{"id":11677,"date":"2024-04-12T11:14:55","date_gmt":"2024-04-12T09:14:55","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=decolonizinganthro&#038;p=11677"},"modified":"2024-06-03T11:53:23","modified_gmt":"2024-06-03T09:53:23","slug":"wir-eingebildeten-europaer","status":"publish","type":"decolonizinganthro","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/decolonizinganthropology\/wir-eingebildeten-europaer\/","title":{"rendered":"Part 2 | Session 2 | 18 Apr 2024 | \u201eWir eingebildeten Europ\u00e4er\u201c \u2013 Debatten, Verstrickungen und das Erbe der Ethnologie des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/decolonizinganthropology\/11677?pdf=11677\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/decolonizinganthropology\/11677?pdf=11677\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p><a href=\"https:\/\/mpi-eth.webex.com\/weblink\/register\/raf47d79b861b8898fa4f0a176e6329e7\">Registrierung<\/a><\/p>\n<p>Die Kolonisierung au\u00dfereurop\u00e4ischer Territorien wurde in der Zeit der Konstituierung der Ethnologie als eigenst\u00e4ndige akademische Disziplin von fr\u00fchen Fachvertretenden \u00fcberwiegend gebilligt oder sogar gefordert. Parallel wurde ausf\u00fchrlich \u00fcber Inhalte und Methoden der jungen Disziplin diskutiert. Bei n\u00e4herer Betrachtung dieser Debatten im zeithistorischen Kontext, zeigt sich, dass es durchaus auch Stimmen gab, die Ideen vorwegnahmen, die in Europa zu dieser Zeit au\u00dfergew\u00f6hnlich waren und heute noch von Bedeutung sind, die sich gegen auf vermeintliche \u201eRassen\u201c fokussierte Theorien wandten und sich explizit gegen den Kolonialismus aussprachen. Manche dieser Ideen wurden in Ans\u00e4tzen aufgenommen, andere wurden scharf kritisiert und ihre Vertretenden marginalisiert.<\/p>\n<p>Neben den theoretischen Debatten unternahmen Ethnologen und mitunter auch Ethnologinnen Feldstudien, fotografierten, eigneten sich Objekte und wiederholt auch menschliche \u00dcberreste an, zeichneten und notierten sich Erlebtes und Erz\u00e4hltes. Die Kolonisierung vereinfachte Sammelt\u00e4tigkeiten und das Anlegen kultureller Archive in Form von Museumssammlungen, Aufzeichnungen oder auch visueller Dokumentation.<\/p>\n<p>Welchen Status diese oftmals wenig erschlossenen Archive heute haben, sollte im Wesentlichen von den Herkunftsgesellschaften bewertet werden, die mit neuen Bedeutungszusammenh\u00e4ngen und vor dem Hintergrund ganz anderer Ontologien dieses historische Material betrachten. Dabei wird vor allem die Ambivalenz des \u201ekolonialen Archivs\u201c deutlich. Zum einen enth\u00e4lt es oftmals ersch\u00fctternde Zeugnisse f\u00fcr die ungleichen Machtverh\u00e4ltnisse seiner Entstehung, zum andern l\u00e4sst es sich als \u201eZeitkapsel\u201c aus einer an Schrift- und Bildquellen ansonsten \u00e4u\u00dferst armen Periode deuten. Angesichts der vielfachen Traditionsbr\u00fcche der Kolonial- und Postkolonialzeit spielen ethnographische Archive zunehmend eine Rolle f\u00fcr Fragen der individuellen oder kollektiven R\u00fcckbesinnung auf die eigene Geschichte.<\/p>\n<p>In dem Vortrag werden mit Fritz Graebner, Otto M\u00e4nchen-Helfen und Leo Frobenius exemplarisch drei unterschiedliche fr\u00fche Vertreter der deutschsprachigen Ethnologie vorgestellt und dar\u00fcber hinaus gezeigt, welchen Bedeutungswandel ethnographische Archive durch Herkunftsgesellschaften erfahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<div style=\"text-indent: -2em; padding-left: 2em;\">\n<p>Beer, Bettina: Vorwort mit Bibliographie. In: Hans Fischer, Die Hamburger S\u00fcdsee-Expedition. \u00dcber Ethnographie und Kolonialismus. \u00dcberarb. Neuausgabe. Berlin 2022: 7\u201333.<\/p>\n<p>Gingrich, Andre: The German-Speaking Countries. In: Frederik Barth [u.a.], <em>One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology.<\/em> Chicago, London 2005: 61\u2013153.<\/p>\n<\/div>\n<hr \/>\n<p><em><span class=\"HwtZe\" lang=\"de\"><span class=\"jCAhz ChMk0b\"><span class=\"ryNqvb\"><strong><b>Andre Gingrich<\/b><\/strong> ist Professor f\u00fcr Kultur- und Sozialanthropologie an der Universit\u00e4t Wien, Direktor des Instituts f\u00fcr Sozialanthropologie der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften und Tr\u00e4ger des Wittgenstein-Preises. Seine Forschungsschwerpunkte sind Wissenschaftsgeschichte und Theorienbildung der Anthropologie, komparative und ethnografische Methoden, Sozialstruktur und Kulturgeschichte S\u00fcdwestarabiens sowie Nationalismus in Europa.<\/span><\/span><br \/>\n<\/span><\/em><\/p>\n<p><em><strong>Katja Geisenhainer<\/strong> hat in Mainz und Leipzig Ethnologie, Soziologie, P\u00e4dagogik und P\u00e4dagogische Psychologie studiert. 2001 promovierte sie in Leipzig mit einer fachhistorischen Studie \u00fcber den Anthropologen und V\u00f6lkerkundler Otto Reche (1879\u20131966). Es folgten ein DFG-Projekt \u00fcber die Ethnologin Marianne Schmidl (1890\u20131942) und weitere Forschungen zur Geschichte insb. der deutschsprachigen Ethnologie in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts. Angesiedelt am Institut f\u00fcr Kultur- und Sozialanthropologie, Universit\u00e4t Wien, widmete sie sich von 2013\u20132016 als Lise-Meitner-Stipendiatin des \u00d6sterreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) den fachlichen Vernetzungen zwischen Wiener und deutschen V\u00f6lkerkundlerinnen und V\u00f6lkerkundlern von 1933 bis 1945.\u00a0 Aktuell besch\u00e4ftigt sie sich mit Interaktionen in der Ethnologie zwischen Wien und Frankfurt, von der Zwischenkriegszeit bis in die unmittelbaren Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg und dem kulturhistorischen Ansatz als gemeinsamen Nenner in Zeiten von Krisen und totalit\u00e4rem Regime (Elise-Richter-Programm des FWF, Wiener Institut f\u00fcr Kultur- und Sozialanthropologie) in enger Kooperation mit dem Frobenius-Institut. Seit 2019 ist sie \u00a0Sprecherin der AG Fachgeschichte in der DGSKA. <\/em><\/p>\n<p><span class=\"HwtZe\" lang=\"de\"><em><span class=\"jCAhz ChMk0b\"><span class=\"ryNqvb\"><strong>Richard Kuba<\/strong> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frobenius-Institut der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt und Kurator des Bild- und Felskunstarchivs des Instituts.<\/span><\/span> <span class=\"jCAhz ChMk0b\"><span class=\"ryNqvb\">Er promovierte in Anthropologie an der Universit\u00e4t Bayreuth und hat umfangreiche Feldforschungen in Nigeria, Benin und Burkina Faso durchgef\u00fchrt.<\/span><\/span> <\/em><span class=\"jCAhz ChMk0b\"><span class=\"ryNqvb\"><em>Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der vorkolonialen Geschichte und der europ\u00e4ischen Begegnung mit Afrika. Er hat eine Reihe von Ausstellungen kuratiert, darunter \u201eKunst der Urzeit. Felsbilder aus der Frobenius-Sammlung\u201c 2016 im Martin-Gropius-Bau in Berlin (Katalog: Kunst der Vorzeit, Prestel) und 2017 \u201eFrobenius. El mundo des Arte rupestre\u201c im Museo Nacional di Anthropolog\u00eda in Mexiko-Stadt.<\/em><br \/>\n<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2><\/h2>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":0,"menu_order":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[129,692,693],"class_list":["post-11677","decolonizinganthro","type-decolonizinganthro","status-publish","hentry","autor-katja-geisenhainer","autor-richard-kuba","autor-andre-gingrich"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/decolonizinganthropology\/11677","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/decolonizinganthropology"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/decolonizinganthro"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/25"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/decolonizinganthropology\/11677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11805,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/decolonizinganthropology\/11677\/revisions\/11805"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=11677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}