{"id":10765,"date":"2023-02-23T06:59:41","date_gmt":"2023-02-23T05:59:41","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=detours&#038;p=10765"},"modified":"2023-02-23T13:54:00","modified_gmt":"2023-02-23T12:54:00","slug":"die-sprechstunde","status":"publish","type":"detours","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/detours\/die-sprechstunde\/","title":{"rendered":"Die Sprechstunde"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/10765?pdf=10765\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/10765?pdf=10765\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p style=\"font-weight: 400;\">In den letzten Jahren habe ich Fritz immer dann besucht, wenn ich in Berlin war. Mein Bruder wohnt\u00a0 ein paar Strassen weiter, und es war nur ein kurzer Weg bis zu seiner Klingel, einmal geradeaus von der Konstanzer Strasse bis zur S\u00e4chsischen, immer in banger Erwartung, ob er da sein w\u00fcrde und wann die Pforte meinen summenden Kopf durch ein beruhigendes Gegensummen erwiderte. So auch diesmal, und daf\u00fcr gleich an zwei Tagen hintereinander. Am Samstag begr\u00fcsste er mich nach einigen hoffnungslosen Extrasekunden frisch im Morgenmantel mit dem Satz: &#8222;Ach, Du bist das, Erhard! Das macht sonst niemand, hier vorbeizukommen ohne sich vorher zu melden.&#8220; Wir einigten uns, dass es dann ja ganz leicht w\u00e4re mich zu erkennen und ich daher doch angemeldet sei, und schon befanden wir uns in einer Fortsetzung der Gespr\u00e4chsthemen, die so alt waren wie unsere Bekanntschaft und unser freundschaftlicher Austausch der wertvollsten Rohstoffe, die wir zu verschenken haben: die Unterscheidung des Echten vom Unechten,\u00a0 die Markierung dessen, was sich zu wissen lohnt, erleichtert durch klassische Textstellen und die richtigen Literaturangaben. Wir stritten uns \u00fcber Schamanismus: Gab es ihn auch in h\u00f6fischen Kulturen, und wie erkl\u00e4rt man \u00fcberhaupt seine erratische Verteilung in Eurasien? Ich hatte wieder einmal eine radikale Position und empfahl ihm eine geologische Abbildung am Ende der <em>Mythologica<\/em> zum Vergleich. Er holte sich das Buch und legte es aufgeklappt auf den Tisch, um sich die Sache bis morgen zu \u00fcberlegen. Ich war erleichtert, da\u00df es ihm gut ging und wir uns wie zuvor spekulativ und desillusionierend durch die ganze Welt bewegten, ein wenig klapprig geworden und nicht nur er, aber in gewissem Sinne so alterslos wie die Freude auf einen sch\u00f6nen Tag an der frischen Luft. Vielleicht erschien es mir so, weil wir uns schon in einem beiderseitigen &#8222;mittleren Alter&#8220; kennengelernt hatten, an einem besonders sch\u00f6nen Morgen im Januar 1996 in Hamburg an der HfBK, und zwar in seiner regul\u00e4ren Sprechstunde, nachdem ich mir zuerst seine Vorlesung \u00fcber chinesische Landschaftsmalerei angeh\u00f6rt hatte und anschliessend bei klirrender K\u00e4lte auf dem gleissenden Eis des Kuhm\u00fchlenteichs hin- und hergestapft war, im hellsten Sonnenschein und mit immer l\u00e4ngeren Schattenspielen. Mein Name sagte ihm nichts, aber seine Augen leuchteten auf, als ich Thomas Hauschild erw\u00e4hnte, der mir zwischen den Jahren erz\u00e4hlt hatte, Fritz Kramer sei an der HfBK gelandet, an einem Ort, der mir nach vielen Jahren in der K\u00f6lner Kunstszene durch verschiedene Besuche &#8222;bei der B\u00fcttnerklasse&#8220; und &#8222;im Heubachseminar&#8220; schon vertraut war, vermutlich sogar etwas vertrauter als ihm, denn damals musste ich mich mit H\u00e4nden und F\u00fcssen dagegen wehren, mit den K\u00fcnstlern in einem \u00dcbermass von Feiern und Kunstaktionen zu versacken, und den Einladungen zu widerstehen, die mich endg\u00fcltig aus meiner nur noch auf dem Papier existierenden Universit\u00e4tslaufbahn hinauskatapultiert h\u00e4tten. Fritz hingegen, das sp\u00fcrte ich bei seiner Vorlesung, fremdelte an dieser Institution. Er war eben eher ein Denker als ein K\u00fcnstler, und weniger ein Reisender als ein Papst. Aber ich glaube, seine Abwehr reichte noch tiefer; sie str\u00e4ubte sich \u00a0\u00a0edagegen, da\u00df eine gekonnte Oberfl\u00e4chlichkeit mehr wert sein sollte als gr\u00fcndliches Nachdenken, und dass die Arbeit an pers\u00f6nlichen Visionen und Obsessionen sich in Form von Mode-Accessoires und Allotria verkleiden musste, um nicht instantan ausgemustert zu werden. Vielleicht war es sogar der alte Sozialist, der eine Kunst ablehnte, die mehr und mehr zum Spielzeug des Finanzkapitals wurde\u00a0 &#8211; aber das ist pure Vermutung, denn so hat er nie mit mir gesprochen. Mehr als einmal erschien er mit der Lampe in der Hand bei hellem Tageslicht, um an der HfBK einen K\u00fcnstler und seine Personalunion mit einem Menschen zu suchen; und am meisten hatten die K\u00fcnstler von ihm, wenn er nicht \u00fcber Kunst sprach, sondern etwa \u00fcber die Gemeinsamkeit von Fluchteuphorie und Urlaubsgef\u00fchlen, von Kriegstraumatisierungen und Maskenwesen, oder \u00fcber die mimetisch-taktile Aneignung der vier Elemente am Strand (Sonne, Sand, Luft, Wasser). Ich konnte seine Vorbehalte gegen die Welt, in die es ihn und mich verschlagen hatte, gut verstehen, und daher spielte sie in unseren sp\u00e4teren Gespr\u00e4chen so gut wie keine Rolle, und auch in diesem Erstgespr\u00e4ch nicht. Nachdem wir \u00fcber unseren gemeinsamen Bekannnten Thomas gesprochen hatten, stockte das Gespr\u00e4ch und ebenso unverbl\u00fcmt wie unvermittelt kam die Frage: &#8222;Und was wollen Sie von mir?&#8220; Darauf war ich vorbereitet. Ich befand mich &#8222;zwischen Diss. und Habil.&#8220; und wollte wissen, welchen Weg ich einschlagen sollte.\u00a0 Ich hatte mich jahrelang auf eine Arbeit zur Geschichte der Rhetorik in der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts vorbereitet. Meine Dissertation zur Sprachtheorie der rhetorischen Figuren hatte mich zwischenzeitlich in ein Gebirge verschlagen, das irgendwo zwischen Linguistik (S), Literaturtheorie (O), Sprachphilosophie (N) und Poststrukturalismus (W) lag, in einem Niemandsland, wo einige Hirten mit ihren Herden kurz zum Grasen vorbei kamen, aber nur, um sich anschliessend in alle vier Himmelsrichtungen zu zerstreuen und sich (und erst recht mich) den Rest des Jahres gr\u00fcndlich zu ignorieren. Ich musste noch einmal ganz von vorne anfangen und die Person, die sich im Gebirge verstiegen hatte, ihrem Schicksal \u00fcberlassen. Nach der Promotion war ich nach N.Y. gegangen, an die Columbia University, und das erste Buch, das ich im Laufe der in N.Y. unvermeidlichen Infektionen und Fiebertr\u00e4ume las, war <em>Shamanism, Colonialism and the Wild Man<\/em>von Michael Taussig. Ich hatte den Autor kennengelernt, war bei ihm in Seminaren und Vorlesungen und auf Parties, und auf diesem Wege kam mir <em>Der Rote Fes<\/em> in den Sinn, den ich in der englischen \u00dcbersetzung als <em>The Red Fez<\/em> wieder und wieder studierte, bis ich auch den verwickelten Anfang des Buches besser verstanden hatte. Danach gr\u00fcndete ich eine Lesegruppe, mit der ich Marcel Mauss, <em>Le Don<\/em>, Wort f\u00fcr Wort \u00fcbersetzte, bis aus dem Urwald ein Garten geworden war und aus dem Garten ein neuer terminologischer Urwald entstand; und versenkte mich zum Ausgleich Bild f\u00fcr Bild in <em>Les Ma\u00eetres Fous<\/em>, den Film von Jean Rouch, der <em>Verkehrte Welten<\/em> mit dem roten Fes verband. Jetzt war ich nach gr\u00fcndlicher Kramerlekt\u00fcre in seiner Sprechstunde gelandet, und meine Frage war:<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;Sie haben doch diesen Aufsatz \u00fcber <em>passiones<\/em> geschrieben&#8230;. und Sie gehen da auch auf L\u00e9vy-Bruhl ein&#8230;. die Fremderfahrung und ihre Umkehrung oder ihre Begegnung mit einer fremden Fremderfahrung&#8230; wenn man das so nennen kann&#8230;&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;Ja, das waren damals meine Forschungsinteressen, jetzt habe ich anderes vor. Ich m\u00f6chte gerne drei B\u00fccher zur \u00c4sthetik schreiben, eines zur Landschafts\u00e4sthetik als erstes.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 So ungef\u00e4hr wird sich der Dialog abgespielt haben, mit diesen Worten und daher garantiert nicht mit genau diesen Worten. Es kann auch gut sein, da\u00df er damals nur von einem Landschafts\u00e4sthetik-Buch sprach, das so gut wie fertig sei;\u00a0 und da\u00df es sp\u00e4ter einmal zwischenzeitlich drei wurden: Landschaften, Bilder, die K\u00fcnste im Vergleich.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;Wenn ich noch einmal nachfragen darf&#8230;die <em>passiones <\/em>sind &#8218;Bilder von <em>passiones<\/em>&#8218;. \u00a0Was f\u00fcr Bilder sind das, und warum bezieht sich das auf L\u00e9vy-Bruhl?&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Er wurde langsam unwirsch, und ich hatte das deutliche Gef\u00fchl, die Sprechstunde sei gleich zu Ende und w\u00fcrde mit einer Entt\u00e4uschung enden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;Wissen Sie, das war damals schon schwierig genug, diesen Aufsatz unterzubringen bei Ren\u00e9 K\u00f6nig. K\u00f6nig f\u00fchlte sich seit seiner Jugend f\u00fcr Durkheim und L\u00e9vy-Bruhl und damit auch f\u00fcr die Ethnologie zust\u00e4ndig. Deshalb hatte er uns f\u00fcr diese Ausgabe seiner Zeitschrift eingeladen, den Oppitz, Hans-Peter Duerr und mich. Aber es war eine Soziologie-Zeitschrift &#8211; und dann noch mit dieser fatalen Abk\u00fcrzung! &#8211; und so kam es, da\u00df ich gar nicht das geschrieben habe, was ich eigentlich schreiben wollte. Eigentlich wollte ich das genauer charakterisieren, was L\u00e9vy-Bruhl an den Wllden so faszinierte, eine gewisse metaphysische Unerschrockenheit&#8230;.. ihn faszinierte an\u00a0 den Wilden das, was man <em>Chuzpe<\/em> nennt. Wissen Sie, was <em>Chuzpe<\/em> ist?&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8211; &#8222;Nein. Ist es so etwas wie &#8230;&#8220; Ich z\u00f6gerte, musste den Satz aber auch nicht beenden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 &#8222;Ein j\u00fcdischer Freund von mir, der genug Chuzpe oder mehr als genug davon hatte, hat mir das mal so erkl\u00e4rt: Wenn Du bei einem Nachbarn durchs Schl\u00fcsselloch pinkelst, ist das nur Frechheit. Wenn Du stattdessen klingelst und fragst, wie weit Du gekommen bist, dann ist das <em>Chuzpe<\/em>.&#8220;<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In diesem Moment war mein Schicksal besiegelt. Die Reise hatte sich gelohnt. Wieder einmal w\u00fcrde ich den Weg w\u00e4hlen, der ins Abseits f\u00fchrte. Ich w\u00fcrde den ethnologischen <em>passiones<\/em> folgen, &#8222;no matter how hopeless, no matter how far&#8220;. Die Sprechstunde war beendet. Wir machten uns beide auf den Weg. Fritz Kramer schloss die T\u00fcr seines B\u00fcros ab und wirkte auf einmal heiter und gel\u00f6st. Und so erschien er mir auch bei unserem letzten Treffen: als h\u00e4tte sich nichts ver\u00e4ndert, oder als h\u00e4tte sich genau das nicht ver\u00e4ndert. Diesmal war er nicht im Morgenmantel, sondern angezogen und rasiert, mit Tee und Geb\u00e4ck auf dem Tisch. Gestern hatten wir uns gestritten, heute liess es Fritz gar nicht erst dazu kommen. Wir sprachen \u00fcber japanische und chinesische Romane, die Anthropologie der Kooperation, \u00fcber die Alte und die Neue Welt, und gemeinsame Bekannte. Er betonte, da\u00df er zwar nicht mehr an etwas Gr\u00f6sserem arbeite, aber noch bei drei Dingen Hilfestellung leistete: einer neuen deutschen \u00dcbersetzung von Malinowskis <em>Diary in the strict sense of the term<\/em> , diesmal allerdings aus dem Polnischen und unter Ber\u00fccksichtigung der Sprachmischung; bei einer fortlaufenden Edition der Briefe von Jacob Taubes, bei der Personenidentifizierung und einigen obskuren Tatbest\u00e4nden der 70er Jahre, in denen Taubes sein Nachbar war (im B\u00fccherregal standen mehrere B\u00e4nde der neuen Henrich-Ausgabe, die er mit Freude studierte); und schlie\u00dflich ein Problemfall, n\u00e4mlich den Nachlass von Leni Riefenstahl betreffend, aus dem eine Nuba-Foto-Ausstellung vorbereitet w\u00fcrde, und das sei nat\u00fcrlich ein Riesenproblem f\u00fcr die vorgesehene Kuratorin, weil es einerseits die Nuba g\u00e4be, und die f\u00e4nden die Bilder nicht alle gut, aber einige davon ganz grossartig, und andererseits bleibe Riefenstahl ganz sicher alles das: NS, Rassistin, und mit ihren Tele-Objektiv-Aufnahmen Ethologin und nicht Ethnologin. Er holte ein Buch von Nuba-Exilianten, das im Eigenverlag in England erschienen war und auf dem Cover das Foto der zwei Ringer zeigte, das f\u00fcr Riefenstahl der Ausl\u00f6ser gewesen war, die Nubaberge aufzusuchen. Was sollte man jetzt mit den Riefenstahl-Bildern machen? Wir gerieten in eine Flachserei: zweimal die selbe Ausstellung in Berlin, an zwei verschiedenen Orten, aber exakt die selben Bilder und derselbe Aufbau, einmal mit Bildunterschriften zu Riefenstahl und ihrem Exotismus, und am anderen Ort zu den Nuba und m\u00f6glichst auch von den Nuba kommentiert. Bildertest, Ethnologietext, &#8222;I&#8217;ll teach you differences.&#8220; Vielleicht w\u00e4ren auch nur die Eingangsr\u00e4ume gleich, und danach k\u00e4me die Divergenz. Aber solche Ausstellungen finden schon lange nicht mehr statt, man w\u00e4re ja gleich zweimal im falschen Film. Zwischenzeitlich schaute er auf charakteristische Weise in die Ferne und dachte nach. Als ich mich von Fritz verabschiedete, merkte ich, wie milde er gestimmt war, obwohl auch diesmal so apodiktische S\u00e4tze den Raum durchquert hatten wie: &#8222;Die Ethnologie existiert nicht mehr.&#8220; und: &#8222;Eine Kramerschule hat es nie gegeben.&#8220; Aber diesmal sagte er zum Abschied etwas, was er noch nie gesagt hatte und was ich weder seiner Altersmilde noch seinem hochentwickelten Sinn f\u00fcr Ironie zuschreiben will. Er sagte: &#8222;Danke, Erhard, ich habe wieder viel gelernt.&#8220; Draussen wartete ein Taxi auf mich, genau wie am Vortag, und im letzten Moment merkte ich an seiner K\u00f6rperhaltung, dass er nicht umarmt werden wollte, und tats\u00e4chlich schien er mir in diesem Augenblick zu fragil f\u00fcr eine Umarmung. Ich gab ihm daher auch nicht die Hand, um ihn nicht in Verlegenheit zu bringen. Bis zum n\u00e4chsten Mal, Erhard. Er war der einzige, mit dem man \u00fcber alle Menschen auf der Welt in allen ihren Belangen reden konnte, und wenn er diese Belange besprach, hatte das immer Hand und Fu\u00df, Sinn und Verstand. Sein Grundgestus war ern\u00fcchternd, aber durch die Desillusionierung waren ihm menschliche Illusionen und ihre Gebrechlichkeiten gel\u00e4ufig geworden und bildeten ein undurchdringliches Muster, dem seine Neugier auf weitere Details nicht widerstehen konnte. Durch das Vorbild seiner Klarheit und die Pr\u00e4gnanz seines Wissens hat er vielen, ja ich glaube sehr vielen Leuten nicht nur geholfen, sondern auch Gl\u00fcck gebracht. Ich z\u00e4hle mich dazu. Danke, Fritz.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><em>(Berlin am 6.1. 2023 \/ K\u00f6ln,\u00a0 eine Woche sp\u00e4ter.)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Text erscheint gleichzeitig in <em>Paideuma<\/em> 69 (2023).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[57],"class_list":["post-10765","detours","type-detours","status-publish","hentry","autor-erhard-schuettpelz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/10765","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/detours"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/10765\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10770,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/detours\/10765\/revisions\/10770"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10765"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=10765"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}