{"id":6111,"date":"2020-11-12T11:00:33","date_gmt":"2020-11-12T10:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=curarecoronadiaries&#038;p=6111"},"modified":"2020-11-11T13:15:57","modified_gmt":"2020-11-11T12:15:57","slug":"zum-gluck-bin-ich-in-einer-5er-wg-und-nicht-alleinwohnend","status":"publish","type":"curarecoronadiaries","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/curarecoronadiaries\/zum-gluck-bin-ich-in-einer-5er-wg-und-nicht-alleinwohnend\/","title":{"rendered":"\u201eZum Gl\u00fcck bin ich in einer 5er WG und nicht alleinwohnend.\u201c"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/curare\/6111?pdf=6111\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/curare\/6111?pdf=6111\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p><em>Meine Notizen dokumentieren insbesondere den situationsbedingten Alltag in einer 5er-WG. Derzeit studiere ich im 6. Semester Kunst- und Kulturgeschichte (B.A.) an der Universit\u00e4t Augsburg. Als studentische Hilfskraft bekam ich Mitte M\u00e4rz &#8211; zu dieser Zeit traten in Bayern erste Ausgangsbeschr\u00e4nkungen in Kraft- den Auftrag von meinem Lehrstuhl zu beobachten, wie mein soziales Umfeld und ich auf die Folgen des Virus reagieren und zu versuchen, Handlungs-, Wahrnehmungs- und Wertungsmuster in einem Feldtagebuch festzuhalten. Ein Feldtagebuch f\u00fchrte ich zum ersten Mal und ich machte die Eintr\u00e4ge jeden Abend. Die Dokumentation beginnt am 19. M\u00e4rz und endet am 25. April 2020. <\/em><\/p>\n<p><em><strong>WG-Mitbewohner (anonymisiert): <\/strong><\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Fine (meine Freundin und Mitbewohnerin)<\/em><\/li>\n<li><em>Johannes (Mitbewohner)<\/em><\/li>\n<li><em>Manni (Mitbewohner)<\/em><\/li>\n<li><em>Thomas (Mitbewohner)<\/em><\/li>\n<li><em>Elias (ich)<\/em><\/li>\n<li><\/li>\n<\/ul>\n<p>Externe Personen (anonymisiert):<\/p>\n<ul>\n<li><em>Sabine (Freundin von Manni)<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>19.03:<\/strong><\/p>\n<p>Gedanke: Morgendliches Joggen tut gut, man bewegt sich endlich. Warum braucht es \u00fcberhaupt eine Krisenzeit, um Sport zu machen? Wenn ich das Haus verlasse, gehe ich das Risiko ein, mich irgendwie anzustecken. Ich denke aber, es ist recht unwahrscheinlich.<\/p>\n<p>T\u00fcrschwelle symbolisiert den \u00dcbergangsbereich zwischen Sicherheit und Gefahr.<\/p>\n<p>Essen: Johannes freut sich auf das Einkaufen gehen, weil er die Situation spannend findet und \u00fcber den Lebensmittelbestand im Supermarkt Bescheid wissen will. Die Lebensmittel (Aldi) wurden wieder aufgestockt, er hat alles N\u00f6tige bekommen.<\/p>\n<p>Radio: Fine und ich h\u00f6ren in den letzten Tagen viel Radio und lassen vor allem den Sender B5-Aktuell im Hintergrund laufen. Die Nachrichten wiederholen sich (liegt wohl auch am Senderprofil) und es geht vor allem um Corona, aber ich m\u00f6chte auch informiert bleiben. Von kaum etwas anderem zu h\u00f6ren als Corona gibt mir ein unwohles Gef\u00fchl.<\/p>\n<p>Internet: Haben wir nicht\u2026 Wir sind gerade erst umgezogen und unsere ehemalige Mitbewohnerin k\u00fcndigt den alten Vertrag nicht. [..] Kein Internet zu haben zerrt an den Nerven, wir sind es einfach nicht mehr gewohnt. Fine und ich unterhalten uns viel und schauen viele Filme auf DVD.<\/p>\n<p>Informationen zum Virus: Jeder informiert sich gegenseitig \u00fcber Neuigkeiten zum Virus und \u00fcber die Ausbreitung: Immer wieder schauen wir auf die Zahlen der Infizierten in Augsburg und Deutschland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin: auto 0px; padding: 0px 50px; font-size: 24px; float: left; text-align: center; line-height: 1.5em;\"><strong style=\"font-size: 40px; float: left; font-weight: normal;\">&#8222;<\/strong>Unser Kaffeekonsum schie\u00dft ins Unermessliche und wir brechen WG-Rekorde.<strong style=\"font-size: 40px; font-weight: normal;\">\u201d<\/strong><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>20.03.2020<\/strong><\/p>\n<p>Internet: Der Techniker war da. Unser Anschluss ist defekt und es k\u00f6nnte noch ewig dauern. Ich sch\u00fcttle ihm lieber nicht die Hand. Er war ein netter, \u00e4lterer Mann und der Virus schien ihn nicht zu beunruhigen.<\/p>\n<p>Frage an Fine:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Was verbindest du spontan mit Corona?<\/p>\n<p>Antwort:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Arbeit. Aber die Krise zeigt auch, dass Home-Office funktionieren kann. [&#8230;]<\/p>\n<p>Alltag: Fine muss heute wieder arbeiten. Ich gew\u00f6hne mich langsam daran, zuhause zu bleiben und versuche einen geregelten Alltag entstehen zu lassen. Heute: Wei\u00dfwurst-Fr\u00fchst\u00fcck, W\u00e4sche waschen, Mails checken, Recherche f\u00fcr die Hausarbeit.<\/p>\n<p>Politik: S\u00f6der hat heute eine Pressekonferenz gegeben. Die WG sitzt gemeinsam vor einem Handy und h\u00f6rt zu. Ma\u00dfnahmen in Bayern \u00e0 Ausgangsbeschr\u00e4nkungen bis zum 03.04. Unternehmungen im Freien sind nur noch aus triftigen Gr\u00fcnden und mit Personen aus dem gleichen Hausstand m\u00f6glich. Arbeit, Eink\u00e4ufe, Arztbesuche und Bewegung. Zum Gl\u00fcck bin ich in einer 5er WG und nicht alleinwohnend. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Manni wird jetzt erstmal nicht mehr im Baumarkt arbeiten d\u00fcrfen. Ich bin auch gespannt, wie es mit Fines Arbeit weitergehen wird. [\u2026]<\/p>\n<p>Urlaub: Urlaubspl\u00e4ne stehen erstmal still. Manni und Sabine werden nicht nach Portugal fliegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diskussion mit Sabine und Manni: Darf oder sollte Sabine uns in der WG \u00fcberhaupt noch besuchen? Als Heilerziehungspflegerin betreut sie Autisten und hat viel Kontakt mit ihnen. Ihre Gruppe hat allerdings keinen Kontakt zu Au\u00dfenstehenden. Wir haben uns darauf geeinigt, dass sie uns besuchen kommen kann und sie soll sich einfach gr\u00fcndlich die H\u00e4nde waschen, wenn sie bei uns ankommt. So machen wir es auch. Im Zuge dessen haben wir auch dar\u00fcber geredet, wie schmal der Grat zwischen Freiheitseinschr\u00e4nkung und sinnvollen Ma\u00dfnahmen ist. Er ist derzeit sehr schmal.<\/p>\n<p>Frage an Thomas: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Was verbindest du spontan mit Corona?<\/p>\n<p>Antwort: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 Es ist vor allem nervig, aber ich mache mir auch Sorgen um meine Mutter und meinen Opa. [&#8230;]<\/p>\n<p>Gedanken: Thomas und ich haben uns ausgemalt, wie wir im Falle eines dystopischen Epidemie-Verlaufs durch das menschenleere Augsburg spazieren.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6120\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Mai-pic-1-1-690x920.jpg\" alt=\"\" width=\"690\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Mai-pic-1-1-690x920.jpg 690w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Mai-pic-1-1-rotated.jpg 739w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 1: Leere Annastra\u00dfe in Augsburg, \u00a9 Elias Mai.<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das verbinde ich spontan mit Corona:<\/p>\n<p>In erster Linie unsere Wohnung, da wir gerade erst umgezogen sind und ich jetzt enorm viel Zeit hier verbringe und verbringen werde. Auch die allgemeine Panik-Stimmung, die sich in den K\u00f6pfen der Menschen niederschl\u00e4gt. Es ist interessant zu beobachten, wie der gesellschaftliche Trott auf den Kopf gestellt wird.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeit: Restaurants und Bierg\u00e4rten haben geschlossen. Take-Away bleibt aber eine Option, die wir auch nutzen.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6118\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mai-2-1-690x920.jpg\" alt=\"\" width=\"690\" height=\"920\" srcset=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mai-2-1-690x920.jpg 690w, https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/mai-2-1-rotated.jpg 739w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 2: Am Augsburger Rathausplatz sitzen immer noch Menschen, \u00a9 Elias Mai.<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>21.03.<\/strong><\/p>\n<p>Langeweile und Produktivit\u00e4t: Langeweile macht sich in mir breit. Immerhin schreibe ich gerade an einer Hausarbeit, so kann ich mich ganz gut ablenken. Ich merke, dass das mit einem geregelten Tagesablauf besser funktioniert und habe angefangen, t\u00e4glich fr\u00fcher ins Bett zu gehen.<\/p>\n<p>Mitbewohner: Bis auf Fine haben meine Mitbewohner derzeit keinen Job. Sie sind viel Zuhause und f\u00fchlen sich tendenziell schlapp und m\u00fcde. [\u2026]<\/p>\n<p>Kaffee: Unser Kaffeekonsum schie\u00dft ins Unermessliche und wir brechen WG-Rekorde. Wir sind trotzdem m\u00fcde und schwitzen mehr als sonst.<\/p>\n<p>Freizeit: Gestern Abend haben wir einen Brettspieleabend gemacht und einer meiner Mitbewohner wurde \u00fcberm\u00e4\u00dfig kompetitiv und beleidigend. Den Wutausbruch kann ich nicht genau erkl\u00e4ren. Vielleicht spielen die Ausgangsbeschr\u00e4nkungen dabei eine Rolle oder es ist ein Charakterzug, den wir davor noch nicht kannten. Vielleicht auch beides. [\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>22.03.<\/strong><\/p>\n<p>Hausarbeit: Konzentriert zu arbeiten f\u00e4llt mir schwer, da Fines und mein Zimmer ein Durchgangszimmer zur Dachterrasse ist und meine Mitbewohner von morgens bis abends durchspazieren. Das kann und m\u00f6chte ich ihnen auch nicht verbieten, da die Dachterrasse sich als Hotspot der WG etabliert hat. Cool bleiben ist angesagt. Auch, dass Manni, Thomas und Johannes derzeit nur faulenzen, macht mich etwas neidisch.<\/p>\n<figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-6114\" src=\"https:\/\/boasblogs.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Mai-3.jpg\" alt=\"\" width=\"802\" height=\"601\" \/><figcaption>\n<p style=\"font-size: 80%; line-height: 125%;\"><em>Abb. 3: Die Dachterrasse ist das \u201aWohnzimmer\u2018 der WG \u00a9 Elias Mai<\/em><\/p>\n<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>23.03.<\/strong><\/p>\n<p>Sport und Senioren: Heute Morgen war ich entlang der Wertach joggen. Bewegung tat mir gut und ich f\u00fchlte mich frei. Mir f\u00e4llt auf, dass das theatralischer klingt, als es in Anbetracht der Umst\u00e4nde ist. Auf meiner Route habe ich kaum Menschen gesehen, nur \u00e4ltere Menschen und Jogger. Warum noch SO viele alte Menschen in der \u00d6ffentlichkeit unterwegs sind ist mir ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>Eltern: Ich habe regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt zu meinen Eltern. Meine Mutter ist deutlich panischer als mein Vater und die Telefonate dauern sehr lange. [\u2026] Meine Mutter ist krankgeschrieben, weil sie Urlaub in Marokko machte und Kontakt zu Personen hatte, die Kontakt zu Infizierten hatten. Au\u00dferdem ist sie \u00fcber 60 Jahre alt. Sie sp\u00fcrt auch Symptome, allerdings nur solche, die als Nebenerscheinungen von Corona aufgez\u00e4hlt werden. Ich vermute, dass es nur psychosomatisch ist und, dass sie nicht infiziert ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin: auto 0px; padding: 0px 50px; font-size: 24px; float: left; text-align: center; line-height: 1.5em;\"><strong style=\"font-size: 40px; float: left; font-weight: normal;\">&#8222;<\/strong>Es passiert allgemein sehr wenig und ich habe das Gef\u00fchl, dass sich alle mehr beschweren als sonst.<strong style=\"font-size: 40px; font-weight: normal;\">\u201d<\/strong><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>24.03.<\/strong><\/p>\n<p>Stimmung: Es passiert allgemein sehr wenig und ich habe das Gef\u00fchl, dass sich alle mehr beschweren als sonst, vor allem Thomas. Das nervt ein wenig.<\/p>\n<p>Freizeit: Heute Abend habe ich mit Fine ein 1500-Teile Puzzle gemacht. Es war \u00fcberraschend meditativ und eine perfekte T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Corona-Zeit. Wir haben gleich ein Neues bestellt und mussten feststellen, dass sehr viele Puzzles online ausverkauft sind. Irgendwie f\u00fchlte es sich so an, als k\u00f6nnte ich meine Unproduktivit\u00e4t mit dieser k\u00fcnstlichen Aufgabe gut kompensieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>25.03.<\/strong><\/p>\n<p>Klopapier: Heute stand ich morgens um 8.00 Uhr vor einem Drogeriemarkt, um Klopapier zu kaufen. Es war auch noch welches da, aber nicht mehr viel. Komischerweise werden jetzt Marken verkauft, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Auch Sp\u00fclmittel und Seife waren fast ausverkauft. H\u00e4ndewaschen finde ich ja super, aber vom Hamstern halte ich nichts.<\/p>\n<p>Beobachtung: Auf dem Weg zum Drogeriemarkt sah ich \u00e4ltere Herren, vermutlich t\u00fcrkischer Herkunft, an der Tramhaltestelle, wie sie sich unterhielten. Auf meinem R\u00fcckweg fiel mir auf, dass sie nicht in die Tram eingestiegen sind und nach wie vor plauderten. Die Bank der Tramhaltestelle ist also ein guter strategischer Treffpunkt in Corona-Zeiten. An das \u201esocial-distancing\u201c Gebot haben sie sich nicht gehalten.<\/p>\n<p>Alte Gewohnheiten: Fines Opa (\u00fc80) l\u00e4sst sich seinen Stammtisch-Abend nur ungern nehmen. [\u2026] Fine und ihre Mutter mussten ihn neulich hartn\u00e4ckig \u00fcberreden, Zuhause zu bleiben. Ein komischer Gedanke, \u00e4ltere Leute zum Zuhause-Bleiben aufzufordern.<\/p>\n<p>Corona wird uns wohl noch eine ganze Weile besch\u00e4ftigen, die Zahlen steigen weiterhin.<\/p>\n<p>Essen: Fine und ich haben gestern Essen bestellt und es wurde viel schneller geliefert als sonst. Man k\u00f6nnte meinen, dass die Lieferservices derzeit ausgelastet sind, aber das schien gestern nicht der Fall zu sein. Eventuell ein Zufall?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>26.03.<\/strong><\/p>\n<p>Beobachtung: Heute Vormittag hat Fine zwei Jugendliche von der Dachterrasse aus beobachtet, wie sie sich an einer Wegkreuzung getroffen haben und sich gegenseitig etwas \u00fcberreicht haben. Aus er Ferne n\u00e4herten sich zwei Jogger und die beiden Jugendlichen \u201aflohen\u2018 in verschiedene Richtungen. Eventuell wurde sie Zeugin eines Drogendeals. Ich frage mich, wie es sich derzeit um diese \u201eBranche\u201c verh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Hiwi-Job: Heute habe ich f\u00fcr zwei Mitarbeiterinnen des Lehrstuhls ein Interview von Zuhause aus transkribiert. Bis auf Startschwierigkeiten auf Grund des Dateiformats hat das gut geklappt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>27.03.<\/strong><\/p>\n<p>Thomas: Thomas bunkert sich mehr und mehr in seinem Zimmer ein und spielt irgendwelche Online-Multiplayer-Spiele. Durch die Team-Speak-Funktion ist er noch mit seinen Freunden in Kontakt und sie tauschen sich auch \u00fcber Neuigkeiten aus. F\u00fcr ihn \u00e4ndert sich w\u00e4hrend der Krise am wenigsten. Neulich merkte er an, dass sich Menschen im Supermarkt auch nach Corona an den Mindestabstand halten sollten, weil das Gedr\u00e4nge schon an sich nervig ist.<\/p>\n<p>Johannes: Auch ihn scheint die Ausgangssperre nicht allzu sehr zu st\u00f6ren. Er m\u00fcsste eigentlich eine Hausarbeit schreiben, hat aber offenkundig \u00fcberhaupt keine Lust. Er schaut vor allem irgendwelche YouTube-Videos und Serien und chattet ab und zu mit Freunden. Heute hat er uns erz\u00e4hlt, dass seine Schwestern sich in ihren Grundrechten stark eingeschr\u00e4nkt f\u00fchlen und mit der Regierung unzufrieden sind. Johannes stritt mit ihnen. [\u2026]<\/p>\n<p>Manni: Manni ist ein sehr freiheitsliebender Mensch und leidet vermutlich am meisten unter den Ausgangsbeschr\u00e4nkungen. Wenn die Sonne scheint und er nicht arbeiten muss, findet man \u00a0ihn sonst immer im Skatepark. Skateparks sind derzeit geschossen. Derzeit wirkt er etwas unmotiviert. Seit Kurzem ist er mit Sabine zusammen, in Bezug auf den Lockdown ist das sicherlich ein Segen.<\/p>\n<p>WG: Derzeit ist Thomas das einzige WG-Mitglied ohne PartnerIn. Ich frage mich, ob er sich gerade in dieser Zeit einsam f\u00fchlt. Fr\u00fcher hat er \u00f6fters erw\u00e4hnt, dass er gerne wieder eine Freundin h\u00e4tte. [\u2026]<\/p>\n<p>Fine: Fine arbeitet in Festanstellung an der Universit\u00e4t Augsburg und hat nach wie vor eine 40 Stunden-Woche. Drei Tage davon ist sie jetzt im Home-Office. Das klappt auch ganz gut, sagt sie. Sie wird wegen Corona durch die Arbeit sehr strapaziert und denkt und redet viel \u00fcber die Arbeit und die durch Corona verursachten Konsequenzen f\u00fcr die Uni. Wenn sie Zuhause ist, ist sie oft gestresst und m\u00fcde. Ich h\u00f6re ihr zu und versuche f\u00fcr sie da zu sein.<\/p>\n<p>Update zum Zustand meiner Mutter: Sie wurde getestet und das Ergebnis war negativ. Hurra!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin: auto 0px; padding: 0px 50px; font-size: 24px; float: left; text-align: center; line-height: 1.5em;\"><strong style=\"font-size: 40px; float: left; font-weight: normal;\">&#8222;<\/strong>Hysterie, Durcheinander und Regelundurchsichtigkeit. Prokrastination jeden Tag.<strong style=\"font-size: 40px; font-weight: normal;\">\u201d<\/strong><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>28.03.<\/strong><\/p>\n<p>WG: Wir haben jetzt beschlossen, dass Samstag der offizielle \u201aWG-Spieletag\u2018 wird. Wir spielen Schwimmen und Yaniv (ein israelisches Kartenspiel) und probieren hin und wieder was Neues aus. Johannes hat ein paar Brettspiele von seinem Freund mitgebracht. Sabine ist auch immer mit dabei. Das h\u00e4tten wir vor der Corona-Situation vermutlich nicht gemacht.<\/p>\n<p>Frage an Johannes: Was verbindest du spontan mit Corona?<\/p>\n<p>Antwort: Hysterie, Durcheinander und Regelundurchsichtigkeit. Prokrastination jeden Tag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>29.03.<\/strong><\/p>\n<p>Es kommt mir vor wie ein typischer Sonntag. An Sonntagen \u00e4ndert sich gef\u00fchlt bei uns am wenigsten, da man dann eh nicht einkaufen kann und viel Zeit Zuhause oder mit Spazierengehen verbringt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>30.03.<\/strong><\/p>\n<p>Internet: Wir haben zwar seit ein paar Tagen endlich Internet bekommen, aber die Verbindung bricht immer wieder ab. Vermutlich liegt das daran, dass so viele Leute Zuhause sind. Das ist besonders f\u00fcr Fine schwierig, da sie f\u00fcr ihre Arbeit auf eine gute Verbindung angewiesen ist.<\/p>\n<p>Hiwi-Job: Der Hiwi-Mail-Account wurde gehackt und jetzt m\u00fcssen wir die Ursache daf\u00fcr zu finden. Es liegt vermutlich daran, dass wir uns mit unseren privaten Rechnern angemeldet haben und einer davon infiziert war. Wir k\u00f6nnen uns nun erstmal nicht anmelden, da ich auch das B\u00fcro in der Uni meiden soll. Arbeitsauftr\u00e4ge erhalte ich nun \u00fcber meinen privaten Mailaccount.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>31.03. <\/strong><\/p>\n<p>WG-Diskussion: Wir haben heute \u00fcber das Thema bedingungsloses Grundeinkommen gesprochen, das zur Zeit viel in den Medien kursiert. Uns ist aufgefallen, dass etwaige Corona-Hilfszahlungen vom Staat dem Grundeinkommen sehr \u00e4hnlich sind. Wir sind gespannt, ob die Krise dieses Thema weiter anheizt.<\/p>\n<p>Schreibtisch: Mein Schreibtisch ist so in den Raum gerichtet, dass ich f\u00fcr die Durchlaufenden wie Empfangspersonal wirke. Vermutlich werde ich deshalb immer angesprochen, wenn jemand durch das Zimmer auf die Dachterrasse geht. Das ist auf Dauer anstrengend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>01.04. <\/strong><\/p>\n<p>April, April: Als Fine vom Duschen zur\u00fcckkam habe ich ihr vorgegaukelt, dass das Internet schon wieder ausgefallen ist und dass sie jetzt nicht arbeiten kann. Sie ist daraufhin v\u00f6llig aufgew\u00fchlt zum Router gelaufen und war sehr erleichtert, dass das zugegebenerma\u00dfen nur ein uninspirierter Scherz war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>02.04. <\/strong><\/p>\n<p>Home-Office: Fine und ich sitzen an unseren Schreibtischen und arbeiten vor uns hin. Wenn Fine telefonieren muss, gehe ich meistens aus dem Zimmer. Seit klar ist, dass es noch l\u00e4nger so gehen wird und wir in einem Zimmer gleichzeitig arbeiten m\u00fcssen, ist die Stimmung etwas angespannter. Langfristig m\u00fcssen wir das vielleicht besser koordinieren, vor allem im Hinblick darauf, dass ich bald von Zuhause aus Online-Kurse haben werde.<\/p>\n<p>Johannes: Johannes wohnt nur \u00fcbergangsweise in unserer Wohnung, da er derzeit ein eigenes Haus baut. Wenn er ausgezogen ist, habe ich wieder ein eigenes Zimmer und das Leben in der WG wird vermutlich etwas einfacher.<\/p>\n<p>Corona: Dass Fine und ich uns ein Zimmer teilen ist f\u00fcr uns eine neue Situation. Da Fine normalerweise f\u00fcnf Tage pro Woche arbeitet, h\u00e4tte ich in der Zeit das Zimmer f\u00fcr mich. Da hat uns Corona aber einen Strich durch die Rechnung gemacht. [\u2026]<\/p>\n<p>Apropos Rechnung: Seit ich mehr Zeit Zuhause verbringe als sonst gebe ich viel weniger Geld aus und konsumiere auch allgemein weniger \u2013 vor allem unn\u00f6tige Dinge fallen weg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>03.04. <\/strong><\/p>\n<p>Spaziergang: Thomas und ich haben heute Nachmittag eine zweist\u00fcndige Nachbarschaftserkundungstour gemacht.\u00a0 Es hat gut getan mal wieder l\u00e4nger drau\u00dfen unterwegs zu sein. Uns ist aufgefallen, dass uns nichts aufgefallen ist; alles schien normal zu sein. Kinder haben im Park gespielt und Leute sind ihrer Arbeit nachgegangen.<\/p>\n<p>Reise: Fines Schwester w\u00e4re heute eigentlich auf unbestimmte Zeit nach Australien geflogen. Das geht jetzt nicht mehr (dieser Satz wird langsam generisch). Bei den Fluggesellschaften sowie der Botschaft bekommt sie kaum Ausk\u00fcnfte oder erreicht gar niemanden. Sie ist jetzt arbeitslos und in Deutschland bei ihren Eltern gestrandet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>04.04. <\/strong><\/p>\n<p>WG-Spieletag: Heute haben wir wieder einmal eine Spieletag gemacht. Die anf\u00e4ngliche Euphorie ist verflogen. Aber das ist auch okay. Die Spielzeiten wurden etwas k\u00fcrzer und wir lagen im Endeffekt nur apathisch in der Sonne und wollten eigentlich einfach nur nichts tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>05.04. <\/strong><\/p>\n<p>Meine Tagebucheintr\u00e4ge werden k\u00fcrzer. Das liegt auch daran, dass wir uns angew\u00f6hnt haben, nicht mehr so viel \u00fcber Corona zu lesen und zu sprechen. Das Thema und die Diskussionen haben jeden Tag eine zu gro\u00dfe Rolle gespielt. Dennoch m\u00f6chte ich informiert bleiben und nicht den Anschluss verlieren.<\/p>\n<p>Stimmung: Heute ging es mir weniger gut. Generell schwankt die Stimmung jeden Tag und ich habe das Gef\u00fchl, dass auch die Stimmungen aller WG-Bewohner extremer sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>06.04. <\/strong><\/p>\n<p>Fine: Fine ist jetzt schon gestresst, weil sie in beiden Ferienwochen sehr viel arbeiten muss und Kolleginnen Urlaub haben. Deshalb muss sie nun \u00f6fter ins B\u00fcro und in k\u00fcrzerer Zeit (Feiertage) ihre Arbeit erledigen.<\/p>\n<p>Ich: Telefoniere ab und zu mit meinen Freunden aus M\u00fcnchen und wir tauschen uns \u00fcber Neuigkeiten aus. Wir sprechen meistens \u00fcber Whatsapp-Video-Anrufe, damit man sich auch mal sieht. Das haben wir vor Corona nicht getan. Ein guter Freund von mir muss seine halbj\u00e4hrige Reise nach Guatemala absagen. [\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>07.04. <\/strong><\/p>\n<p>Hausarbeit: Heute Vormittag habe ich an meiner Hausarbeit gearbeitet. Mir f\u00e4llt es allgemein zunehmend schwerer konzentriert zu bleiben. Ich w\u00fcrde am liebsten in die Bibliothek der Uni fahren und dort weiterarbeiten. Ein Tapetenwechsel ist leider gar nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Konjunktiv: Ich w\u00fcrde gerne: Verreisen, Feiern, meine Freunde und Familie treffen, Fu\u00dfball spielen, ins Theater gehen und Schwimmen gehen.<\/p>\n<p>[\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>09.04.<\/strong><\/p>\n<p>Studium: Eine Exkursion, f\u00fcr die ich mich angemeldet hatte, wurde heute abgesagt. Das war abzusehen. Vermutlich werden die Inhalte angepasst, sodass der Kurs auch online stattfinden kann. Ich gehe au\u00dferdem davon aus, dass es in diesem Sommersemester \u00fcberhaupt keine Pr\u00e4senzveranstaltungen geben wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>10.04.<\/strong><\/p>\n<p>Heute ist Karfreitag und wir haben von Fines Vater Steckerlfisch vom Land geliefert bekommen. Anschlie\u00dfend haben wir unsere Fahrr\u00e4der aufgepumpt und eine kleine Fahrradtour gemacht. Da Fine so \u00fcberarbeitet war, war sie sich unsicher, ob sie das B\u00fcro abgesperrt hat. Deswegen sind wir \u00fcber die Uni \u2013 nat\u00fcrlich war das B\u00fcro verschlossen \u2013 \u00fcber Feldwege nach G\u00f6ggingen und von dort entlang der Wertach nach Hause gefahren. Es sind unglaublich viele Menschen unterwegs gewesen, sodass man mit dem Fahrrad kaum durchkommen konnte. Den Rest des Tages haben wir auf der Dachterrasse verbracht und gelesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>11.04. <\/strong><\/p>\n<p>Schweinebraten: Wir sind wie immer fr\u00fch aufgestanden und haben mittags den vorbestellten Schweinebraten abgeholt. Die Leute standen bis weit vor dem Eingang mit Sicherheitsabstand an.<\/p>\n<p>Handschuhe: Von Fines Mutter haben wir Einweghandschuhe und selbstgen\u00e4hte Gesichtsmasken bekommen und die Handschuhe zum ersten Mal im Supermarkt benutzt. Am Eingang des Supermarkts wird nun auch kontrolliert, dass sich immer nur eine bestimmte Anzahl von Leuten im Laden aufh\u00e4lt. Dadurch gab es eine kleine Warteschlange vor dem Supermarkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>12.04. <\/strong><\/p>\n<p>Ostersonntag: Fine und ich haben heute Schweinebraten mit Kn\u00f6deln und Blaukraut f\u00fcr die WG und Sabine gemacht. Johannes hat einen Kuchen gebacken. Da wir tags\u00fcber mit dem Essen besch\u00e4ftigt und danach etwas tr\u00e4ge durch die schwere Mahlzeit waren, haben wir uns kaum noch bewegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"margin: auto 0px; padding: 0px 50px; font-size: 24px; float: left; text-align: center; line-height: 1.5em;\"><strong style=\"font-size: 40px; float: left; font-weight: normal;\">&#8222;<\/strong>Wir haben die Feiertage so traditionell wie lange nicht mehr gefeiert und es f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrden alle die gemeinsame Zeit sehr genie\u00dfen. <strong style=\"font-size: 40px; font-weight: normal;\">\u201d<\/strong><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>13.04. <\/strong><\/p>\n<p>Ostermontag: Auch heute gab es wieder ein gro\u00dfes Essen. Manni und Sabine haben Spargel mit Kartoffeln f\u00fcr alle gemacht. Corona war in den letzten Tagen kaum ein Thema.<\/p>\n<p>R\u00fcckblick: Wir haben die Feiertage so traditionell wie lange nicht mehr gefeiert und es f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrden alle die gemeinsame Zeit sehr genie\u00dfen. In den letzten Jahren sind wir oft \u00fcber Ostern zu den Familien gefahren. Auch das war dieses Jahr leider nicht m\u00f6glich. Vielleicht haben wir deshalb diese Tage etwas famili\u00e4rer und traditioneller verbracht und wollten unterbewusst ein Gef\u00fchl von Feiertagen bei der Familie vermitteln. Thomas meinte auch, es f\u00fchlt sich an wie an den Weihnachtsfeiertagen bei der Familie: Essen-Kuchen-Essen-Kuchen etc.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>14.04. <\/strong><\/p>\n<p>Hausarbeit: Heute sa\u00df ich an meiner Hausarbeit und bin auch recht gut vorangekommen. Mein Thema \u201eGartenschauen als Event\u201c finde ich interessant und mir fallen st\u00e4ndig neue Variablen ein, die ich ber\u00fccksichtigen k\u00f6nnte. Dabei f\u00e4llt mir immer wieder auf, wie spannend es ist, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, mit dem man sonst \u00fcberhaupt nichts zu tun hat. Vielleicht ist es auch der Corona-Situation geschuldet, aber ich w\u00fcrde dieses Jahr gerne eine Gartenschau besuchen, um das \u201eEvent\u201c selbst hautnah erleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die andere Art von Hausarbeit: W\u00e4schet\u00fcrme biegen sich und ich erledige in meinen Pausen Aufgaben im Haushalt. Mir f\u00e4llt wieder auf, dass haushaltliche Pflichten in Corona-Zeiten viel mehr geworden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>15.04.<\/strong><\/p>\n<p>Hiwi-Job: Die Home-Office Regelungen werden bis zum 30.04. verl\u00e4ngert. Das bedeutet, dass wir nach wie vor nicht in der Uni arbeiten k\u00f6nnen. Ich bezweifele, dass sich danach viel \u00e4ndern wird. Die Regierung betont in den Medien immer wieder, dass man nur in ganz kleinen Schritten wieder zur Normalit\u00e4t zukehren wird.<\/p>\n<p>Social Media: Mir ist aufgefallen, dass immer mehr Leute Selfies mit Mundschutz posten. Meine Mutter schickt regelm\u00e4\u00dfig Updates \u00fcber die Familien-Whatsapp-Gruppe und teilt Videos zu Corona. Sie wohnt derzeit allein und sucht daher mehr als sonst den Kontakt zur Familie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>16.04.<\/strong><\/p>\n<p>Einkaufen: Uns f\u00e4llt auf, dass mehr Menschen im Supermarkt inzwischen einen Mundschutz tragen und sich dadurch aber auch mehr in Sicherheit wiegen. Der Mindestabstand wird nicht mehr eingehalten, nur im Bereich der Kasse, da man durch Bodenmarkierungen darauf aufmerksam gemacht wird. Im Drogeriemarkt wollte ich mich an der Kasse anstellen und habe das Ende der Schlange nicht erkannt, da sich die Anstehenden auch in den Regalen umgesehen haben. Eine \u00e4ltere Dame hat mich daraufhin ziemlich laut zurechtgewiesen und damit die Aufmerksamkeit aller auf mich gelenkt. Im engen Gang war es mir nicht m\u00f6glich, den Mindestabstand einzuhalten. Der Tonfall und die \u00f6ffentliche Blo\u00dfstellung hat mich ge\u00e4rgert. Zu solchen Menschen sollte man aus Prinzip Mindestabstand halten.<\/p>\n<p>Manni und Sabine: Die Beiden verbringen mehr und mehr Zeit bei Sabine Zuhause, da sie nur einen Mitbewohner hat, der \u00f6fter nicht da ist. Das kann ich sehr gut verstehen, da sie dadurch mehr Privatsph\u00e4re haben und auch mal Zeit zu zweit haben.<\/p>\n<p>Bart: Heute habe ich aus meinem Vollbart einen Schnauzer gemacht. Fine gef\u00e4llt es angeblich. Da bin ich mir noch nicht so sicher. Aber es ist die beste Zeit, um mal so etwas auszuprobieren. Ich habe ein bisschen den Magnum-Look angestrebt, aber ich sehe anscheinend eher aus wie der dickliche Pablo Escobar aus der Serie Narcos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>17.04.<\/strong><\/p>\n<p>Universit\u00e4t: Wir haben heute eine Mail zum Sommersemester von der Uni bekommen. Lehrveranstaltungen finden \u00fcber Digicampus, Zoom und MS Teams statt. Die Bibliothek wird weiterhin geschlossen bleiben. Das Rechenzentrum stellt Software zur Verf\u00fcgung und die Vorlesungszeit wird bis zum 07.08.2020 verl\u00e4ngert. Auch Abgabefristen sind erstmal ausgesetzt, was mir sehr zu Gute kommt. Die Hausarbeit ausschlie\u00dflich von Zuhause zu schreiben, ist noch schwieriger als gedacht, da man keine Literatur aus der Bibliothek hat und viel abgelenkt wird. Ich merke, dass es problematisch ist, keine richtige Trennung zwischen Arbeitsplatz (als Student und Hiwi) und privatem Raum zu haben. Ich habe st\u00e4ndig das Gef\u00fchl, theoretisch mehr erledigen zu k\u00f6nnen. Vielleicht ist es f\u00fcr Leute, die ein separates Zimmer als B\u00fcro nutzen k\u00f6nnen, etwas einfacher.<\/p>\n<p>Frisuren: Johannes hat spontan beschlossen, sich die Haare abzurasieren. Ein richtiger Britney-Spears-Moment. Wir sprechen allgemein viel \u00fcber unsere \u00e4u\u00dferliche Verfassung. Man bleibt doch den ein oder anderen Tag lieber in der Jogginghose und duscht etwas sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>18.04. <\/strong><\/p>\n<p>WG-Leben: Fine und ich sind inzwischen mehr von unserer durch corona- und durchgangszimmerbedingten Situation genervt. Wir haben immer weniger Lust mit den anderen zu kochen und zu essen.<\/p>\n<p>Essen: Diese Woche hatten wir Lust auf Bayerische K\u00fcche. Deshalb haben wir beim Metzger einen frischen Leberk\u00e4se, s\u00fc\u00dfen Senf und Fleischsalat gekauft. Dieses Mal war dort nicht ganz so viel los wie an Ostern. Vor der Pin-Eingabe am EC-Karten-Leseger\u00e4t wurde dieses komplett desinfiziert. Das haben wir zum ersten Mal gesehen.<\/p>\n<p>Manni: Er hatte heute Bewegungsdrang und war an einem \u201eStreetspot\u201c alleine skaten. F\u00fcr ihn ist es immer noch schwierig, dass die Skateparks geschlossen sind und \u00fcberwacht werden.<\/p>\n<p>Ich: Sobald ich etwas weniger zutun habe, werde ich auch mal wieder mein Skateboard auspacken und eine Runde drehen. Das w\u00e4re mal wieder eine Abwechslung zum einsamen Joggen und Home-Fitness.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>19.04.<\/strong><\/p>\n<p>Den Sonntag haben wir mit Ausruhen und Lesen verbracht. Es war sch\u00f6n, einfach mal nichts zu tun. In meinem Buch schildert Heinrich Heine seine Eindr\u00fccke von einer Italienreise in den Apenninen. Das erinnert mich an Fines und meine Italienreise im letzten Jahr. Wir \u00fcberlegen, wie wir dieses Jahr Urlaub machen k\u00f6nnen. Bisher hatten wir nur einen Campingausflug mit Freunden im August in der Fr\u00e4nkischen Schweiz und einen Festivalbesuch geplant. Das Festival f\u00e4llt ins Wasser, da Gro\u00dfveranstaltungen bis Ende August verboten wurden. Wir hoffen, dass wir zumindest campen gehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>20.04. <\/strong><\/p>\n<p>\u00d6ffentliche Verkehrsmittel: Fine berichtet von ihrer ersten Tramfahrt mit Mundschutz. In der Tram wird alle paar Stationen durchgesagt, dass die Passagiere eine Maske oder einen Schal tragen sollen, der Mund und Nase bedeckt. Sie meinte, dass sich daraufhin alle umsahen und diejenigen ohne die erforderliche Kleidung auf dem Sitzplatz einsanken und die Vorbereiteten sich stolz pr\u00e4sentierten.<\/p>\n<p>Familie: Mein Vater kann ab heute wieder seinen Antiquit\u00e4tenladen in M\u00fcnchen \u00f6ffnen und ist sehr froh dar\u00fcber. In den letzten Wochen konnte er nur noch Auftr\u00e4ge f\u00fcr seine Polsterei annehmen und in der Werkstatt arbeiten. Er ist selbstst\u00e4ndig und daher auf viel Kundenkontakt angewiesen. Meine Mutter arbeitet in einem M\u00fcnchner Theater im Fundus und ist f\u00fcr die Kost\u00fcme zust\u00e4ndig. Nach ihrer Krankschreibung sollte sie von Zuhause aus Masken f\u00fcr die anderen MitarbeiterInnen n\u00e4hen. Diese werden alle paar Tage abgeholt. So kann sie sich ihre Arbeitszeiten besser selbst einteilen und ist zufrieden damit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>21.04.<\/strong><\/p>\n<p>Schule: Seit gestern hat die Schule wieder angefangen. Bisher findet auch die Schule ausschlie\u00dflich online statt. Wir haben uns \u00fcberlegt, wie das f\u00fcr uns in Schulzeiten gewesen w\u00e4re und meinen, dass wir es nicht so schlimm gefunden h\u00e4tten. Die Eltern j\u00fcngerer Kinder trifft es bestimmt am meisten. F\u00fcr Kinder ist es vermutlich am schlimmsten, dass sie ihre Schulfreunde nicht sehen k\u00f6nnen. \u00c4hnlich wie im Studium m\u00fcssen die Kinder und Jugendlichen den Schulalltag allein (oder mit den Eltern) organisieren. Thomas berichtet, dass seine Schwester dieses Jahr Abitur schreibt und noch nicht wei\u00df, ob eine sichere Pr\u00fcfungsdurchf\u00fchrung m\u00f6glich ist. Sie hat vor allem Angst, weil sie mit hochgef\u00e4hrdeten Personen zusammenwohnt.<\/p>\n<p>Oktoberfest: Heute wurde bekannt gegeben, dass dieses Jahr kein Oktoberfest in M\u00fcnchen stattfinden wird. Irgendwie ist das auch nicht so schlimm, Bier trinken geht auch von Zuhause und im Herbst auch vielleicht wieder mit Freunden. In den Medien wird dar\u00fcber diskutiert, ob das kulturelle Auswirkungen haben k\u00f6nnte, da Schausteller dieses Jahr kein Einkommen haben werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>22.04.<\/strong><\/p>\n<p>Studium: Heute hatte ich meinen ersten Online-Kurs. Anfangs war es etwas chaotisch, da wir uns \u00fcber das Forum und Blubber im Digicampus austauschen sollten. Eine Echtzeit-Kommunikation mit allen ist dort aber kaum m\u00f6glich. In der darauffolgenden Sprechstunde \u00fcber die Software Pexip wurde der Semesterverlauf besprochen. Ein Kommilitone \u00e4u\u00dferte sich mehrmals kritisch zum Thema Datenschutz bei Online-Veranstaltungen, da die Video-Seminare gespeichert und damit allen Studierenden zur Verf\u00fcgung gestellt werden sollen. Er betonte, dass das in der Wirtschaft nicht so gehandhabt wird und wurde immer wieder von der Dozentin darauf hingewiesen, dass die Universit\u00e4t das vorgibt, um f\u00fcr alle Studierenden gleiche Bedingungen zu schaffen. Nicht jeder hat dieselben technischen Mittel.<\/p>\n<p>WG-Leben: Die Lage wird noch angespannter und Fine und ich w\u00fcrden gerne ein paar Regeln zum Durchgang auf die Dachterrasse aufstellen. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn vor allem morgens nicht schon Leute durch das Zimmer gehen. Wir haben festgestellt, dass wir eigentlich nur von Mitternacht bis maximal 9 Uhr morgens Privatsph\u00e4re haben. Das ist definitiv zu wenig. Ein m\u00f6glicher L\u00f6sungsweg w\u00e4re ein Ampelsystem an der T\u00fcr und kein Durchgang vor 10 oder 11 Uhr morgens. Die Mitbewohner reagieren angespannt darauf und w\u00fcrden gerne trotzdem auf der Terrasse fr\u00fchst\u00fccken und Kaffee trinken. Wir wissen noch nicht genau, wie wir das l\u00f6sen k\u00f6nnen. Johannes hat au\u00dferdem ge\u00e4u\u00dfert, dass er jetzt noch l\u00e4nger bei uns wohnen m\u00f6chte als vereinbart, da sich der Hausbau durch Corona verz\u00f6gert. Wie lange kann das noch gut gehen, wenn wir weiter so viel aufeinandersitzen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>23.04.<\/strong><\/p>\n<p>Spaziergang: Heute Nachmittag war ich kurz mit Fine spazieren und wir haben in der N\u00e4he eine Kaninchenzuchtanlage entdeckt. Wir waren \u00fcber diese abgeschlossene Community sehr erstaunt und hatten sowas noch nie gesehen. Besonders Gruppen von Jugendlichen und Kindern halten sich zunehmend nicht mehr an den Mindestabstand und treffen sich in gr\u00f6\u00dferen Gruppen. Derzeit ist es aber (seit Montag, den 20.04.) eigentlich nur erlaubt eine Person au\u00dferhalb des Hausstandes drau\u00dfen zu treffen.<\/p>\n<p>Familie und Social Media: Heute habe ich zum ersten Mal mit meiner Familie gezoomt. Es war sch\u00f6n, mal wieder alle zu sehen. Meine Mutter hatte Probleme mit der Technik, aber sie meinte, sie gew\u00f6hnt sich langsam daran. [\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>24.04. <\/strong><\/p>\n<p>Urlaub: Heute waren Manni und Johannes au\u00dfer Haus, Fine im B\u00fcro und es war der ruhigste Tag seit langem. Zum ersten Mal hatte ich wieder ein bisschen Zeit f\u00fcr mich, ohne, dass st\u00e4ndig jemand ins Zimmer kommt. Es war quasi ein Urlaub von Zuhause, aber Zuhause und ich habe meinen Vormittag zeitunglesend und mit einem Kaffee auf der Dachterrasse verbracht. [\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>25.04.<\/strong><\/p>\n<p>Putzdienst: Da alle immer Zuhause sind, ist die Wohnung viel schneller schmutzig als sonst. Fine und ich haben deshalb einen Putztag eingelegt. Ich habe das Gef\u00fchl, dass h\u00e4usliche Aufgaben generell viel h\u00e4ufiger n\u00f6tig sind. In den letzten Wochen habe ich so viel W\u00e4sche gewaschen, Geschirr abgesp\u00fclt und gesaugt, dass es langsam zu einer Last wird.<\/p>\n<p>Pflanzen: Fine war im Gartencenter um die Ecke und hat Pflanzen und Erde eingekauft. Sie berichtete, dass man f\u00fcr den Einkaufswagen mit Mindestabstand anstehen muss und jede Erwachsene Person einen Einkaufswagen haben muss. Jeder Einkaufswagen wurde desinfiziert. Die meisten Personen tragen inzwischen einen Mund-Nasen-Schutz. Sie hat sich dar\u00fcber aufgeregt, dass \u00e4ltere und offensichtlich kranke Personen am Samstagnachmittag, quasi zur Rushhour, meinen einkaufen gehen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false},"tags":[356,357,366,418],"autor":[417],"class_list":["post-6111","curarecoronadiaries","type-curarecoronadiaries","status-publish","hentry","tag-march","tag-april","tag-germany","tag-augsburg","autor-elias-mai"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/curare\/6111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/curare"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/curarecoronadiaries"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6111"},{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=6111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}