{"id":6496,"date":"2021-02-02T19:01:33","date_gmt":"2021-02-02T18:01:33","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=curarecoronadiaries&#038;p=6496"},"modified":"2021-06-24T00:15:17","modified_gmt":"2021-06-23T22:15:17","slug":"wenn-man-an-einem-neuen-ort-kaum-vernetzt-ist","status":"publish","type":"curarecoronadiaries","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/curarecoronadiaries\/wenn-man-an-einem-neuen-ort-kaum-vernetzt-ist\/","title":{"rendered":"&#8222;Wenn man an einem neuen Ort kaum vernetzt ist und dann so etwas geschieht, f\u00fchlt man sich doppelt abgekapselt.&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/curare\/6496?pdf=6496\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/curare\/6496?pdf=6496\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p class=\"western\"><em><span lang=\"en-GB\">Anthropologist, postdoctoral researcher, University of Amsterdam. <\/span><span lang=\"en-GB\">In January 2020, my family and I moved from Switzerland to the Netherlands with a postdoctoral mobility fellowship (for two years) to start a new research project entitled \u2018Doing Fatherhood in the 21st Century: Connecting the Global North and the Global South\u2019. The project\u2019s aims are to find out how fatherhood is being done in everyday life by researching two urban settings, namely Amsterdam in the Netherlands and Kankan in Guinea. My partner (here called Numa) quit his job in Switzerland and wanted to find a new one in Amsterdam, once settled down. Our two daughters, here called Mali (6,5 years old) and Alma (4,5 years old), started school in a local Dutch school. After nine weeks of learning a new language and trying to integrate into a new class, the schools closed. In the following weeks and months, we were pretty much on our own. Thus, this diary deals with the daily struggles of trying (and constantly failing) to be a \u2018good\u2019 mother and partner, beginning a new research project, and doing fieldwork while feeling lonely and isolated in a foreign country during what is locally referred to as an \u2018intelligent\u2019 lock-down.<\/span><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><strong>3.16.2020: Corona-Isolation Tag 1<\/strong><\/p>\n<p class=\"western\">So, hier sind die Zeiten sehr aussergew\u00f6hnlich und speziell. Seit Donnerstag sind alle Universit\u00e4ten, Theater, Museen etc. geschlossen. Sprich, mein holl\u00e4ndisch Sprachtest fiel ins Wasser. Und seit gestern sind auch alle Bars und Restaurants, Sporteinrichtungen etc. geschlossen. Und f\u00fcr uns sehr einschneidend: Die Schulen machen f\u00fcr mind. 3 Wochen dicht. Ich finde das ziemlich schwierig. Jetzt wo wir hier so langsam angekommen w\u00e4ren, die M\u00e4dchen es so gut machen, sich am Integrieren sind, die Sprache lernen, wirklich auch Anschluss finden, gerne in die Schule gehen. Aber ab sofort wieder nur noch wir als Familie, keine sozialen Kontakte mehr zu anderen Kindern, die sie kennen, nur die beiden Geschwister (zum grossen Gl\u00fcck haben wir kein Einzelkind), die gemeinsam spielen und sich ewig streiten und provozieren k\u00f6nnen&#8230;Das tut mir unglaublich leid f\u00fcr sie.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich war die ganze letzte Woche krank, daher nicht an der Uni. Heute fuhr ich kurz hin, um meine Dinge zu holen. Habe bemerkt, wie ich mich dort schon wohl f\u00fchle und wie schade ich es finde, mich dort nicht weiter integrieren zu k\u00f6nnen. Ist schon ein grosser Witz: Wir sollen ins Ausland, um neue Inputs zu kriegen, uns zu vernetzen und so weiter, aber nichts von all dem ist nun m\u00f6glich. Und meine Forschung h\u00e4tte auch so langsam Fahrt aufgenommen. Diese Woche h\u00e4tte ich vier Interviews gehabt, das eine morgen findet nun spazierend statt. Mal gucken, wie das l\u00e4uft. Und es ist ja nicht so, dass nun alle nichts anderes im Kopf h\u00e4tten. Wenn man da einen Flyer sieht: Fathers wanted, hahaha. Sich treffen und Freunde machen in Zeiten von social distancing, so ein Witz. Meine einzige Hoffnung ist, dass sie uns nicht das Rausgehen komplett verbieten und dass die Menschen (also V\u00e4ter) ev. etwas mehr Zeit haben und vielleicht auch mehr \u00fcber ihre Rolle nachdenken (vielleicht arbeitet ja ihre Partner_innen in einem sogenannt wichtigen Beruf, also in der Pflege) und dann kommt doch noch etwas zustande, inch\u2019Allah. Ich bin \u00fcberzeugt, dass in den n\u00e4chsten Jahren extrem viele Artikel zu online Forschung od. mit online Daten publiziert werden. Teilnahme und Beobachtung in real time ist ja gerade etwas schwierig geworden&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"de-CH\">Habe mir auch schon \u00fcberlegt, wie ich in meinem SNF-Antrag argumentiert habe, was f\u00fcr m\u00f6gliche challenges auf mich zukommen und wie ich auf die zu reagieren gedenke. <\/span><span lang=\"en-US\">Eine Kollegin schrieb: A pandemia might come and conducting interviews might no longer be possible. <\/span><span lang=\"de-CH\">So viel zu Vorhersehbarkeit, Planbarkeit und vor allem Teilhabe und Beobachtung\u2026 <\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Numa hat heute also am Morgen Homeschooling gemacht, die M\u00e4dchen fanden es toll. Am Nachmittag habe ich \u00fcbernommen. Die Sonne schien und es hing so etwas wie Fr\u00fchling in der Luft. Es ist zwar noch lange nicht so warm wie in der CH, aber die Magnolien stehen in Bl\u00fcten und die Bl\u00e4tter der B\u00e4ume wachsen. Allgemein die Stimmung sehr speziell. Die Trams beinahe leer, viele einzelne Menschen auf Velo unterwegs, aber doch viel weniger als normalerweise. Andere zu Fuss, in den Bars um die Ecke waren sie am Dichtmachen: Putzen, Lebensmittel wegtransportieren und so. Grossstadt ohne Grossstadt, total komisch irgendwie. Es gibt nur noch ein Thema, f\u00fcr alle.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich habe dann am Nachmittag die Schule \u00fcbernommen. Es geht uns vor allem darum, dass die Kids (und wir) m\u00f6glichst viel Struktur haben und nicht jeder Tag Sonntag ist. Mali fand es super (obwohl sie ihre Kolleg_innen schon auch vermisst hat), f\u00fcr Alma war er so streng, dass sie heute nach dem Abendessen am Tisch auf meinem Schoss eingeschlafen ist. Konnten sie so ins Bett transportieren). Ich war froh, dass die Sonne schien und wir \u00fcberhaupt noch nach draussen d\u00fcrfen. Will mir gar nicht vorstellen, wie das w\u00e4re (sein wird?), wenn wir in der Wohnung eingesperrt sind. Numa hat mal Sachen zum Pflanzen und so gekauft \u2013 sch\u00f6ner Dachterasse quasi.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><strong>3.17.2020: Notizen \u2013 Isolation Tag 2<\/strong><\/p>\n<p class=\"western\">Heute mein zweites Interview. Anstatt in Caf\u00e9 in der N\u00e4he der Uni, haben wir einfach vor dem Caf\u00e9 abgemacht und f\u00fchrten ein walking interview, resp. eher Gespr\u00e4ch durch. Gingen quer durch den Osten des Zentrums, im j\u00fcdischen Viertel, hatte auch ein Widerstandsmuseum dort. Die Strassen waren relativ leer. Nicht ausgestorben und gespenstisch, aber doch ganz anders als normalerweise. Auch bei der Hinfahrt. Keine Touristen, die bei der \u2018Heineken Experience\u2019 Schlange stehen und unbedarft \u00fcber den Fahrradweg purzeln. Und da ich die Stadt noch nicht so gut kenne, kann ich nat\u00fcrlich kaum vergleichen. Auffallend war f\u00fcr mich wieder, dass viele Leute mit ihren Kindern mit Velos und Kinderwagen unterwegs waren \u2013 auch V\u00e4ter. Das ist an einem Dienstagmorgen sonst eher un\u00fcblich.<\/p>\n<p class=\"western\">Fand das Walkinginterview eine sehr angenehme Sache, fand ja schon immer, man k\u00f6nne besonders gut nachdenken und sprechen\/sich austauschen w\u00e4hrend des Gehens. Man muss sich nicht die ganze Zeit angucken, ich muss nicht immer auf einem doofen Stuhl hin- und her bewegen, nicht wissen wohin mit meinen H\u00e4nden. Und die Gedanken fliessen einfach besser. Erleichternd war heute sicher auch, dass der Forschungsteilnehmer gerne sprach, interessante Dinge erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p class=\"western\">Und nat\u00fcrlich \u00fcberlegt man sich, ob das jetzt eine gute Idee war in Zeiten von Corona, weil ich ja immer noch ein wenig am Husten und er hat zwei Mal ziemlich in meine Richtung \u201agespuckt\u2019, mais bon, c\u2019est la vie, wahrscheinlich bin ich eh schon lange angesteckt und werde jetzt gerade immun&#8230; War auf jeden Fall gl\u00fccklich, dass ich ein n\u00e4chstes Interview f\u00fchren konnte. Und weil wir nun auch die Spielpl\u00e4tze meiden, lerne ich ganz bestimmt keine V\u00e4ter kennen. Egal, Hauptsache wir \u00fcberleben die Isolationszeit ohne dass wir vier uns nicht mehr sehen k\u00f6nnen. Die Kinder sind schon ziemlich oft am Streiten, ist ja klar.<\/p>\n<p class=\"western\">Wir haben unser G\u00e4stezimmer leerger\u00e4umt \u2013 so gut das in dieser Wohnung ohne Stauraum m\u00f6glich ist \u2013 und nun daraus mein Homeoffice-B\u00fcro gemacht. Hier k\u00f6nnen wir wenigstens heizen. Licht h\u00e4tte es im Gang nat\u00fcrlich mehr, das w\u00e4re sch\u00f6ner, aber dort erfriere ich. Plus kann keine T\u00fcre schliessen, was mit den Kindern zu Hause nicht wirklich praktisch ist. Obwohl ich so nat\u00fcrlich auch alles h\u00f6re, wenn sie schreien, weinen und streiten.<\/p>\n<p class=\"western\">Habe heute nach dem Mittag noch in der Schule die Sachen f\u00fcr die Kinder geholt. Die Lehrerin von Alma war dort, herzlich wie immer. Es waren ziemlich viele Menschen auf engem Raum, auch wenn sie die abholende Elternschaft in drei Gruppen aufgeteilt haben. Der Raum im Eingang ist begrenz und die Leute standen nahe beieinander. Nichts von 1,5m Abstand (was ja hier in den NL empfohlen wird \u2013 im Gegensatz zu der CH, wo es 2m sind). Die Kinder haben je einige Werkbl\u00e4tter erhalten und etwas Erde mit Samen, die sie pflanzen sollen. Dann beim Wachsen zusehen und Fotos machen. Irgendwie habe ich mich der Lehrperson (und der Schule) sehr nahe gef\u00fchlt, als ich durch den Park zur\u00fcckgefahren bin. Vielleicht weil ich sonst kaum mehr Austausch habe, vielleicht weil ich hier sowieso noch nicht viele Leute kenne.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich weiss, dass wir uns auf einem sehr hohen Niveau beklagen. Ich darf gar nicht daran denken, was in Guinea und anderen L\u00e4ndern in n\u00e4chster Zeit abgehen k\u00f6nnte. Social distancing kaum m\u00f6glich und weil keine staatlichen Auffangnetze und viele von Tag zu Tag \u00fcberleben, da bin ich nicht gerade hoffnungsvoll. Im Gegensatz zu Ebola kann man sich auch ohne K\u00f6rperfl\u00fcssigkeit (Kot, Urin, Kotze) anstecken&#8230; und die Leute wohnen zum Teil so dicht beieinander&#8230; vom Gesundheitssystem gar nicht zu sprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><strong>18.3.2020: Corona-Isolation Tag 3<\/strong><\/p>\n<p class=\"western\">Ich hoffe, wir haben die Nerven f\u00fcr Almas Jammern und Weinen. Als wir hierherkamen und noch keine Schule hatten, meine Numa, er k\u00f6nne die Kids gut sechs Wochen zu Hause\/in der Stadt besch\u00e4ftigen\/beschulen. Ich fand das eine sehr schlechte Idee, aus verschiedenen Gr\u00fcnden (zu eng, zu wenig Struktur, zu nervent\u00f6tend, zu wenig neue Sprache, zu wenig Integration,&#8230;) und als die Schule dann gestartet war und die M\u00e4dchen es so gut machten, waren wir beide \u00fcbergl\u00fccklich, dass wir uns so und nicht f\u00fcr die andere Variante entschieden. Im R\u00fcckblick muss man dar\u00fcber lachen, da wir nun genau das machen. Immerhin gibt es eine Art virtueller Bond mit der Schule. Almas Lehrerin hat ein Video mit ihrer Tochter gepostet, in dem sie aufzeigen, warum das H\u00e4ndewaschen f\u00fcr die Krankheitsbek\u00e4mpfung so wichtig ist. Die M\u00e4dchen haben es geliebt und w\u00fcrden es sicher 10x am St\u00fcck sehen wollen.<\/p>\n<p class=\"western\">Wir verfolgen hier via Handy die News-Seiten aus der CH und gucken am Abend noch die TV Nachrichten von hier. Zum Gl\u00fcck verstehen wir ziemlich viel, u.a. dank Untertitel, auch wenn die zeitlich etwas verschoben sind. Und die Themen sind ja an beiden Orten relativ \u00e4hnlich. Spannend und irgendwie auch etwas scary ist der andere approach hier in den NL: Premierminister Mark Rutte will eine \u201ageordnete Infizierung\u2019 von 60-70% der Bev\u00f6lkerung, um so einen Herdenschutz aufbauen zu k\u00f6nnen. Das macht sonst in Europa kein anderes Land. In der Praxis frage ich mich aber, ob es \u00fcberhaupt so grosse Unterschiede gibt. In der CH sind mehr L\u00e4den geschlossen als hier, aber an beiden Orten sind die Schulen, Bars, Restaurants, Fitness- und alle weiteren Freizeitangebote zu. Ich glaube, in der CH sind auch viele draussen am Spazieren. Und da die Amsterdammer_innen eh nicht so stark auf den lokalen \u00d6V angewiesen sind, macht das keinen so grossen Unterschied \u2013 auf jeden Fall wenn das Wetter so bleibt. Es ist zwar (leider!!!) nicht so sch\u00f6n fr\u00fchlingshaft wie in der CH, aber immerhin nicht zu viel Wind und schon einige Tage ohne Regen.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Abend war ich gerade am Telefon, als ich pl\u00f6tzlich (genau um 20 Uhr) Klatschen, Musik und das T\u00f6nen von Feuerwerken h\u00f6rte. Ich \u00f6ffnete die T\u00fcre zum Balkon und dort standen viele Menschen im grossen Innenhof (in den einzeln abgetrennten \u201aG\u00e4rten\u2019 nat\u00fcrlich und auf den Balkonen) und haben wohl inspiriert durch Italien und Spanien den im Dauereinsatz stehenden Personal (v.a. in Spit\u00e4lern) gedankt. War sch\u00f6ne Stimmung und hat auch ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl hervorgerufen, obwohl ich diese Leute ja alle nicht kenne und noch nie mit jemandem von dort ein Wort gewechselt habe. Vielleicht wird das im Sommer sch\u00f6n, wenn dieser Innenhof belebt ist. Schon jetzt gr\u00fcnt es und zwischendurch veranstalten die Vogelschw\u00e4rme ein abendliches Ballett \u2013 sehr sch\u00f6n. Es ist schon ein komisches Gef\u00fchl, wenn man an einem neuen Ort so wenig vernetzt ist und dann so etwas Krasses geschieht. Man f\u00fchlt sich doppelt abgekapselt, weil keine WhatsApp-Gruppen, in denen News und lustige Videos zirkulieren&#8230; fucke.<\/p>\n<p class=\"western\">Bin gespannt, ob Politik und Wirtschaft aus dieser Pandemie lernen? Z. B. welche Berufe systemrelevant sind, jedoch seit Jahren schlecht bezahlt werden, mit einem Mangel konfrontiert sind und ein schlechtes Image haben. Allen voran die Betreuungsberufe (Kita und Co.) und in der Pflege, typische Frauenberufe. Das sind neben der \u00c4rzteschaft, der Lebensmittelproduktion, Feuerwehr, Polizei, Verkauf (Lebensmittel), der Logistik und so weiter diejenigen, welche momentan den Betrieb, resp. die Versorgung noch aufrechterhalten. Und im SRF Corona-Live-Ticker habe ich gelesen, dass \u00fcber die M\u00f6glichkeit eines Elternurlaubs diskutiert wird. Ist auch schon fast ironisch. Da muss zuerst eine Volksinitiative f\u00fcr vier Wochen Vaterschaftsurlaub zusammenkommen, bevor sich das Parlament zusammenrafft und einen Gegenvorschlag von zwei Wochen unterbreitet \u2013 selbstverst\u00e4ndlich heftig bek\u00e4mpft von den rechten und liberalen Parteien, sogar Teilen der CVP. Viel zu teuer, nicht umsetzbar, w\u00fcrde die Wirtschaft zu stark belasten, seien individuelle Fragen, keine Gesellschaftliche (wie etwa das Milit\u00e4r, bei dem es nie ein Problem ist, dass eine Person f\u00fcr 16 Wochen weg ist und alle zwei Jahre drei Wochen Wiederholungskurs). Von Elternzeit, die eine viel bessere Gleichberechtigung und Gleichstellung zwischen den Geschlechtern herstellen w\u00fcrde, wird gar nicht erst gesprochen \u2013 h\u00f6chstens in sehr linken Kreisen. Dann kommt Covid-19 und pl\u00f6tzlich wird \u00fcber eine Art Elternzeit diskutiert&#8230;in der Tat ironisch. Pl\u00f6tzlich sind wir auch froh, dass all die Grenzg\u00e4nger_innen unsere Systeme aufrechterhalten. Und all das Personal im Gesundheitssektor, das im Ausland ausgebildet wurde und ohne das unsere Spit\u00e4ler und Pflegeeinrichtungen nicht mehr \u00fcberleben k\u00f6nnten&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Habe einen Beitrag im Echo der Zeit \u00fcber das Spital geh\u00f6rt, in dem ich geforscht habe. Einzelne Personen, die vorgekommen sind, kenne ich. Denke oft an sie. Gerade an den Notfall und die An\u00e4sthesie. Die leisten eine gewaltige Arbeit!!!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><strong>19.3.2020: Corona-Isolation Tag 4<\/strong><\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Abend fanden Numa und ich, die Kids machten es bis jetzt ganz gut. Alma hat zwar ihre regelm\u00e4ssigen Krisen, vor allem wenn es ums An- oder Ausziehen, H\u00e4ndewaschen (ist momentan nicht soooo praktisch) oder Essen geht. Und nat\u00fcrlich sind wir nun mehr mit ihnen zusammen, so dass wir auch mehr Krisen durchstehen m\u00fcssen. Aber sie hat eine &#8217;normale&#8216; Phase, also aushaltbar. Mali geniesst zwar einerseits das Homeschooling, aber ich bin sicher, dass sie ihre Freund_innen mehr vermisst als Alma. Sie hat auch immer wieder Phasen, in denen sie traurig ist und nicht erkl\u00e4ren kann warum. Es tut mir sehr leid f\u00fcr die beiden.<\/p>\n<p class=\"western\">Da wir den Schlafrhythmus der beiden etwas nach hinten verschieben wollen und Alma gestern am Mittag geschlafen hat und Mali sich ausruhte, bin ich gestern mit den beiden nach dem Abendessen nochmals nach draussen gegangen, um Flyers (fathers wanted) aufzuh\u00e4ngen. Sie haben das Trottinett genommen und wir haben eine Tour hier im Quartier und im Park gemacht. Die momentane Situation schr\u00e4nkt nat\u00fcrlich den Radius bez\u00fcglich Flyer aufh\u00e4ngen ein. Aber ich sage mir, dass 1. im Park viele verschiedene Personen vorbeikommen und 2. ich den Bias bez\u00fcglich wer sich meldet, sowieso habe. Auf jeden Fall hat sich gestern Abend sp\u00e4t wieder ein Vater gemeldet. Er hat nur ein Foto des Flyers geschickt und im Betreff gefragt, ob ich immer noch V\u00e4ter suche. Es scheint zu funktionieren. Die Kids waren m\u00fcde, aber es war doch sch\u00f6n, nochmals draussen zu sein nach einem Tag in der Wohnung. In der Luft liegt ein Fr\u00fchlingsgeruch, der gl\u00fccklich macht. Und so schliefen die Kinder tats\u00e4chlich sp\u00e4ter ein und sind heute auch nicht um 6:30 erwacht. Ziel erreicht.<\/p>\n<p class=\"western\">F\u00fcr Alma ist es besonders schwierig, dass ich zu Hause bin, aber im oberen Zimmer arbeite und sie mich eigentlich nicht st\u00f6ren sollte. Eben kam sie und machte Krise. Wenn ich sie so oft wieder die Treppe heruntertrage, habe ich meine Portion Sport gehabt ;-\/ Sie hat dann unten geweint (nur kurz), wie wenn ich sie in der Kita abgeben w\u00fcrde und sie das nicht m\u00f6chte. Jetzt ist aber alles wieder in Ordnung und die Homeschool hat begonnen. Heute backen sie einen Kuchen. Am Nachmittag \u00fcbernehme ich, weiss gerade noch nicht, was wir bei diesem leichten Regen machen wollen. Am Wochenende m\u00fcssen wir unbedingt einen Ausflug machen \u2013 solange wir das noch k\u00f6nnen. Damit die Kids etwas Abwechslung haben. Seele baumeln lassen quasi.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>20.3.2020: Corona-Isolation Tag 5<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Gestern hatte ich voll schlechte Laune. Total unmotiviert bei der Arbeit. Hatte sicher damit zu tun, dass ich gerade nichts Dringendes zu tun hatte. Also h\u00e4tte ich eigentlich ganz viel Zeit f\u00fcr Feldforschung. Nur: Participation nicht m\u00f6glich, observation aus der Ferne (ja, hat immer noch viele V\u00e4ter in den Parks und auf den Spielpl\u00e4tzen, aber wir halten alle m\u00f6glichst Abstand) auch nur beschr\u00e4nkt. Heute habe ich ein n\u00e4chstes Interview vereinbart, via Skype. Mal gucken, ob das stattfindet. Ansonsten bin ich gerade daran, an einer neuen Methode rumzudenken: distanced walking talk in times of Covid-19&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Habe gestern das Interview mit einem Forschungsteilnehmer aus Guinea transkribiert und am Abend hat er mir eine Sprachnachricht gesendet. Die Krankheit scheint nun auch in diesen Weltgegenden endg\u00fcltig angekommen zu sein \u2013 ich wage gar nicht daran zu denken. Habe auch die online Newspapers, die ich zwischendurch zu Guinea lese, noch nicht angeguckt. Ertrage irgendwie nicht zu viele schwierige Nachrichten aufs Mal und habe (schon vor Corona) bemerkt, dass es mir schwerf\u00e4llt, mich gleichzeitig auf GN und die NL zu fokussieren. Und um meine zwei guineischen Freundinnen mache ich mir nat\u00fcrlich auch Sorgen. Sind Schwangere eine zus\u00e4tzlich gef\u00e4hrdete Gruppe? Ich weiss es nicht, gehe aber davon aus.<\/p>\n<p class=\"western\">Bin allgemein ziemlich emotional in diesen Tagen: Wenn ich online Solidarit\u00e4tskundgebungen h\u00f6re oder die auf unserem Balkon live erlebe, kommen mir die Tr\u00e4nen. Wenn ich meine Eltern via Skype sehe und weiss, dass ich sie noch ewig nicht umarmen werde, dann auch. Heute w\u00e4re meine Schwester in den Nachtzug gestiegen, morgen w\u00e4re sie angekommen. Ich hadere damit, dass wir so wenig sozialen Kontakte haben.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Nachmittag habe ich \u201adie Schule\u2019 \u00fcbernommen. Haben gesungen, eine kleine Schatzsuche gemacht, waren im Park etwas am Spielen und danach noch zu Hause. Die beiden m\u00f6gen nat\u00fcrlich das Arbeiten am Computer oder auf dem Tablet \u2013 das d\u00fcrfen sie bei uns ja ansonsten selten. Sogar Alma kann sich relativ lange konzentrieren, wobei sie noch M\u00fche hat, wenn etwas nicht klappt. Frustrationstoleranz muss ge\u00fcbt werden. Das Abendessen war dank selber gemachten Lasagne von Numa f\u00fcr einmal friedlich. Danach habe ich Musik angeschaltet und Mali hat im Badezimmer getanzt. Da war die allgemeine Stimmung schon wieder etwas besser.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich frage mich auch, wann es meinem Husten dann endlich wieder bessergeht. Ich muss mich unbedingt bald bewegen k\u00f6nnen. Meine Laune hat sicherlich auch damit zu tun, dass ich schon die letzte Woche zu Hause war. Der Husten ist zwar in die Lunge gegangen, also nicht mehr so trocken. Aber mittlerweile schmerzt auch der Hals, f\u00fchlt sich alles sehr offen an. Hoffentlich \u00e4ndert sich das schnell. Gestern Abend haben wir zum NL-Tagesschau gucken \u00dcbungen gemacht. Nicht zu viele, damit ich nicht zu sehr atmen musste, aber das ging ganz gut. Vielleicht sollten wir das nun allabendlich machen. Und dann will ich bald wieder joggen. Ich f\u00fcrchte, dass sie uns einsperren, bevor ich wieder joggen war. Jetzt w\u00e4re wahrscheinlich die Zeit, um eine Jogamatte zu kaufen \u2013 auch solange die Gesch\u00e4fte noch offen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>23.3.2020: Corona-Isolation Tag 8<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Zum Gl\u00fcck ist der Mensch relativ anpassungsf\u00e4hig. Man vergisst schon, wie es war, als man noch in Beizen, Konzerte und Museen gehen konnte. Und daran, dass man nie jemanden sieht, gew\u00f6hnt man sich auch fast, wenn auch nur halbherzig. Noch vor drei Wochen h\u00e4tte das niemand f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, wie das \u00f6ffentliche Leben vielerorts auf dieser Welt nun ist. Es ist aber nicht die beste Zeit, um weniger am Handy zu sein. Dies vermittelt wenigstens Aussenkontakte.<\/p>\n<p class=\"western\">Am Samstag haben wir ein Mietauto gemietet und sind in die D\u00fcnen gefahren. Ist gar nicht so weit, vor allem wenn man den direkten Weg w\u00e4hlen w\u00fcrde. Und die Autobahnen sind relativ leer. Um Amsterdam herum sind die sehr breit, mind. immer vier Spuren. Gibt eine noch viel gigantischere Schneise ins Land als bei uns. Es gab schon relativ viele Leute in den D\u00fcnen, aber die blieben alle brav auf den Wegen, im Gegensatz zu uns. Habe aber erst bei der R\u00fcckkehr zum Parkplatz gesehen, dass man eigentlich auf den Wegen h\u00e4tte bleiben sollen. Auf jeden Fall war es sehr sch\u00f6n, der Sand zwischendurch so fein und hell wie ich mir die Karibik vorstelle. Wir (resp. die Kinder) sind auf B\u00e4ume geklettert, haben fangen und Pferd gespielt, sind die D\u00fcnen runtergesprungen und gekullert, haben gegraben, in den Sand gezeichnet. Kurz, die Sonne (es war aber relativ frisch, mit bisschen Wind), die Natur und uns genossen. Nun bef\u00fcrchten wir aber, dass sie diese Naturschutzgebiete sperren. Gestern Abend haben sie in den News gesagt, dass es an vielen Orten zu viele Leute hatte. Sie wollen nun z. B. an Str\u00e4nden die Parkpl\u00e4tze streichen. Als wir am Samstag zur\u00fcck auf dem Parkplatz waren, war dieser schon sehr voll. Unsere Lehre daraus: Fr\u00fch los und lieber fr\u00fch wieder zur\u00fcck. Jemand meinte, den Strand k\u00f6nnten sie nicht sperren. Ich glaube auch nicht, die Parks auch nicht, aber sehr wohl die Spielpl\u00e4tze und Fitnessbereiche. Dort sind sowieso viel zu viele Menschen auf engem Raum und die meisten tragen keine Handschuhe. Der Virus kann bis zu drei Stunden auf diesen Stangen \u00fcberleben, habe ich geh\u00f6rt&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Zum Gl\u00fcck scheint in diesen Tagen die Sonne, das rettet uns bisher. Wir k\u00f6nnen lekker nach draussen gehen (solange die Ausgangssperre nicht kommt. Vor der f\u00fcrchte ich mich wirklich sehr! In Belgien wurde sie verh\u00e4ngt, in D wurde gestern nur noch ein Treffen unter 2 Menschen od. innerhalb Familien\/Wohngemeinschaften zugelassen) und f\u00fcr die Moral ist sie sowieso gut.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Vormittag ging ich joggen, Mali kam mit dem Velo mit. Konnte etwas mit ihr bez\u00fcglich der Einsamkeit sprechen. Sie weinte n\u00e4mlich am Samstagabend lange, nachdem wir mit Freunden telefoniert hatten. Sie gab zwar Alma die Schuld, aber f\u00fcr mich war ziemlich klar, dass sie einfach traurig war und nicht sagen konnte, warum. Habe ihr erkl\u00e4rt, dass ihre Freundinnen, die sie vermisst, auch nicht mit anderen abmachen d\u00fcrfen, dass sie auch nur bei ihnen in den Garten gehen d\u00fcrfen. Ich glaube, das hat sie verstanden. Sagte ihr auch, es sei normal, dass man in solchen Situationen traurig sei. Man d\u00fcrfe auch weinen. Und sich immer wieder \u00fcberlegen, was das eigene Herz gerade ben\u00f6tige, was ihm guttut. Und dann versuchen wir, das zu machen. Sie d\u00fcrfe auch immer mit Vorschl\u00e4gen kommen. Und den Freunden und allen Leuten, die man vermisst, Briefe schreiben oder Zeichnungen schicken. Es tut mir so leid f\u00fcr sie. Und f\u00fchle mich auch schuldig, irgendwie. Aber momentan haben wir noch keine andere Option als hier zu bleiben. Mal gucken, wie die Situation in 1,5 Wochen ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Das war gut, die beiden einmal zu trennen. Alma war hier anscheinend die ganze Zeit f\u00fcr sich am Basteln. Wir haben uns vorgenommen, das nun mind. 2x die Woche f\u00fcr 2 Stunden zu machen. Einmal ich mit Mali und einmal mit Alma. Es ist so ein Stress f\u00fcr die beiden (und f\u00fcr uns), dass sie immer zusammen sein m\u00fcssen. Nat\u00fcrlich sind wir alle froh, ist keine alleine, aber die Dynamik zwischen den beiden ist schwierig.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Nachmittag kam ein Kollege mit uns in den Park spielen. Der Sicherheitsabstand wurde nicht immer eingehalten. Ist mit den Kids auch schwierig. Muss aber auch sagen, dass ich den eher eingehalten h\u00e4tte als er. Beim Fangen nahm er Alma auf den R\u00fccken. Die Kids waren gl\u00fccklich \u00fcber die Abwechslung, auch wenn sie nicht mit ihm sprechen konnten. Mali hat es auf Holl\u00e4ndisch versucht, so h\u00e4rzig. Am Ende gingen wir noch ein Eis um die Ecke essen und danach Br\u00e4teln auf unserer Dachterrasse. Die Sonne schien bis 18:20 dort hin, so toll. Aber zum draussen Essen war es dann schon zu kalt.<\/p>\n<p class=\"western\">So vergehen die Tage. Ich telefoniere oft abends mit jemandem, wir gucken Tagesschau in den NL und gestern auch von der CH. Manchmal machen wir dazu einige Kraft- und Dehnungs\u00fcbungen. Numa sucht Melodien auf dem neu gekauften ePiano und ich lerne ein wenig Holl\u00e4ndisch. Mein heutiges distanced walking Interview wurde auf morgen verschoben. Ein weiterer Vater hat sich am Samstag gemeldet, habe ihm gestern den Projektbeschrieb geschickt. Heute will ich wieder etwas Flyer aufh\u00e4ngen gehen. Und muss mir \u00fcberlegen, ob ich mich bei denen melden, die mir mal geschrieben haben, dann aber auf meine Antworten nicht mehr reagiert haben. Heute muss ich versuchen, motiviert zu arbeiten, weiss aber gerade noch nicht, was ich mir vornehmen soll\u2026 wird nicht so einfach\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>24.3.2020: Corona-Isolation Tag 9<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Wer h\u00e4tte gedacht, dass wir in den ersten 2,5 Monaten in den NL folgende Begriffe auf Holl\u00e4ndisch lernen? Besmetting (Kontamination), klachten (Beschwerden), koorts (Fieber), afstand houden vaan elkar (Abstand halten voneinander), maatregelen (Massnahmen), overleden (gestorben)&#8230; ein ganzes Vokabular wird aufgebaut und wenn ich die abendlichen Nachrichten um 20 Uhr gucke (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal-2000-uur\/NOSjnl2000\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal-2000-uur\/NOSjnl2000<\/a>), habe ich schon das Gef\u00fchl, alles zu verstehen. Gestern wurden die n\u00e4chsten versch\u00e4rften Massnahmen durchgegeben, die sind bis zum 1. Juni in Kraft: Nicht mehr als drei Personen d\u00fcrfen einander treffen (drinnen oder draussen), ausser sie wohnen im selben Haushalt. Ich hatte innerlich gleich die totale Krise, als ich das geh\u00f6rt habe. Weitere mehr als 2 Monate keinen Unterricht?!? Weitere mehr als 2 Monate keine Kontakte f\u00fcr unsere Kinder?!? Und f\u00fcr uns?!?<\/p>\n<p class=\"western\">Das halten wir nicht aus, wir m\u00fcssen nach Hause!!! Da k\u00f6nnten wir uns wenigstens mit einer Familie fix treffen oder so. Aber: Wir haben keine Wohnung (unsere mit Garten ist untervermietet), zu meinen Eltern k\u00f6nnen wir nicht, zu gef\u00e4hrlich (obwohl ich irgendwie immer noch denke, dass wir vier den Virus bald durchhaben und dann immun sind, aber ohne Tests wissen wir das nicht. Mein Husten ist fast weg, die Schleimhaut im Mund f\u00fchlt sich nicht mehr so offen an. Nuima ist eh schon \u00fcber eine Woche wieder fit. Der hatte ja die Geschmacklosigkeit als wir in Belgien waren und das ist gef\u00fchlt schon Jahre her) und wohl auf die Dauer auch mit zu vielen Spannungen verbunden.<\/p>\n<p class=\"western\">Numa hat mich dann beruhigt, es werde sich f\u00fcr uns momentan nicht wirklich was \u00e4ndern. Es k\u00f6nne auch sein, dass die Schulen und andere Einrichtungen fr\u00fcher wieder \u00f6ffnen. Es gehe vor allem darum, dass Grossanl\u00e4sse mit vielen Leuten etwas Planungssicherheit haben (wobei Sicherheit unter diesen Umst\u00e4nden nat\u00fcrlich ein grosses Wort ist), dass alle Events bis Ende Mai mal abgesagt sind. Wir halten uns ja schon l\u00e4nger an diese eben erlassenen Regeln: Wir treffen uns schon nicht mehr mit anderen Personen, ausser einer einzelnen. Zu den anderen halten wir Abstand. Und die Kinder sind gem\u00e4ss NOS-journaal von den Massnahmen ausgenommen. Sie k\u00f6nnen also immer noch ein ungerades Mal auf den Spielplatz, wenn dort gerade kaum andere Kinder sind. Habe zu Numa auch gesagt, dass wir halt ansonsten unser Verhalten weiter anpassen m\u00fcssen. Wenn die Tage noch l\u00e4nger werden (Zeitumstellung dieses WE), gehen wir nach dem Abendessen nach draussen und versuchen, dass sie am Mittag schlafen oder sich zumindest ausruhen. So h\u00e4tten wir vielleicht auch weniger Krisen vor dem Essen.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern musste Mali wieder total weinen. Meistens l\u00e4uft es \u00e4hnlich ab: Sie hat Streit mit Alma, ist m\u00fcde und hungrig und dann merkt sie, dass sie ihre Freund_innen vermisst, und dann beginnt sie unglaublich zu weinen. Gestern gingen wir kurz nach draussen, das half. Leider hatte dann aber Alma Totalkrise, weil sie \u201averlassen wurde\u2019 (sie wollte auch mit mir sein) und es f\u00fcr sei eine Art Schuldzuweisung war, dass ich mit Mali ging. Bin dann mit ihr auch noch gegangen und dann konnten wir essen. F\u00fcr die Zukunft haben wir uns vorgenommen, dass sie ihre halbe Stunde holl\u00e4ndische Kinderfilmpjes vor dem Abendessen gucken k\u00f6nnen, in der Hoffnung, dass dies die Situation etwas entsch\u00e4rft.<\/p>\n<p class=\"western\">Aber es ist schon so, nach gut einer Woche ohne Schule m\u00f6gen die beiden eigentlich schon nicht mehr mit uns zu Hause sein. Und das soll nun noch ewig so weitergehen&#8230;Ich muss versuchen, Tag f\u00fcr Tag zu nehmen. Und daran denken, dass es allen \u00e4hnlich geht. An einigen Orten ist das Isolieren etwas einfacher (finnische W\u00e4lder), an anderen Orten noch viel schwieriger als hier.<\/p>\n<p class=\"western\">Eine Freundin aus Guinea hat geschrieben, dass ihre \u00e4ltere Schwester gestorben ist. Ich weiss nicht woran. Fucke. Ihre Eltern sehr alt, ihr Vater war schon im November\/Dezember, als ich dort war, sehr schwach. Und nun wird sicher ein Begr\u00e4bnis stattfinden, alle werden kondolieren gehen, sich umarmen, gemeinsam weinen. Ich mag gar nicht daran denken. Das wird die Leute dahinraffen. Und sie k\u00f6nnen ja nicht einfach sagen, dann bleibe ich etwas zu Hause, weil sie dann alle vor Hunger sterben werden. Ich weiss nicht, wie das gehen wird. Herdenimmunit\u00e4t mit gaaaaaanz vielen Toten vorher und w\u00e4hrendem. Glaube auch nicht, dass wir n\u00e4chstens wieder dorthin gehen k\u00f6nnen. Zum guten Gl\u00fcck habe ich zwei Feldorte. Sonst w\u00e4re ich jetzt busy, mir ein neues Projekt auszudenken. Vielleicht werde ich am Ende auf die CH als zweiter Forschungsort ausweichen m\u00fcssen \u2013 nichts mehr mit global perspective und Global North and Global South&#8230;aber irgendwie bringt die momentane Situation und deren immensen Folgen, die wir uns noch gar nicht ausmalen k\u00f6nnen, alle m\u00f6glichen (Lebens-, Forschungs-, Arbeits-,&#8230;)Pl\u00e4ne durcheinander. Und alle werden Geld ben\u00f6tigen, f\u00fcr alles. Ich bin leider \u00fcberzeugt, dass dieses Virus die Schere zwischen denjenigen, die haben und denjenigen, die kaum was haben, weiter vergr\u00f6ssern wird. Alle Leute in diesen superprek\u00e4ren, kurzfristigen Jobs, die haben keine Chance. Ohne Krankenversicherung, ohne andere sozialen Netze. An Orte wie Idlib oder Lesbos will ich nicht denken&#8230; Die langfristigen (indirekten) Toten, welche diese Krise verursacht, k\u00f6nnen kaum abgesch\u00e4tzt werden und sind vielleicht um einiges h\u00f6her, als die direkten Opfer.<\/p>\n<p class=\"western\">Ob und wie ich online-Forschung machen kann, will, soll, habe ich noch nicht herausgefunden. Auf den stark frequentierten Chats auf Facebook, machen fast nur Frauen mit. Habe zwar schon einige Gruppen gefunden, die viel mehr zu meinem Thema w\u00e4ren, aber die sind kaum frequentiert, resp. nehmen sie mich (als Frau) in geschlossene Gruppen, in welche nur M\u00e4nner zugelassen sind, nicht auf. Und ich finde es unethisch, wenn ich es z. B. mit Numas Name machen w\u00fcrde. Es fehlt mir definitiv die Erfahrung, leider keine Digital Native \u2013 und es hat mich lange Zeit auch gar nicht interessiert \u2013 weder privat noch beruflich. Ich h\u00e4tte auch nie so viele Interviews machen wollen, wie das wohl nun der Fall sein wird. Ich wollte viel mehr mittels Teilnahme und Beobachtung arbeiten. Mais bon, die Wahl habe ich nicht. Auch dass die Forschungsteilnehmer sicherlich extrem biased sein werden. Es wird eine Forschung zu white, educated, urban middle class in the Netherlands sein. Die Unterschiede werden vielleicht bez\u00fcglich Familiensituation sein (Anzahl Kinder, mit Mutter zusammen, Patchwork, Alleinerziehende,&#8230;), das Alter und vor allem auch das Alter, in denen die M\u00e4nner V\u00e4ter wurden. Aber es hat keinen Sinn, mir momentan dar\u00fcber den Kopf zu zerbrechen, es wird so sein wie es sein wird. Und vielleicht werde ich ja sp\u00e4ter Zugang zu Milieus erhalten, die mir in der momentanen Situation nicht m\u00f6glich sind, on verra.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>25.3.2020: Corona-Isolation Tag 10<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Ich verfolge ja auf Facebook allerhand Gruppen. Muss sagen, dass mir dieses Online-Forschen nicht leichtf\u00e4llt \u2013 bin definitiv keine digital native&#8230;. Bis jetzt fand ich aber noch nichts so belangreich, dass ich das als Datenmaterial speichern wollte. Bei der einen Gruppe geht es viel um schulische Sachen. In der momentanen Situation l\u00e4uft nat\u00fcrlich extrem viel. Die Leute tauschen sich aus, wie es ihnen geht mit Homeschooling (schwierig, schlecht, viele Diskussionen, m\u00fcde), tauschen Pl\u00e4ne und Tipps aus etc. Auffallend ist, dass es auch viele arabisch klingende Namen hat, die schreiben. Aber ich sehe NUR Frauennamen. Es w\u00e4re spannend zu erfahren, was diese M\u00fctter f\u00fcr einen sozialen Background haben. Sicher mit relativ guter Schulbildung, sonst w\u00fcrden sie hier nicht schreiben.<\/p>\n<p class=\"western\">Schon jetzt weinen hier zwei Kinder, wenn ich nach oben (!) arbeiten gehe oder wenn ich f\u00fcr eines meiner raren Interviews aus dem Haus gehe. Ich glaube, es ist f\u00fcr sie nicht gut, 24h mit den Eltern (beiden!) zusammen zu sein, gar nicht! Das mag f\u00fcr Ferien toll sein, aber dann habe ich es auch wiedergesehen. Heute war es gerade ganz schlimm. Beide weinten, weil ich nach oben arbeiten ging. Dann gab es unten Streit, Numa wurde (f\u00fcr einmal) sehr laut, gleich weinten wieder zwei. Mali kam nach oben, hat hier Trost gesucht. Ich kann nicht mehr weiterarbeiten. Muss sie beruhigen. Nach auf Dachterrasse die sch\u00f6ne Morgensonnenstimmung angucken, Z\u00e4hneputzen und k\u00e4mmen, geht es besser, aber als sie nach unten gehen sollte, \u201aSchulbeginn\u2019, steht sie wieder neben mir und weint&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Ich glaube, alle machen nun einen Corona-Blog. Wann konnte das letzte Mal etwas von abertausenden in real time dokumentiert werden \u2013 und die Leute (auf jeden Fall diejenigen, die nicht krank sind und Hunger leiden) haben Zeit daf\u00fcr&#8230;? Sehr oft auch multi und interdiziplin\u00e4r, was ich toll finde. Manchmal geht mir \u2013 wie wahrscheinlich ganz vielen anderen auch \u2013 dieses nur-noch-ein-Thema-haben aber ehrlich gesagt schon auf die Nerven. Und das wird sich ja noch Monate so hinziehen. Alle haben etwas zu sagen, from the everyday to politicians to academics (for the latter see e.g.<\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.leidenanthropologyblog.nl\/articles\/covid-19-a-conversation-about-cultural-differences-nationalism-and-care\">https:\/\/www.leidenanthropologyblog.nl\/articles\/covid-19-a-conversation-about-cultural-differences-nationalism-and-care<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/www.sonar-global.eu\/?topic=coronavirus\">https:\/\/www.sonar-global.eu\/?topic=coronavirus<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/medanthucl.com\/2020\/03\/19\/consciously-quarantined-a-covid-19-response-from-the-social-sciences\/\">https:\/\/medanthucl.com\/2020\/03\/19\/consciously-quarantined-a-covid-19-response-from-the-social-sciences\/<\/a><\/p>\n<p class=\"western\">Initiative der Uni in Cape Town: <a href=\"https:\/\/www.coronatimes.net\/about\/?fbclid=IwAR3-MRBZ-kS1CqiF_xGIESP_skMnxG_ZN-c7fkOWbMTtsXSvvGxx1b1P6aA\">https:\/\/www.coronatimes.net\/about\/?fbclid=IwAR3-MRBZ-kS1CqiF_xGIESP_skMnxG_ZN-c7fkOWbMTtsXSvvGxx1b1P6aA<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">Oder the latest call by the EASA-Journal (URGENT FORUM \u2013 CALL FOR CONTRIBUTIONS COVID-19: URGENT ANTHROPOLOGICAL REFLECTIONS Social Anthropology\/Anthropologie Sociale, the journal of European Association for Social Anthropologists (EASA); 500-words contributions. <\/span><span lang=\"de-CH\">Deadline 10 April)<\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Es ist einerseits nat\u00fcrlich zu bef\u00fcrworten, wenn Anthropolog_innen (und andere (Sozial)Wissenschaftler_innen) sich so fr\u00fch schon zu Wort melden. Ich f\u00fcrchte aber anderseits, wir werden von nun an bis auf weiteres nur noch eines h\u00f6ren: Covid-19. Nicht, dass wir Wissenschaftler_innen nichts zu sagen h\u00e4tten, aber manchmal nervt mich dieses jump-on in times of crisis, habe das Gef\u00fchl, dass alle in der Krise auch gleich eine Chance sehen \u2013 oder aus der Krise eine karrieretechnische Chance kreieren (seid kreativ, das Credo der Stunde, nicht?!?). Beim so-called Arabischen Fr\u00fchling war das auch so (will nicht die implications der beiden vergleichen, ist nur so ein Bsp, dass mir immer wieder in den Sinn kommt). Catchy and trendy, huge issues, dar\u00fcber ist es einfacher zu schreiben als \u00fcber die Banalit\u00e4ten und Belanglosigkeiten des Alltags. Und weil dieses Ereignis so weltumspannend ist wie schon seit ewig keines mehr, verst\u00e4rkt sich diese Tendenz. Vielleicht geht es ja auch nur mir so und ich mag schon kaum mehr Covid-19-News h\u00f6ren. Selbstschutz? Zu viele negative Informationen? Zu krasse Auswirkungen auf alle die prek\u00e4ren Leben?<\/p>\n<p class=\"western\">Vielleicht bin ich es auch einfach nicht mehr gew\u00f6hnt, Nachrichten im TV zu sehen, also mit Bild. Seit vielen Jahren mache ich das quasi nie. Ich h\u00f6re Echo der Zeit (Podcast) und lese Zeitung (auf Papier bis vor kurzem). Mit der Folge, dass ich oft sehr bekannte Gesichter nicht kenne. Und nun gucken wir hier holl\u00e4ndische Nachrichten. Oftmals finde ich die kurzen TV-Beitr\u00e4ge zu oberfl\u00e4chlich, u.a. darum mag ich sie nicht. Aber f\u00fcr tiefgr\u00fcndige Analysen in einer Zeitung fehlen mir noch die Sprachkenntnisse \u2013 Obwohl ich gestern begonnen habe, einen report on fatherhood auf Holl\u00e4ndisch zu lesen. Das geht, aber ist super anstrengend, komme kaum vorw\u00e4rts.<\/p>\n<p class=\"western\">Und langsam kommen auch immer mehr Berichte zu afrikanischen L\u00e4ndern hinzu, nicht immer mit derselben Grundstimmung, einige optimistischer, andere das Gegenteil. Vielen nicht sonderlich demokratischen Regierungen kommt die momentane Krise nicht ungelegen \u2013 quer \u00fcber den Globus. Ich habe geh\u00f6rt, dass sie in Guinea immer noch am Protestieren und ihn ihren politischen (und ethnischen) Machtk\u00e4mpfen gefangen seien. Und in Kankan gehen sie wohl auf die Strasse wie immer.<\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/roape.net\/2020\/03\/26\/out-of-control-crisis-covid-19-and-capitalism-in-africa\/?fbclid=IwAR0qW0EAODK6SRQynpekP38vWE2JIh-xt0l-vjgSrFOaaOnrtJsaNj7H1qw\">https:\/\/roape.net\/2020\/03\/26\/out-of-control-crisis-covid-19-and-capitalism-in-africa\/?fbclid=IwAR0qW0EAODK6SRQynpekP38vWE2JIh-xt0l-vjgSrFOaaOnrtJsaNj7H1qw<\/a><\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"https:\/\/nai.uu.se\/news-and-events\/news\/2020-03-27-peoples-science-instrumental-when-ebola-was-contained.html\">https:\/\/nai.uu.se\/news-and-events\/news\/2020-03-27-peoples-science-instrumental-when-ebola-was-contained.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>27.3.2020: Corona-Isolation Tag 12<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Hier ist das Wetter zum grossen Gl\u00fcck immer noch so sch\u00f6n, wie noch nie seit unserer Ankunft. Das erleichtert unglaublich viel. Wenn diese Krise schon mit denselben Massnahmen wie jetzt im Februar bek\u00e4mpft worden w\u00e4re, dann w\u00e4re es schrecklich gewesen. Anscheinend war der Februar einer der nassesten Monate seit Jahren. Es will zwar noch heute sehr sch\u00f6n und bis 14 Grad und danach stark abk\u00fchlen, aber die Sonne bleibt uns erhalten, immerhin. Gestern habe ich nur am Morgen gearbeitet, danach \u201aSchule mit den Kids\u2019 und unser \u201aTrennungsprogramm\u2019<\/p>\n<p class=\"western\">Mali wollte einen neuen Park und einen neuen Spielplatz entdecken. Ich sagte schon, dass es eben momentan mit den Spielpl\u00e4tzen so eine Sache sei. Dann guckte ich auf der Karte und sah, dass es im S\u00fcden, gleich ausserhalb des Autobahnringes eine Gr\u00fcnfl\u00e4che am See gibt, die wir noch nicht kennen. Schon der Weg dorthin war sch\u00f6n, links der See, rechts Moor und relativ wilder Wald. Dazu die Sonne. Wir kamen dann an einen Ort, gleich bei der Segelschule, wo wir uns an den See setzten, Mali die F\u00fcsse badete, sie von Baumstamm zu Baumstamm sprang, wir Fussball spielten, Zvieri assen,&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Bei der R\u00fcckfahrt nahmen wir einen etwas anderen Weg und bei den vielen wundersch\u00f6nen Hausbooten lag ein toller Spielplatz. Ich wollte Flyer f\u00fcr meine Forschung aufh\u00e4ngen und Mali wollte kurz spielen gehen. Da lediglich eine Mutter mit ihren zwei S\u00f6hnen dort war, war ich einverstanden. Die Mutter sprach Deutsch (sie fragte mich, was ich aufh\u00e4nge \u2013 ich suche V\u00e4ter f\u00fcr meine Forschung \u2013 sie geht zu Flyer und liest. Ich kann es meinem Mann sagen \u2013 das w\u00e4re super!), sprich Mali konnte mit dem 5-j\u00e4hrigen Jungen sprechen und spielen. Die Mutter zu mir: So viel zum Thema 1,5m Abstand. Die beiden Kinder standen auf dem Netz ca. 2m in der Luft und wir warfen ihnen den Ball zu. Mali lachte, kicherte und kreischte vor Freude. Es war so offensichtlich, dass sie es unglaublich genoss, endlich wieder einmal mit jemandem zu spielen. Auf dem letzten Teil der R\u00fcckfahrt habe ich ihr dann gesagt, dass ich sie so sehr verstehe und dass mir die sozialen Kontakte auch sehr fehlen w\u00fcrden. Und dass es mir unglaublich leid tue f\u00fcr sie. Das kam gut an, glaube ich.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich war auf jeden Fall gerade wieder sehr guten Mutes. Fand es toll, ein neues Quartier und neue Orte dieser Stadt zu entdecken, auch wenn sie momentan ganz anders aussieht als zu \u201anormalen\u2019 Zeiten. Gerade auch dem Kanal entlang war die Stimmung sehr sch\u00f6n und gem\u00fctlich. \u00dcberall Leute sch\u00f6n in Abstand zueinander auf B\u00e4nken, auf Denken am Boden, am Sport treiben,&#8230; Wenn die Sonne und die W\u00e4rme da sind, ist diese Stadt wirklich toll! In den Parks ist die Polizei viel pr\u00e4senter, aber ich frage mich schon, warum sie die \u201aAussensportanlagen\u2019 nicht einfach schliessen. Dort sind so viele Leute eng beieinander und an den Stangen ohne Schutz.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Nachrichten aus den NL sind auch nicht gerade ermutigend (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/26-03-2020\/POW_04508292\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/26-03-2020\/POW_04508292<\/a>). Die Spital- und v.a. intensive care-Betten sind sich unglaublich schnell am F\u00fcllen und dies nicht mehr nur im S\u00fcden, sondern im ganzen Land. Sie erwarten, dass diese ab dem 1. April, sprich Mitte n\u00e4chster Woche, voll sein werden. Der Verantwortliche f\u00fcr die Intensivmedizin im Land meinte sogar, man sei froh, wenn die IPS erst Mitte n\u00e4chster Woche voll sei und nicht schon fr\u00fcher. Nat\u00fcrlich wird die Kapazit\u00e4t mit allen Mitteln heraufgefahren, aber die Mittel sind beschr\u00e4nkt. Was ich mich frage und was ich nicht ganz verstanden habe ist die Frage, ob hier die vorhandenen Mittel (Schutzanz\u00fcge, Beatmungsger\u00e4te und co) das Problem sind oder nicht viel eher das Personal \u2013 so wie in der CH. Wenn ich daran denke, dass im von uns untersuchten Spital bei der An\u00e4sthesie eine ganze Gruppe von Pflegern aus den NL kommt und das sicher kein Einzelfall ist, dann sieht es so aus, als w\u00e4ren viele aus in der NL-ausgebildeten Gesundheitsbranche in anderen L\u00e4ndern t\u00e4tig und w\u00fcrden nun hier fehlen \u2013 mit der CH einmal mehr als Nutzniesserin.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern waren Mali und ich joggen, resp. sie velofahren. Auch da haben wir wieder brav Flyers aufgeh\u00e4ngt. (Mali meinte: Man, ig ma nid immer ahaute, so ch\u00f6me mir nie vorw\u00e4rts. Der Ort ist eigentlich ideal f\u00fcr die Flyer, es hat so viele Leute, die sich da t\u00e4glich bewegen. Haben auch beim grossen Spielplatz aufgeh\u00e4ngt. Aber in den letzten Tagen habe ich keine neuen Personen gehabt, die sich gemeldet haben. Gestern habe ich auch allen, die sich einmal gemeldet hatten und dann nicht mehr, nochmals via Mail od. Whatsapp geschrieben, keine Reaktion. Vielleicht kommt die noch bei einigen. Vielleicht sind die Leute noch mehr mit Covid-19 besch\u00e4ftigt und wollen noch weniger mit fremden Kontakt aufnehmen. Wie auch immer, meine Forschung vereinfacht es nicht.<\/p>\n<p class=\"western\">Vielleicht kriege ich Covid-19 sei Dank ganz andere Einblicke in das Thema Vaterschaft. Ganz viele V\u00e4ter werden nun wohl (vielleicht zum ersten Mal \u00fcberhaupt) einen Familienalltag erleben, den sie so normalerweise nicht haben, wenn sie kein Homeoffice machen. Und wer weiss, vielleicht f\u00fchrt das zu Ver\u00e4nderungen in den Beziehungen zu den Kindern, zu Partner_innen und auch bez\u00fcglich der Aufgabenverteilung zu Hause. Der Interviewpartner vom Dienstag meinte, er sehe gerade bei seiner Freundin (sie haben die Beziehung ge\u00f6ffnet), dass der Kindsvater pl\u00f6tzlich etwas mit den Kindern unternehme und aktiv zu Hause\/anwesend sei, was vorher nie der Fall gewesen sei. Vielleicht sehe ich da auch eine zu grosse Ver\u00e4nderung. Kommt sicher auch darauf an, wie lange wir noch m\u00f6glichst zu Hause sein sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>31.3.2020: Corona-Isolation Woche drei<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Woche drei f\u00fcr die Kinder und f\u00fcr mich schon Homeoffice-Woche vier. Die beiden letzten Tage waren nicht ganz einfach. Die Nerven aller etwas angespannt. Mali ist nicht so stabil, nahe am Wasser gebaut in dieser Zeit. Dann ist sie traurig und weint und kann nicht sagen warum. Gestern ging das am Morgen so. Man darf sie nicht kritisieren und gleichzeitig provoziert sie, insbesondere das Thema ich-will-alles-entscheiden in Bezug auf Alma nimmt zurzeit viel Raum ein. Manchmal nervt mich das dermassen. Gestern hatte sie diesen Konflikt mit Numa w\u00e4hrend des \u201aUnterrichts\u2019. Mehrere Male kam sie heulend zu mir. Hat sich dann hier mit B\u00fccher angucken beruhigen k\u00f6nnen und fand nach einiger Zeit, sie versuche es nochmals, nach unten zu gehen und wenn es ihr nicht gel\u00e4nge, dann komme sie wieder. Das fand ich stark. Der Nachmittag ging besser. Da habe ich \u00fcbernommen, Numa ging einkaufen, was momentan leider keine kurze Angelegenheit ist. Da haben wir B\u00fccher erz\u00e4hlt, ein Spiel gespielt und anschliessend konnten sie auf dem Computer, resp. Tablet \u00dcbungen machen. Danach ich wieder an die Arbeit und die Kids mit Numa nach draussen.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich bin leider schon wieder nicht fit. Sieht so aus als h\u00e4tte ich dieselben Symptome wie vor \u00fcber zwei, nein drei Wochen gerade nochmals. Husten, laufende Nase, etwas Gliederschmerzen. Und das sieht man ja bei mir immer daran, dass ich zwischen den Augenbrauen und an der Stirn rot werde. Haben andere Personen auch solche farblichen Hautver\u00e4nderungen, wenn sie nicht fit sind? Ich hatte das fr\u00fcher nicht. Nun ist das immer gleich die Best\u00e4tigung, dass ich was am Ausbr\u00fcten bin. Sprich: Bleibe den ganzen Tag brav zu Hause. Gestern ging ich lediglich die Briefe einwerfen, was knapp eine Minute frische Luft bedeutete. Es nervt unglaublich, schon wieder nicht fit zu sein. Dabei dachte ich, das sei nun durch. Ich war wieder fit, habe kaum mehr gehustet und wieder Sport gemacht. Tja. Meine Schwester findet, ich solle mich testen lassen. W\u00e4re schon praktisch, zu wissen, ob es Covid-19 ist. Anderseits nun nach draussen gehen und in eine Praxis ist sicher auch nicht die beste Idee. In der CH richten sie in diesen Tagen gerade mobile Teststationen ein. Da kann man nach der Anmeldung durch den Hausarzt hingehen. In Bern ist das auf dem BEA-Gel\u00e4nde in einem Bus. Aber ich habe geh\u00f6rt, dass es in einem anderen Kanton auch sogenannte drive-in-Tests gebe. So haben die Personen noch weniger Kontakt und das Risiko einer Ansteckung ist geringer.<\/p>\n<p class=\"western\">In den NL sagten sie vor zwei Tagen, dass zurzeit 1100 IPS-Betten vorhanden seien, in zwei Wochen rechnen sie mit 2500 ben\u00f6tigten IPS-Betten. Sie haben schon erste Patient_innen nach Deutschland in grenznahe Spit\u00e4ler verfrachtet. D hat anscheinend die h\u00f6chste Anzahl IPS-Betten pro Einwohner_innen. Aber das Problem nimmt dort auch massiv zu. Gestern haben sie in den Abendnachrichten (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/30-03-2020\/POW_04508294\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/30-03-2020\/POW_04508294<\/a>) hier dann gesagt, dass sie nun die 2500 IPS-Betten schon in einer Woche ben\u00f6tigen. Krass. Alle arbeiten mit Hochdruck daran, weiteren Platz zu schaffen, zum Beispiel in dem aus einer anderen Abteilung eine IPS wird. Und die \u201anormalen\u2019 Patient_innen werden dann in eine Messehalle gebracht. Hier h\u00e4tte in n\u00e4chster Zeit der Eurovisionsongcontest stattfinden sollen, ich glaube in Den Haag. Nun wird in dieser Halle ein Spital aufgebaut, resp. eingerichtet. Ist schon noch imposant, da werden mobile W\u00e4nde, Vorh\u00e4nge, Toiletten und alles einfach so aus dem Boden gestampft und innert wenigen Tagen sollte das betriebsf\u00e4hig sein.<\/p>\n<p class=\"western\">Am Meisten frage ich mich ja, ob sie hier gen\u00fcgend Personal haben. Diese Frage wurde zwar in den gestrigen Nachrichten (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/30-03-2020\/POW_04508294\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/30-03-2020\/POW_04508294<\/a>) behandelt, aber es wurde viel weniger dar\u00fcber gesprochen, als das z. B. in der CH der Fall w\u00e4re. Sie haben dar\u00fcber berichtet, dass nun auch Personen aus dem Milit\u00e4r aufgeboten wurden (Spitalsoldat_innen, Sanit\u00e4t_innen, \u00c4rzteschaft), um das Spitalpersonal zu entlasten. Und es wurde gesagt, dass die ausgebildeten IPS-Pflegenden nun anstatt 2, 4 Patient_innen gleichzeitig betreuen m\u00fcssen \u2013 nat\u00fcrlich mit Unterst\u00fctzung von anderem Pflegepersonal, aber halt nicht IPS-geschult. In der CH ben\u00f6tigt das IPS-Personal eine zweij\u00e4hrige Zusatzausbildung. Wie das wohl hier ist? Und von wo sie hier wohl das Pflegepersonal \u201aimportieren\u2019? Aus den ehemaligen Kolonien?<\/p>\n<p class=\"western\">Und frage mich, was diese Krise auf l\u00e4ngere Frist mit dem Gesundheitspersonal, insbesondere der Pflege, respektive ihren politischen Forderungen macht. W\u00fcrde \u00fcber die Pflegeinitiative morgen abgestimmt werden, dann w\u00fcrde sie sicher mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit angenommen, sogar von der b\u00fcrgerlichen Mitte. Momentan hat sich das Image der Pflege schon massiv verbessert, aber hat das eine l\u00e4ngerfristige Auswirkung? Werden die Arbeitsbedingungen so werden, dass nicht die H\u00e4lfte der Ausgebildeten nach 7 Jahren wieder aus dem Beruf ausgestiegen ist? Werden sie wieder mehr Zeit haben, um mit den Patient_innen zu sprechen, sprich wird das menschliche wieder mehr in den Vordergrund r\u00fccken? Kein \u201aAbspritzen\u2019 mehr, wie das Mascha Mad\u00f6rin beklagt? Und was wird mit den L\u00f6hnen geschehen? Und der Migration von Gesundheitspersonal? Fankreich zum hat ja unter anderem jetzt schon riesige Probleme, weil in FR ausgebildetes Pflegepersonal in der CH, in D, in Luxemburg oder Belgien arbeitet, weil dort die L\u00f6hne viel h\u00f6her sind. Die Gewerkschaften sagen dort (Beitrag im Echo der Zeit vom 30.3.), dass als erster Schritt die Arbeitsbedingungen verbessert werden m\u00fcssen und erst in einem zweiten Schritt die L\u00f6hne. Will das dann wieder niemand mehr bezahlen???<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Abend hatte ich noch das Interview, das eigentlich schon am Freitag h\u00e4tte stattfinden sollen. Damals sass er im Auto und ich verstand fast nichts. Gestern klappte es mit der Videotelefonie nicht, so haben wir einander nicht gesehen. Das war auch nicht ganz einfach. Optimal finde ich das so sicher nicht. Man kann viel weniger gut aufeinander eingehen, weil man das Gesicht nicht sieht, sich nicht lesen kann, nicht weiss, ob die andere Person noch am Sprechen ist oder nicht und so. Mais bon, es ging auch so relativ gut. Obwohl ich mich schon unglaublich konzentrieren muss, dass ich alles verstehe. Die Leitung und dann noch einen englischen Akzent, den ich mir nicht gewohnt bin. War aber dann doch ein gutes Gespr\u00e4ch, spannend. Auch wieder sehr offen. Hat von der schwierigen Beziehung zu seinem Vater erz\u00e4hlt, der ein schlechter Vater gewesen sei. Anwesend physisch, aber sonst nicht. Und weiss nicht, ob auch Alkohol oder irgendeine Form von Missbrauch im Spiel war.<\/p>\n<p class=\"western\">Habe gestern nach dem Gespr\u00e4ch zu Numa gesagt, dass es mir in dieser Situation viel einfacher falle, Interviews zu f\u00fchren als noch im Spital. Wahrscheinlich hat das damit zu tun, dass sich momentan die Personen freiwillig melden und nicht von der Spitalleitung mehr oder weniger dazu verpflichtet werden, mit mir zu sprechen. Im Spital hatte ich zwar auch einige sehr gute, spannende und angenehme Gespr\u00e4che, aber ich war doch bei der Hinreise immer ein wenig nerv\u00f6s. Auch beim Shadowing. Wohl auch, weil ich die Personen noch nicht gekannt habe, der Ablauf in den einzelnen Abteilungen war mir zu Beginn fremd, ich war ein Eindringling.<\/p>\n<p class=\"western\">Heute wird das Parlament hier die Entscheidung treffen, wie lange die momentane Situation mit den geschlossenen Schulen, Bars, Restaurants und Co. noch weitergef\u00fchrt wird. Ich rechne leider bis zu den Maiferien. Das w\u00fcrde bedeuten, dass die Kids im Anschluss noch ca. 6 Wochen Schule h\u00e4tten, bevor die Sommerferien beginnen. Ob wir in den Sommerferien nach Italien und ins Tessin fahren k\u00f6nnen, liegt nat\u00fcrlich auch in den Sternen, wahrscheinlich eher nicht. Und ob wir dann in der CH andere Leute besuchen k\u00f6nnen, wissen wir auch nicht. Im schlimmsten Fall k\u00f6nnen wir nicht einmal bei den Grosseltern sein, dann weiss ich gar nicht, wo wir wohnen k\u00f6nnten. Darf gar nicht so weit in die Zukunft denken, das ist sehr ungesund gerade. Tag f\u00fcr Tag. Und momentan scheint die Stimmung unten friedlich, habe heute auf jeden Fall noch kein einziges Geschrei geh\u00f6rt. Gestern kam ich hingegen schon nicht so viel zum Arbeiten. Mais bon, part of the game.<\/p>\n<p class=\"western\">Vor zwei Tagen habe ich endlich wieder einmal mit Guinea telefoniert. Er hat mit taximoto gestartet, was gut ist, weil er so wieder etwas Geld verdient. Anscheinend legt er das Geld, das er am Morgen verdient zur Seite, macht eine Pause (um mit seinem Sohn zu sein und weil die Sonne momentan so krass ist). Am Nachmittag \u201ail cherche l\u2019argent pour le manger\u2019, f\u00fcr das Benzin und wenn er noch etwas mehr verdient, dann legt er das f\u00fcr allf\u00e4llige Motorradreparaturen zur Seite. Ein guter Plan, bin stolz auf ihn. Und gleichzeitig denke ich nat\u00fcrlich halb panisch: NEIN!!! So hast du t\u00e4glich ganz viel engen Kontakt mit Kund_innen, ihr werdet alle Corona haben. Und viele werden sterben. Aber was soll ich schon sagen, die zu Hause nett Homeoffice machen und sich isolieren kann. Wer Hunger hat, der geht raus. Die Bilder von all den Wanderarbeiter aus den grossen Metropolen in Indien, die nun zur\u00fcck in ihre D\u00f6rfer wollen, aber keine Busse mehr fahren, sind sehr krass. Von wegen social distancing, das ist Luxus!<\/p>\n<p class=\"western\">Habe also meinem Freund gesagt, er solle sich bitte jedes Mal gaaaaanz gut und lange die H\u00e4nde waschen, wenn er nach Hause kommt. Seine Frau ist ja schwanger und sie habe Beschwerden gehabt. Ist mit ihr ins Spital gegangen. Es sei nichts Grosses, Vitamine und so habe sie erhalten. Und eine Impfung f\u00fcr das Kind. WAS? Eine Impfung f\u00fcr das Kind w\u00e4hrend der Schwangerschaft? Noch nie davon geh\u00f6rt. Und sowieso will ich gar nicht wissen, was sie in GN den Schwangeren alles f\u00fcr Medikamente geben, ach. Er freut sich auf jeden Fall sehr, das kam in seiner Stimme und seinen Worten deutlich hervor. Er ist gespannt, ob es ein Junge oder ein M\u00e4dchen wird. Und er denkt, dass es f\u00fcr den grossen Bruder schwierig sein wird, wenn er dann nicht mehr die volle Aufmerksamkeit hat. Das ist interessant, das sind \u00dcberlegungen, die wir uns hier ja immer machen und ich dachte nicht, dass die in GN \u00e4hnlich sind. Aber vielleicht ist das auch eine Besonderheit meines Freundes und absolut nicht repr\u00e4sentativ. Muss mal nachfragen.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich frage mich, wie ich mich an die Forschungsteilnehmende erinnern soll. In Guinea habe ich mit \u00fcber 100 Personen gesprochen, aber ich habe bis heute kein Problem, mich an diese zu erinnern. Nat\u00fcrlich weiss ich die Namen nicht. Erstens ist das sowieso schon nicht meine St\u00e4rke und zweitens habe ich beim Schreiben jeweils Pseudonyme benutzt. Aber ich kann mich jeweils noch sehr gut daran erinnern, wo ich mit Leuten gesprochen habe, wie es dort aussah und roch, was f\u00fcr Bilder an den W\u00e4nden hing, wer wo sass etc. Wie soll das nun hier gehen? Ich sitze in unserem umfunktionierten G\u00e4stezimmer, mit zwei Pullis und einer Decke um die Beine, damit ich nicht erfriere und die andere Person guckt mich durch den Computer an und ich sehe mich selber auch noch. Vielleicht werde ich mich nun daran erinnern, wie die Person aussah, wie ihre Mimik war, ob sie die ganze Zeit \u00e4hm gesagt hat (wie der heute Morgen) oder an den Inhalt unseres Gespr\u00e4chs. Aber ich finde schon, dass sehr viel vom Appeal der Feldforschung verloren geht, naja.<\/p>\n<p class=\"western\">Wenn ich mir so \u00fcberlege, dass ich nun 7 Interviews gemacht habe, dann f\u00e4llt auf, dass alle V\u00e4ter in heterosexuellen Beziehungen sind, alle weiss und gut ausgebildet. Das alles erstaunt mich nicht. Eigentlich auch nicht die Tatsache, dass alle ziemlich \u00fcberzeugt davon sind, wie sie ihre Vaterrolle leben. Nur der eine, dessen Situation wirklich sehr herausfordernd ist, bei dem sah ich Zweifel. Alle anderen, egal wie alt deren Kinder sind, waren total \u00fcberzeugt. Ist das eine Gender-Frage?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>2.4.2020: Corona-Isolation Woche drei<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Der Husten ist nun wieder ok, aber seit einigen Tagen habe ich wieder Halsweh, vor allem beim Schlucken, die Mandeln beginnen sich zu belegen. Habe gestern etwas Schmerzmittel genommen, ben\u00f6tige nicht so viel, also bis jetzt auch nicht so schlimm. Aber konnte mich noch nicht \u00fcberwinden, zum Arzt zu gehen. Wir haben zwar seit ca. 3 Wochen endlich einen (zum grossen Gl\u00fcck konnten wir das noch vor dem Lockdown organisieren), aber ich war noch nie bei ihm. Und anrufen, um auf Englisch zu erkl\u00e4ren, was ich habe, da m\u00fcsste ich zuerst einige W\u00f6rter nachgucken. Ist irgendwie bisschen anstrengend. Dann weiss ich auch nicht, ob Angina nicht auch ein Symptom von Corona ist, macht es also Sinn in eine Praxis zu gehen. Meine momentane Strategie ist also, abwarten und ein bisschen Schmerzmittel nehmen, damit es einfacher geht. Und hoffen, dass es von selber vorbeigeht. Die \u00c4rzteschaft hat hier ja den Ruf, dass sie meistens nichts verschreiben, ausser man sterbe fast. Die Leute gehen anscheinend auch erst dann zum Arzt. Der eine research participant dessen Frau aus NY ist, hat mir erz\u00e4hlt, dass er und sie diesbez\u00fcglich total unterschiedliche Herangehensweisen haben. Sie renne wegen jedem Bobo zum Arzt und er das Gegenteil.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Nachrichten hier sind schon scary (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/01-04-2020\/POW_04508296\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/01-04-2020\/POW_04508296<\/a>): Die NL hat die dritth\u00f6chste Corona-Mortalit\u00e4tsrate nach Italien und Spanien im Vergleich zur Bev\u00f6lkerung. Man hat zwar die IC-Bettenzahl hochfahren k\u00f6nnen, aber nun muss eine Pflegeperson 4 Patient_innen betreuen, normalerweise sind es 2. Da spricht der oberste IPS-Arzt (immer der (nicht die \u00c4rztin!) Arzt, nie die Pflege, altbekanntes Muster!!!) davon, dass in solchen Situationen auch Fehler geschehen k\u00f6nnen, die t\u00f6dliche Folgen haben. Und es wird immer noch bef\u00fcrchtet, dass die IPS-Betten voll sein werden. Was dann? Auch wenn Deutschland einige Patient_innen \u00fcbernimmt, wird das nicht reichen. Immerhin gehen die Zahlen der Ansteckungen und der IPS-Aufnahmen langsam zur\u00fcck. Die Verantwortlichen sprechen also davon, dass die Massnahmen erfolgreich seien, ist einfach die Frage, ob sich erstens alle auch in den n\u00e4chsten Wochen so gut daranhalten werden und zweitens, ob das Gesundheitswesen den Peak zu halten vermag.<\/p>\n<p class=\"western\">Am Dienstagabend wurde bekannt, dass die vorhandenen Massnahmen bis und mit Maiferien (f\u00fcr uns Mitte erste Maiwoche) verl\u00e4ngert werden. Wir haben nat\u00fcrlich schon damit gerechnet und mein Down nach diesen Infos hielt sich in Grenzen. Ich glaube, die Kinder haben sich auch schon einigermassen gut mit der Situation angefreundet. Wir haben immer wieder ganz tolle Momenten, etwa als wir alle am Dienstagabend tanzend zu Musik aufger\u00e4umt haben. Oder wenn sie ganz gl\u00fccklich von der Schatzsuche nach Hause kommen, die ich ihnen gestern gemacht habe. Ich glaube auch, dass sie ein bisschen was Holl\u00e4ndisch lernen in dieser Zeit. Nat\u00fcrlich nie so viel, wie wenn sie zur Schule gehen w\u00fcrden, aber immerhin kann Mali einige Stellen von Peter Konijn schon fast auswendig. Und solange ich einige (online) Interviews f\u00fchren kann, habe ich das Gef\u00fchl, dass es einen Grund hat, dass wir hier sind, dann geht alles einfacher.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern habe ich mit Guinea telefoniert. Mein Freund hat ja mit Taximoto angefangen. Er arbeitet weiter, auch wenn nun die Regierung auch Massnahmen ergriffen hat. Die Schulen sind zu, die Hotels auch. Aber die M\u00e4rkte sind noch offen. Auch logisch, sonst w\u00fcrden alle Hunger leiden. Aber es ist ja genau dort, wo die Leute dicht an dicht sind. Er erz\u00e4hlte, dass alle seine Kund_innen nur \u00fcber Covid-19 sprechen w\u00fcrden, er sieht also schon, dass die Leute Angst haben. Er selber f\u00e4hrt den ganzen Tag mit einer Gesichtsmaske umher (wie viel die n\u00fctzt, sei dahingestellt). Er wasche sich immer sehr gut und gr\u00fcndlich, wenn er nach Hause komme und auch unterwegs in der Stadt wasche er wo immer m\u00f6glich die H\u00e4nde und das Gesicht. Sprich: Die Regierung hat wohl \u2013 \u00e4hnlich wie zu Ebolazeiten \u2013 an verschiedenen Orten Wasserk\u00fcbel mit Seifen aufgestellt. Habe nach dem Telefon mit Numa die Situation in GN diskutiert. Es klingt sehr makaber, aber dort m\u00fcssen sie wohl durch die Herdenimmunit\u00e4t gehen, kann mir gar nicht vorstellen, wie es sonst gehen sollte. Dass sich das Virus auch in GN verbreitet hat, ist klar. Dass es keine medizinische Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Erkrankten gibt, ist auch klar. Also muss dort gar nicht unbedingt das Ziel sein, keinen Peak zu haben, sondern dass der m\u00f6glichst schnell vorbei ist, so dass viele immun sind und die andere, verletzlicheren Gruppen sch\u00fctzen k\u00f6nnen. Das ist vielleicht die naive Sicht einer Nichtwissenden, keine Ahnung?<\/p>\n<p class=\"western\">Spannend ist auch, dass mein Freund vor 1,5 Wochen w\u00e4hlen und abstimmen ging. Er habe ja zum Referendum (Verfassungsreform) gesagt \u2013 warum? &#8211; Weil das Resultat eh klar ist, die Regierung hat beschlossen, es solle ein ja geben, also macht es keinen Sinn, nein zu stimmen. Spannende Argumentation. Ob es so f\u00fcr ihn pers\u00f6nlich auch besser ist, habe ich mich gefragt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>3.4.2020: Corona-Isolation Woche drei<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Schon krass, wie die Zeit vergeht&#8230;Homeschooling Woche drei ist auch schon fast durch. Habe das Gef\u00fchl, dass sie sich nun besser an die neue Situation gew\u00f6hnt haben. Vor allem am Morgen spielen die beiden meistens sehr friedlich zusammen. Wir, resp. Numa l\u00e4sst sie nun weiterspielen, bis sich ein Streit anbahnt. Erst dann beginnt er offiziell mit dem \u201aUnterricht\u2019. Gestern Nachmittag haben wir die Kids wieder getrennt. Ich war mit Mali unterwegs. Habe einige Vorschl\u00e4ge gemacht, die kamen nicht so gut an. Sie war m\u00fcde, weil sie die Nacht zu wenig geschlafen hatte. Wollte also nicht Rollerblade \u00fcben oder Fahrrad fahren. Fuhren dann zur neuen Wohnung von einer Kollegin und haben ihr eine Zeichnung von Mali in den Briefkasten gelegt. Ich habe eine neue Route kennengelernt.<\/p>\n<p class=\"western\">Gleich dort ist ein Platz, auf dem viele Kinder und junge Leute am Spielen waren. Es gibt dort eine kleine Halfpipe, waren also viele auf Rollerblades oder mit Rollbrett unterwegs. Ich war beeindruckt, wie selbstverst\u00e4ndlich sich auch noch relativ junge Kinder auf diesen bewegen. Mali war nat\u00fcrlich Feuer und Flamme wie immer. Es lief etwas, andere Kinder, sie konnte zugucken und selber spielen. Mir war es wieder einmal zu kalt und ich wollte Abstand halten und m\u00f6glichst nichts ber\u00fchren. Interessant war f\u00fcr mich die Gegend: Spielstrasse, kleine offene Vorpl\u00e4tze vor den H\u00e4usern mit Tischen, wohl viele linksurbane Familien. Es ist generell noch spannend, wie ich jetzt die Stadt nochmals anders kennenlerne. Nun stehen nicht die Restaurants, Caf\u00e9s, Museen oder andere kulturelle Lokale im Fokus, sondern die H\u00e4user, die Atmosph\u00e4re des Wohnens. Und es ist auch viel einfacher, alles aus Kinderaugen und Elternperspektive anzugucken, weil die Dinge f\u00fcr Erwachsene zu sind. Ist also f\u00fcr meine Forschung gerade gar kein Nachteil.<\/p>\n<p class=\"western\">Bin immer wieder gl\u00fccklich, wenn ich etwas Neues sehe und kennenlerne. Von da her denke ich schon, dass es uns hier gut geht, nach wie vor. Dieses Entdecken hat etwas Befriedigendes. Und vielleicht hat mir das in Bern doch stark gefehlt. Aber wenn ich daran denke, dass wir \u201anur\u2019 bis Sommer 21 da sind und gef\u00fchlt schon bald Sommer ist, ohne dass wir neue Leute kennengelernt haben, dann ist das schon irgendwie ein \u201averlorenes\u2019 halbes Jahr. Die Kinder hatten auch nicht die M\u00f6glichkeit, Freunde zu machen.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern haben sie in den Nachrichten (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/02-04-2020\/POW_04508297\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/02-04-2020\/POW_04508297<\/a>) ganz klar gesagt, dass ein Mangel an Pflegespezialist_innen vorhanden sei, vor allem f\u00fcr die IPS. Eine IPS-Chefin (ja, von der Pflege eine Frau!) kam zu Wort. Sie meinte, es sei illusorisch zu denken, dass die Anzahl IPS-Betten weiter hochgefahren werden k\u00f6nnen. Momentan sind sie schon auf 1900, am Sonntag sollten es 2400 sein. Besetzt sind zurzeit \u00fcber 1200. Die Zunahme sei eigentlich in einem erwarteten Rahmen, das Problem sei, dass die Leute so lange dortbleiben. Es konnten also erst sehr wenige (glaube weniger als 100) ihre IPS-Betten (lebendig) wieder freigeben. Das scheint das gr\u00f6sste Problem zu sein. Momentan haben drei Krankenh\u00e4user in Deutschland zugesichert, dass sie NL Patient_innen \u00fcbernehmen, mit weiteren sei man im Gespr\u00e4ch. Schockierend finde ich nach wie vor die Anzahl Toten, die ist sehr hoch. Und dann k\u00f6nnen die Menschen nicht einmal richtig Abschied nehmen, man darf sich nicht tr\u00f6sten und und und, das ist schon sehr schwierig. Meine Tante hatte eigentlich Gl\u00fcck, dass sie noch vor dieser Krise starb. Eine ordentliche Beerdigung war m\u00f6glich, alle durften ihren Sohn und seine Familie umarmen.<\/p>\n<p class=\"western\">Mir geht es besser, die Halsschmerzen sind auch zur\u00fcckgegangen, habe kein Schmerzmedikament mehr nehmen m\u00fcssen. Hoffe ganz fest, dass ich um eine Angina herumgeschlittert bin. Momentan sitzt alles noch in den Stirnh\u00f6hlen. Und ich f\u00fchle mich generell wieder fitter. Hoffe also, dass ich auch schon bald wieder Sport machen kann. Das ist f\u00fcr mich als Ausgleich eh schon extrem wichtig und in der momentanen Situation noch viel mehr. Wir wissen noch nicht genau, was wir am Wochenende machen wollen. Eigentlich w\u00fcrde uns ein Ausflug guttun, z. B. zu einem See im Naturschutzgebiet. Aber ich bin unsicher, ob das in der aktuellen Situation nicht zu egoistisch ist. Wir haben uns auf der Homepage schlau gemacht. Dort heisst es, alles sei offen, abgesehen nat\u00fcrlich von den Besucherzentren. Wir w\u00fcrden wieder ein Auto mieten und nicht mit dem Zug hinfahren. Unser Ziel w\u00e4re es, fr\u00fch loszufahren und nach dem Mittag, wenn wahrscheinlich die Mehrzahl der Leute kommt (die sind hier in der Tat keine early birds) wieder zur\u00fcckfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>6.4.2020: Corona-Isolation Woche vier<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Krass, schon Woche vier&#8230;Und gestern nach den NL (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/05-04-2020\/POW_04508575\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/05-04-2020\/POW_04508575<\/a>) und CH-Nachrichten war ich ganz optimistisch, dass die Schule in einem Monat wieder \u00f6ffnet. Der Trend ist positiv, nun sollte sich der noch best\u00e4tigen. Das w\u00e4re wunderbar f\u00fcr die Kinder \u2013 und uns. Vor allem f\u00fcr die soziale Seite. Am Freitag ging Numa mit den Kids am Nachmittag nach draussen Sport machen, in der N\u00e4he des Spielplatzes. Beim Hingehen meinte Mali, sie hoffe, dass sie auf dem Spielplatz wieder eine Freundin finden werde&#8230; Wenn ich das h\u00f6re, zerreisst es mir das Herz und ich m\u00f6chte gleich zu weinen beginnen.<\/p>\n<p class=\"western\">Am Samstag ging Numa aufs Velo und ich mit den M\u00e4dchen in den Park. Die Sonne schien. Schon bald waren die Kids im T-Shirt (&#8230;). Sie haben irgendwas im Gras zu zweit gespielt, ganz harmonisch, und ich lag auf der Decke, genoss die W\u00e4rme (kein Wind, keine Jacke!) und habe gelesen \u2013 wunderbar! Am Nachmittag ein Eis und dann nochmals Park, dieses Mal Fussballspielen, Kubb-spielen und co. Gestern wollten wir eigentlich in ein Naturschutzgebiet gehen. Am Donnerstag hiess es auf deren Homepage noch, man k\u00f6nne kommen, solle sich einfach an die Abstandsregeln halten. Am Samstagabend, bevor wir ein Auto reservieren wollten, guckten wir nochmals. Nun rieten sie von einem Besuch ab. Die Wege seien zu eng und das Gebiet zu voll, als dass man die gebotenen Vorsichtsmassnahmen einhalten k\u00f6nne. Schade. Wir haben dann gestern die Velos genommen und fuhren an einen kleinen See gleich beim Amsterdamse Bos. Dort war ich mit Mali schon einmal, als wir getrenntes Programm gemacht haben. Krass ist, wie ruhig es war, obwohl Schipol gleich dort liegt. Toll f\u00fcr uns und die Luft.<\/p>\n<p class=\"western\">Da wir fr\u00fch unterwegs waren, hatte es noch gen\u00fcgend Platz um sich niederzulassen. \u00dcber dem See war der Wind wieder stark und relativ frisch, aber die Sonne w\u00e4rmte. Mir ist aufgefallen, dass sie hier vielerorts die W\u00e4lder sein lassen und nicht so krass \u201asauberhalten\u2019 wie in der CH. Sprich, es hat ganz viel umgefallene B\u00e4ume (super zum Balancieren und Klettern mit den Kids), \u00fcberall Unterholz, Moos, Wasser, Moor. Unglaublich sch\u00f6n. Und fast keine H\u00e4user in Sicht. Ich bin dann jeweils ganz gl\u00fccklich, weil mir die Natur hier schon fehlt. Gestern war auch die Stimmung unter uns gut. Und wir sind kurz baden gegangen. War vielleicht nicht wie weiseste Entscheidung f\u00fcr mich, in Anbetracht meiner nun schon \u00fcber 4 Wochen anhaltenden nicht-Gesundheit. Aber der Husten ist quasi weg, der Schnupfen auch fast und ich f\u00fchlte mich wieder fit. Es tat einfach so gut, etwas \u201aspinnerig\u2019 zu sein, so wie in ganz normalen Zeiten. Habe gestern beschlossen, dass ich mir Rollerblades kaufe. Hier ist alles flach, an so vielen Orten asphaltiert und das macht das Joggen etwas schwierig.<\/p>\n<p class=\"western\">Aber was wir \u00fcber die Ostertage machen werden und in den Maiferien, das frage ich mich schon. Wir h\u00e4tten nun die ganze Zeit Besuch. Wenn ich daran denke, werde ich traurig und f\u00fchle mich alleine. Ganz klar rettet mich meine Forschung (neben dem Wetter und dem Fr\u00fchling). Letzte Woche hatte ich vier Interviews. Drei Mal online und einmal sass ich auf der einen Bank und der Forschungsteilnehmer auf der Mitte der anderen Bank. Er ist schon \u00fcber 60 und sagte gleich nach meiner Pr\u00e4sentation und Infos zum Projekt, dass ich Fragen zu stellen habe, sonst w\u00fcrde er nichts sagen. Er sei es nicht gewohnt, \u00fcber sich zu sprechen. Das half, weil ich wusste, woran ich war. Gleichzeitig finde ich es immer schwierig, wenn die Leute nicht von sich aus erz\u00e4hlen. Das war schon in Guinea so. Dort oft mit gebildeten Personen, vor alle auch Frauen, die schon von ihrer Position her irgendwie etwas skeptisch und auf der Hut waren. Ich bin dann jeweils viel vorsichtiger, um nichts \u201aFalsches\u2019 zu fragen, nicht dass sie pl\u00f6tzlich das Gespr\u00e4ch abbrechen. Am Freitag war es f\u00fcr mich eine Herausforderung, weil ich oftmals pers\u00f6nliche Themen anspreche und mit einer absolut unbekannten Person dar\u00fcber Auskunft gibt. Es hilft aber, dass ich mir immer bewusst bin, dass sich diese Person freiwillig bei mir gemeldet hat und mit mir sprechen will. In diesem Fall war es seine Frau, die den Flyer gesehen hat und meinte, das w\u00e4re doch etwas f\u00fcr ihn. Es ist nicht das erste Mal, dass es so lief \u2013 und ich habe erst acht Gespr\u00e4che gef\u00fchrt. Toll war, dass er mir gestern noch eine Mail schrieb und sich f\u00fcr das Gespr\u00e4ch bedankte, sowie weitere \u00dcberlegungen beisteuerte. Normalerweise melde ich mich einen Tag sp\u00e4ter und bedanke mich nochmals f\u00fcr den interessanten Talk und das sharen von experiences.<\/p>\n<p class=\"western\">Endlich habe ich mir in den letzten Tagen die Zeit genommen, den Sammelbank von Women Researching in Africa erste Artikel zu lesen. Und da habe ich nat\u00fcrlich auch \u00fcber meine Positionalities hier nachgedacht. Darum will ich in Zukunft die Leute am Ende fragen, was sich ge\u00e4ndert h\u00e4tte, wenn ich ein Mann\/Vater w\u00e4re, ansonsten mit denselben Identit\u00e4ten. Ich hoffe, dass so noch einiges bez\u00fcglich Gender zutage kommt, zB in Bezug auf mit wem sie \u00fcber welche Sachen (nicht) sprechen. Mal gucken. Versuche das heute zu testen, bei meinem ersten Gespr\u00e4ch auf Holl\u00e4ndisch (bin schon ganz nerv\u00f6s). Habe mir auch Gedanken dar\u00fcber gemacht, welchen Einfluss es hat, dass ich nun die Gespr\u00e4chspartner im Voraus googeln kann und daher schon einiges \u00fcber sie weiss (und sie auch \u00fcber mich \u2013 auch wenn man von mir wohl vor allem Berufliches erf\u00e4hrt. Auf Facebook habe ich nicht einmal ein Foto von mir). Nat\u00fcrlich gibt es manchmal mehrere Personen mit denselben Namen, aber ich habe bisher schon immer einige Dinge, meist berufliche aber manchmal auch private, \u00fcber die research participants gewusst. Das war in Guinea nat\u00fcrlich ganz anders.<\/p>\n<p class=\"western\">Am Freitag haben sich hier besorgte Kardiologen in den Nachrichten ge\u00e4ussert (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/03-04-2020\/POW_04508298\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/03-04-2020\/POW_04508298<\/a>). Sie h\u00e4tten einen massiven R\u00fcckgang an Patient_innen und w\u00fcrden sich Sorgen machen, dass die Leute nicht mehr kommen, weil sie eine Covid-19-Infektion im Krankenhaus bef\u00fcrchten. Der interviewte Arzt sagt, die Patient_innen mit Brustschmerzen sollten sich unbedingt melden. Und ich dachte, dass die Gendermedizin noch viel Arbeit leisten muss. Ist es nicht so, dass vor allem M\u00e4nner bei einem Herzinfarkt Schmerzen in der Brust haben, dass sich ein solcher bei Frauen aber oft anders manifestiert? Gerade diese Krise sollte uns die Wichtigkeit von Gendermedizin einmal mehr vor Augen f\u00fchren. Vielleicht w\u00e4re dann klarer, warum so viel mehr M\u00e4nner als Frauen an Corona sterben&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Immer wenn ich Nachrichten h\u00f6re, lese oder sehe, frage ich mich, wie krass die Langzeitfolgen dieser Krise sein werden. Wie viele werden an den indirekten Folgen von Covid-19 in den kommenden Monaten und Jahren sterben. An Hunger? Und da m\u00fcssen wir nicht nach Lagos gehen, wir k\u00f6nnen in Italien beginnen, bei den Millionen von Arbeitslosen in den USA weiterfahren bis zu den nun auf den Stassen stehenden N\u00e4herinnen in Bangladesch. Diese Krise ist eine Krise f\u00fcr alle, aber es trifft mich Privilegiert so krass viel weniger als die nicht Privilegierten dieser Welt \u2013 also die ganz grosse Mehrheit. Und wurden die Massnahmen nicht von den Privilegierten ausgedacht?<\/p>\n<p class=\"western\">Ich will damit nicht sagen, dass die falschen Massnahmen ergriffen wurden, das kann ich nicht beurteilen. Ich frage mich einfach, ob die Langzeitfolgen gerechtfertigt sind. Wahrscheinlich ist die Hoffnung vorhanden, dass schon bald medizinische Durchbr\u00fcche helfen werden, die Pandemie einzud\u00e4mmen und zu \u201abesiegen\u2019. Aber lange kann das so nicht weitergehen. Der Hunger wird die Leute auf die Strassen treiben \u2013 irgendwann und irgendwo. Dann werden sie in autorit\u00e4ren Staaten von Polizisten oder vom Milit\u00e4r get\u00f6tet. Und es werden mehr kommen. Diese Toten werden nicht gez\u00e4hlt. Auch die an Hunger sterbenden nicht. Oder die Geschw\u00e4chten, die dann einer anderen Krankheit zu Opfer fallen. Oder alle diejenigen, die sowieso schon auf Unterst\u00fctzung angewiesen w\u00e4ren, die diese aber nun nicht haben, weil die Aufmerksamkeit nicht mehr gegeben ist, das Geld nicht mehr fliesst und so. Gestern wurde gemeldet, dass einige Fl\u00fcchtlingslager in Griechenland nun abgeschottet werden, weil es erste Patient_innen mit Covid-19 gegeben hat.<\/p>\n<p class=\"western\">Als wir hierherzogen, meinte Numa, es sei krass, wir k\u00f6nnten uns gar nicht mehr vorstellen, wie es war, als man bei jeder Grenze noch alle seine Dokumente zeigen musste. Man habe sich so schnell an die offenen Grenzen gew\u00f6hnt. Und nun ist das in k\u00fcrzester Zeit anders geworden. Grenzkontrollen \u00fcberall, die Grenzen teilweise ganz zu, Drohnen, welche gr\u00fcne Grenzen \u00fcberwachen. Schon krass. Und wenn wir irgendwann, hoffentlich sp\u00e4testens im Sommer in die CH fahren, m\u00fcssen wir uns \u00fcberlegen, was wir f\u00fcr Dokumente ben\u00f6tigen, damit wir wieder hierher zur\u00fcckkommen k\u00f6nnen. Ist auch spannend und irgendwie tragisch, dass \u00fcberall etwas andere Massnahmen gelten, und vor allem, dass alle zuerst f\u00fcr sich selber gucken: Kriegen wir f\u00fcr uns (und unser Spital) gen\u00fcgend Beatmungsger\u00e4te, gen\u00fcgend Schutzkleidung, gen\u00fcgend mundkapjes?<\/p>\n<p class=\"western\">Am Nachmittag, nach dem Interview: Heute wieder nicht walking interview, sondern auf einer Bank sitzend. Er hat das so gew\u00fcnscht, dann k\u00f6nne man sich auch angucken, sei nicht wie beim Abwaschen, wenn die Gespr\u00e4che auch sehr spannend seien, gerade weil man sich nicht in die Augen guckt. Er hat mit Englisch begonnen und meinte auch, dass er schon Englisch sprechen k\u00f6nne. Habe dann insistiert, dass ich froh sei, wenn ich Englisch sprechen k\u00f6nne, er aber sich bitte in Holl\u00e4ndisch ausdr\u00fccken solle. So haben wir das dann auch gemacht. Er hat schwierige W\u00f6rter gleich selber erkl\u00e4rt, bei einigen habe ich nachgefragt. Aber generell lief das gut. Hatte das Gef\u00fchl, ich h\u00e4tte alles verstanden. Beim Zur\u00fcckgehen habe ich ihn gefragt, wie das war. Er fand gut. Er habe absichtlich langsam und einfach gesprochen, das sei f\u00fcr ihn auch gut gewesen, normalerweise spreche er viel schneller. Dadurch habe er seine Worte bed\u00e4chtiger w\u00e4hlen m\u00fcssen. Ich will nun den research participants das als M\u00f6glichkeit geben. Und vielleicht werde ich in einigen Monaten auch selber holl\u00e4ndisch fragen k\u00f6nnen, inch\u2019Allah.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>7.4.2020: Corona-Isolation Woche vier<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Ich finde es spannend, wie schnell sich Verhaltensmuster \u00e4ndern. Zum Beispiel das Abstandnehmen und sich-aus-dem-Weg-gehen. K\u00fcrzlich haben wir einen Dok-Film geguckt, der nat\u00fcrlich vor der Corona-Zeit gedreht wurde. Meine erste Reaktion war: Nein, das d\u00fcrfen die nicht, die d\u00fcrfen nicht so nahe beieinander sein. Also innert k\u00fcrzester Zeit schon total embodied&#8230;! Und habe von andern geh\u00f6rt, dass es ihnen genau gleich geht.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern haben wir die Kinder wieder getrennt, weil ich heute Nachmittag nicht kann. Ich war mit Alma unterwegs. Sie wollte gucken, ob die \u201aStreicheltiere\u2019 gleich hier im Park noch offen haben \u2013 nat\u00fcrlich nicht. Also fuhren wir mit den Trottinetts weiter auf den Spielplatz im Norden des Parks. Dort war ich schon lange nicht mehr. Das einzige Mal war zu Beginn unserer Zeit hier, es hatte kaum Kinder und es war bitter kalt, so dass ich nach kurzer Zeit schon wieder nach Hause gehen wollte. Gestern aber waren ganz viele dort, Kinder am Spielen, Jugendliche am Skaten und Erwachsene am Tennis spielen. Ist wohl ein Ort, an dem man das (eher inoffiziell) noch machen kann. Auffallend war f\u00fcr mich, dass die Leute rein \u00e4usserlich gemischter waren als an anderen Orten, zB auf dem Kletterspielplatz. Numa fand zwar, auch dort seien allerlei Leute anzutreffen, die allerlei Sprachen sprechen. Aber ich finde den Kletterspielplatz uniformer im Sinn, dass mehr Leute dort sind, die wie wir aussehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>8.4.2020: Corona-Isolation Woche vier<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Gestern habe ich wieder mit Guinea telefoniert. Die Regierung hat neben den Schulen auch die grossen Kaffees, Moscheen, Kirchen, Bars und Restaurants geschlossen. Nur der Markt ist noch offen: C\u2019est le pire, mais ils ne peuvent pas le fermer. Und ich denke einmal mehr, dass die Lage in Kankan schon unter normalen Umst\u00e4nden f\u00fcr viele prek\u00e4r ist. Sobald auch nur etwas Kleines \u2013 oder auch Grosses wie jetzt \u2013 dazu kommt, dann haben viele nicht mehr gen\u00fcgend zu essen, oder auf jeden Fall nicht mehr gen\u00fcgend \u201aAbwechslung\u2019, sprich ihnen fehlen Dinge, welche sie wiederum anf\u00e4lliger auf Krankheiten machen. Ob die Boutiques noch offen sind? Ich nehme es an. Habe sowieso nicht das Gef\u00fchl, dass die Regierung die Macht h\u00e4tte, um z.B. die Boutiques und den Markt f\u00fcr mehr als einige Tage zu schliessen, weil fr\u00fcher oder sp\u00e4ter die halbe Stadt auf die Strasse gehen w\u00fcrde, sogar in einer Stadt, die sehr f\u00fcr den Pr\u00e4sidenten ist. Mein Freund hat auch erz\u00e4hlt, dass die Regierung allen Leuten die Strom- und Wasserkosten f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Monate erlasse. Hilft ihr wohl extrem, um ihre Massnahmen durchzusetzen. Und ja, bald sind wieder Wahlen, dann ist es einfacher, wenn man dem Volk etwas gegeben hat (oder es gekauft hat, wie auch immer).<\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"de-CH\">Ich habe mittlerweile wieder so viel Boden unter den F\u00fcssen, dass ich auch Covid-19-Artikel zum afrikanischen Kontinent lesen kann \u2013 zwischendurch. Einige sind sehr d\u00fcster (<a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/!249433340?utm_source=whatsapp&amp;utm_medium=social-user&amp;utm_campaign=watson-app-ios\">https:\/\/www.watson.ch\/!249433340?utm_source=whatsapp&amp;utm_medium=social-user&amp;utm_campaign=watson-app-ios<\/a>) vielleicht auch einfach nur realistisch (<a href=\"https:\/\/nai.uu.se\/news-and-events\/news\/2020-04-03-africa-needs-tailored-responses-to-coronavirus.html?utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_campaign=apr+20\">https:\/\/nai.uu.se\/news-and-events\/news\/2020-04-03-africa-needs-tailored-responses-to-coronavirus.html?utm_medium=email&amp;utm_source=newsletter&amp;utm_campaign=apr+20<\/a>) und gerade der Guinea-Bezug ist f\u00fcr mich schwierig auszuhalten. Ist ja immer so. Wenn es sich um konkrete Menschen handelt, die wir kennen, werden Schicksale greifbar und wir k\u00f6nnen die sonst aufgebaute Wand, mit der wir uns sch\u00fctzen und hinter der wir uns verstecken, nicht mehr aufrechterhalten. Von anderen Orten t\u00f6nt es ein bisschen anders (<a href=\"https:\/\/roape.net\/2020\/04\/07\/out-of-the-ruins-and-rubble-covid-19-and-the-fightback-in-africa\/?fbclid=IwAR1TxISuzz2LkQIL1DDmF2G8wWl1B-LstVkFa49h7eWtlv36xkS5FydjoX4\">https:\/\/roape.net\/2020\/04\/07\/out-of-the-ruins-and-rubble-covid-19-and-the-fightback-in-africa\/?fbclid=IwAR1TxISuzz2LkQIL1DDmF2G8wWl1B-LstVkFa49h7eWtlv36xkS5FydjoX4<\/a>). Ist ja klar, macht einen grossen Unterschied, ob wir \u00fcber Guinea, Nigeria, Tansania oder S\u00fcdafrika sprechen. Wobei die IPS in S\u00fcdafrika nat\u00fcrlich auch nur f\u00fcr die Reichen offenstehen. Und ja, wie in anderen L\u00e4ndern (USA&#8230;) \u00f6ffnet das nat\u00fcrlich T\u00fcr und Tor f\u00fcr noch mehr racial profiling und weitverbreitete Vorurteile gewissen Gruppen gegen\u00fcber. <\/span><span lang=\"en-US\">Very true what Issa Shivji says: The social is political!<\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Ich habe mir gestern Rollerblades gekauft, quasi verfr\u00fcht zum Geburtstag geschenkt. Hatte gerade eine riesengrosse Freude. Bin mit Mali zum Gesch\u00e4ft in der N\u00e4he gejoggt. War ja seit Wochen nicht mehr einkaufen, quasi meine erste Corona-Einkaufserfahrung hier. Sehr kleines Gesch\u00e4ft. Wir wollten reingehen, der Verk\u00e4ufer meinte, wir sollten draussen warten, es sei schon voll (das habe ich auf jeden Fall verstanden). Habe dann die letzten Blades in meiner Gr\u00f6sse ergattert. Sind jetzt nicht die bequemsten, aber die musste ich nehmen! Er k\u00f6nne momentan auch keine neuen bestellen. Wohl sind da auch die Fabriken mit der Produktion runtergefahren worden oder wie auch immer. Bin dann am sp\u00e4teren Nachmittag (war gestern so was von unproduktiv und unmotiviert bei der Arbeit&#8230;) damit um den Sloterplas gefahren. Dauerte ca. 30 Minuten, war schon Sport, aber musste nicht schwitzen und joggen finde ich immer noch um einiges anstrengender. Wobei ich zugeben muss, dass ich heute gewisse Stellen an meinem K\u00f6rper schon sp\u00fcre. Morgen wird es zudem blaue Flecken hinten an den Waden haben. Ist vielleicht vergleichbar mit den ersten beiden Tagen auf dem Snowboard in einer Saison, da sind die Stellen, wo die Boots dr\u00fccken, auch immer blau.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern haben wir das erste Mal im Park abendgegessen. Ich kam direkt vom Rollerbladen, war also doch etwas verschwitzt und sobald die Sonne nur noch flach schien und sich teilweise hinter einem Baum versteckte, musste ich zur\u00fcckgehen. Aber war sch\u00f6n, diese Sommervorfreude. Gleichzeitig frage ich mich schon, wie es die Leute hier mit dem physical distancing nehmen. Es gab bei den grossen Parkb\u00e4nken zwei Personen von der Gemeinde, die trugen so rote Shirts mit der Aufschrift Gemeinde Amsterdam und den drei Kreuzen drauf. Aber ich sah sie nicht mit anderen Personen interagieren. Habe sie aber auch relativ sp\u00e4t entdeckt und danach hatten sie wahrscheinlich schon Feierabend. Auf jeden Fall waren sehr viele Leute unterwegs und teilweise auch nicht ganz so weit voneinander&#8230; Die Zahlen hier lassen langsam optimistisch sein (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/07-04-2020\/POW_04508300\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/07-04-2020\/POW_04508300<\/a>), vor allem die Kurve der Aufnahmen von Corona-Patient_innen auf der IPS ist enorm abgeflacht. Gestern nur 15 weitere Aufnahmen. Gleichzeitig k\u00f6nnen auch immer mehr wieder entlassen werden oder sie sterben, daher werden auch wieder neue Betten frei. Die Anzahl Tote sind meiner Meinung nach immer noch sehr hoch. Gestern gab es einen riesen Peak, der sich aber dadurch erkl\u00e4ren l\u00e4sst, dass einige Personen schon in den vorangegangenen Tagen gestorben sind, aber erst gestern in die Statistik aufgenommen wurden. Wenn die Zahlen weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig sind und das trotz den vielen Leuten draussen (das Osterwochenende steht ja erst noch an&#8230;!!!) und den weiterhin teilweise offenen Gesch\u00e4ften, dann l\u00e4sst das langsam positiv stimmen. Und an gewissen Orten hat es so viele Kinder, dass ich mich schon gefragt habe, ob es denn sinnvoll ist, dass Kinder von den Massnahmen ausgeschlossen und gleichzeitig die Schulen zu sind.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern wollten beide Kinder wissen, wie lange wir noch in Amsterdam sind. Numa hat ihnen das dann mit Hilfe unserer Monats\u00fcbersicht versucht aufzuzeigen. Mali habe sich anschliessend beklagt, dass wir ja noch viel zu lange da seien. Das finde ich immer noch sehr schwierig auszuhalten. Und wir wissen nat\u00fcrlich, dass es viel mit der momentanen Situation zu tun hat. Zu Hause w\u00e4re es nicht per se einfacher, auch wenn wir vielleicht etwas mehr sozialen Kontakt h\u00e4tten. Ich h\u00f6re auch von immer mehr Personen, dass z. B. die Situation im Haus sehr schwierig sei, weil die Familien die Situation unterschiedlich handhaben. Oder das sich das Paar nicht einig ist, was f\u00fcr sie als Familie noch erlaubt ist und was nicht. Von diesen Fragen sind wir hier mehr oder weniger verschont. Ich frage mich hier: Darf ich an meinem Geburtstag mit jemandem ausserhalb meiner Familie anstossen, wenn ich weiss, dass die Kinder absolut keine Distanz halten werden&#8230;???<\/p>\n<p class=\"western\">Ob wohl gewisse Eltern (und auch V\u00e4ter?!?) eine Art Corona-Tagebuch f\u00fchren. W\u00e4re super spannend f\u00fcr mich, solche in meine Forschung einzubeziehen. Vielleicht w\u00e4re Tagebuch schreiben, resp. diese dann erhalten eine tolle Art von Daten. Aber: Das ist nochmals um einiges intimer als so ein Gespr\u00e4ch mit mir. Ich glaube, da m\u00fcsste ich die Leute zuerst gut kennen und eine Art Vertrauensverh\u00e4ltnis aufgebaut haben, bevor ich es \u00fcberhaupt wagen w\u00fcrde, so etwas zu fragen. Und im Gespr\u00e4ch m\u00fcssten die V\u00e4ter schon viel \u00fcber die momentane Situation erz\u00e4hlt haben&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>9.4.2020: Corona-Isolation Woche vier<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">In der CH haben sie gestern die Massnahmen um eine weitere Woche bis zum 26.4. verl\u00e4ngert und danach Lockerungen in Aussicht gestellt, jedoch ohne zu sagen, wie diese auszusehen haben. W\u00e4hrend einige Parteien, allen voran die SVP und die FDP, und die Wirtschaftsverb\u00e4nde seit einigen Tagen massiv Druck auf den Bundesrat aus\u00fcben (<a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/radio\/sendung\/echo-der-zeit?id=28549e81-c453-4671-92ad-cb28796d06a8\">https:\/\/www.srf.ch\/play\/radio\/sendung\/echo-der-zeit?id=28549e81-c453-4671-92ad-cb28796d06a8<\/a> ). Dies veranlasst andere, vor einer zweiten, noch krasseren Welle zu warnen (<a href=\"https:\/\/www.medinside.ch\/de\/post\/oggier-findet-eine-lockerung-problematisch\">https:\/\/www.medinside.ch\/de\/post\/oggier-findet-eine-lockerung-problematisch<\/a>). In den NL sind die aktuellen Zahlen, resp. insbesondere deren Trend \u00e4hnlich erfreulich. Der Verantwortliche der IPS habe ich zum ersten Mal lachen sehen. Die Anzahl IPS-Patient_innen hat gestern zum ersten Mal seit dem Ausbruch der Krise abgenommen (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/08-04-2020\/POW_04508301\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/08-04-2020\/POW_04508301<\/a>). Die Betriebe machen sich Gedanken dar\u00fcber, wie ein Leben mit mind. 1,5m Abstand in den n\u00e4chsten Monaten gelebt werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich habe Tage, resp. besser Momente in Tagen, an denen es mir ganz gut geht. Da bin ich \u00fcbergl\u00fccklich \u00fcber den Fr\u00fchling, das warme Wetter (sei atypisch und deutlich zu warm f\u00fcr den April hier \u2013 ich habe gerade nichts dagegen) und finde eigentlich alles noch ziemlich gem\u00fctlich. Dann wiederum finde ich es schwer aushaltbar, immer mit den Kindern, immer dasselbe Gst\u00fcrm, nie Abwechslung, immer dieselben Abende, nie jemanden zum real Austauschen, nicht selber entscheiden k\u00f6nnen, wohin wir wann fahren wollen, kein \u201aAusgang\u2019, keine Aare, keine Familie, niemanden zum Umarmen, Homeoffice mit schreienden Kinder unten, kein Fahrradfahren um ins Office zu gehen,&#8230;. Das Anstrengende finde ich, dass es so rasch wechselt. Momentan finde ich es auch gerade wieder schwieriger, dass die Rollen bei uns so ungleich verteilt sind. Ich freue mich wirklich sehr darauf, wenn dann wieder Schule ist und Numa ev. auch noch was ausserhalb des Hauses machen kann. Einfach \u201aNormalit\u00e4t\u2019 in der f\u00fcr uns eh schon neuen Situation, die anders ist, als wir \u201aNormalit\u00e4t\u2019 von zu Hause aus gewohnt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>14.4.2020: Corona-Isolation Woche f\u00fcnf<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Ich bin langsam etwas verwirrt, was die Tage anbelangt. Die Homeoffice-Wochenstruktur ist irgendwie schwierig einzuhalten, resp. verwechsle ich st\u00e4ndig, welchen Tag wir nun haben. Und nun noch mit Ostern, wo ich vier Tage nicht gearbeitet habe. Habe auch gerade etwas M\u00fche, wieder in die G\u00e4nge zu kommen. Zudem will ich morgen freimachen (Geburi ;-). Am liebsten w\u00fcrde ich wieder ein Auto mieten und in die D\u00fcnen fahren. Es wird zwar nicht mehr so sch\u00f6n warm wie an den ersten Ostertagen, aber die Sonne soll scheinen. Nur weiss ich nicht, ob es unter der Woche auch so ein Problem ist, in die Naturparks zu gehen und ob die Parkpl\u00e4tze da auch abgeschlossen sind. Wir m\u00fcssen uns heute Abend mal schlau machen. So ein wenig D\u00fcnen w\u00e4re einfach zu sch\u00f6n!<\/p>\n<p class=\"western\">Gearbeitet habe ich abgesehen von einigen wenigen Mails (an m\u00f6gliche research participants) nicht. Aber Flyer habe ich ziemlich viele aufgeh\u00e4ngt. Am Samstag fuhren wir alle zu einem Spielplatz am Rand des Jordaans. Obwohl es schon relativ sp\u00e4t war, waren dort kaum Leute. Von dort aus machten wir eine Schnitzeljagd durch den Jordaan. An einigen Orten waren die Strassen leer, an anderen Orten waren doch relativ viele auf den Beinen. Im Gegensatz zu \u201anormalen\u2019 Zeiten jedoch keine Touristen, vor alle Holl\u00e4ndisch sprechende. Ich hatte gar das Gef\u00fchl, es w\u00fcrden sich sehr viele auch kennen. \u00c4ltere Leute, die vielleicht schon ihr Leben lang dort wohnen. Dazu einige Familien. Und viele sassen auch einfach vor der T\u00fcr auf B\u00e4nken und St\u00fchlen an der Sonne. Das f\u00e4llt mir hier \u00fcberall auf. Jetzt wo der Fr\u00fchling da ist, haben viele einfach einen Stuhl, eine Bank oder ein kleines Tischchen vor ihre Haust\u00fcre gestellt. Besonders sch\u00f6n finde ich es bei der Orteliuskade, wo die Bewohner_innen quasi den Rembrandtpark als Garten haben. Dort w\u00fcrde ich sofort hinziehen. Am Sonntag fuhr ich mit den Skates durch Strassen im Oud Zuid, in denen ich noch nie war.<\/p>\n<p class=\"western\">Im Jordaan und auf dem Spielplatz habe ich wieder Flyer aufgeh\u00e4ngt. Dann ganz viele am Sonntag, als ich meine paar Stunden familienfrei hatte und mit den Skates zuerst Richtung Sloterplas und dann zwei verschiedenen Grachten entlang Richtung Nieuwe Meer fuhr. Habe absichtlich Orte gew\u00e4hlt, an denen ich noch nie war. Und vor allem auch der Nieuw West, weil dort die Einwohner_innen doch ziemlich anders sind als an anderen Orten. Bin aber ehrlich gesagt immer noch nicht sehr zuversichtlich, dass sich auch nicht gut ausgebildete V\u00e4ter melden. Ich muss mal in meiner Excel-Tabelle gucken, aber ich glaube, alle der bisherigen research participants haben entweder die Uni oder eine andere H\u00f6here Schule besucht. Mit den Skates l\u00e4sst sich super flyeren, weil ich dann nicht immer noch das Fahrrad abstellen muss, das sowieso meistens zu kippen droht, angesichts der Tatsache, dass ich ein \u201aK\u00f6rbli\u2019 vorne drauf befestigt habe. Das n\u00e4chste Mal kurve ich um den Sloterplas, dort sah ich das letzte Mal ganz viele V\u00e4ter und Familien, die mir etwas mehr Diversit\u00e4t geben w\u00fcrden. Lustig ist auch, dass sich nun viele Leute an joggen versuchen. K\u00fcrzlich ein Vater (nehme ich an) mit seinem Sohn. Beide leicht \u00fcbergewichtig, der Stil wunderbar zum Zugucken.<\/p>\n<p class=\"western\">Letzte Woche habe ich wieder ziemlich viele Interviews f\u00fchren k\u00f6nnen. Am Tollsten finde ich, wenn ich die Leute live treffen kann. Der Spaziergang durch den Park war toll. Ich mag das gehende Sprechen einfach. Aber auch das sich Gegen\u00fcbersitzen, resp. nebeneinander auf zwei verschiedenen Parkb\u00e4nken ist gut. Feldforschung sollte doch m\u00f6glichst oft draussen stattfinden. Ich bin ja sonst schon viel zu viel zu Hause und vor dem Compi. In GN war das nat\u00fcrlich so, im Spital nat\u00fcrlich nicht. Momentan f\u00e4llt ja die t\u00e4gliche Velofahrt an die Uni weg. Wenn ich dann nur drinnen bin, werde ich grumpy. Eine grosse Herausforderung war ein Gespr\u00e4ch letzte Woche, das wir per Telefon ohne Video gef\u00fchrt haben. Es ging ganz ok, aber wenn man die andere Person nicht sieht, keine Ahnung von deren Mimik hat, ist das schwierig. Und die Fremdsprache kommt noch dazu. Netterweise hat er im Anschluss gesagt und geschrieben, dass es toll gewesen sei, wie ich die Fragen offen und unvoreingenommen gestellt habe. Das freut mich, gerade weil es durchaus einige Dinge gegeben h\u00e4tte, bei denen ich anderer Meinung war. Ist ja schon noch spannend. In GN war der Kontext so klar anders, dass die Abgrenzung in gewissen Dingen einfacher fiel. Hier ist das Thema nat\u00fcrlich auch viel mehr mit mir pers\u00f6nlich verbunden. Habe mit Numa diskutiert, wann ich meine Meinung kundtue. Versuche das m\u00f6glichst nicht zu tun, ausser ich werde gefragt. Aber ich versuche generell schon, so greifbar wie m\u00f6glich zu sein, auch als Person. Einige stellen zu Beginn mehr Fragen, andere wollen gar nichts zus\u00e4tzliches wissen. Dieses sich \u201aBeschnuppern\u2019 ist deutlich einfacher, wenn man sich live sieht als per Telefon. Ich mache manchmal auch einen Witz oder sage, dass etwas bei uns genau gleich gewesen sei. Oder einen mitf\u00fchlenden Kommentar (so \u00e0 la: ja, erste Jahre sind sehr streng, vor allem wenn beide Kinder noch klein sind).<\/p>\n<p class=\"western\">Wir hoffen ganz fest, dass wir nur noch zwei Wochen Homeschooling plus eine Woche \u201aFerien\u2019 haben werden und danach die Schulen hier wieder \u00f6ffnen. Ich habe von irgendwo geh\u00f6rt, dass die Kitas und die Schulen von den ersten seien, die wieder \u00f6ffnen werden. Im Gegensatz z. B. zu Deutschland, wo die Kitas bis zu den Sommerferien zu sind und die Schulen nur gestaffelt aufgehen werden. In der CH sagen sie, dass die Schulen so etwa in der Mitte kommen werden. Momentan habe ich das Gef\u00fchl, dass es Mali bessergeht. Sie hat nicht mehr so oft traurige Phasen. Einfach das immer-alles-bestimmen-m\u00fcssen gegen\u00fcber Alma hat ein unglaublich m\u00fchsames Level erreicht. Sie ist schon nur betupft, wenn sie nicht als erste Z\u00e4hneputzen kann.<\/p>\n<p class=\"western\">Alma hingegen ist ziemlich streng. Vielleicht ist das aber nur, weil wir die ganze Zeit mit ihr sind. Gestern als ich joggen ging (eine knappe Stunde!), klammerte sie sich wieder weinend an mein Bein: Mamaaaaa, nid gaaaaa! Ist wirklich nicht gut, so viel mit den Eltern zusammen zu sein, finde ich. Abend als sie bis zum Einschlafen noch trotzig war und weinte. Und ich dachte zur\u00fcck an die Literatur, die ich gelesen habe, als die Kinder noch Babys waren, die Elternbriefe, die man monatlich zugeschickt erhielt. Da hiess es, die Babys m\u00fcssten weinen, weil das w\u00fcrde ihre Spannungen l\u00f6sen w\u00fcrde. Genau so kam es mir bei Alma gestern vor. Bis zum Schluss noch nein nein nein. Und sie ist nun 4,5 Jahre alt&#8230;Das An- und Ausziehen, H\u00e4ndewaschen, Z\u00e4hneputzen etc.: Jedes Mal ein Kraftakt. An gewissen Tagen, ist meine Z\u00fcndschnur so d\u00fcnn, dass ich mich zu oft \u00fcber Dingen nerve, die ganz normal sind bei Kindern. Und dann denke ich, dass es wirklich nicht mehr gut ist mit mir. Ich darf mich doch nicht dar\u00fcber aufregen, dass Kinder Kinder sind. Alma hat das einmal sogar in Worte packen k\u00f6nnen. Mali schlug Alma, weil diese Post \u00f6ffnen wollte. Ich wurde sehr w\u00fctend, weil ich so oft das Gef\u00fchl habe, dass es m\u00fchsam wir, wenn eigentlich etwas Tolles anstehen w\u00fcrde (wie ein Eis essen, Post erhalten etc). Wir sassen dann zu dritt oben und Alma meinte: Sie sei noch keine Frau, sie k\u00f6nne sich nicht anders verhalten.<\/p>\n<p class=\"western\">Und dann bin ich auch immer mal wieder hin- und hergerissen zwischen viel arbeiten (z. B. denke ich gerade jetzt, dass diese Arbeitswoche f\u00fcr mich ja nur aus drei Tagen besteht) und Numa m\u00f6glichst entlasten, resp. die Kinder zwei Mal die Woche auseinandernehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>16.4.2020: Corona-Isolation Woche f\u00fcnf<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Wenn unten einmal mehr alle rumschreien oder weinen (es ist schon unglaublich, zu welchen Krisen anziehen, H\u00e4ndewaschen und Z\u00e4hneputzen f\u00fchren k\u00f6nnen&#8230;!!!), dann finde ich es hart an der Grenze, hier oben arbeiten zu m\u00fcssen. Leider kann ich mich null abgrenzen und werde selber nerv\u00f6s oder ver\u00e4rgert. \u00dcberlege mir, ob ich nicht morgen einfach an die Uni gehen will, um zu arbeiten. Dann k\u00f6nnte ich mich vielleicht und hoffentlich wieder einmal so richtig konzentrieren. Und dann w\u00fcrde auch nicht die T\u00fcre aufgehen, und schon wieder ein Kind reinkommen. Es ist momentan extrem schwierig, die Ruhe zu bewahren. Ich bin ja eh leider schon keine geduldige Person und die aktuelle Situation vereinfacht das nicht. Ich bin es sooooo satt, immer dieselben Dinge zu sagen, Tag f\u00fcr Tag, Stunde f\u00fcr Stunde. Nennt man das dann regretting motherhood syndrom&#8230;? Abends beim ins-Bett-bringen versuche ich viel N\u00e4he zu geben (nat\u00fcrlich auch schon tags\u00fcber) und f\u00fchle mich sehr schlecht.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern hielten sie sich aber verh\u00e4ltnism\u00e4ssig gut. Wir haben am Dienstagabend spontan entschieden, dass wir ein Auto mieten und versuchen, in die D\u00fcnen zu gehen. Auf der Homepage des Nationalparks war die Meldung wieder anders, als noch vor zwei Wochen, als die Leute gebeten wurden, nicht zu kommen. Nun haben sie Orte, an denen sich besonders viele Menschen ansammeln, geschlossen, so etwa die beiden Seen. Und die Kapazit\u00e4ten der Parkpl\u00e4tze um die H\u00e4lfte reduziert. Sie bitten die Leute, zu Fuss oder mit dem Fahrrad zu kommen \u2013 was f\u00fcr uns leider nicht m\u00f6glich ist. Wir dachten, wir w\u00fcrden an einen neuen Ort gehen, fanden eine leeren Parkplatz vor, aber dann gab es keinen Weg, der ins Gebiet gef\u00fchrt h\u00e4tte, alles via Zaun abgeschlossen. Am Ende haben wir uns daf\u00fcr entschieden, in einem Quartier in der N\u00e4he zu parkieren, auch wenn unser Mietauto nat\u00fcrlich sehr auff\u00e4llig ist. Schon w\u00e4hrend dem Rumfahren hatte ich die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen, weil unser Ausflug selbstverst\u00e4ndlich nicht n\u00f6tig war, sondern \u201alediglich\u2019 f\u00fcr unsere Psychen. W\u00e4re einfach ein wenig traurig gewesen, an meinem Geburtstag wieder in den Rembrandtpark zu gehen. Ist mir aber auch klar, dass dies egoistisch ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Sp\u00e4ter haben wir dann endlich wieder einmal eine uns bekannte Person gesehen. Ich habe spontan eine Kollegin gefragt, ob sie auf ein Distanzapero in den Park kommen mag. Sie nahm dann gleich noch eine Freundin mit. Tat gut, endlich wieder einmal jemanden zu sehen und anzustossen. Und die Sonne schien, ich erhielt Blumen.<\/p>\n<p class=\"western\">In den Parks und auf den Spielpl\u00e4tzen sehe ich hier viele mit Inlineskates und Rollbrettern. V\u00e4ter d\u00fcrfen Corona sei Dank mehr mit Kinder sein. Oder f\u00e4llt mir das hier nur auf, weil es anders ist als in der CH? Oder bin ich bisher in der CH nicht an den entsprechenden Orten gewesen? Ich m\u00f6chte auf jeden Fall auch skaten k\u00f6nnen &#8211; und skatende T\u00f6chter haben. Besonders sch\u00f6n fand ich die Szene, die ich im Westernpark beim Warten beobachtet habe. Ein Vater und seine Tochter, beide mit Rollbrettern, er hat ihr gezeigt, wie man sein Rollbrett mit dem Fuss nach oben nimmt, ohne sich b\u00fccken zu m\u00fcssen. Ich fand, man sehe die Begeisterung des Vaters f\u00f6rmlich, dass er mit seiner Tochter solche Dinge machen kann. Er f\u00fchlte sich wieder selber jung.<\/p>\n<p class=\"western\">Heute sind meine Kinder das erste Mal alleine auf den Spielplatz vorausgegangen, ich kam erst 5-10 Minuten sp\u00e4ter nach. Ich war stolz auf sie und ich glaube, sie waren auch stolz. Nur das alleine Zur\u00fcckkommen ist leider immer noch nicht m\u00f6glich. Zwar kann Mali nun die T\u00fcre \u00f6ffnen (resp. es ist ihr auch schon gelungen), aber ich m\u00f6chte ihr lieber nicht den Schl\u00fcssel mitgeben, falls sie ihn verliert. Zu wenig Vertrauen? Und wenn sie die T\u00fcre nicht \u00f6ffnen k\u00f6nnen, dann k\u00f6nnen sie sich auf keine Art und Weise bemerkbar machen, weil ja die Klingel immer noch nicht funktioniert (easy, ist ja erst seit Januar so). Die beiden haben sich auf dem Kletterspielplatz wieder ein M\u00e4dchen geschnappt, sie hat auch gerne den Ton durchgegeben. Sie hatte eine Barbiepuppe bei sich, vielleicht deshalb. Diese Rabeneltern, die den Kindern einfach keine Barbiepuppen schenken&#8230; ist spannend, Sprache scheint null H\u00fcrde zu sein, beide sprechen einfach. Was wohl die anderen Kinder denken? Was merken sie in diesem Alter von schlechtem Dutch? Auf Spielplatz ist es lustig, Eltern zu beobachten, wie sie versuchen, Abstand zu halten, aber das ist nur beschr\u00e4nkt m\u00f6glich, wenn ihr kleines Kind fast von der Rutschbahn f\u00e4llt.<\/p>\n<p class=\"western\">Finde auch diese (teils hippen) Jungv\u00e4ter am\u00fcsant. Ein Kind im Tragi, das andere noch ein Kleinkind, dabei immer noch gut aussehen und cool sein. Klappt nicht immer nat\u00fcrlich. Ich bin einmal mehr sehr froh, dass unsere nun \u00e4lter sind<span lang=\"de-CH\">.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>20.4.2020: Corona-Isolation Woche sechs<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Ich habe das Gef\u00fchl, als w\u00fcrde meine Forschung langsam Fahrt aufnehmen. Aber irgendwie so, wie wenn ich nicht im F\u00fchrerstand des Zuges w\u00e4re. Und es ist auch sehr unklar, wohin die Zugreise f\u00fchrt, wo der anhalten wird, wer alles an Bord des Zuges sitzt, und wo die Zugfahrt endet ist noch viel unklarer. Einfach die Schienen sind Voraussetzung, die d\u00fcrfen nicht verlassen werden. Auch wenn vielleicht irgendeinmal die M\u00f6glichkeit besteht, dass wir auf einen Bus, ein Tram oder sogar aufs Velo umsteigen m\u00f6gen. Der Einfluss von Corona&#8230; Mit wie vielen Personen will ich sprechen? Mit wem und wann ein zweites Mal? In welche Milieus werde ich (zuf\u00e4lligerweise) gelangen? N\u00e4chste Woche werde ich ein Gespr\u00e4ch mit einem Fotografen haben. Wollte unbedingt, dass er mitmacht und war daher ganz gl\u00fccklich, als er sich wieder gemeldet hat. Nun hat er gefragt, ob er unser Gespr\u00e4ch filmen k\u00f6nne, weil er einen Dokumentarfilm \u00fcber seinen Vater und sein eigenes Vatersein dreht. Hmm, looks like very interesting, aber irgendwie werde ich dann wohl auch in einer Rolle kommen oder mich so verhalten, wie das normalerweise nicht der Fall ist. Und anderseits: Wenn alle beide davon profitieren, ist das super! In diesen Momenten, wenn man das Gef\u00fchl hat, dass in der Forschung gerade etwas Wichtiges passiert, wird wahrscheinlich Adrenalin oder so ausgesch\u00fcttet. Dieses Gef\u00fchl im Bauch, wenn sich T\u00fcrchen \u00f6ffnen, sich interessante Personen melden, man gemeinsam mit anderen neue Projekte ausdenkt, daf\u00fcr mache ich den \u201aJob\u2019 und dann ist es eben viel mehr als ein Job, auch wenn ich nie von einer Berufung sprechen w\u00fcrde, eher von acting anthropologically im Sinne von Andrea Cornwall (2019).<\/p>\n<p class=\"western\">Ein Forschungsprojekt ist ja immer auch eine Reise, eine berufliche und eine private Reise. Ich denke auch jetzt noch, fast zehn Jahre nach der Aussage, an eine Kollegin, die mir vor dem ersten Feldaufenthalt gesagt hat, man solle sich nicht t\u00e4glich \u00fcberlegen, ob was, was man gerade am Tun sei, sinnvoll sei oder nicht. Das war einer meiner wichtigsten und hilfreichsten Ratschl\u00e4ge. Und gleichzeitig muss man als Forschende so viele Entscheidungen treffen, die alle eine grosse Auswirkung auf das Projekt und die daraus sich ergebenden Resultate haben. In Guinea war der Einfluss meiner research collaborators riesig \u2013 hier bin ich auf mich alleine gestellt. Wobei hier vielleicht meine Familienmitglieder diese Rolle ein wenig einnehmen. Mit Numa bespreche ich die Interviews und Gespr\u00e4che. W\u00e4hrend den Gespr\u00e4chen denke ich auch oft an ihn und seine Tipps bez\u00fcglich Gespr\u00e4chsf\u00fchrung. Letzte Woche kam Mali das erste Mal mit auf ein Treffen, morgen Nachmittag nehme ich beide mit. Keine Ahnung, ob wir dann irgendwie zum Schwatzen kommen. Der research participant hat vorgeschlagen, dass wir uns an einem Nachmittag im Park treffen sollen, er sei dort jeweils mit seinen Knaben. Da habe ichgedacht, ich k\u00f6nne ja auch gleich meine T\u00f6chter mitnehmen. Bin sehr gespannt darauf, wie das funktionieren wird. Ob wir \u00fcberhaupt irgendwas zum Reden kommen oder ob wir nur den Kindern nachspringen. Ist ein Versuch wert und war ja urspr\u00fcnglich auch mein Plan, bis Corona alles ein wenig ver\u00e4ndert hat&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Mir wurde folgenden Artikel gesendet: Minello_The pandemic and the female academic_2020: <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/d41586-020-01135-9\">https:\/\/www.nature.com\/articles\/d41586-020-01135-9<\/a>. Kurz zusammengefasst: Wer in dieser Zeit keine care obligations hat, wird seinen output steigern k\u00f6nnen, die anderen werden eine L\u00fccke aufweisen. Und das sind halt immer noch haupts\u00e4chlich Frauen. Sie schl\u00e4gt u.a. vor, dass an diese Zeit als career breaks in den CV schreiben solle, auch wenn das wohl leider nichts \u00e4ndert. Ich bin ja sehr privilegiert, habe einen Partner, der zurzeit nicht arbeitet und die Hauptlast der Kinderbetreuung tr\u00e4gt und gleichzeitig arbeite ich nat\u00fcrlich nie so viel wie in normalen Zeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>21.4.2020: Corona-Isolation Woche sechs<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Es stellt sich schon die Frage, was geschehen wird, wenn nun in vielen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern die Corona-Massnahmen langsam gelockert werden. Klar ist, dass die Leute schon eine ganze Weile immer mehr nach draussen gehen. Nat\u00fcrlich werden von den meisten die Abstandsregeln eingehalten, aber ich denke (und lese), dass es auch immer mehr Verst\u00f6sse gibt \u2013 und zwar nicht nur von f\u00fcnf Jugendlichen, die auch nach mehrmalige Auffordern der Polizei, immer noch nicht weiter auseinandergehen, sondern auch von Erwachsenen. Am Sonntag wurde in den hiesigen Nachrichten berichtet, dass ein Pokerturnier mit \u00fcber 50 Teilnehmenden aufgehoben wurde (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/19-04-2020\/POW_04508577\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/19-04-2020\/POW_04508577<\/a>). Hier warten wir heute um 19h gespannt auf die Entscheidungen der Regierung. Allgemein wird erwartet, dass es lediglich eine leichte Lockerung der Massnahmen geben wird, insbesondere dass auf irgendeine Art und Weise die Basisschoolen wieder ge\u00f6ffnet werden. Das entsprechende Ministerium hat diesen Rat der Regierung erteilt (inch\u2019Allah!!!)<\/p>\n<p class=\"western\"><a href=\"http:\/\/content10c3b.omroep.nl\/urishieldv2\/l27m4c2dba2f283a7898005e9ec842000000.b17416a288ffe59b6102d8b5ee45c7ea\/nos\/docs\/210420_omt.pdf\">http:\/\/content10c3b.omroep.nl\/urishieldv2\/l27m4c2dba2f283a7898005e9ec842000000.b17416a288ffe59b6102d8b5ee45c7ea\/nos\/docs\/210420_omt.pdf<\/a><\/p>\n<p class=\"western\">F\u00fcr uns pers\u00f6nlich w\u00e4re das ja die wichtigste Aufhebung. Ich denke, es w\u00fcrde uns allen extrem guttun, wenn die Kinder wieder etwas in die Schule gehen k\u00f6nnen \u2013 sei es nur f\u00fcr zwei Tage die Woche mit der halben Klasse oder so. Aber ganz ehrlich, kleine Kinder zwischen 4 und 6 halten keine Abst\u00e4nde ein, sie wollen getr\u00f6stet werden, wenn sie traurig sind. Stellt sich also die Frage, inwiefern sich Kinder selber anstecken und ob sie das Virus auch an andere weitergeben. Ein Problem ist nat\u00fcrlich, dass viele der Lehrkr\u00e4fte selber schon \u00e4lter sind. Dann sind sie bei ihrer Arbeit in Kontakt mit ganz viele Kinder, d\u00fcrfen aber ihre eigenen Grosskinder nicht sehen. Das wird absurd. Und gleichzeitig lassen sich solche Absurdit\u00e4ten nicht umgehen, denke ich. Warum sollten Blumenzentren und Coiffeursalons in der CH wieder \u00f6ffnen d\u00fcrfen, die M\u00e4rkte aber nicht? Ein Freund hat erz\u00e4hlt, dass in Deutschland die M\u00e4rkte die ganze Zeit offenblieben, obwohl es dort ja ansonsten ziemlich streng war, keine L\u00e4den waren offen, nur mit einer anderen Person auf 2m (oder waren es 1,5m wie hier?) Abstand treffen etc. Ich verstehe die Kritik gut und gleichzeitig gibt es keine one-fits-it-all L\u00f6sungen, alle, die nun nicht von den Lockerungen profitieren, f\u00fchlen sich benachteiligt und \u00fcbergangen.<\/p>\n<p class=\"western\">Auf Facebook habe ich gesehen, wie viele jeunes filles leaders in Kankan Masken an die Marktfrauen verteilen \u2013 sie werden verst\u00e4ndlicherweise als besonders verletzliche Gruppe gesehen. Ich bin zwar \u00fcberzeugt, dass diese Masken absolut nichts bringen, weil die Handhabung nicht richtig ist und die Leute sich immer noch an den H\u00e4nden ber\u00fchren und so. Aber sie machen auch Aufkl\u00e4rung, z.B. h\u00e4ufiges H\u00e4ndewaschen und so. Vielleicht auch, dass sie zu Hause bleiben sollen, wenn sie Symptome haben. Ich weiss es nicht genau, muss mal nachfragen. Irgendwie habe ich schwer das Gef\u00fchl, ich komme zu absolut nichts. Mit der Konzentration im home office ist es ja eh schon so eine Sache, aber mit den Kindern auch noch zu Hause, ist es noch viel schwieriger. Wenn ich dann morgens neben dem ganzen Beantworten von Mails und Organisieren meiner Woche und der Interviews, noch die ganze Zeit solche News und Analysen lese, dann komme ich \u00fcberhaupt nirgends mehr hin.<\/p>\n<p class=\"western\">In der Praktik sieht meine Realit\u00e4t so aus: Arbeitsbeginn mit Bircherm\u00fcesli und Kaffee neben mir auf dem Schreibtisch um 7:45, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zwei Kinder, die reinplatzen. Alma will meistens auf meinen Schoss sitzen, weil sie eine grosse Faszination f\u00fcr Bildschirme aufweist. Dann dr\u00fcckt sie auf irgendwas rum&#8230;irgendwann kommt Numa sie holen. Manchmal geht es dann ohne weinen und schreiben, manchmal nicht. Etwas sp\u00e4ter h\u00f6re ich von hier oben: Mama, F\u00fcdli putze. Dann wird die Arbeit unterbrochen, ich ins Bad helfen, H\u00e4ndewaschen, wieder zur\u00fcck an den Compi. Wenig sp\u00e4ter h\u00f6re ich Numa, wie er mit Mali schimpft, weil es f\u00fcr diese kaum aushaltbar ist, dass Alma selber entscheidet, welches H\u00f6rbuch sie (f\u00fcr sich selber) h\u00f6ren will (ist schon krass und macht als Eltern auch machtlos. Ich weiss schon, dass diese Dynamik 1. zwischen Geschwistern normal ist, 2. in der momentanen Situation noch viel mehr, 3. andere Eltern alle auch kleinere und gr\u00f6ssere Sorgen haben und sich fragen, ob das mit diesem Verhalten gut kommt, aber es nervt einerseits unglaublich und gibt anderseits schon auch zu denken&#8230; Dann ist schon bald Zeit f\u00fcrs Zn\u00fcni und Kaffee, dann gef\u00fchlt schon wieder Mittag, danach noch 1-3h arbeiten und schon \u00fcbernehme ich die Kinder. Da kommen dann wirklich nicht so viele Stunden zusammen und schon gar nicht konzentriert gearbeitete Stunden.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Abend hatte ich ein Interview mit einem Vater in einem Park. War toll, um diese Uhrzeit noch draussen zu sein, die Sonne schien noch fast, wir sind durch den nun relativ leeren Park spaziert und haben uns am Ende noch auf eine Bank gesetzt. Er hat sich getrennt und es scheint alles super zu laufen: Mit der Mutter im Co-parenting, mit seiner neuen Freundin (und den Kindern), mit den beiden Zwillingsm\u00e4dchen, mit der Arbeit, alles gut. Fand ich das Gespr\u00e4ch deswegen etwas langweilig und hatte das Gef\u00fchl, ich w\u00fcrde nicht so viel Neues lernen? Bin ich (unbewusst) nach Drama aus? Oder beunruhigt mich die Tatsache, dass andere Eltern das Elternsein so easy finden und so selten an ihre Grenzen stossen, weil das bei mir etwas anders ist? Oder denke ich dann (so arrogant!): Nochmals so gut situierte, weisse, gut gebildete Mittelschichtsv\u00e4ter, die ihre Kinder die Welt selber entdecken lassen und alles rund l\u00e4uft? Interessant fand ich hingegen, dass sie den co-parenting-Plan auf einer Regierungsseite heruntergeladen haben. Krass, in der CH habe ich noch nie von so etwas geh\u00f6rt. Numa meinte, dass sie bei der KESB und so schon solche \u00fcbereinkommen haben, aber keine ausgekl\u00fcgelten Pl\u00e4ne, in denen alles geregelt ist, sogar wer welchen Weihnachtstag wann mit welchem Elternteil verbringt (und was ist mit Menschen, die keine Weihnachten feiern? Gibt es auch Fastenbrechen-Pl\u00e4ne?). Ich muss das gerade mal ergoogeln (was ja bekannterweise nicht ganz so einfach ist, weil das Googeln auf einer noch sehr fremden Sprache doch mit einigen T\u00fccken verbunden ist).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>22.4.2020: Corona-Isolation Woche sechs<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Am Dienstagabend hat Premierminister Rutte informiert (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal-persconferentie-coronamaatregelen\/21-04-2020\/POW_04663088\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal-persconferentie-coronamaatregelen\/21-04-2020\/POW_04663088<\/a>) (ich frage mich, wie die Entscheidungsfindung in diesem Land bei Corona vonstattengeht&#8230; Kann das Rutte alles selber entscheiden? Am Montag gab es in den Nachrichten ein sch\u00f6nes Bild: Rutte kam mit dem Fahrrad zur Beratung mit seinen Ministern. Ob er das wohl \u00f6fters so macht? Scheint, als w\u00fcrden die Bundesr\u00e4te nicht nur in der Schweiz mit dem \u00d6V fahren. Muss mal die Leute fragen): Sehr \u00e4hnlich wie in der CH gibt es keine grossen Lockerungen, aber erste Schritte. Hier sind es nicht zuerst die Coiffeure, Physios und \u00e4hnliche \u201aKontaktberufe\u2019, die ihre Arbeit wiederaufnehmen d\u00fcrfen, sondern die Kinder, welche zuerst profitieren. Nach den Maiferien sollen sie in kleinen Gruppen wieder zur Schule gehen d\u00fcrfen. Das wird wohl heissen, dass an einigen Wochentagen die einen Kinder gehen, an den anderen die anderen. Wir hoffen nat\u00fcrlich, dass die Schule bei der Einteilung dieser Gruppen nach Nachnamen vorgeht, sprich unsere beiden Kinder an denselben Tagen gehen k\u00f6nnen. Wenn sie aber die Gruppen ber\u00fccksichtigen, k\u00f6nnte es anders kommen. F\u00fcr uns w\u00e4re das jetzt keine Katastrophe, weil wir in der extrem privilegierten Situation sind, dass Numa zu Hause ist, aber es w\u00e4re doch sehr m\u00fchsam. F\u00fcr uns ist klar, dass wir dann die Kinder \u00fcber Mittag in der Schule lassen. Erstens damit sie l\u00e4nger dort sind, wir l\u00e4nger Pause haben, zweitens dass sie so mehr mit ihren Kamerad_innen spielen k\u00f6nnen, drittens dass sie noch mehr Sprachbad haben, viertens weil das Holen und Bringen einen weiteren Aufmarsch von Eltern verursacht. Weiter hat die Regierung beschlossen, dass die Kinder (draussen) auch in Gruppen wieder Sport treiben d\u00fcrfen. Alles Weitere ist noch offen, am 14.5. will die Regierung \u00fcber n\u00e4chste Schritte ab dem 20.5. informieren.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich bin immer mehr zur \u00dcberzeugung gelangt, dass die ergriffenen Massnahmen einer kleinen Gruppe von sehr privilegierten Weltb\u00fcrger_innen hilft (und auch von diesen ausgedacht wurde; also wir), f\u00fcr die grosse Mehrheit der wenig privilegierten Personen werden sie jedoch desastr\u00f6se Folgen haben. Wenn ich h\u00f6re (<a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/radio\/sendung\/echo-der-zeit?id=28549e81-c453-4671-92ad-cb28796d06a8\">https:\/\/www.srf.ch\/play\/radio\/sendung\/echo-der-zeit?id=28549e81-c453-4671-92ad-cb28796d06a8<\/a>), das zB in S\u00fcdafrika passiert, wie die Polizei und das Milit\u00e4r dort gegen die \u00c4rmsten vorgeht und welche schmerzhafte Erinnerungen das an die Vergangenheit weckt, dann ist das zum Kotzen. Diese Staaten werden noch mehr Schulden aufnehmen, f\u00fcr dessen Bewirtschaftung dann mehr als die H\u00e4lfte des Staatshaushaltes draufgeht. Die Strukturen sind unglaublich ungerecht. So viel zum Thema moral anthropology (Didier Fassin 2012), das gerade in unserer reading group ansteht.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern fuhr Numa mit den Kindern in den Wald und hat dort gegessen. Sprich, ich hatte ab ca. 11 Uhr Ruhe und konnte am Nachmittag auch in aller Ruhe ein online Gespr\u00e4ch f\u00fchren. Mali hat am Morgen viel geweint und sich \u00fcber Kopfschmerzen beklagt. Am Abend dann nochmals. Sie konnte auch nicht einschlafen und ich musste neben ihr liegen. Finde es immer schwierig einzusch\u00e4tzen, was sie genau hat: Einen schlechten Tag mit viel Traurigkeit oder wirklich k\u00f6rperliche Beschwerden? Wenn letzteres, wie stark sind sie? Oftmals vergisst sie ihre Leiden w\u00e4hrend des Spielens. Sie waren im Bos bei einem der Seen, wo es eine Art Spielinsel hat. Es war auf der einen Seite fast windstill und das Wasser anscheinend gut 15 Grad. Also bestes Badekleidwetter. Und Spielpl\u00e4tze mit Wasser k\u00f6nnen sie hier. Mit einer Seilbahn kann man \u00fcbers Wasser fahren, auf sich bewegbaren Flossen von der einen Seite zur anderen kommen etc. Als Mali bei Numa eine kurze Pause machte, habe sich Alma bei einer Familie angeschlossen, die in der N\u00e4he sass. Die Mutter habe mit dem j\u00fcngsten Kind mit dem Ball gespielt. Alma ging einfach dazu und hat gefragt, ob sie mitspielen kann. Stark!<\/p>\n<p class=\"western\">Ich bin \u00fcberzeugt, dass sie in dieser Zeit sehr viel lernen. Es gibt die Momente, in denen ich mich nach unserem Bett zu Hause sehne, oder nach der Aare, aber meistens bin ich ganz gl\u00fccklich, hier zu sein. Obwohl wir ja kaum jemanden kennen und immer nur zu viert sind. Und ja, es ist oft anstrengend und gerade wegen dieser Pandemie noch viel mehr. Aber ich bin \u00fcberzeugt, dass wir diese Zeit in einmaliger Erinnerung halten werden. Wir haben so viel Zeit mit den Kindern, k\u00f6nnen ihnen zugucken, mit ihnen Neues entdecken, viel draussen sein, sie so spielen und lernen lassen. Gestern waren wir nach dem Abendessen im Park kurz Kubb spielen. Alma war zwar schon \u201ahin\u00fcber\u2019, hat fast die ganze Zeit geweint und fand, sie sei die \u00c4rmste auf der Welt, sie haben viel weniger Puppen als Mali,&#8230; und dann hat sie bei Spiel auch noch verloren, ganz schwierig. Ich betrachte den Park wirklich schon ein wenig als unseren Garten. Um 21 Uhr wird es hier momentan erst langsam dunkel. Das wird nun noch knapp vier Monate so sein \u2013 extrem toll und macht grosse Lust, noch mehr zu entdecken, z.B. mal mit den Kindern unter freiem Himmel zu \u00fcbernachten und so. Hoffentlich wird diese Zeit noch kommen, lieber fr\u00fcher als sp\u00e4ter.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern hatte ich ein sehr interessantes und langes Gespr\u00e4ch. Eine Gruppe von Freunden hat eine WhatsAppGruppe, nur unter V\u00e4ter und nur zu Kinder-related issues. Sehr spannend! Am liebsten h\u00e4tte ich gefragt, ob ich nicht in den Chat aufgenommen werden k\u00f6nnte, aber mir ist schon klar, dass das too much w\u00e4re. Aber vielleicht ist eine Gruppendiskussion nach Corona mal m\u00f6glich. Vielleicht wenn ich koche und Bier serviere oder so. Muss mir mal etwas \u00fcberlegen. Oder mit ihm besprechen. Dem Research Participant hat es nicht an Selbstvertrauen gemangelt, er war witzig und reflektiert, total angenehm und easy f\u00fcr ein solches Gespr\u00e4ch. Hat auch mehrmals nach meiner Meinung gefragt, daher war auch ein gewisser Austausch vorhanden. Gleichzeitig finde ich es schon spannend, dass M\u00e4nner oftmals den Eindruck erwecken, als h\u00e4tten sie kaum Zweifel. Es ist schwer in Worte zu fassen, es ist vielleicht auch lediglich eine Art zu kommunizieren, weniger abwartend, abtastend, nicht jemandem zu nahetreten wollen. Ich weiss von mir, dass ich extrem so bin, irgendwie auch ziemlich konfliktscheu. Anscheinend seien sie hier viel direkter. Mir ist noch nicht so viel davon aufgefallen, aber eben, hatte auch noch nicht so viele Gelegenheiten, um das festzustellen. In den Gespr\u00e4chen sagen die V\u00e4ter schon, dass sie lieber direkt etwas ansprechen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><strong>4.5.2020: Corona-Isolation Woche acht<\/strong><\/p>\n<p class=\"western\"><span lang=\"en-US\">So, back to work. <\/span><span lang=\"de-CH\">Kann zwar nicht behaupten, ich h\u00e4tte die letzte Woche gar nicht gearbeitet, aber doch deutlich weniger als normalerweise. Es ist auch nicht so einfach, Ferien zu machen, wenn sich am Alltag \u00e4usserst wenig \u00e4ndert. Dazu kam, dass das vorfr\u00fchlingshafte Wetter uns leider verliess. Gut f\u00fcr die Bauern und die Natur im Allgemeinen, schlecht f\u00fcr alle, die nun Maiferien hatten. Zuerst, oder vielleicht auch einfach im Vorfeld, hatte ich etwas den Koller. Es w\u00e4re schon toll, wir k\u00f6nnten hier die neue vor\u00fcbergehende Heimat entdecken, in den D\u00fcnen wandern gehen und am Strand herumtollen, resp. ins Wasser gehen. Die Kinder sind eh schon immer im Wasser, egal bei welchem Wetter. Dann war die Woche doch irgendwie gut, auch wenn sehr unspektakul\u00e4r. Wir haben keinen einzigen Ausflug gemacht. Wann immer es das Wetter zuliess, gingen wir nach draussen. Mehrere Male haben wir die Kinder auch wieder getrennt, was einfach immer gut ist. Ich kann dieses ewige Streiten wegen nichts manchmal kaum mehr aushalten. Gestern Abend habe ich wieder einmal total \u00fcberreagiert, weil Mali Alma schon wieder schlug. Ich weiss, meine Reaktion hilft leider auch nicht. Manchmal kann ich leider nicht anders. Genau dasselbe, wenn Alma quengelt, grundlos (f\u00fcr mich). Dann habe ich bemerkt, dass es doch nicht grundlos ist, sie hatte Hungers. Leider bemerkt sie das selber mit 4,5 Jahren (noch) nicht. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\">Mit Alma habe ich einmal ein Kreidenbild gemacht. Wir haben die Kreide geraspelt und dann mit Wasser zu einer Farbe angemacht. Zuerst am Boden mit Klebeband Rechtecke und Quadrate abgesteckt, dann diese ausgemalt. Sie war ziemlich lange bei der Sache (nat\u00fcrlich abgelenkt von einer Gruppe \u00e4lterer Kinder, die im Park auf 1,5 Meter Abstand mit einer Lehrerin Sport gemacht haben. Yeah, seit letzter Woche d\u00fcrfen die Kinder wieder draussen in Gruppen sp\u00f6rtlen!) und am Ende sah es super aus. Immer wieder kamen Leute vorbei, die etwa beim Kaffee gekauft haben und haben uns gratuliert oder sonst einen Kommentar gemacht. Im Anschluss hatte ich schon fast das Gef\u00fchl, ich h\u00e4tte an diesem Morgen Leute getroffen und mich mit ihnen unterhalten. Schon spannend, wie sich so die Dimensionen verschieben, wenn man w\u00e4hrend Corona an einem fremden Ort ohne Freunde ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich habe t\u00e4glich zwischen 1-2 Stunden gearbeitet, vor allem Emails, Kommunikation und Organisation mit (hoffentlich zuk\u00fcnftigen) Research Participants. Und dazwischen etwas f\u00fcr die Reading Group gelesen. Das war furchtbar, konnte mich kaum konzentrieren und hatte das Gef\u00fchl, ich w\u00fcrde nichts verstehen. Das habe ich immer mal wieder, aber nun noch mehr. Ich sage mir, das habe mit dem Homeoffice zu tun, aber ist vielleicht auch nur eine Ausrede. Am Freitag habe ich dann voll gearbeitet und bin nach Harlem gefahren f\u00fcr ein Interview. Das erste Mal Zug fahren seit sicher zwei Monaten. Es f\u00fchlte sich gut an, so normal. Der Zug war sehr leer und daher war das Abstand halten auch einfach. Zudem war das Interview extrem spannend. Mit einem Fotografen. Schon im Vorfeld hatte ich ein gutes Gef\u00fchl und habe mich sehr gefreut, dass er mich kontaktiert hatte. Ist aber auch klar, dass ich K\u00fcnstler per se spannender finde als ein Mitarbeiter bei einer Fluggesellschaft (so viel zu meinem Bias!). Und wenn man bei jemanden zu Hause ist, habe ich doch auch das Gef\u00fchl, mehr \u00fcber diese Person erfahren zu haben, sie besser \u201azu sp\u00fcren\u2019, sie gibt viel mehr von sich preis. In einer nicht-Corona-Welt w\u00fcrde ich research participants (sofern das erw\u00fcnscht ist und es passt) auch gerne mal zum Essen zu uns einladen. Einerseits nat\u00fcrlich, weil wir hier kaum Leute kennen, anderseits aber auch, weil das eine sch\u00f6ne Art des Austausches\/mehr Erfahrens w\u00e4re und ich so auch etwas zur\u00fcckgeben k\u00f6nnte. Hoffentlich wird das irgendwann noch m\u00f6glich sein!<\/p>\n<p class=\"western\">Dies ist die letzte vollst\u00e4ndige Zu-Hause-Unterrichten-Woche f\u00fcr uns. Ab dem 11.5. werden die Kinder wieder zur Schule gehen, wenn auch stark reduziert. Weil sie zwei Gruppen machen, wir Mali (als Schulstufe 2) am Montag und Donnerstag gehen, Alma am Dienstag und Freitag. Als wir das erfahren haben, hat es mich zuerst sehr genervt. Wir haben auch besprochen, ob wir nicht bei Almass Lehrerin anfragen sollten, ob Alma nicht doch bei der Gruppe 2 gehen k\u00f6nne. Ich meine, f\u00fcr Numa wird sich kaum etwas \u00e4ndern, er wird nicht mehr Zeit haben und sich auch nicht nach einer neuen Arbeit umgucken k\u00f6nnen, wenn er noch jeweils ein Kind zu Hause unterrichten muss, am Mittwoch sogar beide. Wir haben aber dann davon abgesehen, sind ja eigentlich Luxusprobleme. Numa hat Zeit, er arbeitet nicht, also was soll\u2019s. Und f\u00fcr Alma ist es doch besser, wenn sie mit den Kleinen von Gruppe 1 ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie bei Mali und der Gruppe 2 etwas Gas geben werden, weil nun so lange quasi Pause war und sie dann nach den Sommerferien in die 3. Klasse kommen, wo es ernsthafter ums Lesen, Schreiben und Rechnen geht. Ist vorerst f\u00fcr drei Wochen (wobei noch Auffahrt dazwischen ist, das ist dann nur eine halbe Woche), dann sehen wir weiter. Hoffentlich \u00e4ndert sich das dann.<\/p>\n<p class=\"western\">Ansonsten haben wir hier (leider) noch nicht viele Ver\u00e4nderungen, im Gegensatz zu der CH. Sprich: Noch keine Wiederer\u00f6ffnung der Restaurants, Museen und Co. Das w\u00e4re zu sch\u00f6n. H\u00e4tte auch grosse Lust, mich wieder etwas mit Leuten zu treffen oder einige Tage an der Uni zu arbeiten. Morgen muss ich eh hingehen und werde gleich den ganzen Tag dort sein. Muss neue Flyer ausdrucken (\u00fcberlege mir, ob ich noch etwas zu Covid-19 hinzuschreiben soll). Ich w\u00e4re auch sehr gl\u00fccklich, wir k\u00f6nnten unsere Kinder mal jemandem zum H\u00fcten geben \u2013 auch wenn es nur f\u00fcr zwei Stunden w\u00e4re. So ganz wenig Zeit zu zweit und ein Bier im Park w\u00e4re zu sch\u00f6n!<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern haben wir dann doch eine Art Ausflug gemacht \u2013 mit der Metro. Habe mich etwas schlecht gef\u00fchlt. War das erste Mal, dass ich (neben der Zugfahrt von Freitag f\u00fcr die Arbeit, das ist erlaubt) wieder den \u00d6V benutzt habe, gleich mit der ganzen Familie. Sie war ziemlich leer und da wir nicht zu einer der \u201aStosszeiten\u2019 unter der Woche gefahren sind, fand ich es vertretbar. Anderseits \u00fcberlege ich mir nat\u00fcrlich auch, dass wir nicht die einzigen sind, die nun etwas herunterfahren mit der Strenge zu sich selber und den sich auferlegten Vorsichtsmassnahmen. Anscheinend zeigen Studien aus D\u00e4nemark, dass schon die Ank\u00fcndigung einer Lockerung das Verhalten der Menschenmassiv ver\u00e4ndert, sprich, dass sie sich weniger an die (Abstands-)Regeln halten. Erstaunt mich gar nicht. Wir haben wohl alle immer mal wieder diese h\u00f6rt-das-denn-nie-auf-Momente, in denen wir verzweifeln wollen. Wie dem auch sei, auf jeden Fall waren wir mit der Metro unterwegs und sind in den S\u00fcdosten der Stadt gefahren, wo wir seit dem Beginn unseres Aufenthaltes noch nie waren. Nat\u00fcrlich nahm ich das auch als Anlass, um dort Flyer aufzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p class=\"western\">Wir haben Geocaching gespielt, eine Premiere und bin total Fan, weil so sogar Alma, die ansonsten immer mault, wenn sie auch nur wenige Meter gehen muss, total viel zu Fuss spaziert ist. Drei Verstecke gefunden, auf drei Spielpl\u00e4tzen gespielt, im See Gaasperplas gebadet und um fast 2\/3 des Sees spaziert. Ist sehr sch\u00f6n dort und eigentlich von uns aus auch gut zu erreichen. Mit Velo zur Metrostation und dann 30 Minuten fahren. W\u00e4re also durchaus was f\u00fcr die w\u00e4rmeren Jahreszeiten, wobei nat\u00fcrlich unsere beiden M\u00e4dchen in den Unterhosen im See gespielt haben (ich trug dabei einen Pulli). Ich war ganz gl\u00fccklich, dass so etwas nun m\u00f6glich ist. Und dieses Geocaching ist eigentlich ideal, um mit den beiden zu wandern\/spazieren und gleichzeitig etwas Neues zu entdecken.<\/p>\n<p class=\"western\">Letzte Nacht habe ich irgendwas von Ausgang getr\u00e4umt. Und im Verlauf des Traumes bin ich mir bewusstgeworden, dass wir ja die Abstandsregeln alle kaum beachten&#8230;Corona verfolgt nun also schon bis in die Tr\u00e4ume. Lustig war auch, als Mali vor zwei Tagen meinte, wenn sie die Chefin des Landes w\u00e4re, dann w\u00fcrde sie zuerst erlauben, dass die Coiffeur_sen wieder an die Arbeit gehen und dann erst die Zahn\u00e4rzt_innen, denn erstere w\u00fcrden ja vor allem hinter dem Kopf arbeiten w\u00e4hrend zweitere direkt in den Mund gucken, das sei doch f\u00fcr die Ansteckung viel gef\u00e4hrlicher. Ich musste lachen, noch krass die \u00dcberlegungen, die sich eine 6,5-J\u00e4hrige zur momentanen Situation macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>5.5.2020: Corona-Isolation Woche acht<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Heute wollte ich wieder einmal an die Uni gehen. Ich habe keine Flyer mehr, da wollte ich neue, leicht abge\u00e4nderte drucken. Und h\u00e4tte auch gleich den ganzen Tag dort arbeiten wollen. Wieder einmal einen ganzen Tag vor dem Computer ohne Gespr\u00e4che und vor allem ohne Ablenkung durch Kindergeschrei. (Falls das meiner Konzentration nicht geholfen h\u00e4tte, w\u00e4re ich mit dem Latein am Ende gewesen). Nun stand ich also etwas fr\u00fcher als nun in Corona-Zeiten auf, weil ich einen Arbeitsweg hatte. Kurz vor 8 Uhr bei der Uni angekommen, will ich dieses Mal alles richtigmachen: Ich desinfiziere mir die H\u00e4nde und will mich brav auf der Liste einschreiben. Aber der Mann hinter dem Desk hat etwas dagegen. Was ich denn hier mache: Ich will etwas ausdrucken, weil ich zu Hause keinen Drucker habe. \u2013 Die Uni ist geschlossen, da kannst du auch nichts ausdrucken. Ich gucke ihn verdutzt an. Habe ich diese Info nicht mitgekriegt, weil ich die Newsletter der Uni jeweils nur \u00fcberfliege? Schnell kl\u00e4rt mich jemand auf: Wegen dem Gedenken an die Befreiung durch die Alliierten vor 75 Jahren ist heute ein allgemeiner Feiertag, also Sonntag und daher die Uni geschlossen. Ach diese Ausl\u00e4nder_innen, die aus einem sogenannt neutralem Land kommen und diesen Tag nicht feiern&#8230;keine Ahnung haben sie. Dabei habe ich gestern die Nachrichten und das Kranzablegen vor einem absolut leeren Platz in Amsterdam gesehen (durch den K\u00f6nig, die spinnen die Niederl\u00e4nder_innen!). Aber ich habe nat\u00fcrlich nicht gecheckt, dass heute ein Feiertag ist, ich Idiot. Tja, ein netter morgendlicher Veloausflug war das.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern habe ich wieder einen walking talk gef\u00fchrt. Obwohl ich seinen Beruf (spannend finde und er auch sonst ganz nett war, plus nicht ganz alles rosig an seinen Erz\u00e4hlungen war, fand ich das Gespr\u00e4ch irgendwie etwas langweilig. Ich frage mich warum. Weil er (zu) \u00e4hnliche Einstellungen und Ansichten wie ich habe? Will mit der Familie reisen, damit die Kinder merken, dass nicht alle so leben wie die Leute hier? Beginnt mich dieses individualistische, weisse middle-class Getue zu nerven, weil es mir zu \u00e4hnlich ist? Eine innerliche Abscheu, weil mit dem eigenen Spiegelbild konfrontiert quasi? Toll war hingegen, dass es wunderbar lief mit der Sprache: Ich fragte auf Englisch, er antwortete holl\u00e4ndisch. Bin ehrlich gesagt ziemlich stolz, dass ich das in so kurzer Zeit so hingekriegt habe. Vielleicht gerade, weil das nicht Erlernen der Sprache einer meiner gr\u00f6ssten Probleme\/Entt\u00e4uschungen in Guinea war? Ich glaube, f\u00fcr die Forschungsteilnehmenden macht es schon einen Unterschied, ob sie sich in der Muttersprache ausdr\u00fccken k\u00f6nnen oder nicht. Wobei hier einige ja auch so gut und gerne E sprechen, dass dies kein Problem ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Ein Grund, warum wir nicht ausserhalb Europas gehen wollten, war, dass uns die Grosseltern (und Freunde) rasch besuchen k\u00f6nnen. Nun werden Nurs Eltern (im besten Fall) uns ein halbes Jahr nicht gesehen haben, wenn wir denn im Juli in die CH zur\u00fcckk\u00f6nnen. Bei meiner Schwester und meinen Eltern sind es knapp f\u00fcnf Monate&#8230;<\/p>\n<p class=\"western\">Und was f\u00fcr eine Folge hat Covid-19 f\u00fcr Frauen in der Wissenschaft: <a href=\"https:\/\/www.thelily.com\/women-academics-seem-to-be-submitting-fewer-papers-during-coronavirus-never-seen-anything-like-it-says-one-editor\/\">https:\/\/www.thelily.com\/women-academics-seem-to-be-submitting-fewer-papers-during-coronavirus-never-seen-anything-like-it-says-one-editor\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><strong>6.5.2020: Corona-Isolation Woche acht<\/strong><\/p>\n<p class=\"western\">Heute habe ich einen weiteren walking talk, wahrscheinlich wiederum zweisprachig. Wir treffen uns im Norden bei der NDMS-Anlegestelle und spazieren dann dort. Darauf freue ich mich. Ist ein spannendes Quartier, in dem sich gerade viel bewegt. Hat tolle Restaurants und Bars, viel ehemalige Industrie und spezielle Neubauten, daneben kleine ehemalige Arbeiterh\u00e4usschen, einmal mehr Gentrifizierung pur. Unsere ehemaligen Nachbaren von unten haben beispielsweise ein Haus im Norden gekauft und ihre Wohnung hier verkauft. Gleichzeitig hat es auch unsch\u00f6ne Bl\u00f6cke, eine wilde Durchmischung. Numa geht mit den M\u00e4dels wohl auch in den Norden. Die Sonne ist zur\u00fcckgekommen und sie fahren an den Naturspieltuin, bei dem wir schon mal waren und werden wohl am nahegelegenen See picknicken. Dort hat es auch einen Bootsverleih, der immer noch offen ist. M\u00fcssen das unbedingt bald mal alle gemeinsam machen. Das sind unsere Ausfl\u00fcge momentan \u2013 wenn wir schon nicht in die D\u00fcnen und an den Strand k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern war ja ein Feiertag, 75 Jahre \u201aFreiheit\u2019 hahaha, kleine Ironie der Geschichte. Ich habe das im Verlauf des Tages schon wieder vergessen. Habe draussen auch keine Zeichen davon gesehen, war aber auch nicht in der Stadt, sondern lediglich in den Parks. Wenn es um solche WWII-Erinnerungstage mit Kranzniederlegungen vor den Denkm\u00e4lern oder um die Feier des K\u00f6nigs geht, dann merke ich schon sehr, dass ich hier fremd bin. Ich bin mir das nicht gewohnt und beobachte das auch mit einer gewissen Befremdung. Ich weiss, dass viele in den NL die Monarchie als unn\u00f6tig betrachten und eigentlich abschaffen m\u00f6chten (wie viele?), anderseits sind doch dann alle in orange gekleidet und singen \u201ahoch soll er leben\u2019. Ist wahrscheinlich nicht nur die Monarchie, mit der ich M\u00fche habe, sondern auch der gelebte Nationalismus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>8.5.2020: Corona-Isolation Woche acht<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Langsam, langsam mehren sich die positiven Meldungen. Vor zwei Tagen hat Rutte angek\u00fcndigt, dass es weitere Lockerungsmassnahmen geben wird (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/06-05-2020\/POW_04508321\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/06-05-2020\/POW_04508321<\/a>). Ab Juni gehen die Mittelschulen wieder auf, Museen, B\u00e4der, Theater, Konzerte etc. ebenfalls. Auch die Restaurants und Bars sollen auf den Terrassen wieder bedienen d\u00fcrfen. Alles nat\u00fcrlich unter strengen Vorlagen und nur, wenn sich die Zahlen weiterhin so positiv entwickeln. Eine Woche vorher wird definitiv entschieden. Die Kontaktberufe sollen schon fr\u00fcher wieder an die Arbeit k\u00f6nnen. Numa war gestern beim Zahnarzt. Da hat er im Vorfeld per Mail eine lange Liste mit Sicherheitsmassnahmen studieren m\u00fcssen, aber vor Ort sei das dann gut gegangen. Ich selber habe auch absolut keine Bedenken f\u00fcr meine Kinder oder f\u00fcr mich, wenn nun die Schulen wieder \u00f6ffnen. Sie waren all die Wochen (mit einer kurzen Pause von zwei Wochen) mit anderen Kindern auf den Spielpl\u00e4tzen am Spielen. Sie z\u00e4hlen die N\u00e4chte r\u00fcckw\u00e4rts, bis sie wieder in die Schule gehen k\u00f6nnen. Bin \u00fcberzeugt, dass es f\u00fcr beide ganz wichtig sein wird und auch eine positive Auswirkung auf ihre Beziehung, resp. auf den gegenseitigen Nerv- und Streitfaktor haben wird. Wir sind ja mittlerweile so weit, dass Numa ein Schild machen musste, auf dem Klar ist, wem er am Morgen zuerst die Z\u00e4hne putzt. Finde ich schon etwas krass. Wir sind damit sicher nicht alleine, gerade am Mittwoch hat mir ein Vater erz\u00e4hlt, dass sein 16-j\u00e4hrigerSohn den 14-j\u00e4hrigen total unter der Knutte hat, ihn mehrmals pro Woche schl\u00e4gt und ihn bei jeder Gelegenheit klein macht. Somit hoffentlich auch auf unsere Gesamtfamilienatmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>11.5.2020: Corona-reopening week one<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Habe heute Morgen Mali zur Schule gebracht. Sie hat sich im Vorfeld so darauf gefreut, aber dann gestern beim Abendessen musste sie pl\u00f6tzlich weinen (m\u00fcde&#8230;). Sie hatte Angst und war wohl nerv\u00f6s und unsicher, weil sie normalerweise (was heisst das schon, normalerweise. Das war in den ersten paar Wochen, Januar &amp; Februar) am Mittag durch Numa abgeholt wurde und zu Hause ass. Nun essen alle Kinder in der Schule und werden erst um 15h abgeholt, damit es kein Kommen und Gehen durch die Eltern gibt. Sie meinte, dass sie es nicht gew\u00f6hnt sei, so lange in der Schule zu sein. Numa hat sie dann super beruhigt, sie habe das auch schon zwei Mal getan, als sie einen Ausflug mit der Klasse gemacht haben. Zudem sei es fr\u00fcher f\u00fcr sie schwierig gewesen, in die Schule zu gehen, wenn sie wusste, dass Alma zu Hause mit Numa sein darf. Das sei nun zwar auch so, aber am Dienstag wechsle das dann und sie sei alleine mit ihm. Das hat sie rasch beruhigt. Heute Morgen war sie positiv aufgedreht, kein kritisches Wort mehr.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich fuhr sie mit dem Fahrrad hin. Dort angekommen standen einige M\u00fctter verstreut vor dem Eingang. Am Boden war eine Zone gezeichnet, \u00fcber die die Eltern nicht kommen d\u00fcrfen. Dahinter stand eine Frau (kenne sie nicht), welche den M\u00fcttern Anweisungen gab (nicht hierhin kommen) und den Kindern, welche in den Pausenhof kamen, die H\u00e4nde desinfiziert hat. Die Kleinen hat sie dann nach hinten zu zwei Frauen gebracht. Ich kannte beide nicht, also nicht eine der beiden Lehrerinnen von Mali. Zum grossen Gl\u00fcck hat Mali absolut nicht reagiert. Sie ging zur Frau mit dem Desinfektionsmittel, als diese sie rief, liess sich zu der Gruppe Kinder nach hinten bringen und winkte mir zu, als sie in das Schulhaus gingen. Wenn sie M\u00fche gehabt h\u00e4tte (, wie das oft der Fall gewesen ist), w\u00e4re das schwierig geworden. Sie pflegte sich an unseren Beiden festzukrallen oder zumindest mussten wir ihre Hand nehmen und sie der Lehrerin direkt geben. Aber nichts dergleichen, grosses M\u00e4dchen, bin stolz und erleichtert. Es ist so toll, zu sehen, wenn sie ihre Schritte machen. Zu meinem Erstaunen waren sie nur sechs Kinder \u2013 und das von zwei Klassen. Sie waren ja eh schon kleine Klassen (zum Gl\u00fcck!), aber dass nun so wenig Kinder kamen, hat mich schon erstaunt. Das Abholen findet dann auf der R\u00fcckseite der Schule statt.<\/p>\n<p class=\"western\">Alma ist zu Hause auch ganz gl\u00fccklich. Sie kriegt die ganze Aufmerksamkeit von Numa, h\u00f6rt Musik, spielt mit dem B\u00e4r Biberbande, darf auf dem Handyapp mit der Einkaufsliste helfen und geht nun einkaufen. Kein Geschwisterstreit mehr. Vielleicht findet sie es mit der Zeit langweilig, alleine mit Numa zu sein ohne ihre Schwester, aber gerade heute scheint es eine tolle Abwechslung zu sein.<\/p>\n<p class=\"western\">Am Samstag haben wir einen tollen Ausflug in den Norden gemacht. In der N\u00e4he des Naturspielpatzes, bei dem wir mal waren, hat es einen Bootsverleih bei einem kleinen See. Um 9:20 fuhren wir los, um 9:50 auf der F\u00e4hre (im T-Shirt, kein Wind, Vorsommergef\u00fchl), um 10:30 hatten wir unser Ruderboot. Die Kinder waren zu Beginn etwas nerv\u00f6s, aber dann hat es ihnen (und auch uns) super gefallen. Die Umgebung ist so sch\u00f6n, um diese Zeit auch noch relativ ruhig, Taucherentenbabys auf ihren Nestern im Schilf, das Wasser klar, die Sonne schien. Das Rudern hat auch Spass gemacht. War streng und ich bin nicht so begabt, was das Steuern anbelangt, musste schwer fluchen. Danach noch etwas an einem der vielen Str\u00e4nde, auch sch\u00f6n. Nur die vielen frei umherrennenden Hunde haben mich genervt. Pissen irgendwo an den Strand, rennen \u00fcber T\u00fccher, fressen das Essen und jagen den Kleinen Angst ein. Wir h\u00e4tten wohl an einen Strand gehen sollen, wo Leinenpflicht besteht, die gibt es auch. Da wir so fr\u00fchgegangen sind, waren wir antizyklisch unterwegs. Bei der R\u00fcckfahrt kamen ganz viele Velofahrer_innen entgegen und bei der F\u00e4hre \u00fcber den IJ gab es auf der Seite im S\u00fcden eine Warteschlange. Da nur ca. 55 Personen auf eine F\u00e4hre d\u00fcrfen (normalerweise sind es 240), stand einer vom Personal dort und hat die Leute gez\u00e4hlt, resp. dann gestoppt, als die F\u00e4hre voll war. Sie fuhr auch die ganze Zeit hin und her, nicht mehr gem\u00e4ss Fahrplan wie normalerweise. Ob sie das immer anpassen, wenn sch\u00f6nes Wetter und so viel Andrang ist?<\/p>\n<p class=\"western\">Ist allgemein krass, kaum werden Lockerungsmassnahmen beschlossen, werden die Leute wieder super lasch. Am Freitagabend war ich mit den Rollerblades in der Stadt unterwegs, wollte neue Nachbarschaften entdecken. \u00dcberall waren Menschen. Der Vondelpark war voll. An den Ufern der Grachten sassen Leute und waren am Aper\u00f6len. Ich fand das erstens etwas verantwortungslos und zweitens hatte es mir schon wieder viel zu viele Leute. Diagnose: Eindeutig kein Grossstadtmensch.<\/p>\n<p class=\"western\">Meine Mutter hat erz\u00e4hlt, sie sei bei ihrer \u00c4rztin gewesen und habe nach einem Test gefragt, um herauszufinden, ob sie Corona gehabt habe. Die \u00c4rztin riet ihr an, noch zu warten. Die momentan verf\u00fcgbaren Tests seine noch zu unzuverl\u00e4ssig, aber bald w\u00fcrde Roche (?) einen auf den Markt bringen, dann k\u00f6nne sie sich testen lassen. Ob die hier auch erh\u00e4ltlich sein werden? Ob sich dann alle, die wollen, testen lassen k\u00f6nnen, oder muss man dann eine Verordnung vom Hausarzt_in haben? Gerade bei Numa bin ich neugierig, ob der Geschmacksverlust Corona war.<\/p>\n<p class=\"western\">In Bern und anderen CH-St\u00e4dten gab es am Samstag anti-Corona-Massnahmen-Demos (<a href=\"https:\/\/www.derbund.ch\/hunderte-gehen-gegen-corona-diktatur-auf-die-strasse-425487657630\">https:\/\/www.derbund.ch\/hunderte-gehen-gegen-corona-diktatur-auf-die-strasse-425487657630<\/a>). Bin nicht ganz schlaugeworden, wer da genau auf die Strasse ging. Kann ganz gut verstehen, wenn man mit den Massnahmen nicht einverstanden ist. Momentan werden kurzzeitfolgen (wie viele direkten Corona-Tote) gemessen und keine Langzeitfolgen (wirtschaftlich, sozial, individuell, &#8230;) \u2013 wie das eigentlich sehr oft der Fall ist \u2013 und das ist durchaus kritisierbar. Die Konsequenzen m\u00f6gen in der CH um einiges weniger krass sein als in L\u00e4ndern mit viel mehr Armen und einem schw\u00e4cheren Sozialstaat (z. B. USA), aber auch in der CH (<a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/schweiz\/coronavirus\/932528009-coronavirus-menschen-stehen-in-der-schweiz-stundenlang-fuer-essen-an\">https:\/\/www.watson.ch\/schweiz\/coronavirus\/932528009-coronavirus-menschen-stehen-in-der-schweiz-stundenlang-fuer-essen-an<\/a>) und in den NL (z. B. <a href=\"https:\/\/www.houtensnieuws.nl\/deeljenieuws\/lokaal\/340709\/de-voedselbank-hard-nodig-tijden-van-corona-702208\">https:\/\/www.houtensnieuws.nl\/deeljenieuws\/lokaal\/340709\/de-voedselbank-hard-nodig-tijden-van-corona-702208<\/a>) nehmen beispielsweise die Anfragen f\u00fcr gratis Essen massiv zu. Wie sich in der momentanen Situation Impfgegner_innen best\u00e4rkt f\u00fchlen k\u00f6nnen, ist mir hingegen ein R\u00e4tsel. Wie naiv kann man sein, um so schnell Verschw\u00f6rungstheoretiker_innen auf den Grund zu gehen? Hier und in der CH scheinen Theorien \u00fcber einen Zusammenhang von 5G und Covid-19 verbreitet zu sein. Hier kommen mehrmals die Woche Nachrichten \u00fcber abgebrannte Sendemasten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>12.5.2020: Corona-reopening week one<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Mali kam gestern gl\u00fccklich und m\u00fcde aus der Schule zur\u00fcck. Ich war nat\u00fcrlich die superinteressierte und neugierige Mutter, die alles genau wissen wollte. Mali war das ziemlich egal, sie mochte nicht wirklich viel von ihrem Schultag erz\u00e4hlen. Komischerweise waren beide Halbklassen zusammen bei Malis Lehrerin. Ich nerve mich ein wenig dar\u00fcber. Die Idee sollte sein, dass es kleinere Gruppen sind (das wurde auf jeden Fall so kommuniziert). Wenn nun zwei Halbklassen zusammengenommen werden, dann \u00e4ndert sich an der Gruppengr\u00f6sse nichts. Es kann gut sein, dass nicht alle Lehrpersonen einsetzbar sind, aber dann sollen sie das so kommunizieren. F\u00fcr uns Eltern ist es einfach nur m\u00fchsam, dass wir die Kinder nicht die ganze Zeit schicken k\u00f6nnen und in unserem Fall, dass mind. immer eine der beiden zu Hause ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Heute beim Bringen von Alma ging es auch super, bin stolz! Bei ihr hatte ich mehr Bedenken. Sie hat gerade vor der Schulschliessung erst das fast volle Schulprogramm absolviert. Und das Tsch\u00fcss-sagen war jeweils noch schwierig. Wir kamen an, die Frau mit den rot gef\u00e4rbten Haaren war dieses Mal am Kinderh\u00e4nde desinfizieren. Sie sah Alma zuerst nicht. Im zweiten Anlauf getraute sich Alma, sich ihr zu n\u00e4hern, H\u00e4nde wurden desinfiziert und dann kam die Schulleiterin und Turnlehrerin und hat Alma hin\u00fcber zu ihrer Gruppe gebracht. Ich habe erst etwas sp\u00e4ter bemerkt, dass Alma ziemlich verloren alleine dastand, weil die Schulleiterin irgendwas mit den gr\u00f6sseren Kindern, die auf dem Pausenplatz am Spielen waren, geregelt hat. Alma stand in dieser Zeit verloren umher. Wir denken, sie wollte ja nichts Falsches tun. Die Schulleiterin ging also wieder zu ihr und brachte sie zwei Meter weiter, wo die anderen Kinder aus der Gruppe 1 waren. Ich glaube, die Lehrerin war auch dabei. Mali hat erz\u00e4hlt, sie h\u00e4tten gestern keinen Abstand halten m\u00fcssen. Zwischendurch h\u00e4tten einige Kinder was gesagt. Sie haben draussen auf dem Pausenplatz Sport gehabt, mit dem Sportlehrer.<\/p>\n<p class=\"western\">Als wir am Samstag am Strand lagen, lag Numa in einem Buch von Jester Juul zum Thema Aggressivit\u00e4t. Er fand ein Zitat, wonach viele V\u00e4ter ihre S\u00f6hne (und einige wilden T\u00f6chter) vor einer psychologischen Diagnose bewahren w\u00fcrden, indem sie viel mit ihnen k\u00e4mpfen. Ich habe mich zwar gleich wieder \u00fcber sein antiquiertes und stereotypisches Bild von M\u00fcttern und V\u00e4tern ge\u00e4rgert, aber der Aussage kann ich grunds\u00e4tzlich zustimmen. Ist etwas, was Numa in Kampfesspielausbildung immer wieder besprochen hat. Und bei uns zu Hause ist k\u00e4mpfen schon immer und momentan noch mehr hoch im Trend. Insbesondere Mali fordert ihre t\u00e4gliche Portion, manchmal auch mehrmals t\u00e4glich. Eine Mischung aus k\u00e4mpfen und kitzeln, viel lachen, eigenen K\u00f6rper besser kennenlernen, St\u00e4rke dosiert einsetzen, K\u00f6rperkontakt, sich messen.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich habe mich nun entschlossen, dass ich momentan keine Flyer mehr \u201avaders gezocht\u2019 aufh\u00e4nge. Wenn sich noch welche melden, dann f\u00fchre ich gerne weitere Interviews. Gestern habe ich mich auch bei einem Vater wieder gemeldet, der sein Interesse mehrmals kundgetan hat, sich aber dann nicht mehr gemeldet hat. Es ist ihm untergegangen und er will gerne mitmachen. Habe mich auch heute noch bei einem gemeldet, der f\u00fcr ein Unimagazin mit mehreren Wissenschaftler_innen aus den unterschiedlichsten Disziplinen zum Thema Vaterschaft gesprochen hat und das mit seinen eigenen Erfahrungen verbunden hat. Aber ansonsten habe ich mir vorgenommen, dass ich konkret nach Personen suche, die bez\u00fcglich mind. einer Identit\u00e4t nicht meinem bisherigen \u201aBeuteschema\u2019 entsprechen. Habe also zwei gay fathers angeschrieben, deren Kontakte ich organisieren konnte. Der eine hat sich gemeldet, mit ihm spaziere ich am Donnerstag dem Sloterplas entlang. Aber es ist nicht ganz einfach, an diese Zielgruppe heranzukommen \u2013 wohl auch, weil sie zahlenm\u00e4ssig eher klein ist. Einer von der Uni hat mir geschrieben, es w\u00e4re viel einfacher, mir Kontakte von lesbischen M\u00fcttern zu vermitteln als von homo V\u00e4ter. Hier spielt die Biologie definitiv eine Rolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>14.5.2020: Corona-reopening week one<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Bei Alma schienen sie in Halbklassen unterrichtet zu haben: Ihre Klasse mit der einen Lehrerin, die andere mit der Schulleiterin. Heute, als ich Mali in die Schule gebracht habe, waren die Schulleiterin und ihre Lehrerin anwesend. Zu Hause hat Mali noch geweint, sie wolle nicht zur Schule gehen, das Abgeben sei schwierig f\u00fcr sie, dort lief es aber problemlos. Ich glaube, sie hat zu wenig geschlafen und war dadurch schneller traurig. Seit wir an diesem Morgen die Polizei vor dem Nachbarhaus angetroffen haben, das viele Glas und Blut am Boden, hat sie wieder vermehrt \u00c4ngste und M\u00fche beim Einschlafen. Kann ich gut verstehen, auch wenn nat\u00fcrlich etwas m\u00fchsam, wenn wir noch 2 Stunden Zeit f\u00fcr uns haben m\u00f6chten. Wird hoffentlich wieder vergehen.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern waren wieder beide Kinder zu Hause. Mali war am Nachmittag im Monkey Moves (Sport). Das findet bis im September nicht mehr in einer Turnhalle, sondern auf einem Spielplatz statt. Gestern haben sie anscheinend die gr\u00f6sseren und kleineren Kinder zusammengenommen, so dass Alma auch h\u00e4tte mittun k\u00f6nnen. Sie hatte aber gleich Krise. Numa verstand zuerst nicht warum. Erst sp\u00e4ter konnte sie sagen, dass sie Angst hatte, dass sie die Sachen nicht so gut kann. Krass, wie sie sich da noch selber im Weg steht. Und auch verst\u00e4ndlich, immer mit der gr\u00f6sseren Schwester zusammen, welche die Sachen besser kann. Dann die eigene Erwartung, ja nichts falsch zu machen. Mali h\u00e4tte auch gar keine Freude gehabt, wenn Alma mitgemacht h\u00e4tte<\/p>\n<p class=\"western\">Als wir gestern Abend der Nachbarin Muffins gebracht haben und zu ihr in die Wohnung gebeten wurden, war Alma total aufgedreht und hat non-stopp geplappert, wirklich non-stopp und selbstverst\u00e4ndlich in ihrer gewohnt lauten Stimme. Ich musste so lachen, weil der Mix aus holl\u00e4ndischen, schweizerdeutschen und hochdeutschen W\u00f6rtern wunderbar war. Man versteht bei ihr die Sachen, die sie erz\u00e4hlt schon auf Berndeutsch nicht, wenn der Kontext nicht klar war, die arme Nachbarin hatte nicht nur den Kontext nicht, sondern verstand auch die H\u00e4lfte der W\u00f6rter nicht. Zwischendurch habe ich etwas erkl\u00e4rt und Mali hat auch mal ein Wort auf Holl\u00e4ndisch erg\u00e4nzt oder richtig ausgesprochen. F\u00fcr mich war es einmal mehr sehr frustrierend. Da hat man das Gef\u00fchl, sehr viel zu verstehen, aber das Sprechen geht einfach \u00fcberhaupt nicht. So habe ich halt auf Englisch gewechselt, sie aber gebeten, auf Holl\u00e4ndisch zu antworten.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich frage mich schon, ob ich das mal noch besser lerne. Wo und mit wem kann ich sprechen? Eigentlich sollte ich gerade solche Gelegenheiten nutzen, um es zu \u00fcben, aber ich bin erstens zu ungeduldig, zweitens nerve ich mich \u00fcber meine schlechte Aussprache (keine Ahnung, warum ich das nicht besser kann), drittens kommen mir die W\u00f6rter nicht in den Sinn. Grrrr, so ein Frust. Nat\u00fcrlich kann man jetzt sagen, wir seien noch nicht so lange da, aber die Zeit rennt irgendwie auch. Wenn wir aus den Sommerferien in der CH zur\u00fcckkommen, ist schon bald Herbst und dann ist f\u00fcr uns eigentlich schon Halbzeit. Manchmal denke ich eh, dass die Zeit hier derart fliegen wird (insbesondere, weil hier ja drei Monate abgeschottet gelebt haben), kaum lernen wir Leute kennen, werden wir schon wieder nach Hause gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>15.5.2020: Corona-reopening week one<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Auch heute ist Alma problemlos in die Schule gegangen. Bei ihr sind an den beiden Tagen unterschiedliche Lehrpersonen. Gestern, als Alma und ich Mali am Nachmittag abholen gingen, kam noch ihre Lehrerin nach draussen und meinte, sie habe Mali 8 Wochen wegen Corona nicht gesehen, aber in dieser Zeit habe sie grosse Fortschritte in der Sprache gemacht. Schon vorher habe ich sie gut verstanden, weil ich ein wenig Deutsch verstehe und sie die Sprachen mischt, aber f\u00fcr die anderen Kinder war das schwierig. Nun verstehen sie aber auch die anderen Kinder viel besser, weil sie viel mehr holl\u00e4ndisch spricht. Das ist auch f\u00fcr sie toll. Wie ist ein solcher Fortschritt m\u00f6glich? \u2013 Mit anderen Kindern auf Spielpl\u00e4tzen gespielt, kikker en zijn vriendjes geguckt, und die Sachen von der Schule (gut, das habe ich vergessen zu sagen, auch die vielen Kinderb\u00fccher, wie wir mittlerweile haben. Und ich denke, die vorgelesenen Bilderb\u00fccher sind super diesbez\u00fcglich). Wie es ihr gegangen sei und gehe \u2013 Ich will eigentlich unterrichten und nicht die ganze Zeit putzen, das ist m\u00fchsam. Aber wir m\u00fcssen das halt so machen. Die Zeit war f\u00fcr uns auch nicht einfach. Sobald es zu viele Leute auf dem Spielplatz gab, mussten wir zur\u00fcckgehen. Und nur drinnen sein, das haben die Kinder gar nicht verstanden. Zudem alle dierentuin zu. \u2013 Die sind ja jetzt wiederer\u00f6ffnet worden \u2013 Genau, man kann online einen slot reservieren, damit nicht zu viele Leute gleichzeitig dort sind. Ich frage mich, f\u00fcr welche das wohl gilt. Der grosse Zoo ist meines Wissens noch zu. Die Kleinen bei den Spielpl\u00e4tzen haben wohl kaum die Kapazit\u00e4t, um eine solche online Pr\u00e4senz zu haben und beim Eingang zu kontrollieren.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Sache mit der freien Schulwahl ist f\u00fcr uns schon sehr ungewohnt. Das GB-System mit \u00f6ffentlichen und privaten Schulen und die Effekte auf die soziale Durchmischung, resp. Segregation sind so einigermassen bekannt. Hier sind zwar alle vom Staat unterst\u00fctzt, aber in der Realit\u00e4t hat das Schulsystem doch zur Folge, dass die einzelnen Milieus stark unter sich bleiben. Der gestrige research participants hat erz\u00e4hlt, dass sie im S\u00fcden der Stadt gewohnt haben, also in einem sogenannt \u201areichen\u2019 Teil. Sie waren aber sehr \u201apolitisch korrekt\u2019 (seine Worte), so dass sie ihre Tochter in eine \u201aschwarze Schule\u2019 in de Pijp geschickt haben. Damals war nat\u00fcrlich de Pijp noch nicht mit heute vergleichbar, Gentrifizierung war wohl noch kaum ein Thema. Nach einiger Zeit haben sie aber dann die Schule gewechselt, u.a. weil ihre Tochter \u201azu clever\u2019 f\u00fcr diese Schule war.<\/p>\n<p class=\"western\">Vorher eben habe ich auf Facebook einen Post in der Gruppe \u201aAmsterdam Mamas\u2019 gelesen (eine Gruppe von Expads, vor allem M\u00fctter und die meisten wohl eher gut betucht). Eine Mutter, die gleich bei uns um die Ecke wohnt, muss ihr Kind in eine Schule einschreiben. Sie hat eine Liste mit m\u00f6glichen Schulen erstellt und bei einigen \u201apriority\u2019 hingeschrieben, so bei den beiden Montessori-Schulen, die in der N\u00e4he sind. Sie wollte dann von anderen Eltern wissen, wo sie ihre Kinder haben und wie die Erfahrungen so sind. Drei M\u00fctter haben geantwortet, sie h\u00e4tten gute Erfahrungen gemacht mit ihren Schulen. Die eine Mutter gab als Tipp, sie solle doch mal die Eltern anschauen gehen, wenn diese ihre Kinder holen und bringen ob man dieselben Vibes habe. F\u00fcr mich heisst das: gleiches gesinnt sich zu gleichem. Ich verstehe das einerseits total, bin die erste, die ihr Anderssein in der Schule unserer T\u00f6chter bemerkt. Anderseits frage ich mich, was die Idee hinter dieser freien Schulwahl ist. Ist das eine FDP-free-choice-Idee? Wie lange ist das hier schon so? Was sind die Erfahrungen damit? Ich meine, nat\u00fcrlich ist eine Schule in Bern B\u00fcmpliz nicht dieselbe wie eine im Kirchenfeld, weil ein anderes \u201aPublikum\u2019 in diesen Gegenden wohnt. Wenn aber dann innerhalb einer Gegend noch freie Schulwahl besteht, dann sind die Mittelschichtskinder alle in derselben Schule und die Unterschichtskinder alle in derselben. Kann das der Sinn sein? Man \u00fcberlege sich das mal f\u00fcr Muri, wo in N\u00e4he Bern wohl die extremsten Unterschiede zu beobachten sind&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>18.5.2020: Corona-reopening week two<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Momentan geht keines der Kinder alleine in den oberen oder unteren Stock, wenn nicht mind. eine erwachsene Person dabei ist. Hey, sie sind 4,5 und 6,5!!! Soviel zum Thema Selbst\u00e4ndigkeit. Ich tr\u00e4ume von unserer autofreien Siedlung zu Hause, wo immer Kinder klingeln kommen oder unsere einfach mal nach draussen gehen und gucken, welche Kinder auch am Spielen sind. Schon als Alma noch nicht drei war, liessen wir sie gemeinsam mit Mali alleine nach draussen. Und hier zwei Jahre sp\u00e4ter: Nichts, nicht einmal in den unteren oder oberen Stock alleine. Und wenn eine auf die Toilette geht (oder wir), muss die T\u00fcr zum Wohnzimmer ganz offen sein \u2013 egal wieviel K\u00e4lte da reinkommt (st\u00f6rt ja eh nur mich). Einmal oder zweimal sind sie alleine auf den Spielplatz gegangen und ich f\u00fcnf Minuten sp\u00e4ter nach&#8230;h\u00e4tten sie doch nur Freunde hier im Quartier, zu denen sie gehen k\u00f6nnten oder bei denen sie klingeln k\u00f6nnten, um mit ihnen im Park zu spielen. Oder Grosseltern oder eine Kita, welche die Kinder f\u00fcr einige Stunden h\u00fcten.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Abend haben sie in den Nachrichten (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/17-05-2020\/POW_04508581\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/17-05-2020\/POW_04508581<\/a>) einen Beitrag gezeigt von einer Frau, die seit Wochen krank ist wegen Corona. Zwar nicht so krass, dass sie ins Krankenhaus muss, aber einfach ewig sehr schlecht bis nicht fit und jedes Mal, wenn sie sich ein wenig besser f\u00fchlt, kommt ein R\u00fcckschlag. Numa meinte zu mir, das sei uns ja auch so gegangen. Nicht ganz so lang, aber seine total verstopfte Nase dauerte f\u00fcr seine Verh\u00e4ltnisse ewig (er ist ansonsten h\u00f6chstens so drei Tage etwas mudrig, das ist bei ihm schon krank). Mir ist auch aufgefallen, dass er Abend f\u00fcr Abend Nasenspray nahm \u2013 das sollte man nicht, macht abh\u00e4ngig (glaube ich) und kann der Schleimhaus schaden. Und bei mir war es ja auch zwei Mal so, dass ich mich wieder besser f\u00fchlte, das Joggen wiederaufnahm und dann begann es wieder von vorne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>19.5.2020: Corona-reopening week two<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Eigentlich wollte ich heute Nachmittag an die Uni gehen. Bin dann doch zu Hause geblieben, weil 1) Numa und Mali um 14:40 die Wohnung verlassen haben, um Alma von der Schule abzuholen, ich also ungest\u00f6rt arbeiten konnte (es geht eh schon viel besser, wenn nur ein Kind zu Hause ist, das Gst\u00fcrm hat abgenommen); 2) Meine Beine seit einigen Tagen wieder schmerzen, super m\u00fchsam. F\u00fchlt sich wie Gliederschmerzen an und ich dachte, es sei nun vielleicht nicht der Moment, um in dieses \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude zu gehen, wenn ich daran denke, dass ich mich w\u00e4hrend dieser Corona-Zeit schon mehrmals \u00e4hnlich gef\u00fchlt habe \u2013 wenn auch damals jeweils mit Halsschmerzen verbunden. Nun f\u00fchle ich mich ansonsten gut; 3. In einem Newsletter der Uni explizit stand, dass die Anzahl Leute welche in den letzten Tagen (wohl seit gut einer Woche) an der Uni gearbeitet hat, stark zunahm. Das sei nicht die Idee. Bis wir nicht neue Infos erhalten (wohl heute Abend wieder soweit) sollten wir bis zum 15.5. zu Hause arbeiten und nur in Ausnahmef\u00e4llen an die Uni kommen.<\/p>\n<p class=\"western\">Mein Schwiegervater hat heute Geburtstag, am Mittag haben sie mit ihm telefoniert. Anscheinend meinten die beiden, dass sie im Juni hierher fahren wollen \u2013 falls Z\u00fcge fahren und sich die Situation in der CH und den NL nicht verschlechtere. Ich pers\u00f6nlich finde das eher etwas mutig, sie sind beide \u00fcber 70. Aber am Ende sind es nicht meine Eltern und erwachsene Personen, denen ich nichts verbieten will. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrden wir uns sehr freuen, sie hier bei uns zu haben.<\/p>\n<p class=\"western\">Heute Mittag haben Numa und ich diskutiert, was f\u00fcr ein Gl\u00fcck es sei, dass die Kinder nun so gut in die Schule gehen. Vor der Pause, als wir jeweils (wie die meisten anderen Eltern) noch einige Zeit mit den Kindern in den Klassenzimmern waren, war es f\u00fcr beide viel schwieriger, uns Tsch\u00fcss zu sagen. Jetzt haben sie manchmal gar keine Zeit mehr daf\u00fcr. Sie gehen gleich zur Lehrperson durch, die ihnen die H\u00e4nde desinfiziert und dann weiter zu ihren Lehrerinnen. Wir haben M darauf angesprochen und gefragt, ob es einfacher sei, wenn wir nicht mehr ins Klassenzimmer kommen. Sie ist gar nicht darauf eingegangen (oder hat die Frage nicht verstanden), sondern fand einfach, dass dies nun wegen der Krankheit so sei.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern habe ich mich mit einem Journalisten getroffen, der einen Artikel \u00fcber die Schwierigkeiten des Vaterseins schrieb &#8211; ist nat\u00fcrlich auf grosses Echo gestossen. Als wir miteinander sprachen, rief jemand vom TV an und hat ihn f\u00fcr eine Talkshow am selben Abend eingeladen. Da waren wir dann alle auf dem Sofa und haben uns die Talkshow angesehen. Die beiden M\u00e4dchen waren super aufgeregt, weil siewussten, dass jemand zu sehen war, mit dem ich am selben Tag ein Interview gef\u00fchrt habe. Sie haben die ganze Zeit den Bildschirm ber\u00fchrt (weiss nicht, wie oft ich nicht anfassen gesagt habe gestern \u2013 und wie oft schon in meinem ganzen Leben&#8230;!!!) und voller Aufregung geschrien: Das ist er?!? Ich hatte nat\u00fcrlich gr\u00f6sste M\u00fche, so etwas zu verstehen. Sie haben auch ziemlich schnell gesprochen und manchmal auch durcheinander.<\/p>\n<p class=\"western\">Mit dem Journalisten von gestern habe ich abgemacht, dass ich ihm schreiben, wenn wir mal (an einem WE) im Erasmuspark sind, seine T\u00f6chter sind 2 und 5. Er meinte am Ende des Gespr\u00e4chs auch, es sei sehr schwierig, hier in der grossen Stadt neue Leute kennenzulernen. Erstens wegen der grossen Stadt und zweitens auch wegen der individualistischen holl\u00e4ndischen Gesellschaft. Es w\u00fcrde drei Wochen dauern, bis man mit jemandem f\u00fcrs Essen abmachen k\u00f6nne-im Gegensatz zu anderen Orten (ich glaube, er meinte mehr die L\u00e4nder im S\u00fcden), wo man immer und \u00fcberall gleich eingeladen werde und sich auch noch an den Tisch setzen k\u00f6nne. Und momentan in dieser Covid-19-Zeit ist nat\u00fcrlich alles noch schwieriger. Ich lerne keine Personen im Yoga kennen, treffe keine Eltern mehr im Klassenzimmer. Und ja, ich bin nicht die grosse Smalltalkerin und auf dem Spielplatz habe ich noch nie viele Freunde gemacht.<\/p>\n<p class=\"western\">Numa meinte gestern Abend, dass wir seiner Meinung nach bisher sehr gut durch diese Krise gekommen sind. Dass er viel gr\u00f6ssere Bef\u00fcrchtungen gehabt habe, als es hiess, die Kinder d\u00fcrften nicht mehr zur Schule, alles sei dicht, wir erhalten keinen Besuch und und und. Das stimmt. Im Grossen und Ganzen haben wir das alle vier und auch alle gemeinsam bisher gut gemeistert.<\/p>\n<p class=\"western\">Am Freitag haben wir mit einigen aus der Guinea-Gruppe gespielt und am Sonntag habe ich mit meinem research collaborator telefoniert. Tat gut, wieder etwas aus Kankan zu h\u00f6ren. Gerade habe ich meine Sachen von meinem Feldaufenthalt im November\/Dezember auf den UvA-Surfer hochgeladen&#8230; und wurde nostalgisch. Ich versuche mir zwar einzureden, dass es viel einfacher sei, wenn ich nur hier eine case study mit mehreren Milieus habe, aber das ist nat\u00fcrlich nur die halbe Wahrheit. Ich w\u00fcrde nur zu gerne m\u00f6glichst bald wieder nach Kankan gehen und dort meine Forschung zum Thema Vaterschaft weiterfahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>20.5.2020: Corona-reopening week two<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Es sieht also ganz so aus, als ob die Schulen nach der zweiten Juni-Woche wieder ganz offen w\u00e4ren. Auf jeden Fall hat das Rutte gestern so kundgetan, von der Schule haben wir noch nichts geh\u00f6rt. Die lassen sich vielleicht \u00fcber diese Tage Zeit, bis sie einen Elternbrief herausgeben. Numa und ich haben beschlossen, dass die Kinder dann auch \u00fcber den Mittag gehen werden. Ist f\u00fcr ihn viel angenehmer und wird die Kinder weniger herausreissen. Zudem gibt es nochmals mehr Sprachbad. Als wir ihnen das heute Mittag gesagt haben, hatte Mali voll Krise. Sie wolle am Mittag mit uns essen, nicht in der Schule. Dort gebe es nie etwas Warmes. Stimmt, hier essen die Leute am Mittag oft ein belegtes Brot. Das geben wir nun auch den M\u00e4dchen in die Schule mit. Aber Mali hatte sowieso Krise, wahrscheinlich weil sie m\u00fcde war. Gestern konnte sie wieder \u00fcberhaupt nicht einschlafen. Resp. hatte ich das Gef\u00fchl, dass sie schlief (tief geatmet), als ich aber dann (extrem leise) die T\u00fcre ge\u00f6ffnet habe, sass sie wieder panikerf\u00fcllt im Bett. Sie ist total getriggert. Hat Angst vor einem Dieb und ich konnte mir nicht einmal das Essen w\u00e4rmen, ohne dass sie weinend oben auf der Treppe sass. Habe dann im Gespr\u00e4ch herausgefunden, dass der gr\u00f6sste Stress davonkommt, dass sie Angst hat, nicht einschlafen zu k\u00f6nnen und sich \u00fcber ihr eigenes Nicht-K\u00f6nnen masslos aufregt. Alles normal soweit, aber trotzdem m\u00fchsam, wenn man endlich etwas Feierabend haben m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"western\">An die Uni d\u00fcrfen wir zwar etwas mehr (gerade PhDs und Postdocs, die zu Hause schlecht arbeiten k\u00f6nnen und am Abschliessen sind), aber wir sollten immer noch, wenn irgendwie m\u00f6glich, von zu Hause aus arbeiten. Mit nur einem Kind zu Hause (ausser am Mittwoch), ist das zwar einfacher, weil weniger Geschrei, aber immer noch schwierig. Einerseits bin ich zwar mehr anwesend, vor allem immer am Mittag, anderseits f\u00fchle ich mich wie die abwesende anwesende Mutter. Am Morgen, wenn sie aufstehen, will ich meistens gerade mit der Arbeit beginnen.<\/p>\n<p class=\"western\">Morgen fahren wir f\u00fcr vier Tage in ein H\u00e4usschen in Friesland \u2013 mit dem Zug. Ja, schlechtes Gewissen. Immerhin hat Numa gerade Mundschutz gekauft. Gebe zu, dass ich einen grossen Widerwillen habe, diesen anzuziehen, mais bon. Wir fahren auch relativ fr\u00fch, damit wir m\u00f6glichst in leeren Z\u00fcgen fahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"western\">Als ich von meinem Interview mit dem Journalisten am Montag zur\u00fcckkam, hat mich Numa gefragt, ob es spannend war. Naja, einerseits schon, weil halt extrem viel, dass er erz\u00e4hlt hat, ankn\u00fcpfbar ist, gerade auch das Jahr in Portugal mit der Familie. Anderseits ist es auch nicht so spannend, weil sehr viel nicht sehr anders ist als mein Leben.<\/p>\n<p class=\"western\">Bei allen Interviews finde ich es eine Herausforderung, wie viel ich von mir erz\u00e4hle. Manchmal habe ich den grossen urge, manchmal sage ich, dass ich das verstehe, manchmal erz\u00e4hle ich etwas. Aber vor einer Woche meinte der Research Participant nach dem Gespr\u00e4ch, als wir noch etwas off record geplaudert haben, dass es f\u00fcr ihn gut war, nicht mehr \u00fcber mich und meinen Background zu wissen, das h\u00e4tte ihn zu stark beeinflusst. Fand ich eine sehr wichtige Anmerkung. Und muss wohl immer in der Situation entscheiden. Einige frage auch Dinge, wenn ich mich zu Beginn des Gespr\u00e4chs vorstellen, andere gar nichts. Hoffentlich bin ich sensibel genug, um das mitzukriegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>25.5.2020: Corona-reopening week three<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Wir waren vier Tage weg \u2013 das erste Mal seit dem Aufenthalt in Gent. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es war, als ich dauernd (oder auf jeden Fall immer wieder) an Konferenzen gereist bin. Dauernd diese Paper und Vortr\u00e4ge vorbereitet habe, dann reisen, weg sein, small-talken und so. Es \u00fcberrascht mich immer wieder, wie schnell ich mich an das neue Normal anpasse (und der Mensch allgemein), zum Gl\u00fcck. \u00c4hnlich ist es wohl auch mit dem Homeoffice. Meine Diss habe ich mehr oder weniger zu Hause geschrieben. Danach hatte ich an der Unibe einen Arbeitsplatz und war mir sicher, ich w\u00fcrde mind. einen Tag von zu Hause aus arbeiten. Das habe ich dann aber nie getan. Kaum hatte ich mein Pl\u00e4tzchen, war ich nie mehr zu hause. Und sehr froh dar\u00fcber. Nun seit vielen Wochen wieder zu Hause. Die Uni hat eine Mail geschrieben, dass in Ausnahmen (wenn z.B. von zu Hause aus nicht gut gearbeitet werden kann und man als PhD am Abschliessen sei) wieder von der Uni aus gearbeitet werden k\u00f6nne. Die anderen d\u00fcrfen Dinge wie B\u00fcrost\u00fchle oder einen zweiten Screen nach Hause nehmen. Ich muss morgen mal ausdrucken gehen, dann werde ich vielleicht gleich den ganzen Tag dort arbeiten, mal gucken, wie das sein wird.<\/p>\n<p class=\"western\">Wir waren also vier Tage in Friesland. Die friesl\u00e4ndische Seenplatte ist also sehr zu empfehlen. Gestern auf der R\u00fcckfahrt meinte ich zu Numa, dass ich doch langsam den Reiz der hiesigen Landschaft verstehe. Auch wenn ich immer noch absolut nicht auf dieses flache Land stehe, dass es immer \u00fcberall Wasser hat, ist f\u00fcr mich als Wasserratte doch sehr toll. Und auch, dass oftmals den Tieren viel Raum gelassen wird (meine Laienmeinung). Die Wasseradern sind sehr oft nicht verbaut. Am Samstag haben wir ein kleines Motorboot gemietet und sind damit durch ein Naturschutzgebiet getuckert. Manchmal kam es mir vor wie in einem Mangrovenwald, einfach ohne Mangroven, daf\u00fcr mit anderen B\u00e4umen, die manchmal im Wasser gewachsen sind. Wir hatten das Gef\u00fchl, ganz Friesland besitzt ein Segelboot. Ob die alle derart viel Geld haben? Gerade im Naturschutzgebiet war es super gemacht: Anlegestellen, grosse Abfallcontainer, bewegen auf den Wegen erlaubt.<\/p>\n<p class=\"western\">Weil wir mit dem Zug hin- und zur\u00fcckgefahren sind, hatte ich doch etwas ein schlechtes Gewissen. Aber wir fuhren am Donnerstag um 7:30 los. Die Z\u00fcge (mussten 2x umsteigen) waren sehr leer. Auch bei der R\u00fcckfahrt. Gestern war es windig, regnerisch und kalt, daher beschlossen wir, nach dem Packen und Putzen zur\u00fcckzufahren. So waren wir am fr\u00fchen Nachmittag wieder hier. Es war schon ein Nach-Hause-Kommen, irgendwie. Habe versucht, den Kindern diese Frage zu stellen, ob sie dieses Gef\u00fchl auch hatten, aber sie haben nicht ganz verstanden, was ich meinte. In diesen vier Tagen sind meine Bein-Gliederschmerzen (oder was es auch immer war) verschwunden, f\u00fchlte mich fit und ging auch 2x joggen.<\/p>\n<p class=\"western\">Nun f\u00e4llt es mir etwas schwer, mich wieder auf die Arbeit einzulassen. Die hat mir in diesen Tagen gar nicht gefehlt. Zum Gl\u00fcck f\u00e4llt nochmals ein verl\u00e4ngertes Wochenende an. Und das Wetter wird wunderbar werden. Wir wollten ja erst eine mini Velotour unternehmen und bei frienden op de fiets \u00fcbernachten. Aber das lassen wir coronabedingt wohl sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>26.5.2020: Corona-reopening week three<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Habe gerade einen Text von Saba Mahmood gelesen und frage mich im Anschluss einmal mehr, was unsere Forschungsthemen \u00fcber uns als Forschende aussagen. Warum sollten wir uns nur f\u00fcr linksliberale Projekte interessieren? Eine Kollegin meinte w\u00e4hrend eines Reading Group Meetings k\u00fcrzlich, dass Kolleg_innen von ihr krass angefeindet werden, weil ihre Forschung zu far right movements ist. Ich hatte in den letzten zwei Jahren eher das gegenteilige Gef\u00fchl, n\u00e4mlich dass es ganz viel Forschung und Konferenzen zu der sogenannt Neue Rechte gibt. F\u00fcr mich stellt sich nun bei der aktuellen Forschung die Frage, inwiefern ich als Frau\/Mutter Forschung zu M\u00e4nnern\/V\u00e4ter machen kann. Ich kann selbstverst\u00e4ndlich, aber mit welchen Implikationen. Und wenn die V\u00e4ter homosexuell sind?<\/p>\n<p class=\"western\">Numa hat gestern begonnen, sich zu \u00fcberlegen, was er machen wird, wenn die Kinder wieder die ganze Woche zur Schule gehen werden. Wird spannend, wie das wird f\u00fcr uns, \u201aback to normal\u2019. Wie ich mich f\u00fchlen werde, wenn er nicht die ganze Zeit um und mit den Kindern sein wird. Vielleicht habe ich mich schon so daran gew\u00f6hnt, dass sich gar nicht so viel \u00e4ndern wird. Vielleicht etwas mehr Stress, weil dann wieder mehr alleine mit den Kids und mehr alleine Verantwortung \u00fcbernehmen f\u00fcr Kochen, Putzen, Essen und und und. Es hat ja schon auch sehr viel Positives, dass wir in dieser Zeit so wenig (eigentlich keine) soziale Verpflichtungen haben. Wenn mal was ist, habe ich schon das Gef\u00fchl von: Was, kann ich an diesem Abend nicht selber entscheiden, was ich machen will, gem\u00fctlich chillen und so?<\/p>\n<p class=\"western\">Ein Forschungsteilnehmender hat mir die Mailadresse eines m\u00f6glichen weiteren Interessierten gegeben. Mehr weiss ich nicht. Habe also gegoogelt und als erstes kommen Schlagzeilen einer Person mit demselben Namen, die angeblich eine Frau \u00f6ffentlich geschlagen haben soll,. Was macht das dann mit mir? Ich weiss ja gar nicht, ob das dieselbe Person ist. Einerseits finde ich es sehr lustig, in welche \u201aKreise\u2019, resp. an welche Leute man bei der Feldforschung immer gelang. War ja in Benin und Guinea auch schon so. Wenn ich \u00e4usserlich einen auf voll professionell mache, aber innerlich total lachen muss, ob der Absurdit\u00e4t von gewissen Situationen. Nach dem Managementguru, dem Fotografen und dem Journalisten nun also der Schauspieler, vielleicht. Interessant. Ich finde es auch ganz toll, dass ich ziemlich ohne Vorwissen an solche Personen herangehe. Nat\u00fcrlich kann ich Homepages angucken, aber ich habe keine (einseitige) jahrelange Beziehung zu \u00f6ffentlichen Personen hier, weil ich absolut keine kenne. Da kann ich total unverkrampft und ohne grosse Vorurteile herangehen (hoffe ich zumindest).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>28.5.2020: Corona-reopening week three<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Vormittag war ich mit den Kindern. Alma hatte eine grosse Traurigkeit, die sie \u00fcberkam. Dann hat sie das Gef\u00fchl, dass sie keine Spielzeuge hat, dass es noch viel zu lange dauert, bis sie Geburtstag hat und dass sie nie alleine Post erh\u00e4lt. Sie weinte herzzerreissend und sagte: I wott hei id Schwyz. Das hat sie bisher noch nicht so oft gesagt. Jetzt k\u00f6nnen wir versuchen, sie zu beruhigen, indem wir sagen, es dauere nur noch einen Monat, bis sie wieder in der Schweiz sei \u2013 wenn auch nur f\u00fcr f\u00fcnf Wochen, aber immerhin. Wir waren dann shoppen. Mit Alma ist das immer etwas nervenaufreibend, weil sie dann alles kaufen will (vor allem die h\u00e4sslichen Glitzersachen) und anschliessend noch auf einem Spielplatz. Auf der Fahrt vom Gesch\u00e4ft dorthin fuhren wir wieder durch mir noch unbekannte Strassen, die alle so sch\u00f6n nach heile Welt aussehen. Sch\u00f6ne H\u00e4user, oft mit Blumen (Rosen!) auf der Strasse oder an der Hausfassade. Und mehrere \u00e4ltere Leute (etwas Hippie) auf B\u00e4nken vor den T\u00fcren. In mir verursachte dieser Blick ein Gef\u00fchl des Ausgeschlossen-sein, komisch. Dann wird mir schmerzhaft bewusst, dass ich nicht mit einer anderen Familie mit Kindern im Alter unserer Kinder auf einem Spielplatz abmachen kann. Dass wir auch niemanden haben, um Wochenendpl\u00e4ne zu schmieden.<\/p>\n<p class=\"western\">Die Unterschiede in dieser Stadt werden mir dann auch immer sehr bewusst. Abends fuhr ich in den Neuen Westen. An einem Ort fiel mir auf, dass sich viele Junge (Paare?) in oder mit ihren Autos treffen. Ganz in der N\u00e4he kamen mir zwei sehr Junge h\u00e4ndchenhaltend entgegen, sie mit Kopftuch. Als sie mich sahen, liessen sie die H\u00e4nde gleich los. Ob sich an diesen Orten die muslimische (\u00e4ltere) Jugend weg vom Eltern\/Familienblick trifft? Ich bin auch an einem Sportplatz entlanggekommen, der total voll mit Kindern und Jugendlichen war, die ein Kickboxtraining absolviert haben. Es war total beeindruckend, wie die teils noch jungen Kinder die ganze Zeit \u201aget\u00e4nzelt\u2019 sind und zu zweit auf Abstand verschiedene \u00dcbungen gemacht haben. Einige M\u00e4dchen trugen Kopft\u00fccher. Allgemein habe ich das Gef\u00fchl, dass hier die Kinder etwas sp\u00e4ter ins Bett gehen als bei uns. Wobei das \u201abei uns\u2019 sich wohl eher auf unsere Kinder bezieht. Gerade wenn sie nicht schlafen tags\u00fcber und Schule haben, sind sie abends fix und foxi.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>2.6.2020: Corona-reopening week four<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Schon Woche vier der \u00d6ffnungen, die Zeit verfliegt wirklich. Gestern um 12h gingen hier die Terrassen wieder auf. Anscheinend waren sie \u00fcberall sehr gut besetzt. Kein Wunder, wenn sich alle so freuen, endlich wieder mit Freunden \u201aeis ga z zie\u2019. Als wir von der Amstel zur\u00fcckf\u00fchren, waren \u00fcberall die Leute draussen, gute Stimmung. Das tolle Wetter hat sicherlich das Seine dazu beigetragen.<\/p>\n<p class=\"western\">Ende letzte Woche haben wir via Schulchat erfahren, dass diese Woche noch alles wie bisher l\u00e4uft, also reduzierter Betrieb, es sich n\u00e4chste Woche aber \u00e4ndern k\u00f6nnten. Sie m\u00fcssten noch auf die Richtlinien der Gemeinde warten. Heute beim Bringen von Alma meinte aber die eine Lehrerin, dass Mali ab n\u00e4chster Woche wieder normal in die Schule gehen k\u00f6nne \u2013 hoffen wir es. Dann h\u00e4tten die beiden immerhin noch vier Wochen voll Unterricht (wobei wir Alma wohl am Mittwoch noch zu Hause lassen w\u00fcrden, daf\u00fcr an drei Tagen inkl. dort Mittagessen bis um 15h). Ich glaube, das w\u00e4re f\u00fcr alle gut. Danach haben sie ja sechs Wochen wieder kein holl\u00e4ndisch mehr, auch nicht auf den Spielpl\u00e4tzen. Wir sehen nun, wie die Spielsprache bei gewissen Themen (Schule) langsam zu switchen beginnt. Alma wechselt mitten im Satz mehrere Male die Sprache, wenn sie uns etwas von der Schule erz\u00e4hlt \u2013 nicht immer einfach zum Folgen. Und auch kleine W\u00f6rter \u00e4ndern sie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>4.6.2020: Corona-reopening week four<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Es ist offiziell, die Kinder gehen n\u00e4chste Woche wieder voll in die Schule. Sie m\u00fcssen alle auch \u00fcber Mittag dortbleiben. Wir h\u00e4tten das eh so gemacht, aber ist trotzdem einfacher, nicht zuletzt, weil wir es ihnen einfacher erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Alma behalten wir am Mittwoch noch zu Hause, damit sie eine Pause hat. Ist wohl schon so streng genug f\u00fcr sie, vor allem weil sie meistens an den Schultagen bis 15h nicht schl\u00e4ft. Dann muss sie das jeweils am folgenden Tag nachholen. Bin auch froh, dass ich dann ruhiger hier zu Hause arbeiten kann. Und dass es hoffentlich wieder weniger Streit gibt zwischen den beiden. Am WE haben wir drei Tage alle gemeinsam etwas unternommen. Ein tolles Programm, fand ich, aber war wohl etwas zu viel zusammen, gerade Mali war sehr auf Konfrontation.<\/p>\n<p class=\"western\">War gestern Morgen mit den beiden in der Bibliothek bei den Hallen. Dort war ich erst einmal. Nicht zuletzt dank den nun endlich wiederoffenen Caf\u00e9s in der N\u00e4he, f\u00fchlte es sich super gut an. In der Biblere sind die beiden Kinder total euphorisch, k\u00f6nnen sich fast nicht zwischen den B\u00fcchern entscheiden. Bei Mali sind B\u00fccher \u00fcber Tiere und Fussball ganz hoch im Kurs. Das ist nicht immer einfach zum Vorlesen, vor allem mit unserer bescheidenen Aussprache. Es gab auch einige V\u00e4terdort (mehr als M\u00fctter) mit ihren Kindern. Zwei fielen mir auf, weil sie sehr bewusst und in kindlicher Stimme zu ihren kleinen Kindern sprachen. Ich dachte: Die werden bestimmt nie laut, nicht so wie ich. Und die machen sicher alles sehr bewusst, damit sich das Kind m\u00f6glichst optimal entfalten kann. Typische Teilnehmende an meiner Forschung. Und irgendwie ein Graus. Da sind mir solche Typen wie der schwule Schauspieler am Dienstag viel lieber. Wahrscheinlich auch weil sie mir weniger einen Spiegel vorhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>8.6.2020: Corona-reopening week five<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Heute hat die Schule f\u00fcr beide wieder voll begonnen. Mali war am Morgen sehr ruhig und etwas traurig. Wir denken, sie mit ihrer sensiblen Art hat sich schon genau \u00fcberlegt, dass sie nun viel mehr in der Schule sein wird und weniger mit Numa. Vor allem dass sie \u00fcber Mittag auch in der Schule bleiben muss, findet sie schwierig. Wir glauben, momentan akzeptiert sie es, aber der Ausblick, dass dies nach den Sommerferien so weitergehen wird, behagt ihr nicht. Mal gucken, wie das nun anl\u00e4uft. Sie werden sicher wieder total m\u00fcde und ersch\u00f6pft nach Hause kommen. Die beiden haben nicht dieselben Anfangs- und Endzeiten, aber Numa konnte heute doch beide schon um 8:30 bringen, Almas Lehrerin war auch schon dort. Beim Abholen werde ich eben merken, wie es organisiert ist.<\/p>\n<p class=\"western\">Morgen haben sie einen Schularzttermin. Anscheinend sei es hier so eine Sache mit diesen offiziellen Untersuchungen, die seien sehr diskriminierend. Allgemein ist der Staat hier eingreifender als in der CH (abgesehen von der Schulwahl). Der eine Forschungsteilnehmende hat mir erz\u00e4hlt, dass eine Art Hebamme\/Haush\u00e4lterin eine Woche lang nach der Geburt eines Kindes t\u00e4glich vorbeikommt und dann auch viele Stunde bleibt. Ich verstehe, dass es um Unterst\u00fctzung geht und in dieser speziellen Zeit, ist es nat\u00fcrlich toll, wenn jemand putzt und einkauft und vor allem bei Fragen rund um das Neugeborene ber\u00e4t. Aber ich h\u00e4tte es als extrem st\u00f6rend erachtet, wenn immer jemand bei uns zu Hause gewesen w\u00e4re, uns dauernd beobachtet h\u00e4tte. Das ist doch die Zeit, in der sich die neue Familie suchen muss, aneinander gew\u00f6hnen, da ben\u00f6tigt man nicht noch eine Aussenstehende, die die ganze Zeit in deiner Wohnung ist \u2013 finde ich zumindest. Also, der Schularzttermin steht morgen an. Numa hat eben eine Erinnerung erhalten mit der Frage, ob auch alle gesund seien. Er musste lachen, weil er genau solche Erinnerungsnachrichten oder Mails seinen Klient_innen jeweils geschickt hat. Es wird als Frage formuliert, aber eigentlich geht es darum, sicherzustellen, dass die entsprechenden Personen dann auch wirklich auftauchen. Und wir fragen uns, ob das wohl eine Besonderheit der Schulen in \u201aBrennpunkten\u2019 wie dem Nieuw West ist oder ob das in anderen Schulen \u00e4hnlich gehandhabt wird. Morgen Nachmittag kann ich der Schulleiterin anrufen. Muss mich sehr \u00fcberwinden, ich hasse telefonieren, vor allem auf Holl\u00e4ndisch.<\/p>\n<p class=\"western\">Dieses WE hatten wir das erste Mal wieder Besuch, resp. waren auf Besuch. Das hat sehr gut getan, soziale Kontakte haben mir doch sehr gefehlt. Und online ist es einfach nicht dasselbe. Ich bin schon im Alltag so viel vor dem Computer. Am Freitag waren wir bei Freunden im Pijp. Fr\u00fcher war es noch eine total heruntergekommene Gegend, nun the place to be. Ist sicher toll, wenn man keine Kinder hat: \u00dcberall Bars, Restaurants, und so, aber mit Kind w\u00e4re es mir schon zu sehr im \u201aZ\u00fcg\u2019, wahrscheinlich auch ohne Kind. Es hat zwar einen Park, aber der ist doch ziemlich klein. Toll ist, dass man vom Pijp aus \u00fcberall rasch ist, weil es so zentral ist. Nicht so wie ich letzte Woche, als ich von uns zum IJBurg fuhr, das ist wirklich eine halbe Weltreise, vor allem mit diesem schlechten und unbequemen Velo.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern Abend hatten wir dann eine Nachbarin bei uns zu Besuch. War auch heel gezellig. Die Kinder haben es sichtlich genossen. Wir haben zuerst holl\u00e4ndisch gesprochen, f\u00fcr uns um zu \u00fcben und damit die Kinder mitsprechen k\u00f6nnen. Ging gar nicht mal so schlecht. Als die Kinder aber dann im Bett waren, haben wir auf Englisch \u00fcber alles M\u00f6gliche weiterdiskutiert. Am Ende hatten wir es noch \u00fcber News. Wir haben gesagt, dass wir t\u00e4glich das NOS journaal gucken. Sie fand das etwas komisch. Verst\u00e4ndlicherweise. Schon vor einigen Tagen meinte ich zu C, dass wir langsam alt und konservativ werden. W\u00fcrde jemand in unserem Alter jeden Abend Tagesschau gucke, f\u00e4nde ich das etwas spiessig. W\u00e4hrend Corona war das gut und wichtig f\u00fcr uns, abgesehen von der Sprache, aber nun ist es doch sehr oberfl\u00e4chlich. Sie haben schon vor einiger Zeit die aktuellen RIVM-Ziffernmeldungen abgeschafft. Sprich, man weiss nicht mehr, wie viele Krankenhausaufnahmen es wegen Corona gab, wie viele Todesf\u00e4lle und wie viele Coronapatient_innen noch auf der IC liegen. Wir gucken das manchmal auf der App nach, die Numa auf seinem Handy hat. Die Sendung M, die wir einmal gesehen haben, sei empfehlenswert und auch Een Vandaag sei gut (<a href=\"https:\/\/eenvandaag.avrotros.nl\/\">https:\/\/eenvandaag.avrotros.nl\/<\/a>). M\u00fcssen wir mal gucken n\u00e4chstens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>9.6.2020: Corona-reopening week five<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Gestern wurde in den Nachrichten gemeldet (<a href=\"https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/08-06-2020\/POW_04508344\">https:\/\/www.npostart.nl\/nos-journaal\/08-06-2020\/POW_04508344<\/a>), dass die Leute je l\u00e4nger je mehr M\u00fche h\u00e4tten, die Abstandsregeln von 1,5 Metern einzuhalten. Das Verkaufspersonal f\u00fchle sich nicht mehr sicher und erwarte Massnahmen von ihren Chefs. Wenn der Mensch nicht versteht, warum er in ein volles Flugzeug gepfercht werden kann und gleichzeitig an anderen Orten Abstand halten sollte, dann h\u00e4lt er sich nicht mehr an die Regeln. Mir ist schon mit. Zwei Wochen lang aufgefallen, dass ich die ganze Zeit sehe, wie sich Menschen umarmen. Unter anderem an dem Tag, als ich an die Uni ging. Wir machen nun sicher auch Dinge, die wir noch vor zwei oder auch einem Monat nicht getan h\u00e4tten: Leute einladen, zu Leuten zu Besuch gehen. Und dort haben wir sicher nicht immer gen\u00fcgend Abstand. Aber umarmt habe ich noch niemanden. Mais bon, wenn wir dann in die CH zur\u00fcckfahren, werde ich (hoffentlich) einige umarmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"western\">Bis jetzt gab es weder in der CH noch in den NL grosse Spreader-Events. Doch, die Fleischverarbeitende Industrie hier, dort mussten mehrere Betriebe geschlossen werden, weil bis zu einem F\u00fcnftel der Belegschaft angesteckt war. Ist aber haupts\u00e4chlich auf die sehr engen Wohnverh\u00e4ltnisse dieser sogenannten Arbeitsmigrant_innen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Oft werden die Leute dann auch in einem gr\u00f6sseren Bus zum Arbeitsort gebracht. Nat\u00fcrlich ein gefundenes Fressen f\u00fcr das Virus. Die beiden L\u00e4nder tun auch vieles in einem \u00e4hnlichen Tempo, wenn auch mit einigen Unterschieden. So wurden z. B. diese Woche die Mittelschulen in der CH wieder ge\u00f6ffnet (und die Abstandsmassnahmen nur noch \u201awo m\u00f6glich\u2019 n\u00f6tig), in den NL war das eine Woche fr\u00fcher. Daf\u00fcr d\u00fcrfen sich in der CH wieder bis zu 300 Menschen zum Feiern oder \u00e4hnlichem treffen, solange die Menschen ihre Kontaktdaten angeben. Wie hoch hier die Obergrenze liegt, weiss ich gar nicht. Auf jeden Fall hat in keinem der L\u00e4nder die Wieder\u00f6ffnung zu einer Erh\u00f6hung der Fallzahlen gef\u00fchrt, und diese ist nun doch schon \u00fcber vier Wochen her.<\/p>\n<p class=\"western\">Gestern war endlich wieder einmal ein ruhiger und angenehmer Tag mit den Kindern. Sicher weil sie in der Schule waren. Mali hat etwas geweint beim Hingehen, was seit der Wiederer\u00f6ffnung nicht mehr vorgekommen ist. Am Abend im Bett erkl\u00e4rte sie, es sei ihr alles gerade etwas zu viel gewesen. Das sind eher unsere Worte, mit denen sie ihren Seelenzustand im Nachhinein erkl\u00e4rt. Gleichzeitig fand sie, dass die Schule ihr sehr gefallen habe. Sie haben zwei neue Klassenkameraden, der eine aus Amerika, der spreche Englisch, die andere spreche Holl\u00e4ndisch, k\u00f6nne aber auch arabisch. Ist toll zu h\u00f6ren, wie das Sprechen anderer Sprachen f\u00fcr sie absolut normal geworden ist. Alma hat gestern beim Abholen auch was Tolles gesagt. Leider habe ich es nicht aufgeschrieben und konnte es mir nicht merken. Es ging um eine Frau, welche mit ihnen am Mittag ass, damit die Lehrerin eine halbe Stunde Pause machen konnte. Sie hat Alma etwas gezeichnet. Ich fragte nach der Frau, Alma sagte etwas so Lustiges, um zu beschreiben, dass sie ein schwarzes Kopftuch trug.<\/p>\n<p class=\"western\">Ich habe die Kinder von der Schule abgeholt, danach sassen wir noch etwas dort und guckten dem Treiben zu, die beiden assen noch ihr Sandwich vom Mittag. Im Anschluss wollten sie noch auf den roten Kletterspielplatz. Mali spielte f\u00fcr sich, resp. mit anderen M\u00e4dchen, Alma und ich haben Bl\u00f6dsinn gemacht und viel gelacht. Einmal kletterte sie aufs Ger\u00fcst und wollte auch auf der Aussenkante nach unten kommen, so wie sie Mali es hat machen sehen. Aber sie ist noch zu klein daf\u00fcr. Auf mind. 2\/3 H\u00f6he begann sie zu weinen, anstatt mich ruhig um Hilfe zu rufen. Ich kletterte m\u00f6glichst schnell nach oben, um ihr zu helfen. Und dann irgendwie gemeinsam wieder nach unten. Nicht so angenehm f\u00fcr mich, mit meiner H\u00f6henangst und auch dauernd die Angst, dass eine runterfallen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>11.6.2020: Corona-reopening week five<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Als ich gestern an unserem Artikel zu den Guineischen First Ladies gearbeitet habe, habe ich erst erfahren, dass die eine dieser Frauen vor gut drei Wochen verstorben ist. Hat mich nachdenklich gemacht. Als ich im November\/Dezember in Kankan war, kam ich voll enthusiastisch zur\u00fcck, h\u00e4tte gerne gleich meinen n\u00e4chsten Feldforschungsaufenthalt dort geplant. Ich erinnere mich, dass ich im Januar und wohl auch noch im Februar regelm\u00e4ssig die News von Guinea verfolgt habe und auch mit einigen in regem Kontakt und Austausch stand. Aber das hat extrem schnell abgenommen. Nun vergehen viele Tage, wenn nicht Wochen, in denen ich meinen Forschungsmitarbeitenden nicht schreibe, geschweige denn telefoniere. Und jedes Mal wenn ich ihn dann wieder h\u00f6re, freue ich mich enorm und bin sicher, dass ich sehr bald wieder anrufen werde. Es hat sicher damit zu tun, dass ich einfach ungerne telefoniere. Nicht nur Telefonate an mir unbekannte Personen, sondern auch mit anderen Personen. Meine Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Schwierigkeit ist, dass es eben doch mehr Energie ben\u00f6tigt, sich hier in Amsterdam einzuleben und hier etwas aufzubauen. Der Anfang war gemacht, das Administrative erledigt, dann kam Corona. Und auch hier habe ich das Gef\u00fchl, dass wir erst im Nachhinein merken, wie streng das eigentlich war und wie kr\u00e4ftezehrend.<\/p>\n<p class=\"western\">Neben dem Einleben kommt auch das Einlesen, die Sprache, das Kontakte kn\u00fcpfen (nun gut, das war jetzt wirklich nicht mein Fokus in den letzten drei Monaten). Es ben\u00f6tigt viel Zeit, t\u00e4glich den hiesigen Nachrichten zu folgen. Mit dem t\u00e4glichen NOS-Journal haben wir etwas aufgeh\u00f6rt. Am Montag gucken wir das erste Mal Een Vandaag, eine Vertiefungssendung. Wir haben etwas zum Thema Rassismus geguckt, das war gut. Gestern und vorgestern dann wieder Papadag. Da kann ich sagen, es seien zwei Fliegen auf einen Streich: Holl\u00e4ndisch und etwas zu einer Forschung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"western\"><b>16.6.2020: Corona-reopening week six<\/b><\/p>\n<p class=\"western\">Am So sind wir das erste Mal Zug mit Mundschutz gefahren, sehr unangenehm und gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Dauerte zum Gl\u00fcck nur 20 min. Die R\u00fcckreise in die CH wird hart. Hoffentlich wird der Zug nicht so voll sein, so dass wir sie auch mal etwas l\u00e4nger abziehen k\u00f6nnen, weil wir ja dauernd am Essen sind. Numa hat sich noch bei der Schule gemeldet. Wir wissen nun, dass Alma in derselben Klasse, resp. mit derselben Lehrerin bleibt, das finde ich gut f\u00fcr sie. Und Mali freut sich eh darauf, dass sie dann in group 3 ist, als Grosse. Und auch, dass ihr Alma nicht mehr nachgehen kann, in der Pause oder so. Wir werden auch ein Elterngespr\u00e4ch haben, finde ich super. Plus haben wir ehrlich gesagt, dass die Kids am letzten Schultag nicht mehr kommen, weil wir dann schon in die CH fahren. Der Vater am Freitag hat das vorgeschlagen: Warum nicht ehrlich sein. Ich fand, er hatte Recht. Gerade auch wegen der Covid-19-Situation macht es Sinn, nicht am Samstag Zug zu fahren, wo alle fahren. Gl\u00fccklicherweise endet die Schule schon am Mittwoch, dem 1.7, also k\u00f6nnen sie mit allen anderen den letzten Schultag vor den Ferien bestreiten.<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false},"tags":[],"autor":[471],"class_list":["post-6496","curarecoronadiaries","type-curarecoronadiaries","status-publish","hentry","autor-carole-ammann"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/curare\/6496","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/curare"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/curarecoronadiaries"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/12"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6496"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6496"},{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=6496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}