{"id":7089,"date":"2021-02-23T00:27:47","date_gmt":"2021-02-22T23:27:47","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=detours&#038;p=7089"},"modified":"2021-02-23T15:34:04","modified_gmt":"2021-02-23T14:34:04","slug":"baden-baden-1982","status":"publish","type":"detours","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/detours\/baden-baden-1982\/","title":{"rendered":"Baden-Baden 1982"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7089?pdf=7089\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7089?pdf=7089\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-7092\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Scitti-Bild-1-920x738.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"738\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Scitti-Bild-1-920x738.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Scitti-Bild-1.jpg 1033w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><\/p>\n<p>Da standen wir nun und der T\u00fcrsteher lie\u00df uns nicht rein.<\/p>\n<p>Wir, das waren Ziggy XY, Markus Oehlen, S\u00fcsskind und ich. Unter dem Namen \u201eKosmonautentraum\u201c waren wir als Freie Dilettanten gemeinsam zu tempor\u00e4rem Ruhm gekommen.<\/p>\n<p>Am 4. September 1981 hatte im Berliner Tempodrom \u201eDie gro\u00dfe Untergangsshow \u2013 Festival Genialer Dilletanten\u201c <em>(sic!)<\/em> stattgefunden, auf dem u.a. \u00a0\u201eEinst\u00fcrzende Neubauten\u201c, \u201eSprung aus den Wolken\u201c sowie \u201eDie T\u00f6dliche Doris\u201c auftraten. Der \u201ePoptheoretiker\u201c Diedrich Diederichsen meinte sp\u00e4ter, es habe sich dabei eher um \u201edie zweite Generation der Fluxusbewegung als die erste Generation Dilettantismus\u201c gehandelt. Honi soit qui mal y pense.<\/p>\n<p>Im Jahr 2015 kuratierte das Goethe Institut eine Wanderausstellung unter dem Namen \u201eGeniale Dilletanten\u201c, die zuerst im belarussischen Minsk und danach \u2013 in logischer Konsequenz \u2013 in M\u00fcnchen gezeigt wurde. F\u00fcr eine die Ausstellung erg\u00e4nzende Musik-CD war eines unserer Werke ausgew\u00e4hlt worden, \u201eKosmonautentraum Nr. 12\u201c, auch bekannt unter dem Titel \u201eStolze Menschen\u201c. Als Teil der westdeutschen Subkultur der fr\u00fchen 80er wurden wir also 25 Jahre sp\u00e4ter, finanziert aus deutschen Steuermitteln, als gesamtdeutsche Kulturbotschafter auf (inter)nationale Mission geschickt. Ein Treppenwitz der deutschen Nachkriegs-Musikgeschichte.<\/p>\n<p>Wir standen also nachts vor der T\u00fcr einer Disco in Baden-Baden und der T\u00fcrsteher lie\u00df uns nicht rein. Das war irgendwann 1982. Der SWR hatte uns nach Baden-Baden zur Aufzeichnung einer Fernseh-Musiksendung eingeladen, in der wir das Werk \u201eKosmonautentraum Nr. 20\u201c, auch \u201eDeutsche Nacht\u201c genannt, vortragen sollten. Neben den \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen der damals schon uns\u00e4glichen \u201eNeuen Deutschen Welle\u201c wie z.B. Joachim Witt, der seinen \u201eGoldenen Reiter\u201c darbrachte, waren wir wohl als Vertreter des Dilettantismus ausgew\u00e4hlt worden. Die Redakteurin des SWR war der Ansicht, dass wir nach der Aufzeichnung in diese Disco gehen sollten. Eventuell war es aber auch nur die einzige Disco in Baden-Baden. Egal.<\/p>\n<p>Der T\u00fcrsteher lie\u00df uns nicht rein. Zugegeben, wir sahen nicht so aus wie das restliche Publikum. Anfang der 80er Jahre war es nicht einfach, nicht schlecht gekleidet zu sein. Breite Schulterpolster und\u00a0Karottenjeans seien beispielhaft genannt.\u00a0 Die anderen Besucher standen anscheinend auf diesen \u201eStil\u201c. Wir sahen jedenfalls anders aus. Teil unseres holistischen Dilettantismus war auch die Zusammenstellung unserer (Be)Kleidung. Wenn ich mich recht erinnere trug ich damals einen blauen Mao-Anzug, um die Waden hatte ich Gamaschen gewickelt, die aus dem Nachlass meines Gro\u00dfvaters stammten, und dazu eine sp\u00e4t-bolschewistische Pelzm\u00fctze. S\u00fcsskind trug wohl einen sehr eng anliegenden lilafarbenen Samtpullover zu einer fr\u00fch-kaledonisch anmutenden Stoffhose und dar\u00fcber einen grau-melierten Mantel mit ultrabreiten Revers im Stil der Adenauer-Zeit. Markus, der \u00c4lteste unter uns, immerhin hatte er die Mitte 20 schon \u00fcberschritten und praktizierte hauptberuflich als Junger Wilder, erfasste die Situation. Er ging zum T\u00fcrsteher, zeigte auf S\u00fcsskind und sagte: \u201e<em>Der Mantel sieht zwar echt Schei\u00dfe aus, aber der war richtig teuer!<\/em>\u201c Der T\u00fcrsteher warf einen irritierten Blick auf S\u00fcsskind und seinen Mantel, versuchte das Geh\u00f6rte in einen sinnstiftenden Kontext zu bringen und dann wurden wir von ihm reingelassen.<\/p>\n<p>Wie es drinnen war und wie es weiterging, erinnere ich nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center!important;\">\u00a0&#8211; \/ &#8211;<\/p>\n<p>Viele Jahre sp\u00e4ter schrieb mir S\u00fcsskind: \u201eDu warst gar nicht so ein schlechter Gitarrist wie ich damals immer dachte.\u201c Er hatte es in Gro\u00dfbuchstaben geschrieben! War es ein Kompliment? Er sagte, er meine es so. Damals war er ein Ironiker. Hatte er sich \u00fcber die Jahre ge\u00e4ndert? Ich habe nicht weiter nachgefragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center!important;\">&#8211; \/ &#8211;<\/p>\n<p>\u201eDie Welt will betrogen sein, gewi\u00df. <em>Sie wird aber sogar ernstlich b\u00f6se, wenn Du es nicht tust<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>(Walter Serner, Genf im August 1927)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"width: 100%; max-width: 100%;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-7101 size-large\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Scritti_Titelseite-1-1017x1440.jpg\" alt=\"\" width=\"1017\" height=\"1440\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Scritti_Titelseite-1-1017x1440.jpg 1017w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Scritti_Titelseite-1-650x920.jpg 650w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Scritti_Titelseite-1-1085x1536.jpg 1085w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Scritti_Titelseite-1-1447x2048.jpg 1447w, 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