr\u00e4umt, seitdem er in den siebziger Jahren durch die Lekt\u00fcre Nietzsches Zugang zur Kunst gefunden hat. Das bindet jetzt seine Energien. Er ahnt das Scheitern der Rationalisierung der Politik. Die Suche nach wirksamen Ritualen f\u00fchrt ihn nach Afrika. In Wagners Opern sieht er ein Werk deutscher Besessenheit, in den Nibelungen die Geister, die die Deutschen immer noch heimsuchen. Er m\u00f6chte das Profane und das Rituelle zu einer Einheit bringen. Vom afrikanischen Haukakult verspricht er sich einen neuen Umgang mit den alten Geistern, um mit Trance, Tanz, Gesang und Opfern die Meister aus Deutschland zu beschwichtigen. Doris (Irm Hermann) findet das unverantwortlich und m\u00f6chte den Schwarzen auf andere Weise helfen. Schlingensief als Theaterdirektor soll helfen, das gewaltige Projekt zu realisieren, Schr\u00f6der selbst m\u00f6chte mit R\u00fccksicht auf die Familie und weil er es mit seinem hohen Amt vorl\u00e4ufig f\u00fcr nicht vereinbar h\u00e4lt, dabei nicht offiziell vorkommen. Eine gemeinsame Vorbereitungsreise nach Namibia (\u203aSchwarze Perle Deutsch-S\u00fcdwest\u2039) wird incognito durchgef\u00fchrt. W\u00e4hrenddessen h\u00e4ufen sich die Anfragen und Entscheidungs\u00fcberh\u00e4nge, weil der Kanzler, nur noch von seiner Idee besessen, nirgend mehr greifbar und also unerreichbar ist. Im ehemaligen G\u00e4stehaus der Bundesregierung, ihrer Wohnung, richtet Doris inzwischen eine Pension f\u00fcr Exilanten aus Afrika ein. Besucher lassen sich nicht mehr abwimmeln. So etwa k\u00f6nnte es gewesen sein. Oder auch nicht. Eins aber ist sicher: F\u00fcr diesen Stoff eignet sich die Boulevardkom\u00f6die wie kein anderes Genre.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>Ab 16. Februar war ich in Berlin, zwei Tage vor Beginn der Proben zu <em>Die Berliner Republik<\/em>. Meine erste Aufgabe als Dramaturgiehospitantin war es, bei einem \u00bbSeminar\u00ab am 19. Februar im Rahmen des f\u00fcr Christoph Schlingensief im Foyer der Volksb\u00fchne aufgebauten \u00bbSeven X-Theaters\u00ab das Protokoll zu schreiben.<a href=\"#_ftn72\" name=\"_ftnref72\">[72]<\/a> Die Er\u00f6ffnung am 12. Februar hatte ich verpa\u00dft. Dort hatte der Regisseur \u00fcber die \u00bbverschiedenen Zivilisationssch\u00e4den\u00ab als \u00bbletzte Bastion menschlicher Autonomie\u00ab gesprochen: \u00bbZu diesem Zweck kann und darf jeder seine versteckten oder offenkundigen Obsessionen produktiv nutzen und so seinen aktiven Beitrag zur \u203aAbarbeitung der Zivilisationssch\u00e4den\u2039 (die konkrete inhaltliche Kl\u00e4rung einiger Fachtermini steht noch aus und wird wahrscheinlich in einem der n\u00e4chsten Seminare erfolgen) leisten.\u00ab<a href=\"#_ftn73\" name=\"_ftnref73\">[73]<\/a> Zu den Programmpunkten dieses ersten Seminars, das schon mit dem Termin freitags um 23 Uhr nur von Ferne an die akademischen Formen erinnerte, die mit einem durchaus ernsthaften Forschungsinteresse reinszeniert wurden, geh\u00f6rte \u00bbder ber\u00fchmte Film von Jean Rouch \u00fcber den Besessenheitskult der Hauka-Sekte\u00ab, hier in Nachbarschaft mit Filmen von Otto M\u00fchls Aktionen (<em>Panierung eines Ges\u00e4\u00dfes<\/em>, 1964; <em>Zock-Exercises<\/em>, 1967<a href=\"#_ftn74\" name=\"_ftnref74\">[74]<\/a>), Aufnahmen von einem im Rahmen von \u00bbSeven X\u00ab organisierten \u00bbPink(=Porno)film Casting\u00ab und einer dilettantischen Darbietung von Brechts \u00bbDie letzten Wochen der Rosa Luxemburg\u00ab durch zwei Darsteller aus der \u00bbSchlingensief-Familie\u00ab, Achim von Paczensky und Werner Brecht.<a href=\"#_ftn75\" name=\"_ftnref75\">[75]<\/a> Im <em>Tagesspiegel<\/em> konnte man lesen: \u00bbSchlingensief erz\u00e4hlt von seiner Reise nach Afrika und wie er seine Angst wiederfand, als eine giftige Riesenspinne durch sein Nachtquartier jagte. Er zeigt eine Dokumentation \u00fcber die Haouka-Sekte, deren Mitglieder sich in Trance tanzen, dann Hunde essen und sich in Lokomotiven verwandeln.\u00ab<a href=\"#_ftn76\" name=\"_ftnref76\">[76]<\/a> Rouchs Film war in der Volksb\u00fchne angekommen. Mit der zitierten Formel von der \u00bbAbarbeitung der Zivilisationssch\u00e4den\u00ab \u00fcbernahm Christoph Schlingensief einen Aspekt des Films und machte ihn zur Folie f\u00fcr ein eigenes theatrales Forschungsprogramm. Eine Szene von <em>Die Berliner Republik<\/em> griff das explizit auf: \u00bbChristoph: Ich m\u00f6chte euch Frau Ozaka Fazimoto vorstellen. Sie kommt aus Japan, lebt seit 20 Jahren in Namibia. Frau Ozaka Fazimoto geh\u00f6rt zur Sekte der Haukas und arbeitet seit 20 Jahren Zivilisationssch\u00e4den ab. Frau Ozaka hat sich bereit erkl\u00e4rt mit uns zu singen.\u00ab (Sie singt dann den \u00bbWalk\u00fcrenschrei\u00ab.)<a href=\"#_ftn77\" name=\"_ftnref77\">[77]<\/a><\/p>\n<p>Das Thema der \u00bbObsessionen\u00ab als \u00bb\u00dcberlebenstechniken\u00ab wurde eine Woche sp\u00e4ter weiter eekundet. Zu Gast bei \u00bbSeven X\u00ab war der f\u00fcr seine Experimentalfilme bekannte Werner Nekes, f\u00fcr den Christoph Schlingensief zwei Jahre als Assistent gearbeitet hatte. Die Filme von Nekes sollten beim Einla\u00df zu <em>Die Berliner Republik<\/em> als Chiffre f\u00fcr die alte Bonner Republik auf den Vorhang projiziert werden.<a href=\"#_ftn78\" name=\"_ftnref78\">[78]<\/a> Nekes\u2019 Vortragsthema: \u00bbObsession des Sehens\u00ab. Mein Protokoll schmuggelt einen an Leiris und Jeanne Favret-Saada erinnernden Satz in die Beschreibung der \u00bbSeven X\u00ab-Programmatik: \u00bbWer \u00fcber Besessenheit redet, mu\u00df selbst von ihr gepackt sein.\u00ab<a href=\"#_ftn79\" name=\"_ftnref79\">[79]<\/a> Das war indirekt auch an mich selbst \u2013 ich f\u00fchlte mich offenbar in meinem akademischen Habitus beobachtet \u2013 gerichtet und reflektierte meine doppelte Position mit und \u00fcber Christoph Schlingensief zu reden. Als nach Ideen f\u00fcr weitere Dozenten gesucht wurde, schlug ich Tobias Wendl vor, da mir die von ihm gesammelten, mit minimalem Etat auf Super VHS gedrehten Filme aus Ghana gut zu der \u00c4sthetik von Christoph Schlingensiefs eigenen Filmen zu passen schienen. So fand am 12. M\u00e4rz das dritte \u00bbSeminar\u00ab unter dem Titel \u00bbLange Nacht des ghanaischen Horrorfilms\u00ab statt.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10667\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-647x920@2x-1-647x920.jpg\" alt=\"\" width=\"647\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-647x920@2x-1-647x920.jpg 647w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-647x920@2x-1-1013x1440.jpg 1013w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-647x920@2x-1-1080x1536.jpg 1080w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-647x920@2x-1.jpg 1294w\" sizes=\"auto, (max-width: 647px) 100vw, 647px\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 3: Flyer<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>In meiner Anmoderation pr\u00e4sentierte ich Tobias Wendl als Vertreter einer \u00bbechten\u00ab Universit\u00e4t im Gegensatz zu der \u00bbTheateruniversit\u00e4t\u00ab, die \u00bbSeven X\u00ab darstelle. Zur Begr\u00fcndung des Programms f\u00fchrte ich aus, da\u00df es in einem Seminar \u00fcber Obsessionen wichtig w\u00e4re, sich \u00bbmit den Bildern und Darstellungen von \u203aObsessionen\u2039 in anderen Kulturen zu besch\u00e4ftigen.\u00ab: \u00bbWenn schon Carlos und Christian [zwei ghanaische Darsteller in <em>Die Berliner Republik<\/em>] in Christophs Obsessionen mitspielen, dann k\u00f6nnen wir ja auch mal einen Blick auf \u203aHorrorfilme\u2039 aus Ghana werfen.\u00ab<a href=\"#_ftn80\" name=\"_ftnref80\">[80]<\/a> Unschwer ist zu erkennen, wie ich mich hier auf den mir zuerst von Erhard in Konstanz vermittelten Grundgedanken der \u00bbinversiven (oder \u00bbreversiblen\u00ab) Ethnologie\u00ab, die Frage nach \u00bbfremden Fremderfahrungen\u00ab und dem \u00bbAnderen der Anderen\u00ab beziehe (aber offenbar Bedenken hatte, die \u00bbSeminar-Teilnehmer*innen\u00ab mit Namen und Referenzen zu \u00fcberfordern, als w\u00fcrde ich in Konstanz vor meinen Studierenden stehen). In dem Protokoll versuchte ich dann doch, den Unterschied zwischen \u00bbObsessionen\u00ab und \u00bbBesessenheit\u00ab zu erkl\u00e4ren und auch quasi nachtr\u00e4glich <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> etwas einzuordnen: \u00bbDie traditionellen Besessenheitskulte werden [&#8230;] modernen Medien und Ph\u00e4nomenen adaptiert und verarbeiten auf diese Weise das Unbehagen, das viele Afrikaner westlicher Kultur, kolonialer Macht und kapitalistischer \u00d6konomie gegen\u00fcber empfinden.\u00ab<a href=\"#_ftn81\" name=\"_ftnref81\">[81]<\/a> Welches \u00bbUnbehagen\u00ab die <em>Berliner Republik<\/em> bei den die vier z.T. auf exotisierende Klischees (Tanzperformances) und Namen \u2013 \u00bbDas ist Schnakela Patiwarongo aus Namibia\u00ab \u2013 reduzierten Mitwirkenden aus Afrika m\u00f6glicherweise ausl\u00f6ste, habe ich leider nicht erfragt.<a href=\"#_ftn82\" name=\"_ftnref82\">[82]<\/a><\/p>\n<p>Parallel zu den \u00bbSeminaren\u00ab von \u00bbSeven X\u00ab<a href=\"#_ftn83\" name=\"_ftnref83\">[83]<\/a> liefen ab 18. Februar die Proben zu <em>Die Berliner Republik oder Der Ring in Afrika<\/em>. Noch w\u00e4hrend der Arbeit auf der Probeb\u00fchne zeigte ich den Schauspieler*innen Rouchs <em>Les m\u00e2itres fous<\/em> und versuchte so gut es geht zu erkl\u00e4ren, was \u00bbBesessenheit\u00ab bedeutet, wie sie bei Rouch filmisch realisiert wird, inwiefern es sich um einen \u00bbFremdgeistkult\u00ab handelt, dessen \u00bbGeister\u00ab aus der kolonialen und modernen Welt kommen. W\u00e4hrend Irm Hermann, die hier zum ersten Mal mit Christoph Schlingensief zusammenarbeitete, als Doris Schr\u00f6der-K\u00f6pf ihre zeitweilige Verwandlung in Leni Riefenstahl ganz unekstatisch pr\u00e4sentierte und Probleme mit dem Improvisieren hatte<a href=\"#_ftn84\" name=\"_ftnref84\">[84]<\/a>, fanden sich vor allem in dem Spiel von Bernhard Sch\u00fctz in der Rolle von Gerhard Schr\u00f6der, dem er verbl\u00fcffend \u00e4hnlich sah<a href=\"#_ftn85\" name=\"_ftnref85\">[85]<\/a>, tats\u00e4chlich Elemente der Hauka-Performance (wo die Besessenen ihrerseits in Trance u.a. den \u00bbslow march\u00ab des englischen Milit\u00e4rs nachahmen) wieder: Momente gespielter Trance mit weggetreten rollenden Augen und wildem Zucken, als w\u00e4re er nicht ein Schauspieler, der den Bundeskanzler mimt (oder gar plump karikiert), sondern ein \u00bbHauka\u00ab, der vom Geist des Bundeskanzlers (und von Wagnerfiguren wie Siegfried oder Wotan) besessen ist. Auch wenn der Geist, dessen \u00bbPferd\u00ab er war, seine Macht nicht durch die Unempfindlichkeit gegen\u00fcber dem Feuer beweisen konnte, rieb Bernhard Sch\u00fctz sich immerhin bei der Premiere eine rohe Zwiebel in die Augen und stopfte sie anschlie\u00dfend in den Mund.<a href=\"#_ftn86\" name=\"_ftnref86\">[86]<\/a> Und er konnte einen minutenlangen Hustenanfall so spielen, da\u00df man nicht wu\u00dfte, ob er noch spielte.<a href=\"#_ftn87\" name=\"_ftnref87\">[87]<\/a> In manchen dieser Szenen waren w\u00e4hrend der Proben und Auff\u00fchrungen Ausschnitte aus <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> in der Version mit deutschen Untertiteln zu sehen. Die Kritiker, die den Film nicht erkannten, hatten kaum Begriffe f\u00fcr diese Szenen. Sie griffen zu Formeln wie \u00bbarchaische Stammesrituale\u00ab<a href=\"#_ftn88\" name=\"_ftnref88\">[88]<\/a> oder \u00bbAtavismus\u00ab: \u00bbAtavistische Riten\u00ab, schrieb beispielseise Volker Oesterreich in der <em>Berliner Morgenpost<\/em>, \u00bbleben in dem Aussteiger Schr\u00f6der auf. Er beschmiert sich das Gesicht mit Blut, fri\u00dft frisches Hirn aus einem Tiersch\u00e4del und tr\u00e4gt Fell statt Designer-Anz\u00fcge.\u00ab<a href=\"#_ftn89\" name=\"_ftnref89\">[89]<\/a> Thomas Aurins (Proben-)Photos von Bernhard Sch\u00fctz im Programmheft zeigen die Verwandlung vom Kanzler im Anzug mit Krawatte (S. 6 und S. 38) zum \u00bbBesessenen\u00ab (S. 8, S. 26 und S. 28), einmal in unmittelbarer Abfolge mit zwei Standbildern aus <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> (S. 24). Daraus zu schlie\u00dfen, <em>Die Berliner Republik oder Der Ring in Afrika<\/em> verhalte sich zur \u00bbechten\u00ab Politik wie das Hauka-Ritual zur englischen Kolonialgesellschaft, w\u00e4re eine sch\u00f6ne Lesart, aber ein Zuviel an konzeptioneller Koh\u00e4renz, das die Eigenart von Christoph Schlingensiefs Arbeitsweise verfehlen w\u00fcrde. Das gilt auch f\u00fcr die Deutung in einer Ank\u00fcndigung der <em>Berliner Zeitung<\/em> zu \u00bbSchr\u00f6ders Villa Wahnfried\u00ab, es sei ein \u00bbtherapeutischer Vorgang, wenn die Schauspieler in einer Art theatralischem Voodoo-Kult [&#8230;] die austauschbaren Politiker als Insassen einer geschlossenen Anstalt vorf\u00fchren.\u00ab<a href=\"#_ftn90\" name=\"_ftnref90\">[90]<\/a><\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10669\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-669x920@2x-1-669x920.jpg\" alt=\"\" width=\"669\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-669x920@2x-1-669x920.jpg 669w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-669x920@2x-1-1047x1440.jpg 1047w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-669x920@2x-1-1117x1536.jpg 1117w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-669x920@2x-1.jpg 1338w\" sizes=\"auto, (max-width: 669px) 100vw, 669px\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10671\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-669x920@2x-1-669x920.jpg\" alt=\"\" width=\"669\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-669x920@2x-1-669x920.jpg 669w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-669x920@2x-1-1047x1440.jpg 1047w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-669x920@2x-1-1117x1536.jpg 1117w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-669x920@2x-1.jpg 1338w\" sizes=\"auto, (max-width: 669px) 100vw, 669px\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 4: Programmzettel Vorderseite, Abb. 5: Programmzettel R\u00fcckseite)<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hinweise auf Jean Rouch und die Konstellation, mit der Christoph Schlingensief und seine Dramaturg*innen die \u00bbBerliner Republik\u00ab gleichsam \u00bbafrikanisierten\u00ab<a href=\"#_ftn91\" name=\"_ftnref91\">[91]<\/a>, h\u00e4tten Kritiker und Zuschauer im Programmheft der Inszenierung finden k\u00f6nnen. Leider wurde es kaum als Bestandteil des St\u00fccks oder eigenes Werk wahrgenommen.<a href=\"#_ftn92\" name=\"_ftnref92\">[92]<\/a> Das Heft entstand parallel zu den Proben im B\u00fcro der Dramaturgie. Grundidee war die Kontrafaktur eines popul\u00e4ren Namibia-Reisef\u00fchrers aus der Reihe \u00bbMarco Polo\u00ab \u2013 \u00bbReisen mit Insider-Tips\u00ab<a href=\"#_ftn93\" name=\"_ftnref93\">[93]<\/a>.<\/p>\n<p>Dabei wurden nicht nur das Format, die Seitengestaltung und grafische Elemente \u00fcbernommen, sondern auch das Foto vom \u00bbHerero-Treffen in Okahandja am 23. August\u00ab (Marco Polo, S. 23; Programmheft S. 22) sowie einzelne kurze Texte.<a href=\"#_ftn94\" name=\"_ftnref94\">[94]<\/a> Sie standen zwischen einer wilden Collage aus Paratexten zur Inszenierung \u2013 ein fiktiver Brief des Bundeskanzlers an den Regisseur (S. 5) sowie eine Einladung des Intendanten Frank Castorf an Gerhard Schr\u00f6der (S. 9f., beides Texte von Carl Hegemann), ein programmatischer Text von Carl Hegemann zur Volksb\u00fchne als \u00bbZwischenwelt\u00ab (S. 6) \u2013 Szenen aus dem St\u00fcck (\u00bbSchenk mir ein schwarzes Kind\u00ab, S. 12f., \u00bbDen Ring der W\u00fcste \u00fcbergeben\u00ab, S. 19f. und \u00bbSchr\u00f6der \u00fcber Schlingensief\u00ab, S. 37f.) und w\u00f6rtlichen Zitaten verschiedenster Herkunft. Dem Modell entsprechend waren das die sog. \u00bbInsider-Tips\u00ab: \u00bbDiese Tips\u00ab, so der Innentitel, \u00bbsind die ganz speziellen Empfehlungen unserer Autoren Gerhard Schr\u00f6der, Christoph Schlingensief, Richard Wagner, Lothar v. Trotha, Adolf Hitler, Leni Riefenstahl, Jean Rouch, Michel Leiris, Bernd Willms u.v.a.m.\u00ab (S. 3, siehe Abb. 7). Zu nennende Quellen w\u00e4ren u.a. noch Fritz Kramer und Thomas Hauschild, deren Texte nun \u00fcber die Konstanzer Rouch-Session mit Erhard in das Programmheft gelangt waren. Erhard selbst war im Programmheft nicht mit einem Textauszug vertreten und blieb so als Stichwortgeber unsichtbar.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10673\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-6-Berliner-Republik-Programmheft-Cover_COMP-528x920@2x-1-528x920.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"920\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 6: Berliner Republik Programmheft Cover<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10675\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-7-Berliner-Republik-Programmheft-2-und-3_COMP-920x827@2x-2-920x827.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"827\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em> Abb. 7: Berliner Republik Programmheft 2 und 3<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Rouchs Film war nicht nur auf der Bildebene prominent im Programmheft vertreten. Unter der \u00dcberschrift \u00bbUnheimliche Landschaften\u00ab zitiert der \u00bbReisef\u00fchrer\u00ab einen Satz aus dem Vorspann von <em>Les ma\u00eetres fous<\/em>: \u00bbSie huldigen den neuen G\u00f6ttern, den G\u00f6ttern der Technik, den G\u00f6ttern der Macht, den G\u00f6ttern der Stadt\u00ab (S. 29, siehe Abb. 8). Es folgt ein Auszug aus Rouchs \u00bbEssay \u00fcber die Verwandlung der Person, des Besessenen, des Magiers, des Hexers, des Filmemachers und des Ethnografen\u00ab (1982) und zwei Passagen aus Texten von Fritz Kramer \u00fcber \u00bbafrikanische Fremdgeistkulte\u00ab (\u00dcberschrift: \u00bbUmgekehrte Ethnologie\u00ab, S. 29f.) und \u00fcber den Hauka-Kult (\u00bbAfrikanische Katharsis\u00ab, S. 30).<a href=\"#_ftn95\" name=\"_ftnref95\">[95]<\/a> Auf diese von mir fast schon zu didaktisch ausgew\u00e4hlten Texte folgte ein Ausschnitt aus Martin Walsers <em>Seelenarbeit<\/em> (1979) und ein Bild des Wettbewerbsbeitrags \u00bb\u00dcberschrieben\u00ab (1997) von Rudolf Herz\/Reinhard Matz f\u00fcr das Holocaust-Mahnmal.<a href=\"#_ftn96\" name=\"_ftnref96\">[96]<\/a> Afrikanische \u00bbFremdgeistkulte\u00ab gerieten so in die zu vielf\u00e4ltigen Umbesetzungen einladende Nachbarschaft spezifisch deutscher Themen. Verwirrend f\u00fcr die Rezipienten war die Auflistung der Quellen \u00bbin order of appearance\u00ab am Ende (S. 46), was eine exakte Zuordnung der Textsplitter erschwerte oder sogar verunm\u00f6glichte. Mit dieser Art Demontage und Remontage, aber auch, indem sechs Standbilder aus <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> \u2013 u.a. das Bild am Ende des Films des l\u00e4chelnden Guerba mit dem Untertitel \u00bbob diese Afrikaner irgendwelche Gegenmittel haben\u00ab (S. 18, siehe Abb. 10) \u2013 \u00fcber das ganze Programmheft verteilt waren, r\u00fcckten die Hauka in eine durch die Inszenierung erst geschaffene Verkettung von Material ein. Anders als in den immer nur punktuell emergenten Verkn\u00fcpfungen der Auff\u00fchrungen, schuf das Programmheft, nicht ohne das Genre zu unterlaufen, auf eine nicht ungef\u00e4hrliche Weise scheinbar feste Verbindungen. Eine Verbindung von den auf Rouch und die Besessenheit bezogenen Texten zu dem Wagner- und Opernthema stellte ich durch einen Text von Gilbert Rouget her: Dieser imaginiert in einem Kapitel von <em>La musique et la transe<\/em> (Paris 1990, mit einem Vorwort von Michel Leiris) im Stil der \u00bbPersischen Briefe\u00ab einen Afrikaner aus Benin, der bei dem Besuch einer Pariser Opernauff\u00fchrung zu dem Schlu\u00df kommt, er habe einem Besessenheitsritual beigewohnt, bei dem die S\u00e4nger in Trance geraten (im Programmheft \u00bbEin Afrikaner in der Oper\u00ab, S. 19).<a href=\"#_ftn97\" name=\"_ftnref97\">[97]<\/a> Diese Assoziation wurde fortgesponnen in einem Auszug aus der oben zitierten Leiris-Rezension von Thomas Hauschild (\u00bbDer dumpfe Br\u00fcll der Oper\u00ab, S. 20f.), der au\u00dferdem Christoph Schlingensief (und Bernhard Sch\u00fctz f\u00fcr seine Rolle) Leiris als eine Art Identifikationsfigur anbot.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10677\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-8-Berliner-Republik-Programmheft-28-und-29_COMP-920x834@2x-1-920x834.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"834\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-8-Berliner-Republik-Programmheft-28-und-29_COMP-920x834@2x-1-920x834.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-8-Berliner-Republik-Programmheft-28-und-29_COMP-920x834@2x-1-1440x1305.jpg 1440w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-8-Berliner-Republik-Programmheft-28-und-29_COMP-920x834@2x-1-1536x1392.jpg 1536w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-8-Berliner-Republik-Programmheft-28-und-29_COMP-920x834@2x-1.jpg 1840w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 8: Berliner Republik Programmheft 28 und 29<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10681\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-10-Berliner-Republik-Programmheft-18-und-19-Rouch_COMP-920x847@2x-1-920x847.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"847\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-10-Berliner-Republik-Programmheft-18-und-19-Rouch_COMP-920x847@2x-1-920x847.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-10-Berliner-Republik-Programmheft-18-und-19-Rouch_COMP-920x847@2x-1-1440x1326.jpg 1440w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-10-Berliner-Republik-Programmheft-18-und-19-Rouch_COMP-920x847@2x-1-1536x1414.jpg 1536w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-10-Berliner-Republik-Programmheft-18-und-19-Rouch_COMP-920x847@2x-1.jpg 1840w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 10: Berliner Republik Programmheft 18 und 19<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Text- und Bildmaterial des Programmhefts stand in einem Bezug zu den im Verh\u00e4ltnis zu der relativen Stimmigkeit des \u00bbReisef\u00fchrers\u00ab durch die \u00bbBerliner Republik\u00ab wesentlich disparateren Szenen, die Christoph Schlingensief zum gr\u00f6\u00dften Teil noch w\u00e4hrend der Proben schrieb: Szenen, die um die sog. Walser-Bubis-Debatte (nach Walsers Friedenspreisrede vom Oktober 1998), die Diskussion \u00fcber das Holocaust-Mahnmal<a href=\"#_ftn98\" name=\"_ftnref98\">[98]<\/a>, um Wagner und die Wagnerauff\u00fchrung in Afrika, um Namibia und den deutschen Kolonialismus kreisten. Es geh\u00f6rt zu den besonderen Qualit\u00e4ten von Christoph Schlingensiefs Arbeit, ungesch\u00fctzt und scheinbar ziellos alles mit allem zu verkn\u00fcpfen: \u00bbWas als Erz\u00e4hlung, Metapher, Allegorie <em>bullshit<\/em> w\u00e4re\u00ab, so Diedrich Diederichsens treffende Beschreibung, \u00bbwird als Generator von Verkettungen und Verstrickungen \u00e4u\u00dferst produktiv.\u00ab<a href=\"#_ftn99\" name=\"_ftnref99\">[99]<\/a> So verkoppelte der Regisseur das Holocaust-Mahnmal mit Bayreuth, indem er Schr\u00f6der mit Stoiber telefonieren lie\u00df: \u00bbEdmund?&#8230;Ich glaube wir sind da ganz d\u2019accord&#8230;ja,jaja..wir nehmen die tausend Stelen aus dem Steinbruch von Bayreuth.\u00ab<a href=\"#_ftn100\" name=\"_ftnref100\">[100]<\/a> In einer \u00e4hnlichen \u00bbVerklumpung\u00ab (Diederichsen) wurden die Hauka zu einer Referenz f\u00fcr den deutschen Erinnerungsdiskurs wie auch f\u00fcr die Erinnerung an die kolonialen Gr\u00e4ueltaten der Deutschen in Namibia.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Proben las ich vor allem B\u00fccher \u00fcber die Kolonialgeschichte Namibias, den Genozid an den Herero und Nama, \u00fcber die \u00bbTruppenspieler\u00ab (oder Otjiserandu) und ihr allj\u00e4hrlich in Okahandja am Herero-Tag im August stattfindendes Reenactment des Kolonialkrieges des Deutschen Kaiserreichs gegen die Herero (1904\u20131907): Dabei ziehen die Herero sich Uniformen an, die diejenigen der \u00bbSchutztruppe\u00ab nachempfunden sind (die Frauen tragen bei diesem Anla\u00df kolonialzeitliche wilhelminische Kleider und Kopfbedeckungen), \u00bbum die milit\u00e4rischen Rituale ihrer Vernichter nachzuspielen und sich die gegen sie gerichtete koloniale Macht anzueignen\u00ab (Programmheft, S. 27). Den Text \u00fcber die \u00bbTruppenspieler\u00ab hatte ich auf der Grundlage der Arbeit von Gesine Kr\u00fcger <em>Kriegsbew\u00e4ltigung und Geschichtsbewu\u00dftsein \u2013 Realit\u00e4t, Deutung und Verarbeitung des deutschen Kolonialkriegs in Namibia 1904 bis 1907<\/em> (G\u00f6ttingen 1999) redigiert. Er wurde im Programmheft in dem Abschnitt \u00bbHerero-Tag in Deutsch-S\u00fcdwest\u00ab platziert und bekam den Titel \u00bbDie Macht, die verwundet, heilt\u00ab (S. 27), ein Zitat von Fritz Kramer, das ich Erhards Aufsatz \u00fcber <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> entnommen hatte.<a href=\"#_ftn101\" name=\"_ftnref101\">[101]<\/a> So entstand eine Verbindung zwischen der Mimesis des britischen Kolonialsystem im Hauka-Kult und der (nicht-besessenen) Mimesis der \u00bbSchutztruppe\u00ab in Namibia als Formen der performativen Ab- und Verarbeitung von Geschichte oder, wie es in Erhards Aufsatz hei\u00dft, \u00bbhistorischer Erinnerungsarbeit\u00ab.<a href=\"#_ftn102\" name=\"_ftnref102\">[102]<\/a> W\u00e4hrend der Marco Polo-Reisef\u00fchrer den \u00bbHerero-Tag\u00ab auf einer Ebene mit dem \u00bbdeutschen Karneval\u00ab in Namibia folklorisiert, stand der Abschnitt \u00fcber die \u00bbTruppenspieler\u00ab in unmittelbarer Nachbarschaft einerseits zu Zitaten aus Thomas Pynchons <em>V.<\/em> \u00fcber die Herero und \u00bbDas erste KZ\u00ab (S. 23), andererseits zu dem Wortlaut des Schie\u00dfbefehls von General von Trotha (S. 25). Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite des Programmheftes (S. 24): zwei Standbilder aus <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> mit den Gesichtern von Besessenen (siehe Abb. 11), auf der Bildebene gefolgt von einem Foto, das Bernhard Sch\u00fctz alias Gerhard Schr\u00f6der mit Nivea und Kakao im Gesicht und einem Erschrecken im Ausdruck zeigt. In der Inszenierung trug dann Christoph Schlingensief, der sich selbst spielte, eine Uniform in Anlehnung an die \u00bbTruppenspieler\u00ab. Die Kost\u00fcmbildnerin Nina Wetzel zitierte in den Kost\u00fcmen f\u00fcr Doris und f\u00fcr die Haush\u00e4lterin des Kanzlerbungalows (gespielt von Rosemarie B\u00e4rhold) au\u00dferdem die Kleider und Kopfbedeckungen der Herero-Frauen, als w\u00fcrde man auf der Berliner B\u00fchne in der Hauptstadt der ehemaligen Kolonisatoren ein perverses Reenactment des Reenactment veranstalten. Joachim Tomaschewsky verk\u00f6rperte \u00bbGerhards Vater\u00ab ebenfalls im \u00bbTruppenspieler\u00ab-Kost\u00fcm. In Szene 39, \u00bbTommy Vaterszene\u00ab, hei\u00dft es: \u00bbSchr\u00f6ders Vater (General Loge) erscheint in Uniform aus Deutsch-S\u00fcdwest aus dem Keller.\u00ab Und in Szene 87, \u00bbGerhards Vater kommt nochmal\u00ab, als w\u00e4re der Vater von Gerhard Schr\u00f6der zugleich an dem Genozid und am Holocaust beteiligt gewesen: \u00bbGerhard: Willst du meinem Vater keine Fragen stellen? Vater: Fragen Sie mich doch, wie ich damals in Deutsch-S\u00fcdwest die Hereros gefoltert habe, oder wie wir die Pornofilme in Sachsenhausen gedreht haben&#8230;Doris: Wie bitte?&#8230; Gerhard: Ja, Vater hat damals (1904) in Deutsch-S\u00fcdwest 60.000 Hereros abgeschlachtet und anschlie\u00dfend 22 Pornofilme mit KZ-H\u00e4ftlingen gedreht.\u00ab<a href=\"#_ftn103\" name=\"_ftnref103\">[103]<\/a><\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-10683\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP-920x836@2x-1-920x836.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"836\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP-920x836@2x-1-920x836.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP-920x836@2x-1-1440x1309.jpg 1440w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP-920x836@2x-1-1536x1396.jpg 1536w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP-920x836@2x-1.jpg 1840w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 11: Berliner Republik Programmheft 24 und 25<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Damit aber waren noch l\u00e4ngst nicht alle Geister der Berliner Republik herbeigerufen: Die Engf\u00fchrung des Hauka-Kultes mit den \u00bbTruppenspielern\u00ab im Zeichen einer subversiv-kathartischen Mimikry an die Kolonisatoren und T\u00e4ter wurde schlie\u00dflich durch ein Zitat von Heiner M\u00fcller einerseits auf \u00bbhistorische Erinnerungsarbeit\u00ab in Deutschland (hier: den Umgang der Deutschen mit Hitler), andererseits auf die Idee des Theaters bezogen. An diese Verkettung der eigentlich disparaten Themen (und die primitivistische Aufladung eines unbestimmten afrikanischen Rituals als Gegenprogramm sowohl zu historischer Erinnerung als auch einem auf \u00bbGewissenhaftigkeit\u00ab zielenden Theater) scheint sich Christoph Schlingensief in dem eingangs zitierten Interview von 2002 mit der Deutschen Welle erinnert zu haben. In einem Gespr\u00e4ch mit Alexander Kluge hatte Heiner M\u00fcller gesagt: \u00bbWenn man sich vorstellen w\u00fcrde, wir lebten in Afrika, dann w\u00fcrde Hitler jedes Jahr begraben. Man w\u00fcrde jedes Jahr eine Hitler-Kopie oder Hitler-Puppe begraben. So lange, bis das irgendwie alle langweilt, bis keiner mehr kommt zu diesem Ereignis. Das w\u00e4re die L\u00f6sung: Und das ist das, was Theater machen soll. Es soll nicht k\u00fcnstlich die Gewissenhaftigkeit aufpeitschen, sondern die Toten begraben, die unl\u00f6sbaren traumatischen Ereignisse begraben, nicht l\u00f6sen.\u00ab<a href=\"#_ftn104\" name=\"_ftnref104\">[104]<\/a><\/p>\n<p>Aus dieser Konstellation von Material \u2013 Hauka, Truppenspieler, Heiner M\u00fcller, \u00bbafrikanische\u00ab Formen von ritueller Mimesis als \u00bbVorbild\u00ab der \u00bbAbarbeitung\u00ab von deutscher Geschichte im Medium des Theaters \u2013 wurde dann in einem Interview mit Eva Behrendt f\u00fcr die <em>taz<\/em> im Vorfeld der Premiere von <em>Die Berliner Republik<\/em> folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bb[C.S.:] Wenn man sich Schr\u00f6der anguckt oder die Globalisierung, dann haben wir doch das Emotionslose vor uns. Die blo\u00dfe Oberfl\u00e4che, die alles \u2013 siehe Holocaust-Denkmal \u2013 in Beton gie\u00dft und dann dazu eine Million B\u00fccher aufstellt. Und irgendwann hat jeder eine Steckdose am Kopf und ist im Internet. Wir alle haben Zivilisationssch\u00e4den. Deren Abarbeitung ist das Spannungsfeld des 21. Jahrhunderts. [&#8230;]. [E.B.:] Und dazu brauchen Sie Afrika? [C.S.:] Ja, denn in Namibia gibt es mit den abgeschlachteten Hereros diese Parallele zum Holocaust. Die Hereros treffen sich jeden Monat, ziehen Wehrmachtsuniformen an und rufen die Namen jener Gener\u00e4le, die ihre Vorfahren ermordet haben. Das ist so, als w\u00fcrde sich Bubis mit j\u00fcdischen Freunden treffen, SS-Uniformen anziehen und dann am Potsdamer Platz die Namen der KZ-Schl\u00e4chter br\u00fcllen. Eine solche Abarbeitung kann nat\u00fcrlich keiner zulassen, der ein Monopol des Denkens f\u00fcr sich in Anspruch nimmt \u2013 wie das Feuilleton, Walser oder Bubis. [&#8230;] [E.B.:] Stattdessen wollen Sie die obsessive Auseinandersetzung mit verdr\u00e4ngter Geschichte? [C.S.:] Genau. Hererom\u00e4\u00dfig. Bubis mit den Holocaust-Models. [&#8230;]\u00ab<a href=\"#_ftn105\" name=\"_ftnref105\">[105]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Entw\u00fcrfe f\u00fcr entsprechende Szenen finden sich in einem der Konvolute mit Szenensammlungen:<\/p>\n<blockquote><p>73 Verhaftung Bernhard [Sch\u00fctz als Gerhard Schr\u00f6der] durch Walsers Hauka-Juden<\/p>\n<p>\u00bbGerhard ist aus Afrika zur\u00fcckgekehrt, zusammen mit Bodo [Hombach]. Seine mentale Situation ist erb\u00e4rmlich, er ist sich sicher, ein Versager zu sei. Doris \u00bbmacht ihm ein Kind\u00ab \u2013 erniedrigt ihn unter dem Tisch (Fickszene) und l\u00e4\u00dft ihn schlie\u00dflich von Walser festnehmen und abf\u00fchren. Mit Walser kommen 5 Juden in SS-Uniformen, die das Hauka-Ritual ausf\u00fchren, n\u00e4mlich in die Uniformen ihrer Schl\u00e4chter zu schl\u00fcpfen, um das eigene vergossene Blut und Unrecht aus der Welt zu schaffen&#8230;\u00ab.<\/p>\n<p>89 Gro\u00dfe Schie\u00dferei<\/p>\n<p>\u00bbVater: Die Zeiten \u00e4ndern sich&#8230;heute arbeite ich f\u00fcr Walser. Wir veranstalten Treffen f\u00fcr ehemalige KZ-H\u00e4ftlinge, ziehen SS-Uniformen an und lassen sie die Namen der KZ-Aufseher rufen.\u00ab<\/p>\n<p>29 Walser kommt<\/p>\n<p>\u00bbGro\u00dfe Teile der Himbabewegung haben gedroht, den Reichstag zu besetzen.\u00ab Doris: \u00bbWu\u00dften Sie eigentlich da\u00df das erste Konzentrationslager in S\u00fcdafrika gebaut wurde. 1902. Warum haben die denn kein Holocaustdenkmal?&#8230;\u00ab <a href=\"#_ftn106\" name=\"_ftnref106\">[106]<\/a><\/p>\n<p>95 Schmidt\/Walser-Szene<\/p>\n<p>\u00bbStell dir vor, sie haben Doris geschlachtet!&#8230; Die Himbas und Hereros aus Namibia&#8230; Sie trugen Uniformen der deutschen Wehrmacht und riefen die Namen der Gener\u00e4le von von Trotha, der im Jahre 1904 60.000 Hereros ermorden lie\u00df. Die Bundesregierung hat sich bis jetzt noch nicht daf\u00fcr entschuldigt!\u00ab<a href=\"#_ftn107\" name=\"_ftnref107\">[107]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Unbedingt zu ber\u00fccksichtigen ist, da\u00df Programmheft, Interview\u00e4u\u00dferungen und Szenenkonvolute nicht mit den durch Improvisation charakterisierten Auff\u00fchrungen zu verwechseln sind. Obwohl die Szenen schriftlich fixiert wurden, waren sie in den Auff\u00fchrungen, deren Ablauf nicht feststand, Spielmaterial, das jeweils anders mit Musik und Videoeinspielungen kombiniert wurde. \u00bbSinn\u00ab war ein Effekt von Improvisation und emergierte aus sich immer wieder wandelnden Materialkollisionen, mit denen er sich wieder aufl\u00f6ste. Das galt gerade f\u00fcr die Kombination von Rouchs Film mit Wagnermusik, mit den oben zitierten Szenen, mit dem Zitat von Heiner M\u00fcller oder mit der Rede von N\u00e1das. Insofern ist die mit Rouch in primitivistischer Manier verbundene Idee der subversiven Mimesis nicht der \u00bbSchl\u00fcssel\u00ab, um <em>Die Berliner Republik<\/em> oder Schlingensiefs \u00c4sthetik insgesamt gedanklich aufzuschlie\u00dfen, sondern nur ein Konzept unter vielen in einem dynamischen Gef\u00fcge. In der Auff\u00fchrung vom 31. M\u00e4rz beispielsweise wurde die Szene aus <em>Les ma\u00eetres fous<\/em>, die das Hundeopfer zeigt, zun\u00e4chst auf eine Leinwand an der Seite des Zuschauerraums projiziert (01:10:45ff.). Christoph Schlingensief, der gerade \u00bbSchnakela Patiwarongo\u00ab von der B\u00fchne zur Leinwand getragen hatte, rief dazu: \u00bbAfrika ich liebe Dich!\u00ab. Bevor er weiter reden konnte, unterbrach ihn Bazon Brock: \u00bbEr [Schr\u00f6der] lie\u00df sich vom Goethe-Institut die intellektuellsten und erfahrensten afrikanischen Migranten nennen und befragte sie. Sie wiesen ihn in das Geheimnis ein.\u00ab Dazu lief ohne Ton oder Musikeinspielung die Szene aus Rouchs Film mit dem Untertitel \u00bbDer Hund mu\u00df geopfert werden.\u00ab \u00bbDoris\u00ab in einem roten Abendkleid begann w\u00e4hrenddessen vorne auf der B\u00fchne einen Text zu rezitieren: \u00bbAfrika ist unsere Leidenschaft. Nichts funktioniert. Nichts ist berechenbar. Das totale Chaos. Ihr Land ist das Chaos. Chaos ist unser Leben.\u00ab Darauf lie\u00df sie einen Szenensplitter \u00fcber die Kanzlerwohnung als \u00bbunheimlich\u00ab und ein \u00bbin Stein gemei\u00dfeltes Ungl\u00fcck\u00ab folgen. Nach einer Art Polonaise-Tanznummer aller Beteiligten zu dem Song \u00bbThe Self Preservation Society\u00ab (Quincey Jones, 1969), an der \u00bbSchr\u00f6der\u00ab im Gorillakost\u00fcm mitwirkte, w\u00e4hrend Werner Brecht alias \u00bbJoschka Fischer\u00ab wie ein Bild f\u00fcr den Zustand der Gr\u00fcnen unbeholfen herumstand, textete Bazon Brock zu dem nun kaum sichtbar auf der B\u00fchnenr\u00fcckwand weiterlaufenden Rouch-Film, den er nicht n\u00e4her zu kennen schien: \u00bbAls selbst die schw\u00e4rzesten Schwarzen sich als blasse Imitatoren der alten englischen Imperialisten herausstellten und ihre Kulte nicht anders waren, als was MTV hier jeden Tag auff\u00fchrt, st\u00fcrzte sich der Kanzler in endg\u00fcltige Verzweiflung. Es wird einsichtig, warum er darauf kam, dieses Theater, dieses zusammengew\u00fcrfelte Staatstheater, schlie\u00dflich in ein <em>war theatre<\/em> umzuwandeln.\u00ab (01:14:18ff.)<\/p>\n<p>Best\u00e4tigt Christoph Schlingensiefs zwischen systematisch-dilettantischer Wissensverweigerung, intuitivem Verst\u00e4ndnis und verst\u00f6renden Analogiebildungen changierende Refunktionalisierung von Rouchs Film das, was Erhard am Ende von \u00bbDie Einfahrt des Zuges (1954)\u00ab \u00fcber die \u00bbliterarische[n] und k\u00fcnstlerische[n] Folgen\u00ab, die <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> \u00bbbis heute\u00ab in Literatur, Theater und Bildender Kunst hatte, geschrieben hat?<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbJean Genet schrieb bekanntlich sein Theaterst\u00fcck Les n\u00e8gres unter dem direkten Eindruck dieses Films, in dem Versuch, ein Theater-Ritual zu entwerfen, das die drastische Wirkung, die dieser Film f\u00fcr Europ\u00e4er entfalten kann, einfangen und weitergeben sollte. Ob das gelingen konnte, bleibt zweifelhaft, denn Genets St\u00fcck wie verschiedene andere Theaterinszenierungen, die sich seitdem Aspekte von Les Ma\u00eetres Fous zum direkten \u203aVorbild\u2039 f\u00fcr Inszenierungen und Dialoge erkoren haben, finden ihre Grenze daran, da\u00df die Machart von Les Ma\u00eetres Fous nicht durch eine \u00e4u\u00dferliche Gewaltt\u00e4tigkeit der Bewegungen und Dialoge, sondern nur durch eine Mimesis der vielf\u00e4ltigen \u00dcbersetzungsketten zu erfassen und zu verdoppeln w\u00e4re. Die Besessenheit der Hauka, die Verehrung der M\u00e4chte des Haukakults im Zustand der Trance, wird in allen dramatischen Adaptionen vom Aspekt der Travestie (oder der Farce) erschlagen; und der urspr\u00fcngliche Exorzismus des Opfers kann in einer solchen Adaptation (wie bei Genet) nur eine komische Katharsis bewirken, die mit der des Haukakults nur einen geringen Teil gemeinsam hat: die Austreibung des L\u00e4cherlichen durch das L\u00e4cherliche. Es scheint einfach, das Barbarische der Hauka nachzuahmen \u2013 ist es doch das Barbarische der scheinbar vertrauten Europ\u00e4er \u2013, doch ihre fremde Zivilisiertheit \u2013 die fremde Fremderfahrung und Reinigung der Hexenj\u00e4ger, der fremde Proze\u00df der Zivilisierung \u2013 bleibt dar\u00fcber unbeachtet und unnachahmlich.\u00ab<a href=\"#_ftn108\" name=\"_ftnref108\">[108]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht war ja das, was aus Rouchs Hauka-Film in Christoph Schlingensiefs \u00bbBerliner Republik\u00ab geworden ist, weniger eine Nachahmung oder \u00bbAdaption\u00ab einzelner Aspekte des Films, als eine \u00fcber verschiedene Analogiebildungen hergestellte \u00bbMimesis\u00ab oder \u00bbVerdopplung\u00ab der \u00bbvielf\u00e4ltigen \u00dcbersetzungsketten\u00ab. Christoph Schlingensief griff sich aus Rouchs Film (und dem, was er \u00fcber die \u00bbTruppenspieler\u00ab in Namibia wu\u00dfte bzw. bei seiner Reise gesehen hatte) \u00e4hnlich willk\u00fcrlich pr\u00e4gnante Details heraus und l\u00f6ste sie aus ihrem kulturellen Kontext, wie die Hauka es beispielsweise mit der Zeremonie des \u00bbTrooping the Colour\u00ab oder des \u00bbGouverneurspalastes\u00ab taten.<a href=\"#_ftn109\" name=\"_ftnref109\">[109]<\/a> Auf diese Weise wurde <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> Teil seiner Performance, seiner performativen \u00bb\u00dcberpr\u00fcfung\u00ab der Berliner Republik. Das kam bei Kritiker*innen auch durchaus so an: \u00bbGespenster aus Gegenwart und Vergangenheit tauchen auf und verschwinden wieder. Martin Walser tr\u00e4gt statt der Menschenrechte Kinderpornos in einer Plastikt\u00fcte herum, Joschka Fischer pennt fett in der Ecke, Helmut Schmidt verharrt schwerstbehindert im Rollstuhl. Dias zeigen verkohlte Leichengesichter, Videos tanzende Schwarze.\u00ab<a href=\"#_ftn110\" name=\"_ftnref110\">[110]<\/a> Dabei ersch\u00f6pfte sich die Aufnahme des Rouch-Films nicht in dem waghalsigen Vorschlag, Opfern und T\u00e4tern des Kolonialismus und Nationalsozialismus den Hauka-Kult (und die \u00bbTruppenspieler\u00ab) als Modell der rituell-theatralischen Verarbeitung historischer \u00bbSch\u00e4den\u00ab zu empfehlen. Vielmehr verwandelte Christoph Schlingensief das, was viele zun\u00e4chst f\u00fcr eine R\u00fcckkehr ins Theater gehalten hatten, wieder einmal in ein \u00bbgelebtes Theater\u00ab: Er stand nicht als Regisseur souver\u00e4n \u00fcber den Auff\u00fchrungen und dem B\u00fchnengeschehen, sondern spielte mit, kommentierte, griff ein und st\u00f6rte, so da\u00df jeder Abend seine eigene Dynamik (sei es des Scheiterns und des Chaos) erzeugte: \u00bbKeine Auff\u00fchrung\u00ab, so der Kritiker Stefan Strehler, \u00bbist wie die andere. Das ist der Versuch, das Theater als rituellen Ort wieder zu beleben. Jeden Abend wird auf der B\u00fchne ein neues St\u00fcck erfunden. [&#8230;] Wenn etwas nicht stimmt, kommt Schlingensief auf die B\u00fchne und erteilt Regieanweisungen. Meistens kommt er dann, wenn die Schauspieler das tun, was Schauspieler normalerweise tun, wenn sie komisch oder dramatisch sind, und dem Publikum etwas erz\u00e4hlen oder vorspielen. Schlingensief will aber mehr, er will dahinter, er will die Energie hochfahren, will die ganz gro\u00dfen Gef\u00fchle, nicht gespielt, sondern echt, zumindest w\u00e4hrend der Vorstellung.\u00ab<a href=\"#_ftn111\" name=\"_ftnref111\">[111]<\/a> Nur deshalb konnten die Abende zu einem Spiegel der politischen Ereignisse werden. Als die Regierung mit Au\u00dfenminister Joschka Fischer sich v\u00f6lkerrechtlich (da ohne UN-Mandat) mindestens fragw\u00fcrdig an dem Krieg gegen Jugoslawien beteiligte, erinnerte sich Christoph Schlingensief daran, was Rainald Goetz ihm nach der Premiere gesagt hatte: Man habe in \u00bbDie Berliner Republik\u00ab die \u00bbFremdgef\u00fchrtheit der Bundesregierung\u00ab entdecken k\u00f6nnen. Wie konnte es so weit kommen, da\u00df der erste gr\u00fcne Au\u00dfenminister den Angriffskrieg als \u00bbhumanit\u00e4ren Einsatz\u00ab legitimierte? Von welchen Geistern (der deutschen Vergangenheit?<a href=\"#_ftn112\" name=\"_ftnref112\">[112]<\/a>) wurde er, wurde die neue rot-gr\u00fcne Regierung geritten? War es so, wie es Rouchs Film zeigte, da\u00df \u00bbwir die \u203aWilden\u2039 sind\u00ab? War das die \u00bbBarbarei des Westens\u00ab, von der P\u00e9ter N\u00e1das gesprochen hatte, dessen Dankesrede zum Leipziger Buchpreis f\u00fcr europ\u00e4ische Verst\u00e4ndigung (1995) \u00fcber den \u00bbBankrott\u00ab Europas in den Auff\u00fchrungen Gerhard Schr\u00f6der in den Mund gelegt wurde?<a href=\"#_ftn113\" name=\"_ftnref113\">[113]<\/a> \u00bbWir\u00ab, so Christoph Schlingensiefs Kommentar, \u00bbhaben die Bundesregierung gezeigt, die pl\u00f6tzlich an einem Krieg beteiligt ist und immer sagt: Wir sind die Friedensbringer.\u00ab<a href=\"#_ftn114\" name=\"_ftnref114\">[114]<\/a> In der Auff\u00fchrung vom 31. M\u00e4rz hielt er am Ende (in der \u00bbTruppenspieleruniform\u00ab) eine Rede, um ein Ritual der \u00bbSelbstenttarnung\u00ab vorzuschlagen. Die an die Zuschauer*innen verteilte Anleitung hie\u00df \u00bb7000 Eier \u2013 Eine Aktion der \u203aBerliner Republik\u2039 im Gedenken an den STUKA-Piloten bei der Luftwaffe der deutschen Wehrmacht Joseph Beuys\u00ab. Die Rede nahm auch noch einmal Bezug auf die Hauka:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbEs war eine gute Entscheidung, ans Theater zur\u00fcckzukehren. [&#8230;] Schr\u00f6der hat sich transformiert. Das stimmt uns heiter. [&#8230;] Der Abend hat sich gelohnt. Wir sind angstfrei. Nun k\u00f6nnen wir uns selbst enttarnen. [&#8230;] Deshalb wollen wir, und ich habe lange mit Joseph Beuys telefoniert, als er noch lebte, wir wollen im Angedenken an die 7000 Eichen mit 7000 Eiern heute Abend starten [&#8230;]. Das ist der Versuch, 7000 Leute dazu zu bewegen, sich selbst zu enttarnen. Selbstenttarnung jetzt! Die M\u00f6glichkeit ist ganz einfach: Ihr versteht Euch als Stuka, seid unterwegs und Ihr bekennt, da\u00df Ihr selber Wilde seid. Ich hatte den Traum, da\u00df wir alle nach Afrika fahren, da\u00df wir dann vielleicht Afrika mit Wagner kolonialisieren, ich hatte den Traum, da\u00df Deutschland geschlossen nach Namibia zieht, nach einem halben Jahr zur\u00fcckkommt und die Revolution hier ausbricht. Das ist leider nicht m\u00f6glich, hat man mir gesagt, weil die Kritiker nicht mitmachen. Ich habe das auf einem anderen Weg vor, und zwar indem man sich selber kolonialisiert, Afrika in sich selber findet, wenn man sich selber als Wilden betrachtet. [&#8230;] Ihr m\u00fc\u00dft dazu stehen, da\u00df Ihr ein Wilder seid. Wir haben nicht umsonst hier die ganze Zeit hinten Hauka-Videos gezeigt. Die Hauka-Sekte aus Afrika, dort wurde Dir ausdr\u00fccklich klar, was es bedeutet, Zivilisationssch\u00e4den abarbeiten zu k\u00f6nnen. Die Afrikaner haben einen Hund gegessen. Das wollen wir nicht versuchen. Noch nicht. [&#8230;] Ihr nehmt also ein Ei mit, etwas Kakaopulver, geht auf diese Veranstaltungen, geht langsam in Euch, werdet angstfrei, freut Euch, da\u00df Ihr wieder Angst habt. Und dann in einem bestimmten Moment, haut Ihr Euch das Ei auf den Kopf. [&#8230;] Der Wilde wohnt in Dir. [&#8230;] Hallelujah! Und nun werden wir gemeinsam Joschka Fischer opfern.\u00ab<a href=\"#_ftn115\" name=\"_ftnref115\">[115]<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Christoph Schlingensief hat vielleicht nicht, wie der Leporellotext es Schr\u00f6der zuschreibt, vom Hauka-Kult einen \u00bbneuen Umgang mit den alten Geistern\u00ab gelernt, aber er hat mit der Inszenierung die ersten Krisen der neuen Berliner Republik (Lafontaines R\u00fccktritt und den Kosovokrieg) weniger bearbeitet als \u00bbabgearbeitet\u00ab, indem er sich selbst und die Institution Volksb\u00fchne in ein Medium der Krise und der Mimesis von Krise verwandelte.<\/p>\n<p>Vielleicht m\u00f6chte ich das so sehen, weil ich mich im Nachhinein u.a. gegen\u00fcber Gesine Kr\u00fcger und Albert Wirtz f\u00fcr \u00bbSchlingensiefs Exotismus-Eskapaden\u00ab rechtfertigen mu\u00dfte.<a href=\"#_ftn116\" name=\"_ftnref116\">[116]<\/a> W\u00e4re es anders gekommen, wenn Erhard noch w\u00e4hrend der Proben zu <em>Die Berliner Republik<\/em> \u00fcber Rouch und die \u00bbMeister des Wahnsinns\u00ab gesprochen h\u00e4tte? H\u00e4tte sein Wissen andere Spuren in der Inszenierung hinterlassen als meine (dilettantische, unsaubere) \u00dcbersetzung des mir zuerst durch ihn vermittelten Wissens? War Christoph Schlingensiefs Inszenierung dadurch vielleicht sogar eine Art subversiver Mimesis von Erhards Thesen \u00fcber Rouchs Film? Wird man von <em>Die Berliner Republik<\/em> aus noch einmal anders auf <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> schauen m\u00fcssen? Aus Gr\u00fcnden, an die ich mich nicht erinnern kann, kam Erhard erst am 7. Mai zu \u00bbSeminar VII\u00ab von \u00bbSeven X\u00ab, um einen Vortrag \u00fcber <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> zu halten. Ich habe ihn leider nicht geh\u00f6rt, weil ich wieder in Konstanz war. Ohnehin war <em>Die Berliner Republik<\/em> zu diesem Zeitpunkt bereits abgesetzt. Und Christoph Schlingensief war Anfang Mai erneut nach Mazedonien in die Fl\u00fcchtlingslager gefahren. So fand Erhards Vortrag \u00fcber \u00bbDie Meister des Wahnsinns\u00ab ohne ihn statt; die Begegnung zwischen ihm und Christoph Schlingensief kam nicht zustande. Erhard blieb der unsichtbare Geist der <em>Berliner Republik<\/em> und des Hauka-Komplexes bei Christoph Schlingensief.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> F\u00fcr Anregungen und Hinweise danke ich Marcus Hahn, Carl Hegemann, Sarah Pogoda, Marcus Twellmann, Frederic Ponten, Peter Braun und Patrick Durdel.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Deutsche Welle, Kultur, \u00bbRenaissance der sozialen Plastik\u00ab, Christoph Schlingensief im Gespr\u00e4ch mit Oliver Schilling, 10. Juli 2002.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0Hier im Sinne Fritz Kramer als Bilder oder Darstellungen, \u00bbin denen sich eine andere Zivilisation ihren \u203awilden\u2039 Gegensatz zur Anschauung brachte\u00ab (<em>Der rote Fes<\/em>, S. 10)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <em>Die Moderne im Spiegel des Primitiven<\/em> <em>\u2013 Weltliteratur und Ethnologie (1870\u20131960)<\/em>, M\u00fcnchen 2005, S. 68.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Also derjenigen Popmusiker, die bereits das Wort \u00bbDilettantismus\u00ab bewu\u00dft falsch schrieben. Siehe in diesem Blog den Beitrag von Marcus Hahn \u00bb\u203aGestern schienst Du frischer.\u2039 Mein Kosmonautentraum\u00ab und Erhard Sch\u00fcttpelz, \u00bbDie Akademie der Dilettanten\u00ab, in: Stefan Dillemuth, Hg., <em>Akademie<\/em>, K\u00f6ln, 1995, S. 40\u201357. Der Aufsatz wird auch in der Schlingensief-Forschung gerne zitiert (u.a. bei Pogoda, \u00bbK\u00fcnstlerische Avantgardeforschung und Institutionskritik\u00ab (s.u.), S. 240ff.).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u00bbIch habe immer auch aus einem gewissen positiven Dilettantismus heraus die Filme produziert.\u00ab Christoph Schlingensief, in: Alexander Kluge, \u00bbDer wahre Erbe der Guldenburgs. Christoph Schlingensief und sein Film <em>Tunguska<\/em>\u00ab, News and Stories, SAT 1, 3. Juni 1996.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Gespr\u00e4ch mit Alexander Kluge, \u00bbDie W\u00fcste lebt. Christoph Schlingensief \u00fcber die Befreiung des Ausdrucks vom Zwang des Sinns\u00ab, in: <em>Facts &amp; Fakes 2\/3\u2013 Fernseh-Nachschriften. Herzblut trifft Kunstblut. Erster imagin\u00e4rer Opernf\u00fchrer<\/em>, hg. von Christian Schule und Reinald Gu\u00dfmann, Berlin 2001, S. 163\u2013166.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Anna Teresa Scheer, \u00bbThe Berlin Republic: Postcolonial Amnesia and Contemporary German Politics as \u203aLight Comedy\u2039\u00ab, in: dies., <em>Christoph Schlingensief \u2013 Staging Chaos, Performing Politics and Theatrical Phantasmagoria<\/em>, London, New York 2018, S. 107\u2013135, S. 132 (Abschnitt \u00bbSpirit Possession, Mimetic Excess and Schlingensief\u2019s Phantasmagoria\u00ab, S. 130\u2013135; Taussigs Begriff des \u00bbmimetischen Exze\u00df\u00ab aus <em>Mimesis and Alterity<\/em> von 1993 \u00fcbernimmt Scheer von Stoller, ohne zu kommentieren).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Siehe zu diesem Parcours die entsprechenden selbstkritischen Passagen (er habe von Afrika \u00bbnichts verstanden\u00ab und \u00bbAfrika nur benutzt\u00ab) in Christoph Schlingensiefs posthumer Autobiographie, <em>Ich wei\u00df, ich war\u2019s<\/em>, K\u00f6ln 2012, S. 169ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Nach S\u00fcdafrika und Namibia fuhr Christoph Schlingensief im Herbst\/Winter 1998 (zu seinem Reisetagebuch s.u.). Zum Jahreswechsel 1999\/2000 beschlo\u00df er die als \u00bbWagnertour\u00ab angek\u00fcndigte \u00bbDeutschlandsuche \u201999\u00ab nach mehreren Station in der deutschsprachigen Provinz, zwei \u00bbKameradschaftsabenden\u00ab und der Aktion \u00bbDeutschland versenken\u00ab in New York mit der \u00bbWagner-Rallye\u00ab in Namibia, bei der er die Robbenkolonie von Cape Cross mit <em>Siegfried<\/em> beschallte (www.schlingensief.com\/projekt.php?id=t031 und Benjamin Stuckrad-Barre, \u00bbAli B\u00fchnenbaba und die vierzig Busreisenden. Wie der Regisseur Christoph Schlingensief nach Afrika kam und dort Deutschland in den Sand setzte\u00ab, in: FAZ vom 15.\/16. Januar 2000). 2005 kehrte er nach Namibia zur\u00fcck, um in einem Township von L\u00fcderitz einen \u00bbAnimatographen\u00ab (eine begehbare Drehb\u00fchne) aufzubauen: Aus den Filmaufnahmen entstand <em>The African Twintowers<\/em> (2009).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Johanna Zorn, \u00bbAfrika\/Interkulturalit\u00e4t\u00ab, erscheint in: Teresa Kovacs, Peter Scheinpflug und Thomas Wortmann, Hg., <em>Schlingensief-Handbuch: Leben \u2013 Werk \u2013 Wirkung<\/em>, 2021, Zitate aus dem Ms. S. 4, 3 und 5.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Deren Bedeutung f\u00fcr die Filmwissenschaft Joachim Paech immer gerne betont hat, vgl. Winfried Pauleit, \u00bbFilmwissenschaft und Video\u00fcberwachung\u00ab, in: <em>Nach dem Film<\/em> 5 (2004), https:\/\/www.nachdemfilm.de\/issues\/text\/filmwissenschaft-und-videoueberwachung (abgerufen am 13. Februar 2021).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Der Vortrag \u00bbDie afroamerikanischen Religionen in Leonore Maus Photographien und Hubert Fichtes Texten\u00ab fand am 13. Februar 1997 bei einem von Peter Braun und Manfred Weinberg organisierten Fichte-Workshops im Rahmen des SFB \u00bbLiteratur und Anthropologie\u00ab statt. Nach dem Vortrag von Manfred Weinberg (\u00bbErbrechen Sie sich! Zu Hubert Fichtes \u203aKetzerischen Bemerkungen f\u00fcr eine neue Wissenschaft vom Menschen\u2039\u00ab) fand ein gemeinsames Seminar \u00fcber <em>Explosion<\/em> <em>\u2013 Roman der Ethnologie<\/em> (1993) statt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Erschienen in dem Themenheft der Zeitschrift <em>Kea<\/em>, Nr. 12, 1999: \u00bbDer teilnehmende Leser. Erkundungen zwischen Ethnologie und Literatur\u00ab (hg. von Peter Braun und Peter Br\u00e4unlein) unter dem Titel \u00bbDas phantomatische Herz Afrikas. Michel Leiris: Schreiben an den Grenzen der Ethnographie\u00ab.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Die Vortr\u00e4ge erschienen in dem gleichnamigen von Stefan Rieger, Schamma Schahadat und Manfred Weinberg herausgegebenen Band (T\u00fcbingen 1999).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Gezeigt wurde auch <em>Reassemblage<\/em> (1982) von Trinh T. Minh-ha, siehe Zebra \u2013 Kommunales Kino Konstanz, Monatsprogramm Oktober 1997, 22.10.: <em>Reassemblage<\/em> \/ <em>Les ma\u00eetres fous<\/em>. Film zur Tagung \u00bbInterkulturalit\u00e4t\u00ab mit einer Einleitung von Dr. Peter Braun. In der Ank\u00fcndigung hei\u00dft es: \u00bbRouch zeigt den Besessenheitskult der Hauka. Aber es sind nicht mehr die alten Geister der Wildnis, die von ihnen Besitz ergreifen, sondern die Geister der europ\u00e4ischen kolonialen Zivilisation, der Gouverneur, die Gardekorporal, der Lokomotivf\u00fchrer. F\u00fcr die Hauka sind wir \u203adie Wilden\u2039. In Jean Rouchs Film prallt unser Blick von den fremdem Hauka zur\u00fcck und konfrontiert uns mit ihrem Blick auf das f\u00fcr sie Fremde: auf uns.\u00ab (Dank an Magdalena Meyer, Konstanz, die mir das Programm aus dem Archiv des Zebra zur Verf\u00fcgung gestellt hat.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Ebd., S. 13: \u00bbUnd ich danke insbesondere Michael Taussig, der mich in New York zur deutschen Ethnologie zur\u00fcckbrachte, indem er mir durch mehrere Diskussionen und sein Buch <em>Shamanism, Colonialism, and the Wild Man<\/em> die Lekt\u00fcre von Fritz Kramers <em>Der rote Fes<\/em> in Erinnerung rief, zwei Vorbilder und Handb\u00fccher einer reversiblen Ethnologie, die mich auch Jahre sp\u00e4ter nicht losgelassen haben.\u00ab<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Vgl. den \u00bbAntrag auf Fortsetzung des SFB 511 Literatur und Anthropologie\u00ab, Konstanz 1998, S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Bd. 72, Sonderheft, Oktober 1998, hg. von Manfred Weinberg und Martin Windisch, S. 213\u2013227. Erhard hatte bei der Tagung nicht \u00fcber Rouch, sondern unter dem Titel \u00bbMahlZeit: eine ikonographische Glosse\u00ab \u00fcber Totem und Melancholie gesprochen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> S. 289\u2013323; eine weitere Version erschien 2002 unter dem Titel \u00bbDie Einfahrt des Zuges. Jean Rouchs Film <em>Les Ma\u00eetres fous<\/em> und die Hauka\u00ab in dem von Iris D\u00e4rmann und Christoph Jamme herausgegebenen Sammelband <em>Fremderfahrung und Repr\u00e4sentation<\/em>, S. 248\u2013276.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> \u00bbTrooping the Colour: Besessenheit und Erinnerung in Jean Rouchs <em>Les Ma\u00eetres Fous<\/em>\u00ab, S. 213f., zugleich Abstract.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> In: Klaus E. M\u00fcller und J\u00f6rn R\u00fcsen, Hg., <em>Historische Sinnbildung, Problemstellungen, Zeitkonzepte, Wahrnehmungshorizonte, Darstellungsstrategien<\/em>, Reinbek bei Hamburg 1997, S. 502\u2013518 (wieder in: Fritz W. Kramer, <em>Schriften zur Ethnologie<\/em>, hg. von Tobias Rees, Frankfurt am Main 2005, S. 169\u2013187).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> \u00bbTrooping the Colour: Besessenheit und Erinnerung in Jean Rouchs <em>Les Ma\u00eetres Fous<\/em>\u00ab, S. 214.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Ebd., S. 220.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Ebd., S. 225.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Zit. ebd., S. 226 (korrigiert); dt.: \u00bbWenn man diese l\u00e4chelnden Gesichter sieht und erf\u00e4hrt, da\u00df diese M\u00e4nner vielleicht die besten Arbeiter der Wasserwerktruppe sind, ihre Gesichter mit den f\u00fcrchterlichen Gesichtern des Vortags vergleicht, so dr\u00e4ngt sich die Frage auf, ob diese Afrikaner \u00fcber Mittel verf\u00fcgen, die es ihnen erm\u00f6glichen, nicht Anormale in ihrem Milieu zu sein, sondern v\u00f6llig integriert zu leben, Mittel, die wir noch nicht kennen.\u00ab (Jean Rouch, \u00bb<em>Les ma\u00eetres fous<\/em>. Protokoll des Films \u00fcber das Ritual der Hauka\u00ab, in: Jens Jahn, Hg., <em>Colon \u2013 Das schwarze Bild vom wei\u00dfen Mann<\/em>, Frankfurt am Main 1983, S. 217\u2013232, S. 232)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> \u00bbTrooping the Colour: Besessenheit und Erinnerung in Jean Rouchs <em>Les Ma\u00eetres Fous<\/em>\u00ab, S. 226.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Vgl. ebd., S. 227.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Dieses Fazit findet sich allerdings erst in den abschlie\u00dfenden Reflexionen zu den \u00bbliterarischen und k\u00fcnstlerischen Folgen\u00ab von <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> am Ende des Rouch-Kapitels von <em>Die Moderne im Spiegel des Primitiven<\/em>, S. 320f. Siehe auch die \u00dcberlegungen am Ende des vorliegenden Beitrags.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Das habe ich im Juni 1999 in einem urspr\u00fcnglich f\u00fcr das DFG-Symposion \u00bbTheatralit\u00e4t und die Krisen der Repr\u00e4sentation\u00ab gedachten Aufsatz mit dem Titel \u00bbDie Kunst des Krisenexperiments \u2013 Inszenierungen von Christoph Schlingensief\u00ab ausgef\u00fchrt, der auf eine \u00bbThese\u00ab in meinem Promotionsverfahren zur\u00fcckging (Pr\u00fcfer war der Soziologe Hans-Georg Soeffner). Der bislang unver\u00f6ffentlichte Text erscheint jetzt in: Peter Scheinpflug und Thomas Wortmann, Hg., <em>Arbeit am Bild \u2013 Christoph Schlingensief und die Tradition<\/em>, M\u00fcnchen 2021 (im Druck).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Mail an Christoph Schlingensief, o.D., privates Archiv der Verfasserin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> vom 16. M\u00e4rz 1998, hier zit. nach Christoph Schlingensief &amp; Carl Hegemann, <em>Chance 2000 \u2013 W\u00e4hle Dich selbst<\/em>, K\u00f6ln 1998, S. 48f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Peter Gross, \u00bbF\u00fcr Schlingensief \u203aAbschied von Deutschland\u2039\u00ab, 30. Oktober 1998, Manuskript, privates Archiv der Verf.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Vgl. Carl Hegemann: \u00bbDer entscheidende Begriff war: Emergenz. Durch die Kombination von alten Dingen, die nun auf v\u00f6llig \u00fcberraschende Weise aufeinanderstie\u00dfen, passierte etwas Neues, ohne geplant gewesen zu sein.\u00ab (\u00bbSchlingensiefs \u203aTheaterfamilie\u2039\u00ab. Gespr\u00e4ch mit Carl Hegemann, Irm Hermann, Peter Kern, moderiert von Teresa Kovacs\u00ab, in: Pia Janke und Teresa Kovacs, Hg., <em>Der Gesamtk\u00fcnstler Christoph Schlingensief<\/em>, Wien 2011, S. 269\u2013282, S. 278)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Roger Anderegg, \u00bbEin reisendes Gesamtkunstwerk. Christoph Schlingensief wirbt in Basel f\u00fcr seinen \u203aChancestaat\u2039\u00ab, in: <em>Baseler Sonntagszeitung<\/em>, 1. November 1998. Alle Zeitungsartikel soweit nicht anders angegeben aus dem privaten Archiv der Verfasserin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Alfred Schlienger, \u00bbGod is an DJ \u2013 und Schlingensief sein Prophet\u00ab, in: <em>Baseler Zeitung<\/em>, 2. November 1998.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Angek\u00fcndigt als \u00bbIn 80 Tagen um die Welt \u2013 Afrikabesuch von Schlingensief \u2013 Er\u00f6ffnung weiterer Botschaften in Namibia \u2013 Zimbabwe \u2013 S\u00fcdafrika\u00ab.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Unter der damaligen Adresse www.chance2000.com\/afrika.htm, leider bislang nicht in die Archivseite https:\/\/www.schlingensief.com \u00fcbernommen. Die folgenden Zitate stammen aus den Ausdrucken im privaten Archiv der Verfasserin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Die zusammen mit Andrea Pagni und Ulrich Winter auf dem Romanistentag in Osnabr\u00fcck geleitete Sektion im September 1999 trug den Titel: \u00bbFranz\u00f6sische Blicke auf Afrika\u00ab, sp\u00e4ter publiziert als <em>Blicke auf Afrika nach 1900 \u2013 Franz\u00f6sische Moderne im Zeitalter des Kolonialismus<\/em>, T\u00fcbingen 2002.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> \u00bbNeuere Tendenzen in der Visuellen Anthropologie am Beispiel Ghana\u00ab, Vortrag im Forschungskolloquium des SFB Literatur und Anthropologie am 1. Juli 1998.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Privates Archiv der Verfasserin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Regieassistent wie schon bei \u00bbChance 2000\u00ab und \u00bbChance-Staat\u00ab war Anselm Franke, den ich im November 2008, als er noch Kurator in Antwerpen war, bei seiner Jean Rouchs <em>Les ma\u00eetres fous<\/em> gewidmeten Videolecture \u00bbMimetismus II: Koloniale Mimikry\u00ab im HAU (siehe: <a href=\"http:\/\/www.archiv.hebbel-am-ufer.de\/archiv_de\/kuenstler\/kuenstler_13628.html\"><u>http:\/\/www.archiv.hebbel-am-ufer.de\/archiv_de\/kuenstler\/kuenstler_13628.html<\/u><\/a>) wiedergetroffen habe, um ihm danach Erhards Texte \u00fcber Rouch zu empfehlen und ihn zu motivieren, f\u00fcr seine damaligen kuratorischen Projekte u.a. \u00fcber Mimetismus und Animismus Kontakt zu Erhard aufzunehmen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> Pressemitteilung zum Programm der Spielzeit vom 31. Oktober 1998, Archiv der Akademie der K\u00fcnste (Berlin), Bestand \u00bbVolksb\u00fchne Berlin\u00ab, Volksb\u00fchne 736. \u2013 Das Konzept wird auch von der Schlingensief-Forschung aufgegriffen. Verena Krieger betont dabei mit Blick auf <em>Ausl\u00e4nder raus \u2013 Bitte liebt \u00d6sterreich<\/em> (2000) die Ambiguit\u00e4t eines Verfahrens, bei dem es darum gehe \u00bbmittels radikaler Kritik in Gestalt radikaler Affirmation einen kathartischen Effekt auszul\u00f6sen, der letztlich wiederum einen Umschlag von Affirmation in Kritik hervorbringen sollte\u00ab. (\u00bbAmbiguit\u00e4t &amp; Engagement. Zur Problematik politischer Kunst in der Moderne\u00ab, in: Vanessa H\u00f6ving, Katja Holweck und Thomas Wortmann (Hg.), <em>Christoph Schlingensief Resonanzen<\/em>, M\u00fcnchen 2020, S. 69\u201399, S. 81ff., Zitat S. 87)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref44\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> Pressemitteilung zum Programm der Spielzeit vom 31. Oktober 1998.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref45\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> \u00bbSchlingensiefs \u203aTheaterfamilie\u2039\u00ab. Gespr\u00e4ch mit Carl Hegemann, Irm Hermann, Peter Kern, moderiert von Teresa Kovacs\u00ab, S. 279f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref46\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> \u00bbPop und Theater\u00ab, in: <em>Theater heute<\/em>, Jahrbuch 1999, S. 128\u2013142, S. 137.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref47\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> Die Arbeiten von J\u00fcrgen Zimmerer (<em>Deutsche Herrschaft \u00fcber Afrikaner \u2013 Staatlicher Machtanspruch und Wirklichkeit im kolonialen Nambia<\/em>, M\u00fcnster 2001 und <em>Von Windhuk nach Auschwitz? Beitr\u00e4ge zum Verh\u00e4ltnis von Kolonialismus und Holocaust<\/em>, M\u00fcnster 2011) waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen. Zu der bis heute kontroversen Diskussion siehe die Zusammenfassung in Sebastian Conrad, <em>Deutsche Kolonialgeschichte<\/em>, 3. Auflage, M\u00fcnchen 2016, S. 99\u2013103.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref48\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a> Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Volksb\u00fchne 737: Bearbeitete Textb\u00fccher: Die Berliner Republik, Fassung: 14.3.1999, S. 21.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref49\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a>\u00a0Siehe Heiner Remmert, \u00bb\u203aWie erkl\u00e4re ich Wagner einem Himba?\u2039 Christoph Schlingensiefs Wagner-Rezeption zwischen Ritualkritik und Fest-Spiel\u00ab, in: Erika Fischer Lichte, Mathias Warstat und Anna Littmann, Hg., <em>Theater und Fest in Europa. Perspektiven von Identit\u00e4t und Gemeinschaft<\/em>, T\u00fcbingen und Basel 212, S. 453\u00ad\u00ad\u2013465. Zu Wagner und Afrika (u.a. in <em>Die Berliner Repubik<\/em>, <em>The African Twintowers<\/em> und dem Operndorf-Projekt) siehe den Band <em>Art of Wagnis. Christoph Schlingensief\u2019s Crossing of Wagner and Africa<\/em>, hg. von Fabian Lehmann, Nadine Siegert und Ulf Vierke, Bayreuth 2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref50\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a> Volker Oesterreich, \u00bbFortschritt hei\u00dft R\u00fccktritt. Wenn Schr\u00f6der Fell tr\u00e4gt: Schlingensief erkl\u00e4rt die \u203aBerliner Republik\u2039\u00ab, in: <em>Berliner Morgenpost<\/em>, 19. M\u00e4rz 1999: \u00bbG\u00e4nzlich zur Geschichtsgeisterstunde entwickelt sich das Ganze, wenn von den Massakern im ehemaligen Deutsch-S\u00fcdwest und den dortigen Konzentrationslagern die Rede ist. Dazu, in typischer Schlingensief-Manier, Film- und Dia-Bilder von Krieg und Gewalt, Folter und Pornographie.\u00ab<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref51\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a> Im St\u00fcck wird das da aufgegriffen, wo Doris nach dem Tod von Gerhard eine Rede h\u00e4lt, die mit den Worten beginnt \u00bbDie Entscheidung der Volksb\u00fchne, sich an Gerhard Schr\u00f6der zu erinnern&#8230;\u00ab, so da\u00df das Theaterst\u00fcck f\u00fcr einen Moment in eine Gedenkveranstaltung kippt (siehe Szene 17 in Schlingensief 1313).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref52\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a> Ausf\u00fchrlich beschrieben in \u00bbNeger im Kanzleramt. Volksb\u00fchne: Christoph Schlingensief zeigt ein Requiem f\u00fcr die Berliner Republik. Ein Probenbesuch von Peter Laudenbach\u00ab, in: <em>tip<\/em> 7\/1999, S. 68\u201370.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref53\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a> Siehe die Photos im Programmheft auf S. 6 und S. 32\/33.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref54\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a> Archiv der Akademie der K\u00fcnste, AVM-334142 (ein Zusammenschnitt der Begegnung mit Lafontaine in der Volksb\u00fchne mit TV-Berichten \u00fcber das Attentat auf Lafontaine im Jahr 1990).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref55\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a> Die Probe ist Gegenstand von \u00bbNeger im Kanzleramt. Volksb\u00fchne: Christoph Schlingensief zeigt ein Requiem f\u00fcr die Berliner Republik. Ein Probenbesuch von Peter Laudenbach\u00ab. Siehe auch die \u00c4u\u00dferung von Carl Hegemann: \u00bbIch finde es traurig, dass diese bahnbrechende Boulevardkom\u00f6die in ihrer Form \u00fcberhaupt nur von ein paar Menschen bei der Generalprobe gesehen wurde.\u00ab (\u00bbSchlingensiefs \u203aTheaterfamilie\u2039\u00ab. Gespr\u00e4ch mit Carl Hegemann, Irm Hermann, Peter Kern, moderiert von Teresa Kovacs\u00ab, S. 280)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref56\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a> Siehe www.xxxxxxx.net\/Berliner-Republik\/berliner-republik.htm (Ausdruck); privates Archiv der Verfasserin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref57\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a> Privates Archiv der Verfasserin und Archiv der Akademie der K\u00fcnste, AVM-334041.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref58\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a> \u00bbDie Berliner Republik ist beendet. Sie hat niemald existiert.\u00ab (Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Christoph Schlingensief Archiv, Schlingensief 1320: Berliner Repubik, Textentw\u00fcrfe und Kosovo, Brief an Carl Hegemann, 2 Bl.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref59\" name=\"_ftn59\">[59]<\/a> \u00bbDie Front mu\u00df gekl\u00e4rt werden. Christoph Schlingensief \u00fcber den Bruch mit Berlins Volksb\u00fchne (Gespr\u00e4ch: Andreas Krieger)\u00ab, in: <em>Tagesspiegel<\/em> vom 22. April 1999. Castorf hatte am Tag vorher mitgeteilt, das St\u00fcck werde abgesetzt, denn Christoph Schlingensief \u00bbhabe der Theaterleitung am Wochenende erkl\u00e4rt, da\u00df er angesichts der deutschen Beteiligung an einem \u203aAngriffskrieg\u2039 k\u00fcnstlerisch und politisch vorerst nicht mehr vertreten k\u00f6nne <em>Die Berliner Republik<\/em> weiter zu spielen.\u00ab (\u00bbBerliner Republik abgesetzt\u00ab, in: <em>Tagesspiegel<\/em> vom 21. April 1999)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref60\" name=\"_ftn60\">[60]<\/a> Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Christoph Schlingensief Archiv, Schlingensief 1320.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref61\" name=\"_ftn61\">[61]<\/a> Christoph Schlingensief produzierte dann noch im Mai 1999 das von ihm zum \u00bb4. Teil der Berliner Republik\u00ab erkl\u00e4rte H\u00f6rspiel <em>Lager ohne Grenzen<\/em> f\u00fcr den WDR.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref62\" name=\"_ftn62\">[62]<\/a> Petra Kohse, \u00bbNibelungenhafte neue Republik. Ein Gespr\u00e4ch mit Carl Hegemann\u00ab, in: <em>taz<\/em> vom 5. Mai 1999, wieder in: ders., <em>Pl\u00e4doyer f\u00fcr die ungl\u00fcckliche Liebe.<\/em> <em>Texte \u00fcber Paradoxien des Theaters 1980\u20132005<\/em>, hg. von Sandra Umathum, Berlin 2005, S. 124\u2013128; siehe auch Carl Hegemanns Analyse in \u00bbDas Theater retten, indem man es abschafft? oder: Die Signifikanz des Theaters\u00ab, in: ebd., S. 129\u2013136.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref63\" name=\"_ftn63\">[63]<\/a> Bestand Volksb\u00fchne Berlin, Volksb\u00fchne 737, 4708 und 3914, Bestand Christoph Schlingensief, Schlingensief 1311 und 1313.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref64\" name=\"_ftn64\">[64]<\/a> Die Texte finden sich z.T. wieder in Carl Hegemann, <em>Pl\u00e4doyer f\u00fcr die ungl\u00fcckliche Liebe<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref65\" name=\"_ftn65\">[65]<\/a> Ein Entwurf von Anfang Februar sah neben \u00bbVorspiel\u00ab (Nekes\u2019 Filme) und \u00bbNachspiel\u00ab (Bazon Brock) drei Teile vor: 1. Vor Afrika (Schr\u00f6der und Doris in der Kanzlerwohnung, seine \u00bbgeheime Obsession\u00ab, den Ring nach Afrika zu bringen, Auftritte von Regierungsmitgliedern und von Christoph Schlingensief, Ehestreit mit Doris, die Zimmer an Asylanten vermietet), 2. Teil: In Afrika (das sollte als Film in den 3. Teil iuntegriert werden), 3. Teil: Nach Afrika (Transformation von Schr\u00f6der und Schlingensief, \u00bbDie Kanzlerwohnung wird zum Kultort und zur Probeb\u00fchne. Alle Energien werden in den Ring gesteckt.\u00ab) (Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Christoph Schlingensief Archiv, Schlingensief 1306: Berliner Republik, vorl\u00e4ufiger Aufbau, 2. Februar 1999, 1 B.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref66\" name=\"_ftn66\">[66]<\/a> Laut Kalender der \u00bbSchmotzige Dunschtig\u00ab der Konstanzer Fasnacht, am Tag zuvor hatte ich meine Doktorarbeit abgegeben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref67\" name=\"_ftn67\">[67]<\/a> Privates Archiv der Verfasserin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref68\" name=\"_ftn68\">[68]<\/a> Wie man es in dem fiktiven Brief, mit dem Frank Castorf den Bundeskanzler zur Premiere einlud, lesen kann (Programmheft zu <em>Die Berliner Republik oder Der Ring in Afrika<\/em>, Volksb\u00fchne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin 1999, Redaktion: Bettina Masuch, Carl Hegemann, Irene Albers, S. 6; im Folgenden \u00bbProgrammheft\u00ab). Den Versuch, eine \u00e4u\u00dfere \u00c4hnlichkeit herzustellen, gab es eigentlich nur bei Bernhard Sch\u00fctz (als Gerhard Schr\u00f6der).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref69\" name=\"_ftn69\">[69]<\/a> Von Franz und Paul von Sch\u00f6nthan, 1884: Wie der Gymnasialdirektor Gollwitz hat Schr\u00f6der ein St\u00fcck geschrieben, das Nibelungenprojekt in Afrika, das er mit Hilfe von Christoph Schlingensief (bei Sch\u00f6nthans: Striese) realisieren will. Siehe Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Volksb\u00fchne Berlin, Volksb\u00fchne 4709: Dramaturgisches Material, <em>Die Berliner Republik<\/em> (Kopie des St\u00fccks von Sch\u00f6nthan).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref70\" name=\"_ftn70\">[70]<\/a> Das kann man in Leiris\u2019 Reflexionen \u00fcber Oper und Theater von seiner Autobiographie <em>L\u2019\u00e2ge d\u2019homme<\/em>\/<em>Mannesalter<\/em> (frz. 1939) bis zu den aus dem Nachla\u00df publizierten Fragmenten von <em>Operratiques<\/em> (Paris 1992) nachvollziehen: Unter der \u00dcberschrift \u00bbCe qu\u2019on cherchait si loin\u00ab (ebd., S. 190f.), also \u00bbWas man in so weiter Ferne suchte\u00ab, kommt der ehemalige Surrealist zu dem Schluss, da\u00df die von den Avantgarden meistens verachtete Institution der Oper, wenn man sie richtig praktiziere, genau das von Rhythmisierung, Stilisierung und Emotionalit\u00e4t gepr\u00e4gte und den Zuschauer psycho-physisch erfassende \u00bbtotale Theater\u00ab darstellen k\u00f6nne, da\u00df Artaud und andere au\u00dferhalb des Okzidents z.B. in balinesischen, japanischen oder chinesischen Theaterformen gesucht h\u00e4tten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref71\" name=\"_ftn71\">[71]<\/a> \u00bbForschungsreisen im wei\u00dfen Kontinent. Die Tageb\u00fccher des franz\u00f6sischen Ethnologen und Schriftstellers Michel Leiris\u00ab, in: <em>Frankfurter Rundschau<\/em>, 15. M\u00e4rz 1997, hier zitiert nach dem ungek\u00fcrzten Manuskript, das ich auch Christoph Schlingensief, Bernhard Sch\u00fctz und Carl Hegemann zu lesen gegeben habe. Ein Auszug aus dem Text findet sich unter der \u00dcberschrift \u00bbDer dumpfe Br\u00fcll der Oper\u00ab im Programmheft von <em>Die Berliner Republik<\/em> (S. 20f.). Eine Szene aus Leiris\u2019 Tagebuch, die Thomas Hauschild ausf\u00fchrlich kommentiert, hat au\u00dferdem Eingang in das St\u00fcck gefunden: Leiris schildert, wie er sich obsessiv die H\u00e4nde w\u00e4scht, nachdem er 1945 vom Fenster aus beobachtet hat wie Widerstandsk\u00e4mpfer deutsche Soldaten t\u00f6ten und ihm klar wird, da\u00df er \u00bbin der Rolle des Pontius Pilatus vor dem Waschbecken steht\u00ab (ebd.). In einer Szene von <em>Die Berliner Republik<\/em> steht \u00bbGerhard\u00ab (Bernhard Sch\u00fctz) vor einem Waschbecken, um sich exzessiv die H\u00e4nde und Arme zu waschen. Der ebenfalls von Hauschild zitierte Leiris-Satz \u00bbBetrug der Bekenntnisliteratur. Wenn man beichtet, dann weniger der Wahrheit wegen, sondern um eine r\u00fchrende Rolle zu spielen. Im \u00fcbrigen sagt man niemals alles.\u00ab (ebd., siehe Michel Leiris, <em>Tagebuch 1922\u20131989<\/em>, \u00fcbers. von Elfriede Friesenbiller und Chantal Niebisch, Graz und Wien 1996, 22. Januar 1938, S. 209) dient im Programmheft von <em>Die Berliner Republik<\/em> als Bildunterschrift unter dem Foto einer Repr\u00e4sentantin der s\u00fcdafrikanischen International Pentacoastal Church (S. 16).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref72\" name=\"_ftn72\">[72]<\/a> Zu \u00bbSeven X\u00ab als Ankn\u00fcpfung an avantgardistische Praktiken wie das \u00bbB\u00fcro f\u00fcr surrealistische Forschung\u00ab siehe Sarah Pogoda, \u00bbK\u00fcnstlerische Avantgardeforschung und Institutionskritik in Christoph Schlingensiefs <em>M\u00fcllfestspiele<\/em> (1996), <em>Seven X<\/em> (1999) und <em>Erster Attaistischer Kongress<\/em> (2002)\u00ab, in: Lore Knapp, Sven Lindholm und Sarah Pogoda, Hg., <em>Christoph Schlingensief und die Avantgarde<\/em>, M\u00fcnchen 2019, S. 219\u2013250.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref73\" name=\"_ftn73\">[73]<\/a> Protokoll vom 12.2.1999: Er\u00f6ffnung von 7x \u2013 dem kleinsten Theater der Welt, Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Volksb\u00fchne Berlin, VB 739, 1 S., ohne Verfasserangabe.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref74\" name=\"_ftn74\">[74]<\/a> Siehe Pogoda, \u00bbK\u00fcnstlerische Avantgardeforschung\u00ab, S. 226.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref75\" name=\"_ftn75\">[75]<\/a> Siehe auch ebd., S. 242.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref76\" name=\"_ftn76\">[76]<\/a> Andreas Krieger, \u00bbZieh Dich selber aus. Christoph Schlingensief mit \u203aSeven X\u2039 in der Berliner Volksb\u00fchne\u00ab, <em>Tagesspiegel <\/em>vom 14. Februar 1999.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref77\" name=\"_ftn77\">[77]<\/a> Szene 92: Schlingensief stellt Frau Ozaka vor, Archiv der Aademie der K\u00fcnste, Bestand Christoph Schlingensief, Schlingensief 1313: Berliner Republik: Szenen-\/Ideen-\/Zitate- und Textsammlung, Stand 7.3., 134 Bl. \u2013 In der neuen Version des St\u00fccks vom 31. M\u00e4rz sollte der \u00bbHauka-Film von Jean Rouch\u00ab von der \u00bbZivilisationssch\u00e4den abarbeiten-Rede von Christoph\u00ab begleitet werden (Ablaufplan \u00bbDas Leben des S\u00fcnders Schr\u00f6der. Unter anderem ein Passionsspiel\u00ab, privates Archiv der Verfasserin).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref78\" name=\"_ftn78\">[78]<\/a> Siehe \u00bbEinla\u00df\/Bild 1\u00ab.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref79\" name=\"_ftn79\">[79]<\/a> Protokoll vom 19.2.1999: Gastdozent Prof. Werner Nekes. Obsession des Sehens (Seminar 2), privates Archiv der Verfasserin. Bei Leiris hei\u00dft es: \u00bbIch w\u00e4re lieber selbst besessen, als die Besessenen zu studieren [&#8230;].\u00ab (<em>Phantom Afrika. <\/em><em>Tagebuch einer Expedition von Dakar nach Djibouti 1931\u20131933<\/em> (= Ethnologische Schriften III und IV), \u00fcbers. und mit einem Nachwort von Rolf Wintermeyer, hg. und mit einer Einleitung von Hans-J\u00fcrgen Heinrichs, 2 Bde., Frankfurt am Main 1980 und 1984, Bd. II S. 132, Eintrag vom 23. Juli 1932) Aufgegriffen hatte ich auch wirddie gegen die \u00bbtotale Atopie des theoretisierenden Subjekts\u00ab gerichtete Formel in den Arbeiten von Jeanne Favret-Saada \u00fcber den Hexenglauben in Frankreich, siehe u.a. das Kapitel\u00bbWer nicht gepackt worden ist, kann nicht dar\u00fcber reden\u00ab in dies., <em>Die W\u00f6rter, der Zauber, der Tod. Der Hexenglaube im Hainland von Westfrankreich<\/em>, \u00fcbers. von Eva Moldenhauer, Frankfurt am Main 1979, S. 24ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref80\" name=\"_ftn80\">[80]<\/a> Text zur Einf\u00fchrung von Tobias Wendl, privates Archiv der Verfasserin. \u2013 Mehr als 15 Jahre sp\u00e4ter wurde der Ball in Wendls sp\u00e4tere universit\u00e4re Heimat Bayreuth zur\u00fcckgespielt: Das mit der Universit\u00e4t Bayreuth und ihrem Afrikaschwerpunkt verbundene Iwalewa-Haus, das Wendl von 2001 bis 2010 leitete, veranstaltete 2015 eine von Ulf Vierke, Nadine Siegert und Fabian Lehmann geleitete Konferenz \u00fcber Christoph Schlingensiefs Afrika- und Wagnerbez\u00fcge (<em>Art of Wagnis. Christoph Schlingensief\u2019s Crossing of Wagner and Africa<\/em>; publiziert 2017; siehe auch die Projektwebsite: https:\/\/www.iwalewahaus.uni-bayreuth.de\/de\/projects\/archive\/100_Wagner_-Schlingensief_-Afrika\/index.html).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref81\" name=\"_ftn81\">[81]<\/a> Seven X-University. Protokoll vom 12.2.1999: Gastdozent Tobias Wendl\/Universit\u00e4t M\u00fcnchen: Die lange Nacht des ghanaischen Horrorfilms (Seminar 4), privates Archiv der Verfasserin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref82\" name=\"_ftn82\">[82]<\/a> Der Programmzettel weist neben \u00bbSchnakela Patiwarongo\u00ab (Alice Nambatya) den drei m\u00e4nnlichen afrikanischen Mitspielern die nicht n\u00e4her bestimmten Rollen \u00bbAsylanten, Afrikaner, Sektenmitglieder\u00ab zu.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref83\" name=\"_ftn83\">[83]<\/a> Weitere Seminare: 26. Februar: Das Super 8-Fr\u00fchwerk (Christoph Schlingensiefs Super 8-Filme); 26.3.: Johannes St\u00fcttgen: Der erweiterte Kunstbegriff von Joseph Beuys; 9. April: \u00bbNo Comment\u00ab\u2013 Filme aus der Sammlung M\u00fcller; 30. April: Die <em>Kali-Filme<\/em>, Referent: Wilhelm Hein; 7. Mai: Erhard Sch\u00fcttpelz \u00fcber <em>Les ma\u00eetres fous<\/em>. Siehe die Darstellung bei Pogoda, \u00bbK\u00fcnstlerische Avantgardeforschung\u00ab, S. 226f. Den Abschlu\u00df der \u00bbSexen X\u00ab-Reihe bildete kein Vortrag, sondern das erste (und letzte) Konzert in Europa des \u00bbgenialen Dilettanten\u00ab Daniel Johnston am 6. Juni.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref84\" name=\"_ftn84\">[84]<\/a> Wie sie selbst berichtet: \u00bbBei der ersten Theaterzusammenarbeit, <em>Berliner Republik<\/em>, habe ich ihm das Ultimatum gestellt, einen Text schreiben zu m\u00fcssen. Ich k\u00fcndigte an, nur unter dieser Voraussetzung zu spielen, woraufhin er einen 18-seitigen Text geschrieben hat. Diese 18 Seiten wurden eingehalten, aber danach wurde nur noch improvisiert und situationsbedingt agiert. Am zweiten Abend um 19.25 \u2013 um 19.30 begann die Vorstellung \u2013 k\u00fcndigte er an, dass wir das St\u00fcck r\u00fcckw\u00e4rts spielen.\u00ab (\u00bbSchlingensiefs \u203aTheaterfamilie\u2039\u00ab. Gespr\u00e4ch mit Carl Hegemann, Irm Hermann, Peter Kern, moderiert von Teresa Kovacs\u00ab, S. 279)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref85\" name=\"_ftn85\">[85]<\/a> So meinte R\u00fcdiger Schaper \u00fcber Sch\u00fctz, er k\u00f6nnte \u00bbSchr\u00f6der auf jedem EU-Gipfel doubeln\u00ab (\u00bbGalerie des Theaters\u00ab, RBB, Radio Kultur vom 21. M\u00e4rz 1999).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref86\" name=\"_ftn86\">[86]<\/a> Vgl. Stefan Strehler, \u00bbJenseits der Depression. \u203aIch will, was mir gef\u00e4llt\u2039. <em>Berliner Republik<\/em> von Christoph Schlingensief an der Berliner Volksb\u00fchne\u00ab, in: <em>Junge Welt<\/em> vom 21.\/22. M\u00e4rz 1999. \u2013 Vielleicht dachte Bernhard Sch\u00fctz an die \u00bbZwiebelkeller\u00ab-Szene aus Grass\u2019 <em>Die Blechtrommel<\/em> (Dank an Sarah Pogoda f\u00fcr den Hinweis).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref87\" name=\"_ftn87\">[87]<\/a> Siehe die Aufzeichnung von 31. M\u00e4rz 1999, ab 01:17:08.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref88\" name=\"_ftn88\">[88]<\/a> Georg Diez, \u00bbDer Tag geht, Gerhard Schr\u00f6der kommt. Szenen einer Ehe: Christoph Schlingensief sucht \u203aDie Berliner Republik\u2039 und findet Afrika\u00ab, <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> vom 19. M\u00e4rz 1999.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref89\" name=\"_ftn89\">[89]<\/a> \u00bbFortschritt hei\u00dft R\u00fccktritt. Wenn Schr\u00f6der Fell tr\u00e4gt: Schlingensief erkl\u00e4rt die \u203aBerliner Republik\u2039\u00ab, <em>Berliner Morgenpost<\/em> vom 19. M\u00e4rz 1999.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref90\" name=\"_ftn90\">[90]<\/a> <em>Berliner Zeitung<\/em> vom 22. M\u00e4rz 1999, Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Volksb\u00fchne Berlin, Volksb\u00fchne 736: Inszenierungsdokumentation <em>Die Berliner Republik<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref91\" name=\"_ftn91\">[91]<\/a> Wie Hendrik Werner (der im Konstanzer Graduiertenkolleg zwischen 1994 und 1997 \u00fcber Heiner M\u00fcllers \u00bbGed\u00e4chtnis der Texte\u00ab promoviert hatte) es in seiner Besprechung formulierte: \u00bbDie menschliche Seele sei das \u203ainnerste Afrika\u2039, hat der Dichter Jean Paul bemerkt. In der afrikanisierten \u203aBerliner Republik\u2039 wird dieses Innerste nach au\u00dfen gekehrt \u2013 Besessenheitskult statt Besitzdenken, Zebra statt Streifen, schwarze Masken statt wei\u00dfer Haut.\u00ab (\u00bbSchr\u00f6der ist Siegfried\u00ab, <em>Berliner Morgenpost<\/em> vom 15. M\u00e4rz 1999)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref92\" name=\"_ftn92\">[92]<\/a> Wie auch Fabian Lehmann bemerkt: \u00bbSome of the booklets that have accompanied Christoph Schlingensief\u2019s theatre productions are much more than just appending texts to go with the works on stage. Despite the marginal attention they have gained so far, the most elaborated of these publications are visual and literary artworks in their own right.\u00ab (\u00bbThe African Roots of Wagner\u2019s Operas. Schlingensief\u2019s unsettling montage in the booklet Festspielhaus Afrika\u00ab, in: Lehmann, Siegert und Vierke<em>, Art of Wagnis. Christoph Schlingensief\u2019s Crossing of Wagner and Africa<\/em>, S. 101\u2013116, S. 101. Lehmans Aufsatz ist dem Programmheft zu \u00bbFestspielhaus Afrika\u00ab (2009) gewidmet.)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref93\" name=\"_ftn93\">[93]<\/a> Auch in den Textquellen des Programmheftes (S. 46) aufgef\u00fchrt: Roland Mischke, <em>Namibia<\/em>, Ostfildern 1999.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref94\" name=\"_ftn94\">[94]<\/a>\u00a0In der Kategorie \u00bbPraktische Hinweise\u00ab \u2013 \u00bbWarnung: Blo\u00df nicht\u00ab (Programmheft, S. 41ff.; Marco Polo: \u00bbBlo\u00df nicht\u00ab, S. 94) sind die Texte mit den in Aufforderungen verwandelten \u00dcberschriften \u00bbDas Fahrzeug verlassen!\u00ab, \u00bbOhne Ersatzreifen auf Tour gehen!\u00ab, \u00bbIn der W\u00fcste querfeldein fahren!\u00ab, \u00bbMit Fotoausr\u00fcstung oder Videokamera durch Katakura!\u00ab und \u00bbSchwanger werden!\u00ab w\u00f6rtliche \u00dcbernahmen. Durch die Nachbarschaft zu den analog mit \u00dcberschriften in Befehlsform versehenen Texten von Alfred Rosenberg \u00fcber die \u00bbVerk\u00f6terung Europas durch die Schwarzen\u00ab und Europa als \u00bbAusl\u00e4ufer Afrikas, gef\u00fchrt von Juden\u00ab (\u00bbVerk\u00f6terung zulassen!\u00ab), Hitler \u00fcber das Rheinland als \u00bbTummelplatz afrikanischer Negerhorden\u00ab (\u00bbDen Rhein verpesten!\u00ab) und Riefenstahl \u00fcber ihre Begegnung mit Hitler (\u00bbSich verlieben!\u00ab) wurde scheinbar harmlose neokoloniale Blick des Reisef\u00fchrers auf nationalsozialistischen (und kolonialrevanchistischen) Rassismus und Antisemitismus bezogen. Die Textcollage wird erg\u00e4nzt durch ein Standbild aus <em>Les ma\u00eetres fous<\/em>, das den \u00bbin Blau gekleideten Mann\u00ab zeigt, der \u00bbvom <em>General<\/em> besessen\u00ab ist (siehe Abb. 9).<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10679\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-9a-42-43_COMP.jpg\" alt=\"\" width=\"795\" height=\"737\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em> Abb. 9: Programmheft S. 42\/43<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><a href=\"#_ftnref95\" name=\"_ftn95\">[95]<\/a> Aus \u00bbNotizen zu einer Ethnologie der Passiones\u00ab (1984) und \u00bb\u00dcber afrikanische Darstellungen von Fremden\u00ab (1984), beide Texte wieder in ders., <em>Schriften zur Ethnologie<\/em>, S. 145\u2013168 und S. 122\u2013144.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref96\" name=\"_ftn96\">[96]<\/a> Der Entwurf sah einerseits die Einrichtung einer Stiftung f\u00fcr verfolgte Minderheiten aus dem Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn des f\u00fcr das Mahnmal vorgesehenen Grundst\u00fccks vor, andererseits die dauerhafte Kopfsteinpflasterung eines Autobahnkilometers der A7 (Richtung Kassel) inklusive einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km\/h als Infragestellung eines nationalen Symbols (der Autobahn) wie auch als st\u00f6render Eingriff in den Alltag und die kollektive Erinnerung (vgl. Cindy Schmiedichen, \u00bbReinhard Matz und Rudolf Hertz. Zwei Entw\u00fcrfe zum Holocaust-Mahnmal\u00ab, https:\/\/www.hgb-leipzig.de\/mahnmal\/hertzmatz.html, abgerufen am 20. Februar 2021).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref97\" name=\"_ftn97\">[97]<\/a> Fabian Lehmann zitiert Rougets Text in seiner Analyse des von Thomas Goerge gestalteten Programmhefts zu \u00bbFestspielhaus Afrika\u00ab, in dem spielerisch ein Narrativ von den afrikanischen und rituellen Urspr\u00fcngen der Oper entfaltet wird, als handele es sich um ein Argument von Rouget und nicht seinerseits bereits um einen ironischen \u00bbPersischen Brief\u00ab. Vgl. Lehmann, \u00bbThe African Roots of Wagner\u2019s Operas\u00ab, S. 114, Anm. 17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref98\" name=\"_ftn98\">[98]<\/a> Siehe Szene 46-47 \u00bbNaumann mit dem Holocaustdenkmal\u00ab (24.2.) mit dem <em>running gag<\/em> \u00bbNaumann st\u00fcrmt mit einem weiblichen Holocaustmodel[l] den Raum.\u00ab (Schlingensief 1313)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref99\" name=\"_ftn99\">[99]<\/a> \u00bbPop und Theater\u00bb, S. 137. Diederichsen analysiert im Folgenden Christoph Schlingensiefs \u00bbMaterialverdichtungen\u00ab, die er mit Martin Kippenberger und Jonathan Meese vergleicht, als ein \u00bbSammeln\u00ab von \u00bbSplittern des Politischen, indem er \u00bbdie Verkn\u00fcpfungsregeln des heutigen Politischen auf Theater und Kunst\u00ab \u00fcbertrage (er nennt: \u00bbungez\u00fcgelte Akkumulation, kontingentes Zappen, Inflation des Gewichtigen und Existentiellen\u00ab), \u00bbsomit deren herk\u00f6mmliche institutionelle Rahmungen\u00ab nutze, \u00bbum diese Splitter wenigstens ausstellen zu k\u00f6nnen\u00ab: \u00bbWenn\u2019s mi\u00dflingt, kommt dabei die reine Verdopplung heraus, wenn es gelingt, entsteht eine neue Form von \u2013 wenn man so will \u2013 aufkl\u00e4rerisch-kritischer \u00c4sthetik. Der alte institutionelle Zusammenhang liegt, bis an die Grenzen belastet, quer zu den sinnlosen Splittern. Themen und Gegenst\u00e4nde verklumpen sich, nehmen Gestalt an.\u00ab (S. 138)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref100\" name=\"_ftn100\">[100]<\/a> Szene 11 \u00bbZwei Telefonnummern Bernhard, Stand 6.3.\u00ab, o.S., Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Schlingensief 1313.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref101\" name=\"_ftn101\">[101]<\/a> Siehe \u00bbTrooping the Colour. Besessenheit und Erinnerung in Jean Rouchs <em>Les Ma\u00eetres Fous<\/em>\u00ab, S. 227; Fritz Kramer, <em>Der rote Fes \u2013 \u00dcber Besessenheit und Kunst in Afrika<\/em>, Frankfurt am Main 1987, S. 50.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref102\" name=\"_ftn102\">[102]<\/a> Siehe oben das Abstract von \u00bbTrooping the Colour: Besessenheit und Erinnerung in Jean Rouchs <em>Les Ma\u00eetres Fous<\/em>\u00ab, S. 213.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref103\" name=\"_ftn103\">[103]<\/a> Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Volksb\u00fchne Berlin, Volksb\u00fchne 737, Die Berliner Republik, Fassung 14.3.99, S. 54 und S. 77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref104\" name=\"_ftn104\">[104]<\/a> Alexander Kluge \/ Heiner M\u00fcller, <em>Ich bin ein Landvermesser \u2013 Gespr\u00e4che \u2013 Neue Folge<\/em>, Hamburg 1996, S. 86 (auch in: H.M., <em>Gespr\u00e4che<\/em>, Bd. 3, S. 709); im Programmheft: S. 27. Siehe auch im Textbuch Szene 72 Doris\u2013Leni (Stand: 5.3.): \u00bbDoris: Ich glaube, da\u00df ich Leni Riefenstahl bin. [&#8230;] Wir m\u00fcssen Hitler so lange beerdigen, bis keiner mehr kommt, Heiner M\u00fcller!&#8230;\u00ab In der Auff\u00fchrung vom 31. M\u00e4rz trug Bernhard Sch\u00fctz (im Gorillakost\u00fcm) das Zitat im Anschlu\u00df an die Ausz\u00fcge aus der Rede von N\u00e1das vor (Aufzeichnung bei 01:23:00). Heiner M\u00fcller stand im St\u00fcck auch f\u00fcr die Verkn\u00fcpfung Bayreuth\u2013Wagner-Holocaust: In einer Szene des Textbuchs rezitiert \u00bbDoris\u00ab anl\u00e4\u00dfliches des Besuchs des Botschafters von Namibia und seiner Frau ein \u00bbdeutsches Gedicht\u00ab: Heiner M\u00fcllers \u00bbSeife in Bayreuth\u00ab (Szene 24a Alt: Delegation, Stand 1.3. und Szene 27 Doris am Klavier, Auschwitz-Gedicht, Stand 5.3., Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Christoph Schlingensief, Schlingensief 1313: Berliner Republik, Szenen, Ideen, Zitate, Textsammlung, 134 Bl.).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref105\" name=\"_ftn105\">[105]<\/a> \u00bb\u203aIch denke noch\u2039. Christoph Schlingensief bringt die \u203aBerliner Republik\u2039 auf die B\u00fchne. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber die R\u00fcckkehr zum Theater, Wagner in Namibia, Wurzeln, W\u00fcstengewimmel und Schr\u00f6der-Sch\u00e4den\u00ab (Interview: Eva Behrendt), in: <em>taz<\/em> vom 17. M\u00e4rz 1999.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref106\" name=\"_ftn106\">[106]<\/a> Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Schlingensief 1313.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref107\" name=\"_ftn107\">[107]<\/a> Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Volksb\u00fchne Berlin, Volksb\u00fchne 737, Die Berliner Republik, Fassung 14.3.99, S. 41 und S. 22.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref108\" name=\"_ftn108\">[108]<\/a> <em>Die Moderne im Spiegel des Primitiven<\/em>, S. 320f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref109\" name=\"_ftn109\">[109]<\/a> Diesen Aspekt der \u00bbSteigerung\u00ab von Fremdheitsph\u00e4nomenen zu \u00bbTypen\u00ab durch das Herausgreifen \u00bbscheinbar beliebiger Details [&#8230;] (eine Kopfbedeckung, die Farbe eines Tuchs, eine Geste, einen Ton in der Stimme [&#8230;])\u00ab, wodurch die so geschaffenen \u00bbTypen\u00ab \u00bbBestandteil der eigenen \u00dcberlieferung\u00ab werden, beschreibt Kramer in <em>Der rote Fes<\/em> (S. 234).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref110\" name=\"_ftn110\">[110]<\/a> Mechthild Zschau, \u00bbBunter Abend\u00ab, in: <em>Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt<\/em>, 26. M\u00e4rz 1999 (Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Volksb\u00fchne Berlin, Volksb\u00fchne 736: Inszenierungsdokumentation \u00bbDie Berliner Republik\u00ab).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref111\" name=\"_ftn111\">[111]<\/a> \u00bbJenseits der Depression\u00ab, in: <em>Junge Welt<\/em>, 21.\/21. M\u00e4rz 1999.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref112\" name=\"_ftn112\">[112]<\/a> In Christoph Schlingensiefs Pressesammlung zu Schr\u00f6der findet sich ein Aufmacher aus der Bild-Zeitung vom 1. April 1999, wo unter der \u00dcberschrift \u00bb&#8230;Sie treiben sie ins KZ\u00ab (gemeint sind die Serben) Rudolf Scharping mit dem Satz zitiert wird \u00bbEs gibt \u203aernste Hinweise\u2039 auf Konzentrationslager der Serben.\u00ab In der gleichen Mappe gibt es einen Artikel aus der <em>taz<\/em> von Christian Semler (\u00bb8. Mai: Wenn der Krieg zuende ist\u00ab, 8.\/9. Mai), der die zur Rechtfertigung der Bombenangriffe hergestellten Vergleiche zwischen dem Milosevic-Regime und dem Nationalsozialismus, den serbischen Lagern und Auschwitz kritisiert. (Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Christoph Schlingensief, Schlingensief 203: Pressesammlung Schr\u00f6der)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref113\" name=\"_ftn113\">[113]<\/a> Siehe Christoph Schlingensief, \u00bbMord auf Raten. Offener Brief an die Fraktion der Gr\u00fcnen im Deutschen Bundestag. Au\u00dfenminister Joschka Fischer und Innenminister Otto Schily zur Kenntnis, 7. Mai 1999, in: Supplement zum Programmbuch \u00bbD\u00e4monen\u00ab (Premiere am 19. Mai 1999) der Volksb\u00fchne am Rosa-Luxemburg-Platz; wieder in: Thomas Aurin, Carl Hegemann, Raban Witt, <em>1992\u20132017 \u2013 Volksb\u00fchne am Rosa-Luxemburg-Platz \u2013 Fotoalbum<\/em>, Berlin 2017, o.S. (Verfasser des Briefes war Carl Hegemann). Die Rede von N\u00e1das: \u00bbDer gro\u00dfe Chor der alten europ\u00e4ischen Heuchelei\u00ab, in: <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> vom 25. M\u00e4rz 1995, S. 29. Siehe Bernhard Sch\u00fctz\u2019 Vortrag der N\u00e1das-Rede in der Aufzeichnung vom 31. M\u00e4rz 1999, 01:20:24ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref114\" name=\"_ftn114\">[114]<\/a> Christoph Schlingensief, Interview 1999, Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Christoph Schlingensief, Schlingensief 1100. Siehe auch den Bericht von Helmut Sch\u00f6del \u00fcber den Passionsspiel-Abend vom 31. M\u00e4rz: \u00bb\u203aIch bin der Wilde.\u2039 [&#8230;] An diesem Abend macht er Wilde aus uns allen: Deutsche im Krieg.\u00ab (\u00bbChristophs Kopf. Das Ende des Fronttheaters: Schlingensief verl\u00e4\u00dft die Volksb\u00fchne\u00ab, in: <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em> vom 20. April 1999; Archiv der Akademie der K\u00fcnste, Bestand Schlingensief, Schlingensief 1195: April\u2013Mai 1999)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref115\" name=\"_ftn115\">[115]<\/a> Aufzeichnung der Auff\u00fchrung vom 31. M\u00e4rz 1999, 1:30-1:38 (stark gek\u00fcrzt).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref116\" name=\"_ftn116\">[116]<\/a> Brief von Albert Wirtz vom 26. April 1999. Privates Archiv der Verfasserin.<\/p>\n<div class=\"fancybox-hidden\" style=\"display: none;\">\n<div id=\"fancyboxID-1\" class=\"hentry\" style=\"max-width: 100%;\">\n<div id=\"attachment_7981\" style=\"width: 721px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7981\" class=\"size-medium wp-image-7981\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-711x920.jpg\" alt=\"\" width=\"711\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-711x920.jpg 711w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-1113x1440.jpg 1113w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-1187x1536.jpg 1187w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-1583x2048.jpg 1583w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1.jpg 1700w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-1-Gescannte-Dokumente-1-711x920@2x.jpg 1422w\" sizes=\"auto, (max-width: 711px) 100vw, 711px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7981\" class=\"wp-caption-text\">Gescannte Dokumente<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"fancyboxID-2\" class=\"hentry\" style=\"max-width: 100%;\">\n<div id=\"attachment_7915\" style=\"width: 930px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COM.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7915\" class=\"wp-image-7915 size-medium\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-920x675.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"675\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-920x675.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-1440x1057.jpg 1440w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-1536x1128.jpg 1536w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-2048x1504.jpg 2048w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb-2Leporello-Volksbuhne-Marz-1999-Ruckseite-abgeschnitten_COMP-920x675@2x.jpg 1840w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7915\" class=\"wp-caption-text\">Leporello Volksb\u00fchne M\u00e4rz 1999 R\u00fcckseite abgeschnitten<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"fancyboxID-3\" class=\"hentry\" style=\"max-width: 100%;\">\n<div id=\"attachment_7925\" style=\"width: 657px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7925\" class=\"size-medium wp-image-7925\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-647x920.jpg\" alt=\"\" width=\"647\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-647x920.jpg 647w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-1013x1440.jpg 1013w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-1081x1536.jpg 1081w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-1441x2048.jpg 1441w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-scaled.jpg 1801w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-3-Flyer-Lange-Nacht-des-ghanaischen-Horrofilms-bei-Seven-X-mit-Tobias-Wendl-am-12.-Marz-1999_COMP-647x920@2x.jpg 1294w\" sizes=\"auto, (max-width: 647px) 100vw, 647px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7925\" class=\"wp-caption-text\">Flyer Lange Nacht des ghanaischen Horrofilms bei Seven X mit Tobias Wendl am 12. M\u00e4rz 1999<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"fancyboxID-4\" class=\"hentry\" style=\"max-width: 100%;\">\n<div id=\"attachment_7927\" style=\"width: 679px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7927\" class=\"size-medium wp-image-7927\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-669x920.jpg\" alt=\"\" width=\"669\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-669x920.jpg 669w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-4-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Vorderseite_COMP-1046x1440.jpg 1046w, 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href=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7929\" class=\"size-medium wp-image-7929\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-669x920.jpg\" alt=\"\" width=\"669\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-669x920.jpg 669w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-1046x1440.jpg 1046w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-1116x1536.jpg 1116w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-5-Programmzettel-Berliner-Republik-1999-Ruckseite_COMP-1488x2048.jpg 1488w, 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alignnone\"><a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-9-Berliner-Republik-Programmheft-34-und-35_COMP.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7938\" class=\"size-medium wp-image-7938\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-9-Berliner-Republik-Programmheft-34-und-35_COMP-920x836.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"836\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-9-Berliner-Republik-Programmheft-34-und-35_COMP-920x836.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-9-Berliner-Republik-Programmheft-34-und-35_COMP-1440x1309.jpg 1440w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-9-Berliner-Republik-Programmheft-34-und-35_COMP-1536x1396.jpg 1536w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-9-Berliner-Republik-Programmheft-34-und-35_COMP-2048x1862.jpg 2048w, 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class=\"wp-caption-text\">Berliner Republik Programmheft 18 und 19 Rouch<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"fancyboxID-11\" class=\"hentry\" style=\"max-width: 100%;\">\n<div id=\"attachment_7942\" style=\"width: 930px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7942\" class=\"size-medium wp-image-7942\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP-920x836.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"836\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP-920x836.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Abb.-11-Berliner-Republik-Programmheft-24-und-25_COMP-1440x1309.jpg 1440w, 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