{"id":10991,"date":"2023-07-05T15:00:14","date_gmt":"2023-07-05T13:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/boasblogs.org\/?post_type=contestedknowledge&#038;p=10991"},"modified":"2023-07-05T15:49:39","modified_gmt":"2023-07-05T13:49:39","slug":"content-warning","status":"publish","type":"contestedknowledge","link":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/contestedknowledge\/content-warning\/","title":{"rendered":"Content Warning?"},"content":{"rendered":"\n<style>\n\t.dkpdf-download-icon { height: 1.5rem; }\n<\/style>\n\n\n\n\t<div class=\"dkpdf-button-container\" style=\" text-align:right \">\n\n\t\t<a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/contestedknowledge\/10991?pdf=10991\" target=\"_blank\">\n\t\t\t<img src='\/wp-content\/themes\/boasblogs\/dkpdf\/download_red.svg' class=dkpdf-download-icon'\/>\n\t\t<\/a>\n\t\n\t\t<!-- <a class=\"dkpdf-button\" href=\"\/de\/wp-json\/wp\/v2\/contestedknowledge\/10991?pdf=10991\" target=\"_blank\"><span class=\"dkpdf-button-icon\"><i class=\"fa fa-file-pdf-o\"><\/i><\/span> Download PDF<\/a> &rarr; -->\n\n\t<\/div>\n\n<p>Im Zentrum des Ethnologiestudiums stehen die Auseinandersetzung mit den Inhalten des Faches, deren kritische Reflexion und das gro\u00dfe Interesse daran, die unterschiedlichsten Perspektiven in und auf diese Welt zu ergr\u00fcnden. Vor allem der \u201ereflexive turn\u201c und der methodische Perspektivwechsel bieten dabei Potential f\u00fcr die Ausbildung ethnologischer F\u00e4higkeiten sowie diskriminierungssensibler Kompetenzen. Doch auch wenn vielerorts Konsens dar\u00fcber herrscht, dass Exotisierung und Othering unhaltbare, veraltete Elemente unseres Fachs sind, tauchen diese nach wie vor in Seminarkontexten auf.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Daher stehen neben den Sammlungen von Kulturg\u00fctern in Museen derzeit insbesondere auch ethnologische Wissensbest\u00e4nde und deren Vermittlung auf dem Pr\u00fcfstand. Diese rezente Kritik an der ethnologischen Lehre wird durch BiPoC Aktivist*innen und Akademiker*innen (siehe u.a. Association of Black Anthropologists) als auch durch Studierende selbst intensiv ge\u00fcbt, die eine st\u00e4rkere historische Kontextualisierung und kritische Reflexion der Lehrinhalte und deren Bezug zu aktuellen Themen, wie Dekolonialisierung, Diskriminierung, Aktivismus und gesellschaftlichen und institutionellen Machstrukturen fordern.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Warum ist es wichtig ein LAB \u00fcber die kritische und sensible Wissensvermittlung in der ethnologischen Lehre bei der DGSKA-Tagung zu organisieren?<\/b><\/p>\n<p>Um der Forderung nach einer Dekolonialisierung der Ethnologie nachzukommen, sprich ihre \u201ekoloniale epistemische Struktur und mit ihr die Machtverh\u00e4ltnisse, die von ihr getragen werden, zu bestimmen und aufzul\u00f6sen\u201c (R\u00f6lli 2021: 13), braucht es die Herausbildung von hybriden Epistemologien (Woldegiorgis 2021) etwa durch die Emanzipation von Forschung aus dem \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c und der st\u00e4rkeren Einbindung von indigenem Wissen (Harrison 2010; Smith 1999). Gleichzeitig beruht sie auf einer Sensibilisierung f\u00fcr die akademische Reproduktion von Machtpositionen &#8211; innerhalb von Gesellschaften aber auch im globalen Kontext. Die Entstehung der Sozial- und Kulturanthropologie als eigenst\u00e4ndige Disziplin der Geisteswissenschaften im sogenannten \u201eGlobalen Norden\u201c ist auch im Kontext der Kolonisierung und Alterit\u00e4t im sogenannten \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c zu verstehen (Sutton 2022). Der Weg hin zu einer kritischen, ethnologischen Lehre, welche den Forderungen nach Dekolonialisierung nachgeht, beinhaltet daher zum einen die \u00dcberpr\u00fcfung von kolonial gepr\u00e4gtem Wissen. Forderungen dazu finden sich hier unter anderem spezifisch im afrikanischen Kontext (Nyamnjoh 2012). Dar\u00fcber hinaus ben\u00f6tigt es sicherlich auch die zumeist emotionale Auseinandersetzung mit der eigenen Positionalit\u00e4t, sowie mit Diskriminierungsstrukturen und Rassismen, wie etwa im europ\u00e4ischen Seminarraum (Barnett-Naghshineh und Pattathu 2021).<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten uns daher im Rahmen der DGSKA Tagung 2023 auf kritische Art und Weise damit besch\u00e4ftigen, wie eine solche Dekolonisierung der Wissensvermittlung in der ethnologischen Lehre aussehen k\u00f6nnte und wie eine geschichtsbewusste und diskriminierungssensible Lehre gestaltet werden kann. Uns erscheint es wichtig, dabei den Fokus zun\u00e4chst auf die deutschsprachige Ethnologie zu richten. Dennoch sollten langfristig auch Erkenntnisse und Erfahrungen aus der geisteswissenschaftlichen Unterrichtspraxis (wenn m\u00f6glich auch mit direktem Bezug zur Ethnologie) im \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c hinzugezogen werden, um Ans\u00e4tze und Forderungen aufgreifen zu k\u00f6nnen und im \u201eGlobalen Norden\u201c von diesen bestehenden Praktiken und Diskursen zu lernen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>An dieser Stelle m\u00f6chten wir zun\u00e4chst jedoch ergr\u00fcnden, mit welchen Fragen wir uns zum Auftakt dieser Debatte in Deutschland besch\u00e4ftigen k\u00f6nnen, welche Forderungen es gibt, und welche konkreten Praktiken bereits existieren. Folgende Punkte stehen dabei im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Die Ethnologie als Fachdisziplin\u00a0ist historisch im \u201eGlobalen Norden\u201c entstanden und hat eine lange Forschungsgeschichte in kolonialen Kontexten, wobei sie vielerorts europ\u00e4ischen Machthabern in die H\u00e4nde spielte, lokale Bev\u00f6lkerungen zur besseren Regierbarkeit \u201elesbar\u201c und kategorisierbar zu machen. Diese Hintergr\u00fcnde sollten auch heute eine wesentliche Rolle f\u00fcr die eigene Verortung im Fach spielen, um zu thematisieren auf welchen Wissenskanon wir zur\u00fcckgreifen. In einer Zeit immer gr\u00f6\u00dferer Vernetzung und Austausches, und durch Kritik aus ehemaligen Kolonialgebieten und durch Bi_PoC Aktivist*innen an westlich-dominierter Forschungspraxis, ist das Interesse an wissenschaftlichen Ans\u00e4tzen und Perspektiven aus dem \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c gr\u00f6\u00dfer geworden. (Macht)Positionen zwischen den Kolleg*innen und Partner*innen im \u201eGlobalen Norden und S\u00fcden\u201c sowie deren Auswirkungen stehen auf dem Pr\u00fcfstand.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Wie k\u00f6nnen wir es schaffen, sowohl die Wissenschaftsgeschichte der Ethnologie als Grundlage unserer Disziplin zu nutzen als auch kritisch mit den Inhalten und etablierten Machtstrukturen umzugehen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Auch wenn es bereits fr\u00fch in der Geschichte der Ethnologie nicht-<i>wei\u00dfe<\/i> Forschende, sowie Ethnolog*innen aus dem \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c gegeben hat (man denke hier beispielsweise an Jomo Kenyatta, den ersten kenianischen Pr\u00e4sidenten nach der Unabh\u00e4ngigkeit), liegt der Fokus der Darstellung unserer Fachgeschichte auf <i>wei\u00dfen<\/i>, europ\u00e4ischen\/westlichen <i>cis<\/i>-M\u00e4nnern. Damit ist die Ethnologie nicht alleine: die Pr\u00e4gung der Wissenschaft durch Errungenschaften des \u201eGlobalen S\u00fcdens\u201c und durch Schwarze Akademiker*innen wurde und wird vielfach gezielt unsichtbar gemacht (e.g. Smith und Garrett-Scott 2021). Durch Migration und einem besseren Zugang zu den Hochschulen und Bildungseinrichtungen hat sich das Bild im europ\u00e4ischen Seminarraum mittlerweile ge\u00e4ndert: wir erleben, dass die Studierendenschaft heute viel diverser aufgestellt ist als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Dadurch ist nicht nur das Interesse an einer machtkritischen geschichtlichen Reflexion gr\u00f6\u00dfer geworden, sondern es werden auch neue Anforderungen an die Lehre gestellt. Dies \u00e4u\u00dfert sich beispielsweise darin, dass neue Themen in die Lehre einflie\u00dfen (wie dieser Blogeintrag sowie das LAB auf der DGSKA-Tagung zeigen), oder dass eingefordert wird die Arbeiten von Bi_PoC-Autor*innen in Seminaren verst\u00e4rkt zu nutzen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Wie k\u00f6nnen wir die globale Vielfalt verschiedener (ethnologischer) Perspektiven mit in die Seminarr\u00e4ume nehmen und diese Perspektiven in eine deutschsprachige ethnologische Tradition einflie\u00dfen lassen? Wie kann in der Lehre besser auf die spezifischen Bed\u00fcrfnisse und Forderungen von Studierenden mit Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen eingegangen werden?<\/b><\/p>\n<p>Die Forschung, die wir betreiben, beinhaltet eine intensive Auseinandersetzung mit pr\u00e4kolonialen, kolonialen und postkolonialen Wissensbest\u00e4nden, die auch in die Hochschulbildung eingebunden werden. Diese inhaltliche Auseinandersetzung mit Themen rund um Dekolonisierung im akademischen Kontext erfordert, dass sich die Art der Lehre \u00e4ndert, z.B. in Bezug darauf wie Seminare geplant werden, welche Literatur\/Wissensbest\u00e4nde aufgenommen werden, welche M\u00f6glichkeiten es gibt die Inhalte vor\u00a0 dem Hintergrund der Dekolonialisierungsdebatte zu reflektieren, welcher Fokus inhaltlich gesetzt und wie die Betroffenheit von Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen von Bi_PoC Studierenden aus ehemals kolonisierten Gebieten in der Lehre beachtet wird. Zudem sollten M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Studierende einger\u00e4umt werden, um aktuelle Themen in die Lehrveranstaltungen einzubringen, die als zeitgem\u00e4\u00df und relevant eingestuft werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Der Prozess muss hierf\u00fcr nicht neu aufgerollt werden. Stattdessen k\u00f6nnen Lehrende bewusst auf Arbeiten zur\u00fcckgreifen, die sich dem Versuch der Dekolonisierung der Disziplin widmen. Die Zeitschrift <i>Teaching Anthropology<\/i> (2021) brachte eine Sonderausgabe heraus, die explizit die Forschungen bez\u00fcglich einer diskriminierungssensiblen Lehre der Ethnologie in europ\u00e4ischen Seminarr\u00e4umen sammelt.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Wie k\u00f6nnen wir Dekolonisierung im eigenen Fach diskutieren? Welche M\u00f6glichkeiten gibt es im und \u00fcber den eigenen Universit\u00e4tskontext hinaus, Forderungen nach Ver\u00e4nderungen umzusetzen?<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p>Um die vielen Fragen, die im Zuge dieser Debatte aufkommen zu diskutieren, m\u00f6chten wir einen Raum schaffen, in dem Lehrende, Forscher*innen, ethnologische Aktivist*innen und Studierende deutschsprachiger Universit\u00e4ten zusammenkommen, um die aktuellen Entwicklungen im Fach zu diskutieren, die unterschiedlichen Erfahrungen aus der Lehre zusammenzutragen und eine Perspektive entwickeln, die es uns erm\u00f6glicht, die oben genannten Punkte in die Lehre zu integrieren.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Ans\u00e4tze einer sensiblen und kritischen Lehre<\/b><\/p>\n<p>Wie Erfahrungen zum Beispiel in Gro\u00dfbritannien (Mogstad und Tse 2018) und aus<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>dem afrikanischen Kontext (Nyamnjoh 2012) zeigen, m\u00f6chten wir in diesem Lab ebenfalls verdeutlichen, dass ein kritischer Blick auf die Curricula ein wesentlicher Schritt zur Dekolonisierung der Ethnologie insgesamt sein muss. Seit der Bewegung #RhodesMustFall in S\u00fcdafrika im Jahre 2015, sind Kampagnen \u00fcber Dekolonisierung der Lehrpl\u00e4ne in britischen Universit\u00e4ten, besonders in Cambridge, von Studierenden und Aktivist*innen angesto\u00dfen worden (Chae und Tabassum 2018). Dazu m\u00f6chten wir mit Ethnolog*innen im deutschsprachigen Raum \u00fcber inhaltliche und praktische Anregungen diskutieren, mit denen wir in unserer bisherigen Arbeit konfrontiert wurden. Die zentrale Frage dabei ist, was Dekolonialit\u00e4t in unserem Fachbereich bedeuten k\u00f6nnte.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Im afrikanischen Kontext beispielsweise betont Mudimbe bereits 1988, dass die koloniale Struktur in Bezug auf ethnologische und westliche Wissensproduktion gegenw\u00e4rtige afrikanische Epistemologien marginalisiert hat. Diese Seite der Geschichte ist jedoch h\u00e4ufig unsichtbar, ebenso der Einfluss von Bi_PoC Gelehrten auf die Geschichte der Ethnologie. Zumeist schaffen es westliche und <i>wei\u00dfe<\/i> Autor*innen in die Riege als ethnologische \u201eKlassiker\u201c gehandelt und somit in deutsche Einf\u00fchrungsvorlesungen aufgenommen zu werden. Dar\u00fcber hinaus werden Schwarzen Wissenschaftler*innen und Wissenschaftler*innen aus dem \u201eGlobalen S\u00fcden\u201c der Zugang zu hochkar\u00e4tigen Publikationsformaten oft strukturell verwehrt und Ungleichheit weiterhin verst\u00e4rkt (Smith und Garrett &amp; Scott 2021).<\/p>\n<p>Es scheint mehr als notwendig auch im akademischen Kontext ein Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen, nicht ausschlie\u00dflich auf die klassische ethnologische Literatur und Wissen <i>wei\u00dfer<\/i> und westlicher Wissenschaftler*innen zur\u00fcckzugreifen, sondern auch darauf zu achten, Diversit\u00e4t unter den Autor*innen und von Wissensbest\u00e4nden zu unterstreichen, welche im \u00dcbrigen auch die gesellschaftliche Realit\u00e4t in Europa und Deutschland widerspiegeln. Denn gleichzeitig nutzen viele alte Literaturen in unseren Bibliotheken und Seminarr\u00e4umen diskriminierende Sprache und basieren auf degradierenden Beschreibungen von Primitivismus oder Entwicklungsbedarf im Spiegel vermeintlich westlicher Superiorit\u00e4t.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Momentan wird im deutschen Kontext anhand des Romans\u00a0\u201eTauben im Gras\u201c von Wolfgang Koeppen (1951) diskutiert, ob B\u00fccher mit rassistischer Sprache in Schulpr\u00fcfungen zugelassen werden sollten. Wieder sind es vor allem Menschen, die Rassismuserfahrungen machen, die vermehrt darauf hinweisen, dass betroffene Sch\u00fcler*innen durch die st\u00e4ndige Reproduktion innerhalb einer deutschen Bildungseinrichtung psychische Belastungen und Verletzungen erfahren. Solche gr\u00f6\u00dferen gesellschaftlichen Diskurse betreffen derzeit das Schulsystem \u2013 weniger jedoch die Universit\u00e4ten. F\u00fcr transformative Prozesse ist es jedoch notwendig, dass Menschen mit Rassismuserfahrungen entlastet werden und in der <i>wei\u00dfen <\/i>Mehrheitsgesellschaft Bem\u00fchungen unternommen werden, um diskriminierende Strukturen, insbesondere in Institutionen, aufzubrechen. Denn auch wenn sich mittlerweile deutsche Universit\u00e4ten das Thema \u201eAntirassismus\u201c auf die Fahnen schreiben, gehen bei Fachschaften, Vertrauensdozierenden und Anlaufstellen weiterhin Beschwerden ein \u00fcber Machtmissbrauch oder \u00f6ffentliche Exotisierung von Bi_PoC Studierenden durch Dozierende.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Kritische Dozierende helfen sich heute selbst auf individueller Ebene durch angefertigte Codes of Conduct, selbst gew\u00e4hlte, diverse Seminarliteraturen, oder der Nutzung von Trigger und Content Warnings. Dies basiert jedoch auf Eigeninitiativen \u2013 strukturelle Ma\u00dfnahmen, obligatorische Weiterbildungen oder Awareness-Trainings gibt es nicht. Dass solche Initiativen sogar als Angriff auf das Fach wahrgenommen werden k\u00f6nnen, erfuhren Autor*innen dieses Beitrages selbst im Kontext der Anbringung eines \u201eNutzungshinweises\u201c \u00fcber problematische Inhalte des Bestands einer ethnologischen Bibliothek.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Trotz allem gehen wir davon aus, dass die Ethnologie im Grunde eine Vorreiterrolle einnehmen k\u00f6nnte (und sollte), wenn es um Dekolonialisierungs- und Antidiskriminierungsarbeit von Universit\u00e4ten und akademischer Lehre geht, und dass sie durch vorangegangene, kritische Auseinandersetzungen, reflexive Debatten des Fachs und dem Bewusstsein um Positionalit\u00e4t daf\u00fcr gut ausgestattet w\u00e4re.<\/p>\n<p><b>Ausblick<\/b><\/p>\n<p>Auf der Tagung der Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Sozial- und Kulturanthropologie (DGSKA) in M\u00fcnchen haben die Autor*innen das Lab \u201eContent Warning\u201c organisiert und laden am 27. Juli 2023 um 11-12:30 Uhr ein zu einer partizipativen Diskussion von Lehrformaten und Inhalten. Es vereint Personen mit Lehrerfahrung, Studierende und Aktivist*innen zum generations\u00fcbergreifenden, diversen Ideenaustausch. Nach kurzen Impulsvortr\u00e4gen wechseln wir ins offene Gespr\u00e4chsformat und stellen uns gemeinsam folgenden Fragen: Wie vermitteln wir in der Ethnologie im deutschsprachigen Raum die koloniale Geschichte unseres Faches und seiner Wissensbest\u00e4nde? Wie gestalten wir einen verantwortungsbewussten Umgang mit diskriminierender Repr\u00e4sentation? Braucht es \u201eContent Warnings\u201c an unseren Bibliotheken? Sollten wir Quoten f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Repr\u00e4sentation von Bi_PoC Autor*innen einf\u00fchren? Gern w\u00fcrden wir in Betracht ziehen, welche Strategien in Seminarr\u00e4umen bereits entwickelt wurden und welche W\u00fcnsche und Bed\u00fcrfnisse dort ge\u00e4u\u00dfert werden.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Literatur<\/b><\/p>\n<div style=\"text-indent: -2em; padding-left: 2em;\">\n<p>Barnett-Naghshineh, Olivia, und Antony Pattathu. 2021. Introduction to the Special Issue Decolonizing Anthropology: Race, Emotions and Pedagogies in the European Classroom. <i>Teaching Anthropology<\/i> 10, 1\u201316.<\/p>\n<p>Chae, Howard, und Faria Tabassum. 2018. What is decolonisation and why does it matter at Cambridge? <a href=\"https:\/\/www.varsity.co.uk\/features\/16143\">https:\/\/www.varsity.co.uk\/features\/16143<\/a> (zugegriffen: 5. Mai 2023).<\/p>\n<p>Harrison, Faye V., Hrsg. 2010. <i>Decolonizing anthropology. Moving further toward an anthropology for liberation<\/i>. Third edition. Arlington, Virginia: Association of Black Anthropologists American Anthropological Association.<\/p>\n<p>Koeppen, Wolfgang. 1951. <i>Tauben im Gras<\/i>. Stuttgart: Scherz &amp; Goverts.<\/p>\n<p>Mogstad, Heidi, und Lee-Shan Tse. 2018. Decolonizing Anthropology. <i>The Cambridge Journal of Anthropology<\/i> 36, 53\u201372.<\/p>\n<p>Mudimbe, Valentin-Yves. 1988.<i> The invention of Africa. Gnosis, philosophy, and the order of knowledge<\/i>. Bloomington: Indiana Univ. Pr.<\/p>\n<p>Nyamnjoh, Francis B. 2012. \u2018Potted Plants in Greenhouses\u2019: A Critical Reflection on the Resilience of Colonial Education in Africa. <i>Journal of Asian and African Studies<\/i> 47, 129\u2013154.<\/p>\n<p>R\u00f6lli, Marc. 2021. <i>Anthropologie dekolonisieren. Eine philosophische Kritik am Begriff des Menschen<\/i>. Frankfurt: New York.<\/p>\n<p>Smith, Christen A., und Dominique Garrett-Scott. 2021. \u201cWe are not named\u201d: Black women and the politics of citation in anthropology. <i>Feminist Anthropology<\/i> 2, 18\u201337.<\/p>\n<p>Smith, Linda Tuhiwai. 1999. <i>Decolonizing Methodologies. Research and Indigenous Peoples<\/i>. London, New York: Zed Books.<\/p>\n<p>Sutton, Mark Q. 2022. <i>A concise introduction to cultural anthropology<\/i>. London, New York, NY: Routledge Taylor &amp; Francis Group.<\/p>\n<p>Teaching Anthropology. 2021. Special Issue: Decolonizing Anthropology: Race, Emotions and Pedagogies in the European Classroom. <a href=\"https:\/\/www.teachinganthropology.org\/ojs\/index.php\/teach_anth\/issue\/view\/TAJ%2520Decolonization%2520Special%2520Issue\">https:\/\/www.teachinganthropology.org\/ojs\/index.php\/teach_anth\/issue\/view\/TAJ%20Decolonization%20Special%20Issue<\/a> (zugegriffen: 23. Juni 2023).<\/p>\n<p>Woldegiorgis, Emnet T. 2021. Decolonising a higher education system which has never been colonised. <i>Educational Philosophy and Theory<\/i> 53, 894\u2013906.<\/p>\n<\/div>\n<p><em><b>Katrin Sowa<\/b> arbeitet als Dozentin am Institut f\u00fcr Ethnologie der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln und ist dort Studiengangskoordinatorin des internationalen Masterstudiengangs Culture and Environment in Africa. Sie hat k\u00fcrzlich ihre Doktorarbeit abgeschlossen, welche den staatlichen Umgang mit kolonialen Grenzen in Ostafrika thematisiert, und die Einf\u00fchrung sogenannter One Stop Border Posts in Kenia. Daneben entwickelte sie gemeinsam mit dem afro-deutschen Verein Pamoja Afrika e.V. K\u00f6ln und ihrer Kollegin, der Historikerin Sofie Steinberger, das Ausstellungsprojekt b\/or\/der st\/or\/ies, welches bis Ende August 2023 im Rautenstrauch-Joest-Museum zu sehen ist.<\/em><\/p>\n<p><em><b>Lamine Doumbia <\/b>ist Sozialanthropologe und derzeit internationaler Postdoc-Forscher am Exzellenzcluster &#8222;Africa Multiple&#8220; der Universit\u00e4t Bayreuth. Nach seinem Stipendium am Institut f\u00fcr Afrikastudien der Universit\u00e4t Bayreuth absolvierte er k\u00fcrzlich ein Individual Fellowship und war Co-Leiter der interdisziplin\u00e4ren Fellow Group 6 am Merian Institute for Advanced Studies in Africa (MIASA) &#8211; University of Ghana, Legon. Doumbia war au\u00dferdem Postdoc-Stipendiat am Deutschen Historischen Institut Paris (DHIP) im Rahmen der transnationalen Forschungsgruppe &#8222;Die B\u00fcrokratisierung afrikanischer Gesellschaften&#8220; mit Sitz in Dakar am Centre de Recherches sur les Politiques Sociales (CREPOS) derUniversit\u00e9 Cheikh Anta Diop.<\/em><\/p>\n<p><em><b>Hauke-Peter Vehrs<\/b> arbeitet am Institut f\u00fcr Ethnologie der Universit\u00e4t\u00a0 zu K\u00f6ln und ist aktuell Postdoktorand im Sonderforschungsbereich\u00a0CRC228 \u201eFuture Rural Africa\u201c. Dort arbeitet er<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>zu den Themen Umweltschutz, Umwelt(un)gerechtigkeit, Defaunation &amp; Rewilding, sowie Multispecies Ethnography. Er forscht momentan in zwei verschiedenen Kontexten: im Nordosten Namibias setzt er sich vor allem mit der Geschichte des Umweltschutzes und den Auswirkungen auf die lokale Bev\u00f6lkerung auseinander, und im Nordwesten Kenias \u2013 in einer Region die stark von pastoralen Lebensweisen gepr\u00e4gt ist \u2013 arbeitet er zu der historischen Aufarbeitung der Ausrottung vieler Wildtierarten w\u00e4hrend der Kolonialzeit, den Auswirkungen dieses defaunation\u00a0Prozesses, sowie den Versuchen einzelne Wildtierarten wieder neu anzusiedeln. 2022 erschien seine Dissertation bei James Currey unter dem Titel <a href=\"https:\/\/boydellandbrewer.com\/9781847012968\/pokot-pastoralism\/\">Pokot Pastoralism: Environmental Change and Socio-Economic Transformation in North-West Kenya<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Quy\u00ean Vo<\/strong> lebt in Leipzig und ist politische Bildnerin und Projektmitarbeiterin bei JUGENDSTIL*, einem Projekt zur F\u00f6rderung von gesellschaftlicher Teilhabe und Mitgestaltung von jungen Menschen mit Migrationsgeschichte in Ostdeutschland. Sie studiert Ethnologie und Linguistik und besch\u00e4ftigt sich mit Fragen der Dekolonisierung kultureller Institutionen, Widerstandspraktiken in Popkultur und Fiktion und globalen Machtverh\u00e4ltnisse und Allianzen. In der Vergangenheit hat sie im Rautenstrauch-Joest-Museum in K\u00f6ln als Kunstvermittlerin gearbeitet und das Kulturfestival \u201eRice and Roots: Asian Diaspora\u201c in K\u00f6ln organisiert.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":21,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"inline_featured_image":false,"footnotes":""},"autor":[654,655,656,653],"class_list":["post-10991","contestedknowledge","type-contestedknowledge","status-publish","hentry","autor-lamine-doumbia","autor-hauke-peter-vehrs","autor-quyen-vo","autor-katrin-sowa"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/contestedknowledge\/10991","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/contestedknowledge"}],"about":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/contestedknowledge"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/21"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/contestedknowledge\/10991\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11009,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/contestedknowledge\/10991\/revisions\/11009"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10991"}],"wp:term":[{"taxonomy":"autor","embeddable":true,"href":"https:\/\/boasblogs.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/autor?post=10991"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}