{"id":7640,"date":"2021-02-23T00:13:25","date_gmt":"2021-02-22T23:13:25","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=detours&#038;p=7640"},"modified":"2021-02-23T15:32:24","modified_gmt":"2021-02-23T14:32:24","slug":"triviales-und-quadriviales","status":"publish","type":"detours","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/detours\/triviales-und-quadriviales\/","title":{"rendered":"Triviales und Quadriviales"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7640?pdf=7640\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7640?pdf=7640\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<div id=\"attachment_7644\" style=\"width: 411px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7644\" class=\" wp-image-7644\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Erhard_Wien_2005-773x920.jpg\" alt=\"\" width=\"401\" height=\"477\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Erhard_Wien_2005-773x920.jpg 773w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Erhard_Wien_2005.jpg 860w\" sizes=\"auto, (max-width: 401px) 100vw, 401px\" \/><p id=\"caption-attachment-7644\" class=\"wp-caption-text\">Bildunterschift: Wien, 25. Mai 2005 (Foto: Marcus Hahn)<\/p><\/div>\n<p>\u201eEs gibt immer wieder Zwischenf\u00e4lle. Der Kontrast zwischen \u201ach\u2018 und \u201asch\u2018 kann in einigen Dialogen anders ausgespielt werden, etwa wenn sich ein K\u00f6lsch-Sprecher und Nicht-K\u00f6lsch-Sprecher \u00fcber die \u201aKirsche\u2018 unterhalten. F\u00fcr einen K\u00f6lsch-Sprecher oder gar einen ausw\u00e4rtigen K\u00f6lsch-H\u00f6rer ist der Kontrast zwischen \u201ach\u2018 und \u201asch\u2018 u.U. \u201aallophonisch\u2018 und \u201anicht-phonematisch\u2018. Entsprechende Wortspiele mit entsprechenden (phonemisch-allophonischen) Ambiguit\u00e4ten k\u00f6nnen hier ansetzen; und entsprechende Dialekt-Tests.\u201c<\/p>\n<p>So eine Passage auf S. 367\/68 aus der Dissertationsschrift <em>Figuren der Rede<\/em>. <em>Zur Theorie der rhetorischen Figur <\/em>(1996, abgeschlossen 1993) von Erhard Sch\u00fcttpelz. Hier eine zeitgen\u00f6ssische Probe aufs Exempel:<\/p>\n<p>Gerade gl\u00fccklich durch das 2003 f\u00fcr mich offenstehende Portal zwischen der strukturschwachen Nordeifel und der poststrukturalistisch gepr\u00e4gten Universit\u00e4t Siegen geschwebt, ging mir zum ersten Mal auf, dass ich Probleme mit der <em>latinitas<\/em> hatte, also nicht unfallfrei der deutschen Hochsprache m\u00e4chtig war. Dies manifestierte sich neben einem Nuscheln unter anderem in der teils fehlenden, teils erratischen Unterscheidung des \u201ach\u2018 und \u201asch\u2018. Zwar wurde ich dadurch linguistisch gelegentlich \u2013 und mir durchaus schmeichelhaft \u2013 f\u00e4lschlich im regionalen Metropolraum verortet, im oben erw\u00e4hnten k\u00f6lschen Einzugsgebiet, aber das Problem war real. Mein Lieblingsbeispiel, das ich auch sp\u00e4ter noch immer wieder vorgetragen habe, war die <em>Kir(s)che<\/em>. Die *Kirsche bzw. *K\u00f6rsche ist das allt\u00e4glich pr\u00e4sente Zentrum der kleinen Eifler Stra\u00dfend\u00f6rfer und hat als solche das phonetische Hoheitsrecht. Will man nun dagegen von der eigentlichen Kirsche sprechen, also der zwar einheimischen, jedoch nicht sehr weit verbreiteten und nur saisonal verf\u00fcgbaren Steinfrucht, sagt man ebenfalls *K\u00f6rsche. Au\u00dfer es handelt sich um einen Zweifelsfall, dann betont man der Eindeutigkeit wegen nicht das Gotteshaus, sondern die Steinfrucht als *Kirche mit dem Fremdlaut, was einerseits der dekorativen Finesse, andererseits aber auch der s\u00fcndigen S\u00fc\u00dfe der Frucht angemessen ist, <em>cherry on the cake<\/em> und <em>popping the cherry<\/em>, <em>a Kirsch<\/em>,<em> please<\/em>, <em>mon ch\u00e9rie<\/em>, etc. Solche Provinzialismen in der Universit\u00e4tsstadt waren peinlich, f\u00fcr mich, am\u00fcsant f\u00fcr die vielen anderen Provinzlerinnen, z.B. aus dem Westerwald, die ich beim Erstkontakt allerdings aufgrund des lokalen r-Lauts f\u00fcr geb\u00fcrtige Amerikaner hielt. Insbesondere peinlich war die Begegnung mit der Provinz jedoch f\u00fcr die \u201aDozentinnen\u2018 und \u201aDozenten\u2018 \u2013 so nannten wir sie egalit\u00e4r und meist ohne gr\u00f6\u00dferen Sinn f\u00fcr Distinktion ganz im Sinne des anti-hierarchischen Selbstverst\u00e4ndnisses der Uni mit Gesamthochschultradition. Man konnte sp\u00fcren: F\u00fcr einige von ihnen f\u00fchlte sich der Weg in die Semi-Peripherie des mittleren Westens Deutschlands und hinauf auf den Haardter Berg zur Uni Siegen kaum wie ein Bildungs-Aufstieg an, insbesondere mit dem \u00fcberf\u00fcllten Linienbus, in dem einem jeden Tag der Wilhelm-von-Humbolt-Platz (sic) angek\u00fcndigt wurde. Hinter den verschlossenen B\u00fcrot\u00fcren auf den langen G\u00e4ngen der Uni herrschte dementsprechend auch eine \u00fcberraschende Leere, offenbar sah kaum jemand der Dozierenden dort den Mittelpunkt ihrer Arbeit und gar seines Lebens, der lag meist in K\u00f6ln, Frankfurt oder sogar Berlin. Die gef\u00fchlte Erniedrigung \u00e4u\u00dferte sich im erratischen Umgang mit der seit 2002 beginnenden Welle von Bachelor-Studierenden, die in einem eigentlich als <em>studium generale<\/em> konzipierten Lehrangebot, statt den Sieben Freien K\u00fcnsten zu begegnen, immer wieder in eine <em>commedia dell\u2019arte<\/em> gerieten. Was haben wir gelacht, gejammert und gel\u00e4stert! Die De-Zentrierten verliehen dabei ihrer Frustration Ausdruck durch blasierte Langeweile, dann wieder pl\u00f6tzliche \u00dcber-Identifikation mit den Studierenden, verhohlene und offene Verachtung, Wahnwitz, Zynismus, aggressive \u00dcberreaktionen und Wutausbr\u00fcche, Raumverweise, Mitleidsgesten und &#8230; Referate, viele lange Referate, die im besten Fall f\u00fcr eine Art schl\u00e4frigen Burgfrieden in den Seminaren sorgten. Nur gab es neben dem Soziologen Trutz von Trotha zumindest in den unteren Fachbereichen keine Dozentinnen oder Dozenten mit gro\u00dfb\u00fcrgerlichem oder eben Adelshintergrund, keine echten Experten f\u00fcr Burgen und Burgfrieden. Voll Hick-Hack, Technokratie und kleinb\u00fcrgerlichem Ressentiment war die gro\u00dfe Welt der Universit\u00e4t, in der die Studierenden nur mit einer gewissen Feierwut ihren Platz fanden. Folglich war es ein erfolgreicher Karnevals-Coup, als man es schaffte, eine Zeit lang verschiedene <em>Professor-DJ-Parties<\/em> zu organisieren. So wurde es unter Studierenden eindeutig als H\u00f6hepunkt von Herr-Sch\u00fcttpelz-der-Dozent gesehen, als er zu solch einer Gelegenheit einen Partyhit, die 12-inch der K\u00f6lner Whirlpool Productions mit \u201eFrom: Disco to: Disco\u201c auflegte und wie ich jetzt verstehe, damit sagte: \u201aIch habe verstanden\u2018. <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=06-vBrp5xw4\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=06-vBrp5xw4<\/a><\/p>\n<p>Ansonsten blieb Erhard jedoch von den Siegener Studierenden weitgehend unverstanden. In der Anfangszeit seiner Professur, aus der ich nur berichten kann, wurde er von seiner Hauptklientel, den Diplom-Studierenden, gemieden. Diese waren bereits nach einem drakonischen Initiationsverfahren in \u201adie Medien\u2018 sozialisiert, wenn sie \u2013 <em>numerus clausus<\/em> hin oder her \u2013 vor dem Studium mindestens ein ganzes Jahr ihres Lebens f\u00fcr schlecht oder unbezahlte Hilfsarbeit im Film-, Zeitungs-, Werbe- oder PR-Betrieb opfern mussten, bevor sie sich \u00fcberhaupt bewerben konnten. (Das damals f\u00fcr M\u00e4nner noch obligatorische Jahr im Milit\u00e4r oder z.B. als Zivildienstleistender beim Rettungsdienst mit Arbeiten am Funkger\u00e4t, mit Navigationsger\u00e4ten und Stra\u00dfenkarten, t\u00e4gliches Formulare ausf\u00fcllen, Messungen von Blutdruck und Puls, Anamnesegespr\u00e4chen mit Abstechern in die oral history, maintenance von kleinen und gro\u00dfen technischen Infrastrukturen \u2013 h\u00e4tte nat\u00fcrlich nicht gez\u00e4hlt.) Das hatte den Leuten gro\u00dfen Respekt vor den sowieso schon prestigetr\u00e4chtigen Medieninstitutionen gelehrt und man hatte mit dieser Zugangsbedingung <em>de facto<\/em>, mit wenigen Ausnahmen, alle Leute ohne bildungsb\u00fcrgerlichen Hintergrund, alle Leute ohne Karriereziele, alle Leute die nicht nur mit Gottvertrauen ein Jahr \u00fcberspringend in die Zukunft planen konnten oder wollten, erfolgreich ausgesiebt. So waren in den Medienwissenschaften auch die institutionellen Machtpole \u2013 und deren Themen \u2013 die anziehendsten. In Siegen, einer der letzten Bastionen der deutschen Ur- und Freikirchen, hatte eine wunderbare lokale (Kirsch-)Bl\u00fcte autonom, das hei\u00dft allerdings auch ohne direkten Anschluss an den <a href=\"https:\/\/www.wp.de\/staedte\/siegerland\/blassrosa-pracht-in-siegen-bluehen-die-japanischen-kirschen-id216807359.html\">internationalen<\/a> Forschungstand, stattgefunden. Diese hatte sich in der Tat nicht nur didaktisch gehalten, sondern konnte \u2013 \u00e4hnlich wie Texanische Schulb\u00fccher in den USA \u2013 in Form von Einf\u00fchrungen in die Medienwissenschaft urspr\u00fcnglich als Siegener Pflichtlekt\u00fcren auch deutschlandweit den Standard setzten, man konnte sich nicht ganz unberechtigt als das Zentrum der deutschen Medienwissenschaft f\u00fchlen. Die Siegener Studierenden besch\u00e4ftigten sich in den Seminaren mit dem Design von Medientheorie und -praxis und verlie\u00dfen sich dabei vor allem auf die Autorit\u00e4t der Dozierenden, die Sachfragen f\u00fcr ihr Hoheitsgebiet<em> ex cathedra<\/em> entschieden. F\u00fcr die Studierenden, die nicht zu dem Diplom-Studiengang geh\u00f6rten, und sich au\u00dferhalb dieser Sph\u00e4re bewegten, war umgekehrt klar: Mit denen ist nicht gut Kirschen essen. Mir ist in dieser Zeit auch kein Versuch Erhards bekannt, dieses System zu st\u00f6ren und zum Beispiel, was ja eigentlich naheliegend gewesen w\u00e4re, eine der Einf\u00fchrungsvorlesungen zu kapern.<\/p>\n<p>Nach kurzem Z\u00f6gern angesichts der neuen Rolle als Professor war Erhards Verfahren klar: \u201aEs gibt nur eine Didaktik, v\u00f6llige \u00dcberforderung.\u2018 Dazwischen kleine Relativierungen durch frevelhafte Lehrs\u00e4tze, in deren zweifelhaften Genuss ich allerdings auch nur in der privilegierten Position als Hilfskraft kam: \u201aGegen die \u00dcberforderung an der Universit\u00e4t hilft eigentlich nur eins: Faulheit. Man muss faul sein.\u2018 Nach drei Semestern hatte er dann den Dreh raus: \u201aIch unterrichte jetzt nur noch nachmittags, dann bin ich nicht mehr so frisch und \u00fcberfordere die Leute etwas weniger.\u2018 Oder eben Dilettantismus: Zur ersten Sitzung kommt er ohne Seminarplan in den Raum und entwirft den Ablauf des kommenden Semesters in seiner nicht ganz einfach zu lesenden Handschrift an der Tafel, zun\u00e4chst nach Wochen geordnet, dann irgendwann nach Ober- und Unterpunkten strukturiert anhand von Themen und Texten, dann beginnt er umzustrukturieren. Am Ende: \u201aHat das jemand mitgeschrieben?\u2018 Dass etwas nicht stimmte, sah man sofort, wenn er den Seminar-Raum betrat: mit einer Cola! aus dem Automaten und ohne Aktentasche oder Laptop, sondern nur mit einem d\u00fcnnen blauen Spann-Hefter in der Hand; dazu ein kleines Notizbuch in der Jackett-Tasche, aus dem er auch manchmal unterrichtet und in das er sich beim Lehren!, raus aus der Tasche, rein in die Tasche, raus aus der Tasche, Einsichten aufschreibt, \u201aah, hmm, ja\u2018 \u2013 Luft durch die Z\u00e4hne, nicken \u2013 \u201arichtig, das ist wichtig\u2018; wenn er B\u00fccher dabei hat, dann in einem Eastpack! Rucksack!; sein Platz bevorzugt an einem Tisch an der T\u00fcr statt vorne am Lehrerpult; er l\u00e4uft dann den langen Weg zur Tafel, wenn er etwas aufschreiben will, immer alle Begriffe in Anf\u00fchrungszeichen, als Fluxus-Event, anfangs \u201aeinfache\u2018, dann irgendwann im Verlauf der Sitzung \u201edoppelte\u201c, auch r\u00fcckwirkend an bereits auf der Tafel stehenden einfach angef\u00fchrten Begriffen erg\u00e4nzt; selten auch \u201e\u201adreifache\u2018\u201c Anf\u00fchrung; wenn er Theorien anspricht, an der Tafel nicht Titel sondern immer Autor Jahreszahl; durch seinen Platz an der T\u00fcr ignoriert er (au\u00dfer eben der Tafel) die frontal ausgerichtete teure Medienausstattung der R\u00e4ume weitestgehend; man versicherte sich unter den Studierenden auch regelm\u00e4\u00dfig der Unstimmigkeit der Erfahrung untereinander, mit Grimassen und gefl\u00fcstertem \u201aich versteh gar nicht, was der will\u2018 \u2013 auf einer Postkarte in seinem B\u00fcro dagegen h\u00e4tte man w\u00e4hrend einer Sprechstunde die Warnung lesen k\u00f6nnen: \u201aProtect Me From What I Want\u2018. Ich hatte das gro\u00dfe Gl\u00fcck, als Nachfolger von Benjamin Beil von der bereits erfahrenen HiWi Rukiye Canl\u0131 lernen zu k\u00f6nnen und das alles mit stoischem Gleichmut zu behandeln, auch wenn er bei der Sichtung von gerade her\u00fcbergetragenen Bibliotheksb\u00e4nden vor einem sa\u00df und in wahnwitzigem Tempo bl\u00e4tternd B\u00fccher las bzw. verschlang. Dann, ca. 2008 zu Ende meiner kurzen Zeit als Hilfskraft, von Erhard doch einmal eine tempor\u00e4re Kontaktnahme mit der Macht der Siegener Didaktik: \u201aIch mache mein Medien-Buch jetzt als Einf\u00fchrung, so mit Graphiken und Bildern.\u2018<\/p>\n<p>Die einfachste Zusammenfassung dieser Beobachtungen ist sicherlich, dass der Professor in seinem Habitus in diesen Jahren schlicht Postdoc geblieben war, sich mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen (in meiner ersten Erinnerung, da kannte ich ihn noch nicht und er war wohl gerade frisch berufen, sitzt er v\u00f6llig unstandesgem\u00e4\u00df in der Mensa halb im Schneidersitz auf einem Stuhl) gegen die Verwandlung in die Rolle des Universit\u00e4tslehrers wehrte. Das ist aber eigentlich auch nur ein weiteres studentisches Missverst\u00e4ndnis. Bereits 2004, noch gar nicht Professor, hatte er bereits einen didaktischen Text geschrieben, in dem er leicht verst\u00e4ndlich und schematisch die Quintessenz seiner Doktorarbeit mit der Quintessenz seiner Habilitationsschrift verbindet: \u201eDas radebrechende Alphabet. Drei Modelle der Unterscheidung von M\u00fcndlichkeit und Schriftlichkeit\u201c. Ein echter Lehrtext, in dem die Einheit und Didaktisierbarkeit seiner Forschung angeregt und dann auch noch ausgef\u00fchrt ist: \u201arhetorischer\u2018 Sprachunterricht wird mit der \u201agrammatischen\u2018 Schreibstunde zusammengef\u00fchrt, dazu die \u201alogische\u2018 Selbstauslegung der m\u00fcndlichen Sprache. Die oben zitierte Dissertation wird weltliterarisch gewendet und verbindet sich mit dem historischen Habilitationsprojekt, das ein Jahr nach diesem Aufsatz als <em>Die Moderne im Spiegel des Primitiven<\/em> publiziert wird. Doch was ist mit der Selbstauslegung? Hier findet sich 2004 die noch zuk\u00fcnftige Hinwendung zur \u201erezenten Soziolinguistik und Konversationsanalyse\u201c der \u201eSprachtheorie, Soziologie und Ethnologie\u201c, zur \u201eFrage nach m\u00fcndlicher Kommunikation \u00fcber Kommunikation, m\u00fcndlicher \u201aMetakommunikation\u2018 (und ihrer audiovisuellen Dokumentation und schriftlichen Darstellung)\u201c (Sch\u00fcttpelz 2004: 349) bereits deutlich vorgezeichnet: untersucht werden m\u00fcssen \u201ealle Formen der \u201aKooperation\u2018 von Sprechern und H\u00f6rern\u201c (Ebd.: 365).<\/p>\n<p>So h\u00e4tte man dann auch damals schon zum Quadrivium und dem Studium von Abstraktion, Raum, Zeit und Raum-Zeit voranschreiten k\u00f6nnen, welches das h\u00f6here Studium in seinen Master-Seminaren inhaltlich bestimmte, konkret: Theorie (Strukturierung, Gliederung), Ethnologie (Symmetrisierung), Globalgeschichte (<em>longue dur\u00e9e<\/em>) und dem weltweiten, welthistorischen Vergleich (Universalismus auf Umwegen).<\/p>\n<p>F\u00fcr viele, vielleicht die meisten, war das zugegebenerma\u00dfen eine Tortur. Wenn man sich den Text zum \u201eRadebrechen\u201c aber heute nochmal durchliest, stellt sich eher die Frage: Warum hat man das damals \u2013 nicht nur die Studierenden \u2013 nicht verstehen k\u00f6nnen, und: Was fehlt hier eigentlich noch zu den Medien der Kooperation? Die *Kirsche. Es musste aus einem Sternchen * &#8230; <span style=\"color: pink;\">*<\/span> \u2013 eine Kirsch-Bl\u00fcte werden.<\/p>\n<p>Dazu nochmal der Blick zur\u00fcck, in die Dissertation \u00fcber Wortspiele:<\/p>\n<p>\u201eDer Sinn des Sternchens ist die Negation des Nicht-Wohlgeformten, sozusagen ein \u201a*\u00a0include me out\u2018. [&#8230;] Es gibt weder eine schlagendere Demonstration einer grammatischen Regel als das Zitieren eines Fehlers, noch lie\u00dfe sich eine Grammatik lehren und durchsetzen, wenn sie nicht mit der Kraft begabt w\u00fcrde, die ihr begegnenden Fehler zu negieren. Wenn sie es aber tut, dann enth\u00e4lt sie das (auch), was sie negiert: ein Paradox. Aber dieses Paradox ist alles andere als oberfl\u00e4chlich. Es ist vielmehr \u2013 wenn man mir dieses Wortspiel verzeihen will \u2013 das \u201aParadox der grammatischen Oberfl\u00e4che\u2018 [&#8230;]\u201c (Sch\u00fcttpelz 1996: 231)<\/p>\n<p>\u201e[W]enn man mir dieses Wortspiel verzeihen will\u201c \u2013 man wird in Erhards Texten nach der Doktorarbeit kaum noch vergleichbare R\u00fccksichtnahmen und Entschuldigungen finden, und sp\u00e4testens in den 00er Jahren kann man zumindest unter Kulturwissenschaftler*innen auch darauf wetten. Nicht nur, dass Wortspiele verziehen werden, sondern auch dass Wortspiele zur Grundlage von wissenschaftlichen Texten werden k\u00f6nnen. Und, das ist allerdings neu, man kann aus Wortspielen ganze Projekte entwerfen. Zum Beispiel das Teekesselchen \u201aTrancemedien und Neue Medien\u2018. Oder die Fehl\u00fcbersetzung \u201aLocating Media \u2013 Situierte Medien\u2018. Oder man verkehrt Methode und Gegenstand: \u201aMedien der Kooperation\u2018. Lassen sich im von alten Minensch\u00e4chten untergrabenen h\u00fcgeligen Siegerland Institutionen auf Intuitionen und Lehrgeb\u00e4ude auf Wortspiele bauen? Aus dem * wird eine Kirschbl\u00fcte, wird eine Stein-Frucht, wird ein Kirschkern, wird eine neue *Kirsche:<\/p>\n<p>\u201eIch aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen [<em>\u03c0\u03ad\u03c4\u03c1\u03b1<\/em>, <em>petram<\/em>, auch: Stein] werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht \u00fcberw\u00e4ltigen.\u201c (Matth\u00e4us 16:18)<\/p>\n<p>Dazu das ber\u00fchmte Zitat von James Joyce: \u201eThe Holy Roman Catholic Apostolic Church was built on a pun. It ought to be good enough for me.\u201c<\/p>\n<p>***<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[503],"class_list":["post-7640","detours","type-detours","status-publish","hentry","autor-frederic-ponten"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7640","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/detours"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7640\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7864,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7640\/revisions\/7864"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7640"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=7640"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}