{"id":6732,"date":"2021-02-23T00:44:05","date_gmt":"2021-02-22T23:44:05","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=detours&#038;p=6732"},"modified":"2021-02-23T15:36:34","modified_gmt":"2021-02-23T14:36:34","slug":"die-stimme-des-predigers","status":"publish","type":"detours","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/detours\/die-stimme-des-predigers\/","title":{"rendered":"Die Stimme des Predigers"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/6732?pdf=6732\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/6732?pdf=6732\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<div id=\"attachment_6735\" style=\"width: 769px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6735\" class=\" wp-image-6735\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bild-1-neu.jpg\" alt=\"\" width=\"759\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bild-1-neu.jpg 699w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/bild-1-neu-550x310.jpg 550w\" sizes=\"auto, (max-width: 759px) 100vw, 759px\" \/><p id=\"caption-attachment-6735\" class=\"wp-caption-text\">Quelle: <a href=\"https:\/\/artsandculture.google.com\/asset\/evangelische-und-katholische-predigt-flugblatt\/-AHc_R58zRS3wg?hl=de\">https:\/\/artsandculture.google.com\/<\/a><\/p><\/div>\n<p>Dem Anspruch und der Theorie nach galten die Prediger seit dem fr\u00fchsten Christentum als Medien einer aus dem Jenseits her\u00fcbert\u00f6nenden Verlautbarung des Allerh\u00f6chsten. In ihnen erkannte das Mittelalter und auch noch die fr\u00fche Neuzeit die \u201eWerkzeuge der Stimme Gottes\u201c,<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> sie waren die schallenden Instrumente einer durch sie hindurch wirkenden \u201ecausa efficiens principalis\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Wer die Worte eines inspirierten Apostels h\u00f6rte, h\u00f6rte gleich auch den Allm\u00e4chtigen: \u201eQui audit praedicatorem, audit Deum\u201c.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> So standen dann im besten Falle zwei Redner vor der Gemeinde: neben dem auf der Kanzel noch der andere \u201ein dem Himmel, der mit einer Hand regiret die Zung dessen, so da redet, mit der anderen aber bewegen mu\u00df die Hertzen, deren, so da zuh\u00f6ren\u201c.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Der predigende Leib<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> bildete dieser Vorstellung nach den Kanal aus, durch den das immer wahre Rauschen der Erl\u00f6sung ans Ohr der Gl\u00e4ubigen drang.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Da brauchte es keine rhetorische Kunstfertigkeit mehr,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> sondern vorz\u00fcglich Demut<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> \u2013 Demut gegen\u00fcber der medialen Aufgabe, dem Unerh\u00f6rten die menschliche Stimme zu leihen. Das Amt des Dolmetschers forderte vom Prediger das uneigentliche Verm\u00f6gen, das innerlich Vernommene in ein \u00e4u\u00dferlich Vernehmbares zu \u00fcbersetzen,<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> H\u00f6rer und Sprecher zur gleichen Zeit zu sein.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Dabei machte sich der Redner als \u201eAbgesandter des Himmels und Diener der g\u00f6ttlichen Befehle\u201c im besten Falle selbst vergessen,<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> \u00fcbernahm die unscheinbare Rolle eines Brieftr\u00e4gers g\u00f6ttlicher Post.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Im Gegensatz zur antiken Rhetoriktradition ging es in der geistlichen Beredsamkeit nicht mehr darum einen individuellen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen oder die Position einer Partei zu verteidigen, sondern allein noch um die Verk\u00fcndigung einer l\u00e4ngst schon geoffenbarten Heilsgewissheit. Der Prediger stand in der Aufgabe, aus dem irreduziblen Glaubensschatz der heiligen Schriften mit leicht konvertierbarer M\u00fcnze auszuzahlen. Weil diese Rede von Gott dem Gl\u00e4ubigen das \u201eobjektiv Wahre\u201c bot, mu\u00dfte die Frage nach dem Redner und seiner Kunst zu einer Banalit\u00e4t verflachen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Einer kunstvollen Rhetorik und tiefsinnigen Philosophie setzte man nun das vermeintlich einfache und dadurch eing\u00e4ngige Wort Gottes entgegen.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Dabei war der Prediger gehalten, die Botschaft, die er in gn\u00e4diger Zuwendung erhielt und in sich verwahrte, dem N\u00e4chsten ganz uneigenn\u00fctzig weiterzugeben. Wo diese innigste Wahrhaftigkeit ins Sprechen kam, durfte und konnte Falsches nicht sein. Eine zu affektierte und damit k\u00fcnstliche \u201eactio\u201c des Predigers, das selbstverliebte Vordr\u00e4ngen der Person gegen\u00fcber der Sache, kurz die Abg\u00f6tterei mit der eigenen Hochsch\u00e4tzung, brachte das Andere f\u00fcr die Anderen zum verstummen. \u201eEin Prediger, der sich selbsten mit hohen Worten flattiret, wird von keinem Geist GOttes angeblasen.\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Da war Vorsicht angeraten. Man mahnte dazu, die M\u00e4ngel und S\u00fcnden der Individualit\u00e4t im Licht des g\u00f6ttlichen Wortes zu erkennen und sie unnachsichtig zu kreuzigen.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Der erst in solch einer unabdingbar kompromislosen Selbstverkleinerung m\u00f6gliche Eindruck himmlischer Gnade sollte dann wahrhaftig wieder zum Ausdruck gebracht werden, die Vermittlung und ihre Technik aber in Unsichtbarkeit fallen \u2013 Akkomodation hie\u00df die Losung: \u201eMan mu\u00df also die Liebe, mit einer s\u00fcssen, vergn\u00fcgten, anlockenden, den Ha\u00df aber mit einer rauhen, harten, verdr\u00fc\u00dflichen Stimme ausdr\u00fccken. Der Zorn erfordert eine geschwinde, erhabenere und schreyende Aussprache; so da\u00df die Stimme immer abwechsle, und kaum ein Wort vor dem andern Platz habe. Das Mitleiden hingegen mu\u00df, mit einer sanften dabey aber kl\u00e4glichen, und langsamen Aussprache ausgedr\u00fcckt werden.\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Alle rhetorische Mittel hatten bei solch einer Rede zur\u00fcckzutreten, die authentischen Ausdrucksformen eigenen Empfindens jedoch nach vorne, denn nicht die Kunst, sondern die Natur machte da mit Begeisterung von sich reden, ganz urspr\u00fcnglich und \u2013 so wurde immer wieder behauptet \u2013 radikal ehrlich. Nur jener Prediger gewann \u00fcber seine H\u00f6rer Macht, der die jeweilige Leidenschaft auch wirklich empfand. Nur einer, der selbst innerlich brannte, mochte es verstehen, die Vielen zu entflammen:<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> \u201eJe reiner, je deutlicher, je inniger der Mensch seine eigenen Empfindungen an den Tag legt, desto eher kann und muss es ihm gelingen, das nat\u00fcrliche Mitgef\u00fchl anderer in Th\u00e4tigkeit zu setzen, verwandte und \u00e4hnliche Saiten des fremden Gem\u00fcthes schnell und kr\u00e4ftig zu ber\u00fchren, und zum lauten Einklange zu stimmen.\u201c<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Die Voraussetzung zur erfolgreichen Transmission eingesenkter Gnaden konnte deshalb nur eine ganz und gar echte Rede sein, eine solche, die aus dem Herzen kam und darum auch zu Herzen ging.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Die Gaben Gottes verliehen der Stimme und den Worten des Predigers idealerweise \u201eein solche Krafft\u201c, selbst \u201eaus harten Felsen mitleidige Bu\u00df- und Trauer-Z\u00e4her\u201c herauszupressen.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Und will man der hagiographischen \u00dcberlieferung Glauben schenken, gelang dies immer wieder ganz vorz\u00fcglich, so etwa bei dem Kapuzinergeneral Lorenzo da Brindisi: \u201eEr bewegte seine Zuh\u00f6rer zum Schr\u00f6cken und Forcht der S\u00fcnd, und indeme er selbst auf der Cantzel zu mehrmahlen h\u00e4uffige Z\u00e4her-Perlen liesse herunter fallen, den Verlurst [sic] der so kostbaren Seelen andurch geb\u00fchrend zu beweinen, sahe er mit grossen Hertzens-Trost, da\u00df auch hingegen seine Zuh\u00f6rer in Erwegung der begangenen S\u00fcnden sich erg\u00fc\u00dften in h\u00e4uffige Bu\u00df-Thr\u00e4nen; Ja das auch aus den Felsen, will sagen, aus s\u00fcndhafft, verstockten Hertzen das Wasser der Bu\u00df hervorquellte\u201c.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Das befreiende Seufzen und erl\u00f6sende Schluchzen, das vom Publikum aus gegen einen solch ber\u00fcckenden Redner zur\u00fcckbrandete, lie\u00df die treffliche Wirkung des Gesagten lautbar werden. Als die sichtbarste \u201eErfolgskontrolle\u201c<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> der sprachlichen Unterweisungen galten allerdings die Tr\u00e4nen der Gemeinde, sie waren das sch\u00f6nste Lob des Rhetors: \u201eLachrymae auditorum nominantur laudes oratoris\u201c.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> In der christlichen Wohlredenheit wurde der innerlichen R\u00fchrung der Zuh\u00f6rer, also dem \u201emovere\u201c oder \u201eflectere\u201c, der h\u00f6chste Platz im rhetorischen Dreischritt einger\u00e4umt. \u201eWenn also der kirchliche Redner eine Pflicht einsch\u00e4rft, dann mu\u00df er nicht blo\u00df lehren, um zu unterrichten und darf nicht nur erg\u00f6tzen, um zu fesseln, sondern er mu\u00df auch r\u00fchren, um zu siegen.\u201c<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Da, wo es dem Redner unter dem st\u00fcrmischen Andrang starker eigener Empfindungen die Stimme verschlug, oder auch da, wo seine r\u00fchrenden Worte im Rumoren seiner aufgew\u00fchlten H\u00f6rerschaft untergingen, kam die Beredsamkeit des K\u00f6rpers zur Hilfe. War der Prediger mit seinem Latein am Ende, wurde vom Schwierigsten mit H\u00e4nden und F\u00fcssen, mit Gesten und Minen und nat\u00fcrlich \u00fcbernat\u00fcrlich auch mit den Tr\u00e4nen gesprochen.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Dabei nahm das z\u00e4hrentreibende Bem\u00fchen um eine ehrliche Affekt\u00fcbertragung stets Bezug auf einen Vers, der der Poetik des Horaz zu entnehmen war und der da lautete: \u201esi vis me flere dolendum est primum ipsi tibi\u201c<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> \u2013 hier angef\u00fchrt einmal in der sch\u00f6ngereimten Verdeutschung des Dichters Johann Christoph Gottsched: \u201eDrum, wenn ich weinen soll; \/ So zeige du mir Dein Auge thr\u00e4nenvoll\u201c,<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> das andere mal in der pastoralen Wendung des Jesuitengenerals Francisco de Borja: \u201eDer Prediger erf\u00fclle sich selbst mit jener Herzensgesinnung, die er den Zuh\u00f6rern mitteilen m\u00f6chte; denn unm\u00f6glich ist es andere zu bewegen, wenn man nicht selbst zuerst bewegt und entflammt ist. Ganz richtig ist das Wort: Willst du, da\u00df ich weine, dann mu\u00dft du selbst zuerst betr\u00fcbt sein \u2013 Si vis me flere, dolendum est primum ipsi tibi (Horat.).\u201c<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> Wenn es nicht gelang, das Auditorium zu Tr\u00e4nen zu r\u00fchren, konnte das als Zeichen allzu gro\u00dfer Trockenheit und K\u00e4lte der Rede und des Redners gewertet werden.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a> Um solche Mi\u00dferfolge zu vermeiden, setzten die K\u00fcnder des Gotteswortes auf den authentischen Ausdruck des Innersten, modellierten immer wieder neu ihre eigenen Empfindungen und ent\u00e4u\u00dferten sie als geoffenbarte Wahrheitsrede. Die vermeintlich gottgegebenen Affekte dr\u00fcckten sich dabei unmittelbar im Wechsel der Stimme aus. Dies aber nicht selten mit zwanghafter Intensit\u00e4t und oft auch unter m\u00e4chtiger Verbiegung der lautsprecherischen Begabungen. Wo allein die Wahrheit t\u00f6nen sollte, h\u00f6rte man die Prediger h\u00e4ufig schreien wie die \u201eFa\u00dfzieher, Schifftrollen oder TriacksKr\u00e4mmer\u201c.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a> Ein immer wieder begangener Fehler war, \u201evom tiefsten auf den h\u00f6chsten, vom gem\u00e4\u00dfigten auf den heftigen Ton, von der Gelassenheit auf einmal ins gr\u00f6\u00dfte Feuer\u201c zu geraten, also die verschiedenen Empfindungen unvermittelt nebeneinander zu stellen. Aus Wien wurde berichtet, da\u00df Leute \u201ewegen des g\u00e4hen Aufschreyens und Polterns eines gewissen Predigers manchmal die Kirche mit Ohrenschmerzen verlassen\u201c mu\u00dften.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\">[32]<\/a> Zu starke Kontraste im Ausdruck waren wider den Anstand. Recht tat der, welcher die Natur als eine \u201eadamisch-paradisische Urspr\u00fcnglichkeit\u201c ansah, als einen Zustand, der eine unmittelbare Sprechhaltung zeitigte, ohne Affektierung, ohne Zwang und vor allem ohne gesuchte Kunstfertigkeit.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> Jede Gef\u00fchls\u00e4u\u00dferung war unn\u00fctzlich, bei dem das Publikum auf den Verdacht verfallen konnte, sie sei durch die Kunst entstanden.<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a> T\u00e4uschungsversuche machten den Prediger zu einem \u201ehistrio\u201c und \u201eioculator\u201c, zu einem Clown oder Possenrei\u00dfer, der seines Amtes nicht w\u00fcrdig war.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\">[35]<\/a> Bei der \u00dcberzeugungsrede galt immer das oberste Gesetz der Affekt\u00fcbertragung: \u201eIhr werdet einen Affekt allezeit nat\u00fcrlicher ausdr\u00fccken, den ihr in dem Herzen f\u00fchlet, als den ihr nur simulieret. Die Leidenschaft wird euch im ersten Fall alle Figuren der Rhetoric auf die Zunge legen, ohne da\u00df ihr sie studieret.\u201c<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a> Um die Menge zu erreichen, ben\u00f6tigte die Stimme keine b\u00fchnenhafte Verstellung, sondern das wahre Timbre \u00fcberweltlichen Empfindens, denn erst das eigene durchzittert werden sprach den Gl\u00e4ubigen unmittelbar an.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a> Das Einfachste war auch hier das Schwerste, denn ein solch wahres und authentisches Sprechen hatte mannigfaltigen Anforderungen zu gen\u00fcgen. Einerseits musste die Rede dem Gegenstand genau angemessen sein, andererseits aber immer auch das Publikum p\u00fcnktlich adressieren \u2013 Akkomodation war auch hier die beste Regel: \u201eEin guter Prediger zeigt, ohne sich zu f\u00fcrchten, oder der Wahrheit zu schaden, vor dem Hofe und den Gro\u00dfen Ehrerbiethung und Bescheidenheit, m\u00e4\u00dfigt die Sprache, und schr\u00e4nkt die freyen Geb\u00e4rden ein; in der Stadt, wo er verschiedene Zuh\u00f6rer hat, ahmt er einigerma\u00dfen den Prediger des Hofes nach; doch erlaubt er sich manchmal zur rechten Zeit bald den vertraulichen, bald den Ton des Ansehens. Nur vor dem P\u00f6bel und auf dem Lande darf er schreyen, schlagen, \u00fcbertrieben heftige Bewegungen machen: denn nur bey einem solchen Zuh\u00f6rer gilt das Get\u00fcmmel soviel als ein Beweis.\u201c<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> Daraus folgte, dass jede Unangemessenheit die Rede um ihren Kredit bringen musste. Und war der erst einmal verspielt, fiel die Menge gleich der Unaufmerksamkeit anheim und wom\u00f6glich in den sprichw\u00f6rtlichen Predigtschlaf. Das gr\u00f6\u00dfte Problem des Kanzelredners war es, seine Mediumit\u00e4t als solche zu akzeptieren und diese Rolle ehrlich auszuf\u00fcllen. Der geistliche Redner rang immer wieder mit der Anforderung, das Andere im Selbst als uneigentliche Authentizit\u00e4t nicht nur wahrzunehmen, sondern auch vorzustellen und auszugeben. Das hie\u00df nichts anderes, als sich immer wieder als die Stimme jenes anderen Predigers zu begreifen, als mit sich selbst nicht identisch, eben \u201eals lebendiges, pers\u00f6nliches Organ des g\u00f6ttlichen Geistes.\u201c<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> Erst die von irgendwo herkommende Begeisterung qualifizierte die Predigt zum Wunder und gab der Stimme ihre durchdringende Kraft.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a> Wer sich solch einer g\u00f6ttlichen F\u00fchrung nicht \u00fcberantwortete, mu\u00dfte Schaden anrichten oder an seiner Aufgabe Irre werden. Der \u00fcbernat\u00fcrliche Charakter der Verk\u00fcndigung verlangte die paradoxe, ja geradezu schizophrene Bef\u00e4higung, den Ausdruck so weit als m\u00f6glich zu entindividualisieren, gleichzeitig aber dem zu vermittelnden Inhalt in radikaler Weise Gestalt zu geben, kurz, die g\u00e4nzlich uneigentliche Rede als Eigenstes zu verk\u00f6rpern.<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> Zwischen diesem heiligen Anspruch und dem menschlichen Verm\u00f6gen taten sich allerdings Abgr\u00fcnde auf, Abgr\u00fcnde der Differenz. Die Prediger hatten es schwer, der gottgef\u00e4lligen Enteignung der eigenen Sprache immer wieder Stimme zu verleihen. Die Bew\u00e4ltigung des eigentlich Widerstreitenden kam nicht ohne festdefinierte Rahmenbedingungen aus. Der Kanzelredner brauchte den systemgest\u00fctzten Glauben als Grundlage der wahren Rede. Denn ohne die projektive Kraft einer begehrenden Zuh\u00f6rerschaft blieb jeder stimmliche Versuch, vom Jenseits zu k\u00fcnden, g\u00e4nzlich unerh\u00f6rt. Erst in dieser sich immer wieder ereignenden dialektischen Mediatisierung der Glaubensgeheimnisse konnte der Prediger zur \u201equasi vox omnipotentis Dei\u201c werden und damit zum K\u00fcnder christlicher Heils\u00f6konomie. Das Medium war auch hier bestenfalls die Botschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Footnotes<\/strong><\/p>\n<p>* F\u00fcr den Redner Erhard Sch\u00fcttpelz rezykliert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Schneyer, Johann Baptist: Die Heilsbedeutung der Predigt in der Auffassung katholischer Prediger. Ein historischer Beitrag zur Theologie der Predigt, in: Zeitschrift f\u00fcr katholische Theologie 84 (1962), 152\u2013170, hier 158 mit Verweis auf Seraphim von Vicenza, Quadragesimale. M\u00fcnchen 1767, 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Roth, Dorothea: Die mittelalterliche Predigttheorie und das Manuale Curatorum des Johann Ulrich Surgant. (= Basler Beitr\u00e4ge zur Geschichtswissenschaft 58) Basel und Stuttgart: Verlag von Helbing &amp; Lichtenhahn\u00a0 1956, 88 mit Verweis auf Jacobus de Fusignano, Ars praedicandi: \u201eWirkursache der Predigt ist einerseits Gott (causa efficiens principalis), andererseits der Prediger (causa efficiens instrumentalis), dessen Zunge von Gott bewegt wird.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Schneyer (wie Anm. 1), 156 mit Verweis auf einen anonymen Prediger des Cod. Angers 401, f. 172r: \u201eQui audit praedicatorem, audit Deum.\u201c Oder eben Christus P. Rudolf Graser\u2019s, weiland Kapitularen des Benediktiner-Stiftes Kremsm\u00fcnster, Predigten auf alle Sonn- und Festtage des Jahres. Neu herausgegeben von P. Wisintho Hartlaner, Mitglied desselben Stiftes. Mit oberhirtlicher Bewilligung und Erlaubni\u00df der Obern. [2 Bde.] Zweite, sorgf\u00e4ltig durchgesehene und verbesserte Auflage. Linz: M. Quireins\u2019s Verlag 1879, 216.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Herzog, Urs: Geistliche Wohlredenheit. Die katholische Barockpredigt. M\u00fcnchen: C.H. Beck 1991, 325 mit Verweis auf Franz Hunolt, Christliche Sitten-Lehr uber die Evangelische Wahrheiten. 6 Bde. Augsburg \/ W\u00fcrzburg 1751\u20131754, I, 65 b.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Schneyer (wie Anm. 1), 156 mit Verweis auf eine anonyme Sermonesreihe in der Vaticana (Cod. Vat. Burgh. 24, 39vb): \u201eVox significativa dum pulsat exteriorem auditum simul cum hoc transit ad intellectum. Vox significativa Christus est, quae prius per prophetas, deinde per seipsum et apostolos suos, novissime vero per praedicatores modernos pulsare non desinit auditus nostros et exinde si fores reseratas invenerit transitum facit ad intellectum, ut ipsum illustret veritatis fulgore. Procedit etiam usque ad affectum, quem dulcorat caritatis amore, et ex his producit actum, quem confirmat securitatis vigore. Haec vox in sacris sollemnitatibus debet auditum pulsare \u2026 Vox Dei vox est praedicatoris \u2026 Dum enim praedicator loquitur, Deus loquitur, est enim quasi vox omnipotentis Dei loquentis.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Schneyer, Johann Baptist: Die Hochsch\u00e4tzung der Predigt bei den Predigern des Sp\u00e4tmittelalters (im Hinblick auf die Erneuerung der Predigt bei den Reformatoren), in: Wahrheit und Verk\u00fcndigung. Michael Schmaus zum 70. Geburtstag. Band 1. Herausgegeben von Leo Scheffczyk, Werner Dettloff, Richard Heinzmann. Paderborn [etc.]: Verlag Ferdinand Sch\u00f6ningh 1967, 579\u2013597, hier 585\u2013586 mit Verweis auf Johannes Tauler, Conciones spirituales \u2026, K\u00f6ln 1660, 110: \u201eDas ewige Wort flie\u00dft aus dem Prediger, wenn er auf der Kanzel steht \u2026 Denn gleichwie das Wasser durch einen Kanal flie\u00dft, also flie\u00dft das Wort Gottes aus dem Prediger. Wir sollen nicht auf den Lehrer sehen, ob er vielleicht mit S\u00fcnden (beladen) ist, sondern wir sollen das ewige Wort in seinem Wesen sehen, wie es von Ewigkeit her aus Gottes Mund geflossen ist\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> M\u00fcller, Hans Martin: Homiletik, in: Theologische Realenzyklop\u00e4die. Band XV. Berlin \/ New York: Walter de Gruyter 1986, 526\u2013565, hier 528: \u201ePredigt ist getragen nicht von Weisheit und Redekunst, sondern vom Geist Gottes.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Herzog (wie Anm. 4), 303: \u201e\u201aEin vornehmer Prediger ist die Herrin Demut\u2018 (Aegidius von Assisi).\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Bopp, Linus: Die Heilsm\u00e4chtigkeit des Gotteswortes nach den V\u00e4tern, in: Theologie und Predigt Ein Tagungsbericht. Herausgegeben von Otto Wehner und P. Dr. Michael Frickel OSB. (= Arbeitsgemeinschaft katholischer Homiletiker Deutschlands. Arbeiten und Berichte Heft 1) W\u00fcrzburg: Bonitas Bauer 1958, 190\u2013224, hier 203 mit Verweis auf Augustinus Sermo 179, 1 (PL 38\/39, 966).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Auf Augustinus bezogen Mainberger, Gonsalv K.: Rhetorica I. Reden mit Vernunft. Aristoteles, Cicero, Augustinus. (= problemata 116) Stuttgart-Bad Cannstadt: frommann\u2013holzboog 1987, 360: \u201eDer heidnische Redner war darauf bedacht, da\u00df Wort und Sache \u00fcbereinstimmten. Das Rednersein des Redners Gottes jedoch konstituiert sich dadurch, da\u00df er sich als <em>H\u00f6rer <\/em>des redenden Gottes versteht und ausbildet.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> [Wurz, Ignaz:] Ignaz Wurz der Gottesgelahrheit Doctors und kaiserl. k\u00f6nigl. \u00f6ffentlichen Lehrers der geistlichen Beredsamkeit an der Universit\u00e4t zu Wien Anleitung zur geistlichen Beredsamkeit. Zweyter Band. Zweyte Auflage. Wien, Verlegts Augustin Bernardi 1776, 314: \u201eWeiters, da der Prediger einen Abgesandten des Himmels und Diener der g\u00f6ttlichen Befehle vorstellet; so mu\u00df er in seinem Vortrage jederzeit der Hoheit seiner W\u00fcrde eingedenk seyn. Alles Leichtsinnige, Gezwungene, Weltliche, alles, was zur Mode geh\u00f6rt, sey von ihm in der Sprache, in den Geb\u00e4rden, in den Stellungen des K\u00f6rpers, in der Kleidung entfernet. Ein jeder Fehler, den er sich hierinnen erlaubet, schw\u00e4cht den Nachdruck des g\u00f6ttlichen Wortes.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Herzog (wie Anm. 4), 303 mit Verweis auf Pacificus a Cruce, Geistlicher Sittenwald, 89b: \u201eMan siehet nicht viel auff den Brieff-Tr\u00e4ger, sondern man betrachtet denjenigen von welchem der Brieff herkommet, und den Inhalt des Brieffs.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Eybl, Franz M.: Gebrauchsfunktionen barocker Predigtliteratur. Studien zur katholischen Predigtsammlung am Beispiel lateinisch und deutscher \u00dcbersetzungen des Pierre de Besse. (= Wiener Arbeiten zur deutschen Literatur 10) Wien: Wilhelm Braum\u00fcller Universit\u00e4ts-Verlagsbuchhandlung 1982, 50.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Herzog (wie Anm. 4), 225 mit Verweis auf Bossuet, \u0152uvres oratoires. [Band 2] Edition critiques compl\u00e8te par Joseph Lebarq. Lille\/Paris: Descl\u00e9e &amp; de Brouwer 1891, 302: \u201eLe discours de l\u2019Ap\u00f4tre est simple; mais ses pens\u00e9es sont toutes divines. S\u2019il ignore la rh\u00e9torique, s\u2019il m\u00e9prise la philosophie, J\u00e9sus-Christ lui tient lieu la tout: et son nom qu\u2019il a toujours \u00e0 la bouche, ses myst\u00e8res qu\u2019il traite si divinement, rendront sa simplicit\u00e9 toute-puissante.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Herzog (wie Anm. 4), 260 mit Verweis auf Ignaz Ertl (OESA), Rorantis Coeli et Amantis Dei Deliciae I (Pacis Oliva), N\u00fcrnberg 1700, in der \u201eVorred An den gro\u00dfg\u00fcnstigen Leser\u201c (A iii).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> [Harnack, Theodosius:] Geschichte und Theorie der Predigt und der Seelsorge. Von Dr. Th. Harnack. (= Praktische Theologie II, 3\u20134) Erlangen: Verlag von Andreas Deicher 1878, 227.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Herzog (wie Anm. 4), 308 mit Verweis auf Rudolf Graser OSB, Praktische Beredsamkeit der christlichen Kanzel. Augsburg 1769, 671. Siehe auch Wurz (wie Anm. 11), 339: \u201eDie Affecte haben die meisten Ver\u00e4nderungen; er [der Prediger] studire, und beobachte sie genau. Die Liebe hat eine sanfte, freye, lebhafte Stimme; mischet sie sich zu andern Affecten, so nimmt sie den Ton derselben an. Der Ha\u00df hat eine heftige, rauhe, verdr\u00fc\u00dfliche; das Verlangen eine schnelle, dringende, in den letzten Sylben stark abfallende; der Abscheu wie der Ha\u00df; ist Verachtung dabey, eine stolze Stimme; wenn sie sehr heftig ist, eine gedr\u00fcckte, oft unterbrochene; die Zufriedenheit eine erhabene und sich durchaus gleiche; die Traurigkeit eine ged\u00e4mpfte, kl\u00e4gliche, schmachtende; die Reue nebst dem Tone der Traurigkeit oft langsame, kl\u00e4gliche, sanfte; der Neid die Stimme des Hasses, Zornes, Verlangens; die Nacheiferung eine schnelle, heftige, feste; der Zorn eine starke, heftige, schnelle, schreyende, sehr abwechselnde; der Unwille eine gleiche, aber gem\u00e4\u00dfigt; Hoffnung, K\u00fchnheit, und Vertrauen eine erhabene und muntere; das Mistrauen wie die Furcht; die Verzweiflung bald wie die Traurigkeit, bald wie [340] Ha\u00df und Zorn; die Furcht eine ged\u00e4mpfte, bebende, verwirrte und schwache; das Schrecken theils eine gleiche mit der Furcht, theils eine heftige und schreyende; die Scham endlich, als eine Art der Furcht, spricht eben so wie diese, wenn sie nicht gar zu gro\u00df ist.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> [Erasmus von Rotterdam:] Ecclesiastes, sive de ratione concionandi, \u00e9dit\u00e9 par Jacques Chomarat. [2 Bde.] (= Opera Omnia V, 4\u20135) Amerstdam [etc.]: Noth-Holland 1991\u20131994, II, 82 [III, 982]: \u201e\u2026 nihil esse efficacius ad concitandos pios affectus quam si ipse fueris pie affectus, neque quicquam vtilius ad sedandos improbos affectus quam si ipse fueris ab his alienus. Scite dictum est, <em>nihil incendere nisi ignem<\/em>. Mens ignea linguam facit igneam. Nec ignis aliud potest quam vrere, si proprius accedas. Nemo efficaciter inflammat ad pietatem, nisi qui vere pius est. Nemo potentius reuocat a vitiis quam qui ipse ex animo odit vitia. Per hunc enim Spiritus ipse loquitur, suumque donum transfundit in auditores. Nec id mirum, quando vera pietas in oculis, vultu totoque corporis habitu relucens, etiam si non accedat quasi vehiculum oratio, rapit et afficit intuentes.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Schott, Heinrich August: Die Theorie der Beredsamkeit mit besonderer Anwendung auf die geistliche Beredsamkeit in ihrem ganzen Umfange. Erster Theil. Leipzig, bei Johann Ambrosius Barth 1815, 30.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Ebd., 100\u2013101 Anm.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> [de Rossi, Angelo Maria (OFM CAP.):] Leben, Wandel und Todt, Des Grossen Wunderth\u00e4tigen Diener Gottes Laurentii von\u00a0 Brundisio, Weiland gewesten Ministri Generalis des gesammten Capuc. Ordens. Ehedessen in Welscher Sprach zum Druck bef\u00f6redert Von R. P. Angelo Maria de Rossi vormahls gewesten Provincialen der R\u00f6mischen Capuciner-Provinz, Nunmehro aber Zu gr\u00f6sserer Ehr des Allerh\u00f6chsten und Auferbauung des Neben-Menschen In das Teutsche getreulich \u00fcbersetzt, Von einem erwehnten Ordens Priesteren Tyrolischer Provinz. Mit Genehmigung der Oberen. Augspurg und Ihnsprugg, In Verlag Joseph Wolff, Buchh\u00e4ndlers, Anno 1751, 109: \u201e\u2026 da er eintweders auf der Cantzel vor h\u00e4uffig-versammleter Volcks-Menge, oder in den Cl\u00f6steren vor seinen geistlichen S\u00f6hnen und Mit-Br\u00fcderen oder aber vor weltlichen Stands-Personen in einem Privat-Discurs von dem bitteren Leyden und Sterben eine Anred hielte, seine Wort derma\u00dfen eingreiffend und beweglich waren, da\u00df die Hertzen der Anwesenden, ob sie schon verstockt und hartneckig, sich gleichwohl m\u00fc\u00dften andurch erweichen lassen, weil nehmlich die in LAURENTIO brinnende Liebe zu dem leidenden JESU seinen Worten ein solche Krafft gabe, welche sogar aus harten Felsen mitleidige Bu\u00df- und Trauer-Z\u00e4her kunten hervor locken.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Ebd., 17.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Blaicher, G\u00fcnther: Das Weinen in mittelenglischer Zeit. Studien zur Geb\u00e4rde des Weinens in historischen Quellen und literarischen Texten. Inaugural-Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Philosophie der Philosophischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t des Saarlandes. Saarbr\u00fccken 1966, 64\u201372 [Weinen bei der Predigt]. Siehe F\u00f6cking, Marc: <em>Rime Sacre<\/em> und die Genese des barocken Stils. Untersuchungen zur Stilgeschichte geistlicher Lyrik in Italien 1536\u20131614. (= Text und Kontext 12) Stuttgart: Franz Steiner Verlag 1994, 41.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Vgl. Caussin, Nicolas (S. J.): De Eloquentia sacra e humana libri XVI. Editio Secunda. Coloniae Agrippinae, Apud Ioannem Kinckivm, sub Monocerote. Anno M. D. CXXVI, [Liber Octavvus De Affectibus, cap. XL. De miserationibus, &amp; lachrymis. De varijs generibus lachrymarum. Capvt XL], 421 (1\u20132): \u201eDeuenimus ad eum affectum, in quo saepius triumphare solet maximorum. Oratorum industria, siquidem dolore[m] ex alienis praesertim malis imprimere, miserationem concitare, lachrymas elicere grandis [2] est, &amp; felicis eloquentiae, nec immerit\u00f2 <em>Lachrymae auditorum <\/em>nominantur <em>laudes oratoris<\/em>.\u201c [Auszeichnungen von Caussin.] Auch schon fr\u00fcher nachweisbar. Vgl. F\u00f6cking (wie Anm. 23), 41 mit Verweis auf Augustini Valerii Episcopi Veronae De Rhetorica Ecclesiastica Libri Tres, cum Synopsis &amp; Praelectionibus \u2026 , Veronae Apud Hieronymum &amp; fratres Stringarios MDLXXXIII., 57v [Dort mit Berufung auf einen Brief des Hieronymus: \u201eDivus Hieronymus ad Nepotianum scribens (\u2026): Laudes (inquit) tuae lacrymae auditores sint\u201c; und J. D. Mansi, Sacrorum Conciliorum nova et amplissima collectio, 1759ff. 60 Bde., Bd. 34a, Sp.11 [dort mit Verweis auf ein Mail\u00e4nder Synode von 1565]: \u201epietate, &amp; lacrymas commoveant auditoribus\u201c. Auch Blaicher (wie Anm. 23), 65\u201366: \u201eHieronymus schreibt in einem Breif an Nepotian: \u201alachrymae auditorium laudes tuae [66] sint\u2018.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Herzog (wie Anm. 4), 222 mit Verweis auf Aurelius Augustinus, Vier B\u00fccher \u00fcber die christliche Lehre (IV, 12), in: BKV [Bibliothek der Kirchenv\u00e4ter] 49, 187.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> a Lapide, Cornelius (S. J.): Commentarii in scripturam sacram. Editio Recens [10 vol.], Apud J. B.\u00a0 Pelagaud, S. S. D. D. Papae Bibliotypographum. Lugduni, Parisis, M. D. CCC. LXV., X, 403\u2013591 [Commentarius in Epistolam Sancti Jacobi], hier 586.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Horaz. Episteln. Lateinisch und Deutsch. \u00dcbersetzt und erl\u00e4utert von Christoph Martin Wieland. Bearbeitet und herausgegeben von Gerhard Wirth. (= Rowohlts Klassiker der Literatur und Wissenschaft. Lateinische Literatur 5) Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1963, 232\u2013266, hier 237: \u201eEin Dichtwerk sei sch\u00f6n, sei fehlerfrei, \/ dies ist sehr viel, allein noch nicht genug; \/ um zu gefallen, sei es lieblich auch \/ und stehle sich ins Herz des H\u00f6rers ein, \/ um, was der Dichter will, aus ihm zu machen. \/ Ein lachend oder weinend Angesicht \/ bringt, wie wir\u2019s ansehn, augenblicklich auch \/ ein L\u00e4cheln oder einen traur\u2019gen Zug \/ in unsers. Willst du, da\u00df dein Ungl\u00fcck mich \/ zu Tr\u00e4nen r\u00fchren soll, mein guter Peleus \/ und Telephus, so mu\u00dft du selbst weinen! \/ Sind deine Reden deiner Lage nicht \/ gem\u00e4\u00df, so werd\u2019 ich g\u00e4hnen oder lachen\u201c. Auch 256\u2013257: \u201eNon satis est pulchra esse po\u00ebmata, dulcia sunto, \/ et quocunque volent animum auditoris agunto! \/ Ut ridentibus arrident, ita flentibus adsunt \/ humani vultus: si vis me flere, dolendum est \/ primum ipsi tibi, tunc tua me infortunia laedent \/ Telephe vel Peleu! Male si mandata loqueris \/ aut dormitabo aut ridebo.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Stenzel, J\u00fcrgen: \u201eSi vis me flere \u2026\u201c \u2013 \u201eMusa iocosa mea\u201c. Zwei poetologische Argumente in der deutschen Diskussion des 17. und 18. Jahrhunderts, in: Deutsche Vierteljahresschrift fu\u0308r Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 48 (1974), 650\u2013671, hier 659 mit Verweis auf Johann Christoph Gottsched: Versuch einer Critischen Dichtkunst. 4. Auflage (1751; Neudruck 1962), 21: \u201eEs ist unm\u00f6glich, die Affekten andrer Leute zu r\u00fchren, wen man nicht selber derglichen an sich zeiget.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Borja, Francisco (S. J.): Rhetoricae ecclesiasticae sive De Ratione Componendae Concionis Libri tres. Coloniae, Apud Ioannem Crithium. nno M. D. CXII. Darin: De oratione concionandi. Libellus, 142\u2013188, hier 155. Vgl. Krus, Franz Servatius (S. J.): Fragen der Predigt-Ausarbeitung. Mit einer \u00dcbersetzung der Ratio concionandi des hl. Franz Borgias. Innsbruck: Druck und Verlag von Felizian Rauch 1916, 119 [Borja, Anleitung zum Predigen, Kap. III, 5]: \u201eDer Prediger erf\u00fclle sich selbst mit jener Herzensgesinnung, die er den Zuh\u00f6rern mitteilen m\u00f6chte; denn unm\u00f6glich ist es andere zu bewegen, wenn man nicht selbst zuerst bewegt und entflammt ist. Ganz richtig ist das Wort: Willst du, da\u00df ich weine, dann mu\u00dft du selbst zuerst betr\u00fcbt sein \u2013 Si vis me flere, dolendum est primum ipsi tibi (Horat.).\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> F\u00f6cking (wie Anm. 23), 38\u201339 mit Verweis auf Philippi Diez Lusitani \u2026 Summa praedicantium ex omnibus locis communibus locupletiss., Lugduni apud Haered. Caroli Pesnot MDXCII, 178: \u201eSic quando concionator animos audientem non movet, signum est, quid aut concio eius frigide, inerter, &amp; magna cum negligentia, aut auditores illius duri erant, sicut lapides.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Herzog (wie Anm. 4), 304 mit Verweis auf Georg Scherer, Etliche Christliche Regeln f\u00fcr die Prediger, in: Postill Georgii Scherers uber die Sont\u00e4glichen Evangelia durch das gantze Jahr, Klosterbruck 1603, \u201eDie Neundte Regel\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Wurz (wie Anm. 11), 317.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Wurz (wie Anm. 11), 332.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Wurz (wie Anm. 11), 446.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Roth, Dorothea: Die mittelalterliche Predigttheorie und das Manuale Curatorum des Johann Ulrich Surgant. (= Basler Beitr\u00e4ge zur Geschichtswissenschaft 58) Basel und Stuttgart: Verlag von Helbing &amp; Lichtenhahn\u00a0 1956, 192 mit Verweis auf Erasmus, Ecclesiastes, [V, 5] III, 86 [983]: \u201eProinde nihil potentius ad excitandos bonos affectus quam piorum affectuum fontem habere in pectore.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Zit. nach Stenzel (wie Anm. 28), 657 dort mit Verweis auf Die Discourse der Mahlern. 1721\u20131722, hrsg. von Th. Vetter, I. Teil, Bibliothek \u00c4lterer Schriftwerke der deutschen Schweiz, 2. Serie, 2. Heft (1891), 93.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Schneyer (wie Anm. 1), 154: \u201eDer Prediger r\u00fchrt nur ans Ohr, Gott wirkt im Herzen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Wurz (wie Anm. 11), 313.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Harnack (wie Anm. 16), 246.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> Bohren, Rudolf: Predigtlehre. 4., ver\u00e4nderte und erweiterte Auflage. (= Einf\u00fchrung in die evangelischer Theologie 4) M\u00fcnchen: Chr. Kaiser Verlag 1980, 74: \u201eDie Predigt wird durch den Geist als Wunder qualifiziert.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Herzog (wie Anm. 4), 247\u2013248: \u201eIndem aber das Wort, um Predigt zu werden, sich seine Form gibt in der Person des Predigers als der gl\u00e4ubigen, ist diese nicht ein blosses Durchgangsstadium; sondern es muss Beides gesagt werden: das Wort gibt sich seine Form in der Person und diese wiederum gibt sie dem Wort. Beide wirken [248] zusammen; doch so, dass das Wort die <em>causa efficiens primaria <\/em>ist, die Person die secund\u00e4re. Denn die Prediger machen nicht das Wort Gottes, auch d\u00fcrfen sie nicht dar\u00fcber zu Gericht sitzen, es mehren oder mindern; sondern das Wort macht die Prediger und gibt sich in ihnen seine Form, aber seine freie, pers\u00f6nliche, gem\u00e4ss den im Geiste des Menschen gegebenen Gesetzen rednerischer Formbildung.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[477],"class_list":["post-6732","detours","type-detours","status-publish","hentry","autor-joseph-imorde"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/6732","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/detours"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/6732\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7012,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/6732\/revisions\/7012"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6732"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=6732"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}