{"id":7023,"date":"2021-02-23T00:31:55","date_gmt":"2021-02-22T23:31:55","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=detours&#038;p=7023"},"modified":"2022-03-14T18:29:19","modified_gmt":"2022-03-14T17:29:19","slug":"elemente-einer-soziologie-der-nicht-uebersetzung","status":"publish","type":"detours","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/detours\/elemente-einer-soziologie-der-nicht-uebersetzung\/","title":{"rendered":"Elemente einer Soziologie der Nicht-\u00dcbersetzung"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7023?pdf=7023\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/7023?pdf=7023\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<div id=\"attachment_7039\" style=\"width: 930px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7039\" class=\"size-medium wp-image-7039\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Christian_Meyer_Teaser_Bild2_Kopie-920x690.jpg\" alt=\"\" width=\"920\" height=\"690\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Christian_Meyer_Teaser_Bild2_Kopie-920x690.jpg 920w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Christian_Meyer_Teaser_Bild2_Kopie-1440x1080.jpg 1440w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Christian_Meyer_Teaser_Bild2_Kopie-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Christian_Meyer_Teaser_Bild2_Kopie.jpg 2048w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Christian_Meyer_Teaser_Bild2_Kopie-920x690@2x.jpg 1840w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><p id=\"caption-attachment-7039\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Christian Meyer<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"padding-left: 50%;\"><em>Erhard Sch\u00fcttpelz in Freundschaft gewidmet<br \/>\n\u2013 zum 60. Geburtstag und dar\u00fcber hinaus <\/em><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>In einigen Kreisen der Sozial- und Kulturwissenschaft ist seit geraumer Zeit der Versuch zu beobachten, alles Soziale, insbesondere historische oder sozio-technische Prozesse, radikal unter Ber\u00fccksichtigung der drei, zuerst von Callon (1986) formulierten und sp\u00e4ter von Latour (1993) elaborierten Prinzipien des <em>Agnostizismus<\/em>, der <em>generalisierten Symmetrie<\/em> und der <em>freien Assoziation <\/em>zu beschreiben. Diese drei Prinzipien halten erkenntnistheoretische Haltungen der Wissenschafts- und Techniksoziologie fest, die eine gegenstandsangemessene Beschreibung von historischen Prozessen nicht nur im techno-sozialen Zeitalter erlauben sollen:<\/p>\n<ol style=\"padding-left: 2em; padding-bottom: 1em;\">\n<li>Die Soziologin solle nicht vorab festlegen, welchen Beteiligten an den Prozessen sie eher glaubt und vertraut, welche Argumente f\u00fcr sie eine h\u00f6here Glaubw\u00fcrdigkeit oder gar G\u00fcltigkeit haben und welchen Akteuren ihre Sympathien eher gelten. Keine Perspektive wird privilegiert.<\/li>\n<li>Die Soziologin solle auch ihre Begriffe und Kategorien nicht ver\u00e4ndern, wenn sie von der Beschreibung technischer oder nat\u00fcrlicher Ph\u00e4nomene zur Beschreibung sozialer Ph\u00e4nomene \u00fcbergeht, sondern f\u00fcr all diese Ph\u00e4nomene ein einheitliches Vokabular verwenden, das sie umfassend und nachvollziehbar darstellen kann. Nur so kann gew\u00e4hrleistet werden, dass menschliche oder gar kulturspezifische Perspektiven oder Relevanzen nicht privilegiert werden.<\/li>\n<li>Die Soziologin solle allgemein von einer Vorabunterscheidung zwischen Nat\u00fcrlichem und Sozialen absehen. Eine solche Unterscheidung kann allenfalls Ergebnis, nicht aber Ausgangspunkt der Untersuchung sein. Es gilt, die Perspektiven aller Beteiligter in gleicher Weise einzubeziehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Callon selbst hat mit diesen drei Prinzipien gezeigt, dass z.B. auch Muscheln, Boote und Fischernetze aktive, akteurs-artige und durchaus bisweilen widerst\u00e4ndige Beteiligte an den von ihm beschriebenen Prozessen sind, da auch sie Interessen generieren und andere Akteure einbinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Vorfeld einer Untersuchung ist also noch nicht zu entscheiden, welche Entit\u00e4ten relevant f\u00fcr das bzw. beteiligt an dem zu untersuchende Ph\u00e4nomen sind. Stattdessen sollten zun\u00e4chst alle beteiligten Entit\u00e4ten, so unterschiedlich sie auch sind, als gleich bedeutsam im Forschungsprozess konzeptualisiert und beschrieben werden. Dies erfordert im Umkehrschluss, dass sich die Soziologin zumindest in ihren empirischen Beschreibungen aller Wertungen und Vorannahmen \u00fcber den Subjekt- oder Objektstatus, den freien Willen, die <em>agency<\/em>, Handlungs- und Entscheidungsf\u00e4higkeit oder Intentionalit\u00e4tsbegabung der an den sozialen Prozessen Beteiligten enthalten muss.<\/p>\n<p>In diesem Text m\u00f6chte ich den Versuch starten, in meiner Beschreibung dessen, was nach menschlichen Relevanzen eine \u201eHeuschreckenplage\u201c genannt werden kann, ebenfalls diesen Prinzipien zu folgen.<\/p>\n<p>Wie stellt sich die Situation von 2004, die von der internationalen Presse als Katastrophe und Strafe Gottes bezeichnet wurde, als Akteur-Netzwerk mit mehreren heterogenen Beteiligten dar? In Callons Worten: \u201eWas w\u00fcrde geschehen, wenn durch die ganze Analyse hindurch zwischen den Verhandlungen, die \u00fcber die nat\u00fcrliche und die soziale Welt gef\u00fchrt werden, die Symmetrie aufrechterhalten wird?\u201c ([1986] 2006: 141-142).<\/p>\n<p>Wie sich zeigen wird, kann der Prozess wahlweise als ein gro\u00dfes Netzwerk an handlungserm\u00f6glichenden Elementen \u2013 Aktanten \u2013 beschrieben werden, wobei dann irrelevant ist, dass einige der Aktanten auf \u201efeindliche\u201c Weise gegeneinander operieren und manches Handeln die Vernichtung anderer Aktanten impliziert, oder als mehrere kleinere Netzwerke, deren Handeln dann jeweils an den existentiellen Interessen einer dominanten Aktantengruppe ausgerichtet ist und die nur zum Teil im realen Sinn Akteur-Netzwerke sind, da sie zum Teil auch als Patiens-Netzwerke beschrieben werden m\u00fcssen, da zwar eine Problematisierung vorliegt, aber weder ein obligatorischer Passagepunkt gefunden wurde, noch irgendwer interessiert werden konnte. Im besprochenen Beispiel gelang es den beteiligten Aktanten also nicht immer durchgehend, ein Netzwerk durch die Verbindung sozialer, nat\u00fcrlicher, physischer oder wirtschaftlicher Teilchen aufzubauen und in einer feindlichen und spaltenden Welt zusammenzuhalten (Law 1987: 231). Das Umfeld gleichg\u00fcltiger und offen feindlicher nat\u00fcrlicher und sozialer Akteure war letztlich zu stark, als dass das Netzwerk so h\u00e4tte gestaltet werden k\u00f6nnen, dass es auch sie integriert und domestiziert h\u00e4tte (Law 1987: 235-237) oder \u00fcberhaupt zu einer Handlungsinitiative gef\u00fchrt h\u00e4tte. Im Falle von Laws Beispiel der portugiesischen Galeere gelang es, dass die Kanone, das Schiff, der Kapit\u00e4n, der Sch\u00fctze, das Pulver und die Kanonenkugeln einen einigerma\u00dfen stabilen Satz von verbundenen Einheiten bildeten, der eine relative Haltbarkeit erreichte, weil er die feindlichen Kr\u00e4fte, denen er begegnete, fernhalten konnte, ohne sich selbst aufzul\u00f6sen. Einige dieser feindlichen Kr\u00e4fte waren nat\u00fcrlich (die Ozeane), andere sozial (die Muslime) (Law 1987: 247).<\/p>\n<p>Im Fall der hier empirisch in den Blick genommenen W\u00fcstenheuschreckeninvasion von 2004 in Westafrika hingegen endete der Prozess mit gewaltigen Zerst\u00f6rungen. Am Ende des Prozesses wurden sowohl Gro\u00dfteile der erwarteten Hirseernte der westafrikanischen Bauern als auch die W\u00fcstenheuschreckenschw\u00e4rme vernichtet. Auch f\u00fcr Jakobsmuscheln ist die Natur sicherlich ein \u201eharter Zuchtmeister\u201c, und \u201eFische, Fischer und die Felsen, an denen sie sich befestigen\u201c, haben sicher andere Ziele als sie (Latour 1988: 167), aber das Ziel des sozio-technischen Netzwerks insgesamt war es immerhin, sie zu erhalten und zu f\u00f6rdern. Ihre F\u00fcrsprecher nutzten eine Vielzahl \u201efeindlicher\u201c Eingriffe wie z.B. die Temperatur der Wasserschichten, unerwartete Str\u00f6mungen, alle Arten von Raubtieren und Tierseuchen, um die Jakobsmuscheln zu verteidigen und zu erkl\u00e4ren, warum ihr Interesse genau darin zu bestehen scheint, \u201eineffizient\u201c sein; oder warum sich die Larven vom Projekt der Forscher l\u00f6sten und von einer Menge anderer Akteure wegtragen lie\u00dfen; und schlie\u00dflich warum letztlich einige der Jakobsmuscheln zu \u201eDissidenten\u201c wurden und diejenigen verrieten, von denen angenommen wurde, dass sie sie repr\u00e4sentierten (Callon [1986] 2006: 165). Im Gegensatz zu den W\u00fcstenheuschreckenschw\u00e4rmen hatten die Jakobsmuscheln also starke F\u00fcrsprecher, die viele der Weigerungen, sich in das Netzwerk einspannen zu lassen, gro\u00dfz\u00fcgig \u00fcbersahen und ihnen vieles durchgehen lie\u00dfen. Derart gro\u00dfz\u00fcgige F\u00fcrsprecher zu finden, gelang den W\u00fcstenheuschrecken nicht, und so wurden sie letztlich \u2013 zusammen mit der sie umgebenden Umwelt \u2013 vernichtet.<\/p>\n<p>Ich beginne meine Beschreibung mit einer zwar auf heterogene Entit\u00e4ten bezogenen, aber dennoch zun\u00e4chst moderat anthropischen Perspektive und Beschreibung, indem ich zuerst der internationalen Gemeinschaft, den nationalen Beh\u00f6rden und den Hilfsorganisationen folge. Aus Sicht der globalen und lokalen Medien handelte es sich bei der im Blick stehenden Situation von 2004 um eine Heuschreckenplage, eine Katastrophe, ein Ereignis auf der dunklen Seite der Moderne, einen R\u00fcckschlag im Fortschrittsnarrativ. Die selbstgew\u00e4hlten und selbstadressierten Repr\u00e4sentanten der globalen Humanit\u00e4t, vor allem die westlichen Diskurse in den Medien, aber ebenso Wissenschaft und Politik, sahen sich dem vom Geist der Aufkl\u00e4rung getragenen Projekt der Moderne \u2013 st\u00e4ndigem Fortschritt, der durch die Rationalisierung von Wissen und die Domestizierung der Natur erreicht wird, \u2013 verpflichtet und bewerteten die Ereignisse aus dieser Perspektive.<\/p>\n<p>Danach werde ich versuchen, den W\u00fcstenheuschrecken (<em>Schistocerca gregaria<\/em>) zu folgen und die Geschehnisse aus ihrer Sicht zu beschreiben. Dazu muss ich mich auf die Erkenntnisse der zoologischen Verhaltensforschung verlassen. Die Heuschrecken werden also unter Bezugnahme auf naturwissenschaftliche \u2013 zoologische &#8211; Erkenntnisse \u201ezum Sprechen gebracht\u201c. Wenn wir \u2013 wie Merleau-Ponty (1963: 164-165) sagt \u2013 \u201evalidly attribute to a given animal one or more \u2018senses,\u2019 an associated milieu or \u2018territory,\u2019 a working relation with its cohort (Chauvin\u2019s study of the migratory locust) and finally a symbolic life (Frisch&#8217;s study of language in bees)\u201d, dann setzt dies \u201cfrom our side a methodical <em>Einf\u00fchlung<\/em> into animal behavior, with the participation of the animal in our perceptive life and the participation of our perceptive life in animality\u201c voraus, eine Einf\u00fchlung in Wesen mit denen wir das Bewohnen und die \u201efacticity\u201c (ibid.: 161) einer erlebbaren Welt teilen. Ganz entkommen kann ich der anthropischen Perspektive in meiner Beschreibung also auch an dieser Stelle nicht (vgl. Nagel 1974; zu Merleau-Ponty\u2019s Heuschreckenbeispiel vgl. Sheets-Johnstone 2011: 270). Indem Aktanten sich bewegen, und das tun Heuschreckenschw\u00e4rme in besonders deutlichem Ausma\u00df, zeigen sie den Beobachterinnen und Beobachtern, welche Elemente ihrer Situation f\u00fcr sie wichtig sind. \u201eFollow the actors!\u201c hei\u00dft, alle Gr\u00f6\u00dfen\u201c zu ber\u00fccksichtigen, \u201edie andere Gr\u00f6\u00dfen in Aktion treten lassen\u201c, und daher letztlich pr\u00e4ziser: \u201eFolge den Mittlern!\u201c (Sch\u00fcttpelz 2013: 19)<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die globalen Humanisten und Experten sich einer auch in W\u00fcstenheuschrecken \u201eeinf\u00fchlende\u201c, symmetrische und post-anthropische Perspektiven verweigern, haben die Bauern der senegalesischen Region Kajoor die Situation trotz ihrer Gefahr f\u00fcr sie am ehesten entsprechend der Callon\u2019schen Prinzipien agnostisch, symmetrisch und frei assoziativ er\u00f6rtert und die W\u00fcstenheuschrecken als Aktanten \u2013 Akteure gar \u2013 ernst genommen. Dies zeigen ihre Gespr\u00e4che, die mein Team und ich w\u00e4hrend Feldforschungen in den Jahren 2003 bis 2007 aufgezeichnet haben und die ich im dritten Teil des Textes untersuchen werde. Da mein Datenmaterial dies erm\u00f6glicht, werde ich an dieser Stelle am entschlossensten auf Callons Devise zur\u00fcckkommen k\u00f6nnen, sich bei der Beschreibung von sozialen Prozessen, an denen Technik und Natur beteiligt sind, der Verwendung eines \u201evorbestimmten Analyserasters\u201c zu enthalten und stattdessen die Kategorien, Beschreibungen und Handlungen zu rekonstruieren, mit denen die Akteure selbst die Welt konstruieren und erkl\u00e4ren (Callon [1986] 2006: 143; vgl. Law 1987). Wir d\u00fcrfen nicht \u2013 wie Latour (1988: 167) sagt \u2013 im Voraus glauben, dass wir bereits w\u00fcssten, ob wir \u00fcber Subjekte oder Objekte, Menschen oder G\u00f6tter, Tiere, Atome oder Texte sprechen, sondern m\u00fcssen dies den von uns beobachteten Akteuren \u00fcberlassen. Genau dies werde ich an dieser Stelle tun.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>2. Die internationale Gemeinschaft, die Hilfsorganisationen und der senegalesische Staat<\/strong><\/p>\n<p>Im August 2004 begannen die Medien weltweit \u00fcber gro\u00dfe Heuschreckenschw\u00e4rme zu berichten, die gerade dabei waren, die Ernten in Westafrika zu zerst\u00f6ren. Die Medien stellten dieses Ereignis als eine typische, unvorhersehbare und unvorhergesehene Naturkatastrophe dar, vergleichbar mit einem Hurrikan oder einem Tsunami. Am 9. Juli 2004 ver\u00f6ffentlichte die franz\u00f6sische Tageszeitung <em>Le Monde<\/em> einen Artikel mit dem Titel \u201eHeuschrecken starten Angriff auf Sahel\u201c. Die englischsprachige Welt reagierte zwei Monate sp\u00e4ter: Am 2. September 2004 titelte der britische <em>Telegraph<\/em> mit der Schlagzeile \u201eWestafrika im Terror der Heuschreckenplage\u201c. Das Ereignis wurde als Vorfall charakterisiert, der vollkommen unerwartet eingetreten war und unvorbereitete, hilflose Menschen traf.<\/p>\n<p>Entsprechend dauerte es nicht lange, bis Begriffe wie \u201eKatastrophe\u201c oder \u201eDesaster\u201c fielen (\u201eCatastrophe\u201c, <em>Lib\u00e9ration<\/em>, 26. Juli 2004; \u201edas Heuschreckendesaster\u201c, <em>Le Monde<\/em>, 1. September 2004). Auch Verweise auf biblische Dimensionen und apokalyptische Ausma\u00dfe lie\u00dfen nicht lange auf sich warten. \u201ePlage\u201c und \u201eEine Sintflut von Heuschrecken \u00fcberrollt Afrika\u201c war in der franz\u00f6sischen Tageszeitung <em>Lib\u00e9ration<\/em> (26. Juli 2004) zu lesen, die <em>New York Times<\/em> titelte \u201eHeuschreckenplage bedroht Ernten in Westafrika\u201c (5. September 2004) und die britische Tageszeitung <em>The Independent<\/em> brachte die \u00dcberschrift \u201eHeuschreckenplage wirft Schatten \u00fcber Afrika\u201c (20. August 2004). Sp\u00e4ter schrieb der Publikationsdienst des UN-B\u00fcros f\u00fcr die Koordination humanit\u00e4rer Angelegenheiten \u201eDie achte Plage \u2500 Westafrikas Heuschreckeninvasion\u201c (1. Dezember 2004), w\u00e4hrend das Weltern\u00e4hrungsprogramm der Vereinten Nationen die \u00dcberschrift \u201eMali und Niger: Gen\u00fcgend Heuschrecken, um Hiob in die Knie zu zwingen\u201c fand. Als sich die Plage \u00fcber Nordafrika bis zu den L\u00e4ndern S\u00fcdeuropas sowie dem Nahen und Mittleren Osten ausweitete, wurde die globale Dimension der Krise unterstrichen. Medien in China und Indien begannen ebenfalls dar\u00fcber zu berichten.<\/p>\n<p>Die Schw\u00e4rme waren 2003 in der n\u00f6rdlichen Sahelzone entstanden, dann zun\u00e4chst nach Norden gezogen, wo sie in den Maghrebstaaten erneut auf vorteilhafte Bedingungen stie\u00dfen, da es auch hier Anfang des Jahres 2004 ebenfalls viel geregnet hatte. Dies lie\u00df die Anzahl und Gr\u00f6\u00dfe der Schw\u00e4rme geradezu explosionsartig ansteigen. Ein Schwarm in Marokko war 230 km lang und 200 Meter breit, und ihm geh\u00f6rten sch\u00e4tzungsweise 70 Milliarden Heuschrecken an. Eine solche Masse von Insekten konsumiert circa 140.000 Tonnen Pflanzen am Tag. Als die Schw\u00e4rme auf der Suche nach neuer Nahrung im Sommer 2004 wieder nach S\u00fcden in den Sahel migrierten, st\u00fcrzten sie sich dort direkt auf die gerade heranwachsenden Hirsepflanzen. Sie zerst\u00f6rten die \u00fcber drei Monate herangewachsenen, noch nicht reifen Hirsefelder innerhalb von 30 Minuten. Die \u201egelbe Pest\u201c, wie die Heuschrecken in der lokalen Presse genannt wurden, begann sogar, sich durch die Strohh\u00fctten der lokalen Bauern zu fressen. Zudem legten sie erneut Eier in den Boden, die nach einer kurzen Brutzeit von 10 Tagen schl\u00fcpften.<\/p>\n<p>Die Konzentration frisch geschl\u00fcpfter, hungriger junger Grash\u00fcpfer erreichte schnell 10.000 pro Quadratmeter. Bevor diese ausgewachsen sind, bewegen sie sich langsam wie ein sich voran schl\u00e4ngelnder Teppich von mehreren hundert Quadratmeter Fl\u00e4che vorw\u00e4rts, der auf seinem Weg alles zerst\u00f6rt. Diese am Boden marschierenden Heuschreckenscharen sind allerdings noch wesentlich einfacher zu bek\u00e4mpfen als die fliegenden Schw\u00e4rme voll entwickelter Heuschrecken, die am Tag eine Strecke von \u00fcber 150 km zur\u00fccklegen k\u00f6nnen. Die Reichweite der erwachsenen Heuschrecken ist also so gro\u00df, dass die internationale Zusammenarbeit f\u00fcr eine wirksame Bek\u00e4mpfung unerl\u00e4sslich ist. Ein Schwarm kann aus Indien stammen, aber die Ernte in Afrika verheerend sch\u00e4digen. Ausgewachsene Tiere k\u00f6nnen nur per Spr\u00fchflugzeug aus der Luft oder am fr\u00fchen Morgen vom Boden aus mit Pestiziden bek\u00e4mpft werden, bevor sie erneut losfliegen. Alternativ kann ihre Nahrung mit Gift \u201ebehandelt\u201c werden. Wenn Regionen bekannt sind, in die Eier abgelegt wurden, kann die dortige Vegetation mit Insektizid bespr\u00fcht werden, das die geschl\u00fcpften Nymphen bei ihrer ersten Mahlzeit t\u00f6tet. Die Gefahr bei allen Spr\u00fchtechniken ist allerdings, dass die verwendeten Chemikalien auch Menschen und andere Tiere vergiften, insbesondere wenn sie auf Nahrungspflanzen gespr\u00fcht werden.<\/p>\n<p>Erst als im Herbst 2004 gewaltige Notfallprogramme ins Leben gerufen und der \u201eKampf\u201c (<em>Daily Mail<\/em>, 2. September 2004) bzw. \u201eKrieg gegen die Heuschrecken\u201c (Abdoulaye Wade, damaliger Pr\u00e4sident des Senegal), angef\u00fchrt von L\u00e4ndern wie Algerien, Libyen, Marokko und Frankreich, zur internationalen Aufgabe erkl\u00e4rt wurde, begann eine intensivere Bek\u00e4mpfung der Heuschrecken aus der Luft. Diese Ma\u00dfnahmen waren letztendlich erfolgreich, und die Heuschrecken \u00fcberlebten entgegen aller Bef\u00fcrchtungen nicht bis in das Jahr 2005 hinein. Als sie Anfang des Jahres 2005 erneut Richtung Norden zogen, waren die nordafrikanischen Staaten vorbereitet und vernichteten sie, indem auch sie Pestizide aus Flugzeugen verspr\u00fchten. Zudem waren auch der Wind und die niedrige Temperatur f\u00fcr die Heuschrecken unvorteilhaft.<\/p>\n<p>Im Senegal war der Kampf gegen die Heuschrecken nur sehr langsam in Fahrt gekommen. Im August 2004 waren 300.000 Hektar Farmland von Heuschrecken befallen, jedoch war nur ein Drittel dieser Fl\u00e4che mit Insektiziden behandelt. Am Ende des Jahres waren 1.300.000 Hektar Land behandelt, von denen 700.000 befallen wurden. Der Kampf wurde zu Beginn haupts\u00e4chlich manuell gef\u00fchrt, indem Gr\u00e4ben gezogen wurden, um die Heuschrecken im Sand zu ersticken, \u00c4xten, Hacken und improvisierte Rechen verwendet wurden, um sie zu erschlagen, oder St\u00f6cke und Blechdosen eingesetzt wurden, um sie durch L\u00e4rm zu vertreiben. Das motorisierte Verspr\u00fchen von Pestiziden begann effektiv erst im sp\u00e4ten September, sogar erst sehr viel sp\u00e4ter mit Schutzausr\u00fcstung.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite waren die Folgen der verspr\u00fchten Pestizide schwerwiegend. 13 Millionen Liter Pestizide wurden insgesamt verspr\u00fcht, und mehr als 6,3 Millionen Liter waren am Ende der Kampagne noch \u00fcbrig. W\u00e4hrend zun\u00e4chst zu wenig Pestizide verf\u00fcgbar waren, war sp\u00e4ter, als Ernten und Weideland bereits durch die Heuschrecken zerst\u00f6rt waren, zu viel davon vorhanden, und die Dorfbewohner fragten sich, ob all die Insektizide, die auf die Heuschrecken verspr\u00fcht worden waren, nicht ihre Viehweiden und ihr Trinkwasser vergiftet hatten. Zudem waren Rinder und Schafe erkrankt, die Heuschrecken gefressen hatten. \u00dcbrigens werden Heuschrecken in einigen Teilen Westafrikas, etwa Burkina Faso, auch von Menschen als Nahrung genutzt \u2013 gegrillt und verspeist \u2013, was aber angesichts der riesigen Mengen in 2004 keinerlei Effekt auf deren Bestand hatte.<\/p>\n<p>Durch rund ein Dutzend Heuschreckenschw\u00e4rme pro Tag und Ortschaft, d.h. insgesamt 200 Schw\u00e4rme allein im August 2004, wurden ungef\u00e4hr 25 Prozent der Ernten und 40 Prozent der Weidefl\u00e4chen im Senegal zerst\u00f6rt. Dies bedeutete eine ernsthafte Bedrohung f\u00fcr die Ern\u00e4hrungssicherheit im Land, da starke Preisschwankungen am Markt entstanden und nicht gen\u00fcgend Weideland verf\u00fcgbar war. Das wiederum zog den Verkauf von Tieren zu sehr niedrigen Preisen nach sich, um den Lebensunterhalt der Haushalte zu sichern. In dieser Situation kam es auch zwischen Viehz\u00fcchtern (Fulbe) und Bauern (Wolof) zu ernsten Konflikten um Ressourcen. Langfristig l\u00f6ste der Prozess neue Auswanderungswellen in die urbanen Gebiete sowie nach Europa und die USA aus.<\/p>\n<p>Durch die Heuschrecken wurde die langfristige Ern\u00e4hrungssicherheit der lokalen Bev\u00f6lkerungsgruppen noch unsicherer und die Vulnerabilit\u00e4t der Haushalte, die ohnehin schon unter prek\u00e4ren Bedingungen leben, noch gr\u00f6\u00dfer, und dies in Regionen ohnehin gegebener struktureller Ern\u00e4hrungsunsicherheit. Einzig der Appell der UN zu Beginn des Jahres 2005, als die Situation in den Medien weltweit nachhaltig als schwere Naturkatastrophe dargestellt worden war, konnte Geldgeber \u00fcberzeugen und sie allerschlimmste Folgen abmildern.<\/p>\n<p>Das Bild der Katastrophe als einer unvorhersehbaren Naturkatastrophe wurde daher schon bald heftig kritisiert.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Tats\u00e4chlich hatte die Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO, dessen Vorsitzender Jacques Diouf selbst Senegalese ist, bereits im September 2003 Warnungen ver\u00f6ffentlicht und um 9 Millionen US-Dollar gebeten, um pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, nachdem im Sommer 2003 au\u00dfergew\u00f6hnlich starke Regenf\u00e4lle in der gesamten n\u00f6rdlichen Sahelzone zu einer gesteigerten Schl\u00fcpfung von bereits l\u00e4nger im Boden vorhandenen W\u00fcstenheuschreckenlarven gef\u00fchrt hatten. In der westlichen Sahara waren in einigen Gebieten Regenmengen von mehr als 100mm gemessen worden, in denen sonst nicht mehr als 1mm Regen im Jahr f\u00e4llt. Die \u00f6kologischen Bedingungen blieben \u00fcber sechs Monate lang g\u00fcnstig und erm\u00f6glichten mehrere aufeinanderfolgende Generationen von W\u00fcstenheuschrecken, was zu einer sehr schnellen Zunahme f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Der senegalesische Pr\u00e4sident Wade hatte ebenfalls gegen Ende 2003 einen Hilferuf in den franz\u00f6sischen Tageszeitungen <em>Le Figaro<\/em> und <em>Le Monde<\/em> platziert. Auf keinen dieser Aufrufe war jedoch reagiert worden, und so hat die Krise am Ende internationale Geber letztlich mehr als 400 Millionen US-Dollar gekostet, und zwar nicht nur f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der Heuschreckenschw\u00e4rme selbst, sondern auch der Hungersnot, die durch die sp\u00e4te Reaktion ausgel\u00f6st worden war. Die Ernteverluste wurden auf bis zu 2,5 Milliarden US-Dollar gesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>In den Kritiken wurde dar\u00fcber hinaus betont, dass die Krise anthropogen und nicht rein naturbedingt war. Erstens hatte offenkundig das schon in den fr\u00fchen 1960er Jahren eingerichtete Warnsystem versagt \u2013 die Warnung, dass Heuschrecken gerade kurz davor waren, sich zu Schw\u00e4rmen zu formieren, wurde zwar ausgel\u00f6st, allein es folgte keine institutionelle Reaktion auf diese Entdeckung. Zuvor hatte das Warnsystem stets gut funktioniert, so dass es einzig in den Jahren 1988\/89 zu einer Plage gekommen war, w\u00e4hrend zwischen 1940 und 1963 Heuschreckenschw\u00e4rme noch j\u00e4hrlich aufgetreten waren. Die Katastrophe im Jahr 2004 war somit kein Problem der mangelnden technisch generierten Problematisierung (Risikoerkennung) gewesen, sondern der unangemessenen weiteren Reaktion: es erfolgte weder ein schnelles Interessement, noch ein Enrolment oder eine Mobilisierung.<\/p>\n<p>Ein zweites Verh\u00e4ngnis bestand in den Strukturanpassungsma\u00dfnahmen, die der Internationale W\u00e4hrungsfond in den 1990er Jahren von ganz Westafrika verlangt hatte. Er hatte den Regierungen verboten, die Getreidepreise zu stabilisieren, da Experten der Meinung waren, dass einzig ein freier Getreidemarkt in der Lage sei, Verluste durch D\u00fcrreperioden auszugleichen. Dies f\u00fchrte nach der Heuschreckenkatastrophe 2004 dazu, dass es den reichen s\u00fcdlichen Nachbarn der betroffenen L\u00e4nder, z.B. Nigeria oder C\u00f4te d\u2019Ivoire, m\u00f6glich war, die knappen Ernten der ganzen Region aufzukaufen, als 2005 die ersten Hungersn\u00f6te ausbrachen. Selbst in Regionen, die nicht von Heuschrecken befallen waren, wurde daher das Getreide knapp, und die Menschen mussten durch NGOs unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Ein dritter menschengemachter Faktor, der zur Entstehung der Plage beitrug, besteht darin, dass Heuschrecken besonders effizient Schw\u00e4rme bilden, wenn ihre Nahrung knapp ist, so dass \u00dcberweidung und die \u00dcbernutzung der B\u00f6den generell die M\u00f6glichkeit von Heuschreckenplagen erh\u00f6hen. Sobald der Boden etwa mit D\u00fcnger behandelt wird, haben Heuschrecken dagegen weniger vorteilhafte Bedingungen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Letztlich waren also eine ganze Reihe von unterschiedlichen Faktoren und sehr heterogenen Aktantengruppen an den Ereignissen beteiligt. Neben den Heuschrecken waren dies der Regen, die Vegetation und das Vieh, die Bauern des <em>Kajoor<\/em>, die lokale und internationale Politik, die lokalen und internationalen Medien, die Hilfsorganisationen und internationalen Geldgeber und nicht zuletzt die Spr\u00fchflugzeuge, Pumpen und das Pestizid. Das empirische Beispiel weicht insofern von Callons und anderen Vorlagen an, als ein Teil der Aktanten sich untereinander fra\u00df und vernichtete oder sich gegenseitig die Lebensgrundlage zerst\u00f6rte. Insofern muss mit Blick auf das hier diskutierte empirische Beispiel der von Star und Griesemer (1989) geleisteten Kritik, dass das Callon\u2019sche Modell einzelne machtvolle Aktantengruppen zu stark betont, zun\u00e4chst zugestimmt werden.<\/p>\n<p>Der Kampf gegen die Schw\u00e4rme der W\u00fcstenheuschrecken begann noch nicht, als einzelne Gruppen (die FAO, die lokalen Bauern, die senegalesische Politik) die Heuschrecken problematisierten (<em>Problematisierung<\/em>) und \u2013 neben anderem \u2013 die Bek\u00e4mpfung durch Insektizid als L\u00f6sung ins Spiel brachten. Er begann letztlich erst eine ganze Weile sp\u00e4ter, nachdem als <em>obligatorischer Passagepunkt <\/em>die internationale Presse \u00fcber die Zerst\u00f6rungen s\u00fcdlich der Sahara berichtete, und klar wurde, dass die Schw\u00e4rme begannen, sich erneut nach Norden zu wenden. Erst jetzt finanzierten die Maghrebstaaten und einige internationale Geldgeber den Kampf gegen sie, der sie am Ende vernichtete.<\/p>\n<p>Dass ein Teil der unterschiedlichen Aktantengruppen mit ihren jeweiligen Interessen f\u00fcr diesen L\u00f6sungsweg gewonnen werden konnte (<em>Interessement<\/em>), f\u00fchrte zugleich zur Exklusion anderer Aktanten \u2013 namentlich der Heuschrecken. Hilfsorganisationen, Staaten und die internationalen Geldgeber schlossen sich zusammen, um \u2013 so wurde es zumindest dargestellt \u2013 f\u00fcr die Bauern und gegen die Heuschrecken zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Nun lief auch die Maschinerie der Hungerhilfe an, die \u00dcberproduktionen in westlichen L\u00e4ndern auf Kosten internationaler Institutionen nach Westafrika schaffte. Die sp\u00e4te Reaktion erzeugte aber neben dem Hunger noch weitere Kollateralsch\u00e4den: Tiere erkrankten, Abh\u00e4ngigkeiten wurden erneuert und verst\u00e4rkt, strukturelle Ungleichheiten zementiert und versch\u00e4rft. Besonders schwerwiegend war, dass Insektizide, gewisserma\u00dfen als sehr reales <em>Boundary Object<\/em> (Star\/Griesemer 1989), eingesetzt wurde, mit dem zwar das Problem (auf Kosten eines Teils der Aktanten) gel\u00f6st und die (menschlich-) <em>soziale<\/em> Situation stabilisiert werden konnte. Allerdings waren die Kosten hoch, da das Gift nicht nur isoliert und zielgerichtet die Heuschrecken traf, sondern insgesamt schwere Umweltsch\u00e4den produzierte und Probleme mit R\u00fcckst\u00e4nden, Resten und am Ende zu gro\u00dfen Best\u00e4nden entstanden. Der Prozess war also keineswegs so homogen, harmonisch und reibungslos und am Ende erfolgreich wie im Fall der Jakobsmuscheln aus den St. Brieuc-Bucht.<\/p>\n<p>Insgesamt konnten letztlich einige Aktantengruppen von dieser L\u00f6sung \u00fcberzeugt (<em>Enrolment<\/em>) und auch die \u00d6ffentlichkeit mobilisiert (<em>Mobilisierung<\/em>) werden. Die Heuschrecken wurden letztlich ebenfalls f\u00fcr diese L\u00f6sung <em>interessiert<\/em> und <em>enroled<\/em>, allerdings auf eine weniger semiotische als vielmehr material-manifeste Art und Weise. Dabei wurde auf Pestizid als <em>boundary object<\/em> gesetzt, das neben der Vernichtung der Heuschrecken weiteren ungerichteten Schaden anrichtete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a03. <\/strong><strong>Der Schwarm<\/strong><\/p>\n<p>Folgen wir nun den W\u00fcstenheuschrecken als unterlegener Aktantengruppe und rekonstruieren wir die Ereignisse aus ihrer Sicht. Dabei sei daran erinnert, dass Heuschrecken im europ\u00e4ischen Mittelalter und der fr\u00fchen Neuzeit als mit Intentionalit\u00e4t und Vernunft ausgestattete Wesen galten, deren b\u00f6swillige Zerst\u00f6rung von Feldern auch gerichtlich verfolgt und bestraft wurde. Dies erfolgte in Tierprozessen, in denen Heuschrecken ebenso wie auch Raupen, K\u00e4fer oder M\u00e4use sich vor Gericht (stellvertreten durch \u201eF\u00fcrsprecher\u201c) f\u00fcr ihre Missetaten zu verantworten hatten (vgl. Fischer 2005). Sch\u00e4dlingsplagen wie z.B. Heuschreckenschw\u00e4rme wurden fast immer vor kirchliche Tribunale geladen und zur Strafe exkommuniziert und verflucht (Dinzelbacher 2002: 408).<\/p>\n<p>In unserem Beispiel entstanden die Schw\u00e4rme der W\u00fcstenheuschrecke, als im Sommer 2003 au\u00dfergew\u00f6hnlich starke Regenf\u00e4lle in der ganzen n\u00f6rdlichen Sahelzone Westafrikas zu einer gesteigerten Schl\u00fcpfung von Nymphen aus Eiern, die dort bereits lange im Boden gelegen hatten, gef\u00fchrt hatten. Nymphen sind die Jugendformen der Heuschrecken, die ihnen \u2013 abgesehen von der sehr viel geringeren Gr\u00f6\u00dfe (ca. 8mm) und den fehlenden Fl\u00fcgeln \u2013 \u00e4u\u00dferlich bereits sehr \u00e4hnlich sind. Durch mehrere Wachstumsphasen und H\u00e4utungen, bei der die Nymphe jeweils mehr erwachsene Merkmale ausbildet, entsteht schlie\u00dflich eine voll ausgebildete, ca. 8cm lange erwachsene Heuschrecke.<\/p>\n<p>Die W\u00fcstenheuschrecke ist normalerweise ein eher tr\u00e4ger Einzelg\u00e4nger, der einsam umherh\u00fcpft, jeden Kontakt zu anderen Heuschrecken vermeidet und nicht in der Lage ist, zu fliegen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Wenn jedoch die Populationsdichte \u2013 sei es nach der Schl\u00fcpfung oder bei einer zur Agglomeration erwachsener Tiere f\u00fchrenden Nahrungsknappheit \u2013 mehr als 50 Tiere pro Quadratmeter \u00fcberschreitet, dann wird eine dramatischen \u00c4nderung der Morphologie und des Verhaltens in Gang gesetzt.<\/p>\n<p>Morphologisch wandelt sich die W\u00fcstenheuschrecke vom gr\u00fcnen, umherh\u00fcpfenden in einen gelb-schwarzen, fliegenden Typus. In Bezug auf das Verhalten wandelt sie sich vom ungeselligen Einzelg\u00e4nger zum hochgeselligen, sogenannten greg\u00e4ren Schwarmwesen. W\u00fcstenheuschrecken existieren also bei identischer Genausstattung in zwei klar unterscheidbaren Formen (Wang und Kang 2014). Der wichtigste Mechanismus hinter der Transformation von der einen zur anderen Variante ist der taktile Reiz, der durch Kontakt und Kollisionen mit Artgenossen erzeugt wird (Simpson et al. 1999). Die Stimulation durch diese taktilen Reize l\u00f6st eine Kaskade physiologischer und hormoneller Ver\u00e4nderungen innerhalb der Heuschrecke aus, insbesondere einer stark angekurbelten Serotoninproduktion (Anstey et al. 2009). Innerhalb weniger Stunden nimmt das Tier nun eine aposematische (Warn-) F\u00e4rbung in Gelb und Schwarz an, was bei Fressfeinden auf eine Ern\u00e4hrung mit toxischen Pflanzen hinweist (Sword et al. 2000). Au\u00dferdem wachsen ihm Fl\u00fcgel, es wird aktiver und sozial, bis es schlie\u00dflich damit beginnt, sich zu koordinieren und Schw\u00e4rme zu bilden. Greg\u00e4re W\u00fcstenheuschrecken haben im Vergleich zur Solit\u00e4rphase zudem wesentlich gr\u00f6\u00dfere Gehirne mit ver\u00e4nderten Proportionen (Ott\/Rogers 2010). Die ver\u00e4nderten, greg\u00e4ren Heuschrecken suchen nun aktiv weiteren K\u00f6rperkontakt zu ihren Artgenossen, statt diese zu meiden, was wiederum deren Serotoninproduktion anheizt und sie zu Schwarmtieren werden l\u00e4sst. Wir haben es also mit einem R\u00fcckkopplungseffekt zu tun, der zu exponentiellem Wachstum f\u00fchrt. Wenn die Schwarmreize verschwinden, verwandeln sich die Tiere wieder zur\u00fcck, was jedoch sehr viel l\u00e4nger dauert. Isolierte Individuen werden wieder zu unauff\u00e4lligen, harmlosen Heuschrecken.<\/p>\n<p>In der greg\u00e4ren Phase bilden W\u00fcstenheuschrecken extrem gro\u00dfe Gruppen. Bereits Scharen noch flugunf\u00e4higer jugendlicher Heuschrecken k\u00f6nnen Milliarden von Individuen umfassen (Uvarov 1977). Ein ber\u00fcchtigter fliegender Schwarm nahm 1875 in Nordamerika sch\u00e4tzungsweise eine halbe Million Quadratkilometer Fl\u00e4che ein und umfasste mehrere Billionen Heuschrecken (Piper 2007).<\/p>\n<p>Die Form der marschierenden Scharen variiert, aber bei der W\u00fcstenheuschrecke sind besonders frontalstrukturelle Formen verbreitet, bei denen die Schar ein dichtes, schmales Band bildet, das mehrere Kilometer breit sein kann und sich fressend vorw\u00e4rts bewegt (Buhl et al. 2011, 2012). Trotz ihrer enormen Gr\u00f6\u00dfe und Mitgliederzahl werden diese Bodenschw\u00e4rme durch einfache lokale Interaktionen zwischen den Individuen in einem relativ kleinen Wirkungsbereich von maximal 13,5 cm Durchmesser gesteuert \u2013 bei einer K\u00f6rperl\u00e4nge der Tiere von unter 1 bis 6 cm (Buhl et al. 2011). Nach der letzten H\u00e4utung starten die erwachsenen Heuschrecken nach einigen Tagen kurzer Testfl\u00fcge ausgedehnte Wanderungsfl\u00fcgen. Die kollektiven Muster der fliegenden Schw\u00e4rme stehen in Abh\u00e4ngigkeit von der Dichte der Insekten (Buhl et al. 2006). Bei mittlerer Dichte zeigen die Insekten kollektive Bewegungen mit periodischen, selbstorganisierten Richtungswechseln. Bei gro\u00dfer Dichte verschwindet die Tendenz, die Richtung zu wechseln, und die Heuschrecken rei\u00dfen einander in eine einheitliche Richtung mit, die meist auch von der bestehenden Windrichtung unterst\u00fctzt wird. Der einfache Mechanismus f\u00fcr diesen Dichteeffekt besteht darin, dass mit zunehmender Dichte die H\u00e4ufigkeit von Interaktionen und Kollisionen zunimmt, was die \u00dcbertragung von Informationen und die \u00dcbernahme ausgerichteter Trajektorien beg\u00fcnstigt (Mann et al. 2013). Heuschrecken sind propriozeptiv empfindsam gegen\u00fcber den situierten Eigenschaften der Luft und des Windes. Ihr Gesicht ist mit Haaren bedeckt, die stark auf Windrichtungen reagieren. Die optimale ihren Flug unterst\u00fctzende Windrichtung wird durch den Kr\u00fcmmungswinkel des Haarschafts bestimmt. Die Empfindlichkeit gegen\u00fcber Verschiebungen der Gesichtshaare erleichtert auch die Kontrolle des Auftriebs w\u00e4hrend des Fluges und gibt Auskunft \u00fcber die Orientierung (Sheets-Johnstone 2011: 55; Laverack 1976: 5-6).<\/p>\n<p>In der Massenmigration von W\u00fcstenheuschrecken spielt bei der Vorw\u00e4rtsbewegung au\u00dferdem Kannibalismus eine wichtige Rolle (Bazazi et al. 2008; Bazazi et al. 2010; Simpson et al. 2006). Individuen, die zur\u00fcckbleiben, werden von anderen Gruppenmitgliedern angegriffen. Dies f\u00fchrte dazu, dass die kollektive Bewegung des Schwarms von einem Flucht- und Verfolgungsszenario angetrieben wird, bei dem jeder Einzelne versucht, nicht von hinten angegriffen zu werden, w\u00e4hrend er sich gleichzeitig auf die Verfolgung der Vorderen begibt. Die kollektive Bewegung des Schwarms speist sich intern also aus den Versuchen der Individuen, ihren Artgenossen zu entkommen, die sich von hinten n\u00e4hern, und ihrerseits Artgenossen vor sich zu verfolgen, analog zu Absto\u00dfung und Anziehung (Romanczuk et al. 2009). Auch wenn lange geglaubt wurde, dass Schw\u00e4rme eine Form von kooperativem Verhalten sind, ist es im Fall der W\u00fcstenheuschrecke eher das Gegenteil, was die Heuschrecken antreibt: Der gr\u00f6\u00dfte Feind einer Heuschrecke ist die Artgenossin. Ein Heuschreckenschwarm ist also eher eine gro\u00dfe Flucht, bei der die hinteren die vorderen jagen. Die Angst, gefressen zu werden, l\u00e4sst die Tiere alle in die gleiche Richtung fliegen. Dieses kontextabh\u00e4ngige Sozialverhalten tr\u00e4gt dazu bei, dass W\u00fcstenheuschrecken aus ern\u00e4hrungsarmen Gebieten heraus navigieren. Insekten, die normalerweise pflanzenfressend sind, wenden sich schneller dem Kannibalismus zu, wenn die lokale Vegetation stark ersch\u00f6pft ist, was wiederum Schwarmbewegungen beschleunigt. Dieser kollektive Effekt f\u00fchrt letztlich dazu, dass Heuschreckenpopulationen karge Gebiete schneller verlassen und so ein weiterer Fitnessvorteil f\u00fcr Kannibalismus erzielt wird. Man kann also in einem gewissen Sinne von einem schwarminternes kollektives Terrorregime sprechen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen, hunderte von Kilometern langen und aus Dutzenden Milliarden Individuen bestehenden Schw\u00e4rme bewegen sich also unter gro\u00dfem internen Stress, bis sie auf ausreichende Nahrungsquellen treffen, die sie nach ihrem Flug, der bis zu 150 km weit gehen kann, zu tausenden Tonnen am Tag verzehren. Auf ihrem Weg begegnen die Insekten st\u00e4ndig Artgenossen und verwandeln auch sie in Schwarmtiere. Ein Schwarm ist also buchst\u00e4blich ansteckend. Solange die Insekten genug zu essen finden, bleiben sie in Bewegung, fliegen in neue Gebiete, wo sie sich ern\u00e4hren, paaren und weiter vermehren. Wenn die Temperatur nachts sinkt, klettern sie auf B\u00fcsche und Pflanzenst\u00e4ngel und bleiben unbeweglich. Die Weibchen legen w\u00e4hrend ihrer Reise immer wieder Eier, so dass sie innerhalb weniger Wochen die Grundlage f\u00fcr folgende Schw\u00e4rme hinterlassen. Die Insekten legen ihre Eier gern in feuchter Erde ab, da die darauf wachsenden Pflanzen Futter liefern. Die Nymphen schl\u00fcpfen nach je nach Temperatur nach 10 bis 20 Tagen. Etwa zehn Tagen nach dem Schl\u00fcpfen k\u00f6nnen sie fliegen. Wenn es regnet, erreichen alle Individuen des Schwarms die Geschlechtsreife und das Erwachsenenstadium also gleichzeitig, was die Schwarmbildung weiter bef\u00f6rdert. Ist ausreichend Nahrung in der Umgebung vorhanden und sind die Nymphen dementsprechend nicht gezwungen, sich zusammenzudr\u00e4ngen, wenn sie aus den Eiern schl\u00fcpfen, leben die Heuschrecken ihr Leben getrennt als gr\u00fcne, ungesellige Heuschrecken. Bleiben die Nymphen jedoch zusammengedr\u00e4ngt, entsteht die gesellige Form. Da sie sich innerhalb weniger Stunden von Einzelg\u00e4ngern zu Schw\u00e4rmen entwickeln, es in der entgegengesetzten Richtung aber viel l\u00e4nger dauert, sind Schw\u00e4rme sehr lange stabil.<\/p>\n<p>Im Sommer 2004 sahen sich die Heuschrecken zun\u00e4chst mit manuellen Attacken der Bauern konfrontiert: Sie wurden in Gr\u00e4ben im Sand erstickt, mit \u00c4xten, Hacken und improvisierten Rechen erschlagen oder mit dem L\u00e4rm von St\u00f6cken und Blechdosen vertrieben. Auf Pestizide trafen sie erst ab August 2004. Ende 2004 waren die ganzen B\u00f6den, auf denen sie landeten, vergiftet, und die Schw\u00e4rme starben ab.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst haben die W\u00fcstenheuschrecken also ein eigenes Aktanten-Netzwerk produziert, das neben ihnen selbst den Regen, den Wind, eine passende Temperatur und ausreichend pflanzliche Nahrung umfasste (vgl. zum Wind als Aktant auch Law 1987). Zentral f\u00fcr die Entstehung und Stabilisierung ihres Netzwerks war als obligatorischer Passagepunkt die k\u00f6rperliche N\u00e4he der frisch geschl\u00fcpften Nymphen nach dem Regen bei passender Temperatur, die zur morphologischen Transformation der Individuen f\u00fchrte und die zur Netzwerkbildung notwendige Sozialit\u00e4t der Artgenossen erzeugte (und sei es eine kannibalische Sozialit\u00e4t). Die Schwarmbildung und Migration diente als L\u00f6sung des Problems zu gro\u00dfer Populationsdichte im Verh\u00e4ltnis zur vorhandenen Nahrung. Zur weiteren Stabilisierung des Netzwerks trug das Auffinden von immer wieder neuen Nahrungsquellen bei. Nennenswerte <em>immutable mobiles<\/em> in diesem Prozess waren \u2013 neben der Windrichtung \u2013 vor allem die kannibalischen Artgenossen, die den Schwarm antrieben und so zu neuen Nahrungsquellen f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Das<em> Interessement <\/em>der anderen W\u00fcstenheuschreckenindividuen erfolgte \u00fcber das direkte Ausl\u00f6sen hormoneller Prozesse in deren K\u00f6rpern mittels K\u00f6rperkontaktes (\u201eAnsteckung\u201c) sowie \u2013 im Schwarm \u2013 \u00fcber kannibalisch-k\u00f6rperliche Attacken. K\u00f6rperkontakt ist also der obligatorische Passagepunkt der Heuschrecken. Die anderen Aktanten des Netzwerks wurden \u00e4hnlich repressiv und autorit\u00e4r in das Netzwerk integriert: die Pflanzen wurden gefressen, und auch die Bauern des <em>Kajoor<\/em> wurde in gewisser Weise gegen ihren Willen in das Netzwerk inkludiert, indem ihre Lebensgrundlage besch\u00e4digt wurden. Es war dieser Schaden, der wiederum die Bauern <em>interessiert<\/em> und zur Bildung eines Gegennetzwerks motiviert hat. Auch die Festlegung der jeweiligen Rolle der einzelnen Aktanten (-gruppen) im Netzwerk erfolgte entweder \u00fcber kausal-k\u00f6rperliche Prozesse (Stimulation von Hormonaussch\u00fcttung, Bedrohung durch Kannibalismus im Fall der Ko-Partizipanten im Schwarm) oder \u00fcber ihre Definition und Nutzung (bzw. \u00dcbersetzung) als vertilgbare Nahrung.<\/p>\n<p>Den Heuschrecken gelang es letztlich auch, eine breitere \u00d6ffentlichkeit zu <em>mobilisieren<\/em>, allerdings in einer Form, die zu ihrer Verurteilung als Plage bzw. Katastrophe und ihrer Vernichtung f\u00fchrte. Der Grund daf\u00fcr d\u00fcrfte darin liegen, dass es ihnen zwar gelang, die Beitr\u00e4ge einiger beteiligter Aktanten im Netzwerk in Handlungsmacht zu \u00fcbersetzen \u2013 etwa die Feuchtigkeit des Regens in den Schl\u00fcpfprozess, die Temperatur, den Wind und die Nahrung in Aktivit\u00e4ts- und Bewegungsenergie, weitere Betroffene oder \u00d6ffentlichkeiten sich aber einer derartig einseitigen Netzwerk-Integration und \u00dcbersetzung verweigerten. So wurden sie schlie\u00dflich mit dem <em>boundary object<\/em> \u201eInsektizid\u201c konfrontiert, das ihrem Aktanten-Netzwerk ein Ende setzte.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>4. Die Bauern des <em>Kajoor<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Kajoor ist eine der Regionen des nordwestlichen Senegals, die von den Wolof bewohnt werden. Den eigenen Lebensunterhalt bestreiten die Wolofbauern mit dem Anbau von Hirse, Sorghum und Bohnen, was sie vulnerabel f\u00fcr Insektenplagen macht, die die Vegetation besch\u00e4digen. Au\u00dferdem bauen die Wolof Erdn\u00fcsse f\u00fcr den Verkauf an, z\u00fcchten Kleinvieh, f\u00fchren Kleingewerbe und erhalten \u00dcberweisungen von verwandten Arbeitsmigranten aus dem Ausland.<\/p>\n<p>Die Gespr\u00e4che, die hier untersucht werden, wurden w\u00e4hrend einer zweij\u00e4hrigen Feldforschung von 2004 bis 2006 aufgezeichnet. Es handelt sich um Gespr\u00e4che auf dem Dorfplatz (Meyer 2018), die technisch aufgezeichnet und anschlie\u00dfend transkribiert wurden. Ich habe zwei Gespr\u00e4che ausgesucht, die neun Monate nach der Zerst\u00f6rung ihrer Felder durch die Schw\u00e4rme gef\u00fchrt wurden (am 20. Juni und am 28. Juni 2005). Kurz zuvor hatte die Regenzeit begonnen und die Dorfbewohner waren gerade dabei zu entscheiden, ob und wann sie mit der Aussaat beginnen sollten und ob die Gefahr besteht, dass erneut W\u00fcstenheuschreckenschw\u00e4rme in ihre Gegend kommen und die Ernte wieder zerst\u00f6ren. Die Bauern hatten in der Umgebung Heuschrecken beobachtet, aber ob sie so zahlreich werden w\u00fcrden, dass es zu Schwarmbildungen kommen w\u00fcrde, war noch unklar. Ein drittes Gespr\u00e4ch fand fast 2 Jahre nach dem Ereignis ungef\u00e4hr um die gleiche Jahreszeit (am 4. Juli 2006) statt. Hier lassen die Bauern die Erlebnisse von 2004 noch einmal Revue passieren.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>In einem Teil der Gespr\u00e4che kann man nachvollziehen, wie die lokale d\u00f6rfliche Bauerngemeinschaft zun\u00e4chst vor der Herausforderung steht, festzustellen, ob ein Problem wie 2004 vorliegt. Es geht also um <em>Problematisierung<\/em> und die Ungewissheit, ob eine solche \u00fcberhaupt n\u00f6tig und zweckm\u00e4\u00dfig ist. Wie bewerten die Wolofbauern entsprechende Informationen, wie nehmen sie epistemische Haltungen ein?<\/p>\n<p>Die Wolof \u2500 in einer Art Wissensverteilung (<em>distributed cognition<\/em>) \u2500 beobachten sehr genau ihre Umgebung auf der Suche nach Information \u00fcber Risiken, die sie anschlie\u00dfend mit den anderen Dorfbewohnern diskutieren. Der Dorfplatz ist der Ort, an dem dieses Wissen zusammengef\u00fchrt wird und Entscheidungen dar\u00fcber gef\u00e4llt werden, ob es sich bei der gegenw\u00e4rtigen Situation um eine ernsthafte handeln k\u00f6nnte, so dass eventuell staatliche Stellen mobilisiert werden m\u00fcssen, oder nicht.<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn der Unterhaltung vom 20. Juni 2005 beginnt eine Debatte dar\u00fcber, ob ausges\u00e4t werden soll oder nicht, und welches Risiko damit verbunden ist, da im Jahr zuvor Heuschrecken da gewesen waren und m\u00f6glicherweise Eier gelegt hatten. Laay sagt, dass zu viel Angst vor den Heuschrecken und Unentschlossenheit nur zur Handlungsunf\u00e4higkeit f\u00fchren w\u00fcrden. Saatgut und Arbeitseinsatz sind <em>immutable mobiles<\/em>, die zum einen Handlungsverpflichtungen in der Zukunft f\u00fcr eine Reihe von Aktanten implizieren: der Regen muss fallen, die Heuschrecke muss ausbleiben, weitere Arbeitskraft muss investiert werden. Zum anderen stellen die geleistete Arbeitskraft und vor allem das eingesetzte Saatgut eine Investition dar, die verloren gehen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">001<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Yibba J\u00f3ob hat gesagt, dass er heute beinahe ausges\u00e4t h\u00e4tte. Doch dann sagte er, dass er seinen Sack wieder zugebunden hat. Er sagte: \u201eAch! So wie diese Burschen auf den B\u00e4umen sitzen und bet\u00f6rend mit den Augen rollen, werden unsere Pflanzen dann wirklich wachsen?\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">002<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Na ja, was ich wei\u00df, ist, dass jeder auss\u00e4en muss, auch wenn er noch nicht wei\u00df, was Gott tun wird.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">005<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Kein Feldbesitzer kann das jemals wissen. (lacht)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">006<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Aber wenn du nicht auss\u00e4st, weil du denkst, dass sie sich herumtreiben, wenn du heute nicht auss\u00e4st, wirst du niemals auss\u00e4en, weil sie weiter hierbleiben und sich herumtreiben werden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">007<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Yibba J\u00f3ob hat gesagt: \u201eDiese Burschen sitzen auf den B\u00e4umen und rollen bet\u00f6rend die Augen, w\u00e4hrend sie sich paaren.\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">008<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Wenn Gott sie nur von hier vertreiben w\u00fcrde und sie verschwinden w\u00fcrden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie man sieht, werden einzelne Themen h\u00e4ufig mit einem Verweis auf das, was andere gesagt oder getan haben, er\u00f6ffnet, was die enge Verkn\u00fcpfung der menschlichen Aktanten im Netzwerk der Bauern des Kajoor auch im Bereich des Wissens verdeutlicht.<\/p>\n<p>Majaw etwa bezieht sich auf einen Freund (Yibba), der die Aussaat gestoppt hatte, als er sah, dass wieder Heuschrecken da waren. Er zitiert mit einem offensichtlich ironischen und durchaus heiteren Unterton zweimal Yibba J\u00f3obs Formulierung, dass die \u201eBurschen &#8230;. bet\u00f6rend mit den Augen rollen\u201c (<em>gaa yi &#8230; regeju<\/em>). Der Ausdruck <em>regeju <\/em>verweist auf das Sch\u00f6nheitsideal, demonstrativ die wei\u00dfe Sklera des Auges zu pr\u00e4sentieren, was z.B. junge Wolof-Frauen in verf\u00fchrerischer Absicht praktizieren. Jedoch spielt es auch auf die Kastendifferenzierung in der Wolof-Gesellschaft an, nach der die untere Kaste der <em>Griots<\/em> (Barden) im Gegensatz zu der Kaste der Freien autonomer sind, Gef\u00fchle und Lebhaftigkeit zu demonstrieren (vgl. Irvine 1990). Das bet\u00f6rende Rollen der Augen ist eine ihrer typischen Aktivit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Heuschrecken sind also in den Augen Majaws niedrigkastig, was eine gr\u00f6\u00dfere N\u00e4he zur Natur und Emotionalit\u00e4t und eine geringere Selbstkontrolle impliziert. Laay unterst\u00fctzt diese Sichtweise in Zeile 006 mit dem Ausdruck \u201esich herumtreiben\u201c (<em>wend\u00e9elu<\/em>), der h\u00e4ufig f\u00fcr die Kaste der Holzf\u00e4ller (<em>lawb\u00e9<\/em>) (urspr\u00fcnglich Fulbe) verwendet wird (vgl. Meyer 2008), die in der Hierarchie ebenfalls unter der Kaste der Freien angesiedelt ist, zu der die Gespr\u00e4chspartner geh\u00f6ren. Gleichzeitig verweist Majaw mit seiner Anspielung nat\u00fcrlich vor allem auf das sexuelle Interesse, insbesondere die enorme Fortpflanzungsf\u00e4higkeit, der Heuschrecken, die tats\u00e4chlich die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr die Bauern darstellt.<\/p>\n<p>Im Folgenden reden die Anwesenden dar\u00fcber, ob die Heuschrecken sich paaren und so und neue Gefahren bei weiterem Regen produzieren oder nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">010<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">H\u00f6rst Du? Sie sagten, dass sie sich noch nicht gepaart haben. Sie haben sich noch nicht gepaart. Sie haben sich noch nicht einmal auf dem Boden niedergelassen, um sich zu paaren.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">011<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"520\">Lassen sie sich erst einmal nieder, wird es b\u00f6se.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">012<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">Solange sie hier sind, werden die Menschen nicht zur Ruhe kommen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">013<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Aber zwei Personen haben das gesagt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">014<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">Was?<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">015<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Zwei Personen haben das gesagt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">016<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">Nein, es gibt niemanden, der die Paarung gesehen hat. Es hat noch keine Paarung stattgefunden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">017<\/td>\n<td width=\"66\">Yoro<\/td>\n<td width=\"520\">Vater Jajji. Ich selbst habe zwei von ihnen bei der Paarung gesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">018<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">Okay, dann lag ich falsch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend sprechen sie dar\u00fcber, ob die Heuschrecken schon Eier legen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 3<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">019<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"503\">Ich habe sie auf meinem Feld gesehen, als sie sich gerade auf dem Boden niederlie\u00dfen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">020<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Okay, auf dem Boden niederlie\u00dfen, okay.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">021<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"503\">Ich habe nicht gesehen, dass sie sich paaren, nur dass sie sich niedergelassen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">022<\/td>\n<td width=\"66\">Yoro<\/td>\n<td width=\"503\">Ich habe sie diesen Morgen auf meinem Feld auf dem Boden gefunden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">023<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"503\">Wenn sie sich niederlassen, ist es schlimmer.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">024<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"503\">Ich habe auch einige von ihnen auf dem Boden gesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">025<\/td>\n<td width=\"66\">Yoro<\/td>\n<td width=\"503\">Ich habe sie verscheucht und alle, au\u00dfer zweien machten frrrum. Ich fing die beiden und trennte sie voneinander. Als ich sie wieder loslie\u00df, konnten sie nicht mehr fliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">026<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Wenn sie sich paaren, sterben sie.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">027<\/td>\n<td width=\"66\">Modu<\/td>\n<td width=\"503\">Wenn sie sich paart, kann sie nicht mehr fliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">028<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Aber sie stirbt, wenn sie Eier legt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">029<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">Ja, wenn sie Eier legt, dann stirbt sie.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">030<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"503\">Wenn sie Eier legt, stirbt sie, aber sie legt haufenweise Eier.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">031<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">So viel ist sicher, wenn sie nur Eier legt, stirbt sie.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">032<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"503\">Ich habe sie wirklich auf der Erde sitzen sehen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">033<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Yibba J\u00f3ob hat auch gesagt, dass es Leute gibt, die gesagt haben, dass sie es gesehen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">034<\/td>\n<td width=\"66\">Modu<\/td>\n<td width=\"503\">(lacht ungl\u00e4ubig) Sie paart sich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">035<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">Wenn sie Eier legt, dann stirbt sie.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">036<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Er hat gesagt, dass sie sie bei der Paarung gesehen haben, aber Yibba hat es nicht selbst gesehen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">037<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">Und die Eier, wenn es regnet &#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">038<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Aber er sagte, dass er es nicht gesehen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">039<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"503\">Aber wenn sie sich auf feuchter Erde befinden, paaren sie sich. Wenn sie sich auf feuchter Erde befinden, paaren sie sich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">040<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Auf bestellten Boden paaren sie sich sogar noch schneller. Du meine G\u00fcte, diese Maschinen paaren sich darauf besonders gerne. Das ist wirklich eine Teufelsbrut.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie suchen also fortw\u00e4hrend Wissen in ihrer Umgebung, das sie dann st\u00e4ndig untereinander abgleichen. So ist es einfacher f\u00fcr sie, das Risiko der Investition in Saatgut und dessen Aussaat einzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Wie ambivalent der Regen als Aktant bzw. <em>immutable mobile<\/em> ist, zeigt das folgende Gespr\u00e4ch: Er ist notwendig f\u00fcr das Wachstum der Hirse und der anderen Pflanzen, kann aber zugleich auch im Boden liegende Heuschreckeneier zum Schl\u00fcpfen bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table width=\"633\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">039<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Aber wenn sie sich auf feuchter Erde befinden, dann paaren sie sich. Wenn sie sich auf feuchter Erde befinden, dann paaren sie sich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">040<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Auf bestelltem Boden paaren sie sich sogar noch schneller. Du meine G\u00fcte, diese Maschinen paaren sich darauf besonders gern. Das ist wirklich eine Teufelsbrut.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">041<\/td>\n<td width=\"66\">Ngaan<\/td>\n<td width=\"520\">Sie bevorzugen feuchten Boden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">042<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"520\">Das ist, was sie m\u00f6gen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">043<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"520\">Auf feuchtem Boden, wenn sie sich gepaart haben und wenn es regnet- wenn es regnet-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">044<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Dann schl\u00fcpfen die Burschen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">045<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"520\">Schl\u00fcpfen sie.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">046<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Wei\u00dft du, m\u00f6ge Gott uns vergeben, aber selbst die Raupen, selbst die Raupen haben ihre Grenzen. Aber diese Besitzer, diese Besitzer von Fl\u00fcgeln-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">048<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">Nein, wei\u00dft du, selbst Raupen sind besser als das hier. Raupen sind sicher besser als alles, was fliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Zeile 040 vergleicht Majaw die Heuschrecken mit Maschinen, womit er auf die Apparaturen verweist, welche die Wolof zum Auss\u00e4en verwenden. Diese bestehen aus einem Gestell, in dessen Mitte ein Rad mit hohlen Spitzen l\u00e4uft, die aus einem oben befestigten Beh\u00e4lter ein Samenkorn nach dem anderen tief in die Erde dr\u00fccken. Auch diese Metapher betont die Reproduktionsf\u00e4higkeit, Geschwindigkeit und Unaufhaltsamkeit der Heuschrecken, die erbarmungslos ihre Eier massenhaft in den Boden legen. In derselben Zeile verflucht er sie als \u201eTeufelsbrut\u201c (<em>doomi raam<\/em>). \u00c4hnliche Verfluchungen, aber auch rituelle und magische Praktiken der Bannung spezifisch von Heuschrecken wurden auch z.B. von den Kabylen (Bourdieu 1987: 367), den Nuer (Evans-Pritchard 1940: 78) und den Tallensi (Fortes 1987: 35-36) beschrieben. Bei den Tallensi sind zudem spezielle Ahnengruppen f\u00fcr die Abwehr von Heuschrecken zust\u00e4ndig (ibid.: 44).<\/p>\n<p>In Zeile 047 beschreibt Majaw die Heuschrecken metonymisch als \u201eBesitzer von Fl\u00fcgeln\u201c (<em>boroom naaw yii<\/em>), was auf eine zentrale Eigenschaft der greg\u00e4ren, schwarmbildenden Heuschrecken abhebt. Sie k\u00f6nnen fliegen und sich zu Schw\u00e4rmen formieren, die die Sonne verdunkeln, ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm erzeugen und sich so schnell wieder entfernen, dass sie nur schwer zu bek\u00e4mpfen sind. Jajji nimmt dieses metonymische Bild in Zeile 048 auf, wenn er sagt \u201ealles, was fliegt\u201c (<em>liy naaw<\/em>). Die Metonymie sowie die Metapher \u201eMaschinen\u201c und die h\u00f6hnisch-ironischen Ausdr\u00fccke betonen die physischen Eigenschaften und die Unaufhaltsamkeit der Heuschrecken.<\/p>\n<p>Mit dem Verfluchen und Artikulieren der metonymischen Kausalit\u00e4t und besonderen Gnadenlosigkeit der W\u00fcstenheuschreckenschw\u00e4rme kommt Majaw auch auf die Zeiten vor deren Invasion zu sprechen. Damals waren ihnen noch die Raupen als die unangenehmsten feindlichen Aktanten erschienen: Wie viel schlimmer aber sind die schwarmbildenden Heuschrecken im Vergleich zu den Raupen! Fast wehm\u00fctig stimmt Majaw ein religi\u00f6ses Lied an, das die Sehnsucht nach und Hoffnung auf Normalit\u00e4t, wie sie vor der Invasion 2004 geherrscht hatte, zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">056<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Es ist so, wie es dieser S\u00e4nger gesungen hat, wei\u00dft Du?<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">058<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Wie Serin Tuba sang-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">060<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Wie Musa Ka f\u00fcr Serin Tuba gesungen hat: (singt) \u201eWenn Du uns geben w\u00fcrdest, was wir hatten &#8230;\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">062<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">(singt) \u201e&#8230; dann w\u00e4ren wir wie wir sind. Hast Du nicht wahrgenommen, dass wir ohne Tadel sind?\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">063<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">(singt) \u201eWenn wir es gehabt h\u00e4tten, h\u00e4tten wir nicht das getan, was wir getan haben.\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">064<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Ja. (lacht)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">066<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">(singt) \u201eHast Du nicht wahrgenommen, dass wir ohne Tadel sind?\u201c<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">068<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">069<\/td>\n<td width=\"66\">Ngaan<\/td>\n<td width=\"503\">Wenn wir es nur h\u00e4tten, w\u00e4ren wir Gott dankbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jajji stimmt in das Lied ein, das allseits bekannt ist. Majaw verflucht im Anschluss erneut die Heuschrecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">071<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Aber diese Heuschrecken, m\u00f6ge Gott sie vertreiben. Diese Heuschrecken \u2013 furchtbar! Jeder Bauer, wenn er sie nur sieht \u2026<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zeile 071 beinhaltet neben der erstmaligen Verwendung der eigentlichen Bezeichnung \u201eHeuschrecken\u201c (<em>soccet<\/em>) einen erweitert metonymischen Ausdruck, wenn Majaw das Entsetzen beschw\u00f6rt, das Heuschrecken bei einem Bauern hervorrufen: \u201ewenn er sie nur sieht &#8230;\u201c. Weitere Beispiele f\u00fcr diese erweiterten Metonymien stammen von Jajji und finden sich in den Zeilen 012, 072 und 074.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">012<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">So lange sie hier sind, werden die Leute nicht zu Ruhe kommen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">072<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">Laay, sie sind die einzige Sache, vor der ein Bauer Angst hat.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">074<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"520\">Sie sind die einzigen, die uns unsere Lebensfreude rauben. Sie sind die einzigen, die unter uns Zwietracht s\u00e4en.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier geht Jajji n\u00e4her auf die Macht ein, die Heuschrecken \u00fcber die psychische sowie soziale Verfassung der Bauern haben: Sie k\u00f6nnen Unbehagen, Angst und Verzweiflung in den Individuen ebenso wie Zwietracht und Trostlosigkeit in der sozialen Gruppe hervorrufen. Mit anderen (Law\u2019schen) Worten: Es geht um die Macht feindlicher Aktanten, bestehende Netzwerke zu spalten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich diskutieren die Bauern die M\u00f6glichkeiten, die sich durch einen Wechsel ihrer Subsistenzstrategien er\u00f6ffnen w\u00fcrden, sprich, wenn sie von Ackerbau auf Viehzucht umsteigen w\u00fcrden.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Anhand dieses Gespr\u00e4chs k\u00f6nnen wir beobachten, dass die Heuschreckeninvasion aus dem vorherigen Jahr bereits sozialen Wandel herbeigef\u00fchrt und gewisserma\u00dfen die Initiierung alternativer Akteur-Netzwerke \u2013 die verst\u00e4rkte Inklusion von Vieh (v.a. Schafen) \u2013 in das Netzwerk bewirkt hat. Denn wenn das Risiko des Saatverlusts aufgrund feindlicher Aktanten zu hoch ist, m\u00fcssen alternative Handlungsm\u00f6glichkeiten \u00fcberlegt und diskutiert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">075<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Yibba hat es heute auch gesagt. Er sagte: \u201eIch wollte auss\u00e4en, aber um ehrlich zu sein, hatte ich eine schlechte Vorahnung.\u201c Und dass er Schafe kaufen und Schafe z\u00fcchten wolle, er sprach heute von Schafen. (lacht) Wer verkauft seine Erdnusssamen und f\u00e4ngt an, Schafe zu z\u00fcchten, sage ich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">076<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"503\">Vielleicht ist feuchter Boden wirklich gut. Also dieser feuchte Boden &#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">077<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">In der Gegend um das Dorf ist es einfach und bequem, Vieh zu h\u00fcten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">078<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"503\">Dieser feuchte Boden ist nicht gut.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">079<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Ach ja?<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">080<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">Um das Dorf herum ist es bequem, Vieh zu h\u00fcten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">081<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Gerade in diesem Jahr ist es bequem, Vieh zu h\u00fcten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">082<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Pah! Dieses Jahr ist f\u00fcr die Bauern gemacht.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">083<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Dieses Jahr ist angenehm.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Initiierung alternativer Akteur-Netzwerke w\u00fcrde das bestehende und bew\u00e4hrte, am Feldbau orientierte Akteur-Netzwerk allerdings erweitern, modifizieren und mit neuen Dynamiken ausstatten. Dementsprechend beginnen die Dorfbewohner gegen Ende des Gespr\u00e4chsausschnitts 8 vom 20. Juni 2005 in einer Diskussion, die zu lange ist, als dass sie hier dargestellt werden k\u00f6nnte, \u00fcber die Gefahren, die durch weidendes Vieh f\u00fcr die Ernten entstehen, zu diskutieren. Traditionell sind die Wolof Bauern, w\u00e4hrend die benachbarten Fulbe Viehzucht betreiben; beide tauschen Produkte und Dienste untereinander aus. Mit den Fulbe w\u00e4re somit eine weitere Aktantengruppe im bestehenden Netzwerk betroffen, w\u00fcrde dien die Bauern ihre Wirtschaftsweise modifizieren. Daher thematisierten die Bauern auch Auswirkungen dieser Ver\u00e4nderung ihrer Subsistenzstrategie auf die interethnischen Beziehungen in ihrer Region.<\/p>\n<p>Da einige Dorfbewohner bereits angefangen haben, Geld in Viehzucht zu investieren, statt es f\u00fcr Saatgut auszugeben, tauschen sie sich in der Folge \u00fcber die M\u00f6glichkeit aus, Weidetiere auf ihren brachliegenden Fl\u00e4chen zu halten. W\u00e4hrend sie \u00fcber das Brachland nachdenken, kommen sie anschlie\u00dfend auf eine Vereinbarung zu sprechen, die die Dorfbewohner vor einiger Zeit \u00fcber einen Anteil ihres gemeinsamen Landes getroffen haben. Diesen wollten sie an ein anderes Dorf verkaufen, und sie hatten sich darauf geeinigt, dieses St\u00fcck Land von da an brach liegen zu lassen. Diese Abmachung wurde allerdings vom Sohn des Dorfchefs gebrochen, der begonnen hatte, auf einem der St\u00fccke Brachland Erdn\u00fcsse anzubauen. Zudem lie\u00dfen einige der wohlhabenderen Dorfbewohner ihr Vieh auf anderen St\u00fccken weiden. Einige dieser Tiere waren in diesem Zusammenhang in die benachbarten bebauten Getreidefelder eingedrungen und hatten dort Schaden angerichtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 9<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">191<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Sie sagten, wer auch immer ein Lamm besitzt, k\u00f6nne es doch auch losbinden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">192<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ja, aber wir- aber wir haben nichts davon geh\u00f6rt. Sie haben sich heimlich abgesprochen und es gemeinsam getan, aber sie- bei der n\u00e4chsten Auseinandersetzung werden sie sehen, was- sie werden sehen!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">193<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">194<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Wir haben nichts davon geh\u00f6rt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">195<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"503\">So wie es jetzt scheint \u2026<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">196<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Jajji \u2026<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">197<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"503\">Wir sollten vorsichtig sein. Der Streit hat noch nicht begonnen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">198<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ja. Der Streit hat noch nicht begonnen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">199<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"503\">Lasst uns abwarten und sehen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">200<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Weil sie sich heimlich abgesprochen haben- sie haben sich heimlich abgesprochen und sind so weit gegangen, unsere Vereinbarung zu brechen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Punkt f\u00fchrt die Diskussionsteilnehmer zum Thema soziale Ungleichheit zwischen den Lineages im Dorf. Die Lineage des Dorfchefs wird konspirativer Machenschaften beschuldigt, die es ihm und seiner Lineage erlauben w\u00fcrden, sich pers\u00f6nliche Vorteile zu erschleichen. Die traditionelle Art und Weise, wie der Dorfchef die Gemeinschaftsfelder aufteilt, wird schlie\u00dflich ebenfalls in Frage gestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. Juni 2005, Exzerpt 10<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">236<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">Aber das ist nicht richtig!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">237<\/td>\n<td width=\"66\">Modu<\/td>\n<td width=\"503\">Am Nachmittag war dort ein Pferd beim Auss\u00e4en.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">238<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">Was mich betrifft morgen- morgen fr\u00fch-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">239<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Hm?<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">240<\/td>\n<td width=\"66\">Tapha<\/td>\n<td width=\"503\">-werde ich mein Feld auch bewirtschaften.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Beziehungen zwischen den Lineages im Dorf waren pl\u00f6tzlich in Gefahr. Somit hat die Heuschreckeninvasion offenbar letztlich die Bauern dazu motiviert, sich \u00fcber die gegenw\u00e4rtigen Existenzverh\u00e4ltnisse zu beklagen und die machthabende Lineage im Dorf zu kritisieren. Die Plage erzeugte somit den Willen zu sozialem Wandel, auch wenn dies soziale Konflikte bedeutet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20. June 2005, Exzerpt 11<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">289<\/td>\n<td width=\"66\">Yoro<\/td>\n<td width=\"503\">Solange die Felder nicht freigegeben werden-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">290<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Pah!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">291<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"503\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">292<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Genauso machen sie es.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">293<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Selbst wenn sie freigegeben w\u00fcrden-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">294<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Wir m\u00fcssen zum Dorfchef gehen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">295<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Siehst Du! Siehst Du!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">296<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"503\">Siehst Du! Selbst wenn sie freigegeben w\u00fcrden!<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Auslassung)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">309<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Das Brachland, sie haben sich heimlich abgesprochen, um ihren Plan auszuf\u00fchren.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">310<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Ach&#8230;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">311<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Warte- h\u00f6r einfach zu Mann!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">312<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Das ist deine Lineage!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">313<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ja, nur deine Lineage!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">314<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Ngan!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">315<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Das ist deine Lineage allein!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">316<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Ngan, Ngan, Ngan. Ich bin vor dieser Moschee!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">317<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Schau, wir sprechen \u00fcber etwas, auf das wir uns hier alle geeinigt hatten. Hier haben wir uns darauf geeinigt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">318<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ach, aber das war nur deine Lineage!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">319<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Im Namen Serin Tubas, nur die aus diesem Teil des Dorfes haben die Vermessung ausgehandelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Auslassung)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">342<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Selbst wenn jeder anbaut, ich brauche kein Feld mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">343<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ich brauche keines. Aber was wir sagen, ist, dass sie heimlich zusammengearbeitet haben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">344<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ich werde nur dort Land bestellen, wo ich will.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">345<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Sie haben sich heimlich abgesprochen, sie haben sich heimlich abgesprochen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">346<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Was du sagst, wir alle haben dar\u00fcber gesprochen, sage ich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">347<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ihr werdet in Zukunft gro\u00dfe Probleme haben!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">348<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">In diesem Dorf, in Bezug auf das worauf wir uns geeinigt hatten-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">349<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Gro\u00dfe Probleme!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">350<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Alles in diesem Dorf wurde hier offen diskutiert.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">351<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Ihr werdet in Zukunft gro\u00dfe Probleme haben!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">352<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Und erst jetzt beschuldigst du deine Verwandten der geheimen Absprache!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">353<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Nein, wir beschuldigen deine Verwandten nicht der geheimen Absprache.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">354<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Oh, alle von ihnen- alle von ihnen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">355<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Sie haben dieser Vermessung zugestimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">356<\/td>\n<td width=\"66\">Ngan<\/td>\n<td width=\"503\">Alle haben ihr zugestimmt!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">357<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Sie haben dieser Vermessung zugestimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Auslassung)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">388<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Sie haben sich heimlich abgesprochen!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">389<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Zun\u00e4chst sprechen sie laut-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">390<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Sie reden mit zwei Zungen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">391<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Zun\u00e4chst sprechen sie laut, sprechen sie laut, und dann machen sie etwas anderes.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">392<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">M\u00f6ge es ihre Verwandten treffen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">393<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Sie sprechen \u00fcber ihre Dinge bis zu Ende.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">394<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Bis sie- sie-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">395<\/td>\n<td width=\"66\">Jajji<\/td>\n<td width=\"503\">Sie- sie- sie denken, die Leute w\u00e4ren Idioten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">396<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Und er sagt, dass sie hier offen dar\u00fcber gesprochen h\u00e4tten.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">397<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Er sagt selbst nicht die Wahrheit!<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass Ngan in Zeile 352 inklusiv von \u201edeinen Verwandten\u201c spricht, was die gemeinsame Verwandtschaft aller Lineages im Dorf hervorhebt (laut Ngan ist seine eigene Lineage auch Daurs Lineage), w\u00e4hrend Daur in Zeile 353 ihre Trennung akzentuiert, indem er betont, dass er nur Ngans Verwandte beschuldigt, die seines Erachtens nicht auch seine Verwandten sind. Die durch die feindlichen Aktanten hervorgerufene Modifikation der Subsistenzform hat also in der Tat das Potenzial, im Dorf f\u00fcr Entzweiung und die Spaltung etablierter Netzwerke zu sorgen.<\/p>\n<p>Es scheint also eine wichtige Strategie im Umgang mit feindlichen Aktanten und den Risiken, die sie bedeuten, zu sein, Handlungsfelder, die interventionsoffen sind, relevant zu machen, w\u00e4hrend auf unver\u00e4nderbare andere Elemente \u2500 in unserem Fall die Heuschrecken selbst \u2500 aus der Perspektive der Bauern nicht weiter eingegangen wird. Stattdessen wird die nicht beeinflussbare Gewalt der feindlichen Aktanten Situation herangezogen, um Themen aufzugreifen, die offen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen sind, z.B. soziale Ungleichheiten, Probleme und Konflikte. So werden Risiken, die durch \u00e4u\u00dfere Faktoren erzeugt werden, domestiziert, indem sich die Bauern mit damit verbundenen Faktoren besch\u00e4ftigen, die sie manipulieren k\u00f6nnen und die offen f\u00fcr kulturelle und soziale Modifikationen sind (vgl. Paine 2002).<\/p>\n<p>Nach der Aussaat, die kurz nach dem 20. Juni 2005 erfolgte, spitzen sich der Wille zur Bildung von stabilen Aktanten-Netzwerken und die Hoffnung auf eine Zukunft ohne allzu feindliche Aktanten zu, wie im Gespr\u00e4ch vom 28. Juni 2005 zum Ausdruck kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. Juni 2005, Exzerpt 1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">001<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Es gibt keinen Ort im Senegal, an dem es nicht geregnet hat.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">002<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Nur wenige Orte sind nicht beregnet geworden. In der Tat, die Seher haben sich gut geschlagen. Dann wird es in ganz Senegal ausgiebig regnen. Der Regen wird alles bedecken.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">003<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">So haben sie es vorhergesagt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">004<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">005<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Am 27.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">006<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Und alles andere, was sie gesagt haben, d\u00fcrfte auch so geschehen, wie sie es gesagt haben. Sie sagten, dass jeder, der Land bestellt, viel ernten wird, und sogar diejenigen, die kein Land bestellen, werden ernten. Sie haben eine erfolgreiche Ernte vorausgesagt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">007<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Sobald es donnert, wird es fruchtbar sein, solange es keine Raupen gibt und solange es keine Dings- Heuschrecken gibt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">008<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Ja, das ist das, was sie gesagt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">009<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Das ist das, was sie gesagt haben. Aber ich bef\u00fcrchte, dass die Heuschrecken in Massen wiederkommen werden. Sie werden nicht wegbleiben. Sie werden massenhaft zur\u00fcckkommen, denn ich habe welche unter dem Jojobabaum gesehen, da wo Vater sich fr\u00fcher immer hinlegte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Bauern \u00e4u\u00dfern ihre Zuversicht in die guten Prognosen, welche die Aeromanten (Wetter-Divinatoren) am Tag zuvor f\u00fcr das Jahr vorausgesagt hatten. Der Regen als einigerma\u00dfen unzuverl\u00e4ssiger Aktant scheint also inkludiert. Hintergrund des Gespr\u00e4chs ist, dass in jedem Jahr zu Beginn der Regenzeit im Senegal Divinatoren der Volksgruppe der Sereer in einem landesweit per Radio \u00fcbertragenen Ritual namens <em>x\u00f3oy<\/em> (Wolof: Aufrufung) die Regenzeit und andere Ereignisse im Land vorhersagen. Das Ritual findet in mehreren Gegenden statt, in denen Sereer leben (vgl. Dupire 1976). Das wichtigste und gr\u00f6\u00dfte, das auch hier angesprochen ist, wird in der Stadt Fatick durchgef\u00fchrt. Auch diese Divinatoren werden somit von den Wolof-Bauern f\u00fcr das eigene Aktanten-Netzwerk reklamiert.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter erinnern sich die Gespr\u00e4chspartner jedoch an das Jahr zuvor, als es zwar ebenfalls viel geregnet hatte, die Heuschrecken aber letztlich einen Gro\u00dfteil der Ernte zerst\u00f6rten. In Zeile 009 bringt Serin seine Sorge &#8211; das Gegenst\u00fcck von Hoffnung &#8211; zum Ausdruck, dass dies eventuell wieder geschehen k\u00f6nnte. Hoffnung macht hingegen, dass die gesichteten Heuschrecken (noch?) nicht der greg\u00e4ren Form angeh\u00f6rten. Nur sie g\u00e4ben Anlass zur <em>Problematisierung<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. Juni 2005, Exzerpt 2<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">015<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Wei\u00dft du was das eigentliche Problem ist?<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">016<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Hm?<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">021<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Diejenigen, die in Schw\u00e4rmen fliegen, die im Norden starten und von au\u00dferhalb ins Land kommen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">022<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Von au\u00dferhalb ins Land kommen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">023<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Diejenigen, die aus den Bergen kommen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">024<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Ja, diejenigen, die wie eine Wolke aussehen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">025<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Das sind diejenigen, die dem Land Probleme bereitet haben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">026<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Sie sind die wahre Gefahr, sie sind die Gefahr, aber-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">027<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Das sind diejenigen, die hergekommen sind und das Land gest\u00fcrmt haben.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">028<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Aber das sind keine gew\u00f6hnlichen Grash\u00fcpfer, das sind keine gew\u00f6hnlichen Grash\u00fcpfer.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun, nachdem ausges\u00e4t wurde, wird das ganze Gespr\u00e4ch \u00fcber immer wieder ein neuer Aktant per Gebet angesprochen: Gott. Das Gebet als Exteriorisierung des Willens bzw. der Hoffnung und Akt der Inklusion Gottes in das Netzwerk ist dialogisch aufgebaut, wie es bei den Wolof meistens der Fall ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. Juni 2005, Exzerpt 3<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">014<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">M\u00f6ge Gott sie abwehren, m\u00f6ge Gott sie abwehren.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">017<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">M\u00f6ge Gott-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">018<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">-sie abwehren-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">019<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">-und uns vor ihnen bewahren,-<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">020<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">so dass nichts geschehen wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. Juni 2005, Exzerpt 4<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">033<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Mhm, m\u00f6ge Gott uns helfen, so dass wir gar nicht erst etwas unternehmen m\u00fcssen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">034<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Amen!<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Die Wolofbauern versuchen, einen Aktanten f\u00fcr ihre Anliegen zu interessieren und mit einer spezifischen Rolle \u2013 der Hilfe, Gefahrenabwehr und des Schutzes \u2013 in ihr Netzwerk zu integrieren. Im Gespr\u00e4ch wird der B\u00f6sartigkeit der Heuschrecken in einem Antagonismus die Barmherzigkeit Gottes gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. Juni 2005, Exzerpt 5<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">030<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Diese Riesenschw\u00e4rme sind wirklich \u00fcbel.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">031<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"503\">Ja, aber Gott ist barmherzig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch ein weiterer Aktant wird ins Spiel gebracht: der Staat bzw. ein Verbund west- und nordwestafrikanischer Staaten, der in diesem Jahr m\u00f6glicherweise schneller agieren w\u00fcrde als im Jahr zuvor. Die bauern k\u00f6nnen also auf die Bildung eines effizienten Aktanten-Netzwerks hoffen, das seinerseits die lokalen Bev\u00f6lkerungen gar nicht einbezog. Da sie nicht beteiligt sind, bleibt ihnen nur, darauf zu hoffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. Juni 2005, Exzerpt 6<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">032<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Der algerische Pr\u00e4sident hat gesagt, dass sie etwas dagegen unternehmen werden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">033<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Mhm, m\u00f6ge Gott uns helfen, so dass wir gar nicht erst etwas unternehmen m\u00fcssen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">034<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Amen!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">035<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Er hat gesagt, dass er etwas dagegen unternehmen wird. Ich wei\u00df nicht mehr genau, mit wem.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">036<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Das ist, was ich f\u00fcr Maj-, Serin hoffe.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">037<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Die Berge, wo sie schl\u00fcpfen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">038<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Er sagte, dass sich sieben L\u00e4nder zusammentun w\u00fcrden, um sich eine gemeinsame Strategie zu \u00fcberlegen. Um sie dort ausfindig zu machen, wo sie schl\u00fcpfen. Sie werden eine L\u00f6sung finden, die uns Frieden bringt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">039<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Du hast Recht. Einfach diese Berge. Wenn sie nur dorthin gingen und ihre Zug\u00e4nge versperrten oder sie bestreuen, bespr\u00fchen w\u00fcrden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">040<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">041<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Sie ausr\u00e4uchern w\u00fcrden.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">042<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Ja, drinnen, nur das w\u00fcrde sie verschwinden lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">043<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Sie k\u00f6nnen sich dort wirklich gut reproduzieren.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">044<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurz danach \u00e4u\u00dfern sie nochmal ihre Sorge, dass Heuschreckenschw\u00e4rme m\u00f6glicherweise doch bereits in ihrer Region sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. Juni 2005, Exzerpt 7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"45\">045<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Aber sie sind schon viel weiter als dort [Marokko].<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">046<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"503\">Ja, das sind sie vermutlich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">047<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"503\">Wenn sie nur dort stoppen w\u00fcrden. Sie sammeln sich von Thies bis hinter Lingu\u00e8re.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"45\">048<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"503\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist ein Hoffen und Bangen. In den Gespr\u00e4chen kommt immer wieder die Hoffnung auf Bildung eines Aktanten-Netzwerks zum Ausdruck, das neben dem Regen, das Saatgut f\u00fcr die Hirse und ihre Feldarbeit (als <em>immutable mobiles<\/em>) sowie die Divinatoren, Gott, eine Reihe nordwest- und westafrikanischer Staaten und vor allem die <em>Abwesenheit<\/em> von Heuschrecken umfassen sollte. Es gibt viele Gr\u00f6\u00dfen, die sie nicht beeinflussen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach einem dritten Gebet \u00e4u\u00dfert Majaw in Zeile 053 wieder Hoffnung und spricht von der Sch\u00f6nheit des sprie\u00dfenden Gr\u00fcns, wenn der Regen kommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>28. Juni 2005, Exzerpt 8<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">049<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">Es sieht aus wie eine Wolke, alles flattert, furchtbar. M\u00f6ge Gott uns helfen, dass sie einfach nicht anfangen zu fliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">050<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Amen. (seufzt)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">051<\/td>\n<td width=\"66\">Daur<\/td>\n<td width=\"520\">M\u00f6ge Gott uns helfen, dass sie nicht hierherkommen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">052<\/td>\n<td width=\"66\">Serin<\/td>\n<td width=\"520\">Amen, m\u00f6ge Gott uns helfen.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">053<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Heute war das Gras und alles so wundersch\u00f6n. Wenn es nur sprie\u00dft, wird es so wundersch\u00f6n sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hoffen und Bangen, Zuversicht und Sorge dr\u00fccken letztlich aus, dass die Bauern des Kajoor nur zu einem geringen Anteil selbst agieren k\u00f6nnen. Wesentlich gr\u00f6\u00dfer ist der Anteil, zu dem sie auf andere Akteure und Aktanten, die sie nicht beeinflussen k\u00f6nnen, angewiesen sind. Gegen\u00fcber dem von ihnen angesprochenen Netz an Akteuren sind sie selbst ein passives Element. Sie selbst bilden gewisserma\u00dfen ein \u201ePatiens-Netzwerk\u201c, das erzwungene Passivit\u00e4t, Hoffen, Beten und Verfluchen umfasst.<\/p>\n<p>Wichtig f\u00fcr die Bauern war es, in ihrer erzwungenen Passivit\u00e4t, sich vor allem der Vereinnahmung durch das Aktanten-Netzwerk der Heuschrecken zu entziehen und auf die Bildung eines Gegennetzwerks der senegalesischen Beh\u00f6rden und der internationalen Gemeinschaft zu hoffen bzw. daf\u00fcr zu beten. Die Bauern befanden sich \u00fcber weite Teile fast wie <em>boundary objects <\/em>(bzw.<em> boundary subjects<\/em>) mit nur ausgesprochen geringer Handlungsmacht ausgestattet als erduldende \u201ePatienten\u201c (als begriffliches Gegenst\u00fcck zu handlungsm\u00e4chtigen \u201eAkteuren\u201c)<em> zwischen<\/em> den beiden in den vorherigen Abschnitten beschriebenen Netzwerken. Diese Hilflosigkeit zeigt sich u.a. durch Ironie und Indirektheit als rhetorische Strategien im Umgang mit den Heuschrecken (vgl. auch Kuipers 2002), aber auch durch Abwertung und Verfluchen.<\/p>\n<p>In einem dritten Gespr\u00e4ch, das zwei Jahre nach der Invasion der Heuschreckenschw\u00e4rme von 2004 stattfand (am 4. Juli 2006), erz\u00e4hlt Laay mit gro\u00dfer Selbstironie und aus der zeitlichen Distanz, nachdem er und die anderen Bauern ihre Handlungsmacht wieder gewonnen hatten, wie er die Ankunft der Heuschrecken damals pers\u00f6nlich erlebte und wie ihn dabei die Hoffnung verlie\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>4. Juli 2006, Exzerpt 1<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"47\">001<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Diese Regenzeit, sagte er, ist genauso. Es macht budum, bum-bum, bum-bum-bum [imitiert den Donner], so dass du nur sagst: \u201eLos!\u201c Nichts h\u00e4lt einen auf und alles scheint wunderbar zu wachsen. Das ist wie in dem Heuschreckenjahr. Serin Modu selbst kommentierte es so. Er sagte, pl\u00f6tzlich, pl\u00f6tzlich verlierst du die Hoffnung in alles und in die Regenzeit.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">002<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Ach, in jenem Jahr war ich kurz davor, eine Menge Hirse zu ernten. Wirklich in jenem Jahr ein ganzer Eselskarren voll voll voll voll voll von Hirse, die \u00fcppig \u00fcppig \u00fcppig \u00fcppig \u00fcppig \u00fcppig war. (lacht) Damals kam ich von einer Pilgerfahrt nach Daaru Musti zur\u00fcck. Sie sagten der Osten ist so, der Osten ist so.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">003<\/td>\n<td width=\"66\"><\/td>\n<td width=\"520\">(Gel\u00e4chter)<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">004<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Der Osten wird unter Wasser stehen. Ich sagte: \u201eOh, es ist Mittag.\u201c Ich sagte, \u201eLasst uns das Hausfeld anschauen.\u201c Da waren nur einige wenige. Damals war es so, dass wir planten, am folgenden Tag eine Vorernte der Hirse zu machen. Als wir hinkamen, rannten rannten rannten wir. Jeder einzelne Hirsekolben, den wir ber\u00fchrten, war f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter knallgelb [von Heuschrecken].<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">005<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">006<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Knallgelb!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">007<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Sie fangen unten an.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">008<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Du meine G\u00fcte!<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">009<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Und dann klettern sie hoch zur Spitze.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">010<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Und meine Hirse war ganz ganz ganz ganz ganz ganz ganz reif. Wirklich.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">011<\/td>\n<td width=\"66\">Majaw<\/td>\n<td width=\"520\">Wenn du das fr\u00fcher gewusst h\u00e4ttest, h\u00e4ttest Du sie einfach geschnitten und auf die Erde gelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">012<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Ja, damals, aber Du kannst nicht genie\u00dfen, was noch nicht dein Gl\u00fcck geworden ist. Keiner kann das genie\u00dfen. Du meine G\u00fcte! Ich h\u00e4tte eine so gute gute gute Ernte machen k\u00f6nnen. Ich bin mir sicher, ich h\u00e4tte zweihundert Zentner reife Hirse gehabt. Zweihundert Zentner reife Hirse! Das ist so viel wie meine Ernte in diesem Jahr. Es ist ein Eselskarren voll voll voll voll voll voll, aber dennoch mag es sein wie es ist. Wenn ein Feld ergiebig sein soll, dann soll es so sein.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">013<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"520\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">014<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Und wenn es nicht klappt, dann machst du dich kaputt f\u00fcr gar nichts. Ganz ehrlich, ich habe jede Ecke beackert. Im vorletzten Jahr, als ich es zum ersten Mal wieder bewirtschaftet hatte, da es zuvor brach gelegen hatte, brauchte ich drei Pflugklingen. Und dann als Regen kam und ich s\u00e4te &#8230;! (lacht) Wie gut das Leben sein kann, Mensch.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">015<\/td>\n<td width=\"66\">Njaga<\/td>\n<td width=\"520\">Ja.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"47\">016<\/td>\n<td width=\"66\">Laay<\/td>\n<td width=\"520\">Meine G\u00fcte!<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Majaws \u00c4u\u00dferung und Laays Bericht beginnen mit dem permanenten Problem, dass die Zukunft ungewiss ist. Laay pr\u00e4sentiert in selbstironischer Haltung seine pers\u00f6nliche Geschichte, die in Hyperbeln und dramatischen Wiederholungen formuliert ist, und schlie\u00dflich, besonders in den Zeilen 012 und 014, unter eher allgemeinen Gesichtspunkten bewertet. Insbesondere seine Formulierung \u201eDu kannst nicht genie\u00dfen, was noch nicht dein Gl\u00fcck geworden ist\u201c (<em>ludul wersag meneesu ko lekk<\/em>) in Zeile 012 verdeutlicht, wie sehr die Bauern in zeitlichen Dimensionen denken und wie sie die Kontingenz und Ungewissheit des Lebens (mit anderen Worten: die Ungewissheit \u00fcber ihre Inklusion in und Exklusion aus Akteur-Netzwerken) in ihr Denken miteinbeziehen. Zeile 014 verdeutlicht die Arbeitsmoral und vor allem die Genugtuung nach erfolgreicher Arbeit in ihrem Kontrast mit dem erst darauffolgenden (und daher noch unbekannten) Ungl\u00fcck.<\/p>\n<p>Hier zeigt sich noch einmal der Zusammenhang zwischen dem Schritt der Problematisierung und der Zeitlichkeit von Prozessen bzw. dem Handlungszwang, den sie erzeugen: W\u00e4hrend die Problematisierung der W\u00fcstenheuschreckenschw\u00e4rme sich in der internationalen Gemeinschaft erst durch die negative Presse durchsetzte, ist sie im Alltagsleben der Bauern des Kajoors eine permanent mitlaufende, permanent abzuw\u00e4gende und zu reflektierende Kategorie. Im Gegensatz zu den internationalen, staatlichen und institutionellen Akteuren, die auf wissenschaftliche und technologische Expertise unter der Perspektive des modernen Fortschritts-Narrativs zur\u00fcckgreifen konnten, versuchen die Bauern des Kajoor, Wege und Ansatzpunkte zu finden, die empf\u00e4nglich f\u00fcr ihre eigene Reichweite und Einflussnahme sind und ihnen bis zu einem gewissen, allerdings beschr\u00e4nkten Grad die eigenm\u00e4chtige Initiierung von Akteur-Netzwerken erlauben. Das zeigt, dass nicht nur eine Art von Netzwerk auf die Problematisierung der Heuschrecken folgen konnte, sondern sehr unterschiedliche Netzwerke, die im Falle der Bauern zudem sowohl Akteurs- als auch Patiens-Elemente umfassten.<\/p>\n<p>Das Interessement und Enrolment sowie die Mobilisierung der freundlichen ebenso wir der feindlichen Aktanten erfolgt also im Modus der \u00dcberredung und Persuasion, lockend und einladend im Falle der freundlichen, verfluchend und magisch bannend im Falle der feindlichen Aktanten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5. Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Text hat den Callon\u2018schen Ansatz zur Untersuchung von Machtverh\u00e4ltnissen \u2013 seine \u201eSoziologie der \u00dcbersetzung\u201c \u2013 noch einmal anhand des empirischen Gegenstands eines W\u00fcstenheuschreckenschwarms \u00fcberpr\u00fcft, der im Jahr 2004 in Westafrika einen gro\u00dfen Teil der Ernte der dortigen Bauern vertilgte. Dazu ist der Text zun\u00e4chst der Entstehung und Bek\u00e4mpfung des Schwarms aus Sicht der internationalen Gemeinschaft gefolgt. Ein Netzwerk internationaler politischer Akteure entstand, nachdem als obligatorischer Passagepunkt die globalen Medien \u00fcber die Schw\u00e4rme und die von ihnen angerichteten Sch\u00e4den berichteten. Sie brachten als <em>boundary objects<\/em> Insektizide in Position, die neben der Vernichtung der Heuschrecken auch die Natur, Menschen und Viehbest\u00e4nde der betroffenen Region sch\u00e4digten. Als zweites sind wir den Heuschrecken gefolgt, deren netzwerkbildender obligatorischer Passagepunkt der Regen war, der die erforderliche Populationsdichte zur Transformation der Grash\u00fcpfer in greg\u00e4re Heuschrecken erzeugte. Nahrungsknappheit f\u00fchrte dann zum notwendigen Stress, der die Selbstreproduktion und den Selbsterhalt der Schw\u00e4rme, die unter anderem auch durch Kannibalismus angetrieben werden, sicherstellte. Den Heuschreckenschw\u00e4rmen gelang es letztlich nicht, gen\u00fcgend weitere Aktanten f\u00fcr ihr Netzwerk zu gewinnen, so dass am Ende alle Aktanten des eigenen Netzwerks inklusive gro\u00dfer Teile der Vegetation vernichtet wurden. Die lokalen Bauern der Region Kajoor im Nordwestsenegal, denen ich als drittes gefolgt bin, hatten zun\u00e4chst das schw\u00e4chste eigene Netzwerk aufzubieten und waren auf Hoffen und Bangen, Appelle und Fl\u00fcche bei der Gestaltung eigener Netzwerke angewiesen. Ihre obligatorischen Passagepunkte waren permanent unklar und vage, so dass es letztlich gar nicht zur Ausbildung handlungsgenerierender Akteur-Netzwerke kam. Vielmehr mussten ihre verzweifelten Versuche des Selbstschutzes letztlich in einer Patiens-Position verharren.<\/p>\n<p>Ein alternatives Narrativ k\u00f6nnte alle drei Netzwerke zusammenfassen und ein gro\u00dfes Netzwerk zugrundlegen, dass die internationale Gemeinschaft, die W\u00fcstenheuschreckenschw\u00e4rme und die Bauern des Kajoor umfasst und mit der Vernichtung eines Teils der Aktanten \u2013 hier: der Heuschreckenschw\u00e4rme und der Vegetation \u2013 endete. Es h\u00e4tte ebenso gut die Menschen treffen k\u00f6nnen, was tats\u00e4chlich historisch h\u00e4ufig der Fall war. Da die globalen Medien sehr viel mehr Aktanten inklusive neuartiger <em>boundary objects<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><strong>[6]<\/strong><\/a><\/em> wie Insektizid aktivieren konnten, waren es aber dieses Mal die Heuschreckenschw\u00e4rme, die aus dem Netzwerk durch Vernichtung ausgegliedert wurden.<\/p>\n<p>Geht man davon aus, dass sich Aktanten vor allem dann gegenseitig in ein Netzwerk einbinden, wenn sie in der Lage sind, ihre jeweiligen Bed\u00fcrfnisse f\u00fcreinander zu \u00fcbersetzen, dann ist diese \u00dcbersetzung im vorliegenden Fall gescheitert, denn die Assoziation dient letztlich der wechselseitigen Verst\u00e4rkung der Aktanten: \u201eAn Actant can gain strength only by associating it with others\u201c (Latour 1988: 160). Die Grundlagen der \u00dcbersetzung werden aber nicht im Vorhinein aus klar identifizierbaren nat\u00fcrlichen Bed\u00fcrfnissen definiert, sondern emergieren im Verlauf der \u00dcbersetzung selbst, bisweilen auf unvorhergesehene Weise. Daher ist auch letztlich nicht abzusehen, was das Resultat der \u00dcbersetzungen ist, die der sozialen und nat\u00fcrlichen Welt \u201efortschreitend\u201c Form verleihen (Callon [1986] 2006: 170).<\/p>\n<p>Warum fanden die W\u00fcstenheuschrecken im Gegensatz zu den Jakobsmuscheln keine F\u00fcrsprecher? Waren sie potenziellen Ko-Aktanten zu unsympathisch in ihrer kannibalischen Schw\u00e4rmerei?<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ist das Callon-Latour\u2019schen Modell nur anwendbar, wenn es sich um menschlich dominierte, fragile Wesen handelt, Wesen, die wie die Jakobsmuscheln sensibel und evasiv sind und F\u00fcrsprecher brauchen, da sie nicht selbst handeln k\u00f6nnen und eher Patiens-artige Beteiligte am Netzwerk sind? Was aber wenn, wie im diskutierten Fall die Menschen diese Patiens-artigen Netzwerk-Beteiligten sind? Liegt dem Modell also letztlich doch eine anthropozentrische Unterscheidung zwischen guter, sch\u00fctzenswerter und b\u00f6ser, zerst\u00f6rerischer Natur zugrunde? Sind die Heuschrecken Dissidenten, Verr\u00e4ter am Netzwerk, das aus ethischer Sicht prosozial ausgerichtet sein und der gegenseitigen Unterst\u00fctzung dienen soll? Bezeichnet der Begriff der \u00dcbersetzung unter Ber\u00fccksichtigung der <em>generalisierten Symmetrie<\/em> auch Metabolismus \u2013 die stoffliche \u00dcbersetzung pflanzlicher, tierischer und menschlicher K\u00f6rper in Energie und neue, lebendige K\u00f6rper im \u00f6kologischen Sinne?<\/p>\n<p>Latour selbst spricht zwar auch von Heuschrecken, kann uns aber nur ansatzweise eine Antwort geben. F\u00fcr ihn geh\u00f6rt das Unz\u00e4hmbare, nicht in menschliche Moralvorstellungen Einordenbare zum Wesen der Heuschrecken (Latour 1988: 198). Sie geh\u00f6ren zu den irreduziblen, rebellischen Kr\u00e4ften, die sich selbst auf unvorhersehbare, undomestizierte Weise einbringen, aber nichts planbar Produktives in das Netzwerk hineingeben. Sie haben selbst als unsere besten Freunde, zumal als Feinde unserer Lebendigkeit, nun einmal \u201cother goals and other destinies that cannot be summed up. The moment we turn our back, our closest friends enroll themselves under other banners\u201d (Latour 1988: 198). Das gro\u00dfe Netzwerk des Lebens wird sie irgendwann wieder auferstehen lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Footnotes<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In den folgenden Abschnitten beziehe ich mich haupts\u00e4chlich auf die Analysen von Enserink 2004, IRIN 2004, Lecoq 2005 und Thiam\/Kuiseu 2005.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Dieser Zusammenhang d\u00fcrfte zuk\u00fcnftig im Zuge der globalen Erderw\u00e4rmung noch mehr an Bedeutung gewinnen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Im folgenden Abschnitt beziehe ich mich neben der direkt referenzierten Literatur auf Despland et al. 2004, Enserink 2004, IRIB 2004, Lecoq 2005, Thiam\/Kuiseu 2005, Ceccato et al. 2006, Ceccato et al. 2007, S\u00e1nchez-Zapata et al. 2007, Bazazi et al. 2011 und Ma et al. 2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Die Gespr\u00e4che wurden auf Wolof gef\u00fchrt. Aus Gr\u00fcnden der besseren Lesbarkeit sind sie nur in deutscher \u00dcbersetzung wiedergegeben. Bei der Transkription und \u00dcbersetzung wurde ich von Malick Faye unterst\u00fctzt. Dank gilt au\u00dferdem der Forschungsgruppe \u201eCommunicating Disaster\u201c (2010-2011; Zentrum f\u00fcr Interdisziplin\u00e4re Forschung, Universit\u00e4t Bielefeld), mit der ich Gelegenheit hatte, die Daten zu diskutieren. Besonderer Dank geht an Dieter Neubert (Universit\u00e4t Bayreuth), der Mitglied dieser Forschungsgruppe war und einen Teil der Transkription finanziert hat.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. auch McCabe 2002 zur Flexibilit\u00e4t der Bauern in der Sahel-Region in Bezug auf ihre Subsistenzstrategien.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Im Falle der Perspektive eines einzigen Netzwerks w\u00e4ren es vermutlich <em>immutable mobiles<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Bereits Ende 2004 kam es weltweit zu einer Art \u00c4sthetisierung der Heuschrecken-Katastrophe in den Medien, als ein Bild von Pierre Holtz (Reuters) den zweiten Preis f\u00fcr das Pressefoto des Jahres (World Press Photo Award) in der Kategorie \u201eNatur\u201c verliehen bekam. Das Foto zeigt Kinder, die lachend hinter Heuschrecken herrennen und mit ihnen spielen, und versinnbildlicht so die volle Ambivalenz der Katastrophe. Der <em>Telegraph<\/em> vom 2. September 2004, der das Bild abdruckte, \u00fcbersah diese der westlichen Rezeption widersprechende Ambivalenz und kommentierte es mit: \u201eChildren fled in terror as swarms of ravenous locusts invaded Senegal\u2019s capital, Dakar, yesterday, devouring every patch of greenery in their path.\u201c<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>References<\/strong><\/p>\n<p>Anstey, Michael L., Stephen M. Rogers, Swidbert R. Ott, Malcolm Burrows, Stephen J. Simpson (2009): Serotonin Mediates Behavioral Gregarization Underlying Swarm Formation in Desert Locusts. <em>Science<\/em> 323, 5914: 627-630.<\/p>\n<p>Bazazi, Sepideh, Jerome Buhl, Joseph J. Hale, Michael L. Anstey. Gregory A. Sword, Stephen J. Simpson, Iain D. Couzin (2008): Collective motion and cannibalism in locust migratory bands. <em>Current Biology<\/em> 18(10):735\u2013739. doi:10.1016\/j.cub.2008.04.035<\/p>\n<p>Bazazi, Sepideh, Christos C. Ioannou, Stephen J. Simpson, Gregory A. Sword, Colin J. 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